Hero (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von mima007
Fliegende Schwerter der blauen Periode
Pro:
visuell & akutstisch berückend schön, spannende/vielschichtige Story, relevante Aussage; herausragend ausgestattete DVD
Kontra:
man sieht die Kabel nicht, aber es gibt sie (oder?); kein Audiokommentar
Empfehlung:
Ja
\"Hero\" ist ein optisch und akustisch eindrucksvoller Film, schon klar. Doch er hat auch eine Aussage, die für die Gegenwart relevant ist. Die DVD ist ihr Geld wert.
Filminfos
°°°°°°°°°°
O-Titel: Hero (VR China), DVD: 2003
FSK: ab 12
Länge: 95 Min.
Regisseur: Zhang Yimou
Drehbuch: Zhang Yimou
Musik: Tan Dun (OSCAR)
Sologeige: Yitzhak Perlman
Kamera: Christopher Doyle
Kostüme: Emi Wada (OSCAR für \"Ran\")
Action: Tony Ching Sia-Tung
Darsteller:
Jet Li: Hero
Maggie Cheung: Fliegender Schnee (FS)
Tony Leung: Zerbrochenes Schwert (ZS)
Zhang Ziyi: Leuchtender Mond, Deng (LM)
König von Qin: Chen Dao Ming
Donnie Yen: Weiter Himmel (WH)
Handlung
°°°°°°°°°°
Die gesamte Handlung spielt in den Jahren, bevor sich das erste Kaiserreich in China bildete. Es ist also die Zeit der sieben streitenden Königreiche, vor über 2000 Jahren. Für die Geschichte sind nur zwei Königreiche wichtig: Qin und Zhao. Wie es aussieht, wird sich der Qin-König als der Stärkere erweisen. Doch der Gegner ist raffiniert und schickt einen Attentäter nach dem anderen in den Palast von Qin.
Es ist ein hoher Festtag, und zu ehren ist ein Fremder. Hero nennt er sich, und weil er gleich drei berüchtigte Attentäter getötet hat, darf er dreimal die Bannkreise um den König unbehelligt durchschreiten. Bis er zum Schluss gerade mal zehn Schritte (ca. 5 Meter) vom Thron der Majestät entfernt ist. Dazwischen liegen lediglich ein Dutzend Reihen von brennenden Kerzen - ein Klacks für einen Krieger wie Hero. Der tausendköpfige Hofstaat macht sich Sorgen, denn wer ist dieser Hero schon? Wer weiß, was er insgeheim im Schilde führt? Ihre Sorgen sind berechtigt.
Auch der König fordert Hero auf, seine Heldentaten zu schildern. Wie gelang es ihm, die drei Attentäter aus Zhao zu überwinden? Hero erzählt.
Die ROTE PHASE: In dieser ersten Phase, die von der Farbe Rot dominiert wird, berichtet hero, wie er zuerst Weiter Himmel, einen hervorragenden Lanzenfechter und Schwertkämpfer in einem Schach-Haus besiegte. Bemerkenswert: Der eigentliche Kampf fand in ihrer Vorstellung statt.- Die zwei anderen Attentäter stellte Hero in einer Schule für Kalligrafie, also Schönschreibkunst. Diese alte Tradition ist heilig. Die Schule ist komplett in Rot getaucht. Leider ist sie auch von Qins Truppen umstellt, die einen Pfeilhagel loslassen, um alle Schüler zu töten. Darunter auch zerbrochenes Schwert, einen Krieger, und seine Geliebte Fliegender Schnee.
Und wie gelang ihm, die beiden Schwertkämpfer zu töten? Ganz einfach: Er stachelte ihre Eifersucht an. Denn Zerbrochenes Schwert hatte eine Gehilfin, Leuchtender Mond bzw. Deng genannt. Auf die wurde Schnee eifersüchtig, die Deng tötete. Nach Heros Angaben töteten die Liebenden einander.
Soso, das sei ja alles sehr schön, doch leider nicht die Wahrheit, behauptet der König von Qin. Weiter Himmel sei vielmehr Heros Verbündeter gewesen. In der BLAUEN PHASE erzählt er hero, wie es auch gewesen sein könnte. Vielleicht liegt aber die richtige Wahrheit in der WEISSEN PHASE*? In der GRÜNEN PHASE jedenfalls dringen Zerbrochenes Schwert und Fliegender Schnee in Qins Königspalast ein, doch Schwert lässt den König am Leben. Das findet Schnee sehr merkwürdig. Schließlich ist der Qin-König ja der Feind, oder?
In der letzten und GELBEN PHASE erreicht das Drama einen sehr emotionalen Höhepunkt, den kaum jemand überlebt. Denn Hero hat den König von Qin tatsächlich angegriffen. Das Gesetz gebietet, dass er hingerichtet wird. Doch wozu sollte das gut sein, fragt sich der König. Er hat wichtige Einsichten von Hero erhalten, so etwa die Bedeutung der Vielfalt in seinem Reich**. Doch der Held ist erst dann unsterblich, wenn er tot ist...
*: Weiß ist in der chinesischen Kultur die Farbe des Todes.
Mein Eindruck: der Film
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Optisch ist dieser Schwertkämpferfilm schlicht und ergreifend überwältigend: ein Fest für das Auge. Seien es die kodierten Farben (der Code entzieht sich uns Westlern leider), seien es die innovativen, graziösen Kampfchoreografien, die west- und nordchinesischen Landschaften, die (sehr bekannten) Gesichter, natürlich auch die erlesenen Kostüme Emi Wadas - einfach alles ist dazu angetan, das Auge zu entzücken. Die Musik ergreift das Herz - man kann es nicht anders sagen: Perlmans Sologeige, besonders im Dialog mit den traditionellen Kodo-Trommlern, lässt niemanden aus ihrem Bann. Der edle DTS-Sound tut ein Übriges, denne r holt noch ein Quäntchen mehr Präsenz heraus als Dolby Digital 5.1.
All dies aber wäre nichtig, wenn die Story nicht ebenso anrührend und spannend wäre. Das ist zum Glück der Fall. Nicht umsonst haben Zhang Yimou und seine Kollegen 24 Monate lang an dem Drehbuch gefeilt. Es durfte nicht schon wieder ein Abklatsch von Kurosawas \"Rashomon\" werden, und es sollte das ruhmreiche Genre des chinesischen Schwertkampfdramas (Wu-shà) weiterentwickeln. Das war ein sehr ehrgeiziges Vorhaben, aber der Erfolg gibt dem Regisseur Recht. Weiteres dazu im Making-of.
Nicht erst Peter Jackson \"Herr der Ringe\"-Trilogie und Tolkiens Romanvorlage stellten die Frage, was eigentlich, bitteschön, einen Helden ausmacht. Wie wird man ein Held? Nun, das ist von der jeweiligen Kultur abhängig, von der jeweiligen Zeit und den Umständen. Nur die Nachwelt bestimmt, wer Held wird.
Doch Hero soll in diesem Film bereits zu Lebzeiten geehrt werden, für seine Verdienste am Reiche Qin. Wie sich aber ironischerweise zeigt, entstammt er dem feindlichen Reich Zhao und hat seine ganz eigenen Rachepläne für Qin, das Reich des Mörders seiner Eltern. Held sollte er also nur in Zhao werden, warum dann aber die schlussendliche Ehrung durch Qin?
**Heros Heldentat besteht darin, König Qin auf einen Weg gelenkt zu haben, der dazu führt, dass China geeinigt wird, ohne allerdings alles gleichzumachen. Das wichtigste Symbol hierfür ist das Zeichen für Schwert. Bislang hatte die Jhao-Kalligrafieschule 19 Zeichen für Schwert erfunden. Doch Zerbrochenes Schwert erfand ein zwanzigstes. Es hängt direkt hinter König Qin an der Wand. Doch Qin will zunächst - in der PHASE ROT - erzwingen, dass alle Untertanen nur ein einziges Schwert-zeichen benutzen. Hero führt ihm vor Augen, das dies der falsche Weg wäre.
Heros Heldentat besteht darin, König Qin auf einen Weg gelenkt zu haben, der dazu führt, dass China geeinigt wird. Heros verdienst ist also soziopolitischer und kultureller Natur. Das ist für einen Helden keine schlechte Leistung, im Lichte herkömmlicher Heldentaten sogar reichlich unerhört. Der Schwertkämpfer als Kulturrevoluzzer? Das hätte Mao Dze-Dong, dem Großen Steuermann, für dessen eigene \"Kulturrevolution\" gar nicht geschmeckt.
Wieder einmal hat Zhang Yimou einen Film mit politischer Aussage - oder zumindest Untertönen - gemacht. Das Ergebnis ist mindestens so schön, unterhaltsam und aufregend wie Ang Lees \"Tiger and Dragon\" (in dem Zhang Ziyi ebenfalls mitspielte). Es gäbe zahlreiche Szenen hervorzuheben, die im gedächtnis bleiben - das würde dem Leser aber leider nichts nützen, denn ein Bild davon sagt mehr als 1000 Worte, die ich hier schreiben könnte. Außerdem bin ich nicht sicher, ob ich von den mehreren Versionen der Story alles richtig verstanden habe. \"Hero\" - ein Film, den man unbedingt mehrmals ansehen sollte, um in seine tieferen Schichten einzudringen.
Die DVD
°°°°°°°°°°
Technische Infos:
Bildformate: 16:9
Tonformate: Dt. in DD 5.1, DTS; Chinesisch in DD 5.1
Sprachen: D, Chinesisch
Untertitel: D
Extras:
- Making-of (ca. 24 Min.)
- Hero-Special (ca. 13 Min.)
- Textinformationen zum geschichtl. Hintergrund, Produktionsnotizen, zu dem Look (Farben, Blätter, Kostüme etc.)
- Darsteller und Crew: Biografien und Interviews
- Trailershow und Filmtipp:
- Hero
- Verschwende deine Jugend
- Werner 3
- The Hours
- Ganz und gar
- City of God (Filmtipp)
Mein Eindruck: die DVD
°°°°°°°°°°
In \"Hero\" bringt Zhang Yimou seine Darsteller dazu, übers Wasser zu laufen, wie Vögel zu fliegen und ganz generell Raum, Zeit und Schwerkraft zu überwinden. Bemerkenswert ist der scharfe Kontrast zwischen den extrem dynamischen, geradezu tänzerischen Kämpferszenen und der starren Statik, in der die beiden Kontrahenten Hero und König gefangen sind. All dies ist selbstverständlich beabsichtigt: Keine Sekunde ist dem Zufall überlassen.
Die beiden Dokumentationen - das Special und das Making-of - liefern zusammen in rund 37 Minuten ein paar zaghafte Erklärungen für die Inszenierung des Films auf diese Weise. Die Schach-Haus-Szene etwa (das Duell mit Weiter Himmel) ist laut Yimou eine Hommage an das Hongkong-Kino. Aber ich fürchte, die besten Erklärungen findet man nur dann, wenn man sich den Film in seinem ästhetischen Aufbau selbst genau anschaut und seine Schlussfolgerungen zieht.
Ansonsten bieten die beiden gut gemachten, ebenso informativen wie unterhaltsamen Specials, das Übliche: die beschwerlichen Dreharbeiten, die wudnervollen Kostüme, die handverlesenen (!) Blätter für das Duell zwischen Mond und Schnee, dann natürlich die jeweiligen Eindrücke der Darsteller. Schließlich tragen auch der Kameramann Doyle und der Komponist Tan Dun ein paar Erklärungen bei, jedenfalls was ihren Teilbereich angeht. Die ruhmreiche OSCAR-Preisträgerin Emi Wada sagt keinen Piep, sondern überzeugt durch ihr farbenprächtiges Werk. Recht so!
Die Textinformationen, Biografien und Interviews (sofern nicht bereits in die Specials eingearbeitet) runden das positive Bild des Films und der ausgezeichneten DVD ab. Die Texte informieren über den historischen Hintergrund der Epoche der Streitenden Königreiche und wie die Sache ausging (mit dem Bau der Großen Mauer, unter anderem).
Kurzum: Diese DVD ist ihr Geld wert!
Unterm Strich
°°°°°°°°°°
Der Film ist zwar ein Fest für Auge und Ohr, aber letzten Endes ist doch der Sinn und die Aussage des Ganzen ausschlaggebend, genau wie bei den MATRIX-Filmen, die ja auch hart an der Grenze entlangschrammen. Wer sich die Mühe macht, den mindestens drei Storyvarianten zu folgen, wird von der Sinnhaftigkeit der Episoden überzeugt sein. Doch was bleibt unterm Strich? Eine Aussage des Regisseurs über das Wesen eines Helden. Damit muss sich jeder selbst auseinandersetzen.
Mir selbst war die blaue Phase ein wenig suspekt: Wenn die Kämpfer übers Wasser laufen und fliegen lernen, dann liegt das an den Kabeln, an denen sie hängen. Mit diesem Wissen verfliegt leider auch der Zauber...
Michael Matzer (c) 2003ff
Filminfos
°°°°°°°°°°
O-Titel: Hero (VR China), DVD: 2003
FSK: ab 12
Länge: 95 Min.
Regisseur: Zhang Yimou
Drehbuch: Zhang Yimou
Musik: Tan Dun (OSCAR)
Sologeige: Yitzhak Perlman
Kamera: Christopher Doyle
Kostüme: Emi Wada (OSCAR für \"Ran\")
Action: Tony Ching Sia-Tung
Darsteller:
Jet Li: Hero
Maggie Cheung: Fliegender Schnee (FS)
Tony Leung: Zerbrochenes Schwert (ZS)
Zhang Ziyi: Leuchtender Mond, Deng (LM)
König von Qin: Chen Dao Ming
Donnie Yen: Weiter Himmel (WH)
Handlung
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Die gesamte Handlung spielt in den Jahren, bevor sich das erste Kaiserreich in China bildete. Es ist also die Zeit der sieben streitenden Königreiche, vor über 2000 Jahren. Für die Geschichte sind nur zwei Königreiche wichtig: Qin und Zhao. Wie es aussieht, wird sich der Qin-König als der Stärkere erweisen. Doch der Gegner ist raffiniert und schickt einen Attentäter nach dem anderen in den Palast von Qin.
Es ist ein hoher Festtag, und zu ehren ist ein Fremder. Hero nennt er sich, und weil er gleich drei berüchtigte Attentäter getötet hat, darf er dreimal die Bannkreise um den König unbehelligt durchschreiten. Bis er zum Schluss gerade mal zehn Schritte (ca. 5 Meter) vom Thron der Majestät entfernt ist. Dazwischen liegen lediglich ein Dutzend Reihen von brennenden Kerzen - ein Klacks für einen Krieger wie Hero. Der tausendköpfige Hofstaat macht sich Sorgen, denn wer ist dieser Hero schon? Wer weiß, was er insgeheim im Schilde führt? Ihre Sorgen sind berechtigt.
Auch der König fordert Hero auf, seine Heldentaten zu schildern. Wie gelang es ihm, die drei Attentäter aus Zhao zu überwinden? Hero erzählt.
Die ROTE PHASE: In dieser ersten Phase, die von der Farbe Rot dominiert wird, berichtet hero, wie er zuerst Weiter Himmel, einen hervorragenden Lanzenfechter und Schwertkämpfer in einem Schach-Haus besiegte. Bemerkenswert: Der eigentliche Kampf fand in ihrer Vorstellung statt.- Die zwei anderen Attentäter stellte Hero in einer Schule für Kalligrafie, also Schönschreibkunst. Diese alte Tradition ist heilig. Die Schule ist komplett in Rot getaucht. Leider ist sie auch von Qins Truppen umstellt, die einen Pfeilhagel loslassen, um alle Schüler zu töten. Darunter auch zerbrochenes Schwert, einen Krieger, und seine Geliebte Fliegender Schnee.
Und wie gelang ihm, die beiden Schwertkämpfer zu töten? Ganz einfach: Er stachelte ihre Eifersucht an. Denn Zerbrochenes Schwert hatte eine Gehilfin, Leuchtender Mond bzw. Deng genannt. Auf die wurde Schnee eifersüchtig, die Deng tötete. Nach Heros Angaben töteten die Liebenden einander.
Soso, das sei ja alles sehr schön, doch leider nicht die Wahrheit, behauptet der König von Qin. Weiter Himmel sei vielmehr Heros Verbündeter gewesen. In der BLAUEN PHASE erzählt er hero, wie es auch gewesen sein könnte. Vielleicht liegt aber die richtige Wahrheit in der WEISSEN PHASE*? In der GRÜNEN PHASE jedenfalls dringen Zerbrochenes Schwert und Fliegender Schnee in Qins Königspalast ein, doch Schwert lässt den König am Leben. Das findet Schnee sehr merkwürdig. Schließlich ist der Qin-König ja der Feind, oder?
In der letzten und GELBEN PHASE erreicht das Drama einen sehr emotionalen Höhepunkt, den kaum jemand überlebt. Denn Hero hat den König von Qin tatsächlich angegriffen. Das Gesetz gebietet, dass er hingerichtet wird. Doch wozu sollte das gut sein, fragt sich der König. Er hat wichtige Einsichten von Hero erhalten, so etwa die Bedeutung der Vielfalt in seinem Reich**. Doch der Held ist erst dann unsterblich, wenn er tot ist...
*: Weiß ist in der chinesischen Kultur die Farbe des Todes.
Mein Eindruck: der Film
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Optisch ist dieser Schwertkämpferfilm schlicht und ergreifend überwältigend: ein Fest für das Auge. Seien es die kodierten Farben (der Code entzieht sich uns Westlern leider), seien es die innovativen, graziösen Kampfchoreografien, die west- und nordchinesischen Landschaften, die (sehr bekannten) Gesichter, natürlich auch die erlesenen Kostüme Emi Wadas - einfach alles ist dazu angetan, das Auge zu entzücken. Die Musik ergreift das Herz - man kann es nicht anders sagen: Perlmans Sologeige, besonders im Dialog mit den traditionellen Kodo-Trommlern, lässt niemanden aus ihrem Bann. Der edle DTS-Sound tut ein Übriges, denne r holt noch ein Quäntchen mehr Präsenz heraus als Dolby Digital 5.1.
All dies aber wäre nichtig, wenn die Story nicht ebenso anrührend und spannend wäre. Das ist zum Glück der Fall. Nicht umsonst haben Zhang Yimou und seine Kollegen 24 Monate lang an dem Drehbuch gefeilt. Es durfte nicht schon wieder ein Abklatsch von Kurosawas \"Rashomon\" werden, und es sollte das ruhmreiche Genre des chinesischen Schwertkampfdramas (Wu-shà) weiterentwickeln. Das war ein sehr ehrgeiziges Vorhaben, aber der Erfolg gibt dem Regisseur Recht. Weiteres dazu im Making-of.
Nicht erst Peter Jackson \"Herr der Ringe\"-Trilogie und Tolkiens Romanvorlage stellten die Frage, was eigentlich, bitteschön, einen Helden ausmacht. Wie wird man ein Held? Nun, das ist von der jeweiligen Kultur abhängig, von der jeweiligen Zeit und den Umständen. Nur die Nachwelt bestimmt, wer Held wird.
Doch Hero soll in diesem Film bereits zu Lebzeiten geehrt werden, für seine Verdienste am Reiche Qin. Wie sich aber ironischerweise zeigt, entstammt er dem feindlichen Reich Zhao und hat seine ganz eigenen Rachepläne für Qin, das Reich des Mörders seiner Eltern. Held sollte er also nur in Zhao werden, warum dann aber die schlussendliche Ehrung durch Qin?
**Heros Heldentat besteht darin, König Qin auf einen Weg gelenkt zu haben, der dazu führt, dass China geeinigt wird, ohne allerdings alles gleichzumachen. Das wichtigste Symbol hierfür ist das Zeichen für Schwert. Bislang hatte die Jhao-Kalligrafieschule 19 Zeichen für Schwert erfunden. Doch Zerbrochenes Schwert erfand ein zwanzigstes. Es hängt direkt hinter König Qin an der Wand. Doch Qin will zunächst - in der PHASE ROT - erzwingen, dass alle Untertanen nur ein einziges Schwert-zeichen benutzen. Hero führt ihm vor Augen, das dies der falsche Weg wäre.
Heros Heldentat besteht darin, König Qin auf einen Weg gelenkt zu haben, der dazu führt, dass China geeinigt wird. Heros verdienst ist also soziopolitischer und kultureller Natur. Das ist für einen Helden keine schlechte Leistung, im Lichte herkömmlicher Heldentaten sogar reichlich unerhört. Der Schwertkämpfer als Kulturrevoluzzer? Das hätte Mao Dze-Dong, dem Großen Steuermann, für dessen eigene \"Kulturrevolution\" gar nicht geschmeckt.
Wieder einmal hat Zhang Yimou einen Film mit politischer Aussage - oder zumindest Untertönen - gemacht. Das Ergebnis ist mindestens so schön, unterhaltsam und aufregend wie Ang Lees \"Tiger and Dragon\" (in dem Zhang Ziyi ebenfalls mitspielte). Es gäbe zahlreiche Szenen hervorzuheben, die im gedächtnis bleiben - das würde dem Leser aber leider nichts nützen, denn ein Bild davon sagt mehr als 1000 Worte, die ich hier schreiben könnte. Außerdem bin ich nicht sicher, ob ich von den mehreren Versionen der Story alles richtig verstanden habe. \"Hero\" - ein Film, den man unbedingt mehrmals ansehen sollte, um in seine tieferen Schichten einzudringen.
Die DVD
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Technische Infos:
Bildformate: 16:9
Tonformate: Dt. in DD 5.1, DTS; Chinesisch in DD 5.1
Sprachen: D, Chinesisch
Untertitel: D
Extras:
- Making-of (ca. 24 Min.)
- Hero-Special (ca. 13 Min.)
- Textinformationen zum geschichtl. Hintergrund, Produktionsnotizen, zu dem Look (Farben, Blätter, Kostüme etc.)
- Darsteller und Crew: Biografien und Interviews
- Trailershow und Filmtipp:
- Hero
- Verschwende deine Jugend
- Werner 3
- The Hours
- Ganz und gar
- City of God (Filmtipp)
Mein Eindruck: die DVD
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In \"Hero\" bringt Zhang Yimou seine Darsteller dazu, übers Wasser zu laufen, wie Vögel zu fliegen und ganz generell Raum, Zeit und Schwerkraft zu überwinden. Bemerkenswert ist der scharfe Kontrast zwischen den extrem dynamischen, geradezu tänzerischen Kämpferszenen und der starren Statik, in der die beiden Kontrahenten Hero und König gefangen sind. All dies ist selbstverständlich beabsichtigt: Keine Sekunde ist dem Zufall überlassen.
Die beiden Dokumentationen - das Special und das Making-of - liefern zusammen in rund 37 Minuten ein paar zaghafte Erklärungen für die Inszenierung des Films auf diese Weise. Die Schach-Haus-Szene etwa (das Duell mit Weiter Himmel) ist laut Yimou eine Hommage an das Hongkong-Kino. Aber ich fürchte, die besten Erklärungen findet man nur dann, wenn man sich den Film in seinem ästhetischen Aufbau selbst genau anschaut und seine Schlussfolgerungen zieht.
Ansonsten bieten die beiden gut gemachten, ebenso informativen wie unterhaltsamen Specials, das Übliche: die beschwerlichen Dreharbeiten, die wudnervollen Kostüme, die handverlesenen (!) Blätter für das Duell zwischen Mond und Schnee, dann natürlich die jeweiligen Eindrücke der Darsteller. Schließlich tragen auch der Kameramann Doyle und der Komponist Tan Dun ein paar Erklärungen bei, jedenfalls was ihren Teilbereich angeht. Die ruhmreiche OSCAR-Preisträgerin Emi Wada sagt keinen Piep, sondern überzeugt durch ihr farbenprächtiges Werk. Recht so!
Die Textinformationen, Biografien und Interviews (sofern nicht bereits in die Specials eingearbeitet) runden das positive Bild des Films und der ausgezeichneten DVD ab. Die Texte informieren über den historischen Hintergrund der Epoche der Streitenden Königreiche und wie die Sache ausging (mit dem Bau der Großen Mauer, unter anderem).
Kurzum: Diese DVD ist ihr Geld wert!
Unterm Strich
°°°°°°°°°°
Der Film ist zwar ein Fest für Auge und Ohr, aber letzten Endes ist doch der Sinn und die Aussage des Ganzen ausschlaggebend, genau wie bei den MATRIX-Filmen, die ja auch hart an der Grenze entlangschrammen. Wer sich die Mühe macht, den mindestens drei Storyvarianten zu folgen, wird von der Sinnhaftigkeit der Episoden überzeugt sein. Doch was bleibt unterm Strich? Eine Aussage des Regisseurs über das Wesen eines Helden. Damit muss sich jeder selbst auseinandersetzen.
Mir selbst war die blaue Phase ein wenig suspekt: Wenn die Kämpfer übers Wasser laufen und fliegen lernen, dann liegt das an den Kabeln, an denen sie hängen. Mit diesem Wissen verfliegt leider auch der Zauber...
Michael Matzer (c) 2003ff
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