Vegetarier Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Erfahrungsbericht von strawberrymouse
Ja, ich bin Vegetarierin
Pro:
gesund und lecker
Kontra:
teilweise schwierig
Empfehlung:
Nein
Für mich persönlich war das Aufhören (Fleisch zu essen) kein Problem, obwohl ich zugeben muss, es schon vorher einmal probiert zu haben und bei dem Versuch gescheitert bin. Ich denke, ich war da einfach nicht entschlossen genug. Ich habe schon desöfteren gelesen, dass man nicht von heute auf morgen damit aufhören soll, ähnlich wie beim Rauchen usw., weil sich der Körper erst daran gewöhnen muss. Ich habe dies allerdings so gemacht; „Ganz oder gar nicht“, war dabei meine Devise. Schwierigkeiten hatte ich dabei nicht, da ich von jeher immer wenig Fleisch und Wurst gegessen.
Ein Schlüsselerlebnis hatte ich, wie so viele andere, auch, allerdings habe ich keine Berichte über Massentierhaltung, Schlachtungen oder ähnliches gesehen, sondern stand ganz einfach in einem großen Supermarkt in der Fleisch-Abteilung. Bei dem Gedanken, dass all diese Tiere noch leben könnten, ekelte ich mich ganz und beschloss, dass von nun an kein Tier mehr für mich sterben sollte.
Vorurteile:
Als Vegetarier hat man leider immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen.
Die Meinungen spalten sich dabei häufig in 2 Lager:
1. (meist Mädchen), die das ganze toll finden, aber meinen, sie könnten es selbst nicht.
2. (meist Jungen), die das ganze einfach nur verurteilen und dämlich finden.
Ich finde beide Ansichten recht komisch. Ich mache das nicht, weil ich mir dabei „cool“ vorkomme, sondern aus moralischen Gründen. Und: wer wirklich fest von einer Sache überzeugt ist, schafft es auch durchzuhalten.
Die Vorurteile sind meist nicht stichhaltig, ganz einfach weil die Leute sich nie wirklich damit auseinander gesetzt haben. Und Argumente wie: „Menschen haben schon immer Fleisch gegessen!“ sind doch mehr als schwach.
Aber nun erst mal zu ein paar Fakten:
Vegetarier?
Vegetarier sind Menschen, die sich fleischlos ernähren und meist auf tierische Produkte wie Leder verzichten. Gründe dafür sind meist die Liebe zu Tieren, Moral, aber auch Krankheiten oder der Wunsch nach einer gesunden Ernährung und körperlichem Wohlbefinden.
Der Begriff „Vegetarier“ leitet sich vom englischen „vegetarian“ ab und hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „vegetus“, was „ganz, gesund, frisch und lebendig“ bedeutet.
Arten von Vegetariern gibt es viele,so verzichten einige Fleisch, andere auch auf Fisch und Geflügel, usw.
Man teilt sie meist in 3 große Gruppen ein:
1. Ovo-Lacto-Vegetarier: sie essen kein Fleisch oder Fisch, aber Eier- und Milchprodukte. Diese Ernährungsweise ist am meisten verbreitet.
2. Lacto-Vegetarier: kein Fleisch, kein Fisch und keine Eier.
3. Veganer: ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten, also keine
Milch, keine Eier, kein Honig usw.
Die meisten Menschen vergessen jedoch, dass auch Gelatine ein tierisches Produkt ist (aus Knochen und Knorpeln hergestellt)! Auch bei Käse muss man vorsichtig sein, in den meisten Sorten ist Lab enthalten (Magensaft der Kühe), damit die Milch überhaupt zu Käse wird.
Ich selbst gehöre zur ersten Gruppe, esse also Eier und Milchprodukte, verzichte aber auf Gelatine, was bedeutet das ich viele Süßigkeiten nicht essen kann, und Leder, Pelze u.ä.
Vegetarisch=ungesund?
Vegetarier leben im Schnitt, bei einer richtigen und ausgewogenen Ernährung, länger, sind gesünder und weniger krank. Das liegt ganz einfach daran, das doppelt so viel vitamin- und nähstoffreiches Gemüse und ballastreiche Vollkornprodukte zu sich nehmen. Nicht unwichtig dabei ist auch die gesündere Lebenseinstellung. Sie haben kein Cholesterin-Problem (Auslöser für Herz-Erkrankungen) und selten Figur-Probleme. Was natürlich nicht bedeutet, dass man, nur weil man auf Fleisch-Produkte verzichtet, automatisch ein gesunder Mensch ist. Wie gesagt, man muss auf eine ausgewogene Ernährung acht geben, denn die Versorgung mit einigen Vitaminen und Mineralstoffen ist bei vegetarischer Ernährung schwierig. Fleisch enthält z.B. viel Vitamin B12, Eisen und Zink (wichtig für Blutbildung, Sauerstoffversorgung, Immunsystem). Dies kann zur Reservemängeln führen, wenn nicht für ausreichend Ersatz durch Joghurt, Sojamilch, Sauerkraut (B12), Kiwis, Grapefruits, Sanddorn und viel Vitamin C (steigert die Eisenaufnahme) und eventuell Zinktabletten gesorgt wird.
Umwelt-Fakten:
In den letzten 35 Jahren wurden mehr als 25% der Regenwälder Südamerikas für Rinderweiseplätze abgeholzt. Millionen Hektar Ackerland werden vernichtet, weil die Landwirtschaft die Erde mit künstlichen Düngemitteln überstrapaziert, um Futtergetreide zu produzieren. Für die Erzeugung von 500g Fleisch (2 Steaks)werden 8 bis 9 Kilo Getreide benötigt. Viel! Damit könnten ebenso gut täglich 40 Kinder ernährt und somit vor dem Verhungern gerettet werden.
Fast die Hälfte des amerikanischen Wasserverbrauchs geht auf den Anbau für Futtergetreide.
Kurz: auf ein Pfund Rindfleisch 1000 l Wasser (Bewässerung des Futtergetreides).
Um den Rindfleischverbrauch einer Familie für ein Jahr zu decken, verbrauchen Mastbetriebe 1000l Treibstoff, die bei der Verbrennung 2,5 Tonnen(!) Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen.
Kurz: um eine tierische Kalorie zu erzeugen bedarf es 7 pflanzlicher.
Sind Menschen zum Fleisch-essen geboren?
Über diesen Punkt lässt sich streiten. Ich denke nicht, unsere nächsten Verwandten sind vegetarisch lebende Menschenaffen und keine Raubtiere. Wir haben eindeutig den Darm von Pflanzenfressern( Fleischfresser haben einen kurzen, für die schnelle Verdauung von verderblichem Fleisch; wir einen langen), auch unser Gebiss zeigt deutlich die Merkmale dieser (ausgeprägte, rechteckige Mahlzähne), ebenfalls unsere Magensäure (geringe Salzsäure-Konzentration) und Speichel (alkalisch und enthält das für die Verdauung von Getreide wichtige Enzym Ptyalin).
Ich möchte nicht bestreiten, dass früher Fleisch-Konsum für uns seine Wichtigkeit hatte, doch unser Leben hat sich gewandelt. Wir müssen mittlerweile nicht mehr so um unser Überleben kämpfen wie die Höhlenmenschen und nicht mehr so schwer arbeiten wie die Menschen im Mittelalter. Und wenn ich die Wahl habe zwischen Pflanzen und Fleisch, kann ich dann nicht wenigstens auf eines verzichten?
Meine Meinung:
Ich möchte mit meinem Bericht nicht den erhobenen Zeigefinger heben und allen Leuten erzählen, dass sie schlecht sind, nur weil sie Fleisch essen. Im übrigen weiß ich selbst, wie blöd man sich vorkommt, nur weil wegen seiner Ernährungsweise verurteilt wird.
Aber, ich glaube es wird einem zu einfach gemacht Fleisch zu essen ;-). Was ich ich damit meine? Nun, in einen Supermarkt zu gehen und sich welches eingeschweißt und fertig getötet zu kaufen ist nicht schwer, aber es sind wohl weit weniger Menschen dazu in der Lage ein süßes kleines Schweinchen umzubringen.
Ich habe in meinem Bericht bewußt auf Geschichten über Massentierhaltung, gequälte Tiere usw. verzichtet und versucht nur Fakten darzulegen, obwohl es einen nicht unerheblichen Faktor darstellt (was mich und meine Entscheidung Vegetarier zu werden betrifft).
Klar stellen möchte ich, dass es nicht immer ganz einfach ist, sich vegetarisch zu ernähren, aber es ist auch nicht unmöglich. Nein, ich esse selbst nicht nur Rohkost; es gibt ziemlich viele leckere Alternativen und im Reformhaus Soja-Produkte wie Chicken Mc Nuggets (Gruß an Michael :-) ), die fast genauso schmecken (an Martin: keine Einwände über die Suggerierung von Fleisch-essen). Auch in den Restaurants wird immer mehr vegetarisches Essen angeboten und mittlerweile weiß ich auch genau in welchen Puddingsorten und Süßigkeiten keine Gelatine enthalten ist. Faulheit ist also kein Argument *g*.
Nochmal zum Moralischen Punkt: Ich weiß, wenn ich wirklich moralisch handeln möchte, darf ich im Grunde gar nichts mehr essen, aber auf Fleisch zu verzichten ist doch schon mal ein guter Anfang, oder?
So, meine Abischt war nicht alle zu einer vegetarischen Ernährung zu bringen (obwohl es nicht schlecht wäre ;-) ), aber ich hoffe ihr versteht es jetzt besser.
Viele Grüße, strawberrymouse
16 Bewertungen, 6 Kommentare
-
22.02.2007, 14:28 Uhr von Partyelfe1987
Bewertung: sehr hilfreichSehr gut erklärt! BIn aus dem selben Grund Vegetarierin und kämpfe zur Zeit mit dem Gewissen, ob ich denn Käse und Milch nicht auch ersetzen könnte *grübel*. Enge Angehörige reden immer noch von einer vorrübergehenden Phase, das ist schwer.
-
30.08.2005, 22:14 Uhr von LilaLisa
Bewertung: sehr hilfreichAlso ich finde deinen Bericht richtig toll und ich hab vollkommen RESPEKt vor dir! Ich selbst würde mich als 90%Vegetarier bezeichen(esse fast kein Fleisch u wurst9und auch nur ab und zu die sorten von weingummi die gelatine beinhalten,esse sonst eig
-
16.05.2005, 14:17 Uhr von knudly
Bewertung: sehr hilfreichesse schon von geburt an kein fleisch..naja nicht richtig. meine mutter hat mir damals immer fleisch als baby gegeben, aber ich hab sie dann angespuckt. ich hasse fleisch, die armen tiere sollen meiner meinung nach auch ein recht auf leben haben.
-
02.07.2002, 17:48 Uhr von Doris_
Bewertung: sehr hilfreichIch esse auch seit 1997 kein Fleisch mehr. Aber ich finde, die Akzeptanz hat in den letzten Jahren zugenommen. Anfangs stieß ich noch auf erheblich mehr Vorurteile als jetzt.
-
17.04.2002, 20:13 Uhr von Achim1967
Bewertung: sehr hilfreichInformativer Bericht, abder ich denke ich bleib doch lieber bei Fleisch. Gruß Achim
-
17.04.2002, 20:08 Uhr von Mandinka
Bewertung: sehr hilfreichsehr informativ dein Bericht
Bewerten / Kommentar schreiben