Über Themen mit E Testbericht

ab 43,00
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Hummel2000

Mein ' E ' , das steht für Ellen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Und Ellen ist meine Cousine.
Toll, werdet Ihr jetzt denken. Da schreibt jemand über seine Cousine, was doch nun wirklich kein Schwein interessiert.
Richtig, ich schreibe über meine Cousine - gerade weil ich gemerkt habe, daß sich kaum jemand für sie interessiert.
Gestern ist Ellen fünfzig geworden.
Das sollte doch eigentlich ein schöner Tag sein im Leben eines Menschen, aber für sie war es wohl ein Tag wie jeder andere.
Ellen sitzt im Rollstuhl.
Nicht in so einem kleinen, handlich-klappbaren, der sogar in die meisten Autos paßt.
Ihr Rollstuhl ist ein wahres Monstrum.
Sie ist spastisch gelähmt und irgendwie in der Hüfte verdreht. Man kann es schlecht beschreiben, aber ihre Beine stehen vom Körper weg und zeigen nach rechts.
Deshalb benötigt sie am Stuhl noch so ein großes Fußteil.
Sie kann den Rolli, der schon mehr ein großer Roller ist, überhaupt nicht alleine bewegen.
In der Wohnung zieht sie sich mit Hilfe von Schlaufen gerade mal von einer Ecke in die andere.
Sie lebt mit ihrer berufstätigen Schwester zusammen,dir täglich zehn Stunden aus dem Haus ist.
Somit lebt Ellen sehr isoliert.Ihre besten Freunde sind das Telefon, der Fernseher und ihre CD\'s.
Ihre Wohnung gilt als behindertengerecht, was einfach nur bedeutet, daß die Türen breiter sind und es keine Schwellen oder Treppen gibt.
Noch nicht mal auf den Balkon kann sie - der ist wohl für Behinderte nicht vorgesehen.
Ach ja, ich vergaß noch zu erwähnen, daß die Wohnung sich im dreizehnten Stock eines mehr wie entsetzlichen Sozialbaus befindet und das ihr Rollstuhl gerade mal in einen einzigen Aufzug reinpaßt.
Wißt Ihr, wie oft dieses Ding nicht funktioniert ? Und wie lange es dauert, bis er repariert wird ?
Kein Aufzug bedeutet dann auch, daß der wöchentliche Ausflug mit der Behindertengruppe ausfällt.
Als Kind, da konnte Ellen sogar laufen. Zwar auf Krücken, aber immerhin laufen. Mit fünf Jahren wurde sie dann zum wiederholten Male operiert und seitdem ist es, wie es ist.
Ellen hat keine Schulbildung, lesen kann sie recht gut, aber mit dem Schreiben wird es sehr schwierig.
Trotzdem ist sie für mich eine der klügsten Menschen, die ich kenne.
Von ihr könnte jeder sehr viel lernen.
Ich bewundere an ihr ihre unbändige Lebensfreude. Ihren Spaß an den kleinsten Dingen.
Und ich bewundere ihren Humor. Sie lacht sehr gerne und sie kann wirklich die besten Witze erzählen.
Aber vor allem liebt sie die Menschen.
Und egal, was ihr passiert - ganz egal, was man ihr sagt, oder wie man sie behandelt : Sie versucht, die Handlungsweise des anderen zu verstehn und nimmt wirklich die Dinge als gegeben hin, die sie nicht ändern kann.
Ich bewundere ihren Gleichmut, ihre Gelassenheit.
Wenn ich mit ihr in die Stadt fahre, dann bin ich nach ein paar Minuten schon mit meinen Nerven am Ende.
Bordsteine, die so hoch sind, daß ich Angst habe, der Stuhl fällt um.
Menschen auf dem Bürgersteig mit allen möglichen rollenden Untersetzern - vom Roller bis zum Fahrrad. Und alle wollen, daß wir ihnen Platz machen.
Aber auch Menschen, die nicht normal mit Ellen reden können. Sie schreien sie ständig an. Warum glauben so viele Menschen, jeder Behinderte sei automatisch auch schwerhörig ?
Für mich wird jeder Spaziergang zum Kampf mit der Umwelt, den Mitmenschen und überhaupt.
Und ich denke immer, wie schön es für Ellen sein könnte, wenn all die Widrigkeiten eben nicht wären.
Aber Ellen, die ist sogar für diese ganzen kleinen und großen Übel dankbar.
Lieber so als gar nicht, sagt sie mir. Und das es anders vielleicht auch langweiliger wäre.
Dankbar nimmt sie das, was das Leben ihr gibt. Und das ist eigentlich wenig genug.
Aber das ist der Grund, warum ich sie so bewundere und warum ich hier über sie schreibe.

12 Bewertungen