About a Boy, oder: Der Tag der toten Ente (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von T-Shirt

Im Clinch mit einem selbstmordgefährdeten Flokati

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Immer wieder versucht Nick Hornby, die Welt der Männer zu erklären. Bei „Fever Pitch“ war es der Fußballfan, dessen Befindlichkeiten authentisch analysiert wurde, bei „High Fidelity“ der fanatische Musikliebhaber mit all seinen Sorgen, Selbstzweifeln und Macken. „About a Boy“, die neueste Verfilmung eines Hornby-Romans, präsentiert uns den wohlhabenden Nichtsnutz Will - 38 Jahre alt, aber immer noch von der kindischen Sehnsucht beseelt, niemals erwachsen zu werden.

Will (Hugh Grant) fürchtet nichts mehr, als für irgendetwas oder irgendjemand Verantwortung übernehmen zu müssen. Entsprechend sieht sein Leben aus: Er arbeitet nicht, weil er ausreichend Geld geerbt hat, um bis ans Ende des Lebens komfortabel davon zu leben, und verbringt den Tag mit Fernsehen, Shoppen und Essen gehen. Seine Beziehungen zu Frauen sind meist nur von kurzer Dauer, und Kinder kommen schon überhaupt nicht in Frage: „Die Will-Show ist kein Ensemble-Film“, so seine feste Überzeugung.

Auf der Suche nach Eroberungen entdeckt Will eines Tages eine neue Gruppe scheinbar leicht zu verführender Opfer: allein erziehende Mütter. Doch statt einer attraktiven Alleinerziehenden im Arm hat er plötzlich den 12-jährige Marcus (Nicolas Hoult) am Hals. Der halbwüchsige Sonderling will einen weiteren Selbstmordversuch seiner depressiven Mutter Fiona (Toni Collette) verhindern und versucht, sie mit Will zu verkuppeln - ein unmögliches Unterfangen, denn der in Designerklamotten gehüllte Snob und die in bunten Wollfetzen gekleidete Hippie-Dame passen überhaupt nicht zueinander. Trotzdem treibt es den Außenseiter Marcus, der keine anderen Freunde hat, mit all seinen Problemen immer wieder zu Will. Dieser benutzt Marcus zunächst für seine Zwecke, doch mit der Zeit macht er auch eine erstaunliche Entwicklung durch ...

„About a Boy“ besticht vor allem durch seinen teils albernen, teils bissigen Humor. Egal ob Will in seinen Gedanken Fiona angesichts ihrer Kleidung als „selbstmordgefährdeter Flokati“ tituliert, oder ob er einen Kindersitz in seinem Auto montiert und ihn mit Flecken und Krümeln drapiert, um den allein erziehenden Müttern vorzugaukeln, er habe selber einen Sohn – die Pointen sitzen und werden dem Kinopublikum wohldosiert verabreicht.

Neben dem wundervollen Soundtrack von Badly Drawn Boy gehört auch das Schauspieler-Ensemble zu den Stärken des Streifens. Hugh Grant verkörpert den langsam erwachsen werdenden Kindskopf in all seinen Facetten absolut überzeugend, und Toni Collette spielt die leicht weltfremde Fiona herrlich überdreht. Der eigentliche Star des Films ist aber der gerade mal 12 Jahre alte Nicolas Hoult - dank seines Talents spielt er zeitweise alle anderen an die Wand, und wenn nicht alles täuscht, sieht man hier einen jungen Mimen, der am Beginn einer ganz großen Karriere steht.

Neben den Schauspielern kann sich auch das Drehbuch durchaus sehen lassen. Die Wandlung Wills vom verantwortungslosen Kindskopf zu einem Erwachsenen ist einigermaßen glaubwürdig dargestellt. Dass sein Leben ohne Arbeit und ohne Verantwortung völlig sinnentleert ist, stellt er nicht anhand einer plötzlichen moralischen Vision fest – nein, viel banaler: Beim Versuch, Frauen abzuschleppen, muss er immer öfter feststellt, dass er über sich und sein Leben eigentlich gar nichts zu erzählen hat. Erst der fehlende Erfolg bei Frauen treibt ihn dazu, seine bisherige Lebensweise zu überdenken. Weniger glaubwürdig wirkt hingegen das Tempo, mit dem Will diese Entwicklung vollzieht – das Drehbuch hat also durchaus auch seine Schwächen.

Diese Schwächen werden mit zunehmender Laufzeit des Films auch immer deutlicher. Die Geschichte, die so originell begonnen hatte, wird mit der Zeit immer konventioneller erzählt. Und hatte der Film am Anfang noch einige überraschende Wendungen parat, wird er von Minute zu Minute vorhersehbarer. Zudem wird dem Zuschauer, wie der \"Filmdienst\" (zitiert nach Posdole) völlig zurecht bemängelt, eine \"kitschige Moral\" aufgedrängt, die den Filmgenuss zum Ende hin ein gutes Stück schmälert - schade!

Nachdem die Regie führenden Brüder Paul und Chris Weitz mit „American Pie“ eher ein niveauarmes Werk vorgelegt hatten, ist ihnen dieser Vorwurf diesmal aber zumindest nicht zu machen. Trotz einiger Fehler zaubern sie 100 Minuten gute Kino-Unterhaltung auf die Leinwand. Der Film ist schlicht und ergreifend nett – nicht mehr, aber auch auf keinen Fall weniger.

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