Cypher (DVD) Testbericht

Cypher-dvd-thriller
ab 8,51
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Nichts ist so wie es scheint

Pro:

Die Schauspieler, teils recht spannend

Kontra:

Teils zu vorhersehbar und langatmig

Empfehlung:

Ja

Er hätte sich´s relativ einfach machen können. Vincenzo Natali, der Verfasser und Regisseur von „Cube“ der mit jener überraschenden Billigproduktion zum neuen Superstar innovativer Filmemacher avancierte. Er hätte einfach nur – wie von seinen Anhängern erwartet – einen zweiten Teil des Würfelspektakels in Angriff nehmen müssen.
Doch Natali wollte diesen eher einfallslosen Weg nicht gehen. Er wartete lieber bis ihm eine Story über den Weg lief die es seiner Ansicht nach lohnte, dass man sie in Filmbildern auf die große Leinwand bringt.



Filmhandlung


Der Angestellte Morgan Sullivan (Jeremy Northam) wird von einer anderen Firma abgeworben, damit er Betriebsgeheimnisse von der Konkurrenz in Erfahrung bringen soll. Immer wieder wird er telefonisch kontaktiert, um auf irgendwelche Firmenkongresse geschickt zu werden.
Mittels eines Übertragungsgerätes leitet Sullivan die erworbenen Informationen direkt an die Firma weiter für die er als Spion unterwegs ist. Der Agentenneuling wird zu absolutem Stillschweigen verpflichtet - auch gegenüber seiner Frau, die ihn schon mal gerne rumkommandiert. Doch Sullivan verändert sich zusehends mit seiner ihm auferlegten Agentenrolle, die eine andere - dunklere Seite an ihm hervorzubringen scheint.

Aber irgendetwas will mit seinem neuen, aufregenden Leben nicht so recht stimmen. Unerklärliche Desorientierungs- und Kopfschmerzanfälle lassen erahnen, dass hier etwas überhaupt nicht in Ordnung ist.
Eines Abends, als Sullivan wieder einmal in geheimer Mission unterwegs ist, trifft er in einer Hotelbar auf die attraktive Rita (Lucy Liu), zu der er sich auch sofort hingezogen fühlt. Die gibt sich allerdings zunächst noch reserviert, doch dann versucht sie ihn eindringlich vor seinen neuen Arbeitgebern zu warnen. Die unbekannte Schöne gibt ihm außerdem noch den Tipp das angebotene Wasser, das bei den Konferenzen immer gereicht wird nicht zu trinken.
Als der Agent diesen Rat das nächste Mal tatsächlich befolgt, erlebt er mit eigenen Augen was bei diesen Sitzungen wirklich vor sich geht, ohne dass sein Verstand durch irgendwelche Drogen vernebelt wird…



Kritik


Wer von Vincenzo Natali wieder etwas in der Art seines spartanisch ausgestatteten, aber dennoch Superspannenden Si-Fi-Horror-Schocker „Cupe“ erwartet, der muss wohl ein klein wenig umdenken. Keine fiesen Fallen, die den Protagonisten das Leben schwer machen und deshalb auch keine blutigen, oder gar ekligen Szenen erwarten den Zuschauer hier, sondern viel mehr ein mit Rätseln behafteter Psychothriller, der in einer nicht näher definierten Zukunft angesiedelt ist.
Das Drehbuch von Brian King von dem Natali so angetan war, ist dann auch gewiss nicht schlecht und erinnert teilweise an die utopischen Geschichten eines Philip K. Dick, doch im Großen und Ganzen ist es für meinen Geschmack leider dennoch ein wenig arg voraussehbar. Vor allem wenn man in letzter Zeit sich Filme zu Gemüte führte, die mit ihrer Handlung das Publikum an der Nase herumführen wollten, oder versuchten neue Wege des Erzählens zu beschreiten - etwa wie z.B. „Memento“, „Donnie Darko“ oder auch „Matrix“, dann kann man schon in etwa erahnen wohin die Sache führen- und in was für einen Schlammassel sich der Hauptdarsteller hineinmanövrieren wird.

Der optische Look des Films ist ganz ähnlich wie schon in Spielbergs ausdrucksstarkem Zukunftsmärchen „Minotity Report“ stahlgrau, wenn auch dann später etwas mehr Farbe ins Spiel kommt. Der Actiongehalt ist ziemlich reduziert, da sich der Fokus meist auf den wendungsreichen, wenn auch nicht immer klar nachvollziehbaren Handlungsaufbau konzentriert und somit vor allen wohl etwas für diejenigen ist, die sich gerne selber am Mitraten beteiligen.
Der englische Schauspieler Jeremy Northam (Gosford Park) dürfte den meisten Filmfans relativ unbekannt sei. Dennoch trägt er diesen Streifen gewissermaßen alleine, und hat mir auch wegen seiner Wandlungsfähigkeit recht gut gefallen, sodass ich auf einen bekannteren Filmstar auch ruhig mal verzichten konnte.
Lucy Liu (3 Engel für Charlie) dürfte da schon die berühmtere Akteurin sein, die hier- wenn auch in einer kleineren Rolle - für meinen Geschmack sehr überzeugend als mysteriöse Schönheit rüberkommt. Anfangs wegen ihres schrillen Outfits kaum zu erkennen, gibt sie dem Film immer wieder den Kick, der ihn aus der Lethargie zu ziehen verhilft, in der er manchmal beinahe zu taumeln droht.

Spezialeffekte und Ausstattung sind alles in allem OK, wenn auch das Geld für wirklich überzeugende Resultate erkennbar dann doch fehlte. Vor allem der futuristische, komplett digitale Hubschrauber der im Finale seinen Auftritt hat, merkte man seinen künstlichen Ursprung einfach doch zu sehr an wie ich finde.
Die Film Noire ähnlich eingebrachte Atmosphäre kann aber meist recht gut diese unangenehmen Schwachstellen - zumindest ansatzweise – übertünchen. Ganz ausmerzen aber leider dann halt doch nicht immer.



Anmerkung zur DVD:

Die Cypher-Doppel-DVD hat man in eine zweite Hülle gesteckt, die den futuristischen Touch noch mehr herausstellt. So blickt man sozusagen in ein Kaleidoskop des eigenen Spiegelbildes. Eine sehr ungewöhnliche- aber auch ansprechende Aufmachung wie ich finde.
Doch auch die inneren Werte der Scheiben können sich wirklich sehen lassen: Audiokommentar vom Regisseur und Drehbuchautor, ausführliches Making of, Interviews, entfallene Szenen, Fotogalerien, ein sehr interessanter Kurzfilm von Natali und, und, und… also eine wahre Fundgrube für diejenigen, die noch tiefer in die Thematik des Films eintauchen wollen.



Fazit


Wenn der talentierte Jungregisseur beweisen wollte, dass ein „Minority Report“- ähnlicher Streifen auch mit einem recht bescheidenen Budget zu realisieren ist, dann ist ihm das zweifellos gelungen. Wirklich neue Ideen bringt er für mein Gefühl aber dann doch viel zu selten ein. Mir war der Film insgesamt gesehen von seiner Machart und seiner eingebrachten Stimmung auch beinahe eine Nummer zu steril und emotionslos. Auch hätte man die immerhin noch spannende Handlung durchaus mit ein wenig mehr Action aufwerten können, denn hin und wieder wäre zumindest ein bisschen mehr Tempo sicher kein Fehler gewesen, wie es zum Schluss wenigstens dann doch noch gezeigt wird.

Dennoch bleibt unterm Strich ein düsterer Reißer, der sich nicht vor größeren Produktionen zu verstecken braucht und vor allem durch seine handwerklich solide Art und die Schauspielerischen Leistungen zu gefallen weiß. Der ganz große Schachzug blieb Natali aber versagt, dazu fehlt der Story einfach das gewisse Etwas, das sein Erstling so unübertroffen und einzigartig machte.

© winterspiegel für Ciao & Yopi

38 Bewertungen, 2 Kommentare

  • anonym

    24.09.2004, 16:22 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi, mir hat der Film besser gefallen, als Du ihn machst, sehe den Vergleich mit "Minority Report" nicht so und fand den Film von Natali klasse ... Aber: Natali hat eine Fortsetzung von "Cube" präsentiert, sogar bevor "Cypher&q

  • Tris.

    20.09.2004, 19:04 Uhr von Tris.
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nicht mein Film.