Erfahrungsbericht von Indigo
Glasmalerei Teil 2: GLAS UND FARBE
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Glasmalerei: Ein tausend Jahre alter Beruf, Teil 2
Zunächst habe ich die Geschichte der Glasmalerei in der Rubrik Berufe eingestellt. Da dort weitere Beiträge nicht möglich sind, werde ich die folgenden Abschnitte alle hier unter G posten. Heute geht es im zweiten Teil um das Thema Glas und Farben.
2. Glas und Glasfarben
Ich habe schon vorab erklärt, dass Glasmalerei das Malen mit Glas und das Malen auf Glas beinhaltet. Folglich ist das Handwerk traditionell auf farbige Gläser angewiesen. In der Geschichte der Glasherstellung gab es zahlreiche Glasfärbemittel. Das Wissen um die Konsistenz, die sogenannten Farbglassätze, wurde wie ein Geheimnis gehütet. Grundsätzlich besteht Glas hauptsächlich aus Kieselsäure. In der Natur finden wir Kieselsäure als Sand oder Quarz. Neben diesem fünfzig- bis fünfundsiebzigprozentigen Anteil von Kieselsäure benötigen wir noch Kalk und Soda. In den Farbglassätzen sind teilweise nur minimale Beigaben färbender Rohstoffe notwendig, um das Endprodukt farbig zu gestalten. Oftmals handelt es sich dabei um Metalle oder Salze, manchmal jedoch auch um nichtmetallische Stoffe wie z.B. Schwefel oder Graphit.
Viele dieser Stoffe haben im ursprünglichen Zustand eine ganz andere Farbe als nach den komplizierten chemischen Vorgängen, die sich neben den physikalischen Prozessen abspielen. Einige der noch heute gebräuchlichen Glasfärbesätze sind mehrere Jahrhunderte alt. Sie entstanden ursprünglich ohne jede wissenschaftliche Grundlage rein aus der erprobenden Praxis heraus, manchmal sogar aus purem Zufall. So wird überliefert, dass die brillante Gelbfärbung dadurch entdeckt wurde, dass einem Glashersteller ein Silberknopf seiner Jacke in die flüssige Glasmasse fiel. Das erkaltete Glas enthielt zur Überraschung aller eine Gelbtönung. So entstand das noch heute benutzte Silbergelb.
Im Folgenden führe ich einige dieser alten Glassätze für Farbgläser an:
ROT (GOLDROT)
Quarzsand 47,10 %
Pottasche 13,00 %
Bleimennige 33,00 %
Salpeter 4,80 %
Borax 1,20 %
Antimonoxyd 0,63 %
Braunstein 0,25 %
Goldchloridlösung 0,02 %
Folglich ist auch leicht erklärbar, dass rotes Glas sehr kostenintensiv ist, weil Goldchlorid als Bestandteil notwendig ist. Gleichzeitig bewirkt die vorgenannte Mischung eine derart intensive Rotfärbung, dass das Glas in der Durchsicht nahezu schwarz wirken würde. In einem technischen Verfahren wird eine hauchdünne Schicht von rotem Glas auf weißes Glas gezogen, so dass ein sehr geringer Rotanteil ein insgesamt brillantes Ergebnis liefert.
Für Blautöne ist die Mischung vergleichsweise einfach:
DUNKELBLAU
Quarzsand 68,20 %
Soda 13,40 %
Pottasche 8,30 %
Kalk 10,02 %
Kobaltoxyd 0,08 %
In der klassischen Glasmalerei waren die Gläser in der Regel mundgeblasen. Heute gibt es maschinengezogene Gläser und imitierte Antikgläser. Die Werkstätten der Glasmalerei verwenden aber auch heute noch vorwiegend mundgeblasene Echtantikgläser. Da mundgeblasene Glastafeln niemals gleichmäßig dick sind, entstehen für den Glasmaler wichtige und unverzichtbare Farbabstufungen innerhalb eines Glases. Der Profi erkennt zudem auf Anhieb, ob die Glasmalerei mit echtem Antikglas oder mit sogenannten Halbantikgläsern entstanden ist. Echtantikglas zeigt notwendig unregelmäßige Lufteinschlüsse, wodurch eine sogenannte Bläselung im Glas entsteht. Die Oberfläche ist unregelmäßig strukturiert und die Glastafel weist unterschiedliche Stärken auf. Halbantikgläser haben auch Lufteinschlüsse, die jedoch wie ein Tapetenmuster gleichmäßig die Tafel durchziehen und sie sind gleichmäßig dünn bzw. dick.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 3 zum Thema Glasschneiden folgt demnächst.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-04 15:26:36 mit dem Titel Glasmalerei: Die Kunst des Glasschneidens Teil 3
Glasmalerei: Die Kunst des Glasschneidens Teil 3
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben.
3. Die Kunst des Glasschneidens
Zunächst soll eine weit verbreitete Meinung desillusioniert werden. Wer kennt nicht die schönen Filmchen aus Aktenzeichen XY ungelöst mit Eduard Zimmermann, wo reale Überfälle und Einbrücke nachgespielt werden. Wie oft haben die bösen Einbrecher mit einem ominösen Glasschneider einen Kreisausschnitt in die Fensterscheibe des Juweliers geschnitten, um dann mit einem Saugnapf den kreisrunden Schnitt herauszuziehen. Dies ist absoluter Quatsch und unmöglich. Wir werden im Folgenden noch sehen und verstehen, warum das unmöglich ist.
Um Glas zu schneiden, sind unterschiedliche Methoden bekannt. Demnach existieren auch verschiedene Schneidewerkzeuge. So gibt es Sandsteinscheiben, die das Durchschleifen größerer Glasdicken ermöglichen. Es gibt Sandstrahlgebläse, wobei die gewünschte Schnittlinie mit einer Schablone oder Schutzschicht ausgespart werden muss. Sandstrahlgebläse werden vorwiegen dann eingesetzt, wenn Glastafeln ein einseitiges, stark ausgeprägtes Relief aufweisen oder auch für Drahtglas. Eine weitere Möglichkeit zum Glasschneiden bietet ein sogenannter endloser Draht, der mit hoher Geschwindigkeit über Schnurscheiben läuft und die Kante der zu schneidenden Glastafel durchsägt, wenn diese an der Schnittstelle mit einer Mischung von Karborundum und Oel berieselt wird. All diese Schneidetechniken spielen in der Glasmalerei keine Rolle.
In der Glasmalerei werden vergleichsweise kleine Glasstücke verarbeitet, teilweise sind Glasstücke genau zuzuschneiden, die nicht größer sind als ein 5 Cent-Stück. In diesem Beruf finden traditionell Diamandschneider und heute fast ausschließlich das sogenannte Stahlrad Anwendung. Das Stahlrad ist identisch mit den gängigen Produkten, die es in jedem Baumarkt für 3 bis 4 Euro zu erwerben gibt.
Die Stahlrädchen sind keilförmig zugespitzt und tragen außerdem auf dem Umfang eine fein angeschliffene Facette, die das Ritzen des Glases verursacht. Die Rädchen, mit einem Durchmesser von ca. 4,5 mm sind zu je sechs in revolverartiger Anordnung in einer auswechselbaren Rosette untergebracht und bestehen aus einer harten Legierung, die neben Eisen, Kohlenstoff, Wolfram und Vanadium enthält.
Durch das Entlangführen des Stahlrads über die Glasfläche entsteht ein feiner Spalt im Glas. Gleichzeitig entsteht beim Schneiden des Glases Glasstaub.. Ein Teil dieses Glasstaubs fällt in den Spalt, so dass dieser hierdurch aufgekeilt wird und unter Spannung steht. Diese Spannung ist die wichtigste Voraussetzung für den Glasschnitt. Sobald nun von der Glasunterseite ein leichter Druck erfolgt wird das Glas an der Schnittlinie sauber durchbrochen.
Als Vergleich kann angeführt werden, dass man das Glas etwa mit dem gleichen Kraftaufwand brechen kann, wie eine Tafel Schokolade, wobei der Druck so gesteuert werden muss, dass die Schokolade dort bricht, wo sie brechen soll. Auf diese Weise kann z.B. auch eine Fensterscheibe von einem Quadratmeter leicht geteilt werden. Ebenso könnte man mit einem Bleistift zwischen zwei Fingern unter den Schnittanfang klopfen, um den Schnitt voranzutreiben.
Viele Handwerker, die den Beruf des normalen Glasers erlernt haben, schwören auf die Vorbehandlung der Schnittfläche mit Schneidöl. Richtig ist, dass dadurch mehr Glasstaub mit dem Öl in den Schnittspalt fließt und die Spannung erhöht wird., dennoch ist dieses Verfahren nur bei großen und langen Schnitten sinnvoll. An der Schnittlinie entlang entstehen auf beiden Seiten Begleitsprünge, die zu leise hörbarem Abspringen langer, feiner Glasbändchen führen. Der nun im Spalt befindliche Glasstaub bewirkt langsam weitere Aussplitterungen an den oberen Kanten des Schnittspaltes. Dadurch geht nach und nach die Spannung im Spalt verloren. Man sagt, der Schnitt wird kalt. Ist der Schnitt kalt, so lässt sich das Glas nur noch schwer an der Schnittlinie brechen. Wartet man mehrere tage oder Wochen, so bricht das Glas zumindest an der Schnittlinie gar nicht mehr.
In der Glasmalerei wird ab und zu einmal das Stahlrädchen in einen mit Schneidöl getränkten Wattebausch getaucht. Bei der Kürze der Schnitte spielt die Qualität des Schnittes keine so große Rolle.
Für den Laien abschließend noch ein kleiner Tipp. Glas ist immer dann gut zu brechen, wenn die Oberflächenspannung gleichmäßig gebrochen wird. Theoretisch geht das auch mit einem ganz normalen Nagel. Ich kenne Hobby-Heimwerker, die das Glas unter Wasser (Schüssel oder Badewanne)mit einem Nagel einritzen und dann fein säuberlich wie von Zauberhand brechen.
Um noch einmal auf den Kreisauschnitt zurückzukommen, so ist jetzt klar, dass der Schnitt keineswegs eine Lücke freimacht, um den Kreis mit einem Saugnapf herauszuziehen. Die Scheibe würde in tausend Stücke zerspringen und den Einbrechern wären gute Gesichtsmasken zu empfehlen.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 4 zum Thema folgt demnächst.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-08 20:37:37 mit dem Titel Glasmalerei: Die Bleiverglasung, Teil 4
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben. Der dritte Teil beschäftigte sich mit dem Glasschneiden. Und im vierten Teil geht es nun um die Herstellung einer Bleiverglasung.
Glasmalerei: Die Bleiverglasung, Teil 4
Jedes Kirchenfenster besteht aus verschiedenen Glasfeldern, und jedes einzelne Glasfeld aus vielen einzelnen Glasstücken. Die Glasstücke werden durch Bleiruten und Kitt zusammengehalten. Wichtigste Voraussetzung für die Verbleiung eines Feldes ist, dass die einzelnen Glasstücke, bemalt und gebrannt, in ihrem Zusammenhang auf einem Karton geordnet liegen. Vor dem eigentlichen Bleien sind nun die verschiedenen Werkzeuge des Glasmalers von besonderer Bedeutung. Das Bleiglasfeld entsteht auf dem sogenannten Bleitisch, der aus einer massiven Weichholzplatte besteht. An der linken und der dem Glasmaler zugewandten Vorderkante des ebenen Brettes sind zwei Hartholz-Anschlagleisten genau im rechten Winkel festgenagelt. An dieser Arbeitsplatte werden nun folgende Werkzeuge benötigt: das Bleimesser, der Bleiaufreiber, ein leichter Schlosserhammer, eine Kröselzange, eine Schachtel mit 35er-40er Schreinerstiften, ein Winkel, ein Maßband und ein paar Treibleisten, welche die gleiche Beschaffenheit wie die zuvor erwähnten Anschlagleisten haben. Anzumerken wäre noch die häufige Verwendung des Stahlradschaftes anstatt des Aufreibers.
Nun benötigt man nur noch die biegsamen, flexiblen Bleiruten, die um die einzelnen Glasstücke gelegt werden. Im Querschnitt betrachtet, sieht eine Bleirute wie der Großbuchstabe H aus, wenn er umkippt. Der Bleikern (die Mittelstrebe des Großbuchstaben H), ist ungefähr 1,5 mm dick. Die Bleiwände (die Seitengeraden des Großbuchstaben H) variieren zwischen 3mm und 2,5cm in der Breite.
Im ersten Arbeitsgang werden nun die Bleiruten aufgerieben. Dabei zieht man mit dem Aufreiber bzw. mit dem Holzschaft des Stahlrades auf dem Bleikern zwischen den beiden Wänden die gesamte Länge der Bleirute von beiden Seiten entlang. – Für die Leser, deren Grenzwert an Vorstellungskraft nun allmählich erreicht ist, kann man diesen Vorgang evtl. noch dadurch vermitteln, dass man sagt, dass die Seitenteile des Großbuchstaben H, der ja, wie wir wissen, auf der Seite liegt, nun nicht mehr parallel verlaufen, sondern an beiden Seiten auseinanderdriften. Das ganze dient dazu, dass man das Glasstück besser in die Bleirute schieben kann. – Die ersten zwei aufgeriebenen Bleiruten werden im rechten Winkel unter die Anschlagleisten geschoben, und bilden später zwei Außenkanten des fertigen Glasfeldes. An der Stelle, wo die beiden Bleiruten aufeinander treffen, wird die eine an ihrem Ende mit dem Schlosserhammer leicht gestaucht, sodass sie sich in die andere Bleirute hineinschieben lässt. Nun kann das erste Glasstück, welches in der linken unteren Ecke des späteren Glasfeldes steckt, eingesetzt werden.
Um nicht endgültig alle an den Rand des Wahnsinns zu treiben, reduziert die weitere Beschreibung der Bleiverglasung das Beispiel darauf, dass alle Glasstücke rechteckig sind. Jedes dieser Glasstücke muss beim Einsetzen stets an zwei Kanten auf Bleiruten treffen. Nachdem nun das erste Glas wie beschrieben eingesetzt worden ist, wird an der rechten, freien Kante die nächste Bleirute an ihrem Ende gestaucht, unter die Glaskante geschoben und mit dem gestauchten Ende in die Bleirute an der Anschlagleiste geführt. Die zwischen den beiden Glasstücken nun überstehende Bleirute wird nun bündig abgeschnitten und an der Schnittstelle wiederum so gestaucht, dass nun über die zwei verbundenen Glasstücke die nächste Bleirute eingesetzt werden kann. Der so beschriebene Vorgang setzt sich so lange fort, bis durch die eingesetzten Glasstücke das fertige, rechteckige Glasfeld entstanden ist.
Zum Abschluss werden alle Kreuzpunkte der Bleiruten glatt gestrichen und mit Stearinöl bepinselt. Dem Stearinöl werden in der Glasmalerei geringe Anteile eines Flussmittels für Zinn beigefügt. Wichtig zu wissen ist, dass der Schmelzpunkt des Zinns bei 232 Grad liegt, und der des Blei bei 327 Grad. Wenn nun die einzelnen Kreuzpunkte mit einem Lötkolben und Zinnstangen verlötet werden sollen, so besteht die handwerkliche Geschicklichkeit darin, dass der Lötkolben in einem regelmäßigen Abstand auf die Kreuzpunkte der Bleiruten aufgesetzt wird, sodass die Temperatur des Kolbens immer in dem vorgenannten Temperaturintervall bleibt. Wird der Kolben durch zu langsames Arbeiten zu heiß, so verbrennt das Blei, bleibt die Temperatur des Kolbens zu gering, so zerfließt das Zinn nicht gleichmäßig und bildet beim fertigen Glasfenster hässliche Lötstellen. Nach dem Löten wird das Stearinöl abgewischt, die Treibleisten werden gelöst, und das locker fixierte Bleifeld wird gewendet. Jetzt wiederholen sich die zuvor beschriebenen Arbeitsgänge auf der Rückseite des Glasfeldes.
Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, werden Bleiruten und Gläser nochmals von den Fettrückständen gereinigt, womit der eigentliche Arbeitsgang der Bleiverglasung abgeschlossen ist.
Entweder handelt es sich um ein Glasfenster, welches im nächsten Arbeitsgang noch verkittet werden muss, oder das Glasfenster wird zwischen zwei Thermopen-Scheiben eingesetzt, wo eine Verkittung überflüssig ist. Nach diesem Grundmuster wird Glasfeld für Glasfeld verbleit, bis sämtlich Felder des gesamten Fensters für den Einbau fertig gestellt sind.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 5 zum Thema folgt demnächst. Ich verspreche hoch und heilig, dass es dann auch wieder weniger technischen und dafür mehr künstlerischen Inhalt des Handwerks zu lesen gibt.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-10 17:50:24 mit dem Titel Glasmalerei: Die Entstehung eines Glasfensters, Teil 5
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben. Der dritte Teil beschäftigte sich mit dem Glasschneiden. Im vierten Teil ging es um die Herstellung einer Bleiverglasung. Heute geht es im fünften Teil um die Entstehung eines Glasfensters.
Glasmalerei: Die Entstehung eines Glasfensters, Teil 5
Ich versprach ja im letzten Teil, nun wieder weniger technisch und dafür mehr künstlerischen Inhalt des Handwerks vorzustellen. Die folgende Darstellung verdeutlicht nachhaltig, dass Glasmalerei ein Kunsthandwerk ist..
Alles beginnt heute wie vor tausend Jahren mit einem Auftraggeber. In dem vergangenen Jahrtausend waren die Auftraggeber nahezu ausschließlich im kirchlichen Bereich angesiedelt. In den letzten Jahren hat sich die Glasmalerei zunehmend zu einer profanen Kunstform entwickelt, so dass auch private oder gewerbliche Auftraggeber regelmäßig anzutreffen sind. Die Vormachtstellung der Kirche ist jedoch auch heute noch ungebrochen. Wenn sich also jemand im Rahmen seiner Berufswahl für dieses Handwerk interessiert, so muss er wissen, dass die Werkstätten vorwiegend sakrale Fenstermotive anfertigen.
Der Auftraggeber wird zunächst einen Künstler beauftragen, einen Entwurf anzufertigen. Thematisch kann es sich um eine Bibelszene handeln (z.B. Die Auferstehung) oder aber auch um Ereignisse der Gegenwart. Der Künstler wird sich das Gebäude ansehen, in dem das Fenster später eingebaut werden soll. Er muss die Architektur, den Baustil, die Atmosphäre und die Lichtverhältnisse beachten. In der Regel wird der Künstler das Gebäude von innen und außen zu verschiedenen Tageszeiten betrachten, da sich die Lichtverhältnisse ändern. Gleichzeitig nimmt der Künstler die Maße des Fensters auf und legt die Aufteilung der einzelnen Glasfelder fest. So entsteht zunächst ein Raster für das Fenster.
Im nächsten Arbeitsschritt fertigt der Künstler einen Entwurf im Maßstab 1 : 10. Der Entwurf wird mit wasserlöslichen Farben und Tusche koloriert, wodurch der Künstler seine Intention für die Umsetzung in ein Glasfenster verdeutlicht. Verläuft z.B. an einer Stelle die Farbe von kräftigem Grün zu ganz transparentem hellen Grün, so ist es später die Aufgabe des Glasmalers, diesen Farbverlauf beim Zuschnitt und der Glasauswahl möglichst genau zu treffen. Es obliegt dem jeweiligen Künstler, mit welcher Präzision der Entwurf gefertigt wird. Arbeitet ein Künstler seit vielen Jahren mit ein und derselben Glasmalerei zusammen und kennt er die Mitarbeiter der Werkstatt, so kann er relativ frei und offen seinen Entwurf zu Papier bringen, da Glasmaler aus Erfahrung weiß, wie der Künstler seinen Pinselschwung gemeint haben wird.
Dieser nun fertige Entwurf wird nun dem Auftraggeber zur Genehmigung vorgelegt. Auf dieser Basis erfolgt dann die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Glasmalerei. Nun werden Korrekturen durchgesprochen, Farbinterpretationen abgestimmt und einzelne Glasproben in ihrer Komposition kritisch hinterfragt. Das Maß dieser Zusammenarbeit richtet sich in der Regel nach der Bereitschaft des Künstlers. Der Franzose Marc Chagall bestand beispielsweise auf einer exakten Übertragung seiner Detailzeichnung. Jeder seiner Pinselstriche musste durch Ausschleifen oder Plattieren übertragen werden. Die Arbeit des Handwerks an einem Chagall-Entwurf ist einerseits unglaublich anstrengend, andererseits äußerst reizvoll, sei es auch nur das bloße Nachempfinden der künstlerischen Intention. Der Glasmaler interpretiert quasi jeden einzelnen Pinselstrich, und ist ein Haar am Pinsel quergestellt, so wird auch dieser Zug auf dem einzelnen Glasstück nachempfunden. Als Gegenbeispiel zu Chagall kann man den Engländer James Hogan anführen, der der Werkstatt nahezu völlige Freiheit lässt.
Nach dem Entwurf erfolgt die Anfertigung einer Werkzeichnung auf Karton in der Originalgröße des Glasfensters. Bei diesem Arbeitsgang ist nun jede Ungenauigkeit auszuschließen. Hier muss jedes Maß und jede Einzelheit stimmen. Die Vergrößerung des Entwurfes von 1 : 10 auf Originalgröße erfolgt auf verschiedenen Wegen, sei es eine manuelle Rastervergrößerung oder auch eine fotographische Vergrößerung. Ist ein Kirchenfenster zum Beispiel 12 Meter hoch und 2,5 Meter breit, so wird die Werkzeichnung auf den Millimeter genau angefertigt.
Im nächsten Arbeitsschritt erfolgt der Aufriss. Der Aufriss bildet eine Pause der Bleiruten bzw. Glasschnitte auf dem Karton. Wie bei einem Mosaik lassen sich nun schon die einzelnen Glasstücke erahnen. Dieser Aufriss wird nun schabloniert, indem mit einer speziellen Schere (3 Klingen) genau auf den durchgepausten Linien ein 1,5 mm breiter Streifen herausgeschnitten wird. Genau so dick ist später der Kern der Bleiruten, so dass bei der Herstellung der Bleiverglasung das Fenster zusammenpasst und nicht größer wird. Spätestens jetzt sollten die Werkstattfenster geschlossen werden, da nun für jedes noch so winzige Glasstück eine Pappkartonschablone auf dem Tisch liegt.
Der Glasmaler wird nun für jede einzelne Schablone ein passendes Glas heraussuchen und zuschneiden, wobei er die Farbe, die Glasdicke und den Farbverlauf dem Entwurf des Künstlers entnimmt.
Ist das gesamte Glasfenster in seinen Einzelteilen zugeschnitten, werden die einzelnen Gläser ggf. bemalt bzw. geätzt. Die bemalten Gläser werden dann im Brennofen gebrannt. Die Farben des Glasmalers bestehen aus ähnlichen Bestandteilen wie das Glas selbst. Glas wird ab 600 Grad langsam flüssig, so dass ab dieser Temperatur die aufgetragene Glasmalerfarbe in das Glas eindringt und verschmelzt. Wichtig ist bei dem Brennvorgang, dass das Glas langsam erhitzt und ebenso langsam abgekühlt wird. Ansonsten knallt `s im Brennofen hörbar. Gebrannt wird in einem vollautomatischen Brennofen in der Regel abends, um am nächsten Tag mit dem nächsten Arbeitsgang fortzufahren.
Liegen nun alle einzelnen Gläser in der endgültigen Form vor, so wird Feld für Feld eine Bleiverglasung angefertigt, wie ich es im vierten Teil ausführlich erklärt habe. Ist das verbleite Fenster dann verkittet, werden bei größeren Feldern noch Windeisen auf das Fenster gelötet, so dass sich die Fenster später durch Sturm und Wind nicht verbiegen. Glasmalereifenster haben leider keine Sprossen! Nun ist das Fenster fertig. Besteht die Möglichkeit, so sollte es im Zusammenhang noch einmal in der Werkstatt aufgebaut werden, um eine Endkontrolle in der Durchsicht vornehmen zu können.. Dazu haben die meisten Werkstätten in Deutschland große Ausstellfenster auf der Nordseite. Zum Abschluss wird das Fenster noch fotografiert, um es dann an Ort und Stelle einzusetzen.
Manchmal gibt es dann auch etwas zu Trinken oder eine Gulaschsuppe.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
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Teil 6 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-15 19:47:00 mit dem Titel Glasmalerei: Die Restaurierung eines Glasfensters, Teil 6
In den vorhergehenden Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt.
Heute, im sechsten Teil geht es um die Restaurierung eines Glasfensters:
Glasmalerei: Die Restaurierung eines Glasfensters, Teil 6
Im Laufe der Jahrhunderte haben Sturm, Frost, Sonne und Wind ihre Spuren in den Fenstern hinterlassen. Durch Feuchtigkeit und Nässe wurden den wertvollen Kunstwerken erheblicher Schaden zugefügt. Feuchtigkeit löst über die Jahrzehnte Glasbestandteile wie Soda oder Pottasche auf, wodurch eine Lauge entsteht, die die Oberflächenstruktur des Glases angreift. Stürme, Stöße oder auch Brände sorgen dafür, dass einzelne Gläser zerbrechen. Noch heute werden Fenster restauriert, die nach dem zweiten Weltkrieg entweder nur notdürftig und unfachmännisch geflickt wurden, oder sogar gänzlich zugemauert worden sind. Letzteres ist immer eine besondere Herausforderung für den Glasmaler.
Wurden in früherer zeit zerstörte oder beschädigte Fenster einfach demontiert und ersetzt, so erhebt heute gottseidank die Denkmalpflege ihren mahnenden Finger. Kunsthistoriker wissen schon lange, welche unersetzlichen Schätze viele alte Fenster darstellen, und so geht es heute vielfach darum, jedes einzelne noch so winzige Glasstück zu erhalten und nicht einfach durch ein Neues zu ersetzen.
Im ersten Arbeitsschritt wird eine genaue Skizze des Fensters angefertigt, in der jedes einzelne Glasfeld deutlich zu erkennen ist. Die einzelnen Felder werden nun systematisch durchnummeriert, damit eine Verwechselung oder ein Vertauschen ausgeschlossen ist. Danach wird jedes einzelne Feld präzise vermessen und die Maße werden in die Skizze eingetragen.
Nun kann das Fenster demontiert werden. Der Glasmaler geht hier von unten nach oben vor, um eine Beschädigung der Glasfelder durch eventuell herabfallende Mörtelstücke, Steine oder Gläser zu vermeiden. Hat der Glasmaler Feld für Feld entsprechend der Skizze mit einem Klebeettikett durchnummeriert, so werden die Glasfelder nun vorsichtig mit Hammer und Meißel aus dem Putz gelöst. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, das Fenster zu lösen und trotzdem möglichst wenig Glas zu zerbrechen. Die Bleiverglasungen haben nun einmal keinen Holzrahmen, sondern zur Einfassung nur eine ca. 5 mm breite Bleirute. Der Glasmaler entwickelt mit der zeit ein Gefühl für den Putz. Teilweise sieht man im Gewölbe der Kirche schon feine Risse und ein bloßes Anticken genügt, um 30 cm Putz an der Fensterkante zu lösen. Manchmal dauert es jedoch auch 10 Minuten, bis auch nur 3 cm so abgelöst sind, dass das Glas noch heil ist.
Ist nun auf diese Art und Weise das komplette Fenster ausgebaut, so müssen zunächst Mauerwerk und Standeisen überprüft werden. Liegen hier Beschädigungen vor, so müssen diese vor dem Einbau des sanierten und restaurierten Fensters beseitigt werden. Da die Restaurierung nicht in zwei oder drei tagen erledigt ist, wird vielfach eine Notverglasung aus Plexiglas in die Fensteröffnungen eingesetzt.
In der Werkstatt angekommen wird das Fenster nach Möglichkeit zunächst aufgebaut und fotografiert. Danach wird jedes einzelne Feld auseinandergenommen und in alle Einzelteile zerlegt. Der Laie kann sich das so vorstellen, dass ein zusammengesetztes Puzzle so auf einen großen Karton gelegt wird, dass jeder noch sehen kann, welches Stück zu welchem gehört. Nur das zwischen den einzelnen Stücken jeweils ein 1 mm großer Abstand besteht. Die Gläser werden in diesem Arbeitsgang mit einer Zange vorsichtig von den Bleiruten gelöst. Auch dies kann sich äußerst schwierig gestalten, zumal die Felder bei ihrer Herstellung exakt verkittet worden sind. Man kann sich das so vorstellen, dass ein altes verkittetes Holzfenster auf dem Tisch liegt und nun die Aufgabe darin besteht, die Scheibe heil aus dem Rahmen zu lösen. Der einzige Vorteil besteht darin, dass die Bleiruten auch nach hundert Jahren noch beweglich sind, ein Holzrahmen jedoch nicht. Die alten Bleiruten werden gesammelt, eingeschmolzen und wieder zu neuen Bleiruten gezogen.
Liegt nun das komplette Glasfenster in all seinen Einzelteilen auf dem Tisch, so wird jedes einzelne Glasstück von beiden Seiten mit Stahlwolle abgerieben und gereinigt. Der an den Rändern haftende Kitt wird mit einem Schaber entfernt, der dem Wunderding ähnelt, womit wir die Ceranfelder unserer Elektroherde von verkrusteten Spiegeleierresten befreien.. Auch hier ist Vorsicht geboten, da manchmal bemalte Gläser über hundert Jahre ihre aufgemalten Konturen erhalten haben, der Stahlwolle aber nicht mehr gewachsen wären. Reinigt man die bemalten Gläser nicht entsprechend, so kann man historische Malerei endgültig vernichten.
Sind einzelne Glasstücke stark beschädigt oder auch gar nicht mehr vorhanden, so wird von diesen Stücken eine Schablone aus dünnem Karton angefertigt. Denken wir noch einmal zurück an unser Puzzle und nehmen wir an, dass ein Stück fehlt. Genau so fertigt der Glasmaler für seine Gläser die Schablone an. Auch sie muss auf den Millimeter genau passen. Mit diesen Schablonen werden anschließend die fehlenden Gläser neu zugeschnitten. Wichtig ist hier, die richtige Glassorte, den richtigen Farbton und die richtige Glasdicke zu finden, so dass später in der Durchsicht die neuen Stücke nicht optisch auffallen. Manchmal ist es äußerst schwierig, den richtigen Farbton herauszufinden, weil das gesamte Fenster keine Vergleichsstücke enthält. Hier helfen alte Fotos, vergleichbare Fenster aus der Zeit oder auch nur das Gefühl des Glasmalers für Farbe und Komposition.
Sind alle Gläser wieder vollständig, so wird bei jedem einzelnen Glasstück die Bemalung überprüft und gegebenenfalls nachgemalt. Hier stellt sich die gleiche Problematik nochmals wie zuvor beschrieben dar. Oftmals ist eine Kontur vollständig verschwunden. Es kursiert die Glasmaleranekdote, dass ein restauriertes Fenster in einer bekannten deutschen Kathedrale eine Madonna mit Opferlamm darstellte und sich ein vierundneunzigjähriger Kirchgänger präzise daran erinnern konnte, dass in dem Fenster niemals ein Opferlamm war, sondern Maria mit dem Jesuskind. Das Fenster wurde nochmals ausgebaut.
Die hoffentlich korrekt nachgemalten Gläser werden im Brennofen gebrannt. Nur leicht beschädigte Gläser, an denen eine kleine Ecke fehlt oder bei denen nur ein einzelner Sprung das Glas geteilt hat, werden mit einem dünnen Blei ausgeglichen oder verbunden, wenn diese Bleilinie nicht mitten durch das Gesicht der Madonna verläuft, sondern z.B. nur die Bordüre am Fensterrand unterbricht.
Ist die Bleiverglasung, wie in den vorhergehenden Teilen ausführlich beschrieben, wieder hergestellt, so wird das Fenster nochmals aufgebaut und fotografiert. Nun nimmt der Glasmaler eine letzte Endkontrolle vor. Er kann noch einzelne Gläser austauschen und ihre Farbintensität korrigieren. Danach wird die neue Bleiverglasung verkittet und für den Einbau verladen.
Umgekehrt wie bei der Demontage wird das Fenster nun von oben nach unten wieder eingebaut. Für den aufmerksamen Leser ist es selbstverständlich, dass die Notverglasung natürlich vorher entfernt wird.
Das fertige Ergebnis zeigt den Wert einer solchen Restaurierung deutlich. Manchmal erscheinen Glasmalereien nach über fünfzig Jahren wieder in neuem Glanz, wo der Betrachter zuvor das dargestellte Motiv nicht mehr erkennen konnte. Die Einweihung eines restaurierten Glasfenster ist vielfach mit einem ordentlichen Festakt verbunden und geht über das Interesse der jeweiligen Kirchegemeinde weit hinaus.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
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www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 7 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-17 19:24:44 mit dem Titel Der Heiligenschein als Miniaturkraftwerk, Glasmalerei Teil 7
In den vorhergehenden Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das Verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters ebenso wie die Restaurierung in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt.
Heute, im siebten Teil geht es um Glasmalerei und Stromerzeugung:
Glasmalerei: Der Heiligenschein als Miniaturkraftwerk, Teil 7
Es ist wirklich ein purer Zufall. Meine Mutter hat nach ihrem Wegzug aus Paderborn immer noch ihre Heimatzeitung, das Westfälische Volksblatt, abonniert. So erhält sie stets mit einem Tag Verspätung ihre Tageszeitung und kann im Alter von 75 Jahren die geliebten Todesanzeigen studieren.
Natürlich kennt meine Mutter meinen ursprünglichen Betrieb, die Glasmalerei Peters in Paderborn und natürlich verfolgt sie auch sonstige Entwicklungen in der Heimat aus der Zeitung. Heute gab sie mir einen Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: „In Paderborn erzeugen Kirchenfenster Strom.“ Auf dem Foto über dem Artikel mein hochgeschätzter ehemaliger Chef, Wilhelm Peters. Da bin ich natürlich interessiert und ich war überrascht.
Ihr werdet auch feststellen, dass dieser Bericht etwas anders ist als die anderen. Das, was ich heute berichte, habe ich weder in meiner Ausbildung gelernt, noch habe ich es ausprobiert. Ich kann nur den Inhalt des Zeitungsartikels nehmen und mit dem verknüpfen, was ich weiß. Dass Kirchenfenster Strom erzeugen können, wusste ich bis heute morgen selbst noch nicht. Fragt mich also bitte nicht nach den technischen Einzelheiten.
Der Glasmalerei Peters ist es nach dem Presseartikel erstmals gelungen, Glasfenster mit eingebauten Solarzellen zu entwickeln, die aus dem Sonnenlicht Strom erzeugen können. Denkt man diese Entwicklung zuende, so würden in der Zukunft die Kathedralen und Gotteshäuser dieser Welt zu kleinen Kraftwerken, weil zumindest aus den Fensterflächen der Kirchen der Strom für die notwendigen Lichtquellen im Kirchenschiff. Diese Entwicklung ist in sofern neu, dass die Gläser trotzdem die Durchsicht erlauben. Nun sind die Bedenken der Denkmalschützer leicht zu entkräften: wurden bislang die Installationen von Photovoltaikanlagen auf Kirchendächern deswegen abgelehnt, weil sie die Ansicht der historischer Gebäude zerstören, so sind sie jetzt nahezu unsichtbar.
In der Glasmalerei können nun viele kleine Zellen zu farbigen Ornamenten in künstlerisch gestalteten Fenstern verarbeitet werden. So wird der goldene Heiligenschein der Mutter Gottes zum Energiespender. Die christliche Philosophie sieht hier schon die Verwandlung von Gottes Sonnenlicht in Strom. Für die nicht so geübten Leser sei angemerkt, dass Jesus in der Bibel auch Wasser in Wein verwandelte. Die Metapher ist somit nicht unbedingt abwegig.
Die Glasmaler in Paderborn betonen mit ihrer Erfindung die Verknüpfung von High Tech Architektur und kunsthandwerklicher Kompetenz. Neben dem Effekt der Stromgewinnung bieten die neuen Isoliergläser zugleich Schallschutz und bilden eine Wärmeschutzverglasung.
Ende Oktober 2002 soll die Paderborner Erfindung nach Presseangaben auf einer Fachmesse in Düsseldorf präsentiert werden.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon in den vorhergehenden Berichten folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
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www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 8 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-31 11:15:52 mit dem Titel Glasmalerei: ein seltener, aber interessanter Beruf
In den vorhergehenden sieben Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das Verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters ebenso wie die Restaurierung in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt. Letztlich wurde sogar ein innovatives Experiment zur Stromerzeugung thematisiert.
Heute, im letzten Teil gibt es eine Zusammenfassung und einige Hinweise zum Berufsbild des Glasmalers.
Glasmalerei: ein seltener, aber interessanter Beruf, Teil 8
Die formalen Voraussetzungen sind einfach benannt: ein mittlerer Schulabschluss und eine künstlerische, handwerkliche Neigung. Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Bei einem höheren Schulabschluss kann die Ausbildungszeit verkürzt werden. Es existiert meines Wissens kein eigener Tarifvertrag. Die wenigen Glasmalerwerkstätten orientieren sich sehr gern am Maler- und Lackierertarif. Der tarifliche Grundlohn für einen Berufsanfänger ist ebenso verankert. Jeder Leser wird aus eigener Erfahrung wissen, dass kaum ein privater Haushalt einen Maler bestellt, wenn Küche oder Wohnzimmer renoviert werden sollen. Die Masse erledigt diese Aufgabe privat selbst, oder man kennt einen, der wiederum einen kennt. Kommt der Maler zu Tapezieren ist Haus, so handelt es sich in der Regel um einen Versicherungsschaden. Ich kann als beispielwert angeben, das die Renovierung eines Klassenzimmers in der Schule laut Angebot vom September etwa 3.100 Euro betragen sollte. Die Renovierung mit 10 Eltern in den Herbstferien hat dann etwa 300 Euro für Material, Kaffee, Bier und Pizza-Service gekostet.
Kommen wir aber zurück zur Glasmalerei. Glasmalerei kann der Heimwerker nicht selbst fabrizieren. Glas hat etwa magisches. Kaum einer traut ich zu, eine Fensterscheibe zuzuschneiden, auch wenn er keine Hemmungen hätte, den Rahmen zu lackieren. Glasmalerei braucht Zeit, Kreativität und teures Material. Der Glasmaler ist auf seine Werkstatt angewiesen, welche wiederum auf die Kundschaft angewiesen ist. Die Auftraggeber sind auch heute noch vorwiegend im kirchlichen Bereich angesiedelt. In meiner Karriere habe ich nebenbei mal einen Wandspiegel, manchmal eine Haustür und selten einen Lampenschirm
gebaut. Glasgewächshäuschen für Kakteen waren zwischendurch auch mal modern.
Aber insgesamt ist es ein beruf, der sich auf die großen Werkstätten konzentriert. Will man ich mit seinem kunsthandwerklichen Geschick selbständig machen, so ist dieser Weg sehr schwer. Der Glasmaler produziert tolle Sachen, die nur wenige Menschen bezahlen wollen.
Für mich persönlich war der erste Besuch in der Werkstatt faszinierend. Es gibt keine Maschinen. Der Glasmaler benutzt eigentlich nur Hammer, Messer, Glasschneider, Zange und Pinsel. Das Arbeitsklima ist in dieser Hinsicht beeindruckend. Menschen mit empfindlicher Haut sollten jedoch vorsichtig ein, wenn sie diesen Beruf ergreifen wollen. Durch die regelmäßige Berührung mit Blei, ist eine mehrmalige Reinigung der Hände am Tag notwendig, die mit einfacher, hautfreundlicher Seife nicht gelingt. Das Reinigungsmittel muss diesbezüglich schon wirksamer sein.
Ich empfehle auch, die Berufsaubildung in einer der traditionellen Werkstätten zu absolvieren, da hier das gesamte Berufsspektrum auch tatsächlich durchlaufen werden kann. Stellen die Werkstätten jährlich nur wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung, so liegt die daran, das sie in der Regel den eigenen Nachwuchs bedarfgerecht ausbilden. Ein Quereinstieg nach einer überbetrieblichen Ausbildung gilt in diesem Beruf als schwieriges Unterfangen.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon in den vorhergehenden Teilen folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Wer sich für eine Ausbildung als Glasmaler interessiert, sollte künstlerisch begabt und interessiert sein, ggf. in einer Werkstatt ein Praktikum absolvieren oder bei der Bundesanstalt für Arbeit Informationen einholen.
Indigo dankt für das Interesse und die Aufmerksamkeit
Zunächst habe ich die Geschichte der Glasmalerei in der Rubrik Berufe eingestellt. Da dort weitere Beiträge nicht möglich sind, werde ich die folgenden Abschnitte alle hier unter G posten. Heute geht es im zweiten Teil um das Thema Glas und Farben.
2. Glas und Glasfarben
Ich habe schon vorab erklärt, dass Glasmalerei das Malen mit Glas und das Malen auf Glas beinhaltet. Folglich ist das Handwerk traditionell auf farbige Gläser angewiesen. In der Geschichte der Glasherstellung gab es zahlreiche Glasfärbemittel. Das Wissen um die Konsistenz, die sogenannten Farbglassätze, wurde wie ein Geheimnis gehütet. Grundsätzlich besteht Glas hauptsächlich aus Kieselsäure. In der Natur finden wir Kieselsäure als Sand oder Quarz. Neben diesem fünfzig- bis fünfundsiebzigprozentigen Anteil von Kieselsäure benötigen wir noch Kalk und Soda. In den Farbglassätzen sind teilweise nur minimale Beigaben färbender Rohstoffe notwendig, um das Endprodukt farbig zu gestalten. Oftmals handelt es sich dabei um Metalle oder Salze, manchmal jedoch auch um nichtmetallische Stoffe wie z.B. Schwefel oder Graphit.
Viele dieser Stoffe haben im ursprünglichen Zustand eine ganz andere Farbe als nach den komplizierten chemischen Vorgängen, die sich neben den physikalischen Prozessen abspielen. Einige der noch heute gebräuchlichen Glasfärbesätze sind mehrere Jahrhunderte alt. Sie entstanden ursprünglich ohne jede wissenschaftliche Grundlage rein aus der erprobenden Praxis heraus, manchmal sogar aus purem Zufall. So wird überliefert, dass die brillante Gelbfärbung dadurch entdeckt wurde, dass einem Glashersteller ein Silberknopf seiner Jacke in die flüssige Glasmasse fiel. Das erkaltete Glas enthielt zur Überraschung aller eine Gelbtönung. So entstand das noch heute benutzte Silbergelb.
Im Folgenden führe ich einige dieser alten Glassätze für Farbgläser an:
ROT (GOLDROT)
Quarzsand 47,10 %
Pottasche 13,00 %
Bleimennige 33,00 %
Salpeter 4,80 %
Borax 1,20 %
Antimonoxyd 0,63 %
Braunstein 0,25 %
Goldchloridlösung 0,02 %
Folglich ist auch leicht erklärbar, dass rotes Glas sehr kostenintensiv ist, weil Goldchlorid als Bestandteil notwendig ist. Gleichzeitig bewirkt die vorgenannte Mischung eine derart intensive Rotfärbung, dass das Glas in der Durchsicht nahezu schwarz wirken würde. In einem technischen Verfahren wird eine hauchdünne Schicht von rotem Glas auf weißes Glas gezogen, so dass ein sehr geringer Rotanteil ein insgesamt brillantes Ergebnis liefert.
Für Blautöne ist die Mischung vergleichsweise einfach:
DUNKELBLAU
Quarzsand 68,20 %
Soda 13,40 %
Pottasche 8,30 %
Kalk 10,02 %
Kobaltoxyd 0,08 %
In der klassischen Glasmalerei waren die Gläser in der Regel mundgeblasen. Heute gibt es maschinengezogene Gläser und imitierte Antikgläser. Die Werkstätten der Glasmalerei verwenden aber auch heute noch vorwiegend mundgeblasene Echtantikgläser. Da mundgeblasene Glastafeln niemals gleichmäßig dick sind, entstehen für den Glasmaler wichtige und unverzichtbare Farbabstufungen innerhalb eines Glases. Der Profi erkennt zudem auf Anhieb, ob die Glasmalerei mit echtem Antikglas oder mit sogenannten Halbantikgläsern entstanden ist. Echtantikglas zeigt notwendig unregelmäßige Lufteinschlüsse, wodurch eine sogenannte Bläselung im Glas entsteht. Die Oberfläche ist unregelmäßig strukturiert und die Glastafel weist unterschiedliche Stärken auf. Halbantikgläser haben auch Lufteinschlüsse, die jedoch wie ein Tapetenmuster gleichmäßig die Tafel durchziehen und sie sind gleichmäßig dünn bzw. dick.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 3 zum Thema Glasschneiden folgt demnächst.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-04 15:26:36 mit dem Titel Glasmalerei: Die Kunst des Glasschneidens Teil 3
Glasmalerei: Die Kunst des Glasschneidens Teil 3
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben.
3. Die Kunst des Glasschneidens
Zunächst soll eine weit verbreitete Meinung desillusioniert werden. Wer kennt nicht die schönen Filmchen aus Aktenzeichen XY ungelöst mit Eduard Zimmermann, wo reale Überfälle und Einbrücke nachgespielt werden. Wie oft haben die bösen Einbrecher mit einem ominösen Glasschneider einen Kreisausschnitt in die Fensterscheibe des Juweliers geschnitten, um dann mit einem Saugnapf den kreisrunden Schnitt herauszuziehen. Dies ist absoluter Quatsch und unmöglich. Wir werden im Folgenden noch sehen und verstehen, warum das unmöglich ist.
Um Glas zu schneiden, sind unterschiedliche Methoden bekannt. Demnach existieren auch verschiedene Schneidewerkzeuge. So gibt es Sandsteinscheiben, die das Durchschleifen größerer Glasdicken ermöglichen. Es gibt Sandstrahlgebläse, wobei die gewünschte Schnittlinie mit einer Schablone oder Schutzschicht ausgespart werden muss. Sandstrahlgebläse werden vorwiegen dann eingesetzt, wenn Glastafeln ein einseitiges, stark ausgeprägtes Relief aufweisen oder auch für Drahtglas. Eine weitere Möglichkeit zum Glasschneiden bietet ein sogenannter endloser Draht, der mit hoher Geschwindigkeit über Schnurscheiben läuft und die Kante der zu schneidenden Glastafel durchsägt, wenn diese an der Schnittstelle mit einer Mischung von Karborundum und Oel berieselt wird. All diese Schneidetechniken spielen in der Glasmalerei keine Rolle.
In der Glasmalerei werden vergleichsweise kleine Glasstücke verarbeitet, teilweise sind Glasstücke genau zuzuschneiden, die nicht größer sind als ein 5 Cent-Stück. In diesem Beruf finden traditionell Diamandschneider und heute fast ausschließlich das sogenannte Stahlrad Anwendung. Das Stahlrad ist identisch mit den gängigen Produkten, die es in jedem Baumarkt für 3 bis 4 Euro zu erwerben gibt.
Die Stahlrädchen sind keilförmig zugespitzt und tragen außerdem auf dem Umfang eine fein angeschliffene Facette, die das Ritzen des Glases verursacht. Die Rädchen, mit einem Durchmesser von ca. 4,5 mm sind zu je sechs in revolverartiger Anordnung in einer auswechselbaren Rosette untergebracht und bestehen aus einer harten Legierung, die neben Eisen, Kohlenstoff, Wolfram und Vanadium enthält.
Durch das Entlangführen des Stahlrads über die Glasfläche entsteht ein feiner Spalt im Glas. Gleichzeitig entsteht beim Schneiden des Glases Glasstaub.. Ein Teil dieses Glasstaubs fällt in den Spalt, so dass dieser hierdurch aufgekeilt wird und unter Spannung steht. Diese Spannung ist die wichtigste Voraussetzung für den Glasschnitt. Sobald nun von der Glasunterseite ein leichter Druck erfolgt wird das Glas an der Schnittlinie sauber durchbrochen.
Als Vergleich kann angeführt werden, dass man das Glas etwa mit dem gleichen Kraftaufwand brechen kann, wie eine Tafel Schokolade, wobei der Druck so gesteuert werden muss, dass die Schokolade dort bricht, wo sie brechen soll. Auf diese Weise kann z.B. auch eine Fensterscheibe von einem Quadratmeter leicht geteilt werden. Ebenso könnte man mit einem Bleistift zwischen zwei Fingern unter den Schnittanfang klopfen, um den Schnitt voranzutreiben.
Viele Handwerker, die den Beruf des normalen Glasers erlernt haben, schwören auf die Vorbehandlung der Schnittfläche mit Schneidöl. Richtig ist, dass dadurch mehr Glasstaub mit dem Öl in den Schnittspalt fließt und die Spannung erhöht wird., dennoch ist dieses Verfahren nur bei großen und langen Schnitten sinnvoll. An der Schnittlinie entlang entstehen auf beiden Seiten Begleitsprünge, die zu leise hörbarem Abspringen langer, feiner Glasbändchen führen. Der nun im Spalt befindliche Glasstaub bewirkt langsam weitere Aussplitterungen an den oberen Kanten des Schnittspaltes. Dadurch geht nach und nach die Spannung im Spalt verloren. Man sagt, der Schnitt wird kalt. Ist der Schnitt kalt, so lässt sich das Glas nur noch schwer an der Schnittlinie brechen. Wartet man mehrere tage oder Wochen, so bricht das Glas zumindest an der Schnittlinie gar nicht mehr.
In der Glasmalerei wird ab und zu einmal das Stahlrädchen in einen mit Schneidöl getränkten Wattebausch getaucht. Bei der Kürze der Schnitte spielt die Qualität des Schnittes keine so große Rolle.
Für den Laien abschließend noch ein kleiner Tipp. Glas ist immer dann gut zu brechen, wenn die Oberflächenspannung gleichmäßig gebrochen wird. Theoretisch geht das auch mit einem ganz normalen Nagel. Ich kenne Hobby-Heimwerker, die das Glas unter Wasser (Schüssel oder Badewanne)mit einem Nagel einritzen und dann fein säuberlich wie von Zauberhand brechen.
Um noch einmal auf den Kreisauschnitt zurückzukommen, so ist jetzt klar, dass der Schnitt keineswegs eine Lücke freimacht, um den Kreis mit einem Saugnapf herauszuziehen. Die Scheibe würde in tausend Stücke zerspringen und den Einbrechern wären gute Gesichtsmasken zu empfehlen.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
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Teil 4 zum Thema folgt demnächst.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-08 20:37:37 mit dem Titel Glasmalerei: Die Bleiverglasung, Teil 4
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben. Der dritte Teil beschäftigte sich mit dem Glasschneiden. Und im vierten Teil geht es nun um die Herstellung einer Bleiverglasung.
Glasmalerei: Die Bleiverglasung, Teil 4
Jedes Kirchenfenster besteht aus verschiedenen Glasfeldern, und jedes einzelne Glasfeld aus vielen einzelnen Glasstücken. Die Glasstücke werden durch Bleiruten und Kitt zusammengehalten. Wichtigste Voraussetzung für die Verbleiung eines Feldes ist, dass die einzelnen Glasstücke, bemalt und gebrannt, in ihrem Zusammenhang auf einem Karton geordnet liegen. Vor dem eigentlichen Bleien sind nun die verschiedenen Werkzeuge des Glasmalers von besonderer Bedeutung. Das Bleiglasfeld entsteht auf dem sogenannten Bleitisch, der aus einer massiven Weichholzplatte besteht. An der linken und der dem Glasmaler zugewandten Vorderkante des ebenen Brettes sind zwei Hartholz-Anschlagleisten genau im rechten Winkel festgenagelt. An dieser Arbeitsplatte werden nun folgende Werkzeuge benötigt: das Bleimesser, der Bleiaufreiber, ein leichter Schlosserhammer, eine Kröselzange, eine Schachtel mit 35er-40er Schreinerstiften, ein Winkel, ein Maßband und ein paar Treibleisten, welche die gleiche Beschaffenheit wie die zuvor erwähnten Anschlagleisten haben. Anzumerken wäre noch die häufige Verwendung des Stahlradschaftes anstatt des Aufreibers.
Nun benötigt man nur noch die biegsamen, flexiblen Bleiruten, die um die einzelnen Glasstücke gelegt werden. Im Querschnitt betrachtet, sieht eine Bleirute wie der Großbuchstabe H aus, wenn er umkippt. Der Bleikern (die Mittelstrebe des Großbuchstaben H), ist ungefähr 1,5 mm dick. Die Bleiwände (die Seitengeraden des Großbuchstaben H) variieren zwischen 3mm und 2,5cm in der Breite.
Im ersten Arbeitsgang werden nun die Bleiruten aufgerieben. Dabei zieht man mit dem Aufreiber bzw. mit dem Holzschaft des Stahlrades auf dem Bleikern zwischen den beiden Wänden die gesamte Länge der Bleirute von beiden Seiten entlang. – Für die Leser, deren Grenzwert an Vorstellungskraft nun allmählich erreicht ist, kann man diesen Vorgang evtl. noch dadurch vermitteln, dass man sagt, dass die Seitenteile des Großbuchstaben H, der ja, wie wir wissen, auf der Seite liegt, nun nicht mehr parallel verlaufen, sondern an beiden Seiten auseinanderdriften. Das ganze dient dazu, dass man das Glasstück besser in die Bleirute schieben kann. – Die ersten zwei aufgeriebenen Bleiruten werden im rechten Winkel unter die Anschlagleisten geschoben, und bilden später zwei Außenkanten des fertigen Glasfeldes. An der Stelle, wo die beiden Bleiruten aufeinander treffen, wird die eine an ihrem Ende mit dem Schlosserhammer leicht gestaucht, sodass sie sich in die andere Bleirute hineinschieben lässt. Nun kann das erste Glasstück, welches in der linken unteren Ecke des späteren Glasfeldes steckt, eingesetzt werden.
Um nicht endgültig alle an den Rand des Wahnsinns zu treiben, reduziert die weitere Beschreibung der Bleiverglasung das Beispiel darauf, dass alle Glasstücke rechteckig sind. Jedes dieser Glasstücke muss beim Einsetzen stets an zwei Kanten auf Bleiruten treffen. Nachdem nun das erste Glas wie beschrieben eingesetzt worden ist, wird an der rechten, freien Kante die nächste Bleirute an ihrem Ende gestaucht, unter die Glaskante geschoben und mit dem gestauchten Ende in die Bleirute an der Anschlagleiste geführt. Die zwischen den beiden Glasstücken nun überstehende Bleirute wird nun bündig abgeschnitten und an der Schnittstelle wiederum so gestaucht, dass nun über die zwei verbundenen Glasstücke die nächste Bleirute eingesetzt werden kann. Der so beschriebene Vorgang setzt sich so lange fort, bis durch die eingesetzten Glasstücke das fertige, rechteckige Glasfeld entstanden ist.
Zum Abschluss werden alle Kreuzpunkte der Bleiruten glatt gestrichen und mit Stearinöl bepinselt. Dem Stearinöl werden in der Glasmalerei geringe Anteile eines Flussmittels für Zinn beigefügt. Wichtig zu wissen ist, dass der Schmelzpunkt des Zinns bei 232 Grad liegt, und der des Blei bei 327 Grad. Wenn nun die einzelnen Kreuzpunkte mit einem Lötkolben und Zinnstangen verlötet werden sollen, so besteht die handwerkliche Geschicklichkeit darin, dass der Lötkolben in einem regelmäßigen Abstand auf die Kreuzpunkte der Bleiruten aufgesetzt wird, sodass die Temperatur des Kolbens immer in dem vorgenannten Temperaturintervall bleibt. Wird der Kolben durch zu langsames Arbeiten zu heiß, so verbrennt das Blei, bleibt die Temperatur des Kolbens zu gering, so zerfließt das Zinn nicht gleichmäßig und bildet beim fertigen Glasfenster hässliche Lötstellen. Nach dem Löten wird das Stearinöl abgewischt, die Treibleisten werden gelöst, und das locker fixierte Bleifeld wird gewendet. Jetzt wiederholen sich die zuvor beschriebenen Arbeitsgänge auf der Rückseite des Glasfeldes.
Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, werden Bleiruten und Gläser nochmals von den Fettrückständen gereinigt, womit der eigentliche Arbeitsgang der Bleiverglasung abgeschlossen ist.
Entweder handelt es sich um ein Glasfenster, welches im nächsten Arbeitsgang noch verkittet werden muss, oder das Glasfenster wird zwischen zwei Thermopen-Scheiben eingesetzt, wo eine Verkittung überflüssig ist. Nach diesem Grundmuster wird Glasfeld für Glasfeld verbleit, bis sämtlich Felder des gesamten Fensters für den Einbau fertig gestellt sind.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 5 zum Thema folgt demnächst. Ich verspreche hoch und heilig, dass es dann auch wieder weniger technischen und dafür mehr künstlerischen Inhalt des Handwerks zu lesen gibt.
Indigo Oktober 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-10 17:50:24 mit dem Titel Glasmalerei: Die Entstehung eines Glasfensters, Teil 5
Im ersten Teil wurde die mehr als tausend Jahre alte Geschichte der Glasmalerei vorgestellt. Im zweiten Teil ging es um Glas und Glasfarben. Der dritte Teil beschäftigte sich mit dem Glasschneiden. Im vierten Teil ging es um die Herstellung einer Bleiverglasung. Heute geht es im fünften Teil um die Entstehung eines Glasfensters.
Glasmalerei: Die Entstehung eines Glasfensters, Teil 5
Ich versprach ja im letzten Teil, nun wieder weniger technisch und dafür mehr künstlerischen Inhalt des Handwerks vorzustellen. Die folgende Darstellung verdeutlicht nachhaltig, dass Glasmalerei ein Kunsthandwerk ist..
Alles beginnt heute wie vor tausend Jahren mit einem Auftraggeber. In dem vergangenen Jahrtausend waren die Auftraggeber nahezu ausschließlich im kirchlichen Bereich angesiedelt. In den letzten Jahren hat sich die Glasmalerei zunehmend zu einer profanen Kunstform entwickelt, so dass auch private oder gewerbliche Auftraggeber regelmäßig anzutreffen sind. Die Vormachtstellung der Kirche ist jedoch auch heute noch ungebrochen. Wenn sich also jemand im Rahmen seiner Berufswahl für dieses Handwerk interessiert, so muss er wissen, dass die Werkstätten vorwiegend sakrale Fenstermotive anfertigen.
Der Auftraggeber wird zunächst einen Künstler beauftragen, einen Entwurf anzufertigen. Thematisch kann es sich um eine Bibelszene handeln (z.B. Die Auferstehung) oder aber auch um Ereignisse der Gegenwart. Der Künstler wird sich das Gebäude ansehen, in dem das Fenster später eingebaut werden soll. Er muss die Architektur, den Baustil, die Atmosphäre und die Lichtverhältnisse beachten. In der Regel wird der Künstler das Gebäude von innen und außen zu verschiedenen Tageszeiten betrachten, da sich die Lichtverhältnisse ändern. Gleichzeitig nimmt der Künstler die Maße des Fensters auf und legt die Aufteilung der einzelnen Glasfelder fest. So entsteht zunächst ein Raster für das Fenster.
Im nächsten Arbeitsschritt fertigt der Künstler einen Entwurf im Maßstab 1 : 10. Der Entwurf wird mit wasserlöslichen Farben und Tusche koloriert, wodurch der Künstler seine Intention für die Umsetzung in ein Glasfenster verdeutlicht. Verläuft z.B. an einer Stelle die Farbe von kräftigem Grün zu ganz transparentem hellen Grün, so ist es später die Aufgabe des Glasmalers, diesen Farbverlauf beim Zuschnitt und der Glasauswahl möglichst genau zu treffen. Es obliegt dem jeweiligen Künstler, mit welcher Präzision der Entwurf gefertigt wird. Arbeitet ein Künstler seit vielen Jahren mit ein und derselben Glasmalerei zusammen und kennt er die Mitarbeiter der Werkstatt, so kann er relativ frei und offen seinen Entwurf zu Papier bringen, da Glasmaler aus Erfahrung weiß, wie der Künstler seinen Pinselschwung gemeint haben wird.
Dieser nun fertige Entwurf wird nun dem Auftraggeber zur Genehmigung vorgelegt. Auf dieser Basis erfolgt dann die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Glasmalerei. Nun werden Korrekturen durchgesprochen, Farbinterpretationen abgestimmt und einzelne Glasproben in ihrer Komposition kritisch hinterfragt. Das Maß dieser Zusammenarbeit richtet sich in der Regel nach der Bereitschaft des Künstlers. Der Franzose Marc Chagall bestand beispielsweise auf einer exakten Übertragung seiner Detailzeichnung. Jeder seiner Pinselstriche musste durch Ausschleifen oder Plattieren übertragen werden. Die Arbeit des Handwerks an einem Chagall-Entwurf ist einerseits unglaublich anstrengend, andererseits äußerst reizvoll, sei es auch nur das bloße Nachempfinden der künstlerischen Intention. Der Glasmaler interpretiert quasi jeden einzelnen Pinselstrich, und ist ein Haar am Pinsel quergestellt, so wird auch dieser Zug auf dem einzelnen Glasstück nachempfunden. Als Gegenbeispiel zu Chagall kann man den Engländer James Hogan anführen, der der Werkstatt nahezu völlige Freiheit lässt.
Nach dem Entwurf erfolgt die Anfertigung einer Werkzeichnung auf Karton in der Originalgröße des Glasfensters. Bei diesem Arbeitsgang ist nun jede Ungenauigkeit auszuschließen. Hier muss jedes Maß und jede Einzelheit stimmen. Die Vergrößerung des Entwurfes von 1 : 10 auf Originalgröße erfolgt auf verschiedenen Wegen, sei es eine manuelle Rastervergrößerung oder auch eine fotographische Vergrößerung. Ist ein Kirchenfenster zum Beispiel 12 Meter hoch und 2,5 Meter breit, so wird die Werkzeichnung auf den Millimeter genau angefertigt.
Im nächsten Arbeitsschritt erfolgt der Aufriss. Der Aufriss bildet eine Pause der Bleiruten bzw. Glasschnitte auf dem Karton. Wie bei einem Mosaik lassen sich nun schon die einzelnen Glasstücke erahnen. Dieser Aufriss wird nun schabloniert, indem mit einer speziellen Schere (3 Klingen) genau auf den durchgepausten Linien ein 1,5 mm breiter Streifen herausgeschnitten wird. Genau so dick ist später der Kern der Bleiruten, so dass bei der Herstellung der Bleiverglasung das Fenster zusammenpasst und nicht größer wird. Spätestens jetzt sollten die Werkstattfenster geschlossen werden, da nun für jedes noch so winzige Glasstück eine Pappkartonschablone auf dem Tisch liegt.
Der Glasmaler wird nun für jede einzelne Schablone ein passendes Glas heraussuchen und zuschneiden, wobei er die Farbe, die Glasdicke und den Farbverlauf dem Entwurf des Künstlers entnimmt.
Ist das gesamte Glasfenster in seinen Einzelteilen zugeschnitten, werden die einzelnen Gläser ggf. bemalt bzw. geätzt. Die bemalten Gläser werden dann im Brennofen gebrannt. Die Farben des Glasmalers bestehen aus ähnlichen Bestandteilen wie das Glas selbst. Glas wird ab 600 Grad langsam flüssig, so dass ab dieser Temperatur die aufgetragene Glasmalerfarbe in das Glas eindringt und verschmelzt. Wichtig ist bei dem Brennvorgang, dass das Glas langsam erhitzt und ebenso langsam abgekühlt wird. Ansonsten knallt `s im Brennofen hörbar. Gebrannt wird in einem vollautomatischen Brennofen in der Regel abends, um am nächsten Tag mit dem nächsten Arbeitsgang fortzufahren.
Liegen nun alle einzelnen Gläser in der endgültigen Form vor, so wird Feld für Feld eine Bleiverglasung angefertigt, wie ich es im vierten Teil ausführlich erklärt habe. Ist das verbleite Fenster dann verkittet, werden bei größeren Feldern noch Windeisen auf das Fenster gelötet, so dass sich die Fenster später durch Sturm und Wind nicht verbiegen. Glasmalereifenster haben leider keine Sprossen! Nun ist das Fenster fertig. Besteht die Möglichkeit, so sollte es im Zusammenhang noch einmal in der Werkstatt aufgebaut werden, um eine Endkontrolle in der Durchsicht vornehmen zu können.. Dazu haben die meisten Werkstätten in Deutschland große Ausstellfenster auf der Nordseite. Zum Abschluss wird das Fenster noch fotografiert, um es dann an Ort und Stelle einzusetzen.
Manchmal gibt es dann auch etwas zu Trinken oder eine Gulaschsuppe.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
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Teil 6 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-15 19:47:00 mit dem Titel Glasmalerei: Die Restaurierung eines Glasfensters, Teil 6
In den vorhergehenden Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt.
Heute, im sechsten Teil geht es um die Restaurierung eines Glasfensters:
Glasmalerei: Die Restaurierung eines Glasfensters, Teil 6
Im Laufe der Jahrhunderte haben Sturm, Frost, Sonne und Wind ihre Spuren in den Fenstern hinterlassen. Durch Feuchtigkeit und Nässe wurden den wertvollen Kunstwerken erheblicher Schaden zugefügt. Feuchtigkeit löst über die Jahrzehnte Glasbestandteile wie Soda oder Pottasche auf, wodurch eine Lauge entsteht, die die Oberflächenstruktur des Glases angreift. Stürme, Stöße oder auch Brände sorgen dafür, dass einzelne Gläser zerbrechen. Noch heute werden Fenster restauriert, die nach dem zweiten Weltkrieg entweder nur notdürftig und unfachmännisch geflickt wurden, oder sogar gänzlich zugemauert worden sind. Letzteres ist immer eine besondere Herausforderung für den Glasmaler.
Wurden in früherer zeit zerstörte oder beschädigte Fenster einfach demontiert und ersetzt, so erhebt heute gottseidank die Denkmalpflege ihren mahnenden Finger. Kunsthistoriker wissen schon lange, welche unersetzlichen Schätze viele alte Fenster darstellen, und so geht es heute vielfach darum, jedes einzelne noch so winzige Glasstück zu erhalten und nicht einfach durch ein Neues zu ersetzen.
Im ersten Arbeitsschritt wird eine genaue Skizze des Fensters angefertigt, in der jedes einzelne Glasfeld deutlich zu erkennen ist. Die einzelnen Felder werden nun systematisch durchnummeriert, damit eine Verwechselung oder ein Vertauschen ausgeschlossen ist. Danach wird jedes einzelne Feld präzise vermessen und die Maße werden in die Skizze eingetragen.
Nun kann das Fenster demontiert werden. Der Glasmaler geht hier von unten nach oben vor, um eine Beschädigung der Glasfelder durch eventuell herabfallende Mörtelstücke, Steine oder Gläser zu vermeiden. Hat der Glasmaler Feld für Feld entsprechend der Skizze mit einem Klebeettikett durchnummeriert, so werden die Glasfelder nun vorsichtig mit Hammer und Meißel aus dem Putz gelöst. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, das Fenster zu lösen und trotzdem möglichst wenig Glas zu zerbrechen. Die Bleiverglasungen haben nun einmal keinen Holzrahmen, sondern zur Einfassung nur eine ca. 5 mm breite Bleirute. Der Glasmaler entwickelt mit der zeit ein Gefühl für den Putz. Teilweise sieht man im Gewölbe der Kirche schon feine Risse und ein bloßes Anticken genügt, um 30 cm Putz an der Fensterkante zu lösen. Manchmal dauert es jedoch auch 10 Minuten, bis auch nur 3 cm so abgelöst sind, dass das Glas noch heil ist.
Ist nun auf diese Art und Weise das komplette Fenster ausgebaut, so müssen zunächst Mauerwerk und Standeisen überprüft werden. Liegen hier Beschädigungen vor, so müssen diese vor dem Einbau des sanierten und restaurierten Fensters beseitigt werden. Da die Restaurierung nicht in zwei oder drei tagen erledigt ist, wird vielfach eine Notverglasung aus Plexiglas in die Fensteröffnungen eingesetzt.
In der Werkstatt angekommen wird das Fenster nach Möglichkeit zunächst aufgebaut und fotografiert. Danach wird jedes einzelne Feld auseinandergenommen und in alle Einzelteile zerlegt. Der Laie kann sich das so vorstellen, dass ein zusammengesetztes Puzzle so auf einen großen Karton gelegt wird, dass jeder noch sehen kann, welches Stück zu welchem gehört. Nur das zwischen den einzelnen Stücken jeweils ein 1 mm großer Abstand besteht. Die Gläser werden in diesem Arbeitsgang mit einer Zange vorsichtig von den Bleiruten gelöst. Auch dies kann sich äußerst schwierig gestalten, zumal die Felder bei ihrer Herstellung exakt verkittet worden sind. Man kann sich das so vorstellen, dass ein altes verkittetes Holzfenster auf dem Tisch liegt und nun die Aufgabe darin besteht, die Scheibe heil aus dem Rahmen zu lösen. Der einzige Vorteil besteht darin, dass die Bleiruten auch nach hundert Jahren noch beweglich sind, ein Holzrahmen jedoch nicht. Die alten Bleiruten werden gesammelt, eingeschmolzen und wieder zu neuen Bleiruten gezogen.
Liegt nun das komplette Glasfenster in all seinen Einzelteilen auf dem Tisch, so wird jedes einzelne Glasstück von beiden Seiten mit Stahlwolle abgerieben und gereinigt. Der an den Rändern haftende Kitt wird mit einem Schaber entfernt, der dem Wunderding ähnelt, womit wir die Ceranfelder unserer Elektroherde von verkrusteten Spiegeleierresten befreien.. Auch hier ist Vorsicht geboten, da manchmal bemalte Gläser über hundert Jahre ihre aufgemalten Konturen erhalten haben, der Stahlwolle aber nicht mehr gewachsen wären. Reinigt man die bemalten Gläser nicht entsprechend, so kann man historische Malerei endgültig vernichten.
Sind einzelne Glasstücke stark beschädigt oder auch gar nicht mehr vorhanden, so wird von diesen Stücken eine Schablone aus dünnem Karton angefertigt. Denken wir noch einmal zurück an unser Puzzle und nehmen wir an, dass ein Stück fehlt. Genau so fertigt der Glasmaler für seine Gläser die Schablone an. Auch sie muss auf den Millimeter genau passen. Mit diesen Schablonen werden anschließend die fehlenden Gläser neu zugeschnitten. Wichtig ist hier, die richtige Glassorte, den richtigen Farbton und die richtige Glasdicke zu finden, so dass später in der Durchsicht die neuen Stücke nicht optisch auffallen. Manchmal ist es äußerst schwierig, den richtigen Farbton herauszufinden, weil das gesamte Fenster keine Vergleichsstücke enthält. Hier helfen alte Fotos, vergleichbare Fenster aus der Zeit oder auch nur das Gefühl des Glasmalers für Farbe und Komposition.
Sind alle Gläser wieder vollständig, so wird bei jedem einzelnen Glasstück die Bemalung überprüft und gegebenenfalls nachgemalt. Hier stellt sich die gleiche Problematik nochmals wie zuvor beschrieben dar. Oftmals ist eine Kontur vollständig verschwunden. Es kursiert die Glasmaleranekdote, dass ein restauriertes Fenster in einer bekannten deutschen Kathedrale eine Madonna mit Opferlamm darstellte und sich ein vierundneunzigjähriger Kirchgänger präzise daran erinnern konnte, dass in dem Fenster niemals ein Opferlamm war, sondern Maria mit dem Jesuskind. Das Fenster wurde nochmals ausgebaut.
Die hoffentlich korrekt nachgemalten Gläser werden im Brennofen gebrannt. Nur leicht beschädigte Gläser, an denen eine kleine Ecke fehlt oder bei denen nur ein einzelner Sprung das Glas geteilt hat, werden mit einem dünnen Blei ausgeglichen oder verbunden, wenn diese Bleilinie nicht mitten durch das Gesicht der Madonna verläuft, sondern z.B. nur die Bordüre am Fensterrand unterbricht.
Ist die Bleiverglasung, wie in den vorhergehenden Teilen ausführlich beschrieben, wieder hergestellt, so wird das Fenster nochmals aufgebaut und fotografiert. Nun nimmt der Glasmaler eine letzte Endkontrolle vor. Er kann noch einzelne Gläser austauschen und ihre Farbintensität korrigieren. Danach wird die neue Bleiverglasung verkittet und für den Einbau verladen.
Umgekehrt wie bei der Demontage wird das Fenster nun von oben nach unten wieder eingebaut. Für den aufmerksamen Leser ist es selbstverständlich, dass die Notverglasung natürlich vorher entfernt wird.
Das fertige Ergebnis zeigt den Wert einer solchen Restaurierung deutlich. Manchmal erscheinen Glasmalereien nach über fünfzig Jahren wieder in neuem Glanz, wo der Betrachter zuvor das dargestellte Motiv nicht mehr erkennen konnte. Die Einweihung eines restaurierten Glasfenster ist vielfach mit einem ordentlichen Festakt verbunden und geht über das Interesse der jeweiligen Kirchegemeinde weit hinaus.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon im vorhergehenden Bericht folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 7 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-17 19:24:44 mit dem Titel Der Heiligenschein als Miniaturkraftwerk, Glasmalerei Teil 7
In den vorhergehenden Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das Verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters ebenso wie die Restaurierung in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt.
Heute, im siebten Teil geht es um Glasmalerei und Stromerzeugung:
Glasmalerei: Der Heiligenschein als Miniaturkraftwerk, Teil 7
Es ist wirklich ein purer Zufall. Meine Mutter hat nach ihrem Wegzug aus Paderborn immer noch ihre Heimatzeitung, das Westfälische Volksblatt, abonniert. So erhält sie stets mit einem Tag Verspätung ihre Tageszeitung und kann im Alter von 75 Jahren die geliebten Todesanzeigen studieren.
Natürlich kennt meine Mutter meinen ursprünglichen Betrieb, die Glasmalerei Peters in Paderborn und natürlich verfolgt sie auch sonstige Entwicklungen in der Heimat aus der Zeitung. Heute gab sie mir einen Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: „In Paderborn erzeugen Kirchenfenster Strom.“ Auf dem Foto über dem Artikel mein hochgeschätzter ehemaliger Chef, Wilhelm Peters. Da bin ich natürlich interessiert und ich war überrascht.
Ihr werdet auch feststellen, dass dieser Bericht etwas anders ist als die anderen. Das, was ich heute berichte, habe ich weder in meiner Ausbildung gelernt, noch habe ich es ausprobiert. Ich kann nur den Inhalt des Zeitungsartikels nehmen und mit dem verknüpfen, was ich weiß. Dass Kirchenfenster Strom erzeugen können, wusste ich bis heute morgen selbst noch nicht. Fragt mich also bitte nicht nach den technischen Einzelheiten.
Der Glasmalerei Peters ist es nach dem Presseartikel erstmals gelungen, Glasfenster mit eingebauten Solarzellen zu entwickeln, die aus dem Sonnenlicht Strom erzeugen können. Denkt man diese Entwicklung zuende, so würden in der Zukunft die Kathedralen und Gotteshäuser dieser Welt zu kleinen Kraftwerken, weil zumindest aus den Fensterflächen der Kirchen der Strom für die notwendigen Lichtquellen im Kirchenschiff. Diese Entwicklung ist in sofern neu, dass die Gläser trotzdem die Durchsicht erlauben. Nun sind die Bedenken der Denkmalschützer leicht zu entkräften: wurden bislang die Installationen von Photovoltaikanlagen auf Kirchendächern deswegen abgelehnt, weil sie die Ansicht der historischer Gebäude zerstören, so sind sie jetzt nahezu unsichtbar.
In der Glasmalerei können nun viele kleine Zellen zu farbigen Ornamenten in künstlerisch gestalteten Fenstern verarbeitet werden. So wird der goldene Heiligenschein der Mutter Gottes zum Energiespender. Die christliche Philosophie sieht hier schon die Verwandlung von Gottes Sonnenlicht in Strom. Für die nicht so geübten Leser sei angemerkt, dass Jesus in der Bibel auch Wasser in Wein verwandelte. Die Metapher ist somit nicht unbedingt abwegig.
Die Glasmaler in Paderborn betonen mit ihrer Erfindung die Verknüpfung von High Tech Architektur und kunsthandwerklicher Kompetenz. Neben dem Effekt der Stromgewinnung bieten die neuen Isoliergläser zugleich Schallschutz und bilden eine Wärmeschutzverglasung.
Ende Oktober 2002 soll die Paderborner Erfindung nach Presseangaben auf einer Fachmesse in Düsseldorf präsentiert werden.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon in den vorhergehenden Berichten folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Teil 8 zum Thema folgt demnächst.
Indigo dankt für die Aufmerksamkeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-31 11:15:52 mit dem Titel Glasmalerei: ein seltener, aber interessanter Beruf
In den vorhergehenden sieben Teilen wurde die Geschichte der Glasmalerei vorgestellt, Glas und Glasfarben wurden behandelt, das Verbleien eines Fensters wurde beschrieben und die Entstehung eines Glasfensters ebenso wie die Restaurierung in den verschiedenen Arbeitsabläufen wurde dargestellt. Letztlich wurde sogar ein innovatives Experiment zur Stromerzeugung thematisiert.
Heute, im letzten Teil gibt es eine Zusammenfassung und einige Hinweise zum Berufsbild des Glasmalers.
Glasmalerei: ein seltener, aber interessanter Beruf, Teil 8
Die formalen Voraussetzungen sind einfach benannt: ein mittlerer Schulabschluss und eine künstlerische, handwerkliche Neigung. Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Bei einem höheren Schulabschluss kann die Ausbildungszeit verkürzt werden. Es existiert meines Wissens kein eigener Tarifvertrag. Die wenigen Glasmalerwerkstätten orientieren sich sehr gern am Maler- und Lackierertarif. Der tarifliche Grundlohn für einen Berufsanfänger ist ebenso verankert. Jeder Leser wird aus eigener Erfahrung wissen, dass kaum ein privater Haushalt einen Maler bestellt, wenn Küche oder Wohnzimmer renoviert werden sollen. Die Masse erledigt diese Aufgabe privat selbst, oder man kennt einen, der wiederum einen kennt. Kommt der Maler zu Tapezieren ist Haus, so handelt es sich in der Regel um einen Versicherungsschaden. Ich kann als beispielwert angeben, das die Renovierung eines Klassenzimmers in der Schule laut Angebot vom September etwa 3.100 Euro betragen sollte. Die Renovierung mit 10 Eltern in den Herbstferien hat dann etwa 300 Euro für Material, Kaffee, Bier und Pizza-Service gekostet.
Kommen wir aber zurück zur Glasmalerei. Glasmalerei kann der Heimwerker nicht selbst fabrizieren. Glas hat etwa magisches. Kaum einer traut ich zu, eine Fensterscheibe zuzuschneiden, auch wenn er keine Hemmungen hätte, den Rahmen zu lackieren. Glasmalerei braucht Zeit, Kreativität und teures Material. Der Glasmaler ist auf seine Werkstatt angewiesen, welche wiederum auf die Kundschaft angewiesen ist. Die Auftraggeber sind auch heute noch vorwiegend im kirchlichen Bereich angesiedelt. In meiner Karriere habe ich nebenbei mal einen Wandspiegel, manchmal eine Haustür und selten einen Lampenschirm
gebaut. Glasgewächshäuschen für Kakteen waren zwischendurch auch mal modern.
Aber insgesamt ist es ein beruf, der sich auf die großen Werkstätten konzentriert. Will man ich mit seinem kunsthandwerklichen Geschick selbständig machen, so ist dieser Weg sehr schwer. Der Glasmaler produziert tolle Sachen, die nur wenige Menschen bezahlen wollen.
Für mich persönlich war der erste Besuch in der Werkstatt faszinierend. Es gibt keine Maschinen. Der Glasmaler benutzt eigentlich nur Hammer, Messer, Glasschneider, Zange und Pinsel. Das Arbeitsklima ist in dieser Hinsicht beeindruckend. Menschen mit empfindlicher Haut sollten jedoch vorsichtig ein, wenn sie diesen Beruf ergreifen wollen. Durch die regelmäßige Berührung mit Blei, ist eine mehrmalige Reinigung der Hände am Tag notwendig, die mit einfacher, hautfreundlicher Seife nicht gelingt. Das Reinigungsmittel muss diesbezüglich schon wirksamer sein.
Ich empfehle auch, die Berufsaubildung in einer der traditionellen Werkstätten zu absolvieren, da hier das gesamte Berufsspektrum auch tatsächlich durchlaufen werden kann. Stellen die Werkstätten jährlich nur wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung, so liegt die daran, das sie in der Regel den eigenen Nachwuchs bedarfgerecht ausbilden. Ein Quereinstieg nach einer überbetrieblichen Ausbildung gilt in diesem Beruf als schwieriges Unterfangen.
Für den interessierten Leser empfehle ich wie schon in den vorhergehenden Teilen folgende Internetseiten zur differenzierteren Information:
www.Glasmalerei.de - Das ist die HP meines Ausbildungsbetriebes.
www.glas-raeume.de - Das ist die HP des progressiven Juniorchefs.
www.Glasmalerei-derix.de - Das ist die HP des Konkurrenzbetriebes.
www.glasmalerei-museum.de - Das ist eine grundsätzliche Empfehlung.
Wer sich für eine Ausbildung als Glasmaler interessiert, sollte künstlerisch begabt und interessiert sein, ggf. in einer Werkstatt ein Praktikum absolvieren oder bei der Bundesanstalt für Arbeit Informationen einholen.
Indigo dankt für das Interesse und die Aufmerksamkeit

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