Daewoo Electronics VQ717 Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
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Daewoo Vu
ein Testbericht von rodent2004-08-14 15:56:12vom 14.08.2004Empfehlung: ja
Vorteile: zuverlässige Technik, einfache Bedienung...Nachteile/Kritik: keine Audioausgänge, unergonomische Fernbedienung
Mein zu dieser Zeit noch zukünftiger Schwiegervater meinte es gut mit uns und schenkte uns (eigentlich meiner zukünftigen Frau) Anno 2000 einen funkelnigelnagelneuen Videorecorder – was uns tatsächlich zu Gute kam, denn mein uralter Panasonic-Toploader, hatte nach fast 15-jähriger Dienstzeit seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten und damals strahlte PRO7 alle „Die Simpsons“-Folgen zu einer für uns ungünstigen Zeit aus. Die Rettung war eben dieses Geschenk meines Schwiegervaters in spe. In einem doch recht großen Pappkarton versteckte sich das Gerät, und zuerst witzelte ich rum, das sich vielleicht ein Kleinwagen des Koreanischen Mammutkonzerns „DAEWOO“ in die recycelbare, unauffällige Kartons verirrt hätte. Okay, von einem Automobil mit der Bestellbezeichnung „VQ 717“ hatte ich noch nie gehört und ein Blick in das Innere belehrte mich eines Besseren.
Gehäuse/Bedienelemente/Lieferumfang
Ein überwiegend anthrazitfarbenes, ca 3,85 Kg leichtes Kunststoffgehäuse, mit den Maßen 36x9x28,8 cm, mit reichlich Lüftungsschlitzen, die einem Sportwagen gut gestanden hätten, kam zum Vorschein, geziert von einer schwarzen Front.
Mittig platziert war der Videokassetteneinschub, auf dessen Schutzklappe „6 Head Hi-Fi Stereo; High Speed Rewind; NTSC-Playback on PAL TV zu lesen war. Links davon der Herstellername „DAEWOO“ und unter dem Namen ein „Blue Diamond“-Logo.
Unterhalb der Schutzklappe konnte man das Display erkennen, in das auf der linken Seite zwei übereinander angeordnete Kanalwahltasten integriert waren. Weiter Links, außerhalb des Displays, befanden sich ein „POWER“-Knopf, sowie die „STOP/EJECT“-Taste. Rechts des Displays war ein „REC/OTR“-Knopf - noch weiter rechts, fast am Gehäuserand, eine große, ovale „PLAY“-Taste, welche mittig über den „<>“ Tasten thronte. Eine bis dahin sehr übersichtliche und klar strukturierte Angelegenheit. Das Gesamtdesign des „DAEWOO VQ 717“ wirkte durch seinen ovalen und fließenden Formen sehr harmonisch, das Gerät machte allerdings keinen sehr wertigen Eindruck.
Um die Anschlussmöglichkeiten zu überprüfen, begutachtete ich die Rückseite des Videorecorders, und war etwas unzufrieden. Zwei Euro-AV-Scart Anschlüsse und zwei Koaxialkabelanschlüsse für Antenneneingang/Antennenausgang waren zwar vorhanden, es gab aber keine gesonderten Audioausgänge oder Audioeingänge. Da auch unser Fernseher nicht über dererlei Features verfügte, blieb uns fulminanter Stereosound via Hi-Fi Anlage leider verwehrt – Schade! Ebenso keine Spur von S-Video Anschlüssen.
Die beiden Euro-AV-Scart Anschlüsse lernten wir noch zu schätzen.
Zum einem bietet die Anbindung des Videogerätes via AV-Kabel an den Fernseher zwei unübersehbare Vorteile:
1.Eine wesentlich bessere Bildqualität bei Wiedergabe sowie auch besseren Klang – auch bei Mono TV-Geräten.
2.Das Umschalten des Fernsehers auf den Videokanal entfällt, da das TV-Gerät einen Impuls via Scartkabel erhält und automatisch in den AV-Modus geht,
zum anderen lässt sich bequem ein PAY-TV Decoder oder, wie einige Jahre später in unserem Fall, ein Satelliten Receiver anschließen. Das Kabel gab es – welch ein Zufall – recht preiswert bei einer LIDL-Aktion zu haben, da serienmäßig dem „VQ 717“ keins bei lag.
Ebenfalls als negativ empfand ich das fest montierte Netzkabel. Sollte das Kabel einmal schadhaft sein, wäre wohl ein Schrauben und Löten nötig gewesen.
Was allerdings bei lag, war die mit grauen Gummiknöpfen übersäte Fernbedienung, welche von Seiten der Ergonomie nicht so gut abschnitt. Die Hauptbedienelemente waren zwar im Zentrum in einem Oval zusammengefasst und farblich setzten sich die größeren Tasten in ihrem blau ja ab, aber durch die
etwas unglückliche, symmetrische Form der Fernbedienung konnte es sehr leicht passieren, das man sie schlicht verkehrt herum hielt. Auch waren die Tasten bei sachgerechter Handhabung kaum in ihrer Gesamtheit zu betätigen, so das ein ständiges Umgreifen nötig wurde (und meine Hände sind schon nicht sehr klein). Auch die Funktionstasten für die Programmierung gingen in dem Wirrwarr erbarmungslos unter. Kuschelige Atmosphäre schaffen und mal eben Video gucken war nicht, da man die Funktionstasten nur bei guter Beleuchtung fehlerfrei bedienen kann.
Immerhin spendierte DAEWOO zwei handelsübliche AAA / LR03 Batterien à 1,5 Volt.
Eine sehr verständlich gehaltene, teilweise illustrierte deutschsprachige Bedienungsanleitung komplettierte das Gerät und ließ bei der folgenden Installation keine Fragen offen, sondern führte Schritt für Schritt und anschaulich durch die Inbetriebnahme.
INSTALLATION
Nachdem das Kabel der Kabelgespeisten Hausanlage mit dem Antenneneingang des Videorecorders und dieser mittels Scart- und Koaxialkabel mit dem Fernsehapparat verbunden war, schalteten wir gespannt zuerst das TV-Gerät ein, welches uns mit Rauschen begrüßte, nach Aktivierung des „VQ 717“ aber augenblicklich ein blaues Bild mit weißer Schrift präsentierte.
Aha, das Onscreen-Display, eine Technik, die das komfortable Programmieren und Einstellen des Videogerätes über ein auf dem Fernsehschirm sichtbares Menü gestattet.
Zuerst mussten wir uns für eine Sprache entscheiden – wir einigten uns auf deutsch, worauf das Menü in unserer Muttersprache erschien. Datum und Uhrzeit wollte der DAEWOO auch noch wissen. Die Auswahl und Eingabe erfolgte ausschließlich mittels Fernbedienung, man brauchte nur den gewünschten Punkt mit den Pfeiltasten ansteuern und entweder gleich mit „OK“ bestätigen, oder über die Zifferntasten der Fernbedienung den erwünschten Wert einzutragen und abschließend die „OK“-Taste zu drücken. War ein Menüpunkt abgehakt, sprang das Gerät automatisch zum nächsten erforderlichen, zumindest während der Grundeinstellungen. So landeten wir im dritten Schritt bei der automatischen Sendersuche, die etwas langsam aber sehr zuverlässig ihren Dienst tat und alle damals verfügbaren Sender – ca. 30 an der Zahl, 99 Senderplätze besitzt der Daewoo – abspeicherte. Die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten zuerst, dann die „großen“ Privatsender und Regionalprogramme etwas durcheinander. Auf Wunsch ließen sich die Sender unkompliziert neu anordnen und auch neu benennen.
Der Alltag
WIEDERGABE
Sechs Köpfe - vier für Bild, zwei für den Stereoton- sollten schon was her machen und wir wurden nicht enttäuscht. Bei normaler Wiedergabegeschwindigkeit („Single-Play“) empfinde ich das Bild als ausgeglichen in Bezug auf die Farbdarstellung. Die Kanten könnten etwas schärfer ausgeprägt sein, aber die Bildqualität würde ich mit einem knappen „gut“ bewerten. Das Gerät arbeitet angenehm leise und bandschonend, das ein Band gefressen wurde habe ich bis heute nicht erlebt. Der Klang ist ausgezeichnet, Störgeräusche sind nicht wahrnehmbar.
Bei halbierter Bandgeschwindigkeit („Longplay“) sieht die Sache etwas anders aus. Hier leidet die Bildqualität erheblich. Bei Zeichentrickfilmen ist der Verlust nicht so deutlich zu erkennen, Realfilme dagegen verlieren deutlich an Farbpräsenz und Bildschärfe. Der Ton bleibt auf gutem Niveau.
Hervorragend ist das Standbild. Flimmerfrei und detailliert ist hierbei die Darstellung, ebenso bei der in mehreren Stufen anpassbaren Zeitlupe. Positiv fällt auch die Indexfunktion auf, bei der automatisch der Anfang einer Aufnahme gesucht wird, da der Recorder eine Markierung bei Aufnahmebeginn auf dem Band hinterlässt. So lässt sich recht rasch durch mehrere Aufnahmen auf einem Videoband fahnden.
Auch das 16:9 Format kann den „DAEWOO VQ 717“ nicht aus der Fassung bringen, er reagiert gelassen mit automatischer Umschaltung.
Der Wiedergabetonkanal lässt sich manuell einstellen, was z.B. bei zweisprachigen Sendungen oder Beiträgen für sehbehinderte Menschen sinnvoll ist, da diese Zweikanaltonausstrahlungen den einen Stereokanal für Original und den anderen für den Zusatzton verwenden.
Erwähnenswert ist auch die Wiedergabemöglichkeit von NTSC formatierten Bänder. So kann man sich Uncle Sams Urlaubsvideo auch ohne umkopieren anschauen. Und wenn das Video zu langweilig ist, besteht die Möglichkeit eines schnellen Bildlaufes, vor oder zurück, in zwei Geschwindigkeiten.
AUFNAHME
Das Gerät beherrscht mehrere Möglichkeiten des Aufnehmens.
Wenn es mal ganz flott gehen muss, genügt ein Druck auf die „OTR“ (One Touch Recording)-Taste, egal ob am Recorder selbst oder auf der Fernbedienung. Mit vielleicht 3-4 sekündiger Verzögerung beginnt die Aufnahme und wird nur durch die Restlänge des Bandes beschränkt. Wird „OTR“ mehrmals betätigt, so steigert sich die Aufnahmezeit im 30 Minuten-Takt. Auch hier stellt die Länge des Bandes die Begrenzung dar.
Die elegantere Methode ist die Vorprogrammierung. Hierzu steht neben VPS und ShowView auch eine starre, manuell gewählte Zeit zur Verfügung. Der Recorder nimmt Vorbestellungen von bis zu 8 Sendeterminen entgegen. Der Clou sind die „Aufnahmeregeln“. Bei ständig wiederkehrenden Fernsehereignissen, genügt quasi eine Programmierung für alle Zeiten. So kann man aus den vorgegebenen Mustern auswählen, die da lauten:
-einmalig
-wöchentlich, z.B. immer dienstags zu einer bestimmten Zeit
-täglich, Montag bis Sonntag, immer um die selbe Zeit (z. B. Für die Tagesschau)
-täglich, Montag bis Samstag, immer um die gleiche Zeit
-täglich, Montag bis Freitag, immer um die gleiche Zeit.
Außerdem bleibt so mehr Platz für einmalige der PAL oder SECAM Norm entsprechenden Aufzeichnungen.
Da es keine Möglichkeiten zum Anschluss einer Stereoanlage gibt, entfällt auch die früher einmal sehr beliebte Archivierung von Tonträgern auf Videoband. Das fehlende Rauschunterdrückungssystem würde den Musikgenuss so oder so trüben, ebenfalls die automatische Aufnahmepegelaussteuerung, die ein manuelles Anpassen an die Quelllautstärke unmöglich macht.
Die Qualität bei Kopien von Videorecorder zu Videorecorder ist passabel und überwiegend von der verwendeten Quellmaschine ab. Auch hierzu empfehle ich die Verwendung eines Scartkabels.
MENÜ
Das logisch gegliederte Onscreen Menü beschert auch technisch wenig versierten Zeitgenossen keine unangenehmen Überraschungen.
Das Grundmenü ist wie folgt gegliedert:
Timer-Programmierung.
Hier lassen sich die 8 Programmierplätze nach Herzenslust entweder manuell oder mit VPS oder ShowView, mit Daten zu Aufnahmezeiten füttern.
Kanalvoreinstellungen
Dieses Menüpunkt wird automatisch bei Erstbetrieb oder nach längerer Trennung vom Stromnetz automatisch aufgerufen und ist bei Normalbetrieb nicht ansteuerbar.
Grundeinstellungen
Dahinter verbergen sich die Unterpunkte Uhreinstellung, Sprachenauswahl des Menüs, Konverterkanaleinstellung, Scart-2 Einstellung ( man definiert, ob sich ein Decoder oder anderes Gerät an diesem Anschluss befindet) und schließlich eine manuelle Umschaltfunktion für das 16:9 Bildformat.
Bandfunktionen
Manuell (!) muss die verwendete Bandlänge hinterlegt werden. Zur Auswahl stehen lediglich die Standardwerte E-180, E-240 und E-300. Sonderlängen, wie etwa bei Masterbändern üblich, finden keine Berücksichtung und können auch nicht individuell erfasst werden.
00:00 suchen spult selbsttätig zum Zählwerkpunkt 00:00, den man im Punkt
Zählwerk-Reset zurücksetzen kann. Das war es auch schon.
Die kinderleichte Navigation innerhalb des Menüs erfolgt über die Pfeiltasten, PR+ und PR-, sowie der OK-Taste.
FEHLER
Das Gerät arbeitet seit etwas über 4 Jahren fast fehlerfrei und zuverlässig. Einzig 3 „Abstürze“ waren bisher zu verzeichnen, welche sich etwa so bemerkbar machen: man schaut sich ahnungslos ein Video an, plötzlich macht es „klack“ und das Gerät spult wie von Sinnen mit wahnsinniger Geschwindigkeit das Band zurück. Eingaben über Fernbedienung oder am Recorder selbst werden eiskalt ignoriert. Nur ein beherzter Hechtsprung zum Netzstecker schafft Abhilfe. Danach passierte manchmal Jahrelang nichts dergleichen.
ZUR BEACHTUNG
Nach Beendigung der Timerprogrammierung muss der Recorder auf Standby geschaltet werden, sonst nimmt er nicht auf. Die unergonomische Fernbedienung habe ich ja bereits weiter oben erwähnt. Ein kurzzeitiger Stromausfall löscht alle gemachten Eingaben und Programmierungen, da gibt es wesentlich bessere Systeme, die ohne weiteres mehrere Stunden ohne „Saft“ klar kommen.
WEITERE FUNKTIONEN UND EIGENSCHAFTEN
Lobenswert ist die Kindersicherung, die zwar recht simpel via Fernbedienung aktiviert wird (einfach den „An/Aus“-Knopf für etwa 10 Sekunden gedrückt lassen), aber groben Unfug der Sprösslinge verhindert. Als nettes Gimmick lässt sich das Band per Fernbedienung auswerfen. Das Zählwerk arbeitet zuverlässig, man kann sich auf die angezeigte Restzeit eines Bandes verlassen. Auf Wunsch können Uhrzeit, aktivem Sender und Betriebsmodus, während der Wiedergabe in weißer Schrift auf den Bildschirm gezaubert werden, von wo sie alleine, nach einigen Sekunden, wieder verschwinden. Alles in allem arbeitet das Gerät sehr leise. Das grüne Display auf der Recorderfront lässt sich mühelos ablesen und gibt Auskunft über Bandgeschwindigkeit (Singleplay oder Longplay), Uhrzeit (die automatisch zwischen Sommer – und Winterzeit wechselt) oder auf Wunsch über die Spielzeitangaben. Auch die aktivierte Kindersicherung wird über ein kleines Schlüsselsymbol in rot angezeigt.
FAZIT
Der „DAEWOO VQ 717“ gehört sicherlich zur soliden Mittelklasse im Videorecorder-Segment. Die einfache Installation und der zwar nicht riesige, aber gut durchdachte Menüumfang, machen die Bedienung des Gerätes zu einem Kinderspiel. Die Tücken der Fernbedienung habe ich ja mehrmals erwähnt, was aber durchaus unglaublich ist, ist ihre Robustheit. Mindestens (!) zweihundert Stürze aus Tischhöhe und mehrere Dutzend ungewollte Flugeinlagen, verursacht durch unseren Ältesten in den letzten drei Jahren, konnte ihr nichts anhaben. Ein paar wirklich mickrige Kratzer hat sie abbekommen-mehr nicht! Auch ihr Hunger auf frische Batterien ist sehr bescheiden und ihre Reichweite ist großzügig. Der Recorder selbst hat drei Umzüge, alle Simpsons- und Next Generationfolgen im Longplaymodus mindestens 10 mal überlebt. Etliche Aufzeichnungen und Leihvideos wickelten brav ihre Bänder ab - keine Risse oder andere Beschädigungen waren bisher zu verzeichnen. Die automatische Spurlagenkontrolle (auf Wunsch manuell nachjustierbar) sorgte immer für eine optimale Wiedergabequalität. So langsam merkt das Alter doch an und eine Kopfreinigung wird wohl ins Haus stehen, da die Bildqualität etwas nachlässt. Der Stereoton ist nach wie vor ausgezeichnet. Bedauerlicherweise verfügt der „VQ 717“ über keine Hi-Fi Ausgänge, was eigentlich nicht zu viel verlangt gewesen wäre. Ebenfalls nicht sehr gut kommt die unhandliche Fernbedienung davon, über die 99% aller Funktionen gesteuert werden müssen.
Meine Empfehlung erhält das Gerät dennoch, da es seinen eigentlichen Zweck vollständig erfüllt und trotz seines Preises von damals ca. 300 DM/153,39 € (Verzeihung, Schwiegerdaddy) ein zuverlässiger und erstaunlich robuster Geselle ist, der (fast) alles hat, was man von einem Videorecorder erwarten kann. Wer auf der Suche nach einem Zweitgerät oder gutem Einsteigermodell ist, macht gewiss keinen Fehlkauf. Gebraucht ist er schon unter 50€ zu haben.
4 Sterne, einen muss ich für die fehlenden Anschlüsse, die hakelige Fernbedienung und die kurze „Gangreserve“ bei Stromausfall, abziehen.