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Erfahrungsbericht von September

Nebenjob..........

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Nebenjob?


Wie war das noch bei mir?


Meinen ersten Nebenjob hatte ich in unserem Haus. Tante Ilse, wie wir sie nannten, war schrecklich unbeholfen. Sie lebte mit ihrer Mutter zusammen und wenn diese mal nicht da war, dann musste Angelika ran. Milch holen beim Milchmann und 2 Stück Nusssahnetorte.... Zur Belohnung gabs 50 Pfennig, 1 Stück Nusstorte und einen echten ostfriesischen Tee, aus der guten alten Kanne, mit Kandis und frischer Sahne... hmmm, war das lecker. Tante Ilse war nicht alleine und ich hatte meine Lieblingstorte auf dem Teller. Stundenlang erzählte sie von früher und ich war ein geduldiger Zuhörer.


Irgendwann wurde ich dann mal grösser und gab Nachhilfe. Arrrrrrrrrgh, grausam.... Bevorzugt Mathematik und Deutsch für Schüler der 5. und 6. Klasse Gymnasium. Da fuhr ich dann mit meinem Mofa hin und verdiente damals schon so 10 Mark die Stunde. Gelernt haben die Kleinen nicht viel... weil sie schlichtweg völlig überfordert waren mit dem Lehrstoff eines Gymnasium. Ich wurde überschüttet mit Limonade und Süssigkeiten und manchmal hatte ich den Verdacht, Babysitter zu sein und nicht Nachhilfegeber. War eine wunderschöne Zeit. Manchmal liessen wir auf Geheiss der Mutter den Unterricht einfach sausen und durften schwimmen im eigenen Pool. Irgendwann hatte ich dann aber keine Lust mehr dazu. Angelika hatte die Männerwelt gesichtet und fortan nicht mehr soviel Zeit.


In den Ferien dann ging ich *Malochen*. In der Firma, in der mein Vater Meister war, machte ich Akkordarbeit an der Bohrmaschine, Presse, Verschraubungstisch.... . Es war furchtbar, ich habe abends oft geheult. Die Finger kaputt, furchtbare Krämpfe in den Händen von der ungewohnten Arbeit am Verschraubungstisch. Die Teile waren so gross, ich konnte sie mit meinen Händen kaum umfassen und musste dann noch schrauben. Die Vibration des Geräts ging mir durch und durch. Nein, es war nicht schön. Brachte aber damals schon gute 1800 DM auf mein Konto. Ich habe es nur zwei Sommer ausgehalten. Nachdem mir die Schutzvorrichtung ein paar mal auf die Finger geknallt war und ich mir einen Eisenspan in die Augenbraue gerammt hatte. Das war Vaters Welt nicht meine.


Anschliessend dann ging ich zur Caritas. Meine erste Aufgabe mit 17 Jahren war die Pflege einer Familie mit drei Kindern. Der Mann war Witwer und das eine Mädchen mongoloid. Es war so arm und ich hatte kaum Haushaltsgeld um Obst und Gemüse zu kaufen. Als erstes habe ich den Kindern freiwillig stundenlang alle Schlüpfer gestopft. Und zum Abschluss einen Riesenkuchen gebacken. Der Teig war fertig und ich stellte fest, die haben nicht einmal eine Kuchenform. Die Nachbarin, bei der ich mir dann eine auslieh, war ganz gerührt. Kuchen, nein das hatte den Kindern drüben noch niemand gebacken. Ich war sehr traurig, als ich diese Familie nach drei Wochen verliess.


Meine zweite Stelle war ein Haushaltsjob bei einer krebskranken Frau. Ich war zuerst entsetzt, fehlte ihr doch das halbe Kinn und ein Stück vom Unterkiefer, sie redete immer davon sterben zu müssen. Ihr Mann ging saufen und beschimpfte sie dann. Schon damals hatte ich eine ohnmächtige Wut. Hätte dem am liebsten die Leviten gelesen. Auch hier gabs bergeweise Limonade und Schokolade für mich und viele Tränen zum Abschied.


Nach dem Abitur ging ich dann zur einjährigen Höheren Handelsschule. Soviel Zeit für Nebenarbeit war da nicht mehr, da die Schule recht anstrengend war und ich jeden Abend stundenlang lernte. Also bekam ich eine Stelle direkt in unserer Strasse. Eine alte Dame (91) musste versorgt werden. Dazu gehörte anfangs nur einkaufen, Kartoffeln schälen, spülen und den Kater Peter auf dem Schoss ertragen müssen. Peterle war dick und fett und riesig. Die einzige Katze vor der ich jemals Angst hatte. Und der liebte mich.... :)))). Oma Hartmann war begeistert und ich durfte dann im Wohnzimmer nicht nur die Oma sondern auch den Kater betreuen.


Leider wurde sie immer kränker, und so kam es oft vor, dass sie neben der Toilette umfiel, oder den Weg dahin nicht mehr schaffte. Es wurde mir ganz klar, Kranken- oder Altenpflegerin, das schaffst du nie. Ich kämpfte permanent mit dem Brechreiz, versorgte meine Oma, wusch ihr den Popo und beseitigte alles in Bad und auf den Teppichen. Ich wartete nur noch auf das Ende dieses Jahres und hoffte dann eine Lehrstelle zu finden.


Eines Tages hat Oma Hartmann dann nicht mehr geöffnet. Wir, die Nachbarin und ich haben sie dann völlig verwirrt gefunden. Sie hatte einen Schlaganfall. Ich war ziemlich fertig, völlig überfordert mit der Situation und wartete nur noch auf den Notarzt. Dabei die Oma getröstet und dummes Zeug gelabert, wie es wird schon wieder.


Das war das Ende meiner Nebenjobs. Die Lehre, der Beruf, dann die Kinder und Familienzeit..


Das einzige was ich ab und an noch mache sind Steuererklärungen für meine Nachbarin, die dies obwohl selbstständig nicht selber kann.


Alles in allem war es eine lehrreiche Zeit für mich. Habe ich doch schon in Jungen Jahren gelernt die Arbeit zu schätzen, was vielen jungen Menschen heutzutage leider fehlt.

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