Training Day (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von wildheart

Kriminalität versus Kriminalität?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Jake Hoyt (Ethan Hawke) ist wohl das, was man einen »idealistischen« jungen Polizisten nennen kann, der in das Drogendezernat will, um die Kids und andere vor Dealern und Heroinschmugglern zu schützen. Doch um dies zu erreichen, muss er einen »Training Day« absolvieren, eine Probe bei seinem ach so erfolgreichen Vorgesetzten, Alonzo Harris (Denzel Washington), der ihn an diesem einen Tag – den ausschließlich schildert der Film – in seinem aufgemotzten Wagen mitnimmt – und vor allem in seinem Sinne »erziehen« will. Und dieser Tag hat es in sich!

Denn Harris ist alles andere als ein idealistischer Cop. Er hat vom Los Angeles Police Department (LAPD) aus im Laufe der Jahre ein feines Beziehungs- und Korruptionsnetz aufgebaut, »Depots« angelegt, das heißt mit Großdealern ungeschriebene Vereinbarungen getroffen, wie was in der »Szene« zu handhaben ist, welche Grenzen nicht überschritten werden dürfen usw. Doch dabei ist Harris nicht allein: ein Staatsanwalt und etliche andere Cops sind fester Bestandteil dieses Netzes und spielen das gleiche Spiel.

David Ayer, der das Drehbuch schrieb, und Antoine Fuqua versetzen den Zuschauer von Anfang an in die Situation des jungen Hoyt, der zunächst fest daran glaubt, in seinem Gegenüber Harris eine Art Helden zu haben. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass Harris undurchschaubar ist. Harris zwingt Hoyt zunächst mehr oder weniger dazu, ein Pfeifchen zu rauchen: Man müsse die Szene kennen, und daher auch das Zeug, was sie verkaufen. Er schleppt Hoyt mit zu einem der Großdealer, die vor allem an Kinder Drogen verkauft, umarmt ihn wie einen alten Freund, trinkt mit ihm. Beide scheinen aus gleichem Holz geschnitzt.

Und schließlich stellt sich auch für Hoyt heraus, was Harris von ihm will: »Du musst ein Wolf sein, um die Wölfe bekämpfen zu können.« Sonst sei er nur das Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird. Harris will Kriminalität mit Kriminalität, Gewalt mit Gewalt, Terror mit Terror bekämpfen. Dazu steht er, und dafür ist er auch bereit, eines seiner »Depots« zu opfern, um einen »Fehler« auszubügeln: Er hat ein Mitglied der »Russen«-Mafia ermordet. Und die gilt es zu bestechen, damit Harris nicht von ihnen umgebracht wird.

Harris hat sich in seinen Methoden mehr oder weniger ganz denen der kriminellen Vereinigungen angeglichen. Gerade noch in den Arm genommen wie einen Freund erschießt er den Drogendealer, um dessen Geld in die Finger zu bekommen, zusammen mit seinen Kollegen. Hoyt wird unwissend und unfreiwillig mit hineingezogen in diesen Mord und muss erkennen, in welche »Polizeieinheit« er da geraten ist ...

Inszenierung
»Training Day« zeigt in einer nüchternen, weniger von der Handlung selbst, als von den Wortwechseln zwischen Harris und Hoyt geprägten und der alltäglichen Gewalt charakterisierten Art und Weise, wie in einer amerikanischen Millionenstadt mit ihren von Rauschgiftkriminalität geprägten Ghettos eine Polizeieinheit unter Führung von Harris selbst zu einer kriminellen Vereinigung – unter dem Schutz der Staatsanwaltschaft – geworden ist. Nicht mehr die Aufklärung und Bekämpfung von Verbrechen, sondern ihre »geregelte« Akzeptanz und teilweise auch Teilhabe an ihren Pfründen stehen im Zentrum der Arbeit des Drogendezernats.

Hoyt, der sich am Morgen von seiner Frau und seinem Baby verabschiedet hat, voller Optimismus, kehrt abends als Geschlagener nach Hause zurück. Auch wenn er am Schluss Harris besiegt hat, kommt er nicht als Sieger nach Hause. Harris war schlimmer als die Menschen in den Ghettos, deren Kriminalität er angeblich bekämpfen wollte.

»Training Day« gerät manchmal in die Gefahr, die zwei Kontrahenten Harris und Hoyt im Sinne von Gut und Böse zu überzeichnen. Doch das liegt wohl auch daran, dass die spezifischen Strukturen einer korrupten und kriminellen Polizeieinheit kaum durch – wenn auch nur wenige – positive Merkmale einzelner Personen modifiziert werden können. Harris ist der gierige, reißende, fressende und zynische Wolf, der sich in den Ghettos eine Machtbasis geschaffen hat, der seine Macht aber auch ab einem gewissen Punkt überschätzt – wie alle die, die Allmachtphantasien einer totalen Kontrolle ihrer Umgebung entwickeln. Er hat sich völlig diesen Strukturen angepasst – und kommt durch sie um. Hoyt dagegen hat Schutzengel: Die Einwohner des Ghettos, in dem Harris Frau zurück bleibt, schützen zum Schluss ihn, nicht Harris.

Fazit
Der Film kam – angesichts der Terroranschläge des 11. September – zwei Wochen später in die amerikanischen Kinos. Warum? Der Film selbst beantwortet diese Frage: Kann man Terror mit Terror, Krieg mit Krieg bekämpfen? Ist es »pragmatisch«, wenn Polizeiarbeit sich den Strukturen der Kriminalität zumindest bis zu einem gewissen Grad anpasst? Und ist es idealistisch, von einer »fairen« Verbrechensbekämpfung nicht nur zu »träumen«, sondern sie in die Tat umsetzen zu wollen?

Der Film bietet keine Lösungen an. Woher auch. Die Lösungen können kaum (nur) dort liegen, wo Polizeiarbeit im Spiel ist. Aber dort eben auch.

Training Day
USA 2001, 123 Minuten
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: David Ayer
Hauptdarsteller: Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Eva Mendes


© Ulrich Behrens 2002
(zuerst veröffentlicht unter www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

16 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    02.02.2011, 09:22 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    mit solchen filmen kann ich mich nur schlecht anfreunden. super bericht, bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    15.12.2006, 12:23 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)