Erfahrungsbericht von Jenni_Aurin
Indianer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Indianer sind die indigenen Völker des amerikanischen Doppelkontinents. Der Begriff Indianer wurde von Christoph Kolumbus geprägt, der das von ihm entdeckte amerikanische Festland und die karibischen Inseln irrtümlicherweise für einen Teil Indiens hielt. Er ist irreführend, da dadurch Kulturen zusammengefasst werden, die weder sprachlich noch kulturell die Gemeinsamkeiten aufweisen, die die Zusammenfassung unter einem Oberbegriff sinnvoll erscheinen lassen. Allerdings haben sich im Lauf der Kolonialgeschichte, während der diese unterschiedlichen Kulturen systematisch zerstört oder assimiliert wurden, in den einzelnen amerikanischen Staaten soziale Schichten, in aller Regel Unterschichten, herausgebildet, die sich aus den Nachfahren der präkolumbianischen Bevölkerungen zusammensetzen. Die offizielle Bezeichnung für sie in den Vereinigten Staaten lautet Native Americans, lateinamerikanische indianische Interessensvertretungen benutzten häufig die Wortschöpfung Indígenas. In diesem Artikel werden die indigenen Völker Nordamerikas, Mesoamerikas (Mexiko und Zentralamerika) sowie Südamerikas behandelt.
Frühe Bevölkerung
Man geht davon aus, dass zum Zeitpunkt der Ankunft der ersten Europäer in ganz Amerika mehr als 90 Millionen Menschen lebten: etwa 10 Millionen in den Gebieten nördlich des heutigen Mexiko, 30 Millionen in Mexiko, 11 Millionen in Mittelamerika, 445 000 in der Karibik, 30 Millionen in der südamerikanischen Anden-Region und 9 Millionen im übrigen Südamerika. Bei diesen Angaben handelt es sich um grobe Schätzungen (teilweise werden auch beträchtlich geringere Zahlen angegeben); genau lässt sich die Bevölkerungszahl nicht mehr ermitteln. Als die europäischen Kolonisten begannen, Bevölkerungsstatistiken über die Indianer anzulegen, war deren Zahl durch Kriege, Hungersnöte, Zwangsarbeit und vor allem infolge der von den Europäern eingeschleppten Krankheiten bereits drastisch gesunken.
Frühe Wanderungen
Äußerlich ähneln die Indianer den asiatischen Völkern, von denen sie vermutlich abstammen. Sie wanderten vor etwa 25 000 Jahren von Asien aus nach Amerika ein. Sie zogen über eine Landbrücke (Beringland), die damals zwischen den beiden Kontinenten bestand. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die ersten Gruppen, die einwanderten, Steinwerkzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände mit sich führten, die für die so genannte Steinzeit typisch sind. Diese Menschen lebten in Gruppen zu etwa 100 Personen zusammen und betrieben Fischfang sowie Jagd auf Herdentiere wie Ren und Mammut. Es handelte sich vermutlich um Nomaden, die mehrmals im Jahr ihr Lager wechselten, um das saisonale Nahrungsangebot besser nutzen zu können. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich im Sommer für einige Wochen mit anderen Gruppen trafen, um religiöse Zeremonien zu feiern, Handel zu treiben, sich in sportlicher Hinsicht miteinander zu messen, zu spielen oder sich nur einfach zu besuchen.
Es gibt nur wenige archäologische Funde aus dieser frühen Phase der Besiedelung Amerikas, und dieses Material ist nicht immer eindeutig zeitlich zuzuordnen. Am Yukon im heutigen Kanada wurden Steinwerkzeuge gefunden, die mittels Radiokarbonmethode auf 22000 v. Chr. datiert wurden. Im Tal von Mexiko wurden alte Feuerstellen und einige Steinwerkzeuge freigelegt, die mit derselben Methode auf 21000 v. Chr. datiert wurden. In einer Höhle in den peruanischen Anden in der Nähe von Ayacucho sind Archäologen auf Steinwerkzeuge und Knochen geschlachteter Tiere aus der Zeit um 18000 v. Chr. gestoßen. In einer Höhle im US-amerikanischen Bundesstaat Idaho wurden ebenfalls Steinwerkzeuge und Knochen geschlachteter Tiere gefunden, die aus der Zeit um 12500 v. Chr. stammen. Typisch für den amerikanischen Kontinent sind die so genannten Clovis-Speerspitzen, die auf etwa 11000 v. Chr. datiert werden.
1997 fanden Archäologen in Monte Verde (Chile) Spuren menschlichen Lebens, die 12 500 Jahre alt sind.
Die wichtigsten Kulturareale
Bei einem Kulturareal handelt es sich um eine geographische Region mit charakteristischem Klima, typischen Oberflächenformen sowie bestimmten Tier- und Pflanzenbeständen. Der amerikanische Doppelkontinent lässt sich in zahlreiche Kulturareale einteilen, deren Grenzen je nach den zugrunde liegenden Kriterien unterschiedlich gezogen werden können. Üblicherweise geht man von neun Kulturarealen für Nordamerika, einem für Mesoamerika (Mexiko und Mittelamerika) und vier für Südamerika aus.
Nordamerika
Die Kulturareale Nordamerikas umfassen den Südwesten, das östliche Waldland, den Südosten, die Plains und Prärien, Kalifornien und das große Becken, die Plateau-Region, die Subarktis, die Nordwestküste und die Arktis.
Der Südwesten
Zum Kulturareal des Südwestens gehört das Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und des südlichen Colorado sowie der benachbarten mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua. Bei den ersten bekannten Bewohnern des Südwestens handelte es sich um Gruppen, die mit Speeren Jagd auf Mammute und andere Wildtiere machten (um 9500 v. Chr.). Als am Ende der Eiszeit (um 8000 v. Chr.) die Mammute ausstarben, begannen die Völker im Südwesten den Bison zu jagen und verlegten sich zunehmend auf das Sammeln von Wildpflanzen. Als das Klima immer wärmer und trockener wurde, entwickelte sich zwischen etwa 8000 v. Chr. und 300 v. Chr. eine Lebensweise, die als Archaikum bezeichnet wird. Die Völker des Archaikums lebten von der Jagd auf Hirsche, Kleinwild und Vögel sowie vom Sammeln von Eicheln, Früchten und Wildpflanzensamen. Die Samen wurden auf Steinplatten zu Mehl verarbeitet. Um 3000 v. Chr. setzte im Südwesten der Anbau von Mais ein, der zuvor in Mexiko domestiziert worden war, er spielte aber für die Ernährung jahrhundertelang nur eine untergeordnete Rolle.
Um 300 v. Chr. wanderten Gruppen aus Mexiko, deren Kultur auf dem Bewässerungsfeldbau von Mais, Bohnen und Kürbis basierte, nach Südarizona. Diese Hohokamkulturen lebten in Lehmhäusern, die um öffentliche Plätze angeordnet waren. Sie gelten als die Vorfahren der heutigen Pima und Papago, die die Lebensweise der Hohokam teilweise beibehalten haben.
Die Völker im nördlichen Abschnitt des Kulturareals des Südwestens hatten nach mehreren Jahrhunderten des Handels mit den Hohokam bis um 700 n. Chr. die so genannte Anasazi-Kultur der frühen Cliff Dweller begründet. Sie bauten Mais, Bohnen und Kürbis an und lebten in mehrstöckigen Stein- oder Lehmhäusern, die um zentrale Plätze angeordnet waren. An der Dorfgrenze wiesen die Häuserwände keine Fenster auf, wodurch die Dörfer wie Festungen geschützt waren. Während des Sommers lebten viele Familien in kleineren Häusern auf ihren Feldern. Nach 1275 kam es zu verheerenden Dürrekatastrophen, in deren Folge zahlreiche Gehöfte und Dörfer der Anasazi aufgegeben wurden. Diejenigen Gruppen, die am Rio Grande lebten, expandierten dagegen und bauten die vorhandenen Bewässerungssysteme aus. 1540 trafen die ersten spanischen Eroberer mit den Nachfahren der Anasazi zusammen, den so genannten Pueblo-Indianern. 1598 hatten die Spanier die Pueblo-Indianer bereits unterworfen. 1680 gelang ein erfolgreicher Aufstand gegen die spanische Herrschaft, worauf sie bis 1692 ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Danach fielen die Pueblodörfer jedoch nacheinander unter die Herrschaft der Spanier, der Mexikaner und schließlich der Vereinigten Staaten. Die Pueblos versuchten, ihre Kultur zu bewahren: Sie betrieben weiterhin Landwirtschaft, hielten in einigen Dörfern eine geheime Selbstverwaltung aufrecht und praktizierten ihre Religion. Heute gibt es noch 22 Pueblodörfer.
Im 15. Jahrhundert wanderten Jägervölker der athapaskischen Sprachgruppe (verwandt mit den Sprachfamilien in Alaska und im westlichen Kanada) in den Südwesten ein. Sie waren entlang der westlichen Great Plains nach Süden gezogen und plünderten die Pueblodörfer. Später, nachdem die Spanier Sklavenmärkte errichtet hatten, versuchten sie Gefangene zu machen, die sie verkaufen konnten. Von den Pueblo-Indianern übernahmen sie die Landwirtschaft und von den Spaniern die Schaf- und Pferdezucht. Sie sind die Vorfahren der heutigen Navajo und verschiedener Apache-Gruppen.
Der westliche Abschnitt des Südwestens ist von Völkern der Yuma-Sprachfamilie besiedelt. Zu diesen zählen die Havasupai, die im Tal des Grand Canyon Landwirtschaft betreiben und die Mojave, die am Unterlauf des Colorado leben. Die Völker der Yuma-Sprachfamilie leben in kleineren Dörfern mit strohgedeckten Dächern in der Nähe ihrer Felder. Im Überschwemmungsfeldbau bauen sie insbesondere Mais, Bohnen und Kürbis an.
Die Navajo, die Pueblo-Indianer und die Yuman, eine Yuma-Gruppe, verwendeten Blütenpollen, Holzkohle, Sandstein und andere farbige Materialien, um Sandbilder herzustellen, deren Symbolik bei Heilzeremonien benötigt wurde, und die später wieder zerstört wurden.
Östliches Waldland
Das Kulturareal des östlichen Waldlandes umfasst die gemäßigten Klimazonen der östlichen Vereinigten Staaten und Kanadas. Im Westen reicht das Gebiet bis in den US-Bundesstaat Minnesota bzw. die kanadische Provinz Ontario, im Osten bis zum Atlantischen Ozean und im Süden bis in den US-Bundesstaat North Carolina. Bei den ersten Bewohnern dieser ursprünglich dicht bewaldeten Region handelte es sich um Jägergruppen, die teilweise der Clovis-Kultur angehörten. Um 7000 v. Chr. entwickelte sich mit der allgemeinen Erwärmung des Klimas eine Kultur, deren Bevölkerung sich vorwiegend von Wild, Nüssen und Wildgräsern ernährte. Man hatte von den Mexikanern den Kürbisanbau übernommen, daneben wurden im Südwesten Sonnenblumen, Amarant, Holunder sowie Gänsefuß und verwandte Pflanzen angebaut. Die Samen all dieser Pflanzen wurden mit Ausnahme der Sonnenblumenkerne zu Mehl gemahlen. Der Fischfang und das Sammeln von Schalentieren nahmen einen enormen Aufschwung, und vor der Küste Maines fing man sogar Schwertfische. Im Gebiet westlich der Großen Seen kam es zur Förderung von Kupfer im Tagebau, das schließlich im gesamten östlichen Waldland zu Klingen und Schmuck weiterverarbeitet wurde. Daneben schnitzte man aus Stein kleine Skulpturen.
Um etwa 1000 v. Chr. wurde das Klima kühler und das Nahrungsangebot knapper. Dadurch nahm die Bevölkerung an der Atlantikküste ab. Im Mittleren Westen entwickelten die Völker dagegen ein weitverzweigtes Handelsnetz und begannen große Erdhügel als Begräbnisstätten für ihre Anführer sowie als Zeremonialzentren anzulegen. Diese Kultur der frühen Moundbuilders, die so genannte Hopewell-Kultur, betrieb in kleinerem Umfang Maisanbau, war größtenteils aber von Sammelwirtschaft und Jagd abhängig.
Um 750 entwickelte sich im Mittleren Westen eine neue Kultur. Grundlage der so genannten Mississippi-Kultur war der intensive Maisanbau. Jenseits des Mississippi auf der Höhe des heutigen Saint Louis wurde während dieser Zeit die Stadt Cahokia errichtet, in der etwa 50 000 Menschen lebten. Zur gleichen Zeit wurde auch in der Atlantikregion der Maisanbau intensiviert. Hier kam es aber nicht zur Gründung größerer Städte.
Die ersten Europäer, die um 1000 n. Chr. in die Region des östlichen Waldlandes kamen, waren Isländer, die versuchten, Neufundland zu besiedeln. Während des 16. Jahrhunderts kamen europäische Fischer und Walfänger an die Küsten Kanadas. Die europäische Besiedelung des Gebiets begann im 17. Jahrhundert. Den europäischen Einwanderern wurde kaum Widerstand entgegengesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil die ansässige Bevölkerung durch furchtbare Epidemien, die von europäischen Fischern und den spanischen Eroberern im Südosten eingeschleppt worden waren, stark dezimiert waren. Die Städte der Mississippi-Kultur waren zu dieser Zeit bereits verschwunden, was vermutlich ebenfalls auf Seuchen zurückzuführen ist.
Zu den wichtigsten Indianergruppen des östlichen Waldlandes gehörten die Irokesen und eine Reihe von Stämmen der Algonkin-Sprachgruppe wie die auch unter der Bezeichnung Delawaren bekannten Lenape, die Micmac, die Narragansett, die Shawnee, die Potawatomi, die Menomini und die Illinois. Einige Stämme des östlichen Waldlandes zogen im 19. Jahrhundert nach Westen, andere blieben in ihrem angestammten Gebiet.
Der Südosten
Beim Kulturareal des Südostens handelt es sich um die semitropische Region nördlich des Golf von Mexiko und südlich der amerikanischen Mittelatlantikstaaten. Es erstreckt sich von der Atlantikküste bis nach Zentraltexas.
Die Kultivierung einheimischer Pflanzen begann im späten Archaikum um etwa 3000 v. Chr. Im Jahr 1400 v. Chr. entstand in der Nähe der heutigen Stadt Vicksburg, im US-Bundesstaat Mississippi, eine Stadt, die von den Archäologen als Poverty Point bezeichnet wird. Wie in den Städten der Mississippi-Kultur fanden sich in Poverty Point ein großer öffentlicher Platz und gewaltige Erdhügel, die als Tempel-Plattformen oder als Bestattungsorte dienten.
Um 500 v. Chr. entwickelte sich der Maisanbau. Es wurden zahlreiche Städte gegründet und weitverzweigte Handelsbeziehungen für handwerklich hergestellte Waren aufgebaut. Als erster Europäer erkundete der spanische Eroberer Hernando de Soto mit seinen Truppen zwischen 1539 und 1542 den Südosten. Den dabei von den Spaniern eingeschleppten Epidemien fielen Tausende von Indianern zum Opfer.
Zu den wichtigsten Stämmen des Südostens gehörten die Cherokee, die Choctaw, die Chickasaw, die Creek und die Seminolen; diese fünf Stämme wurden von den Eroberern als die „Fünf zivilisierten Stämme“ bezeichnet, da sie hinsichtlich Sozialorganisation und Wirtschaftsform den europäischen Staaten ähnelten. Bekannt sind auch die Natchez, deren hoch entwickelte Moundbuilder-Kultur von den Europäern im 18. Jahrhundert zerstört wurde.
Die Plains
Bei den nordamerikanischen Plains handelt es sich um die Steppengebiete, die von Zentralkanada bis nach Mexiko und vom Mittleren Westen bis zu den Rocky Mountains reichen. Seit 850 n. Chr. entstanden am Missouri und anderen Flüssen der zentralen Plains Siedlungen, in denen Ackerbau betrieben wurde. Bei den meisten Plainsstämmen handelte es sich um kleinere nomadisierende Gruppen, die den Herden hinterherzogen und sie zum Schlachten in Pferche trieben. Bis zur Ausrottung der Büffelherden in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Jagd auf diese Tiere die Lebensgrundlage der meisten Gruppen dieses Kulturareals. Zu dieser Zeit lebten lediglich 130 000 Indianer in diesem riesigen Gebiet.
Die Traditionen der Plains-Indianer gelten als „typisch“ für Indianer schlechthin; dazu gehören der lange Federschmuck, das Tipi, die Friedenspfeife sowie die Kostüme und die Tänze. Sie wurden im 19. Jahrhundert bekannt, als die europäischen Kolonisten das Land eroberten und Zeitungen, Zeitschriften und Photographen das Leben an der Indianergrenze (Frontier) dokumentierten.
Zu den frühen Plains-Stämmen gehörten die Blackfoot, die auf Büffeljagd gingen, sowie die Mandan und Hidatsa, die am Missouri Landwirtschaft betrieben. Als die europäischen Kolonisten das östliche Waldland übernahmen, wanderten zahlreiche Stämme des Mittleren Westens in die Plains aus. Zu diesen gehörten die Sioux, die Cheyenne und die Arapaho. Zuvor, um etwa 1450, waren bereits die Schoschonen und die Comanchen aus den Tälern westlich der Rocky Mountains in die Plains eingewandert. Um 1630 hatten sich diese Stämme darauf spezialisiert, Pferde von den spanischen Ranches in New Mexico zu stehlen und im gesamten Gebiet der Plains gegen andere Waren einzutauschen. Der Diebstahl des Lieblingspferdes eines bedeutenden Kriegers war mit hohem Ansehen verbunden.
Kalifornien und das Große Becken
Zu diesem Kulturareal gehören die Gebirgszüge und Täler Utahs, Nevadas und Kaliforniens. Um 8000 v. Chr. entwickelte sich hier eine Lebensweise, die auf der Jagd auf Wild, Bergschafe und Zugvögel sowie Fischfang, vor allem aber auf dem Sammeln von Eicheln und Wildgräsern, gründete und erst um 1850 n. Chr. aufgegeben wurde. Die Dörfer bestanden aus strohgedeckten Häusern. Ausgefeilte Bodenbautechniken fanden Anwendung, die Korbflechterei hatte sich zu einer Kunstform entwickelt. An der kalifornischen Küste betrieb man Fischfang und jagte von Booten aus Seelöwen, Delphine und andere Meeressäuger. Die üppigen Ressourcen wurden in einem gut organisierten Handelssystem verteilt, als Zahlungsmittel diente Muschelgeld.
Die Paiute, die Ute und die Schoschonen siedelten im Großen Becken, die Klamath, die Modoc und die Yurok im Norden; die Pomo, die Maidu, die Miwok, die Patwin und die Wintun in der Zentralregion und die Missionsindianer im Süden Kaliforniens. Diese erhielten ihren Namen von den spanischen Missionsstationen, die zur Bekehrung der Bevölkerung errichtet worden waren.
Die Plateau-Region
Dieses Kulturareal umfasst die immergrünen Wälder und Gebirge in Idaho, im östlichen Oregon und Washington sowie im westlichen Montana und im benachbarten Kanada. Die wirtschaftliche Grundlage ähnelt der des Großen Beckens, wurde aber noch durch den Lachsfang ergänzt, der saisonal in den Flüssen Columbia, Snake und Fraser sowie deren Nebenflüssen möglich war. Daneben wurden so genannte Camas (im Westen der Vereinigten Staaten vorkommende essbare Knollenpflanze) und andere nahrhafte Knollengewächse und Wurzeln gesammelt. Die Menschen lebten im Winter in Dörfern, die aus in den Boden eingelassenen Rundhäusern bestanden, und im Sommer in mit Matten bedeckten Hütten. Als Wintervorrat trockneten sie Lachs und Cama. Die Wishram und Wasco hatten einen Markt für Händler von der Pazifikküste und der Plainsregion eingerichtet, wo sich diese Gruppen treffen, Handel treiben und getrocknete Nahrungsmittel kaufen konnten.
Zu den Plateaustämmen gehören die Nez Percé, die Wallawalla, die Yakima und die Umatilla, die alle der Shahaptin-Sprachfamilie angehören; die Flathead, die Spokane und die Okanagon, die alle der Sprachfamilie der Salish angehören, sowie die Cayuse und die Kutenai.
Die Subarktis
Das Kulturareal der Subarktis umfasst den größten Teil Kanadas und erstreckt sich vom Atlantischen Ozean bis zu den Gebirgen am Pazifik sowie von der Tundraregion bis etwa 300 Kilometer südlich der amerikanisch-kanadischen Grenze. Die östliche Hälfte dieser Region war während der Eiszeit vergletschert, die sumpfigen Böden lassen kaum Vegetation gedeihen. In der subarktischen Region ist aufgrund der extrem kurzen Sommerperiode keine Landwirtschaft möglich, daher verlegten sich die Bewohner dieser Gebiete auf die Elch- und Karibujagd sowie auf den Fischfang. Es handelte sich teilweise um Nomaden, die in Zelten oder in runden Grubenhäusern lebten. Für ihre Wanderungen benutzten sie im Sommer Kanus und im Winter Schlitten. Aufgrund des beschränkten Nahrungsangebots blieb die Bevölkerung in der subarktischen Region relativ klein.
Die Stämme der östlichen Hälfte der subarktischen Region gehören der Sprachfamilie der Algonkin an; dazu gehören die Cree, die Ojibwa, die Montagnais und die Naskapi. Die Stämme der westlichen Hälfte gehören der nördlichen Sprachfamilie der Athapasken an; dazu gehören die Chipewyan, die Beaver, die Kutchin, die Ingalik, die Kaska und die Tanana. Obwohl viele subarktische Stämme heute in festen Siedlungen leben, jagen sie immer noch Wild und Pelztiere und betreiben Fischfang.
Die Nordwestküste
Dieses Kulturareal umfasst die Westküste Nordamerikas vom südlichen Alaska bis zum nördlichen Kalifornien. Zwischen dem Ozean und den Gebirgen im Osten liegt meist nur ein schmaler bewohnbarer Küstenstreifen. Das Meer ist reich an Meeressäugetieren und Fischen, dazu gehören Lachs und Heilbutt; im Landesinneren sind Bergziegen und -schafe sowie Wapitis beheimatet. Zahlreiche Beeren sowie nahrhafte Wurzeln und Knollengewächse dienen ebenfalls als Nahrung. Dieses reiche Nahrungsangebot ließ eine hohe Bevölkerungsdichte zu. Die Menschen lebten in großen Dörfern mit Holzhäusern, die mitunter mehr als 30 Meter lang waren. In jedem Haus wohnte eine Großfamilie, teilweise mit Sklaven. Jedes Dorf wurde von einem Häuptling angeführt. Während des Winters führten die Dorfbewohner aufwendige religiöse Zeremonien durch. Daneben wurden Potlatch-Feste veranstaltet. Im Handel mit Nordasien bezog man Eisen für Messer. Die Kulturen der Nordwestküste sind berühmt für ihre imposanten Holzschnitzereien. Sie entwickelten dabei eigene Stile, die sich von Kultur zu Kultur unterschieden. Zu den berühmtesten Beispielen zählen die so genannten Totempfähle. Darunter versteht man große bemalte und mit Schnitzereien versehene Baumstämme, die bestimmte Vorfahren eines Clans oder mythologische Gestalten darstellen sollten.
Erste Spuren dieser Kulturen werden auf 3000 v. Chr. datiert, als sich der Meeresspiegel stabilisiert und Lachse und Meeressäugetiere sich in den Küstengewässern angesiedelt hatten. Zu den wichtigsten Stämmen an der Nordwestküste gehören die Tlingit, die Tsimshian, die Haida, die Kwakiutl, die Nootka, die Chinook, die Salish, die Makah und die Tillamook.
Die Arktis
Das Kulturareal der Arktis erstreckt sich entlang der Küste Alaskas und Nordkanadas. Aufgrund der langen und dunklen Wintermonate ist hier keine Landwirtschaft möglich. Lebensgrundlage sind der Fischfang sowie die Jagd auf Seehunde und Karibus; im nördlichen Alaska und im Osten Kanadas der Walfang. Im Sommer lebten die Menschen gewöhnlich in Zelten. Den Winter verbrachten sie in runden, gut isolierten Erdhäusern, die mit Seehundfellen und Gras bedeckt waren; in Zentralkanada wurden die Häuser auch oft aus Eisblöcken errichtet. Aufgrund des knappen Nahrungsangebots lebten in diesem Kulturareal nur wenige Menschen.
Bevölkert wurde die Arktis erst, nachdem um etwa 2000 v. Chr. die Gletscher in der Region schmolzen. Eskimo-Gruppen wanderten um etwa 1000 n. Chr. über Kanada nach Grönland aus, wo die so genannte Thule-Kultur entstand. Aufgrund dieser Wanderung gleichen sich Sprache und Kultur der Eskimos von Alaska bis Grönland. In Südwestalaska und im Osten Sibiriens sind die Yuit beheimatet, die zwar kulturell mit den Inuit verwandt sind und die gleichen Vorfahren haben,deren Sprache sich aber leicht unterscheidet. Den Inuit und Yuit verwandte Gruppen bewohnen seit 6000 v. Chr. die Inselgruppe der Alëuten und leben vom Fischfang und der Jagd auf Meeressäugetiere. Wie die Stämme der Subarktis haben sich die Eskimo und die Alëuten ihre traditionelle Kultur bis zum heutigen Tag zum Teil bewahren können.
Mesoamerika
Die ersten Staaten in Mexiko und dem nördlichen Teil Mittelamerikas entstanden um 1400 v. Chr. Diese Kulturen entwickelten sich aus einer Sammler- und Jägerkultur, die um 7000 v. Chr. bereits im kleineren Umfang auch den Anbau von Bohnen, Kürbis und Mais betrieb. Um 2000 v. Chr. bildeten diese Anbauprodukte zusammen mit Amarant, Avocados und anderem Gemüse sowie Chilipfeffer die Lebensgrundlage. Erste Städte wurden gegründet. Um 1400 v. Chr. errichteten die Olmeken in ihrer Hauptstadt Paläste, Tempel und Denkmäler. Sie lebten im Dschungel an der Ostküste Mexikos. Handelsverbindungen reichten bis nach Monte Albán im westlichen Mexiko (im heutigen mexikanischen Bundesstaat Oaxaca) und ins Tal von Mexiko im zentralen Hochland. Mit dem Ende der Olmekenherrschaft um 400 v. Chr. etablierten sich im zentralen Hochland urbane Zentren. Kurz vor der Zeitenwende entstand der Stadtstaat Teotihuacán im Tal von Mexiko, der zwischen 450 und 600 ganz Mexiko beherrschte und Handel mit Monte Albán sowie den Maya-Reichen, die im Südwesten Mexikos entstanden waren, trieb. Die Macht Teotihuacáns reichte im Süden bis in das Tal von Guatemala, wo rivalisierende Reiche unterworfen wurden.
700 n. Chr. brannte Teotihuacán nieder. Ebenfalls im 8. Jahrhundert wurden zahlreiche Maya-Städte verlassen, vielleicht, weil der Handel mit Teotihuacán zum Erliegen gekommen war. Andere Maya-Städte, insbesondere im nördlichen Yucatán, waren davon jedoch nicht betroffen. Um 1000 entstand in Zentralmexiko das mächtige Reich der Tolteken; es erstreckte sich vom Tal von Mexiko bis ins Maya-Territorium Chichén Itzá. Das Toltekenreich ging 1168 unter. Bis 1433 gelang es drei miteinander verbündeten Reichen im Tal von Mexiko, die Herrschaft über den größten Teil Mexikos an sich zu reißen. Das Azteken-Reich gewann bald die Vorherrschaft in diesem Dreibund. 1519, als der spanische Eroberer Hernán Cortés vom östlichen Mexiko her zusammen mit verbündeten mexikanischen Völkern auf die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán vorrückte, war das Bündnis bereits durch innere Auseinandersetzungen geschwächt, eine Pockenepidemie hatte die Bevölkerung dezimiert. Cortés konnte die Stadt 1521 einnehmen, ohne auf heftigen Widerstand zu stoßen.
Zur Zeit der ersten spanischen Eroberungen bestanden in Mexiko neben dem Aztekten-Reich außerdem die Reiche der Mixteken im heutigen mexikanischen Bundesstaat Puebla, der Tarasken im Bundesstaat Michoacán, der Zapoteken in Oaxaca, der Tlaxcalteken in Michoacán, der Otomí in Hidalgo und der Totonaken in Veracruz. Des Weiteren siedelten hier Angehörige der früheren Maya-Reiche, die Mayapán auf Yucatán, sowie eine Reihe kleinerer, noch intakter Maya-Staaten im Süden und zahlreiche unabhängige Gruppen in den Grenzregionen wie die Yaqui, die Huichol und die Tarahumara in Nordmexiko und die Pipil in Südmexiko. Nach der spanischen Eroberung ganz Mexikos, die mehr als zwei Jahrhunderte in Anspruch nahm, wurde die einheimische Bevölkerung gezwungen, als Kleinbauern unter der Herrschaft einer spanisch-mexikanischen Elite zu leben.
Nördliches Südamerika und Karibik
Zum Kulturareal des nördlichen Südamerikas gehören Dschungelgebiete, Savannenregionen, die nördlichen Anden, einige regenarme Regionen des westlichen Ecuador und die karibischen Inseln. Die indigene Bevölkerung im nördlichen Südamerika lebte in kleinen, unabhängigen Staaten.
Speerspitzen der Clovis-Kultur weisen darauf hin, dass sich bereits um 9000 v. Chr. Sammler und Jäger in diesem Gebiet aufhielten. Andere Funde in der nördlichen Region deuten darauf hin, dass dieser Bereich bereits um 18000 v. Chr. besiedelt wurde. Der ursprüngliche Lebensstil blieb nach dem Aussterben der Mastodonen und Mammute während der Clovis-Periode bis etwa 3000 v. Chr. erhalten. Danach entwickelten sich der Maisanbau in Ecuador und der Maniokanbau in Venezuela; die Keramikherstellung erlebte eine Blüte. Zu dieser Zeit wurden auch erstmals die karibischen Inseln besiedelt. Um 500 v. Chr. lassen sich in Städten in bestimmten Bereichen des nördlichen Südamerika eigene regionale Stile bei der Herstellung von Skulpturen und Metallarbeiten feststellen. Die Chibcha-Reiche in Kolumbien sind z. B. berühmt für kunstvollen Goldschmuck. Im gesamten karibischen Raum lebten kleinere Gruppen wie die Mískito in Nicaragua, die Cuna in Panamá sowie die Arawaken und die Kariben von Landwirtschaft und Fischfang. Kariben siedelten nicht nur auf den gleichnamigen Inseln sondern auch an der Küste Venezuelas.
Zentral- und Südanden
Das Gebirge der Anden, das den gesamten Westen Südamerikas durchzieht, sowie die schmalen Küstenebenen zwischen den Bergen und dem Pazifischen Ozean waren die Wiege der großen Kulturen Altamerikas.
In den letzten Jahren haben archäologische Funde am Monte Verde im südlichen Chile den Beweis dafür geliefert, dass diese Gegend bereits vor 11000 v. Chr. bewohnt war. Weiter im Norden, in Peru, hat man bei Grabungen festgestellt, dass bereits um 7000 v. Chr. verschiedene Bohnenarten und Chili angebaut wurden. Einige Jahrhunderte später erfolgte die Domestizierung des Lamas. Meerschweinchen deckten meist den Fleischbedarf. Allmählich weitete sich die landwirtschaftliche Produktion auf Baumwolle, Kartoffeln, Erdnüsse und andere Nahrungsmittel aus; um 2000 v. Chr. wurde der Maisanbau eingeführt. Daneben nutzten die Völker an der Pazifikküste von Chile über Peru bis nach Ecuador auch das reichhaltige Nahrungsangebot des Meeres, das aus zahlreichen Fischarten, Seevögeln, Seelöwen, Delphinen und Meeresfrüchten bestand.
Nach 2000 v. Chr. wurden in zahlreichen Dörfern an der Pazifikküste in Zentralperu auf gewaltigen Plattformen große Tempel aus Stein oder Lehm errichtet. Nach etwa 900 v. Chr. dienten diese Tempel vermutlich einer neuen Religion, deren Zentrum die in den Bergen gelegene Stadt Chavín de Huántar war. Die Symbole dieser Religion waren der Adler, der Jaguar, die Schlange (vermutlich eine Anakonda) und der Kaiman. Die Symbole ähneln den bei den mexikanischen Olmeken verwendeten, obgleich Kontakte zwischen diesen beiden Kulturen nicht eindeutig zu belegen sind. Nach 300 v. Chr. ließ der Einfluss bzw. die politische Macht Chavíns nach. An der Nordküste Perus entstand daraufhin die Moche-Kultur, an der Südküste die Nazca-Kultur. Beide legten große Bewässerungsanlagen, Städte und Tempel an und betrieben Fernhandel, u. a. exportierten sie Keramik. Die Moche hielten ihr Alltagsleben und ihre Mythen in Zeichnungen und Skulpturen fest. Dabei stellten sie sich als Furcht erregende Krieger dar, fertigten aber auch Skulpturen von domestizierten Pflanzen, Familienszenen, Fischern und sogar Liebespaaren an. Auch die Metallbearbeitung war hoch entwickelt.
Um 600 n. Chr. verloren die beiden Reiche allmählich an Einfluss und es entstanden zwei neue mächtige Reiche in Peru: die Huari im zentralen Hochland und die Tiahuanaco im südlichen Gebirge in der Nähe des Titicacasees. Bei Tiahuanaco handelte es sich vermutlich um ein bedeutendes religiöses Zentrum, das die Symbolik der Chavín-Kultur wiederbelebte. Diese Staaten bestanden allerdings nur wenige Jahrhunderte. Nach 1000 n. Chr. erlangten die Küstenstaaten wieder größere Bedeutung, insbesondere Chimú im Norden mit der gewaltigen und prächtigen Hauptstadt Chan Chan. Schließlich wurde aber ganz Peru von einem Staat unterworfen, der im zentralen Hochland um die Stadt Cuzco entstanden war: von dem Quechua-Staat, der von den Inka regiert wurde. Der damalige Inka-Herrscher Pachacuti Inca Yupanqui leitete im 15. Jahrhundert die gewaltsame Expansion des Reiches ein. Um 1525 reichte die Herrschaft der Inka von Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Die regionalen Produkte wurden mittels Lamakarawanen an die Küste, ins Gebirge sowie in die östlichen Dschungelgebiete exportiert. Die Reiche der Region wurden von Statthaltern verwaltet, denen Soldaten und Priester zur Seite standen. Die Peruaner kannten zwar keine Schrift, benutzten aber den Abakus für mathematische Berechnungen und dokumentierten bestimmte Steuer- und Tributleistungen mit Hilfe geknoteter Schnüre.
Die Männer trugen Lendenschurze und Umhänge, die über einer Schulter zusammengeknotet waren; die Frauen Wickelröcke und weite Blusen. Diese Kleidungsstücke bestanden aus gesponnener Baumwolle oder aus feiner Lamawolle. Zwischen 1525 und 1532 herrschte ein Bürgerkrieg, so dass der spanische Eroberer Francisco Pizarro keine Probleme hatte, mit seinen Truppen das erschöpfte Inka-Reich zu erobern.
Der tropische Regenwald
Archäologische Funde weisen darauf hin, dass das Dschungeltiefland im Osten Südamerikas vermutlich erst nach 3000 v. Chr. besiedelt wurde. Die Bevölkerungsdichte war seit jeher gering. Die Gruppen siedelten an den Flussläufen, wo man Fische fangen sowie Maniok und andere Kulturpflanzen anbauen konnte. Neben verschiedenen Kräutern und Nahrungsmitteln wurden auch Halluzinogene für die Verwendung bei religiösen Ritualen angebaut, die bis nach Peru exportiert wurden. Außer Tapiren und Affen kamen im Dschungel kaum größere Wildtiere vor. Aufgrund der feuchten Hitze trugen die Menschen kaum Kleidung, dennoch wurden Baumwollstoffe gewebt und man schmückte sich durch Körperbemalung. Zu den vielen Gruppen des Kulturareals des Regenwaldes gehören die Makiritare, die Yanomami, die Mundurucu, die Tupinamba, die Shipibo und die Kayapó. Im nördlichen Regenwald leben Gruppen, die Arawakisch und karibische Sprachen sprechen. Obwohl sich die Völker des tropischen Regenwaldes ihre traditionelle Lebensweise zum Teil bewahren konnten, leiden sie heute unter von den Europäern eingeschleppten Krankheiten und unter der Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt durch Viehzüchter, Holzfäller, Goldsucher sowie durch Bergbau und Agro-Business.
Südliches Südamerika
In Argentinien und Chile leben noch heute Agrarvölker wie die Mapuche, eine Gruppe der chilenischen Araukaner, die Mais, Kartoffeln und Getreide anbauen. Ursprünglich betrieben sie Lamazucht. Nach der spanischen Eroberung begannen sie aber auch Rinder, Schafe, Schweine und Hühner zu züchten. Zum Viehhüten und für Kriegszwecke halten sie zudem Pferde. Weiter im Süden in der Pampa, die sich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignet, betrieb man Jagd auf Guanakos und Nandus, an der Küste wurde gefischt und es wurden Meeresfrüchte gesammelt. In Feuerland lässt sich eine Sammler- und Jägerkultur ab 7000 v. Chr. nachweisen. In der Pampa änderten sich die Jagdbräuche, als die Spanier nach 1555 das Pferd einführten. Die Tehuelche gingen mit Pferden auf die Guanako-Jagd, und wie die nordamerikanischen Plains-Indianer konnten sie aufgrund der besseren Transportmöglichkeiten größere Tipis bauen sowie mehr Kleidung und persönlichen Besitz auf ihren Wanderungen mit sich führen. Noch weiter im Süden, in der Region um Kap Hoorn, lebten die Ona, die Yahgan und die Alacaluf hauptsächlich von Fisch und Meeresfrüchten, machten aber auch Jagd auf Robben und Seelöwen. Es handelte sich um Nomaden, die in kleineren, mit Rinde bedeckten oder mit Robbenfell bespannten Wigwams lebten. Trotz des kalten und nebligen Klimas trugen sie nur wenig Kleidung. Die indigenen Völker hatten jedoch stark unter den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten zu leiden. Viele Gruppen sind bereits ausgestorben.
Traditionelle Lebensweise
Grundlage der Sozialorganisation der Indianer war und ist zum größten Teil die Familie. Einige indianische Gesellschaften betonen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau, andere die von Bruder und Schwester.
Die kleinsten Gesellschaften fand man in den Regionen mit dem geringsten Nahrungsangebot. Dazu gehören die nordamerikanischen Cree, die kanadischen subarktischen Stämme der Sprachgruppe der Athapasken, die Paiute in der Wüste Nevadas sowie die Ona und die Yahgan aus Feuerland. Sofern Landwirtschaft möglich war, umfassten die Gemeinschaften bis zu einigen tausend Personen. Im größten Teil der heutigen Vereinigten Staaten lebten die Menschen in Dörfern und gingen lose Bündnisse mit benachbarten Dörfern ein. Das Bündnis sowie jedes Dorf wurden von Räten regiert; in den Dorfräten saß meist ein Vertreter jeder Familie, in den Bündnisräten Vertreter jedes Dorfes. Der Rat wählte einen Mann, bzw. in einigen Gebieten (insbesondere im Südosten Nordamerikas) auch eine Frau, zum Häuptling; d. h. zum Vorsitzenden des Rates und als Vertreter der Gruppe nach außen. In vielen Gebieten waren die Familien in den Dörfern zu so genannten Clans zusammengeschlossen. Die Clans waren gewöhnlich im Besitz bestimmter Ressourcen wie landwirtschaftlich nutzbarer Flächen oder Fischgründe; diese Ressourcen wurden dann je nach Bedarf unter den Familienmitgliedern aufgeteilt und gemeinsam verteidigt.
Im präkolumbischen Mesoamerika und in den südamerikanischen Anden entstanden Reiche mit einer geschichteten Gesellschaft, die hunderttausende oder mitunter sogar Millionen von Individuen umfassten. Die Bewohner gehörten in der Regel einer Staatsreligion an, obwohl mitunter auch regionale Religionen weiter ausgeübt wurden. Kriegsgefangene und Schuldner wurden oft zu Sklaven. Das Inka-Reich war straff organisiert und verwaltet; oft wurden zum Wohl des Staates Einzelpersonen oder ganze Ortschaften umgesiedelt. In Mesoamerika wurde den clanähnlichen Lokalgruppen dagegen in der Regel ein gewisses Maß an Selbstverwaltung zugestanden. Die religiösen Vorstellungen und Zeremonien der Indianer waren höchst unterschiedlich (siehe Schamanen). Zu den öffentlichen Ritualen in Nordamerika gehörten der Sonnentanz und der Schlangentanz (siehe präkolumbische Kunst und Architektur).
Handel und Verkehr
Außerhalb der mesoamerikanischen und andinen Hochkulturen lag der Handel meist in den Händen fahrender Händler, die in jedem Dorf vom Häuptling begrüßt wurden, dem auch die Überwachung der Geschäfte oblag. In vielen Gebieten dienten kleine Muschelschalen oder Perlen, die im östlichen Waldland als Wampum bezeichnet wurden, als Geldersatz. Pelze und farbenprächtige Federn waren fast überall begehrte Handelswaren. Im westlichen Nordamerika gehörten Trockenlachs, Fischöl und Korbwaren zu den wichtigsten Handelsgütern; im östlichen Nordamerika waren es gegerbte Hirschfelle, Kupfer, Pfeifenköpfe aus Catlinit, Perlen und Muschelschalen.
Sprachen
Gegenwärtig sind etwa 1 000 Indianersprachen in Nord- und Südamerika in Gebrauch; hunderte weiterer Sprachen sind seit dem ersten Kontakt mit den Europäern ausgestorben. In vielen Regionen sprachen die Menschen oft nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch die Sprache der Gruppen, mit denen sie häufig Kontakt hatten. In verschiedenen Fällen diente eine einzige Sprache als Verkehrssprache für eine mehrsprachige Region. Beispiele hierfür sind das Tucano im Bereich des westlichen Amazonas und das Quechua in der Andenregion. In einigen Regionen wurden Handels- oder Pidgin-Sprachen benutzt. Dazu gehörten der Chinook Jargon an der nordamerikanischen Nordwestküste und das Mobilian im Osten der Vereinigten Staaten. Die Sprachwissenschaftler haben die zahlreichen Indianersprachen in etwa 180 Familien eingeteilt. Über weitergehende Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Sprachfamilien herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit. Grammatische Strukturen, Lautsysteme und Wortbildungsmethoden unterscheiden sich zwar oft von Familie zu Familie, dennoch beeinflussen sich häufig die verschiedenen Sprachfamilien einer bestimmten Region.
Erste Kontakte mit Europäern
Die ersten Europäer, die in San Salvador (Bahamas), Roanoke (North Carolina) oder Chaleur Bay (New Brunswick) landeten, wurden von der ansässigen Bevölkerung freundlich aufgenommen. Aus späteren Berichten geht hervor, dass die Indianer des 16. und 17. Jahrhunderts die Europäer ziemlich gering schätzten. So galten weiße Europäer oft als geizig, habsüchtig und unersättlich in ihrer Gier nach Biber- und Hirschfellen. Die Indianer waren auch erstaunt über die intolerante Haltung der Europäer gegenüber ihren Glaubensvorstellungen, den Sexual- und Heiratsvorschriften, den Ernährungsgewohnheiten und anderen Traditionen.
„Wir kamen hierher, um Gott zu dienen und um reich zu werden“, so ein Mitglied der Truppen des spanischen Eroberers Hernán Cortés. Die spanischen Eroberer und andere Abenteurer wollten das Land und die Arbeitskraft der amerikanischen Ureinwohner; die Priester und Geistlichen beanspruchten ihre Seele. Letztlich führte beides zur Ausrottung zahlreicher altamerikanischer Völker.
Im Gegensatz zu den gängigen Vorurteilen waren die ethischen Grundlagen der Eroberung im Spanien des 16. Jahrhunderts durchaus umstritten. Einflussreiche spanische Juristen und Humanisten diskutierten ausführlich über die Rechtmäßigkeit des Landraubes an den Indianern und der spanischen Herrschaft über sie (siehe Las Casas).
Da die Franzosen vor allem am Pelzhandel interessiert waren, ergab sich für Kanada eine andere Konstellation. Es hätte den Interessen der Franzosen geschadet, ihre Geschäftspartner schlecht zu behandeln. Die indianischen Jäger brachten in der Aussicht auf einen lukrativen Tauschhandel die Pelze nach Montreal, Trois-Rivières und Quebec.
Die relative Unabhängigkeit der indigenen Völker Kanadas wurde auch dadurch begünstigt, dass die Franzosen auf Verbündete im Kampf gegen Großbritannien angewiesen waren, dies vor allem in der Region der 13 Kolonien im Süden und an der Hudsonbai im Norden. Sowohl bei den Franzosen als auch bei den Briten kamen indianische Hilfstruppen zum Einsatz.
Die Franzosen tolerierten Ehen zwischen Europäern und Indianern, die Briten verboten diese. Im Gegensatz zu den Franzosen in Kanada siedelten die Briten an der Atlantikküste der heutigen Vereinigten Staaten in relativ großer Zahl und verdrängten dabei viele Gruppen. Für die britische Wirtschaft spielte die altansässige Bevölkerung kaum eine Rolle. Sie wurde im Allgemeinen als Hindernis für den Fortschritt angesehen, es sei denn, man konnte sie im Krieg gegen die Franzosen verwenden. In diesen Fällen versuchten die Briten sich Neutralität oder Unterstützung der indigenen Gruppen durch Geschenke zu erkaufen.
Auswirkungen von Krankheiten
1492 gehörten die Karibik, Mexiko, Mittelamerika und das andine Südamerika zu den am dichtesten bevölkerten Regionen der Welt. Innerhalb weniger Generationen kam es jedoch in all diesen Gebieten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Zurückzuführen ist das zu einem großen Teil auf Infektionskrankheiten wie Pocken, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Da diese Krankheiten im präkolumbischen Amerika unbekannt waren, hatte das Immunsystem dieser Menschen keine Abwehrstoffe aufbauen können.
Die Krankheiten hatten insbesondere in Lateinamerika katastrophale Auswirkungen, wo die Ansteckungsgefahr in Großstädten wie Tenochtitlán und Cuzco besonders groß war.
Nachdem die indigene Bevölkerung der Karibik beinahe ausgerottet worden war, verlegten sich die Spanier zunächst auf die Sklavenjagd auf dem Festland des heutigen US-Bundesstaates Florida, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Da damit der Bedarf nicht gedeckt werden konnte, begann man mit der Verschleppung westafrikanischer Sklaven, die auf den Zuckerrohrplantagen und in den Silberminen arbeiten mussten.
Die überlebenden Indianer wurden oft mit ihrem ganzen Dorf einem Plantagen- oder Minenbesitzer unterstellt, der über ihre Arbeitskraft verfügen konnte. Dieses Encomienda-System war im Grunde genommen eine Form der Sklaverei.
Unter den nomadischen Sammler- und Jägerkulturen in den kanadischen Wäldern richteten die Seuchen vermutlich weniger katastrophale Schäden an. Die sesshaften, Landwirtschaft betreibenden Stämme wie die Huronen am Ontariosee litten jedoch unter massiven Bevölkerungsverlusten aufgrund von Epidemien, die vermutlich von Jesuiten-Priestern und deren Helfern verursacht worden waren, die in der Region Missionsstationen errichtet hatten.
Kriege und Vertreibungen
Zweifellos hatten die kanadischen Indianer weniger unter Vertreibungen zu leiden als diejenigen Indianer, die im Einflussbereich Großbritanniens oder Spaniens lebten. Das lässt sich zum Teil mit dem Pelzhandel erklären, der im Widerspruch zu einer Besiedelung des Landes stand. Die französische Besiedelung Kanadas beschränkte sich auf eng begrenzte große Ländereien und Dörfer am Ufer des Sankt-Lorenz-Stromes und am Unterlauf des Ottawa. Dieses demographische und ökonomische Vermächtnis führte dazu, dass es im heutigen Kanada noch immer zahlreiche indigene Gruppen gibt, die zumindest zu bestimmten Jahreszeiten einer mehr oder weniger traditionellen Lebensweise nachgehen können.
Im Gegensatz dazu kam es zwischen den Briten und den Indianern im 17. und 18. Jahrhundert zu einer Reihe von Kriegen, die allesamt von den Briten gewonnen wurden. Die Engländer zwangen die Indianer, die englische Herrschaft anzuerkennen und ihre Aktivitäten entweder auf bestimmte fest umrissene Gebiete in der Nähe englischer Siedlungen zu beschränken oder in Gebiete jenseits der Siedlungsgrenze auszuweichen.
Nach schweren Pockenepidemien, Kriegen und Auseinandersetzungen mit Siedlern sammelten sich die noch verbliebenen Angehörigen der Stämme des östlichen Waldlandes und flüchteten sich in das Gebiet westlich der Appalachen.
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
Eines der vorrangigsten Probleme, mit denen sich die jungen Vereinigten Staaten auseinander setzen mussten, war die Indianerfrage. Im Frieden von Paris (1783), der den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete, wird auf die ursprüngliche Bevölkerung des Gebiets kein Bezug genommen, was die zwiespältige Haltung der Engländer den Indianern gegenüber widerspiegelt. In der Verfassung der Vereinigten Staaten heißt es: „Aufgabe des Kongresses ist es, den Außenhandel, den Binnenhandel zwischen den Einzelstaaten sowie den Handel mit den Indianerstämmen zu regeln“.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert überquerten viele Siedler auf der Suche nach Land das Alleghenygebirge und die Blue Ridge Mountains; sie stießen ins Tal des Ohio, nach Kentucky und Tennessee vor, wo zahlreiche mächtige und intakte Gesellschaften lebten. Da sie sich vielfach auf Indianerterritorium niederließen, waren kriegerische Auseinandersetzungen die unvermeidliche Folge. Im Vertrag von Greenville wurden die Indianer 1795 zur Anerkennung einer verbindlichen Grenzlinie zwischen dem so genannten „Indianerterritorium“ und dem weißen Siedlungsgebiet gezwungen. Der Indian Removal Act 1830 ermächtigte die Vereinigten Staaten, alle Indianer westlich des Mississippi in das so genannte „Indianerterritorium“ (das heutige Oklahoma) umzusiedeln. Dieser Umzug führte zu brutalen Vertreibungen. Angesichts der immer weiteren Expansion der Vereinigten Staaten erfolgte schließlich die Umsiedelung der Indianer in Reservate innerhalb des Indianerterritoriums; bei Widerstand kam die US-Army zum Einsatz. Die darauf ausbrechenden Indianerkriege, die sich durch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen, endeten 1890 mit dem Massaker an Männern, Frauen und Kindern der Sioux bei Wounded Knee, im US-Bundesstaat South Dakota.
Indianer in der heutigen Gesellschaft der USA
1924 erhielten die Indianer die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten zugesprochen. Der Indian Reorganization Act von 1934 sah eine Selbstregierung der Gruppen vor. Die Politik der Stammesräte war aber weiterhin von der Billigung durch das US-Innenministerium abhängig. Zu Beginn der siebziger Jahre erreichten die Indianer politisch größere Autonomie. Viele Indianergruppen versuchten, auf dem Rechtsweg Ansprüche auf Land und Territorien durchzusetzen, die sie im Lauf der Jahre verloren hatten: mit dem Alaska Native Land Claims Settlement Act von 1971 wurden den Inuit und Alëuten in Alaska insgesamt 962 Millionen US-Dollar Entschädigung und 16 Millionen Hektar Land zugesprochen.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts ist die Indianerbevölkerung in den Vereinigten Staaten kontinuierlich angewachsen. 1990 lag ihre Bevölkerungszahl bei fast zwei Millionen (einschließlich Alëuten und Inuits); das entspricht etwa 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Laut der amerikanischen Behörde für Bevölkerungsstatistik wuchs die indianische Bevölkerung zwischen 1980 und 1990 um 20 Prozent an. Knapp ein Drittel dieser Menschen lebt in Schutzgebieten, etwa die Hälfte in Städten, die meist in der Nähe der Schutzgebiete liegen. Die 278 Schutzgebiete umfassen etwa 23 Millionen Hektar Land in 35 Bundesstaaten. Aufgrund der sozialen und kulturellen Verelendung der Bevölkerung der Schutzgebiete ist Alkoholismus weit verbreitet. Bis zu 80 Prozent der männlichen Bevölkerung leiden unter dieser Krankheit.
Indianer in Kanada
Als die ersten europäischenSiedler eintrafen, lebten im Gebiet des heutigen Kanada nur etwa 200 000 Indianer. Heute liegt der Anteil der Indianer an der kanadischen Bevölkerung bei etwa zwei Prozent; der überwiegende Teil gehört zur Sprachfamilie der Algonkin, daneben kommen aber auch Vertreter der Sprachfamilien der Irokesen, Salish, Athapasken und Eskimo vor. Insgesamt teilen sich die kanadischen Indianer in etwa 600 Gruppen auf. Eine weitere bedeutende Minderheit, insbesondere im Norden und Westen, sind die Mischlinge indianisch-europäischer Abstammung, vor allem die französischsprachigen Métis. Der kanadische Staat stellt den Indianern Schulen und andere soziale Einrichtungen zur Verfügung. Aufgrund der besseren Gesundheitsversorgung sind die Bevölkerungszahlen in den letzten Jahren wieder angestiegen. Die Inuit haben in letzter Zeit vermutlich die stärksten Eingriffe in ihre traditionelle Lebensweise erleben müssen, da Bergwerke, Wasserkraftwerke und Ölförderanlagen auf ihrem Territorium errichtet wurden. 1991 wurde die Schaffung eines Inuitterritoriums im Northwest Territory, des Nunavut (Inuit für „unser Land“), beschlossen, das ab 1999 von den Indianern selbst verwaltet werden soll.
Die Indianer Lateinamerikas
Die indianische Bevölkerung Lateinamerikas wird gegenwärtig auf etwa 26 Millionen geschätzt, von denen 24 Millionen in Bolivien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Peru leben. Sie werden in diesen Staaten gewöhnlich als Campesinos (Bauern) bezeichnet und haben unter extremer Armut zu leiden; meist leben sie auf dem Land und betreiben Subsistenzlandwirtschaft. In Bolivien und Guatemala stellen die indianischen Campesinos 60 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Ausnahme Uruguays gibt es in sämtlichen Staaten Südamerikas Reste einer indigenen Bevölkerung. Dazu kommt eine große Anzahl von Mestizen, d. h. Mischlingen, die sowohl indianischer als auch europäischer Abstammung sind. In Mexiko, Bolivien, Panamá und Peru stellen Indianer und Mestizen schätzungsweise 85 Prozent der Bevölkerung, in Ecuador 90 Prozent, in Honduras, El Salvador und Paraguay sogar über 90 Prozent. Nur in Argentinien ist die Mehrheit der Bevölkerung rein europäischen Ursprungs.
Nur etwa 1,5 Prozent der gesamten lateinamerikanischen Indianerbevölkerung leben in indigenen Gesellschaften. So genannte Stammeskulturen existieren vorwiegend in Brasilien, Kolumbien, Panamá, Paraguay und Venezuela. Viele Gruppen bewohnen die abgeschiedenen Urwaldregionen des Amazonasbeckens, wo sie von der Jagd, dem Fischfang sowie dem Sammeln von Maniok und anderen Wurzeln leben. Die gegenwärtige Expansion des brasilianischen Staates in die Amazonasregion gefährdet jedoch das physische und kulturelle Überleben dieser Gruppen, da verheerende Seuchen eingeschleppt werden und durch den Abbau von Bodenschätzen und das Anlegen von Überlandstraßen Stammesterritorien zerstört werden.
Die größte indigene Gruppe in Brasilien sind die Yanomami mit mehr als 16 000 Mitgliedern, für die die Regierung ein Schutzgebiet geplant hat. Laut Schätzung von Ethnologen benötigen die Yanomami jedoch mindestens 6,4 Millionen Hektar, um ihre traditionelle Lebensweise fortsetzen zu können.
Die gesamte indigene Bevölkerung Lateinamerikas umfasst etwas mehr als 400 verschiedene Indianergruppen, die alle eigene Sprachen oder Dialekte sprechen.
Frühe Bevölkerung
Man geht davon aus, dass zum Zeitpunkt der Ankunft der ersten Europäer in ganz Amerika mehr als 90 Millionen Menschen lebten: etwa 10 Millionen in den Gebieten nördlich des heutigen Mexiko, 30 Millionen in Mexiko, 11 Millionen in Mittelamerika, 445 000 in der Karibik, 30 Millionen in der südamerikanischen Anden-Region und 9 Millionen im übrigen Südamerika. Bei diesen Angaben handelt es sich um grobe Schätzungen (teilweise werden auch beträchtlich geringere Zahlen angegeben); genau lässt sich die Bevölkerungszahl nicht mehr ermitteln. Als die europäischen Kolonisten begannen, Bevölkerungsstatistiken über die Indianer anzulegen, war deren Zahl durch Kriege, Hungersnöte, Zwangsarbeit und vor allem infolge der von den Europäern eingeschleppten Krankheiten bereits drastisch gesunken.
Frühe Wanderungen
Äußerlich ähneln die Indianer den asiatischen Völkern, von denen sie vermutlich abstammen. Sie wanderten vor etwa 25 000 Jahren von Asien aus nach Amerika ein. Sie zogen über eine Landbrücke (Beringland), die damals zwischen den beiden Kontinenten bestand. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die ersten Gruppen, die einwanderten, Steinwerkzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände mit sich führten, die für die so genannte Steinzeit typisch sind. Diese Menschen lebten in Gruppen zu etwa 100 Personen zusammen und betrieben Fischfang sowie Jagd auf Herdentiere wie Ren und Mammut. Es handelte sich vermutlich um Nomaden, die mehrmals im Jahr ihr Lager wechselten, um das saisonale Nahrungsangebot besser nutzen zu können. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich im Sommer für einige Wochen mit anderen Gruppen trafen, um religiöse Zeremonien zu feiern, Handel zu treiben, sich in sportlicher Hinsicht miteinander zu messen, zu spielen oder sich nur einfach zu besuchen.
Es gibt nur wenige archäologische Funde aus dieser frühen Phase der Besiedelung Amerikas, und dieses Material ist nicht immer eindeutig zeitlich zuzuordnen. Am Yukon im heutigen Kanada wurden Steinwerkzeuge gefunden, die mittels Radiokarbonmethode auf 22000 v. Chr. datiert wurden. Im Tal von Mexiko wurden alte Feuerstellen und einige Steinwerkzeuge freigelegt, die mit derselben Methode auf 21000 v. Chr. datiert wurden. In einer Höhle in den peruanischen Anden in der Nähe von Ayacucho sind Archäologen auf Steinwerkzeuge und Knochen geschlachteter Tiere aus der Zeit um 18000 v. Chr. gestoßen. In einer Höhle im US-amerikanischen Bundesstaat Idaho wurden ebenfalls Steinwerkzeuge und Knochen geschlachteter Tiere gefunden, die aus der Zeit um 12500 v. Chr. stammen. Typisch für den amerikanischen Kontinent sind die so genannten Clovis-Speerspitzen, die auf etwa 11000 v. Chr. datiert werden.
1997 fanden Archäologen in Monte Verde (Chile) Spuren menschlichen Lebens, die 12 500 Jahre alt sind.
Die wichtigsten Kulturareale
Bei einem Kulturareal handelt es sich um eine geographische Region mit charakteristischem Klima, typischen Oberflächenformen sowie bestimmten Tier- und Pflanzenbeständen. Der amerikanische Doppelkontinent lässt sich in zahlreiche Kulturareale einteilen, deren Grenzen je nach den zugrunde liegenden Kriterien unterschiedlich gezogen werden können. Üblicherweise geht man von neun Kulturarealen für Nordamerika, einem für Mesoamerika (Mexiko und Mittelamerika) und vier für Südamerika aus.
Nordamerika
Die Kulturareale Nordamerikas umfassen den Südwesten, das östliche Waldland, den Südosten, die Plains und Prärien, Kalifornien und das große Becken, die Plateau-Region, die Subarktis, die Nordwestküste und die Arktis.
Der Südwesten
Zum Kulturareal des Südwestens gehört das Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und des südlichen Colorado sowie der benachbarten mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua. Bei den ersten bekannten Bewohnern des Südwestens handelte es sich um Gruppen, die mit Speeren Jagd auf Mammute und andere Wildtiere machten (um 9500 v. Chr.). Als am Ende der Eiszeit (um 8000 v. Chr.) die Mammute ausstarben, begannen die Völker im Südwesten den Bison zu jagen und verlegten sich zunehmend auf das Sammeln von Wildpflanzen. Als das Klima immer wärmer und trockener wurde, entwickelte sich zwischen etwa 8000 v. Chr. und 300 v. Chr. eine Lebensweise, die als Archaikum bezeichnet wird. Die Völker des Archaikums lebten von der Jagd auf Hirsche, Kleinwild und Vögel sowie vom Sammeln von Eicheln, Früchten und Wildpflanzensamen. Die Samen wurden auf Steinplatten zu Mehl verarbeitet. Um 3000 v. Chr. setzte im Südwesten der Anbau von Mais ein, der zuvor in Mexiko domestiziert worden war, er spielte aber für die Ernährung jahrhundertelang nur eine untergeordnete Rolle.
Um 300 v. Chr. wanderten Gruppen aus Mexiko, deren Kultur auf dem Bewässerungsfeldbau von Mais, Bohnen und Kürbis basierte, nach Südarizona. Diese Hohokamkulturen lebten in Lehmhäusern, die um öffentliche Plätze angeordnet waren. Sie gelten als die Vorfahren der heutigen Pima und Papago, die die Lebensweise der Hohokam teilweise beibehalten haben.
Die Völker im nördlichen Abschnitt des Kulturareals des Südwestens hatten nach mehreren Jahrhunderten des Handels mit den Hohokam bis um 700 n. Chr. die so genannte Anasazi-Kultur der frühen Cliff Dweller begründet. Sie bauten Mais, Bohnen und Kürbis an und lebten in mehrstöckigen Stein- oder Lehmhäusern, die um zentrale Plätze angeordnet waren. An der Dorfgrenze wiesen die Häuserwände keine Fenster auf, wodurch die Dörfer wie Festungen geschützt waren. Während des Sommers lebten viele Familien in kleineren Häusern auf ihren Feldern. Nach 1275 kam es zu verheerenden Dürrekatastrophen, in deren Folge zahlreiche Gehöfte und Dörfer der Anasazi aufgegeben wurden. Diejenigen Gruppen, die am Rio Grande lebten, expandierten dagegen und bauten die vorhandenen Bewässerungssysteme aus. 1540 trafen die ersten spanischen Eroberer mit den Nachfahren der Anasazi zusammen, den so genannten Pueblo-Indianern. 1598 hatten die Spanier die Pueblo-Indianer bereits unterworfen. 1680 gelang ein erfolgreicher Aufstand gegen die spanische Herrschaft, worauf sie bis 1692 ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Danach fielen die Pueblodörfer jedoch nacheinander unter die Herrschaft der Spanier, der Mexikaner und schließlich der Vereinigten Staaten. Die Pueblos versuchten, ihre Kultur zu bewahren: Sie betrieben weiterhin Landwirtschaft, hielten in einigen Dörfern eine geheime Selbstverwaltung aufrecht und praktizierten ihre Religion. Heute gibt es noch 22 Pueblodörfer.
Im 15. Jahrhundert wanderten Jägervölker der athapaskischen Sprachgruppe (verwandt mit den Sprachfamilien in Alaska und im westlichen Kanada) in den Südwesten ein. Sie waren entlang der westlichen Great Plains nach Süden gezogen und plünderten die Pueblodörfer. Später, nachdem die Spanier Sklavenmärkte errichtet hatten, versuchten sie Gefangene zu machen, die sie verkaufen konnten. Von den Pueblo-Indianern übernahmen sie die Landwirtschaft und von den Spaniern die Schaf- und Pferdezucht. Sie sind die Vorfahren der heutigen Navajo und verschiedener Apache-Gruppen.
Der westliche Abschnitt des Südwestens ist von Völkern der Yuma-Sprachfamilie besiedelt. Zu diesen zählen die Havasupai, die im Tal des Grand Canyon Landwirtschaft betreiben und die Mojave, die am Unterlauf des Colorado leben. Die Völker der Yuma-Sprachfamilie leben in kleineren Dörfern mit strohgedeckten Dächern in der Nähe ihrer Felder. Im Überschwemmungsfeldbau bauen sie insbesondere Mais, Bohnen und Kürbis an.
Die Navajo, die Pueblo-Indianer und die Yuman, eine Yuma-Gruppe, verwendeten Blütenpollen, Holzkohle, Sandstein und andere farbige Materialien, um Sandbilder herzustellen, deren Symbolik bei Heilzeremonien benötigt wurde, und die später wieder zerstört wurden.
Östliches Waldland
Das Kulturareal des östlichen Waldlandes umfasst die gemäßigten Klimazonen der östlichen Vereinigten Staaten und Kanadas. Im Westen reicht das Gebiet bis in den US-Bundesstaat Minnesota bzw. die kanadische Provinz Ontario, im Osten bis zum Atlantischen Ozean und im Süden bis in den US-Bundesstaat North Carolina. Bei den ersten Bewohnern dieser ursprünglich dicht bewaldeten Region handelte es sich um Jägergruppen, die teilweise der Clovis-Kultur angehörten. Um 7000 v. Chr. entwickelte sich mit der allgemeinen Erwärmung des Klimas eine Kultur, deren Bevölkerung sich vorwiegend von Wild, Nüssen und Wildgräsern ernährte. Man hatte von den Mexikanern den Kürbisanbau übernommen, daneben wurden im Südwesten Sonnenblumen, Amarant, Holunder sowie Gänsefuß und verwandte Pflanzen angebaut. Die Samen all dieser Pflanzen wurden mit Ausnahme der Sonnenblumenkerne zu Mehl gemahlen. Der Fischfang und das Sammeln von Schalentieren nahmen einen enormen Aufschwung, und vor der Küste Maines fing man sogar Schwertfische. Im Gebiet westlich der Großen Seen kam es zur Förderung von Kupfer im Tagebau, das schließlich im gesamten östlichen Waldland zu Klingen und Schmuck weiterverarbeitet wurde. Daneben schnitzte man aus Stein kleine Skulpturen.
Um etwa 1000 v. Chr. wurde das Klima kühler und das Nahrungsangebot knapper. Dadurch nahm die Bevölkerung an der Atlantikküste ab. Im Mittleren Westen entwickelten die Völker dagegen ein weitverzweigtes Handelsnetz und begannen große Erdhügel als Begräbnisstätten für ihre Anführer sowie als Zeremonialzentren anzulegen. Diese Kultur der frühen Moundbuilders, die so genannte Hopewell-Kultur, betrieb in kleinerem Umfang Maisanbau, war größtenteils aber von Sammelwirtschaft und Jagd abhängig.
Um 750 entwickelte sich im Mittleren Westen eine neue Kultur. Grundlage der so genannten Mississippi-Kultur war der intensive Maisanbau. Jenseits des Mississippi auf der Höhe des heutigen Saint Louis wurde während dieser Zeit die Stadt Cahokia errichtet, in der etwa 50 000 Menschen lebten. Zur gleichen Zeit wurde auch in der Atlantikregion der Maisanbau intensiviert. Hier kam es aber nicht zur Gründung größerer Städte.
Die ersten Europäer, die um 1000 n. Chr. in die Region des östlichen Waldlandes kamen, waren Isländer, die versuchten, Neufundland zu besiedeln. Während des 16. Jahrhunderts kamen europäische Fischer und Walfänger an die Küsten Kanadas. Die europäische Besiedelung des Gebiets begann im 17. Jahrhundert. Den europäischen Einwanderern wurde kaum Widerstand entgegengesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil die ansässige Bevölkerung durch furchtbare Epidemien, die von europäischen Fischern und den spanischen Eroberern im Südosten eingeschleppt worden waren, stark dezimiert waren. Die Städte der Mississippi-Kultur waren zu dieser Zeit bereits verschwunden, was vermutlich ebenfalls auf Seuchen zurückzuführen ist.
Zu den wichtigsten Indianergruppen des östlichen Waldlandes gehörten die Irokesen und eine Reihe von Stämmen der Algonkin-Sprachgruppe wie die auch unter der Bezeichnung Delawaren bekannten Lenape, die Micmac, die Narragansett, die Shawnee, die Potawatomi, die Menomini und die Illinois. Einige Stämme des östlichen Waldlandes zogen im 19. Jahrhundert nach Westen, andere blieben in ihrem angestammten Gebiet.
Der Südosten
Beim Kulturareal des Südostens handelt es sich um die semitropische Region nördlich des Golf von Mexiko und südlich der amerikanischen Mittelatlantikstaaten. Es erstreckt sich von der Atlantikküste bis nach Zentraltexas.
Die Kultivierung einheimischer Pflanzen begann im späten Archaikum um etwa 3000 v. Chr. Im Jahr 1400 v. Chr. entstand in der Nähe der heutigen Stadt Vicksburg, im US-Bundesstaat Mississippi, eine Stadt, die von den Archäologen als Poverty Point bezeichnet wird. Wie in den Städten der Mississippi-Kultur fanden sich in Poverty Point ein großer öffentlicher Platz und gewaltige Erdhügel, die als Tempel-Plattformen oder als Bestattungsorte dienten.
Um 500 v. Chr. entwickelte sich der Maisanbau. Es wurden zahlreiche Städte gegründet und weitverzweigte Handelsbeziehungen für handwerklich hergestellte Waren aufgebaut. Als erster Europäer erkundete der spanische Eroberer Hernando de Soto mit seinen Truppen zwischen 1539 und 1542 den Südosten. Den dabei von den Spaniern eingeschleppten Epidemien fielen Tausende von Indianern zum Opfer.
Zu den wichtigsten Stämmen des Südostens gehörten die Cherokee, die Choctaw, die Chickasaw, die Creek und die Seminolen; diese fünf Stämme wurden von den Eroberern als die „Fünf zivilisierten Stämme“ bezeichnet, da sie hinsichtlich Sozialorganisation und Wirtschaftsform den europäischen Staaten ähnelten. Bekannt sind auch die Natchez, deren hoch entwickelte Moundbuilder-Kultur von den Europäern im 18. Jahrhundert zerstört wurde.
Die Plains
Bei den nordamerikanischen Plains handelt es sich um die Steppengebiete, die von Zentralkanada bis nach Mexiko und vom Mittleren Westen bis zu den Rocky Mountains reichen. Seit 850 n. Chr. entstanden am Missouri und anderen Flüssen der zentralen Plains Siedlungen, in denen Ackerbau betrieben wurde. Bei den meisten Plainsstämmen handelte es sich um kleinere nomadisierende Gruppen, die den Herden hinterherzogen und sie zum Schlachten in Pferche trieben. Bis zur Ausrottung der Büffelherden in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Jagd auf diese Tiere die Lebensgrundlage der meisten Gruppen dieses Kulturareals. Zu dieser Zeit lebten lediglich 130 000 Indianer in diesem riesigen Gebiet.
Die Traditionen der Plains-Indianer gelten als „typisch“ für Indianer schlechthin; dazu gehören der lange Federschmuck, das Tipi, die Friedenspfeife sowie die Kostüme und die Tänze. Sie wurden im 19. Jahrhundert bekannt, als die europäischen Kolonisten das Land eroberten und Zeitungen, Zeitschriften und Photographen das Leben an der Indianergrenze (Frontier) dokumentierten.
Zu den frühen Plains-Stämmen gehörten die Blackfoot, die auf Büffeljagd gingen, sowie die Mandan und Hidatsa, die am Missouri Landwirtschaft betrieben. Als die europäischen Kolonisten das östliche Waldland übernahmen, wanderten zahlreiche Stämme des Mittleren Westens in die Plains aus. Zu diesen gehörten die Sioux, die Cheyenne und die Arapaho. Zuvor, um etwa 1450, waren bereits die Schoschonen und die Comanchen aus den Tälern westlich der Rocky Mountains in die Plains eingewandert. Um 1630 hatten sich diese Stämme darauf spezialisiert, Pferde von den spanischen Ranches in New Mexico zu stehlen und im gesamten Gebiet der Plains gegen andere Waren einzutauschen. Der Diebstahl des Lieblingspferdes eines bedeutenden Kriegers war mit hohem Ansehen verbunden.
Kalifornien und das Große Becken
Zu diesem Kulturareal gehören die Gebirgszüge und Täler Utahs, Nevadas und Kaliforniens. Um 8000 v. Chr. entwickelte sich hier eine Lebensweise, die auf der Jagd auf Wild, Bergschafe und Zugvögel sowie Fischfang, vor allem aber auf dem Sammeln von Eicheln und Wildgräsern, gründete und erst um 1850 n. Chr. aufgegeben wurde. Die Dörfer bestanden aus strohgedeckten Häusern. Ausgefeilte Bodenbautechniken fanden Anwendung, die Korbflechterei hatte sich zu einer Kunstform entwickelt. An der kalifornischen Küste betrieb man Fischfang und jagte von Booten aus Seelöwen, Delphine und andere Meeressäuger. Die üppigen Ressourcen wurden in einem gut organisierten Handelssystem verteilt, als Zahlungsmittel diente Muschelgeld.
Die Paiute, die Ute und die Schoschonen siedelten im Großen Becken, die Klamath, die Modoc und die Yurok im Norden; die Pomo, die Maidu, die Miwok, die Patwin und die Wintun in der Zentralregion und die Missionsindianer im Süden Kaliforniens. Diese erhielten ihren Namen von den spanischen Missionsstationen, die zur Bekehrung der Bevölkerung errichtet worden waren.
Die Plateau-Region
Dieses Kulturareal umfasst die immergrünen Wälder und Gebirge in Idaho, im östlichen Oregon und Washington sowie im westlichen Montana und im benachbarten Kanada. Die wirtschaftliche Grundlage ähnelt der des Großen Beckens, wurde aber noch durch den Lachsfang ergänzt, der saisonal in den Flüssen Columbia, Snake und Fraser sowie deren Nebenflüssen möglich war. Daneben wurden so genannte Camas (im Westen der Vereinigten Staaten vorkommende essbare Knollenpflanze) und andere nahrhafte Knollengewächse und Wurzeln gesammelt. Die Menschen lebten im Winter in Dörfern, die aus in den Boden eingelassenen Rundhäusern bestanden, und im Sommer in mit Matten bedeckten Hütten. Als Wintervorrat trockneten sie Lachs und Cama. Die Wishram und Wasco hatten einen Markt für Händler von der Pazifikküste und der Plainsregion eingerichtet, wo sich diese Gruppen treffen, Handel treiben und getrocknete Nahrungsmittel kaufen konnten.
Zu den Plateaustämmen gehören die Nez Percé, die Wallawalla, die Yakima und die Umatilla, die alle der Shahaptin-Sprachfamilie angehören; die Flathead, die Spokane und die Okanagon, die alle der Sprachfamilie der Salish angehören, sowie die Cayuse und die Kutenai.
Die Subarktis
Das Kulturareal der Subarktis umfasst den größten Teil Kanadas und erstreckt sich vom Atlantischen Ozean bis zu den Gebirgen am Pazifik sowie von der Tundraregion bis etwa 300 Kilometer südlich der amerikanisch-kanadischen Grenze. Die östliche Hälfte dieser Region war während der Eiszeit vergletschert, die sumpfigen Böden lassen kaum Vegetation gedeihen. In der subarktischen Region ist aufgrund der extrem kurzen Sommerperiode keine Landwirtschaft möglich, daher verlegten sich die Bewohner dieser Gebiete auf die Elch- und Karibujagd sowie auf den Fischfang. Es handelte sich teilweise um Nomaden, die in Zelten oder in runden Grubenhäusern lebten. Für ihre Wanderungen benutzten sie im Sommer Kanus und im Winter Schlitten. Aufgrund des beschränkten Nahrungsangebots blieb die Bevölkerung in der subarktischen Region relativ klein.
Die Stämme der östlichen Hälfte der subarktischen Region gehören der Sprachfamilie der Algonkin an; dazu gehören die Cree, die Ojibwa, die Montagnais und die Naskapi. Die Stämme der westlichen Hälfte gehören der nördlichen Sprachfamilie der Athapasken an; dazu gehören die Chipewyan, die Beaver, die Kutchin, die Ingalik, die Kaska und die Tanana. Obwohl viele subarktische Stämme heute in festen Siedlungen leben, jagen sie immer noch Wild und Pelztiere und betreiben Fischfang.
Die Nordwestküste
Dieses Kulturareal umfasst die Westküste Nordamerikas vom südlichen Alaska bis zum nördlichen Kalifornien. Zwischen dem Ozean und den Gebirgen im Osten liegt meist nur ein schmaler bewohnbarer Küstenstreifen. Das Meer ist reich an Meeressäugetieren und Fischen, dazu gehören Lachs und Heilbutt; im Landesinneren sind Bergziegen und -schafe sowie Wapitis beheimatet. Zahlreiche Beeren sowie nahrhafte Wurzeln und Knollengewächse dienen ebenfalls als Nahrung. Dieses reiche Nahrungsangebot ließ eine hohe Bevölkerungsdichte zu. Die Menschen lebten in großen Dörfern mit Holzhäusern, die mitunter mehr als 30 Meter lang waren. In jedem Haus wohnte eine Großfamilie, teilweise mit Sklaven. Jedes Dorf wurde von einem Häuptling angeführt. Während des Winters führten die Dorfbewohner aufwendige religiöse Zeremonien durch. Daneben wurden Potlatch-Feste veranstaltet. Im Handel mit Nordasien bezog man Eisen für Messer. Die Kulturen der Nordwestküste sind berühmt für ihre imposanten Holzschnitzereien. Sie entwickelten dabei eigene Stile, die sich von Kultur zu Kultur unterschieden. Zu den berühmtesten Beispielen zählen die so genannten Totempfähle. Darunter versteht man große bemalte und mit Schnitzereien versehene Baumstämme, die bestimmte Vorfahren eines Clans oder mythologische Gestalten darstellen sollten.
Erste Spuren dieser Kulturen werden auf 3000 v. Chr. datiert, als sich der Meeresspiegel stabilisiert und Lachse und Meeressäugetiere sich in den Küstengewässern angesiedelt hatten. Zu den wichtigsten Stämmen an der Nordwestküste gehören die Tlingit, die Tsimshian, die Haida, die Kwakiutl, die Nootka, die Chinook, die Salish, die Makah und die Tillamook.
Die Arktis
Das Kulturareal der Arktis erstreckt sich entlang der Küste Alaskas und Nordkanadas. Aufgrund der langen und dunklen Wintermonate ist hier keine Landwirtschaft möglich. Lebensgrundlage sind der Fischfang sowie die Jagd auf Seehunde und Karibus; im nördlichen Alaska und im Osten Kanadas der Walfang. Im Sommer lebten die Menschen gewöhnlich in Zelten. Den Winter verbrachten sie in runden, gut isolierten Erdhäusern, die mit Seehundfellen und Gras bedeckt waren; in Zentralkanada wurden die Häuser auch oft aus Eisblöcken errichtet. Aufgrund des knappen Nahrungsangebots lebten in diesem Kulturareal nur wenige Menschen.
Bevölkert wurde die Arktis erst, nachdem um etwa 2000 v. Chr. die Gletscher in der Region schmolzen. Eskimo-Gruppen wanderten um etwa 1000 n. Chr. über Kanada nach Grönland aus, wo die so genannte Thule-Kultur entstand. Aufgrund dieser Wanderung gleichen sich Sprache und Kultur der Eskimos von Alaska bis Grönland. In Südwestalaska und im Osten Sibiriens sind die Yuit beheimatet, die zwar kulturell mit den Inuit verwandt sind und die gleichen Vorfahren haben,deren Sprache sich aber leicht unterscheidet. Den Inuit und Yuit verwandte Gruppen bewohnen seit 6000 v. Chr. die Inselgruppe der Alëuten und leben vom Fischfang und der Jagd auf Meeressäugetiere. Wie die Stämme der Subarktis haben sich die Eskimo und die Alëuten ihre traditionelle Kultur bis zum heutigen Tag zum Teil bewahren können.
Mesoamerika
Die ersten Staaten in Mexiko und dem nördlichen Teil Mittelamerikas entstanden um 1400 v. Chr. Diese Kulturen entwickelten sich aus einer Sammler- und Jägerkultur, die um 7000 v. Chr. bereits im kleineren Umfang auch den Anbau von Bohnen, Kürbis und Mais betrieb. Um 2000 v. Chr. bildeten diese Anbauprodukte zusammen mit Amarant, Avocados und anderem Gemüse sowie Chilipfeffer die Lebensgrundlage. Erste Städte wurden gegründet. Um 1400 v. Chr. errichteten die Olmeken in ihrer Hauptstadt Paläste, Tempel und Denkmäler. Sie lebten im Dschungel an der Ostküste Mexikos. Handelsverbindungen reichten bis nach Monte Albán im westlichen Mexiko (im heutigen mexikanischen Bundesstaat Oaxaca) und ins Tal von Mexiko im zentralen Hochland. Mit dem Ende der Olmekenherrschaft um 400 v. Chr. etablierten sich im zentralen Hochland urbane Zentren. Kurz vor der Zeitenwende entstand der Stadtstaat Teotihuacán im Tal von Mexiko, der zwischen 450 und 600 ganz Mexiko beherrschte und Handel mit Monte Albán sowie den Maya-Reichen, die im Südwesten Mexikos entstanden waren, trieb. Die Macht Teotihuacáns reichte im Süden bis in das Tal von Guatemala, wo rivalisierende Reiche unterworfen wurden.
700 n. Chr. brannte Teotihuacán nieder. Ebenfalls im 8. Jahrhundert wurden zahlreiche Maya-Städte verlassen, vielleicht, weil der Handel mit Teotihuacán zum Erliegen gekommen war. Andere Maya-Städte, insbesondere im nördlichen Yucatán, waren davon jedoch nicht betroffen. Um 1000 entstand in Zentralmexiko das mächtige Reich der Tolteken; es erstreckte sich vom Tal von Mexiko bis ins Maya-Territorium Chichén Itzá. Das Toltekenreich ging 1168 unter. Bis 1433 gelang es drei miteinander verbündeten Reichen im Tal von Mexiko, die Herrschaft über den größten Teil Mexikos an sich zu reißen. Das Azteken-Reich gewann bald die Vorherrschaft in diesem Dreibund. 1519, als der spanische Eroberer Hernán Cortés vom östlichen Mexiko her zusammen mit verbündeten mexikanischen Völkern auf die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán vorrückte, war das Bündnis bereits durch innere Auseinandersetzungen geschwächt, eine Pockenepidemie hatte die Bevölkerung dezimiert. Cortés konnte die Stadt 1521 einnehmen, ohne auf heftigen Widerstand zu stoßen.
Zur Zeit der ersten spanischen Eroberungen bestanden in Mexiko neben dem Aztekten-Reich außerdem die Reiche der Mixteken im heutigen mexikanischen Bundesstaat Puebla, der Tarasken im Bundesstaat Michoacán, der Zapoteken in Oaxaca, der Tlaxcalteken in Michoacán, der Otomí in Hidalgo und der Totonaken in Veracruz. Des Weiteren siedelten hier Angehörige der früheren Maya-Reiche, die Mayapán auf Yucatán, sowie eine Reihe kleinerer, noch intakter Maya-Staaten im Süden und zahlreiche unabhängige Gruppen in den Grenzregionen wie die Yaqui, die Huichol und die Tarahumara in Nordmexiko und die Pipil in Südmexiko. Nach der spanischen Eroberung ganz Mexikos, die mehr als zwei Jahrhunderte in Anspruch nahm, wurde die einheimische Bevölkerung gezwungen, als Kleinbauern unter der Herrschaft einer spanisch-mexikanischen Elite zu leben.
Nördliches Südamerika und Karibik
Zum Kulturareal des nördlichen Südamerikas gehören Dschungelgebiete, Savannenregionen, die nördlichen Anden, einige regenarme Regionen des westlichen Ecuador und die karibischen Inseln. Die indigene Bevölkerung im nördlichen Südamerika lebte in kleinen, unabhängigen Staaten.
Speerspitzen der Clovis-Kultur weisen darauf hin, dass sich bereits um 9000 v. Chr. Sammler und Jäger in diesem Gebiet aufhielten. Andere Funde in der nördlichen Region deuten darauf hin, dass dieser Bereich bereits um 18000 v. Chr. besiedelt wurde. Der ursprüngliche Lebensstil blieb nach dem Aussterben der Mastodonen und Mammute während der Clovis-Periode bis etwa 3000 v. Chr. erhalten. Danach entwickelten sich der Maisanbau in Ecuador und der Maniokanbau in Venezuela; die Keramikherstellung erlebte eine Blüte. Zu dieser Zeit wurden auch erstmals die karibischen Inseln besiedelt. Um 500 v. Chr. lassen sich in Städten in bestimmten Bereichen des nördlichen Südamerika eigene regionale Stile bei der Herstellung von Skulpturen und Metallarbeiten feststellen. Die Chibcha-Reiche in Kolumbien sind z. B. berühmt für kunstvollen Goldschmuck. Im gesamten karibischen Raum lebten kleinere Gruppen wie die Mískito in Nicaragua, die Cuna in Panamá sowie die Arawaken und die Kariben von Landwirtschaft und Fischfang. Kariben siedelten nicht nur auf den gleichnamigen Inseln sondern auch an der Küste Venezuelas.
Zentral- und Südanden
Das Gebirge der Anden, das den gesamten Westen Südamerikas durchzieht, sowie die schmalen Küstenebenen zwischen den Bergen und dem Pazifischen Ozean waren die Wiege der großen Kulturen Altamerikas.
In den letzten Jahren haben archäologische Funde am Monte Verde im südlichen Chile den Beweis dafür geliefert, dass diese Gegend bereits vor 11000 v. Chr. bewohnt war. Weiter im Norden, in Peru, hat man bei Grabungen festgestellt, dass bereits um 7000 v. Chr. verschiedene Bohnenarten und Chili angebaut wurden. Einige Jahrhunderte später erfolgte die Domestizierung des Lamas. Meerschweinchen deckten meist den Fleischbedarf. Allmählich weitete sich die landwirtschaftliche Produktion auf Baumwolle, Kartoffeln, Erdnüsse und andere Nahrungsmittel aus; um 2000 v. Chr. wurde der Maisanbau eingeführt. Daneben nutzten die Völker an der Pazifikküste von Chile über Peru bis nach Ecuador auch das reichhaltige Nahrungsangebot des Meeres, das aus zahlreichen Fischarten, Seevögeln, Seelöwen, Delphinen und Meeresfrüchten bestand.
Nach 2000 v. Chr. wurden in zahlreichen Dörfern an der Pazifikküste in Zentralperu auf gewaltigen Plattformen große Tempel aus Stein oder Lehm errichtet. Nach etwa 900 v. Chr. dienten diese Tempel vermutlich einer neuen Religion, deren Zentrum die in den Bergen gelegene Stadt Chavín de Huántar war. Die Symbole dieser Religion waren der Adler, der Jaguar, die Schlange (vermutlich eine Anakonda) und der Kaiman. Die Symbole ähneln den bei den mexikanischen Olmeken verwendeten, obgleich Kontakte zwischen diesen beiden Kulturen nicht eindeutig zu belegen sind. Nach 300 v. Chr. ließ der Einfluss bzw. die politische Macht Chavíns nach. An der Nordküste Perus entstand daraufhin die Moche-Kultur, an der Südküste die Nazca-Kultur. Beide legten große Bewässerungsanlagen, Städte und Tempel an und betrieben Fernhandel, u. a. exportierten sie Keramik. Die Moche hielten ihr Alltagsleben und ihre Mythen in Zeichnungen und Skulpturen fest. Dabei stellten sie sich als Furcht erregende Krieger dar, fertigten aber auch Skulpturen von domestizierten Pflanzen, Familienszenen, Fischern und sogar Liebespaaren an. Auch die Metallbearbeitung war hoch entwickelt.
Um 600 n. Chr. verloren die beiden Reiche allmählich an Einfluss und es entstanden zwei neue mächtige Reiche in Peru: die Huari im zentralen Hochland und die Tiahuanaco im südlichen Gebirge in der Nähe des Titicacasees. Bei Tiahuanaco handelte es sich vermutlich um ein bedeutendes religiöses Zentrum, das die Symbolik der Chavín-Kultur wiederbelebte. Diese Staaten bestanden allerdings nur wenige Jahrhunderte. Nach 1000 n. Chr. erlangten die Küstenstaaten wieder größere Bedeutung, insbesondere Chimú im Norden mit der gewaltigen und prächtigen Hauptstadt Chan Chan. Schließlich wurde aber ganz Peru von einem Staat unterworfen, der im zentralen Hochland um die Stadt Cuzco entstanden war: von dem Quechua-Staat, der von den Inka regiert wurde. Der damalige Inka-Herrscher Pachacuti Inca Yupanqui leitete im 15. Jahrhundert die gewaltsame Expansion des Reiches ein. Um 1525 reichte die Herrschaft der Inka von Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Die regionalen Produkte wurden mittels Lamakarawanen an die Küste, ins Gebirge sowie in die östlichen Dschungelgebiete exportiert. Die Reiche der Region wurden von Statthaltern verwaltet, denen Soldaten und Priester zur Seite standen. Die Peruaner kannten zwar keine Schrift, benutzten aber den Abakus für mathematische Berechnungen und dokumentierten bestimmte Steuer- und Tributleistungen mit Hilfe geknoteter Schnüre.
Die Männer trugen Lendenschurze und Umhänge, die über einer Schulter zusammengeknotet waren; die Frauen Wickelröcke und weite Blusen. Diese Kleidungsstücke bestanden aus gesponnener Baumwolle oder aus feiner Lamawolle. Zwischen 1525 und 1532 herrschte ein Bürgerkrieg, so dass der spanische Eroberer Francisco Pizarro keine Probleme hatte, mit seinen Truppen das erschöpfte Inka-Reich zu erobern.
Der tropische Regenwald
Archäologische Funde weisen darauf hin, dass das Dschungeltiefland im Osten Südamerikas vermutlich erst nach 3000 v. Chr. besiedelt wurde. Die Bevölkerungsdichte war seit jeher gering. Die Gruppen siedelten an den Flussläufen, wo man Fische fangen sowie Maniok und andere Kulturpflanzen anbauen konnte. Neben verschiedenen Kräutern und Nahrungsmitteln wurden auch Halluzinogene für die Verwendung bei religiösen Ritualen angebaut, die bis nach Peru exportiert wurden. Außer Tapiren und Affen kamen im Dschungel kaum größere Wildtiere vor. Aufgrund der feuchten Hitze trugen die Menschen kaum Kleidung, dennoch wurden Baumwollstoffe gewebt und man schmückte sich durch Körperbemalung. Zu den vielen Gruppen des Kulturareals des Regenwaldes gehören die Makiritare, die Yanomami, die Mundurucu, die Tupinamba, die Shipibo und die Kayapó. Im nördlichen Regenwald leben Gruppen, die Arawakisch und karibische Sprachen sprechen. Obwohl sich die Völker des tropischen Regenwaldes ihre traditionelle Lebensweise zum Teil bewahren konnten, leiden sie heute unter von den Europäern eingeschleppten Krankheiten und unter der Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt durch Viehzüchter, Holzfäller, Goldsucher sowie durch Bergbau und Agro-Business.
Südliches Südamerika
In Argentinien und Chile leben noch heute Agrarvölker wie die Mapuche, eine Gruppe der chilenischen Araukaner, die Mais, Kartoffeln und Getreide anbauen. Ursprünglich betrieben sie Lamazucht. Nach der spanischen Eroberung begannen sie aber auch Rinder, Schafe, Schweine und Hühner zu züchten. Zum Viehhüten und für Kriegszwecke halten sie zudem Pferde. Weiter im Süden in der Pampa, die sich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignet, betrieb man Jagd auf Guanakos und Nandus, an der Küste wurde gefischt und es wurden Meeresfrüchte gesammelt. In Feuerland lässt sich eine Sammler- und Jägerkultur ab 7000 v. Chr. nachweisen. In der Pampa änderten sich die Jagdbräuche, als die Spanier nach 1555 das Pferd einführten. Die Tehuelche gingen mit Pferden auf die Guanako-Jagd, und wie die nordamerikanischen Plains-Indianer konnten sie aufgrund der besseren Transportmöglichkeiten größere Tipis bauen sowie mehr Kleidung und persönlichen Besitz auf ihren Wanderungen mit sich führen. Noch weiter im Süden, in der Region um Kap Hoorn, lebten die Ona, die Yahgan und die Alacaluf hauptsächlich von Fisch und Meeresfrüchten, machten aber auch Jagd auf Robben und Seelöwen. Es handelte sich um Nomaden, die in kleineren, mit Rinde bedeckten oder mit Robbenfell bespannten Wigwams lebten. Trotz des kalten und nebligen Klimas trugen sie nur wenig Kleidung. Die indigenen Völker hatten jedoch stark unter den von den Europäern eingeschleppten Krankheiten zu leiden. Viele Gruppen sind bereits ausgestorben.
Traditionelle Lebensweise
Grundlage der Sozialorganisation der Indianer war und ist zum größten Teil die Familie. Einige indianische Gesellschaften betonen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau, andere die von Bruder und Schwester.
Die kleinsten Gesellschaften fand man in den Regionen mit dem geringsten Nahrungsangebot. Dazu gehören die nordamerikanischen Cree, die kanadischen subarktischen Stämme der Sprachgruppe der Athapasken, die Paiute in der Wüste Nevadas sowie die Ona und die Yahgan aus Feuerland. Sofern Landwirtschaft möglich war, umfassten die Gemeinschaften bis zu einigen tausend Personen. Im größten Teil der heutigen Vereinigten Staaten lebten die Menschen in Dörfern und gingen lose Bündnisse mit benachbarten Dörfern ein. Das Bündnis sowie jedes Dorf wurden von Räten regiert; in den Dorfräten saß meist ein Vertreter jeder Familie, in den Bündnisräten Vertreter jedes Dorfes. Der Rat wählte einen Mann, bzw. in einigen Gebieten (insbesondere im Südosten Nordamerikas) auch eine Frau, zum Häuptling; d. h. zum Vorsitzenden des Rates und als Vertreter der Gruppe nach außen. In vielen Gebieten waren die Familien in den Dörfern zu so genannten Clans zusammengeschlossen. Die Clans waren gewöhnlich im Besitz bestimmter Ressourcen wie landwirtschaftlich nutzbarer Flächen oder Fischgründe; diese Ressourcen wurden dann je nach Bedarf unter den Familienmitgliedern aufgeteilt und gemeinsam verteidigt.
Im präkolumbischen Mesoamerika und in den südamerikanischen Anden entstanden Reiche mit einer geschichteten Gesellschaft, die hunderttausende oder mitunter sogar Millionen von Individuen umfassten. Die Bewohner gehörten in der Regel einer Staatsreligion an, obwohl mitunter auch regionale Religionen weiter ausgeübt wurden. Kriegsgefangene und Schuldner wurden oft zu Sklaven. Das Inka-Reich war straff organisiert und verwaltet; oft wurden zum Wohl des Staates Einzelpersonen oder ganze Ortschaften umgesiedelt. In Mesoamerika wurde den clanähnlichen Lokalgruppen dagegen in der Regel ein gewisses Maß an Selbstverwaltung zugestanden. Die religiösen Vorstellungen und Zeremonien der Indianer waren höchst unterschiedlich (siehe Schamanen). Zu den öffentlichen Ritualen in Nordamerika gehörten der Sonnentanz und der Schlangentanz (siehe präkolumbische Kunst und Architektur).
Handel und Verkehr
Außerhalb der mesoamerikanischen und andinen Hochkulturen lag der Handel meist in den Händen fahrender Händler, die in jedem Dorf vom Häuptling begrüßt wurden, dem auch die Überwachung der Geschäfte oblag. In vielen Gebieten dienten kleine Muschelschalen oder Perlen, die im östlichen Waldland als Wampum bezeichnet wurden, als Geldersatz. Pelze und farbenprächtige Federn waren fast überall begehrte Handelswaren. Im westlichen Nordamerika gehörten Trockenlachs, Fischöl und Korbwaren zu den wichtigsten Handelsgütern; im östlichen Nordamerika waren es gegerbte Hirschfelle, Kupfer, Pfeifenköpfe aus Catlinit, Perlen und Muschelschalen.
Sprachen
Gegenwärtig sind etwa 1 000 Indianersprachen in Nord- und Südamerika in Gebrauch; hunderte weiterer Sprachen sind seit dem ersten Kontakt mit den Europäern ausgestorben. In vielen Regionen sprachen die Menschen oft nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch die Sprache der Gruppen, mit denen sie häufig Kontakt hatten. In verschiedenen Fällen diente eine einzige Sprache als Verkehrssprache für eine mehrsprachige Region. Beispiele hierfür sind das Tucano im Bereich des westlichen Amazonas und das Quechua in der Andenregion. In einigen Regionen wurden Handels- oder Pidgin-Sprachen benutzt. Dazu gehörten der Chinook Jargon an der nordamerikanischen Nordwestküste und das Mobilian im Osten der Vereinigten Staaten. Die Sprachwissenschaftler haben die zahlreichen Indianersprachen in etwa 180 Familien eingeteilt. Über weitergehende Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Sprachfamilien herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit. Grammatische Strukturen, Lautsysteme und Wortbildungsmethoden unterscheiden sich zwar oft von Familie zu Familie, dennoch beeinflussen sich häufig die verschiedenen Sprachfamilien einer bestimmten Region.
Erste Kontakte mit Europäern
Die ersten Europäer, die in San Salvador (Bahamas), Roanoke (North Carolina) oder Chaleur Bay (New Brunswick) landeten, wurden von der ansässigen Bevölkerung freundlich aufgenommen. Aus späteren Berichten geht hervor, dass die Indianer des 16. und 17. Jahrhunderts die Europäer ziemlich gering schätzten. So galten weiße Europäer oft als geizig, habsüchtig und unersättlich in ihrer Gier nach Biber- und Hirschfellen. Die Indianer waren auch erstaunt über die intolerante Haltung der Europäer gegenüber ihren Glaubensvorstellungen, den Sexual- und Heiratsvorschriften, den Ernährungsgewohnheiten und anderen Traditionen.
„Wir kamen hierher, um Gott zu dienen und um reich zu werden“, so ein Mitglied der Truppen des spanischen Eroberers Hernán Cortés. Die spanischen Eroberer und andere Abenteurer wollten das Land und die Arbeitskraft der amerikanischen Ureinwohner; die Priester und Geistlichen beanspruchten ihre Seele. Letztlich führte beides zur Ausrottung zahlreicher altamerikanischer Völker.
Im Gegensatz zu den gängigen Vorurteilen waren die ethischen Grundlagen der Eroberung im Spanien des 16. Jahrhunderts durchaus umstritten. Einflussreiche spanische Juristen und Humanisten diskutierten ausführlich über die Rechtmäßigkeit des Landraubes an den Indianern und der spanischen Herrschaft über sie (siehe Las Casas).
Da die Franzosen vor allem am Pelzhandel interessiert waren, ergab sich für Kanada eine andere Konstellation. Es hätte den Interessen der Franzosen geschadet, ihre Geschäftspartner schlecht zu behandeln. Die indianischen Jäger brachten in der Aussicht auf einen lukrativen Tauschhandel die Pelze nach Montreal, Trois-Rivières und Quebec.
Die relative Unabhängigkeit der indigenen Völker Kanadas wurde auch dadurch begünstigt, dass die Franzosen auf Verbündete im Kampf gegen Großbritannien angewiesen waren, dies vor allem in der Region der 13 Kolonien im Süden und an der Hudsonbai im Norden. Sowohl bei den Franzosen als auch bei den Briten kamen indianische Hilfstruppen zum Einsatz.
Die Franzosen tolerierten Ehen zwischen Europäern und Indianern, die Briten verboten diese. Im Gegensatz zu den Franzosen in Kanada siedelten die Briten an der Atlantikküste der heutigen Vereinigten Staaten in relativ großer Zahl und verdrängten dabei viele Gruppen. Für die britische Wirtschaft spielte die altansässige Bevölkerung kaum eine Rolle. Sie wurde im Allgemeinen als Hindernis für den Fortschritt angesehen, es sei denn, man konnte sie im Krieg gegen die Franzosen verwenden. In diesen Fällen versuchten die Briten sich Neutralität oder Unterstützung der indigenen Gruppen durch Geschenke zu erkaufen.
Auswirkungen von Krankheiten
1492 gehörten die Karibik, Mexiko, Mittelamerika und das andine Südamerika zu den am dichtesten bevölkerten Regionen der Welt. Innerhalb weniger Generationen kam es jedoch in all diesen Gebieten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Zurückzuführen ist das zu einem großen Teil auf Infektionskrankheiten wie Pocken, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Da diese Krankheiten im präkolumbischen Amerika unbekannt waren, hatte das Immunsystem dieser Menschen keine Abwehrstoffe aufbauen können.
Die Krankheiten hatten insbesondere in Lateinamerika katastrophale Auswirkungen, wo die Ansteckungsgefahr in Großstädten wie Tenochtitlán und Cuzco besonders groß war.
Nachdem die indigene Bevölkerung der Karibik beinahe ausgerottet worden war, verlegten sich die Spanier zunächst auf die Sklavenjagd auf dem Festland des heutigen US-Bundesstaates Florida, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Da damit der Bedarf nicht gedeckt werden konnte, begann man mit der Verschleppung westafrikanischer Sklaven, die auf den Zuckerrohrplantagen und in den Silberminen arbeiten mussten.
Die überlebenden Indianer wurden oft mit ihrem ganzen Dorf einem Plantagen- oder Minenbesitzer unterstellt, der über ihre Arbeitskraft verfügen konnte. Dieses Encomienda-System war im Grunde genommen eine Form der Sklaverei.
Unter den nomadischen Sammler- und Jägerkulturen in den kanadischen Wäldern richteten die Seuchen vermutlich weniger katastrophale Schäden an. Die sesshaften, Landwirtschaft betreibenden Stämme wie die Huronen am Ontariosee litten jedoch unter massiven Bevölkerungsverlusten aufgrund von Epidemien, die vermutlich von Jesuiten-Priestern und deren Helfern verursacht worden waren, die in der Region Missionsstationen errichtet hatten.
Kriege und Vertreibungen
Zweifellos hatten die kanadischen Indianer weniger unter Vertreibungen zu leiden als diejenigen Indianer, die im Einflussbereich Großbritanniens oder Spaniens lebten. Das lässt sich zum Teil mit dem Pelzhandel erklären, der im Widerspruch zu einer Besiedelung des Landes stand. Die französische Besiedelung Kanadas beschränkte sich auf eng begrenzte große Ländereien und Dörfer am Ufer des Sankt-Lorenz-Stromes und am Unterlauf des Ottawa. Dieses demographische und ökonomische Vermächtnis führte dazu, dass es im heutigen Kanada noch immer zahlreiche indigene Gruppen gibt, die zumindest zu bestimmten Jahreszeiten einer mehr oder weniger traditionellen Lebensweise nachgehen können.
Im Gegensatz dazu kam es zwischen den Briten und den Indianern im 17. und 18. Jahrhundert zu einer Reihe von Kriegen, die allesamt von den Briten gewonnen wurden. Die Engländer zwangen die Indianer, die englische Herrschaft anzuerkennen und ihre Aktivitäten entweder auf bestimmte fest umrissene Gebiete in der Nähe englischer Siedlungen zu beschränken oder in Gebiete jenseits der Siedlungsgrenze auszuweichen.
Nach schweren Pockenepidemien, Kriegen und Auseinandersetzungen mit Siedlern sammelten sich die noch verbliebenen Angehörigen der Stämme des östlichen Waldlandes und flüchteten sich in das Gebiet westlich der Appalachen.
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
Eines der vorrangigsten Probleme, mit denen sich die jungen Vereinigten Staaten auseinander setzen mussten, war die Indianerfrage. Im Frieden von Paris (1783), der den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete, wird auf die ursprüngliche Bevölkerung des Gebiets kein Bezug genommen, was die zwiespältige Haltung der Engländer den Indianern gegenüber widerspiegelt. In der Verfassung der Vereinigten Staaten heißt es: „Aufgabe des Kongresses ist es, den Außenhandel, den Binnenhandel zwischen den Einzelstaaten sowie den Handel mit den Indianerstämmen zu regeln“.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert überquerten viele Siedler auf der Suche nach Land das Alleghenygebirge und die Blue Ridge Mountains; sie stießen ins Tal des Ohio, nach Kentucky und Tennessee vor, wo zahlreiche mächtige und intakte Gesellschaften lebten. Da sie sich vielfach auf Indianerterritorium niederließen, waren kriegerische Auseinandersetzungen die unvermeidliche Folge. Im Vertrag von Greenville wurden die Indianer 1795 zur Anerkennung einer verbindlichen Grenzlinie zwischen dem so genannten „Indianerterritorium“ und dem weißen Siedlungsgebiet gezwungen. Der Indian Removal Act 1830 ermächtigte die Vereinigten Staaten, alle Indianer westlich des Mississippi in das so genannte „Indianerterritorium“ (das heutige Oklahoma) umzusiedeln. Dieser Umzug führte zu brutalen Vertreibungen. Angesichts der immer weiteren Expansion der Vereinigten Staaten erfolgte schließlich die Umsiedelung der Indianer in Reservate innerhalb des Indianerterritoriums; bei Widerstand kam die US-Army zum Einsatz. Die darauf ausbrechenden Indianerkriege, die sich durch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen, endeten 1890 mit dem Massaker an Männern, Frauen und Kindern der Sioux bei Wounded Knee, im US-Bundesstaat South Dakota.
Indianer in der heutigen Gesellschaft der USA
1924 erhielten die Indianer die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten zugesprochen. Der Indian Reorganization Act von 1934 sah eine Selbstregierung der Gruppen vor. Die Politik der Stammesräte war aber weiterhin von der Billigung durch das US-Innenministerium abhängig. Zu Beginn der siebziger Jahre erreichten die Indianer politisch größere Autonomie. Viele Indianergruppen versuchten, auf dem Rechtsweg Ansprüche auf Land und Territorien durchzusetzen, die sie im Lauf der Jahre verloren hatten: mit dem Alaska Native Land Claims Settlement Act von 1971 wurden den Inuit und Alëuten in Alaska insgesamt 962 Millionen US-Dollar Entschädigung und 16 Millionen Hektar Land zugesprochen.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts ist die Indianerbevölkerung in den Vereinigten Staaten kontinuierlich angewachsen. 1990 lag ihre Bevölkerungszahl bei fast zwei Millionen (einschließlich Alëuten und Inuits); das entspricht etwa 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Laut der amerikanischen Behörde für Bevölkerungsstatistik wuchs die indianische Bevölkerung zwischen 1980 und 1990 um 20 Prozent an. Knapp ein Drittel dieser Menschen lebt in Schutzgebieten, etwa die Hälfte in Städten, die meist in der Nähe der Schutzgebiete liegen. Die 278 Schutzgebiete umfassen etwa 23 Millionen Hektar Land in 35 Bundesstaaten. Aufgrund der sozialen und kulturellen Verelendung der Bevölkerung der Schutzgebiete ist Alkoholismus weit verbreitet. Bis zu 80 Prozent der männlichen Bevölkerung leiden unter dieser Krankheit.
Indianer in Kanada
Als die ersten europäischenSiedler eintrafen, lebten im Gebiet des heutigen Kanada nur etwa 200 000 Indianer. Heute liegt der Anteil der Indianer an der kanadischen Bevölkerung bei etwa zwei Prozent; der überwiegende Teil gehört zur Sprachfamilie der Algonkin, daneben kommen aber auch Vertreter der Sprachfamilien der Irokesen, Salish, Athapasken und Eskimo vor. Insgesamt teilen sich die kanadischen Indianer in etwa 600 Gruppen auf. Eine weitere bedeutende Minderheit, insbesondere im Norden und Westen, sind die Mischlinge indianisch-europäischer Abstammung, vor allem die französischsprachigen Métis. Der kanadische Staat stellt den Indianern Schulen und andere soziale Einrichtungen zur Verfügung. Aufgrund der besseren Gesundheitsversorgung sind die Bevölkerungszahlen in den letzten Jahren wieder angestiegen. Die Inuit haben in letzter Zeit vermutlich die stärksten Eingriffe in ihre traditionelle Lebensweise erleben müssen, da Bergwerke, Wasserkraftwerke und Ölförderanlagen auf ihrem Territorium errichtet wurden. 1991 wurde die Schaffung eines Inuitterritoriums im Northwest Territory, des Nunavut (Inuit für „unser Land“), beschlossen, das ab 1999 von den Indianern selbst verwaltet werden soll.
Die Indianer Lateinamerikas
Die indianische Bevölkerung Lateinamerikas wird gegenwärtig auf etwa 26 Millionen geschätzt, von denen 24 Millionen in Bolivien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Peru leben. Sie werden in diesen Staaten gewöhnlich als Campesinos (Bauern) bezeichnet und haben unter extremer Armut zu leiden; meist leben sie auf dem Land und betreiben Subsistenzlandwirtschaft. In Bolivien und Guatemala stellen die indianischen Campesinos 60 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Ausnahme Uruguays gibt es in sämtlichen Staaten Südamerikas Reste einer indigenen Bevölkerung. Dazu kommt eine große Anzahl von Mestizen, d. h. Mischlingen, die sowohl indianischer als auch europäischer Abstammung sind. In Mexiko, Bolivien, Panamá und Peru stellen Indianer und Mestizen schätzungsweise 85 Prozent der Bevölkerung, in Ecuador 90 Prozent, in Honduras, El Salvador und Paraguay sogar über 90 Prozent. Nur in Argentinien ist die Mehrheit der Bevölkerung rein europäischen Ursprungs.
Nur etwa 1,5 Prozent der gesamten lateinamerikanischen Indianerbevölkerung leben in indigenen Gesellschaften. So genannte Stammeskulturen existieren vorwiegend in Brasilien, Kolumbien, Panamá, Paraguay und Venezuela. Viele Gruppen bewohnen die abgeschiedenen Urwaldregionen des Amazonasbeckens, wo sie von der Jagd, dem Fischfang sowie dem Sammeln von Maniok und anderen Wurzeln leben. Die gegenwärtige Expansion des brasilianischen Staates in die Amazonasregion gefährdet jedoch das physische und kulturelle Überleben dieser Gruppen, da verheerende Seuchen eingeschleppt werden und durch den Abbau von Bodenschätzen und das Anlegen von Überlandstraßen Stammesterritorien zerstört werden.
Die größte indigene Gruppe in Brasilien sind die Yanomami mit mehr als 16 000 Mitgliedern, für die die Regierung ein Schutzgebiet geplant hat. Laut Schätzung von Ethnologen benötigen die Yanomami jedoch mindestens 6,4 Millionen Hektar, um ihre traditionelle Lebensweise fortsetzen zu können.
Die gesamte indigene Bevölkerung Lateinamerikas umfasst etwas mehr als 400 verschiedene Indianergruppen, die alle eigene Sprachen oder Dialekte sprechen.
Bewerten / Kommentar schreiben