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Testberichte Kurzgeschichten

Platz 3 in der Kategorie "Mitglieder schreiben Gedichte: Forum".
Bewertung: Kundenbewertung 4,70 / 5,00 4.6 von 5

Kurzgeschichten Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 4,70 / 5,00 4.6 von 5
von 24% aller Autoren empfohlen (57/238).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • die erwartete erweiterung..
  • Gänsehaut
  • :)
  • nix? oder etwa doch *grübel*
  • sehr reitz voll
Nachteile/Kritik
  • einbisschen vulgär
  • eventuell schlechte Träume *smile*
  • :(
  • nun ja muss man schon selber rausfinden *g*
  • auch nich
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Kapitel 2 des Meisterwerks!

ein Testbericht von 2004-07-24 15:19:18 vom 24.07.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: die erwartete erweiterung.....
Nachteile/Kritik: einbisschen vulgär
Vorwort:
Heute will ich euch noch eine meiner Geschichten, die ich zusammen mit dem DJMoench zusammen geschrieben habe, ans Herz legen.Wie gesagt haben wir Kapitel 1 zur Zeit nicht zur Hand.Gegen ende 2004 wird dann das ganze als Buch erscheinen und wir haben bald auch eine Homepage...
Genug geredet hier ist das Meisterwerk:

Kapitel 2
Mario-huana

Aber wusstet ihr eigentlich, dass nicht nur Mario Marihuana mag... ähm... raucht ([m]ich [m]liebe [M]Alliterationen), sondern eigentlich wir alle, eventuell mit ganz wenigen Ausnahmen. Wie so ziemlich jeder Jugendliche unserer Generation, rauchen wir, haben geraucht, würden rauchen, werden rauchen, werden geraucht haben, hatten geraucht gehabt, hätten geraucht, rauchten, hätten geraucht gehabt,...
Wer ganz fleißig ist und mir einen Brief schickt, in dem er alle eben benutzen Zeiten bestimmt, kriegt vielleicht einen Schokoriegel (die Jungs) oder einen Fick... ich meine natürlich Kuss- ihr wisst, was gemeint ist- (die Mädels).
...oder haben zumindest mal an einem Joint gezogen.
Was ist eigentlich ein Joint? Mensch, Leute, ihr wisst aber auch gar nichts. Ein Joint ist eine Haschischzigarette, man sagt auch, je nach dem, mit wem man chillt: Lunte, Tüte, Dschingis, Blunt, Dübel, JayJay, Spliff, Johnny, Jolly, Lernpaket und so weiter, wobei man das auch jeweils unterscheiden kann beziehungsweise muss.
Und dementsprechend waren wir auf der Suche nach einem Dealer, als wir den Burger King verließen. Pip und ich hatten zwar schon ein, zwei (okay, vielleicht auch drei oder vier) Dübel geraucht, bevor Mario zu uns stieß, aber nach dem gestillten Fress-Kick dachten wir uns: „Hey!“ und beschlossen, unseren Stammdealer zu kontaktieren (zu besuchen).
Für die ganz Dummen: ein Fress-Kick ist ein durch zu großen Marihuana-Konsum verursachter Hunger. Nicht irgend ein Hunger, sondern ein mordsmäßig gigantischer Hunger.
In der umweltfreundlichen Leinen-Tragetasche von Plus, die Pip in der Bäckerei erbeutet hatte, befanden sich noch knapp zweihundertfünfzig Euro in mehr oder weniger kleinem Geld (nichts größeres als ein Zehn-Euro-Schein, vordergründig allerdings Münzen), die wir gegen fünfzig Gs tauschen wollten.
G (sprich Dschie, wie „G“ auf Englisch)= Gramm. Ein G entspricht einem Gramm, zwei Gs entsprechen zwei Gramm... ihr kennt die Scheiße!
Unser Stammdealer wohnt im Hofgarten unter einer Parkbank und heißt Eddie. Er ist ein Penner- ihr habt schon richtig gelesen: Penner-, nicht irgend ein Penner, sondern ein richtiger Penner, ohne Obdach und so, statt dessen mit einer Obbank. Doch Eddie kommt zweifelsohne an verdammt gutes Gras ran.
Gegen halb sieben waren wir im Hofgarten angekommen.
Hofgarten= ...was, ihr seid noch nie in Bonn gewesen? Oder habt ihr nur noch nie was vom Hofgarten gehört? Beides ist gleichermaßen schlimm und müsste eigentlich mit einem obligatorischen Besuch der bezaubernden Ex-Bundeshauptstadt bestraft werden... Mensch, die haben noch nie was vom Hofgarten gehört, was geht ab, was für einen Haufen hirnloser Hampelmänner die doch darstellen.. na ja, dann werde ich euch wohl oder übel etwas darüber erzählen müssen, um eurem eher erbärmlichen Allgemeinwissen auf die Sprünge zu helfen:
Der Hofgarten ist der Park der zur der Bonner Uni, welche das Hauptgebäude der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ist und vor Urzeiten das kurfürstliche Residentzschloß gewesen ist, gehört. (Im Spätbarockstil 1725 vollendet!!!)
Eddies Bank war leer.
Pip raufte sich die Haare, ein Träne rutschte ihm die Backe runter, und er begann verzweifelt Eddies Namen zu schreien. Keine Antwort.
Doch plötzlich tat sich ein Gebüsch zweihundert Meter vor uns auf. Der durchgedrehte Neger Eddie trat hinaus und winkte uns zu sich rüber.
Winken= ...Mensch, Leute, das konnten sogar unsere Großeltern aus dem Effeff mit dem einen Arm...
Eddie hat sehr lange, graue, stinkende, verlauste und verfilzte Haare und einen ebenfalls sehr langen, grauen, stinkenden, verlausten und verfilzten Bart.
„Ey, Kinder, warum stört ihr mich beim Onanieren? Ich bin umgezogen“, sagte er, als wir vor ihm standen. „Wusstet ihr das noch nicht? Die Bank ist muftig geworden, dauernd haben diese arschgefickten Bullen Razzien gemacht.“
Muftig ist der absolute Gangster-Ausdruck für „gefährlich“ oder für „nicht mehr sicher“.
Gerade wollte ich ihm unser Problem schildern, da wandte er sich an Maggi: „Warum trägst du eine Brille?“
„Pip sagt, damit sie beschlägt, wenn ich mit dir verkehre“, gab sie zurück.
Eddie ließ seine von Dreck übersäte Hose runter.
„Der führt was im Schilde“, meinte Pip. „Der lockt dich in sein Homo-Nest. Moment, das ist meine Brille!“
„Hast du Bock auf Gelee-Bananen“, versuchte Maggi vom Thema abzulenken.
Ihr müsst wissen, die Mädels waren noch bei Kaisers gewesen, bevor sie uns im Burger King aufgesucht hatten. Deshalb waren sie zu spät gekommen, meinten sie.
„Was ist das?“, erkundigte Pip sich mit erstauntem Blick.
„Gelee mit Schokolade überzogen. Das Ganze hat die Form einer Banane.“
Maggi reichte Pip die Packung.
„Wo wir grade bei Bananen sind, wie sieht’s aus mit dem Verkehren“, wollte Eddie wissen.
„Kriege ich eines von deinen Strange Feelings Kondomen“, fragte Maggi Mario.
Nur sehr wiederwillig rückte Mario ein Gummi raus und die beiden Turteltauben verschwanden in Eddies neuer Wohnstätte.
Doch schon nach dreißig Sekunden kam Maggi wieder.
„Der ist schon gekommen, bevor das Gummi drüber war. Klingt komisch, ist aber so“, jammerte sie.
„Zieh mal die Hose wieder an“, sagte ich zu ihr, und sie leistete meiner Aufforderung Folge.
Nun trat auch Eddie völlig verschwitzt und mit einem riesigen gelb-weißen Fleck auf der Hose wieder zu uns und erkundigte sich, was wir eigentlich von ihm wollten.
„Ey, Alter, mach mal fünfzig Gs klar“, gab ich ihm die ihn interessierenden Informationen.
„Braune oder Grüne?“, forderte er noch mehr davon.
Braune= Summi.
Summi= Peace (manche schreiben das auch Piece, aber das sind Vollidioten, die sich ihre Informationen über Drogen aus der Bravo anlesen).
Peace= Haschisch.
Grüne= Politische Partei oder, in diesem Fall, Marihuana.
Marihuana= Gras.
Gras= ...verdammt, Mann, Gras! Habt ihr das erste Kapitel nicht gelesen oder Altsheimer?
„Grünes, du Horse“, meinte Pip.
Eddie guckte ihn unverständig an, da er kein Englisch verstand, warf Charlie allerdings dennoch ein fünfziger-Paket Gras in den Ausschnitt und legte noch zehn Gramm Summi für den „geilen Fick“ mit Maggi in deren Dekolletee.
Zehnerkurs ist Zehnerkurs, von was ist egal. Es könnten auch zehn dicke Eier sein.
Ich zückte zehn dicke Eier (und meine zwei) und verzog mich für die nächsten zwanzig Minuten mit Maggi in Eddies „Wohnung“, während Pip Eddie mit den Gelee-Bananen ablenkte, indem er sie in die Luft warf und mit dem Mund wieder auffing.
Völlig verschwitzt und mit mehreren weißen Flecken im Mundbereich und in den Haaren trat Maggi aus dem Gebüsch, ich folgte ihr, wobei ich ausgiebig ihren Arsch betrachtete und mich fragte, ob mir eine Penetration im Analberreich wohl weitere zehn dicke Eier wert wäre. Ich entschied mich dagegen.
„Zieh mal die Hose wieder an“, sagte Pip zu Charlie, welche daraufhin nach unten guckte.
Mit Hose sieht dieser Haufen von Hintern ja wirklich deutlich besser aus.
„Wo ist mein Gürtel hin?“, schrie sie schockiert.
„Oh, sorry.“ Maggi gab ihn zurück, und Charlie leistete Pips Aufforderung Folge.
Ich reichte Pip die total beschlagene Brille.
„Hier, wollte sie nicht vollspritzen, deswegen habe ich sie der Maggi eben schnell abgesetzt.“
Er bedankte sich überschwänglich mit einer Umarmung.
„Warum trägst du eine Brille?“, fragte Eddie Pip, nachdem dieser die Brille wieder auf der Nase hatte.
Er antwortete mit tiefer, schon annähernd maskuliner Raucherstimme: „Damit sie beschlägt, wenn ich mit dir verkehre.“
Pip verzog sich mit dem durchgedrehten Neger ins Gebüsch.
Doch schon nach dreißig Sekunden kam Eddie wieder.
„Der ist schon gekommen, bevor das Gummi drüber war. Klingt komisch, ist aber so“, jammerte er.
Wir- wir, das sind wir, nicht ihr- verzogen uns aus dem Hofgarten, nachdem wir Eddie, der dort blieb, die prall gefüllte umweltfreundliche Leinen-Tragetasche von Plus über den Kopf ausgeleert und stattdessen unsere Drogen darin deponiert hatten.
Mein Handy klingelte und ich meldete mich mit meinem üblichen „Ja, hallo erst mal!“ am Apparat.
Ey, ihr Penner, immer noch Siemens A52, obwohl mir Maggi einige verlockende Angebote gemacht hat!
„Alter“, meldete sich der schmachtende Ali B., „kannst du mir was klarmachen?“
„Ja, was denn? Hosenknöpfe?“, quälte ich ihn mit der sinnlosen Frage.
„Nä, ich brauch was für ein Lernpaket“, gab er schon fast heulend zurück.
Habt ihr nicht aufgepasst oder was? Ein Lernpaket ist ein Synonym für Lunte, Tüte, Dschingis, Blunt, Dübel, JayJay, Spliff, Johnny oder Jolly.
„Wir haben ein bisschen was am Start, dürfte für ein paar Tütchen reichen. Sollen wir vorbeikommen?“
„Wie viel habt ihr?“, steckte er seine Nase mal wieder in fremder Leute Angelegenheiten.
„Knapp fünfzig Gs Grüne, zehn Gs Summi“, verkündete ich stolz.
Für lange Zeit vernahm ich nur ein Sabbern, dann ein orgasmisches Stöhnen und das Spritzen, wie es erklingt, wenn frisches Ejakulat auf einen harten Untergrund wie zum Beispiel die Bildröhre eines Fernsehers trifft, zu guter letzt dann ein kaum hörbares Hecheln und einen stumpfen Schlag, wie es klingt, wenn der Körper eines besinnungslosen Menschen umkippt und auf Fliesenfußboden fällt.
„Nur ein bisschen?“, meldete sich Ali B. nach zehn Minuten wieder zurück.
Ihr müsst wissen, ich habe den Easy-Money-Tarif von O2, bei dem ich für jede volle Minute, die ich angerufen werde, 2 fette Cent kriege. Das sind bei einem Tag 28,80 €, in einem Jahr also 10.512 Euro. Das ist nicht nur für einen Gymnasiasten eine dicke Stange Geld, sondern auch für einen Realschüler. Deswegen habe ich Ali B.’s Orgasmus auch mitverfolgt, statt aufzulegen, wie es jeder halbwegs normale Heterosexuelle getan hätte.
Ein normaler Heterosexueller= ein Mann, der nur Männer liebt... Moment, wartet mal... ein Mann, der nur Frauen liebt, demnach also weder pädophil, homosexuell, metrosexuell, sodomitisch, päderastisch oder nekrophil, noch sonst in irgend einer Weise abartig veranlagt ist. So wie wir alle. Wir, das sind wir, nicht ihr, ihr Leichenficker!
„Wie viele seid ihr denn“, fragte er. „Weil, Helene und Wuschi sind schon hier.“
Helene, wie die Birne... wie, ihr kennt Birne Helene nicht? Wo lebt ihr?... ist ein Mädchen, Wuschi ihr Freund. Mehr dazu später.
„Zwei, drei Leute“, antwortete ich.
„Ja, okay, geht klar“, sagte er, und man konnte ihm, auch wenn man ihn nicht sah, die Schmacht nach einem guten Gras-Joint von den Lippen ablesen.
Ich legte auf, und Mario, Pip, Solomäuschen, Maggi, Charlie, Brötchen und ich gingen los, Eddie folgte uns in sicherer Distanz. Einige hundert Millimeter ließen wir ihn im Glauben, dass wir seine Anwesenheit nicht bemerkten, dann schickten wir ihn allerdings nach Hause. Er starrte uns noch einmal mit bettelnden Hundeaugen an, doch das half nicht, sodass er genötigt war, sich mit einem lauten Kläffen zu verabschieden. Hundert Meter von Ali B.’s Zuhause entfernt überkam uns jedoch die Schmacht, wir setzten uns in einen Hauseingang und drehten einen Joint.
Wie?... Ihr wisst nicht, wie ein Joint gedreht wird? Also...
Zutaten: Zunächst benötigt ihr Smoking Gold oder Slim (das ist das gleiche) Long-Papers; na gut, OCBs gehen auch. Dann nehmt ihr ein Päckchen Tipps (= ein Mundstück, so eine Art Filter; wenn ihr keine vorgefertigten am Start habt, könnt ihr auch eine Ecke von eurer Kippenschachtel, ein Fahrtausweis für die Londoner U-Bahn oder andere, aus ähnlich geartetem Material gefertigte Utensilien), Tabak, den ihr allerdings auch einer Zigarette entnehmen könnt, und natürlich Gras oder Peace. Grünes kann man jedoch auch pur rauchen.
Vorbereitung: Man rolle den Tipp zu einem Röllchen, je nach Geschmack eher eng oder locker, wahlweise zu einem S-, M- oder O-Tipp. Nun muss die THC-haltige Substanz mit dem nikotinhaltigen Tabak vermengt werden, nachdem ersteres fein pulverisiert wurde. Diese Mischung und der Tipp sollten nun von einem Long-Paper umhüllt werden und- voilà- fertig ist der Dschingis!
Durchführung: Anzünden, tief inhalieren, Spaß haben, Baby!
Nach unserer leckeren Lunte liefen wir die letzten Meter zu Ali B.’s Haustür und klingelten. Er öffnete uns und wir sahen im Hintergrund Wuschi und Helene, die sich schnell ihre Oberteile anzogen.
Brötchen fiel ihrem Freund um den Hals und steckte ihm ihre Zunge sehr tief in denselben, bevor sie fragte: „Hast du Eddy Croco, mein Schatz?“
„Strange Feelings sind aber besser“, warfen Mario und Solomäuschen ein.
„Was?“, meinte Brötchen entsetzt. „Mir sind die viel zu strange.“
„Lasst euch nicht lumpen, bewegt eure Knackärsche in mein bescheidenes Heim“, unterbrach Ali B. die hitzige Diskussion, die sich gerade anbahnte. „Verdammt, eure Augen sind aber übelst rot, und ihr habt schmale Linsen.“
„Ja klar, wir waren im Hofgarten“, erklärte ich ihm mit einem breiten Grinsen.
Breit= in der Breite groß oder, wie in diesem Fall, high, bekifft, so wie besoffen halt, nur von einem oder mehreren Joints.
Wir traten ein.
„Hey, wo ist mein BH?“, fragte Helene, nachdem sie von Maggi umarmt worden war. „Na ja, egal, ich wollte nachher sowieso einen anderen anziehen. Ich weiß aber noch nicht, welchen. Komisch, ne?“ Sie lächelte kindlich und lief rot an, machte dazu hehehehe.
„Charlie, mach mir mal bitte den BH zu“, bat Maggi die Blondine.
„Selbstverständlich“, antwortete diese.
Körbchengröße 75 A, das ist gar nichts. Mein Bruder hat 75B!
„Merci“, bedankte Maggi sich.
„Bonjour“, sagte Charlie.
„Was?“, erklang es aus allen Mündern, während jeder seinen Blick auf Charlie richtete.
„Ja, woher soll ich den wissen, was ‚bitteschön’ auf Französisch heißt?“, versuchte Charlie, sich zu rechtfertigen.
„Maggi, du kennst dich doch mit Französisch aus, oder?“, zwinkerte ich ihr zu. Pip lachte mal wieder stupide.
Maggi wurde rot, überlegte aber trotzdem. „Auf Englisch heißt es ‚You are welcome!’“
„Hey, hast du auch Englisch gelernt?“, erkundigte Mario sich. „Mir geht das ziemlich auf den Sack.“
„A propose Sack, hast du ihn schon gebügelt?“, meinte ich.
„Wie treibt man es denn Englisch?“, wollte Pip wissen.
„Gibt’s nicht“, informierte ich ihn.
„Natürlich gibt es das. Englisch ist einfach nur Sado-Maso“, verbesserte Mario mich, schockiert über meine Unwissenheit.
„Vielleicht“, schlug Maggi vor, „heißt es dann auf Französisch ‚Tu es bienvenu’.“
„Haltet mal alle eure Klappen“, schrie der schmachtende Ali B.. „Wollen wir das Labern nicht auf morgen verschieben und statt dessen einen Dübel rauchen.“
Wir begrüßten diesen Vorschlag mit lauten Jubelschreien, und ich baute eine weitere Tüte... die ersten Joints waren noch angenehm. Ich habe nicht mitgezählt, ich glaube, es waren zehn. Wie auch immer, jedenfalls waren wir bald alle ziemlich high.
„Hey“, schrie Helene, während der schöne weiße Rauch sich langsam verzog „Wer will mir den Arm brechen? Komisch, ne?“ Sie lächelte kindlich und lief rot an, machte dazu hehehehe.
„Ich“, riefen wir alle wie im Chor, doch Ali B. schrie am lautesten, sodass er Helenes Aufmerksamkeit erreichen konnte.
Helene ist Masochistin. Ali B. ist Sadist. Wuschi ist eine Muschi... im übertragenen Sinne. Ihr müsst wissen, er hat schulterlange Haare und ist deutlich weniger behaart als seine Freundin. Schon vergessen? Helene und Wuschi sind ein Pärchen, genauso wie Ali B. und das Brötchen, Solomäuschen und Mario, Siegfried und Roy, Herkules und Fraukules (oder so) und Kentucky und die Hühner...
Helene ist nämlich stark behaart,
ich seh’s an ihrem Damenbart,
Achselhaare hat sie auch,
und Schambehaarung bis zum Bauch!
Wuschi rasiert sich die Beine... Moment, nein, das war Mario. Ich verwechsele die beiden jedes Mal, obwohl sie sich nicht gerade ähnlich sehen.
Mario rasiert sich die Beine,
jetzt hab’ ich keine Reime,
ach doch, ich habe eine,
nur noch eine kleine:,
Solomäuschen steht darauf,
auch sie hat Haare auf dem Bauch,
Stopp!, wir wollen nicht so schleimen,
auch sie hat ’nen Pelz auf den Beinen,
da wohnen sogar Tiere drin,
ein Bär und ein Delphin,
eine Katz’ und eine Laus,
und eine zweite Solomaus,
ich hab’ kein’ Bock, ich reim’ beschissen,
und ich muss jetzt leider pissen.
Ich ging auf die Toilette. Als ich wieder kam, drehte sich bei den anderen immer noch alles um Helenes Ruf nach Grausamkeit.
„Um den zu brechen, brauche ich aber einen Hammer“, meinte Ali B..
„Und einen Rasierer“, dachte ich, als ich Helenes entblößte Arme sah.
Jemand schrie: „Zeig uns mehr Haut und ich muss kotzen.“ Ich glaube, es war Wuschi. „Komisch, ne?“, fügte er verarschend hinzu.
„Ich habe meine Hammersammlung dabei“, sagte uns die Kleptomanin. „Wisst ihr, ich war gestern im Praktiker Baumarkt und mir war langweilig. Ach ja, braucht jemand eine Motorsäge? Rolex-Uhren?“
„Ja“, rief Wuschi. „Ich will Helene rasieren und gucken, wie lange das dauert.“
„Das sind keine Kalender sondern Uhren“, meinte Maggi. „Aber einen Kalender habe ich auch.“
„Hey, das ist meiner“, merkte Ali B. an, als Maggi dabei war, den Kalender von seiner Zimmerwand abzuhängen. „Du hast auch schon einmal unauffälliger agiert!“, versuchte er sie zu belehren.
„Ach, leck mir doch die Muschi“, meckerte Maggi.
Ich lieh Ali B. zehn dicke Eier und die beiden verzogen sich für drei Minuten ins Badezimmer, während Pip Ali B.’s Freundin mit den restlichen Gelee-Bananen ablenkte, indem er diese in die Luft warf und mit dem Mund wieder auffing (die Bananen, nicht das Brötchen).
„Der Junge kann’s gut mit der Zunge“, lobte Maggi ihn, als sie zurückkehrten.
Helenes Arm war immer noch heil.
„Verdammt, dann mach’ ich es mir halt selber“, jammerte sie und steckte die Finger in ihren String.
Ich verlor die Geduld...
Dieser Arm musste einfach gebrochen werden, das war sein Schicksal, und sie wollte es doch auch.
Ich zog noch ein Mal an meinem Dübel, machte elf Rauchringe, einen durch den anderen hindurch, und drückte den Stummel an Helenes linkem Arm aus.
Pip raufte sich die Haare, eine Träne rutschte ihm die Backe runter und er trat mit voller Kraft erst in Helenes Gesicht, dann ebenfalls gegen ihren Arm.
Mario zauberte eine leere Flasche aus dem Nichts und prügelte mehrere Male auf die gleiche Stelle ein, Solomäuschen biss zu und Charlie lieh sich die Motorsäge von Maggi.
Ich sage doch, die ist asozial drauf.
Doch bevor sie diese einsetzen konnte, war Helene unter ein Bett gekrochen, wo sie laut wimmernd, später dann allerdings eher stöhnend ihre Masturbation zuende führte.
„Danke Leute, aber man kann’s auch übertreiben“, merkte sie an, als sie fertig war. „Aber ich habe es wirklich gebraucht. Komisch, ne?“ Sie lächelte kindlich und lief rot an, machte dazu hehehehe.
Nach einer kurzen Pause des Schweigens schlug sie sich mit einem Hammer auf den Kopf und fügte hinzu: „Hey, Leute, Speed ist keine schlimme Droge, ich habe mich bei meinem Dealer informiert. Ich kriege sogar einen Einstiegspreis.“
Maggi durchsuchte ihre Taschen und fragte: „Welchen Kurs hast du denn? Ich kann dir auch noch was anbieten. Ach, übrigens“, sagte sie noch, „braucht jemand eine Fechtmaske? Die leuchtet, wenn man sie berührt.“
Wir winkten ab.
„Ey, Leute!“, informierte ich die ganzen Junkies. „Die CDU wurde gerade ins Europaparlament gewählt!“
„Was?!“, schrie Helene entsetzt auf. „Ich bin zwar total drauf, aber nicht so, dass ich die CDU gewählt hätte!“
Sie schlug sich erneut mit dem Hammer auf den Kopf, indem sie „Oh Schmach, oh Schande, oh SPD, was machst du nur, in diesen Tagen, nun, wo die Christen kommen?“
„Wie kann man nur politisch so ungebildet sein und die CDU wählen? Ich glaube, wir sollten die Christlich Demokratische Union mit ihrem Namen richtig flaxen?“, meinte Pip.
Flaxen= derbe Späße auf Kosten einer schlechten politischen Partei treiben; jemanden auf die Schippe nehmen; in die Pfanne hauen; die Fleischpeitsche polieren, die Banane schälen... oh, die letzten beiden waren was anderes... ihr wisst, was gemeint ist.
„Clowns Deutscher Union“, schlug Ali B. vor.
„Chaotisch dummer Unsinn.“ Maggi.
„Chronisch debile Undemonkraten“, gab Brötchen zum Besten.
„Castrierte Dackel-Union“, steuerte Charlie bei.
Mit der Rechtschreibung hatte sie es noch nie so. Ihr Vorschlag dürfte wohl ihre Fünf in Deutsch erklären. Dafür hat sie ein Sehr Gut in Politik.
„Christlich-dämliche Unsympathen“, sagte Wuschi.
Der Pipinator begann zu freestylen.
Freestlyen= eine Expressionsmöglichkeit im HipHop, bei der ein Raptext während des Vortragens frei assoziiert wird.
„Christlich-deutscher Urin,
wo muss denn dieses hin?,
bloß nicht in die Wahl-Urnen,
weil sie sonst nur rumturnen,
im deutschen Bundestag,
was keiner sehen mag,
und hören müsst’ man’s auch,
diesen Wahlmissbrauch,
drum sei kein Frosch und bau kein’ Scheiß,
und setzt dein Kreuz in ’nen anderen Kreis,
die Partei der bibeltreuen Christen,
die sollt’ man auch mal ordentlich fisten,
auch bei der FDP,
da sag’ ich deutlich: ne!,
selbst die deutsche Frauenpartei,
ist mir völlig einerlei,
drum zieht die anderen vor,
dann rollt der Ball ins Tor,
das Fazit nun zum Schluss:,
geht lieber in den Puff!“
„Fresher Rap, Alter“, applaudierten wir.
Vor dem Fenster sahen wir den Stoiber noch immer die passende Beatbox liefern.
Pip verneigte sich erst vor uns, dann in Richtung Stoiber, zückte dann sein Kuchenmesser und rannte dem Bayer hinterher, bis dieser seinen BMW erreicht hatte und die Flucht ergriff.
„Christliche deutsche ‚Un’-Parteiische“, warf ich meine Idee in den Raum und lachte mir die Kehle wund.
„Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei“, meinte Helene.
Schweigen kehrte ein.
„Jetzt lacht doch“, bettelte Helene. „Die haben sich nur umbenannt.“
Nun waren wir uns endlich sicher, dass sie das mit dem Speed schon ausprobiert hatte, und die Hammerschläge zeigten auch langsam ihre Wirkung.
Zu Helenes Glück unterbrach das schrille Piepen von Charlies Handy, dass ihr das Eintreffen einer SMS signalisierte, unsere Unterhaltung.
Sie las vor: „Hi, Charlotte, was macht ihr grade. Ich muss noch Babysitten. Komme aber nachher (doppelt), also raucht nicht das ganze Gras weg. UND WER VON EUCH HAT DIE cdu GEWÄHLT? Hab’ dich lieb, Kuss (und mehr), Line. P.S.: Die Inflation liegt jetzt schon bei 3,5 Prozent, dank der CDU.“
Line ist relativ klein, so um die eins vierzig. Und Line ist pädophil. Klingt komisch, ist aber so. Line trägt eine Brille, damit sie beschlägt, wenn sie mit den kleinen Kindern verkehrt. Sie hat keinen Freund, aber sie kommt öfter als wir anderen alle zusammen.
Ali B. brüllte rum wie ein Affe, der sehr laut rumschreit. Anfangs war es nur unverständliches Gebrabbel, doch nach einigen Minuten kam seine Freundin auf eine glorreiche Idee: Sie schlug ihm auf den Hinterkopf, sodass seine Worte nun nicht mehr von fremden Zungen waren, und leider auch nicht mit gespaltener Zunge vorgetragen. Schließlich erklang also: „Mensch, das Bier ist alle, keine Kippen mehr am Start, die Papers sind aufgebraucht, und ich brauche Kondome und Süßigkeiten gegen meinen Fress-Kick!“
Niemals, hört ihr, niemals, nicht in tausend Jahren, dürft ihr den Geschlechtsakt ohne Pariser ausüben, es sei denn, ihr kennt das Mädchen länger und wisst erstens, dass sie die Antibabypille nimmt, und zweitens, dass sie mit keinerlei sexuell übertragbaren Krankheiten infiziert ist. Vorraussichtlicht, ihr wollt kein kleines nerviges, unter Umständen jedoch eventuell süßes Kind am Hals haben, das euch drei Mal pro Nacht aus dem Bett jagt und die Windeln gewechselt haben möchte, sodass ihr den Geschlechtsakt vermutlich drei Jahre lang nicht mehr vollziehen könnt, plus die neun Monate, wo euer Mädel durch diesen fetten Bauch absolut unansehnlich und gesellschaftlich untragbar ist, plus die ungezählten Jahre danach, wo sie Schwangerschaftsstreifen und abgekaute Hängetitten hat.
„Ihr Dreckspusher“, sagte ich. „Ich bin alles andere als ambitioniert, zur Tanke zu torkeln, telephonieren wir lieber mit dem Oriant Express (Name wurde abgeändert; die Autoren), der arrangiert alles Angeforderte, aber avanti. Stellungnahmen?“
Ich schaute mich um. Alle saßen oder lagen mehr oder weniger breit auf den Sofas rum und waren nicht mehr in der Lage, auch nur einen Finger zu rühren, geschweige denn, zu antworten. Daher „lieh“ ich mir eines von Maggis sieben Handys und wählte die rettende Nummer.
„Oriant Express, guten Abend?“, meldete sich der Mann am anderen Ende der Leitung.
„Ja, hallo erst mal. Ich hätte gerne einen Döner“, fing ich an, die Bestellung aufzugeben, wobei er mich allerdings sofort unterbrach.
„Zwei Döner?“
„Nein, einen Döner!“
„Wie, einen Döner?“
„Ja, nur einen Döner halt.“
„Zwei Döner?“
„Nein, einen Döner. E-I-N-E-N!“
„Z-W-E-I D-Ö-N-E-R?”
„Einen! Uno! One! Un! Adin!”
„Zwei? Due? Two? Deux? Dwa?”
„Verdammt, Mann, einen!“
Der Mann lachte sich kaputt und sagte: „Okay, ich lass’ die Scheiße. Also... drei Döner?“
Ich kreischte in den Hörer.
„Du Summi oder was?“, fragte der Mann. „Bleib mal cool. Einen Döner, stimmt’s?“
„Ja.“ Ich besann mich jedoch plötzlich und meinte: „Ach, nein, geben Sie mir zwei Döner, je zehn Strange-Feelings und Eddi Croco, zwei Kästen Reißdorf, Smoking Gold, zwei Pullen Wodka, ein Fass Jim Beam, sechs Big-Packs Camel Blue und sieben Big-Packs Elexyr, die stärkeren, außerdem drei Nutten und ein G Speed.“
„Für Nutten und Drogen musst du meinen Bruder anrufen, ich mache keine krummen Geschäfte“, sagte er, fügte dann aber leise flüsternd hinzu: „Zumindest nicht am Telephon.“
„Aber der Rest geht klar?“, erkundigte ich mich.
„Null problemo, kommt in wenigen Minuten.“
Ich legte auf und wandte mich an die Runde, die mittlerweile noch lascher aussah: „Leute, jemand muss zur Tanke gehen, wir haben kein Geld mehr.“
Pip sprang begeistert wie ein Affe, der aufspringt, auf, zückte sein Kuchenmesser und verschwand in der Düsternis der Nacht.
Nach vier Minuten heftigen Spurtens bekam er Seitenstiche und ging langsamer, sodass er erst nach acht Minuten die Strecke, für die man normalerweise hundertachtzig Sekunden braucht, zurückgelegt hatte. Er stürmte in den Shop der Tankstelle und schrie: „Geben Sie mir das Geld in einer braunen Tüte!“
„Nein“, weigerte sich der unterbezahlte Aushilfs-Student, indem er eine Pump-gun unter der Theke hervorzog und begann, sie aufwendig zu laden.
Als er fertig war, hatte der Pipinator sich bereits die Registrierkasse geschnappt und sie in einen dunkelgrünen Mercedes CL 500 eingeladen, dessen Besitzer er nun mit seinem Kuchenmesser nötigte, zu Ali B.’s Adresse zu fahren.
„Kein Problem“, sagte der Besitzer und deutete auf den Rücksitz. „Ich muss sowieso hin und da ein paar Döner abliefern.“
Eine Freudenträne rutschte Pip die Backe runter.
„Du bist mein einziger Freund“, meinte er, während er sein Kuchenmesser zärtlich liebkoste und es sich sanft rektal einführte.
„Da lacht die Prostata gleich mit“, kommentierte der Fahrer diese Aktion. Als Pip gekommen war und die analen Blutungen mit einem Tampon aus seinem Erste-Hilfe-Koffer gestoppt hatte, fügte der Mann noch hinzu: „Warum trägst du eine Brille?“
„Das würden Sie eh nicht verstehen... hat was mit Gruppenzwang und dem Placebo-Effekt zu tun.“
Der Fahrer horchte auf. „Erzähl’ mir mehr davon!“
Nur widerwillig ließ Pip sich breitschlagen: „Erstens: Gruppenzwang. Ich meine, stellen Sie sich mal Folgendes vor: Familienfest! Omas, Opas, Eltern... Sie kennen die Scheiße. Alle Reden von Inflation. Lauter alte Säcke, die ohne ihre Tablettenrationen, Matlock und einen täglichen saftigen Tritt in den Allerwertesten nicht mal mehr gerade sitzen, geschweige denn reden könnten, haben sich um mich rum gesetzt, und mir dämmert: Damn, ich hab’ die Alten unterschätzt. Denn ist es nicht rührend, diese versammelten Reste von lustlosem Leben, die vereint nicht einmal eine Wasserratte über Wasser halten könnten, beieinander zu sehen, wie sie sich in schrumpeligen Scharen zusammentun, um noch ein letztes Mal über die zänkischen Zeiten kurz nach dem katastrophalen Krieg zu reden, als sie knorrige Kartoffeln vom fruchtlosen Feld des päderastischen Bauern im nächsten Dorf klauen mussten, damit sie eine Beilage zu ihren spröden Schuhsohlen hatten. Plötzlich fällt mir auf, dass mit jenem Krieg der deutsch-französische Krieg gemeint ist, und mir kommen die Tränen. Das ist der erste Grund, warum ich eine Brille trage. Der zweite ist, wie bereits erwähnt, medizinischer Natur. Sagt Ihnen das Stichwort ‚Placebo-Effekt’ etwas?“
„Ja“, antwortete der gebannte Fahrer.
„Gut“, fuhr der Pipinator fort. „Amerikanische Wissenschaftler haben in einer Studie für 42 000 $ festgestellt, dass Brillenträger zu siebenundneunzig Prozent schlechtere Augen haben als Menschen, die keine Brille tragen. Solange also eine Brille auf meiner Nase ruht, gehöre ich einer deutlichen Mehrheit an, was in Anbetracht meiner Zukunftspläne, eine Karriere in der Politik zu beginnen, nur von Vorteil sein kann. Was wählen Sie?“
„CDU!“
Pip schwieg. Auf diese Antwort war er nicht eingestellt gewesen. Tausende von Gedanken rasten durch seinen Kopf.
„Soll ich ihn umbringen? Ja! Abstechen? Erschießen? Erwürgen?...“
Doch der Mann unterbrach seine Denkarbeit, indem er laut auflachte und sagte: „War nur ein Witz, ich bin ja nicht blöd!“
Erleichtert, einen Menschen weniger auf seiner Liste zu tötender Leute zu haben, atmete der Pipinator auf. Es blieben noch Edmund Stoiber, George Bush und George Bush Junior, Jeff Bush, Angela Merkel, Boris Becker, Micky Maus, Herr Wolfshohl, Andre Rieu, Adolf Hitler, Hans Wurst, Charlie, Hinz und Kunz.
Moment, nein, das war die Liste der Leute, mit denen er gerne Geschlechtsverkehr haben würde! Hier die wahre Liste:
Edmund Stoiber, George Bush und George Bush Junior, Jeff Bush, Angela Merkel, Boris Becker, Herr Wolfshohl, Andre Rieu, Hans Wurst, Charlie, Maggi, Mario, Brötchen und Felix Riefer, probably the coolerst guy in town.
Endlich quietschte der Mercedes qualvoll voll vor dem Haus und die beiden stiegen aus.

Während dessen war mir verdammt langweilig, denn so ziemlich alle waren am pennen oder hatten Pärchenweise die Schlaf- oder andere Zimmer besetzt gehabt, um ihren schweinischen Bedürfnissen nachzugehen. Da ich aber nicht gerade schweinisch veranlagt bin und nicht müde war, hatte ich gar nichts zu tun. Also rollte ich mir noch einen Blunt...
Nein kein puren, ich rauche doch kein puren Joint alleine, ihr seid aber komische Vögel!
Ihr kennt doch diese Bluntpaper (Zigarrenblättchen mit verschiedenen Geschmäckern)
Kann man auch in jedem Galactic für ca. 1 €uro erwerben, aber erst ab 16! Na ja, jedenfalls hab ich dann so eines benutzt (mit Cosmopolitaingeschmack!)
...und schlenderte zur Tür, um mich raus auf die Eingangstreppe zu setzen, doch diese war schon von Charlie besetzt. Als ich näher kam, sah ich sie kotzen, und neben ihr stand noch eine halbvolle Jack Daniels Flasche.
Ich nahm neben ihr Platzt und fragte etwas genervt: „Warum zum Teufel besäufst du dich hier ganz alleine? Hättest mich ruhig mitnehmen können, da drin ist tote Hose!“ „Ach“, antwortete Charlotte, während sie die Kotze von ihrem Mund mit dem Ärmel wischte. „Ich trinke, um meine Probleme zu ertränken!“
„Aha, und geht es dir jetzt besser?“, erkundigte ich mich.
„NEIN!“, schrie sie seufzend „Die Bastarde können schwimmen!“
Ich haute den Blunt an und inhalierte den köstlichen Qualm, welcher den Geschmack von Gras, Cosmopolitain und Camel Tabak hatte.
Wie anhauen? Kennt ihr nicht? Ich sag doch ihr seid komisch Vögel. Also Anhauen bedeutet: Den Joint anzünden. Ihr Möchtegern-Kiffer.
„Gib mir auch ein Zug“, sagte Charlie und bediente sich selbst, und da ich etwas zitterte, fügte sie noch hinzu. „Warum zitterst du so? Ist dir kalt?“
„Ach ne, mach dir keine Sorgen, das liegt nur daran, dass ich heute noch keinen Whiskey getrunken habe“, erklärte ich ihr mein Problem und nahm ein Schluck von der Flasche. „Und dir?“
„Nein, auch nicht, Thermo-Unterwäsche!“ sagte sie und zwinkerte mir zu.
Eine Weile kam Nichts.
Dann erkundigte ich mich: „Kennst du schon die Peniskuchen-Geschichte?“
„Die Was?“ fragte Charlie.
„Du hast schon richtig gehört die Peniskuchen Geschichte!“
Sie starte mich noch immer unverständlich an, zog den letzten Rest des Blunts weg, versuchte ein Paar Rauchringe, schnipste aber dann den Stummel weg und meinte ungeduldig: „Ja, dann weihe mich doch ein du Penner!“

Leider ist Geschichte zu lang!es kommt noch teil 2

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2004-07-18 12:11:35 mit dem Titel Die Vortsetzung von Kapitel 2!

....„Also gut“, fing ich dann an. „Der Halbmond warf blassblaues Licht vom klaren Himmel, da zog ein Junge seinen Pimmel, und ging mit dem über einen Kuchen, dann fing die Mutter an zu fluchen: ‚Was soll ich jetzt mit deinem Peniskuchen?’“
Charlie guckte mich an und sagte etwas genervt: „Alter, verarsch mich nicht, das war nie im Leben die wahre Geschichte!“
Doch bevor ich mich rechtfertigen konnte, hörten wir ein Quietschen, welches man erhört, wenn ein dunkelgrüner Mercedes CL 500 in eine Straße einbiegt, und genau so war es auch. Dieses edle Fahrzeug blieb ebenfalls mit einem lauten Quietschen direkt vor unseren Augen stehen und verursachte durch dieses aufwendige Anhalten eine riesige, stinkende Staubwolke, sodass wir einige Zeit nichts zu sehen vermochten.
Als wir unser Augenlicht wieder erlangt hatten, erblickten wir den Pipinator und einen südländischen Typen, der sich abquälte, das Jim-Beam-Fass aus dem Kofferraum zu hieven.
Seit wann Pizzerias in einem Mercedes CL 500 ausliefern, wollt ihr wissen? Erstens: Wir sprechen hier vom „Oriant Express“! Das ist nicht irgendeine Pizzeria, sondern eine von Kamps... ach, Schwachsinn, eure ständigen scheiß stressigen Fragen unwissender Unionsmitglieder bringen mich total druchneinandre... Also, ihr müsst wissen, der „Oriant Express“ macht keine krummen Geschäfte am Telephon, weswegen er keineswegs verwegen, sondern absolut legal, rechtschaffen, legitim und demokratisch ist... natürlich demokratisch, Diktatoren machen immer krumme Geschäfte am Telephon!
Nachdem wir die Registrierkasse geleert und bei dem Südländer bezahlt hatten, stürmten wir grölend ins Haus und ließen die Party damit wieder aufleben. Charlie strippte auf dem Fass, Helenes Höschen war höllisch nass, und wir hatten alle furchtbar Spaß.
Nicht, weil Helene geil war, sondern weil sie wieder die Kontrolle über ihre Harnröhre... gibt’s das überhaupt bei Frauen?... verloren hatte.
Pip lehnte sich zu Maggi rüber, die gerade versuchte, ihm das Handy aus der Tasche zu fischen.
Prise One Touch… ach nein, Alcatel One Touch Easy!
„Maggi“, sagte er. „Ich will dir jetzt mal was sagen.“
Er wirkte ein wenig betrunken, ein wenig bekifft, und ich vermutete, dass er Helenes Speed-Vorräte aufgespürt und geleert hatte. Das ist ja überhaupt nicht gefährlich!
Er fuhr fort: „Man nehme eine Laborratte. Durch ihre Adern fließen neben ihrem Blut und verschiedensten Chemikalien auch Unmengen Adrenalin. Wodurch entsteht aber dieses Adrenalin? Lange tappte ich, also, der Piplander, im Dunkeln und konnte einfach keine Erklärung dafür finden.
Deshalb machte er ein Experiment. Er nahm zwanzig eingesperrte Laborrattenjunge, von denen er nun zehn in transparenten Gefängnissen und zehn in dunklen Kästen hielt. Vor dem Versuch, nach fünf, zehn und zwanzig Tagen maß er je die Adrenalinwerte aller Versuchsobjekte. Während die Werte der praktisch ‚geblendeten’ Ratten, die ihre Umwelt nicht sehen konnten, von, in relativen Einheiten, die der Piplander ‚Piplander’ nannte, anfänglich sieben erst auf sechs, dann auf fünf und schließlich sogar auf dreikommafünf Piplander sanken, stiegen die Werte jener Versuchstiere, die aus ihren Käfigen herausschauen konnten, von sieben beharrlich an. Nach fünf Tagen lagen sie bei siebenkommavier, nach zehn bei siebenkommasechs und am Ende des Versuchs bei siebenkommasieben Piplander. Soweit zur Beobachtung. Eventuell sollte ich noch hinzufügen, dass der Endwert, den eine durchschnittliche Laborratte hat und der bei achtkommazwei Piplander liegt, nach fünfundfünfzig Tagen in einem durchsichtigen Gefängnis erreicht ist. Bei den Ratten in den abgedunkelten Kästen sanken die Werte etwa bis zum dreißigsten Tag, wo sie bei zweikommasechs Piplander lagen.
Nun die Deutung: Die Laborratten mit steigenden Adrenalinwerten hatten stets ihre potentielle Freiheit, die böse Welt, in die sie nach Erfüllung ihres Zwecks könnten ausgesetzt werden, vor Augen, während jene anderen Ratten vielleicht nicht einmal um die Existenz von mehr als ihrer Welt und dem messenden Piplander wussten.
Adrenalin ist ein Neurotransmitter, welcher wiederum zu der Gruppe der Katecholamine gehört. Dieser wird im Mark der Nebenniere und in den Ganglien des Sympathikus aus der Aminosäure Tyrosin gebildet, wobei als Zwischenprodukte DOPA, Dopamin und Noradrenalin entstehen. Adrenalin wird unter anderem als Reaktion auf Bedrohungen, Gefahren, bei Angst also, ausgestoßen, wodurch es für den Organismus, welchen es durchfließt, eine dopingähnliche, leistungssteigernde und reflexverbessernde Funktion einnimmt.
Demnach hatten die Laborratten, die ihre Umgebung sehen konnten, also Angst vor der Freiheit.
Quod erat demonstrandum!
Als letzten Beweis maß der Piplander noch die Adrenalinwerte von zehn freigelassenen Ratten vier Mal täglich, stets zu willkürlichen Zeiten, über einen Monat hinweg und bildete einen Durchschnittswert daraus. Jetzt ratet mal, wie hoch dieser ist. Ach, ihr habt ja eh keine Ahnung, ich sage es euch einfach: Er liegt bei achtkommaacht Piplander! Na, wenn das mal nicht eine fette Sache ist.
Quod licet Iovi non licet bovi!”
Maggi tanzte schön längst auf der anderen Seite des Raumes mit Line, die eben gekommen war, nachdem sie beim Babysitten gekommen war, und bei der sie nun versuchte, Handtasche, Hose, Brille, Gürtel, Schuhe, Top, BH, Slip und Tampon zu entwenden. Sie scheiterte an der Thermo-Unterwäsche.
Ja, Line, wie die Halbfett-Margarine!
„Mario“, flüsterte ich dem seltsamen hässlichen Vogel mit der Mütze zu. „Wollen wir uns nicht einen Dübel reinziehen... zu zweit?“
„Nichts lieber als das... außer vielleicht Sex mit Shannyn Sossamon“, wisperte er zurück.
Wir beiden verließen Ali B.’s Haus und setzten uns auf die Stufen, die zur Eingangstür führen. Ich baute ein Lernpaket und zündete es an.
„Das ist das dolce vita!“, meinte ich.
Mario stimmte mir zu, riss mir den Joint aus der Hand und zog zwar zögerlich, doch genüsslich daran.
„Es geht doch nichts über einen guten Joint!“, hauchte er zärtlich.
„Ja, Alter, reich mal rüber“, antwortete ich und fügte dann, um seine Gedanken von dem Joint auf ein anderes Thema zu lenken, sodass ich doch alleine rauchen konnte, hinzu: „Erzähl mir mal was Schönes!“
„Na gut“, kapitulierte er nach einigen unwürdigen und erbärmlichen Versuchen des Widerstands. „Kennst du schon die Halbfabel vom kleinen Land und seinem Bullen?“
„Nein, leg los!“ Ich zog leidenschaftlich an dem Dübel und lehnte mich zurück, um Marios süßer Stimme zu lauschen.
Er begann: „Es war einmal vor langer Zeit, als die Reichen noch immer reicher und die Armen noch immer ärmer wurden... also doch nicht unbedingt so lange her, die Geschichte, könnte glatt im Heute spielen; tut sie vielleicht auch, man weiß es nicht so genau... jedenfalls war es vor einiger Zeit, als man noch CDU wählen konnte, ohne massakriert zu werden, als man noch Christ sein konnte, ohne ausgelacht zu werden, als man noch Gras rauchen konnte, ohne verhaftet zu werden, und als man noch pimpern konnte, ohne Kondome zu benutzen, da die Abtreibung dann Sache der Frau war, die man einfach nur verlassen musste, um seine Ruhe zu haben, da lebte in einem kleinen Land eines kleinen Kontinents ein Bulle. Kein besonderer Bulle, weder übermäßig prächtig noch übertrieben verrucht, ein ganz normaler Stier halt, ein zeugungsfähiges Rindvieh.
Dieser Bulle war Eigentum des Staates, in welchem er gehalten wurde, jenes kleinen Landes eines kleinen Kontinents, und wurde von der dortigen Regierung genährt und umsorgt. Er bekam seine Nahrung und Unterkunft von jenem Staat bezahlt, da sich dieser Hoffnungen machte, dass es sich für ihn rentieren würde.
Der Staat nämlich hielt den Bullen, gleichsam dessen Artgenossen, damit dieser für ihn arbeiten konnte, indem er zum Beispiel vor einen Pflug gespannt wurde und bei der Bestellung der Äcker jenes Staates half. Alle Materialien, die hierzu benötigt wurden, musste der Staat finanzieren, alle Helfershelfer, die Bauern, die den Pflug steuerten, ebenfalls, und die Äcker fielen dem Staat natürlich auch auf die Tasche.
Der Bulle, von dem hier erzählt werden soll, war einer Parzelle von Feldern zugeordnet, auf denen Früchte, Korn, Roggen, Weizen, all derartiges Gewächs, angepflanzt wurde, damit drei wichtige nationale Bedürfnisse befriedigt werden konnten:
Erstens jene Gewächse, mit denen das Überleben der Einwohner unseres kleinen Landes gesichert wurde, insofern, als sie den Menschen zur Nahrung werden sollten.
Zweitens jene Gewächse, die dazu bestimmt waren, dem Bullen und allen anderen seiner Art später als Futter gegeben zu werden.
Und drittens jene Gewächse, die in andere Länder jenes kleinen Kontinents exportiert wurden und für die unser kleiner Staat im Tausch Geld bekam. Da unser kleines Land ein Sozialstaat und damit auch Mitglied einer Organisation, die Weltfrieden und noch schnellere Globalisierung garantieren sollte, jedoch nur am zweiten Ziel wirklich zu arbeiten schien, war, konnte die Regierung des Landes nicht anders als einen großen Teil des Geldes für die ‚Sicherung der nationalen Sicherheit’, den Rest für die ‚Sicherung der internationalen Sicherheit’ auszugeben. Das erste hieß, dass Waffen gekauft und Soldaten angestellt wurden, damit niemand auf die Idee kam, den Staat anzugreifen, der da so friedlich und unprovokant inmitten aller Verbündeten, teilweise kleiner, teilweise aber auch sehr großer Länder, lag.
Natürlich reichte das Geld nicht, um für genug ‚nationale Sicherheit’ zu sorgen, um einen potentiellen Angriff des eigentlichen Gegners all dieser zusammengeschlossenen Länder zurückzuschlagen, aber da dieser Wolf, der er den Menschen als Mensch war, sich in einem Schafspelz zu kleiden pflegte, der die Felle aller noch so prächtigen Schafe in der Herde aus kleinen und großen Ländern an Schönheit um ein Vielfaches übertraf, wussten nur wenige Schafe um das wahre Gesicht des Wolfes. Natürlich erzählten sie es den anderen Schafen, doch diese verfielen dem Pandorra-Effekt: Sie sagten: ‚Aber nein, was unsere Augen mit seiner Pracht derart blendet, kann sie nicht gleichzeitig durch Falschheit blenden, denn das Gute ist das Schöne und das Schöne ist das Gute.’
So verschwendete unser kleiner Staat das Geld also praktisch.
Die „internationale Sicherheit“ zu sichern, das bedeutet, Truppen auszurüsten, Mediziner-Schafen praktisch, die die vom Wolf gerissenen Schafe, größtenteils kleine, aber wertvolle Schafe, güldene Lämmer, heilen sollten, nachdem diesen ihr edles Fells gestohlen worden war.
So verschwendete unser kleiner Staat also auch dieses Geld.
Aber kommen wir zurück zu unserem Bullen. Zusammengefasst waren seine Aufgaben nun die Sicherung seines Überlebens, und dessen seiner gesamten Rasse, des Überlebens der Menschen, welche ihm und seiner Rasse das Überleben garantierten und das Leben versüßten, und der ‚Sicherheit’ auf landesinterner und globaler Ebene.
Wollte nun aber der Bauer den Bullen aus dessen Stall holen, vor den Pflug spannen und seine Aufgaben erledigen lassen, so dachte sich der Bulle: ‚Meine Existenz ist gesichert und schön, denn solange ich dem Staat gehöre, kann ich mir einer guten Behandlung und Versorgung und des Fortbestehens eben dieser gewiss sein, denn ich lebe ja in einem Sozialstaat. Mein Amt ist nicht von meiner Leistung abhängig, ein arbeitsamer Bulle hat den gleichen Stall wie einer fauler, kriegt das selbe Futter, den gleichen Luxus!’
So ließ der Bulle sich also Tag für Tag friedlich herausführen auf den Acker, kam allerdings dann der Bauer mit seinem Pflug, so rannte der Bulle davon und vergnügte sich ganz nach seiner Art: Er trampelte durch Blumenbeete, fraß an den Ständen der Obsthändler auf dem Markt, welche ihn nicht dafür anklagen konnte, da er durch seine Stärke und seinen Arbeitgeber die Macht auf seiner Seite hatte, ab und an attackierte er gar einen Zivilisten, einen harmlosen Bürger des Staates, statt für dessen Leben und Gesundheit und Sicherheit zu arbeiten. Geschah letzteres, wurde der Staat ungehalten, und der Bulle durfte zwei Tage nicht aus seinem Stall hinaus.
Das Volk unseres kleinen Landes bemerkte seine Hilflosigkeit, weshalb seine Wut gegen den Bullen wuchs und wuchs, bis sie sich eines Tages auch gegen den Staat wendete, der schließlich verpflichtet war, den Bullen zur Ordnung zu rufen, statt ihn zu schützen und seine Schandtaten zu vertuschen.
Wie die Geschichte endete? Niemand kann es wissen!
Vielleicht revoltierte das Volk, möglicherweise wurde der Bulle vom Staat notgeschlachtet, eventuell massakrierten die Bürger den Bullen eines Tages, doch am wahrscheinlichsten ist, das niemand gestorben ist und die Menschen noch heute unter dem willkürlichen Bullen zu leiden haben.
Man wird es sehen...“
„Lass mal abhauen, bald kommt der nächste Nachtbus“, schlug ich Mario ungeduldig gähnend vor, während ich mir den Schlaf aus den Augen rieb.
Ich liebe Gute-Nacht-Geschichten!
„Geile Idee!“, kam die Antwort des inzwischen heiseren Mario.
Als wir in Ali B.’s Zimmer zurückkehrten, war endgültig Ende im Gelände. Solomäuschen, Charlie, Maggi und Line lagen schlafend im Viereck auf dem Boden, wobei jede einer Anderen Bauch als Kopfkissen benutzte, Wuschi und seine Freundin hatten sich halbnackt in einem Sessel aufeinander gelegt und schlummerten friedlich, Ali B. und das Brötchen hatten es den beiden auf einem Sofa gleich getan, nur noch etwas spärlicher bekleidet (Thermo-Unterwäsche!) und Pip saß vor dem PC und tippte wahllos auf der Tastatur herum, wodurch Texte wie „gfasjdihkgtiopipqdnfjtjhgfauwet“ entstanden.
„Alter“, sagte Mario zu Pip, indem er ihn an der Schulter anstieß.
Panisch kreischend fuhr der Pipinator herum und starrte uns mit leerem Blick und weit aufgerissenen Augen an. Er taumelte unsicher ins Badezimmer, steckte sich den ungewaschenen Zeigefinger in den Hals, übergab sich ins Waschbecken und kehrte topfit wieder zu uns zurück.
„Ja, bitte, wie kann ich euch weiterhelfen?“, erkundigte er sich, indem er sich beschämt blickend einige bröckelige Bestandteile seines Erbrochenen mit einem Papiertaschentuch von seiner Hose wischte.
„Wir haben vor, zu gehen“, schilderte ich ihm die Situation, wobei ich mich zwang, ihm in die Augen zu schauen und nicht auf das kleine halbverdaute Nudelstückchen, das an seinem Kinn hing.
„Kein Problem!“
Wir packten hastig unsere siebzehn Sachen zusammen, warfen einen verabschiedenden, abwertenden Blick auf die laut schnarchend Schlafenden und machten uns auf den Weg zur Busstation.
Etwa die Hälfte der Strecke hatten wir zurückgelegt, nicht ohne uns einige Mercedessterne auf illegale Art und Weise anzueignen, da unterbrach Pip Marios langweiligen Bericht über die Völkerwanderung im fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus in Verbindung mit der Schreckensherrschaft von Attila dem Hunnenkönig und dessen kleinem Auftritt in den Nibelungen unter dem Namen Etzel zu meiner absoluten freudigen Überraschung, einerseits über den Inhalt des Gesagten, andererseits über das prompte Ende des Redeschwalls unseres Begleiters, mit drei absolut legendären, unvergessenen und extrem bedeutungsschwangeren Worten, welche zuerst betretenes Schweigen, dann endlose Fragen und anerkennendes Schulterklopfen zur Folge hatten: „Ich habe gefickt!“

Danke für's Lesen, Komentieren und Bewerten!
Wenn noch Zeit und Lust vorhanden ist, wäre ich euch sehr verbunden, wenn ihr noch ein oder vielleicht auch zwei weitere Berichte von mir euch antuen würdet;-)

gruß
Necrosvant25


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2004-07-24 15:19:18 mit dem Titel Nun Kapitel Drei!!!

Kapitel 3:
Korrelierende Konversationen ohne korrekten Kontext
oder
Kontradiktionäre Kontroverse konzentrierter Konvertiten

Es war ein neuer Tag, und die Sonne schien in gewohntem, übertrieben warmem und mit krebserregenden UV-Strahlen vollgepacktem Maße. Ich saß mit dem Pipinator auf der obligatorischen Bank bei der S-Bahn-Station, wo wir - wie könnte es anders sein - auf Mario warteten.
Zweite Regel gegen Frust: Wer mit Mario einen Treffzeitpunkt vereinbart, der legt damit nur die Uhrzeit fest, zu der er am Treffpunkt ist und eine Benachrichtigung per SMS oder Anruf von Mario erhält, dass er seine Bahn verpasst habe beziehungsweise dass seine Bahn später komme, weswegen er erst in einer halben Stunde da sein könne. Dies muss man sich stets vor Augen führen, um nicht eines Tages verrückt, depressiv oder zum Amokläufer zu werden. Wir haben es früher nicht getan, und man sieht ja, was daraus geworden ist...
Wir waren aufgrund abstinenter pekuniärer Liquidität noch absolut klar und kamen so auf den eigentlich ziemlich abwegigen Gedanken, eine semiintellektuelle, oder zumindest pseudo-semiintellektuelle Konversation zu führen, welche unsere enorm hohen Intelligenzquotienten in angemessenem Rahmen wiederzuspiegeln und die ständig intervenierenden, endogenen und scheinbar inkurablen Schreie unserer maliziös geschundenen, da diskreditierten Psychen nach geistiger Erfüllung wenigstens partiell zu befriedigen in der Lage war. Wir endeten beim Thema Fußball.
Fußball: Fünfundzwanzig Männer, die sich in drei unterschiedlichen Farben anziehen, rennen auf einer Wiese herum und versuchen, eine mit Luft gefüllte Schweineblase (okay, inzwischen ist es ein Lederball) in ein aus Holz zusammengezimmertes Rechteck zu treten. Gelingt es ihnen, hüpfen achtzigtausend Männer, die um die Wiese herumsitzen, wie wild herum, sind laut und prügeln sich nach neunzig und ein paar gequetschten Minuten wie die Bekloppten. Außerdem wird das alles mit einer Videokamera gefilmt und im Fernsehen übertragen, sodass auch sehr viele Menschen zu Hause wie wild herumhüpfen, laut sein und sich wie die Bekloppten prügeln können. Dies nennt sich dann „Sport“ und gilt in Deutschland und ein paar anderen europäischen Staaten als „Kulturgut“.
„Die EM ist aber schon geil gewesen, oder?“, eröffnete Pip die desaströse Debatte.
„Und wie, Alter, und wie. Ich habe immer noch meinen Deutschland-Schal um“, parierte ich geschickt.
Doch der Pipinator setzte eine Finte an und stach mich dann direkt ins Herz, indem er meinte: „Du hast einen Russland-Schal an, du Horse! A propose Russland: das schnellste Tor der EM-Geschichte, in nur 68 Sekunden (gegen Griechenland am 20.06.2004)! Ob die auch so schnell im Bett sind? Dann könnte ich sie wirklich überhaupt nicht mehr übertrumpfen.“
„Aber viel schöner war ja Italien gegen Dänemark (null zu null, Montag der 14.06.2004). Ganz Dänemark war im Stadion versammelt, 250 Plätze belegt!“
„Und dann dieses schreckliche Foul... Totti liegt am Boden. Er hält sich den Kopf und schreit nach seiner Mama und einer guten Pasta, alle kommen zu ihm hingerannt, die Schiedsrichter, die Spieler, die Trainer, die Fans, alle sorgen sich, rufen: ‚Totti, Totti, bist du verletzt, was ist los mit dir, geht es dir gut?’. Er krümmt sich auf dem Boden und brüllt mit dem ihm eigenen italienischen Akzent: ‚Nein, meine Frisur, meine Frisur, mein Königreich für einen Spiegel, bringt ihn mir, oder ich stecke eure Füße in Zement und ihr könnt machen euer Testament!’ Skandalös!“
„Das ist noch gar nichts gegen die schweizerische Mentalität: Neutralität ist hier ein absolutes Muss! ‚Wir schießen kein Tor, wir sind neutral’, so der Teamsprecher der schweizerischen Nationalmannschaft. Eine Schweizerin hat mir erzählt, die seien im Alltag genau so drauf. Es fing bei ihrer Hochzeit an: ‚Wollen Sie diese Dame zu der ihnen angetrauten Frau nehmen?’, fragte der Pastor. Der Bräutigam daraufhin: ‚Keine Stellungnahme, nicht ohne meinen Anwalt.’ Absolute Konfusität. Im Bett seien die ähnlich, so vertraute sie mir schon fast weinend an. Sie hatte ihn wohl gefragt: ‚Schatz, begehrtst du mich? Findest du mich attraktiv? Willst du ficken? Willst du mich von meinem allzu juckenden Jungfernhäutchen befreien?’, woraufhin er nichts weiter zu antworten wusste als die folgenden, im typischen, beschissen klingenden Schwitzer-Dutsch vorgetragenen Worte: ‚Ich weiß nicht, ich bleibe da eher neutral.’ Eine wahre Katastrophe! In dreißig Jahren sind die Schweizer ausgestorben! Und es leben nur noch die Idioten!“
„Ich fand die Holländer cool. Erst mal müssten die ganzen Wohnwagen vom Spielfeld geschafft werden, dann ich in den Zuschauerrängen ein Campingkocher umgekippt und ein Brand ausgebrochen, die Feuerwehr musste kommen und das Stadion geräumt werden, und dann haben die Typen auch noch mit Clogs gespielt... mit dem Käse von Antje.“
Alle weiteren Kommentare über niederländische Traditionen beziehungsweise Vorurteile betrefflich des Genusses eines gewissen Rauschgifts waren selbst Pip zu niveaulos.
„Betreffliek“, hörten wir hinter uns jemanden schreien.
Betreffliek=... hmm, komisches Wort. Welche Sprache soll das denn sein? Hmm... Deutsch!
„Die Spanier wollten den Zuschauern schon die Getränke servieren“, wollte ich von diesem eigenartigen Begriff ablenken, „bis sie dann endlich merkten, dass sie ja in Portugal waren. Sie essen das, was ich wegwerfe und bedienen mich da, wo ich Urlaub mache.“
Oh, sorry, ersteres war die Definition für „Penner“.
„Die Italiener“, fiel Pip nun wieder ein, „hätten wahrscheinlich auch besser gespielt, wäre nicht das halbe Team immer irgendwo anders unterwegs gewesen um Pasta auszuliefern!“
„Freuen wir uns auf die nächste EM“, schloss Mario, der uns plötzlich von Hinten nahm... ähm, unterbrach, das Fazit. „Auch wenn dann vermutlich die USA Europameister werden.“
Wir begrüßten Mario mit unserem laschen Händedruck...
Ey, Mann, was schreibe ich da schon wieder für einen Quark!
...wir begrüßten Mario mit unserem femininen Händedruck...
Wie gesagt, wir hatten noch nichts geraucht!
...und er setzte sich zwischen mich und meinen Bankgefährten.
„Leute“, meinte er. „Ich hatte voll den gestörten Traum. Ich träumte, dass du...“, er guckte Pip an, „...gepimpert hättest.“ Diesmal lachte er stupide.
Pip und ich guckten uns tief in die Augen und sagten: „Space in the face!“
Mario horchte auf: „Stimmt das etwa?“
„Sicher! Aber, Leute, Geschlechtsverkehr...“
Und nun- Pimperanto: Es gibt in unserer Sprache scheinbar endlos viele Synonyme für ‚den Geschlechtsakt vollziehen’, und ich möchte versuchen, euch das Verständnis dieses Romans durch eine kurze Auflistung der gebräuchlichsten Worte zu vereinfachen: die beiden f-Wörter, die nicht unbedingt genannt werden müssen (ich meine ‚ficken’ und ‚fisten’), pimpern, dübeln, nageln, es knacken lassen, bohnern, vögeln, penetrieren, rammeln, bumsen, poppen, (jemanden) bügeln, jemanden (ein Mädel) stecken oder stechen, Sex oder Geschlechtsverkehr haben, es treiben, Spaß haben, miteinander schlafen, im Bett rumturnen (wahlweise auch: in der Küche, im Park, im Keller, in einer Telephonzelle, auf einem Billardtisch, und so weiter), zum Stich kommen bei jemandem (einem Mädel), in jemandes (eines Mädels) Liebesnest (feuchte Höhle, Loch, etc.) eindringen, seinen Lulu (Penis, Nudel, Schwanz, Gurke, Pimmel, Banane, Wurst, Rohr, Lernpaket, Pillemann, Dödel,...) in jemandes (eines Mädels) Mumu (Muschi, Pussy, Vagina, Scheide, F****, usw., eventuell auch jene Wörter, die ihr in der Klammer hinter ‚Liebesnest’ findet) stecken, knallen... ich denke, das dürften die wichtigsten Synonyme sein. Ich möchte alle, die diese Aufzählung anstößig finden, bitten, sie wieder zu vergessen. Vielen Dank im Voraus an diese dämlichen Spießer!
Und damit ich euch „verfickten“ Spießer noch mehr stressen kann, nun meine Synonyme für das, was passiert, wenn du dich mal mit deiner Rechten – oder wahlweise auch Linken – verabredet hast: onanieren, masturbieren, an sich selber rumspielen, Fünf-gegen-Willy, sich einen von der Palme wedeln, sich einen runterholen, sich die Wurst pellen, sich die Banane schälen, sich die Pfeife ausklopfen, ein Flötensolo geben, Quetschkommode spielen, den Kasper schnäuzen, sein eigenes Süppchen kochen, sich die Fleischpeitsche polieren, wichsen, Herrensahne ausscheiden, die Eiweißspritze loswerden, sich um die Hüfte frei machen, Johannes streicheln, losschießen, nachladen, Magazin ausmunitionieren, dem Soldaten die Waffen nehmen, der letzte Angriff, Handfick, rubbeln, sein Lernpaket massieren, Feuer spucken, den Müll rausbringen (gilt auch als Synonym für die Menstruation), das Rohr säubern/ durchspülen, den Schlauch ausspülen, Free Willy von seiner Last befreien, Big Ben baumeln lassen, seinen Senf dazugeben, den elften Finger handhaben, mal selber Hand anlegen, Nachforschungen anstellen... Mann, schnallt ihr denn gar nichts, ihr Vollidioten? Mütze-Glatze-Mütze-Glatze!
„...ist Spaß und Freude, im Großen und Ganzen eine tolle Sache, aber bedeutet er auch Erfüllung, bringt er geistige Zufriedenheit, allein durch die Stillung körperliche Triebe und Leidenschaften, die sogar einem intellektlosen Affen eigen sind und im humanen Handeln schließlich als finale Separation von unseren fortpflanzungsorientierten Wurzeln komplett zweckentfremdet werden?“, meinte Pip.
„Ja“, antworteten Mario und ich wie aus einem Munde.
„Fühlt ihr euch nach dem Sex wirklich von Grund auf erfüllt?“
„Ja“, antworteten Mario und ich erneut wie aus einem Munde.
„Schön. Nun eine andere Frage: Fühlt ihr euch absolut zufrieden, wenn ihr lieben könnt und euch total sicher seid, zurück geliebt zu werden, wenn ihr der Frau... oder dem Typen“, fügte er mit einem Seitenblick auf Mario hinzu, „..., die ihr begehrt, im geistigen Sinne mindestens ebenso wie geschlechtlich, auch nur nahe sein könnt, wenn ihr ihre Aura spüren, ihr Karma mit jedem Atemzug als Bestandteil der sie umgebenden Luft inhalieren, euch der Wärme ihres Herzens und der des euren zu ihrem bewusst sein, ihre süße, mit Lieblichkeit angereicherte Stimme hören, in ihre Augen und damit direkt in ihre reine, unbefleckte Seele sehen könnt?“
„Ja“, antworteten Mario und ich nach langem Zögern schon wieder wie aus einem Munde.
„Und ist nicht die zweite Art der Satisfaktion, jene geistige Befriedigung, um ein Vielfaches erhabener als die erste, viel beglückender, deutlich länger andauernd und damit auch intensiver, wenn auch nicht derart vorkomprimiert, sondern verstreut auf Hunderte von unterschiedlichen Freuden, die nun allerdings auch ebenso viele verschiedene Reizpunkte von Körper und Psyche stimulieren?“
„Verdammt, Mann, du laberst so einen Haufen Mist, Alter, halt mal die Klappe. Lass uns lieber einen rauchen!“, schlug ich vor.
„Auf jeden“, stimmte Mario mir zu, und Pips Nicken verriet mir, dass auch er meinen Vorschlag phantastisch fand.
„Du baust“, bestimmte er, indem er mit dem immer noch nicht gewaschenen Zeigefinger auf mich zeigte und mir die Long Papers zuwarf.
„Wir haben kein Gras!“, holte ich ihn aus seiner Traumwelt zurück.
„Wer hat das Gras weggeraucht?“, fragte Pip.
Mario und ich antworteten: „Der Mario!“, und Mario fügte noch hinzu: „Aber ich habe noch die zehn Gramm Summi von gestern im Rucksack.“
Wir – also, eigentlich nur Pip und ich - erwachten aus unserer Trance und Mario reichte mir die kleine – also, eigentlich war sie gar nicht so klein - Peace-Platte.
„Okay, jetzt bau aber“, forderte der Pipinator mich auf.
„Nur“, erpresste ich ihn, „wenn du uns währenddessen die ganze Geschichte deiner Entjungferung von Anfang an erzählst!“
„Wenn es sein muss!“ Eine Träne rutschte Pip die Backe runter und ich begann mit dem Zerkleinern des Summi, während unser dritter Banknachbar den S-Tipp präparierte. „Also, Mädels, das lief folgendermaßen ab: Ihr zwei Süßen hattet euch gerade irgendwohin verkrümelt, da packte mich plötzlich das übermäßige Verlangen, Johannes zu streicheln. Ihr wisst ja, ich muss immer meinen Senf dazugeben, und nach einem guten Lernpaket möchte das meine gerne schon mal massiert werden. Also schlenderte ich ins Badezimmer, wo jedoch in eben jenem Moment Maggi dabei war, geklautes Leitungswasser in ihren Rucksack zu gießen. Da dachte ich mir: ‚Hey!’ und sagte: ‚Hey!’. Maggi drehte sich erschrocken um, und auf einmal raste ein Geistesblitz durch meinen Kopf: ‚Sex ist eine tolle Sache!’. ‚Komm, lass dich nicht so hängen!’, raunte ich meinem Dödel zu, und er stand in Windeseile wie eine Eins. Maggi staunte nicht schlecht, als sie sah, wie ich so ein Zelt aufbaute.“
Ein Zelt aufbauen= unter seiner Hose ein erigiertes Glied kriegen, sodass diese sich zu einer kleinen (oder auch großen, je nachdem) Wölbung im frontalen Lendenbereich erhebt!
„Sie sagte: ‚Das ist ja schon ein Festzelt, Baby!’, woraufhin ich den Dicken raushängen ließ und meinte: ‚Hier, den habe ich extra noch einmal für dich rausgekramt. Bock, es knacken zu lassen?’ Ohne ihre Antwort abzuwarten, zog ich uns aus und wir entweihten die Badewanne und das Strange-Feelings-Gummi, das du, mein monströs maskuliner Mario, Maggi meiner Meinung nach nachmittags mit nicht minimalem Unwollen im Hofgarten gegeben hattest. So kommt es, dass mir eine Kleptomanin meine Jungfräulichkeit stahl!“
...
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Kommentare
redwomen
redwomen, 24.07.2004
uumlberlegt quotAutorquot zu werden ??? gg LG Maria
Zigarrenlukas10
Zigarrenlukas10, 24.07.2004
wirklich ein sehr guter und ausfuumlhrlicher Bericht.
Wurzelchen2
Wurzelchen2, 07.08.2004
Das gab es aber nur fuumlr deine Wortgewandheit.
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freetibet

Zombie Cruiser

ein Testbericht von 2011-08-05 22:25:49 vom 05.08.2011
Empfehlung: nein
Noch ist er einige Sekunden eingeschlossen in den Zwischenbereich aus Traum und Wirklichkeit, ehe sich der Geist, ohne dass er etwas tun müßte, formiert. Dabei sind es doch die friedlichsten Minuten am Morgen, im Bett liegen, die Welt dreht sich bereits wieder; jedoch noch ohne mich, denkt er. Bleiben wir also noch etwas liegen, mit geschlossenen Augen. Der Körper ist angenehm schwer, der Kopf liegt bequem, nur auf den Unterarmen ist ein leichter Druck. Aber die Helligkeit dringt durch die geschlossenen Augen in die Pupille ein und kitzelt das Bewußtsein wach. Das Zeichen um Aufzustehen, denkt er und kratzt sich am Kopf. Der Kopf fällt nach vorne. Das hat er doch vorher noch nie gemacht, denkt er und wundert sich über den leichten Schmerz auf seiner Stirn. Hatte er gestern getrunken?
Es dauert ein Weilchen. Zuerst fließt nur der Strom unzusammenhängender Einzelheiten durch seinen Kopf hindurch. Sie verbinden sich mit keinem Wort, keinem Konzept. Stücke der geborstenen Windschutzscheibe auf dem Armaturenbrett, (die tanzenden Lichter bringen ihn dazu, wieder nach vorne zu blicken), eine Wolke wie ein kleiner Amboß am hohen blauen Himmel, und, als sich sein Blick wieder auf seine unmittelbare Umgebung fokussiert das gesplitterte, in die Windschutzscheibe hinein gebohrte Holz, das Steuer, seine Arme. Die Enge. Der dumpfe Schmerz im geschundenen Oberkörper. Dort, wo der Gurt sitzt, brennt es höllisch. Abschnallen und sich zurück lehnen sind eins. Die Beine bewegen sich nicht mit. Sirenen zermahlen die festsitzende Stille.

Zermahlene Stille, zermahlene Tage. Hatte es einen Anlaß gegeben? Brauchte es noch einen Anlaß? Nachdem er sich gefunden hatte, war er vor lauter Freude unaufmerksam gewesen, war ihm das Gefährt seines Lebens Stück für Stück wieder aus den Händen geglitten. Als wenn ein böser Kobold im toten Winkel gesessen hätte, der subtil in einen andere Richtung steuerte, minutiös dafür gesorgt hatte, dass zur falschen Zeit das falsche passierte. Die Krankheiten, die auch tausend andere bewältigen müssen. Die beruflichen Zumutungen, mit denen alle zu kämpfen haben. Fast bewunderte er die perfekte Art, mit der er eingesponnen wurde in das Netz aus falschen Freunden, schlechten Gewohnheiten, schädlichen Bewältigungsmechanismen. Als er es bemerkt hatte, war es schon zu spät gewesen. Jeder Versuch auszubrechen, hatte ihn nur fester gebunden. Wie weit weg von seinen ursprünglichen Plänen er war! Traumwandlerisch hatte er – war es wirklich er gewesen? - an der Kreuzung Gas gegeben. Untote treffen keine Entscheidungen mehr. Sogar der Selbstmordversuch passiert Dir einfach, denkt er verwundert. Bleiben Sie ganz ruhig, sagt der Helfer mit dem Brecheisen. Ich bin ganz ruhig, denkt er und dreht den Kopf. Er schafft nur wenige Zentimeter.
Auf der Bahre fällt ihm auf, wie hell der Tag ist. Die Helfer nimmt er nur als Schatten wahr. Jetzt würden Sie ihn wahrscheinlich ins Hildegardis-Krankenhaus bringen, vor dem er beinahe direkt lag. Dort würde er wieder ein Einzelzimmer haben, wie damals, bei der Augenoperation. Die Pause würde ihm gut tun. Er würde jeden Tag durch das beschauliche Lindenthal laufen. Und sich für die richtigen Dinge die Zeit nehmen. Beim nächsten Mal würde alles anders laufen.
...
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Kommentare
uhlig_simone@t-online.de
uhlig_simone@t-online.de, 06.08.2011
würde mich sehr über deine gegenlesung freuen, liebe samstagsgrüße v. simone
feliciano2009
feliciano2009, 06.08.2011
Aha...
morla
morla, 05.08.2011
schönes wochenende lg. petra
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Planir

Hinter Klostermauern

ein Testbericht von 2010-02-02 13:39:57 vom 02.02.2010
Empfehlung: ja
Vorteile: Manche sagen die Geschichte ist gut...
Nachteile/Kritik: Manche behaupten das Gegenteil
Hinter Klostermauern

Drei Strafgefangene aus der örtlichen Vollzugsanstalt wurden mehrmals pro Woche gut bewacht abgestellt, um den Schwestern des Klosters St. Vincent bei den körperlichen Arbeiten im Garten und den klostereigenen Feldern zu helfen.
Es waren immer Häftlinge, die keine Gewaltverbrechen verübt haben und schon gar keine Kapitalverbrechen oder Sexualdelikte.
Seit acht Monaten gehörte Phillip auch zu den Auserwählten, die für acht Stunden pro Einsatz den grauen Mauern der Anstalt entkommen konnten um sie gegen die Mauern des Klosters einzutauschen. Er war Gast in diesem Etablissement für ein Jahr und sieben Monate wegen Scheckbetrug, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung.

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag kam der Wärter um 6 Uhr morgens in den Block C und holte Phillip und die anderen beiden ab um sie an der Kleiderausgabe mit extra Jacken und Arbeitsschuhen mit Stahlkappen ausgerüstet zu versorgen. Robuste Handschuhe für jeden lagen auf dem bereitstehenden LKW, der wie gewohnt auf das Gründlichste durchsucht wurde, sowohl beim Verlassen, als auch bei der Rückkehr zur Anstalt.
Phillip hatte ein Händchen für Pflanzen, was die Schwestern sehr bald bemerkten und deswegen hatte er das Privileg, die leichtere Arbeit im Klostergarten zu bekommen. Die anderen beiden mussten auf den Feldern schuften, was Phillip nicht gerade beliebter machte. Ihre Blicke sprachen Bände und er sah zu, dass er nie mit den beiden allein war.

Keiner der Drei war zwar ein Gewaltverbrecher, aber eine gewisse Härte eignete sich jeder im Laufe der Zeit an. Phillip war nicht gerade der Kräftigste und so legte er es sicher nicht darauf an mit den anderen beiden ein Tänzchen zu wagen. Er war clever genug sich aus Prügeleien herauszuhalten und auch sonst war er nicht auf den Kopf gefallen. Nicht umsonst hatte es fünf Jahre gedauert, bis sie ihn durch einen dummen Zufall gefasst hatten.
Bei einen weiteren Scheckbetrug kannte der Bankangestellte zufällig denjenigen, dessen Unterschrift Phillip gefälscht hatte und wusste dummerweise, dass der Kontoinhaber keinesfalls gestern einen Scheck ausgestellt haben konnte, da dieser seit zwei Wochen einen Gips an seiner Hand trug und gar nicht schreiben konnte.
So flog alles auf und bei den intensiven Ermittlungen kamen insgesamt 17 weitere Vergehen zu Tage, die ihn nun zu Gartenarbeit in einem Kloster brachten. „Hätte mich auch schlimmer treffen konnten“, dachte er jedes Mal, wenn sich das vier Meter hohe Tor wieder hinter ihm schloss und der Laster Richtung Kloster fuhr.

Schwester Maria Celestes und Maria Renata waren die zuständigen Schwestern für den Garten und penibel darauf bedacht, dass ihre Anweisungen genauestens ausgeführt wurden. Schwester Maria Celestes war seit 58 Jahren im Kloster und seit 42 Jahren die Gebieterin über alles Grüne in diesen Mauern. Sie war 76, aber immer noch rüstig genug um den Jungen etwas vorzumachen.
Schwester Maria Renata war 24, seit vier Jahren in diesem Konvent und befand sich gerade im letzten Jahr ihres Triennium. Das bedeutet einen Zeitraum von drei Jahren, in dem man sich vor der so genannten „ewigen Profess“ in die Gemeinschaft einbringen kann und auch für sich selbst feststellen kann, ob man wirklich zur Ordensfrau berufen ist.

Phillip arbeitete gern mit Schwester Renata zusammen, da sie noch nicht so abgehoben war wie die anderen älteren Ordensfrauen und annähernd in Phillips Alter. Es gab noch einige junge Novizinnen, aber die waren Phillip noch nie begegnet. Novizinnen waren im Gegensatz zu den Schwestern im Triennium noch ohne Gelübde und waren bisher nur weiß eingekleidet und mit einem neuen Namen gesegnet worden. Ansonsten konnten sie ohne Weiteres den Konvent jederzeit verlassen. Schwestern wie Maria Renata aber hatten zumindest für den Drei-Jahres-Zeitraum dem Orden Treue gelobt.
Phillip war zwar auch ein gläubiger Mensch, aber das begrenzte sich auf sonntägliche Kirchenbesuche und gelegentliche Gebete. Trotz alle dem fand er die Gespräche mit Renata sehr angenehm und sie schaffte es ihm einen tieferen Einblick in ihren gemeinsamen Glauben zu vermitteln.

Es war Mittwoch und ein warmer Morgen zeichnete sich ab. Phillip war gerade dabei Feldsalat von Unkraut zu befreien, als Renata in ihrer Tracht aus der Kapelle trat. Sie sah Phillip bei der Arbeit und lächelte ihm zu. Er erwiderte das Lächeln und hob den behandschuhten Arm zum Gruß. Sie ging zu einer Holzbank vor dem Geräteschuppen, auf der sie schon vorher ihre Schürze zu recht gelegt hatte und band sie sich um.
Phillips Wärter war gerade in der Klosterküche beim Frühstück, da er inzwischen Phillip vertraute und auch Phillip keinerlei Anstalten gemacht hatte den Schwestern etwas anzutun oder Fluchtpläne zu schmieden. Außerdem konnte der Wärter, wenn er seinen Hals reckte, Phillip im Garten beobachten.
Schwester Maria Renata kniete sich an das Beet neben dem von Phillip und begann die Radieschen in einen Korb zu legen, die Phillip bereits geerntet hatte.
„Guten Morgen Phillip“, grüßte sie ihn nun fröhlich.
„Guten Morgen Schwester Renata“, gab Phillip höflich zurück, „Wie geht es Ihnen heute Morgen ?“
„Sehr gut, die Morgenandacht war wieder sehr anregend.“
„Um was ging es denn heute ?“, fragte Phillip wirklich interessiert.

„Unsere Priorin sprach heute über die Nächstenliebe und das Miteinander in unserer Gesellschaft, das immer mehr verkümmert.“
„Das stimmt, jeder denkt nur noch an sich selbst und sucht seinen eigenen Vorteil. Das ist ja auch der Grund warum ich hier bin.“
„Aber bereust du, was du getan hast ?“, fragte Renata.
„Hmm, ich glaube schon. Aber dann hätte ich Sie ja nicht getroffen“, antwortete er und lächelte die Schwester an. Sie sah nur kurz zur Seite und er sah, dass sie etwas rot wurde. Es passte zu der kleinen roten Haarlocke, die sich durch den Schleier gemogelt hatte. Renata bemerkte es und steckte sie schnell wieder zurück. Phillip hatte sie aber schon gesehen.
Sie arbeiteten weiter und Phillip sah immer wieder zu ihr hinüber, da sie nun am anderen Ende der Beete beim Harken war. Er mochte sie wirklich, da sie ihn als Mensch sah und nicht als Knacki und Vorbestrafter wie die anderen in seiner Umgebung. Er hatte ja schließlich niemanden umgebracht. Es war doch nur Geld und seine Strafe verbüßte er ja auch dafür.

Auch Renata mochte Phillip und freute sich immer auf die Gespräche mit ihm. Als er einmal nicht bei den Männern aus dem Gefängnis war hatte sie schon befürchtet, er käme nicht mehr oder es wäre ihm was passiert, aber der Wärter sagte ihr dann, dass er nur eine Grippe hatte und nächstes Mal wieder dabei wäre. Sie war allerdings erschrocken darüber, wie sehr sie sich darüber freute, als Phillip wieder da war.
Der Wächter saß nun wieder auf der Holzbank und las Zeitung. Phillip beendete die Arbeit an dem Beet vor sich und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er sah wieder zu Renata, die einen Korb zur Küche trug. Er folgte ihr und wollte etwas trinken. Der Wächter sah nur kurz von seiner Zeitung auf um dann gleich wieder darin vertieft zu sein. Er war in den Fünfzigern und lies nur noch selten Stress aufkommen, wenn er sich vermeiden lies.
Phillip betrat die Küche und außer Schwester Renata war nur noch die Köchin da. Sie war eine Weltliche und auch schon eine halbe Ewigkeit im Kloster beschäftigt. Sie kümmerte sich nur um ihr Essen und beachtete die Neuankömmlinge gar nicht.

Renata stellte den Korb mit den Zucchini auf den Tisch und leerte ihn auf ein Tuch. Sie sah Phillip und fragte ihn ob er etwas trinken möchte. Er wischte sich mit der schmutzigen Hand über die Stirn und nickte. Dabei hinterließ er einen dunklen Streifen Dreck auf seinem Kopf. Die Hände waren voller Erde. Er trat an das Waschbecken und wusch sich notdürftig die Hände, da sie ja gleich wieder schmutzig werden würden.
Schwester Renata hatte ein Glas mit Wasser gefüllt und stand nun bei Phillip. Er dankte ihr und trank zügig. Sie sah ihm dabei zu und als sie seine erdige Stirn sah, nahm sie ein Spültuch und befeuchtete es ein wenig.
„Warte mal“, sagte sie und er drehte sich zu ihr um.

Sie nahm das Tuch und wischte vorsichtig über seine Stirn. Er stand dicht vor ihr und sah ihr dabei in ihre grünen und klaren Augen. Sie bemerkte erst jetzt wie dich sie zusammenstanden und trat sofort verlegen einen Schritt zurück.
„Ich denke den Rest schaffst du alleine“, sagte sie rasch und gab ihm das Tuch. Er ging zum Spiegel über dem Becken und wischte schnell die Erde ab.
„Danke“ rief er beim Hinausgehen Renata zu, “für das Wasser und die Reinigung“. Bevor er ganz draußen war, sah er sich noch einmal um. Auch Renata sag ihm nach, aber da die Sonne nun stark schien, verschwamm Phillips Silhouette mit der Umgebung und konnte nicht sehen, wie auch Phillip knallrot angelaufen war.
Beim Abendgebet war Renata verwirrt und konnte sich nicht konzentrieren. Immer wieder kam ihr Phillips Gesicht in den Sinn. Seine blauen Augen und die blonden Haare, sein immer fröhliches Wesen. Wütend über sich selbst und die ständigen Ablenkungen knallte sie ihr Brevier zu hart auf die Kirchenbank. Ihre Mitschwestern straften sie für diese Störung mit tadelnden Blicken. Ihr eigener bat die anderen schweigend um Verzeihung und sie versank wieder rasch im Gebet.

„Bedrückt dich etwas ?“, fragte eine bekannte Stimme, als Maria Renata die kleine Kapelle verlies. Renata drehte sich um und blickte in das gütige Gesicht der Priorin.
„Mutter Oberin, es tut mir leid wenn ich das Gebet gestört habe. Ich war nur in Gedanken.“ Renata senkte demütig den Blick.
„Gräme Dich nicht, es ist gut wenn Du Deinen Gefühlen gestattest sich Luft zu verschaffen.“
Sie lächelte Renata an.“ Auch wenn mal das Buch unseres Herrn darunter leiden muss.“
Jetzt sah Renata wieder auf und ihre Mundwinkel zeigten auch ein lachendes Gesicht.
„Es soll Dir nur nichts auf der Seele lasten, mein Kind. Wenn Du das Bedürfnis zu Reden hast, dann scheue Dich nicht mich aufzusuchen. Meine Kammer steht Dir jederzeit offen.“
„Ja Mutter Oberin, das weis ich. Ich danke Dir.“, antwortete Schwester Maria Renata. Sie deutete eine Verbeugung an und Die Äbtissin legte ihr die Hand auf den Kopf.
„Geh nun zu den anderen und hilf den Novizinnen den Tisch zum Abendessen zu bereiten.“
„Ja gern, Mutter Oberin.“

Zwei Tage später war Phillip wieder da und arbeitete hart. Eine Wurzel musste entfernt werden, da sie drohte zwei anliegenden Beeten die Lebensgrundlage zu entziehen. Es war wieder sehr warm geworden, obwohl es noch nicht einmal Mittag war und Phillip war mit der großen Axt zu Gange. Karl-Heinz, der Wächter hatte sich in die kühlere Küche zurückgezogen und schäkerte mit der rundlichen Köchin. Man hörte sie ab und an kichern wie ein junges Mädchen. Vermutlich hatte der Wächter wieder anzügliche Bemerkungen gemacht.
Als Renata den Garten betrat hatte Phillip, obwohl es verboten war, sein blaues Gefängnishemd und das Unterhemd ausgezogen und beides lag achtlos auf dem schmutzigen Erdboden. Er war nicht besonders muskulös, aber durch die Arbeit hier und das Training im Knast inzwischen sehr durchtrainiert. Der Schweiß tat sein Übriges und so bekam Renata einen sehr ansprechenden Anblick eines glänzenden und durchaus ansehnlichen Oberkörpers.

Sie wollte wegsehen, konnte es aber nicht. Phillip bemerkte sie nicht und arbeitete unermüdlich weiter. Sie sah seine Muskeln und Sehnen im Spiel der Sonne mit dem Schatten und der Schweiß glitzerte auf seiner hellen Haut. Sie stand einfach nur da und starrte ihn an. Als er sich umdrehte und Renata sah, hielt er schlagartig inne, da sie einen Blick hatte, den er noch nie an ihr gesehen hatte.
Natürlich hatte sie schon Männer gesehen, es gab ja auch eine Zeit vor dem Kloster, aber sie war noch nie intim mit einem Jungen geworden. Ein paar schüchterne Küsse und eine Hand in der Bluse, das war alles was sie an Erfahrung zu bieten hatte.
Renata erwachte aus ihrer Starre und lief peinlich berührt weg. Phillip wollte ihr etwas hinterher rufen, aber es lies es dann doch bleiben. Er sah ihr noch einen Moment nach und nahm dann seine Arbeit wieder auf. Renata tauchte dann zwar irgendwann wieder auf, aber in den folgenden Stunden sprach sie kein Wort mehr und mied auch jeden Blickkontakt mit Phillip.

Ein paar Tage waren vergangen und Renata entspannte sich wieder in Phillips Gegenwart. Er war so taktvoll und hakte nicht nach was da vorgefallen war, war aber doch neugierig was er eigentlich angestellt hatte. Er war sich ja keiner Schuld bewusst. Trotzdem war das Verhältnis aus irgendeinem Grund beeinträchtigt, da Renata nicht mehr so ungezwungen mit ihm umging und auch ihr Lachen nicht mehr da war, was ihm am Meisten zu schaffen machte.
„Schwester Renata ?“ versuchte er vorsichtig die Lage zu sondieren.
„Ja ?“, sagte sie und hob den Kopf. Ihr Gesicht war etwas verschmiert von Erde. Phillip musste grinsen, da sie sehr komisch aussah.
„Entschuldigung wenn ich lache, ich lache Sie nicht aus, aber Sie sehen sehr lustig aus mit dem halben Beet im Gesicht.“ Renata fuhr sich mit dem Handrücken über die Wange und schon war auch die Hand voller Erde. Phillip zog eines der frischen Tücher für das Gemüse aus dem Korb und wollte Renatas Gesicht abwischen.
Sie wehrte aber seine Hand ab und griff nach dem Tuch. So verharrten sie nur einen kurzen Augenblick, aber als sich ihre Hände berührten und sich ihre Blicke trafen, verschlug es beiden die Sprache.
Für Außenstehende war es nur ein Wimpernschlag, aber für die beiden war es eine Ewigkeit.

Als Phillip endlich Atem holte kam ihm Renata zuvor. „Was wolltest Du denn von mir?“, fragte sich während sie sich das Gesicht reinigte.
„Ach nichts“, stammelte Phillip und machte sich wieder an die Arbeit. Gelegentlich trafen sich ihre Blicke, aber beide sahen sofort wieder in die andere Richtung.
Als die kleine Glocke der Kapelle wieder zum Abendgebet läutete, war Renata sehr schweigsam. Sie blieb am Ende einfach sitzen und starrte auf ihr Gesangsbuch. Die anderen Mitschwestern verließen die Kapelle und gingen zum Abendessen. Nur die Priorin bemerkte den Zwiespalt, in dem Schwester Maria Renata steckte.
„Manchmal hilft es darüber zu sprechen.“ sagte sie vor sich hin, als sie sich neben Renata gesetzt hatte. Renata seufzte nur schwer.
„Weißt Du, mein Kind, der Herr offenbart sich uns auf den verschiedensten Wegen. Nicht immer ist der Weg klar erkennbar, den er für uns vorgesehen hat.“ Renata sah nun ihre Äbtissin stirnrunzelnd an und fragte sich, ob sie Gedanken lesen könnte.

„Wie wusstest Du, was Dein Weg ist ?“
„So genau kann ich Dir das nicht sagen. Hier und heute weiß ich, dass mich unser Herr genau hierhin führen wollte und ich habe mich führen lassen.“
„Aber wenn es nicht unser Herr ist der zu mir spricht, wenn es jemand ist der mich auf einen Irrweg leiten will?“ wollte Renata erwidern.
„Höre in Dich hinein meine junge Schwester und glaube. Der Herr wird dich führen. Vertraue ihm und vertraue Dir selbst. Manchen Mitschwestern war ihre Entscheidung erst Jahre später als richtig bewusst geworden.“ Renata seufzte wieder und die Oberin verlies die Kapelle. Renata saß noch lange da und starrte das Kruzifix an.
Es verging wieder eine Woche und Renata versuchte Phillip aus ihren Gedanken zu vertreiben. Allerdings gelang ihr das nicht besonders gut. Phillip hatte sich auch verändert und die Spannung zwischen ihnen wuchs. Immer wenn Mutter Celestes wo anders beschäftig war suchte Renata den Blickkontakt zu Phillip. Er sah sie aber nicht mehr so lachend und freundlich an wie früher, sondern seltsam ausdruckslos. Renata war dadurch nur noch verwirrter als vorher.

Als sein Wächter wieder einmal in der Küche verschwunden war, und auch Renata allein war, hantierte Phillip an dem Wasseranschluss am Geräteschuppen herum. Er ging in das kleine Häuschen und Renata hörte ihn irgendetwas suchen. Sie sah sich um und ging hinüber.
Sie stand an der Tür und sah wie Phillip mehrere Schubladen aufzog und in den verschiedenen Krimskramsbehältern wohl eine passende Schraube suchte.
„Kann ich Dich sprechen“ sagte sie unvermittelt und Phillip fuhr herum, da er sie nicht gehört hatte.
„Entschuldigung“ ,sagte sie, „ ich wollte dich nicht erschrecken.“
„Das haben Sie nicht“, antwortete Phillip schroff.
Renata wollte schon wieder gehen, da er so unhöflich zu ihr war, aber ihr Neugier überwog und so blieb sie stehen.
„Kann ich Dich etwas fragen?“, setzte sie erneut an.
„Hmmm,“ brummte er über seine Schulter hinweg.
„War das ein Ja?“ fragte sie erneut.
„Ja doch“, sagte er nun ungehalten, „was gibt’s denn Wichtiges?“
Nun war sie es die sauer wurde. So einen Ton hatte sie nicht verdient, egal was los war. Sie drehte sich um und wollte schon gehen, als er nachhakte.
“Es tut mir leid“, fing er an “es sollte nicht so rüde klingen.“ Er kam auf sie zu. Renata hielt inne und kam zurück.

„Ich wollte Dich fragen ob ich Dir etwas getan habe“, versuchte sie das Gespräch zu beginnen.
„Nicht, dass ich wüsste. Warum?“ entgegnete er.
„Weil Du so abweisend zu mir bist.“ Phillip begann mit einem Werkzeug zu spielen, das an der Wand hing und wandte den Blick ab.
„Tue ich das?“
„Ja das tust Du. Du redest kaum noch mit mir, unsere Gespräche über Gott und Religion sind sehr selten geworden und ich…..“ sie stockte.
„Was?“ hakte er nach.

„…ich vermisse Dein Lachen“.
Phillip drehte sich nun ganz von ihr weg und murmelte etwas Unverständliches.
„Was sagst du? Ich verstehe dich nicht!“. Phillip stützte sich auf die Werkbank und seufzte vor sich hin.
„Ist nicht wichtig, Du bist eine Nonne und ich ein Knacki, also was soll´s“. Renata betrat nun den Schuppen und stand genau hinter ihm.
„Was soll was?“ bohrte sie nun halb flehend nach. Sie berührte ihn an der Schulter und Phillip fuhr herum. Sie standen sich nun genau gegenüber.

„Ich kann nicht schlafen, nicht essen, nicht arbeiten. Ich denke immer nur an eine Sache.“ Er sah sie mit funkelnden Augen an. Sie hielt seinem Blick stand, wissend was er sagen wollte, wissend was sie wollte und was das Schlimmste war, wissend was das für sie beide bedeutete.
Sie flüsterte, obwohl sie Angst vor der Antwort hatte:“ Und was ist das?“
Er hob seine Hand und bewegte sie nur Millimeter vor ihrem Gesicht, als ob er ihre Wange streichelte und sie konnte die Berührung fast körperlich spüren und schloss für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, antwortete er gerade.

„Ich träume von Deinem Gesicht, ich atme Deine Nähe ein, ich versuche mich Dir zu öffnen, ich bete dass Du fühlst wie ich fühle, aber dann denke ich wieder, das darf nicht sein. Ich kann Dir nicht im Wege stehen, Du bist eine Nonne, eine Ordensfrau, eine Braut Jesu. Es wäre eine Sünde Dich zu begehren, dich zu lieben.“
Schwester Maria Renata war sprachlos. Sie starrte Phillip an und war unfähig etwas zu tun oder zu sagen. Er hatte es gesagt. Er hatte das gesagt wovor sie sich so sehr gefürchtet hatte. Das gesagt, was sie fast um den Verstand brachte, was sie innerlich zerriss. Sie wollte ins Kloster, sie wollte ihrem Herrn und Gott dienen.
Sie wollte den Mitschwestern dienen, sie wollte in dieser Gemeinschaft sein, sie wollte den Weg gehen, den die Mutter Oberin angesprochen hatte, sie wollte…….ihn. Sie wollte Phillip.


Er stand immer noch vor ihr, zitternd ob seiner Gefühle, die er gerade einer Nonne offenbart hatte. Zitternd, weil er nicht wusste was nun geschah. Was sie nun tat. Er rechnete damit, dass sie ihn hinauswarf, dass sie zu seinem Wärter lief und ihn abführen lies wegen dieser Unverfrorenheit. Aber sie küsste ihn.
Bevor er sich versah, küsste sie ihn. Sie hatte sein Gesicht in ihren Händen und küsste ihn. Er scheute sich die Frau vor ihm in der Tracht anzufassen, aber dann tat er es doch. Er drückte sie an sich und erwiderte ihren Kuss. Wäre nun jemand in den Garten gekommen, hätte er einen Strafgefangenen gesehen, der eine Ordensfrau an sich drückte und sie küsste. Jeder hätte sofort Alarm geschlagen und sie hätten ihn weggebracht. Weg von ihr, weg von der Frau, die er so sehr liebte und sie ihn. Aber es geschah etwas anderes.
Gerade noch hielten sie sich in den Armen, da riss sich Renata los und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen und rannte aus dem Schuppen durch den Garten.
„Renata“ rief Phillip ihr nach und wollte hinter ihr her. Er tat nach draußen und sah gerade noch wie Renata an Mutter Celestes vorbeilief und im Haus verschwand.

„Schwester Maria Renata?“ fragte Schwester Celestes, aber sie bekam keine Antwort.
Die ältere Schwester kam eilends auf Phillip zu, der immer noch verwirrt am Schuppen stand. „Was war hier los?“ fragte sie ihn aufgebracht. „Ich …. Ich weiß es nicht….“ stammelte er.
Schwester Maria Celestes sah ihn scharf an und lies dann von ihm ab. „Ich denke Sie sollten weiterarbeiten, junger Mann!“ befahl sie.

„Ja… ja ,natürlich Schwester.“ Gab Phillip, immer noch den Blick auf die Türe gerichtet, zurück. Auch der Wächter wurde nun aufmerksam und stand plötzlich in der Tür der Küche. Phillip nahm den Schlauch und begann die einzelnen Beete zu wässern.
Renata rannte in ihre Kammer und warf die Türe zu. Sie sank auf ihr karges Bett und weinte in ihr Kissen. Ab und zu sah sie auf und sah zu dem Kruzifix in der Ecke.
„Warum tust Du mir das an Herr ?“ begehrte sie zu wissen, aber das Kreuz schwieg. „Ist es das was du willst ? ist das mein Weg, soll das mein Leben sein ?“, fragte sie erneut, aber das Kreuz schwieg.
Plötzlich klopfte es und Renata erschrak.

Eine Stimme von außen drang durch die dicke Eichentüre „Darf ich eintreten ?“ Es war die Mutter Oberin und schon öffnete sich die Türe einen Spalt. Renata wischte sich hektisch die Tränen vom Gesicht und setzte sich aufrecht aufs Bett. „Darf ich ?“ fragte die Priorin erneut.
„Aber natürlich Mutter Oberin, komm herein.“ Verlegen sah Renata zu Boden und schniefte immer noch vor sich hin.

„Was ist geschehen mein Kind ? Ich habe Dich gehört, wie Du unseren Herrn angeklagt hast.“ Beschämt wagte Renata nicht aufzusehen. „Was hat er Dir getan ?“
„Oh, Nichts Mutter. Im Gegenteil, ich habe ihm etwas angetan. Ich habe ihn enttäuscht.“
„Wie das mein Kind ? So leicht kann man den Herrn nicht enttäuschen. Willst Du es mir erzählen.“
Renata sah immer noch zu Boden und schüttelte nur mit dem Kopf.
„Nur Mut, erleichtere Deine Seele und teile Deinen Schmerz mit mir.“
„ Ich kann nicht. Ich habe den Weg verloren. Ich weiß nicht mehr wo ich bin und wo ich hingehen muss. Ich habe mich verirrt.“

„Dann lass mich Dir helfen, den Weg wieder zu finden. Geht es um den jungen Mann, der Dir und Mutter Celestes immer zur Hand geht ? Der Mann aus dem Gefängnis ?“
Erschrocken riss Renata den Kopf hoch und sah nun die Priorin mit großen feuchten Augen an.
„Woher… ich meine…. nein…es geht um….wie hast Du…..“
"Woher ich das weiß ?“ Sie lächelte Renata milde an. “Meinst Du, nur weil wir diese Tracht tragen, sind wir keine Frauen mehr ?“
Renata war verwirrt, was ihr die Oberin damit sagen wollte. „Ich verstehe nicht…“
Die Oberin lächelte wieder und nahm Renata bei den Händen. „Auch wenn ich schon jenseits der Sechzig bin und mein weltliches Leben schon fast verblasst ist in meinem alten Geist, so habe ich doch noch Augen im Kopf und sehe seine Blicke und auch die Deinen. Beide sind voller Sehnsucht, aber auch voller Zweifel und Wut auf sich selbst, weil hier etwas geschieht, was ihr beide nicht wahrhaben wollt.“ Renata begann zu zittern.

„Ich kann es nicht gutheißen und werde es auch ganz sicher nicht unterstützen, aber ich kann Dir helfen klar zu werden, was da gerade passiert. Hast Du Dich jemals der fleischlichen Lust hingegeben, bevor Dich Dein Weg zu uns geführt hat ?“
„Nein Mutter, so wahr ich hier sitze, niemals …..“
„Schon gut, mein Kind, ich wollte Dich nicht verurteilen. Ich versuche nur zu ergründen ob Du etwas verloren Geglaubtes zurückhaben willst, oder ob Du etwas, Dir völlig Fremdes spürst und deswegen verwirrt bist.“
Renata wollte und konnte dazu nichts sagen und so starrte sie wieder nur auf ihre Hände. „Was soll ich nur tun ?“
„Was würdest Du tun, wenn Du nicht mehr in diesen Mauern wärest? Ich meine, was wäre dann deine Lebensperspektive? Was wäre Deine Zukunft?“
Renata sagte lange nichts, sie starrte nur mit leerem Blick vor sich hin und die Oberin drängte sie auch nicht. „Ich…..“, fing Renata plötzlich leise an, “ich denke ich würde einen Beruf erlernen und dann arbeiten wie jeder andere auch.“

„Und glaubst Du, dass Du dann weniger wert wärst in Gottes Augen ?“
„Ich hätte ihn enttäuscht, das glaube ich. Ich schwor ihm allein zu dienen.“
„Mag sein, aber Gott ist nicht so nachtragend wie Du denkst“, antwortete die Oberin und musste schmunzeln, „er wäre kein guter Gott wenn er darauf bestehen würde Dich für sich ganz allein zu haben, meinst du nicht ? Oder ist es nicht wahrscheinlicher, dass er Dich lieber mit einem guten irdischen Mann teilen würde und du glaubst trotzdem noch an ihn und betest zu ihm ?“

Renata sah nun die Priorin mit großen Augen an. „Mutter Oberin, du bist immer so weise und hast auf alles eine Antwort, die sogar ich kleines Nichts begreife. Jetzt weiss ich was ich zu tun habe.“
Nun war die Oberin doch erstaunt über die Worte Renatas und hob die Augenbrauen. „Ach ja ? Na das war ja einfach.“ Sie lächelte. „Und was wirst Du tun ?“
„Das möchte ich jetzt noch nicht sagen wenn Du es gestattest.“

„In Ordnung, aber bitte informiere mich bevor du etwas unternimmst, und nicht hinterher. Versprochen ?“
„Versprochen“, nun lächelte auch Renata wieder.

Die Oberin verlies das Zimmer und Renata schloss die Türe. Sie sah wieder zum Kruzifix und nickte ihm zu. „Danke auch Dir o Herr, für Deine Güte.“
In den kommenden Tagen war Renata wieder gut gelaunt und ihre Stimmung fiel sogar den anderen Mitschwestern auf. Renata hatte einen Entschluss gefasst und konnte es nicht abwarten Phillip davon zu berichten. Sie zählte die Stunden bis er wieder zur Arbeit gebracht wurde.

An dem Morgen, als Phillip wieder da war, brachte Renata beim Frühstück vor Aufregung keinen Bissen hinunter. Sie wollte endlich wieder Phillip in die Augen sehen und ihm sagen, dass sie mit ihm fortgehen wollte. Natürlich erst wenn er aus dem Gefängnis kam. Sie musste ja auch noch ihre Pflicht erfüllen im Kloster, aber nun war sie sich sicher was sie wollte. Zumindest glaubte sie es zu wissen.
Phillip war wie immer schon im Garten zu Gange als Renata den Hof betrat. Phillip kehrte ihr den Rücken zu und sein Wächter war auf dem Weg zur Küche. Er nickte Renata nur zu und ging weiter.
Renata ging auf Phillip zu und berührte ihn am Ellenbogen. Er erschrak und drehte sich rasch zu ihr um.
„Entschuldige“, sagte Renata verlegen, „Ich wollte Dich nicht erschrecken.“
„Oh“, gab Phillip zurück,“ die Berührung war Nichts im Vergleich zu dem Kuss.“

Renata wurde rot „Das war nicht Recht, bitte verzeih mir. Ich habe Dich nicht in Schwierigkeiten bringen wollen.“ Sie senkte den Blick. „Aber ich musste es tun. Es.... es erschien mir richtig zu sein in diesem Moment.“
Auch er senkte den Blick und Renata sah ihn nun wieder an. Er flüsterte fast „Aber es war der schönste Kuss, den ich jemals bekommen habe.“
Renata sah sich um ob sie allein waren. Niemand war in der Nähe und so nahm sie Phillips Hand in ihre.
„Komm mit“, flüsterte sie nun auch. Sie zog ihn Richtung Türe. Er folgte ihr mit verwirrtem Blick. In diesem Moment erschien der Wächter wieder im Türrahmen und Renata konnte gerade noch Phillips Hand unauffällig loslassen.
„Wohin des Weges“ fragte er Phillip mit rauer Stimme. Dieser sah immer noch verwirrt Renata an.
„Ich bat ihn mir die schweren Körbe für die Ernte aus dem Keller zu holen und da er den Weg nicht kennt gehe ich rasch mit.“
„Hmm, da komm ich wohl besser mit. Sicher ist sicher.“ Er setzte sich in Bewegung.
Renata reagierte schnell „Nicht nötig, es ist ja gleich hier und wenn was sein sollte dann rufe ich sie, ganz bestimmt. Wir sind gleich zurück.“

Der Wachmann kniff die Augen zusammen, aber die Aussicht auf eine Kellertreppe und ein Blick auf seinen nicht unwesentlichen Bauch bewogen ihn dann doch lieber wieder in die Küche zu gehen auf einen kleinen Nachschlag und eine weitere Tasse Kaffee.
Renata sah sich noch mal um und als sie sicher war, dass niemand sonst in der Nähe war eilte sie schnellen Schrittes mit Phillip hinter sich die Stufen zum Keller hinab.
Am Ende des Ganges öffnete sie mit einem Schlüssel einen der kleineren Räume. Sie betätigte den Schalter an der Wand und ein schwaches Licht erhellte eine Szene von Kisten am Boden, Regalen an den Wänden und einigen alten Möbeln, die ihre besten Jahre längst hinter sich hatten.

Die Novizin zog Phillip in den Raum und während dieser sich immer noch verwirrt umsah ergriff Renata seine Hand und zog ihn zu sich heran. Sie umarmte ihn und küsste ihn leidenschaftlich.
„Aber“, begann er immer noch fragend. Renata legte ihm einen Finger auf den Mund und ging zur Tür. Er sah ihr nach. Sie schloss die alte Holztüre und drehte den Schlüssel von innen. Sie sah über ihre Schulter Phillip an, der wie angewurzelt dastand und Renata anstarrte.
Es roch muffig und viele verstaubte Kisten und Möbel standen an den Wänden herum. Renata war wohl schon einmal hier und kannte sich aus, denn nachdem sie die Türe geschlossen hatte, griff sie in eine Kiste und holte einige Decken hervor. Sie warf sie auf den Boden, drehte sich zu Phillip und küsste ihn wieder.

Es war Herbst und die Angehörigen der neuen Klosterschwestern waren alle in der Kirche des Klosters versammelt. Als die Messe begann, die den acht Schwestern dazu diente ihr ewiges Gelübde abzulegen, waren alle Augen nach hinten gerichtet. Zum großen Portal, durch das der Bischof, die Priester und Ministranten, die Priorin und Nonnen, und zu letzt die neuen Schwestern die gotische Kirche in der traditionellen Prozession betraten. Ein Chor erklang von oben und lies in hellen Stimmen „Großer Gott wir loben Dich“ erschallen. Eine Gruppe aus dem nahegelegenen Knabengymnasium sang immer zu den Hochfesten und dieser Tag gehörte natürlich dazu.

Der Bischof segnete seine Schäfchen, umrahmt von Ministranten, die große Leuchter und Weihrauch trugen. Alle in der Prozession senkten ihre Köpfe, nur die neuen Schwestern warfen ab und an einen raschen Blick unter die anwesenden Gläubigen, um vielleicht einen ihrer Angehörigen zu sehen.
Auch Maria Renata sah immer wieder in die Gesichter, die von den Flammen der Leuchter erhellt wurden. Eigentlich hatte sie keine Hoffnung das Gesicht, nach dem sie Ausschau hielt zu sehen, aber dann sah sie es doch. Ganz versteckt am Ende einer der hinteren Bänke stand er. Sie wusste, dass er vor zwei Monaten bereits entlassen worden war.
Und auch Phillip sah sie an. Es war nur ein Augenblick, eine Sekunde in der sich ihre Augen trafen, aber für beide war es der Moment, an dem sie sich endgültig verabschiedeten und wussten, sie würden sich niemals wiedersehen.

Phillip sah ihr nach und dachte wieder an jenen Tag, an dem er sie das erste und einzige Mal festhalten und lieben durfte. Er hatte hinterher immer noch den Satz im Kopf, den sie mit leuchtenden und tränenden Augen sagte, während sie in seinen Armen lag.
„Es tut mir leid, aber ich kann nicht bei Dir bleiben, bitte verzeih mir.“
Seit diesem Vormittag hat er Renata nicht mehr gesehen und anfangs wusste er nicht was das Ganze zu bedeuten hatte. Im Lauf der Monate hatte er es verstanden und er musste heute hier sein um ihr bei ihrer Entscheidung beizustehen.

Renata blickte nochmals über ihre Schulter und noch immer sah Phillip sie an.
Ein flüchtiges Lächeln umfing Renatas Gesicht und Phillip lächelte unbeholfen zurück. Er nickte ihr unmerklich zu und sie wusste es richtig zu deuten. Dann ging sie weiter um den Rest ihres Lebens im Glauben und in der Treue zu ihrem Gott zu beginnen.

Sie hat ihre Entscheidungen nie bereut. Weder ihr Gelübde, noch jenen Vormittag im Keller.
...
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Kommentare
Chandini
Chandini, 03.02.2010
Es irritiert mich zwar immernoch, dass der "Infinitiv mit zu" nicht mehr durch Komma vom restlichen Satzgefüge abgetrennt wird bzw. werden muss, aber die Geschichte ist trotzdem ein bewonders wertvoll wert!
Wuschel11
Wuschel11, 02.02.2010
tolle Geschichte, mir hat sie gut gefallen, allerdings würde ich das Wort Etablisment in ein anderes Wort tauschen. lg
cleo1
cleo1, 02.02.2010
Toller Bericht. Würde mich über Gegenlesung sehr freuen. LG cleo1
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blue11

In den Gedanken der Kunst

ein Testbericht von 2009-10-18 12:22:59 vom 18.10.2009
Empfehlung: ja
Vorteile: weiß nicht^^...
Nachteile/Kritik: auch nich
Ich hoffe ich bin in diesem Thema richtig. Denn ich möchte eine von mir selbst verfasste Geschichte vorstellen.
Der Anlass zur Geschichte war der Deutschunterricht. Ich bin in der 9ten Klasse und das Thema lautete: Schreiben nach Impuls
Uns allen wurde das Bild "sternennacht" von Vincent van Gogh vorgelegt. Dazu sollten wir dann eine Kurzgeschichte schreiben. Meine Geschichte ist wahrlich nicht die Beste, aber immerhin die beste aus meiner Klasse. Ich möchte Euch bitten, zu beachten, dass ich erst fünfzehn Jahre alt bin und daher keine Erfolgsautorin. Es macht mir einfach nur Spaß Geschichten zu schreiben und hiermit danke ich meiner Deutschlehrerin für ihren prima Unterricht x)
In den Gedanken der Kunst

Leid, Trauer und Einsamkeit. So schienen mir seine letzen Jahre. Sein Gesichtsausdruck wurde immer leerer. Alleine. Alleine als unscheinbarer Künstler. Um sich seine neue Farbe leisten zu können, verzichtete er tagelang auf sein Mahl. Einen Zusammenbruch nach dem anderen. Das einzige, woran er sich festhalten konnte, war ich. Die Kunst, auf die Leinwand gebannt. Doch mir schien es so, als gäbe es etwas Wichtigeres für ihn. Die Sucht! Doch das war nicht immer so gewesen. Früher war er anders. Sein Verhalten war nicht ansatzweise so skurril.
.
Das war nun aus Vincent geworden: Ein von Absinth und sonstigen krankmachenden Sachen abhängiger Mann, welcher unter fürchterlichen Wahnvorstellungen litt.
.
Ich, als Bild, konnte ihn jederzeit beobachten. Unvollendet stand ich da. Auf einer Staffelei in seinem Wohn- und Kunstzimmer. Manchmal wurde es zur Qual ihn anzusehen. Noch viel schlimmer war es, ihm dabei zuzuhören, wie er dem Wahn verfiel:
.
„ Geh weg! Teufel! Was willst du von mir? Ich werde nicht mitkommen. Du wirst mich nicht in den Tod reißen! Zu schön ist es hier. Der Anblick in meinen Gedanken. Ein Dorf, beobachtet von einem Hügel in einer klaren Sommernacht. Diese wunderbaren Farben. Meine Vorstellung von einer pefekten Welt. Du kannst es mir nicht entreißen!“
.
Völlig wild rannte er von einer Ecke zur anderen. Schreie – Wut – Verzweiflung, die in einem Zusammenbruch in Verbindung mit tragischen Depressionen endeten.
Er kroch über den kalten Boden in die Küche, zog sich am Schrank hoch und nahm sich ein Messer.
.
„ Verschwinde! Du bekommst mich nicht, Teufel! Ich bin Künstler. Ich lebe nicht für die Kunst, ich BIN die Kunst!“
.
Er wirbelte das scharfe Messer durch die Luft und schlug wild um sich. Von dem Gedanken besessen, der Teufel wolle ihn holen.
.
Ein paar Tage später saß er vor mir und malte. Er malte wie im Wahn. Er malte, wie er es dem Teufel beschrieben hatte. Ein Dorf, beobachtet von einem Hügel in einer klaren Sommernacht. Seinen Kopf zierte ein notdürftig angebrachter Verband. Er hatte sich im Rausch sein Ohr abgeschnitten. Aber das schien ihn nicht zu stören. Oder bemerkte er es gar nicht? Ab und zu schien es mir so, dass er seinen gesamten Körper nicht mehr wahr nahm. Seine Sucht hatte ihn betäubt und zerstört.
.
Und nun, ein Jahr später, liege ich hier, neben einer leeren Flasche Absinth und musste soeben zusehen, wie er kläglich starb.

mfG blue11
...
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Kommentare
sigrid9979
sigrid9979, 15.09.2009
Sh und liebe Grüße ..... Freue mich über deine Gegenlesungen. Lg Sigi
Lale
Lale, 15.09.2009
Schrieb wurde gerne gelesen.
Beste Grüße
morla
morla, 15.09.2009
wünsche dir einen schönen abend lg. petra
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Fragen an das Herz.

ein Testbericht von 2007-02-15 22:18:23 vom 15.02.2007
Empfehlung: ja
Vorteile: ihr entscheidet...
Nachteile/Kritik: ihr entscheidet
Fragen an das Herz.

Ich sitze unter einem Baum, der geschmückt ist mit blassrosa Blüten, ich nehme an, es ist ein Kirschbaum. Sein Duft macht mich ganz träge. Man könnte glauben, man wäre nicht alleine. Das bin ich auch nicht. Bestimmt nicht? Ich versuche es einfach… „Hallo.“, sage ich. „Es ist gerade so schön hier.“ Und tatsächlich, es kommt eine Antwort. Ein Mann mit einer warmen, väterlichen Stimme, er spricht zu mir: „Das stimmt.“ „Sie sind da.“ „Ja, ich bin da.“ Ich kann nicht ausmachen, wo genau er ist, aber ich kann ihn hören. Und das beruhigt. „Genießen Sie auch das schöne Wetter? Dieser strahlend blaue Himmel erfüllt mich... mit einer tiefen Freude, die ich nicht genau beschreiben kann.“ „So geht es mir auch. Es ist ein schöner Tag.“ Ich ergreife die Initiative: „Es klingt… vielleicht merkwürdig… aber würden Sie mir eine Geschichte erzählen? Einfach so?“ „Kommt drauf an was Sie hören möchten.“ „Also am liebsten etwas über Delphine… die mochte ich schon seit meiner Kindheit.“ „Die schon etwas länger zurückliegt?“ „Ja. Leider.“ Es war schön jemanden zum Reden zu haben. Die Welt ist oftmals so kalt und leer. Der Mann erzählt: „Delphine… sie sind Geschöpfe des Meeres. Sie sind Säugetiere. Ähneln uns in vielfacher Weise, und sind doch so verschieden.“ Ich schloss meine Augen und konnte das Rauschen des Meeres fast spüren. „So ist es doch oftmals. Das man sich ähnelt aber doch nichts miteinander anfangen kann.“ Er erzählt weiter: „Das stimmt, und das ist auch oftmals das traurige an der heutigen Gesellschaft, die viel zu individuell aufgebaut ist, und das zwischenmenschliche so im Dunkel versickert.“ Ich erschauderte. „Alles ist dunkel.“ „Alles ist dunkel. Auch die tiefsten Tiefen des Ozeans. Doch die Delphine halten zusammen.“ „Von Tieren können wir viel lernen, nicht?“, philosophierte ich. „Das stimmt.“ „Glauben Sie an das Gute im Menschen?“, frage ich. „Hmm. Teilweise. Aber oftmals verliere ich auch den Glauben an sie. An das einzelne Individuum, oder an die Gesellschaft an sich.“ „Wegen den Ideologien der westlichen Welt?“ „Man kann heutzutage kaum noch von Ideologie reden. Entweder richtet sich die Gesellschaft mechanisch gleich aus (Globalisierung!!!) oder aber, die falsche Ideologie wird gepredigt von den Mächtigen dieser Welt, und die kleinen Menschen saugen ihre Worte begierig auf…“ „Ich verstehe was Sie meinen…“ „Wirklich?“ „Teilweise.“ Ich seufze. „Wieso ist das Leben nur so schwer.“ „Wieso tun Sie es sich so schwer?“ „Was meinen Sie?“ „Mit Melancholie kommt man genauso wenig weiter wie mit überschwänglichem Übermut.“ „Was kann man gegen die Melancholie tun?“ „Leben. Leben Sie einfach. Tun Sie das, was Sie tun möchten, ohne jemanden dabei zu verletzen. Geht es Ihnen gut, so geht es auch anderen gut.“ „Meinen Sie?“, ich war skeptisch. „Ich glaube… eher nicht.“ Ein Windhauch fegt mir über das Gesicht. „Z.B. meine Feinde… Ihnen würde es nicht gut gehen, wenn es MIR gut geht. Und dann geht es wieder jemandem nicht gut. Und so soll es doch nicht sein…?“ „Haben Sie Feinde oder reden Sie sich das nur ein?“ Ich denke nach… „Ich… weiß nicht. Jeder hat Feinde, oder etwa nicht?“ „Wenn das jeder einzelne Mensch auf dieser Welt denken würde, dann wäre jeder mit jedem verfeindet. Nicht?“ „Hmm..“ „Und wenn niemand auf dieser Welt daran dächte, er hätte einen Feind, sondern dass alles harmonisch und wohl abläuft, das jeder mit jedem klarkommt, dann hätte kein Mensch mehr einen Feind. Logisch?“ „Das…stimmt.“ „Also wenn auch jeder Mensch daran dächte, er hätte genug zum leben, und das restliche, den Luxus, bräuchte er nicht… dann würde alles wohl verteilt sein, oder?“ „Ja.“ „Und wenn…“ „Mein Kopf…“ „Ihr Kopf?“ „Er ist frei. Ich danke Ihnen. Reden wir über die Oper.“ „Die Oper gehört zur Musik. Und die Musik ist das größte Gut der Menschen, nach Albert Einstein.“ „Das stimmt. Haben Sie die Salzburger Festspiele 2006 gesehen?“ „Das habe ich wohl oder übel verpasst.“ „Machen Sie sich nichts draus. Es war nicht gerade überragend.“ „Wieso nicht?“ „Die Operninszenierung setzte auf sex sells. Das verkauft sich immer gut. “ „Noch ein Problem der heutigen Gesellschaft.“ „Und von Zeit zu Zeit hüpfte ein improvisierter Amor durch das Geschehen, der die Fäden spannte zwischen den verschiedenen Liebespaaren. Dieser kommt auch nicht im Original vor, wissen Sie?“ „Ja ich habe mich auch schon gewundert.“ „Immer dieser Modernisierungswahn, der auch nicht vor der Oper halt macht.“ „Machen Sie sich nicht zu viele negative Gedanken, meine Liebe.“ „Danke dass Sie mich daran erinnern. Wie heißen Sie überhaupt?“ „Kranz. So wie der Weihnachtskranz. Nur ohne Weihnachten.“ „Ja, das kann ich mir gut merken. Glauben Sie an Gott?“ „Was wäre denn das Leben ohne eine transzendentale Macht, die über allem steht?“ „Also ja?“ „Das müssen Sie selbst entscheiden.“ „Aber ich habe doch Sie gefragt?“ „Ja, Sie haben mich gefragt, den Herrn Kranz, der in Ihrem Herzen wohnt.“ „In meinem Herzen?“ „In Ihrem Herzen, weil er das Herz ist.“ Und so hatte mein Herz einen Namen gefunden.


Danke für hilfreiches Feedback ^^
lg, Dahia
...
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Kommentare
campimo
campimo, 15.02.2007
Falls du gerne und desöfteren mal Kurzgeschichten schreibst, empfehle ich dir die Internetseiten: www.drabbles.de und www.kurzgeschichten-planet.de. Darüber gibt es hier auch Testberichte.
moniseiki
moniseiki, 10.12.2007
-SH--LESEN UND GELESEN WERDEN---Liebe grüße moniseiki
Sabate
Sabate, 13.05.2007
Gruss aus Berlin und einen schönen Sonntag...Todd
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maurenbrecher

Freund = Freund?!? - Teil 1

ein Testbericht von 2006-11-24 13:33:51 vom 24.11.2006
Empfehlung: nein
Vorteile: wisst ihr ja jetzt...
Nachteile/Kritik: wisst ihr ja jetzt
Nun möchte ich mal eine meiner Kurzgeschichten veröffentlichen! Ich habe sie vor ca. einem Jahr für den Religionsunterricht geschrieben und denke, dass ich sie doch eigentlich in mehreren Abschnitten hier posten kann. *g*

---<</// Hinweis >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Alle Namen habe ich mir ausgedacht!! Sollte jeamd, der so heißt, etwas ähnliches zugestoßen sein, so ist das reiner Zufall!!!!

---<</// 1. Teil >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Ja, danke. Chau!“ Caroline hatte Besuch von ihrer besten Freundin Bianca bekommen. Caroline war 14 Jahre alt und ging in die achte Klasse. Bianca war schon in der Grundschule in ihrer Klasse und sie waren von Anfang an gute Freundinnen, die die schlechtesten zeiten zusammen gemeistert hatten. Sie verabredeten sich zwei bis drei mal in der Woche um dann shoppen zu gehen. Auch heute waren sie wieder in der Stadt und Caroline hatte sich ein paar neue Schuhe gekauft. Jetzt ist es acht Uhr abends und sie macht ihre Hausaufgaben.

Wie jden Morgen holt sie Bianca ab und sie gehen gemeinsam zur Bushaltestelle. Auch sonst war alles normal. Mittags nach der Schule ging Caroline zur Bushaltestelle um dann mit dem Bus nach Hause zu fahren, doch Bianca war nicht da! Caroline dachte sich: „Na, die wird schon noch kommen.“ Als der Bus kam, war Bianca immer noch nicht da. Heute war es ein junger Busfahrer, den Caroline noch nie gesehen hatte. Sie musste stehen, da sie heute zu langsam gewesen war, um einen Sitzplatz zu bekommen. Der Busfahrer fuhr sehr schnell, schneller als sonst die anderen. Und dann schrien auf einmal alle und es schepperte und es krachte und sie flog, stürzte, stieß an etwas und ... alles war schwarz vor ihren Augen!

Da, da rief jemand, dessen Stimme ihr bekannt vor kam, ihren Namen. Sie öffnete langsam ihre Augen und sie sah – ihre Mutter – und ihren Vater und ihren kleinen Bruder Max. Sie lag in einem Bett, doch es war nicht ihr Bett, das fühlte sie sofort. Und es war auch nicht ihr Zimmer, in dem sie, ihre Mutter, ihr Vater und Max waren. Die Tür ging auf und es kam eine junge Frau herein, auch sie war ihr noch nicht begegnet. Die Frau fragte: „Ist sie aufgewacht?“, und kam ans Bett. Jetzt begriff es Caroline, sie war im Krankenhaus und sie hatte ihren rechten Arm und ihr linkes Bein in Gips. Um ihren Kopf hatte sie einen dicken Verband, ihr rechter Fuß war in einer Schiene. Ihren Kopf konnte sie nicht bewegen, da auch ihr Hals in einer festen Schiene saß.

„Wie geht es dir, Caroline?“, fragte die Krankenschwester, die Silvia hieß. Caroline versuchte zu antworten, doch sie brachte keinen Ton heraus; sie versuchte es immer wieder, doch es wollte kein Ton über ihre Lippen kommen! Da kam der Arzt herein und sagte, dass alles wieder gut wird und die Wunden bis auf kleine Narben verheilen werden. Das beruhigte Caroline etwas, aber sie wollte wissen, wie es zu diesem Unfall gekommen war und das versuchte sie mit Zeichen den anderen deutlich zu machen. Der erste, der ihre Zeichen verstand, war Max. Er ’dolmetschte’ für sie. Ihr Vater fing dann an zu erzählen... Um acht Uhr gingen ihre Eltern und ihr Bruder nach Hause. Kurz darauf schlief sie auch schon ein.

Am nächsten Morgen wurde sie um sieben Uhr geweckt und wartete auf das Frühstück. Als um halb zehn immer noch kein Frühstück geklommen war, rief sie Silvia. Ihr versuchte sie das Problem klar zu machen, denn sie konnte immer noch nicht reden. Silvia erklärte ihr, dass sie ihre Mahlzeiten über den Schlauch, der in ihrer linken Hand saß, bekommt. Das beruhigte Caroline. Gegen Mittag kam der Arzt, Silvia und eine andere Schwester. Der Arzt sagte ihr, dass sie wahrscheinlich nur noch im Rollstuhl sitzen muss. Sie war darüber nicht gerade erfreut.

Nachmittags kam dann Bianca vorbei und brachte ihr die Hausaufgaben. Bianca erklärte Caroline, dass sie gestern nicht zur Burshaltestelle kommen konnte, da sie noch einmal in die Stadt musste. Dann fragte, fragte und fragte sie und Caroline versuchte jede Frage mit Zeichen zu beantworten. Am Abend kamen dann ihre Eltern mit Max und blieben wieder bis acht Uhr. So ging es einige Tage lang...

Fortsätzung folgt...

PS: Die Bewertung bezieht sich auf die Kurzgeschichte! *gg*



thx fürs Lesen


© 2003 by Torbjörn Klatt aka maurenbrecher

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-10 18:11:00 mit dem Titel Freund = Freund?!? - Teil 2
---<</// 2. Teil >>---
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Eines Tages, Caroline hatte wieder Sprechen gelernt, sagte der Arzt, dass sie heute ihren Verband am Kopf abbekommen würde und dass sie wieder normal essen kann. Sie freute sich sehr und fragte gleich, wann sie denn den Gips abkriegt. Dazu konnte er jedoch noch nichts sagen. Diese tolle Nachricht konnte sie nicht länger für sich behalten, deshalb rief sie gleich zu Hause an und erzählte es ihrer Mutter. Als Bianca Nachmittags zu Besuch kam, sah sie sofort, dass der Verband ab war. Sie freute sich mit Caroline, dass es ihr wieder besser ging. Sie redeten viele Stunden miteinander, bis um sechs Uhr, als Carolines Eltern kamen. Es verging so Tag für Tag und Caroline verspürte trotzdem keine Langeweile.

Doch eines Tages kam Bianca nicht und den folgenden auch nicht und den darauf folgenden wieder nicht. Caroline ärgerte sich sehr und rief dann bei Bianca an. Dort nahm keiner ab, nur der Anrufbeantworter und auf den wollte sie nicht sprechen, sie wartet dann lieber eine Weile und spricht dann mit ihr persönlich. Doch sooft sie es auch versuchte, es nahm und nahm keiner ab. Als dann ihre Eltern kamen, erzählte sie ihnen das. Sie konnten es sich auch nicht erklären und versprachen, sich darum zu kümmern. Sobald sie etwas von Bianca hören sollten, wollten sie es Caroline sagen.

Am nächsten Tag kam Bianca wieder nicht. Caroline war richtig böse auf sie. Ihre Mutter sagte ihr dann abends, dass sie Bianca heute Nachmittag in der Stadt gesehen hatte. Mit anderen Jugendlichen, die sie schon öfters im Stadtpark gesehen hat. Caroline wollte diese Jugendlichen genauer beschrieben haben. Als die Mutter fertig war, war Caroline sehr traurig und noch wütender auf Bianca und sie rief: „Mensch Bianca, mit welchen Chaoten lässt du dich da ein!!!“ Sofort kam Silvia und fragte: „Was ist denn los, ist alles in Ordnung?“ Caroline sagte nur: „Ich bin wütend.“ Silvia ging wieder. Ihre Eltern blieben noch ein wenig, dann gingen auch sie. In dieser Nacht konnte Caroline nicht gut schlafen. Sie dachte immer wieder über Bianca nach.

Am nächsten Tag war Caroline sehr, sehr müde und schlecht drauf. Das merkte Silvia und fragte sie darauf hin: „Hey, Caroline. Was ist los? Warum guckst du so traurig? Kann ich dir irgendwie helfen?“ Und dann erzählte Caroline über Bianca. „Ich kann dich ganz gut verstehen“, sagte Silvia, als Caroline fertig war zu erzählen, „So etwas habe ich auch schon einmal erlebt. Wenn du willst, erzähle ich dir die Geschichte.“ „Ja, gerne,“ sagte Caroline, „aber ich bin sehr müde, also, es ist nichts gegen dich, wenn ich einnicke.“ Und Silvia fing an...

„Du hast recht, wenn ich Bianca das nächste mal sehe, werde ich mit ihr darüber sprechen und, wenn sie es bereut, ihr verzeihen. Ansonsten werde ich ihr deine Geschichte erzählen und hoffen, dass sie sie versteht. Ich glaube, du hast mir geholfen andere Menschen zu verstehen. Vielen Dank!“, sagte Caroline, als Silvia zu Ende erzählt hatte. Kurz darauf kamen dann auch ihre Eltern und waren froh, dass Caroline wieder fröhlich war.

Die nächsten Tage und Wochen vergingen und vergingen, aber viel zu langsam. Caroline hatte immer mehr Langeweile, selbst ihre Eltern und Silvia konnten keine neuen Beschäftigungen, die sie noch nicht ausprobiert hat, finden. Caroline konnte ja nicht nur schlafen und fernsehen oder malen, ganz davon zu schweigen, dass sich Caroline über ihre Bilder überhaupt nicht freut, da sie ja nur mit links malen kann. Sie sagte immer dann, wenn sie ein neues Bild gemalt hat: „Silvia schmeiße bitte meine Bilder alte weg oder verbrenne sie! Jedenfalls nicht aufhängen, ich möchte mich nicht blamieren.“ Silvia versucht Caroline es immer wieder klar zu machen, dass sie nichts dafür kann, dass ihre Bilder so krackelig aussehen. Caroline will jedoch nichts wissen. Sie ist total deprimiert.

Dann, eines Tages bei der Visite, sagt der Arzt: „Caroline, morgen wird dein Gips abkommen. Aber vergiß nicht, du wirst wahrscheinlich nicht mehr laufen können, nur noch im Rollstuhl sitzen.“ Caroline war einerseits froh, dass sie den Gips nun endlich abbekommen würde, anderseits jedoch traurig, dass sie nicht mehr laufen kann. Es vergingen noch einige Tage, doch dann...

„Jippy!!! Endlich!!! Ich hab's geschafft!!!“, sie ist außer sich als sie erfährt, dass sie nun entlassen wird.

„Hi, Mum!! Ich werde morgen entlassen!!“, ruft sie, als ihre Eltern abends zu Besuch kommen, Morgen abend kann ich endlich wieder in meinem eigenen Bett schlafen. Es gibt bloß ein Problem. Wie soll ich mit dem Rollstuhl in die erste Etage kommen?“
„Wieso Problem?“, sagte ihr Vater, „Wir haben dein Zimmer mit dem Büro getauscht. Wie findest du das?“
„Oh man, das ist cool. Ich wollte schon immer das Zimmer haben. Und was ist mit dem Badezimmer? Wie soll ich mich jetzt duschen oder baden?“
„Wir haben schon eine behindertenfreundliche Dusche und einen Stuhl, der in die Badewanne gestellt wird, bestellt.“
„Ich habe dir viele Bilder gemalt und Mama hat sie dann in dein neues Zimmer gehängt“, wollte Max sich am Gespräch beteiligen. „Man, was habe ich für eine nette Familie“, schwärmte Caroline und gab allen ein Küßchen.

Fortsätzung folgt...



thx fürs Lesen


© 2003 by Torbjörn Klatt alias maurenbrecher

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-12 09:52:12 mit dem Titel Freund = Freund?!? - Teil 4
---<</// 4. Teil >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Am nächsten Tag muss Caroline noch nicht in die Schule.
„Mama, heute muss ich in die Stadt. Ich muss noch ein Geschenk für Silvia kaufen.“
„Ja OK, Heute vormittag muss ich noch Hausarbeiten erledigen, wir können dann heute nachmittag in die Stadt fahren.“
„Kann ich mitkommen?“, fragte Max, der genüßlich sein Müsli aß.
„Wenn du dich nicht verabreden willst, gerne“, antwortete die Mutter
„Soll ich dir bei den Hausarbeiten helfen?“, fragte Caroline ihre Mutter.
„Nein, nein, lass mal sein. Das schaffe ich schon alleine.“

Der Vater wurde heute von einem Arbeitskollegen mitgenommen, sodass ihnen das Auto zu Verfügung stand.
„Lasst uns zuerst zum Buchhandel. Ich weiß was Silvia gerne ließt“, sagte Caroline als sie in der Stadt waren.
„Man, was war ich lange nicht mehr in der Stadt“, sagte Caroline als sie auf dem Marktplatz kamen.

„Ja, das ist es was ich suchte“, sie hatte ein Buch gefunden, was Silvia garantiert gefallen würde.
„Ja dann gib mal her, ich bezahle es, oder willst du noch weiter gucken?“
„Nein, nein. Das will ich bezahlen, oder hat Silvia etwa dir geholfen?“, entgegnete Caroline ihrer Mutter entschlossen.
„Mami, bekomme ich ein Teilchen?“, fragte Max, als sie wieder auf dem Marktplatz standen.
„Ja, möchtest du auch eines Caroline?“
„Ja gerne, ich muss so vieles nachholen!“

„Mhmm.... ist das lecker!“, sagte Caroline als sie in das Joghurtplätzchen biss. Oh, verdammt. Kaum esse ich mal wieder ein Plätzchen, schon kleckere ich. Und dann auch noch auf meinen Lieblingspulli.“
„Das ist nicht schlimm. Wozu gibt es denn Waschmaschinen?!“, beruhigte sie die Mutter.
„Caroline, ist das da vorne nicht Bianca?“, sagte Max auf einmal.
„Ja, du hast recht. Das ist Bianca“, bestätigte sie.
„Das sind auch die, mit denen ich Bianca das letzte Mal in der Stadt gesehen habe“, sagte ihre Mutter. Als sie an Bianca und den anderen Jugendlichen vorbeikamen kicherten diese und glotzten Caroline an. Caroline war schlagartig traurig und dachte sich: „Na warte Bianca, mit dir werde ich noch sprechen.“

Als Caroline eine Woche später wieder in die Schule kam, musste sie Unmengen an Fragen beantworten und in den Stunden musste sie jedem Lehrer ihre Geschichte erzählen. Die einzige die keine Fragen stellte oder mit ihr sprach war Bianca. Das fiel Caroline auf und in einer Pause fuhr sie dann zu ihr hin und fragte sie, was denn mit ihr los sei, warum sie nicht mehr ins Krankenhaus gekommen war und warum sie, als sie sich in der Stadt begegnet waren, so dumm geglotzt und gekichert habe. Bianca hob bloß ihre Schultern.

„Hey Bianca, sollen wir uns mal wieder verabreden, um dann in Ruhe miteinander sprechen zu können?“
„Na gut, wenn du unbedingt möchtest. Am besten ist es morgen“, sagte Bianca endlich.
„Das geht prima. Willst du zu mir oder soll ich zu dir kommen?“
„Komm du ruhig zu mir.“

„Morgen gehe ich zu Bianca, wir wollen dann in Ruhe miteinander sprechen“, sagte Caroline abends, vor dem Fernseher, ihren Eltern.

Der nächste Schultag verging dann ziemlich normal. Um drei fuhr Caroline dann zu Bianca, die ja nur ein paar Häuser weiter wohnt.
„Hi, Caroline“, sagte Bianca als sie ihr die Tür öffnete, „wo sollen wir uns hinsetzen?“
„Lasst uns ins Wohnzimmer gehen. Ich denke, dass wir da ungestört reden können“. Dann fing Caroline an Fragen zu stellen...

„Du hast recht, Caroline, ich war echt fies zu dir. Verzeihst du mir? Bitte. Ich verspreche dir, so etwas nie wieder zu tun.“
„Klar verzeihe ich dir, du bist doch meine beste Freundin, oder etwa nicht?“
„Danke. Eigentlich schon und Freunde, die sich nicht zanken, sind keine richtigen Freunde, oder?“
„Genau!“
„Man, was war ich blöde!!“ Und Bianca umarmt Caroline so, als hätten sie sich nie gestritten.

~~~~~~~~~~~~~~~~~
---<</// ENDE >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~


---<< /// Fazit >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich denke mal, dass man gemerkt hat, dass es eine rein fiktive Geschite ist und die Fantasie doch mit mir durchgegangen ist! (Thema der Religionsunterrichtseinheit: Behinderte in unserer Gesellschaft!)

Die Bewertung bezieht sich nun doch eigentlich auf die Freundschaft und wie wichtig doch gute Freunde sind, die wirklich in jeder Situation zusammenhalten können!! Das war auch der eigentliche Sinn, warum ich diese Geschichte geschrieben habe!


Wie immer bin ich über Anregungen und konstruktieve Kritik sehr erfreut!! (und nicht einfach bewerten und fertig! Oder überhaupt nicht bewerten!!!! Wer liest wird schließlich auch ne Meinung haben!)



thx fürs Lesen


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...
Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
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rubyk

Magischer Moment

ein Testbericht von 2006-08-22 14:50:47 vom 22.08.2006
Empfehlung: ja
Soeben habe ich entdeckt, dass man hier auch seine Gedichte/Gedanken und auch Kurzgeschichten veröffentlichen kann, was ich sehr schön finde, denn ich liebe es zu Schreiben, da ich mich schriftlich irgendwie besser ausdrücken kann.

Ich möchte euch nun eine meiner Geschichten vorstellen, welche ein Versuch war.
Normalerweiße umfassen meine Storys meist 30 und PC-Seiten, doch da immer und überall von Kurzgeschichten geredet wird, beschloss ich irgendwann auch mal eine zu versuchen.

Über eure ehrliche Resonaz würde ich mich sehr freuen, doch bitte geht nicht so streng mit mir ins Gericht, es ist, wie gesagt, mein erster Versuch.



Magischer Moment

Langsam kam die Nacht hinter der Stadt hervor gekrochen und hüllte die Umgebung in die sehnsüchtig herbei gesehnte Dunkelheit. Vereinzelt funkelten Sterne am Himmel und der volle Mond schenkte der Nacht einen hellen Glanz. Von weitem vernahm ich düstere Klänge, voller Sehnsucht und Melancholie. Ich fühlte mich wohl und lief der Musik entgegen.
Auf meinem Weg begegneten mir immer wieder fremde Menschen, denen ich mich irgendwie verbunden fühlte. Wieder traf ich auf eine Gruppe junger Frauen. Ihre weiß geschminkten Gesichter leuchteten im hellen Schein des Mondes, wobei die dunkel und kunstvoll angemalten Augen geheimnisvolle Blicke versanden. Während sie an mir vorbei liefen, nahm ich den herben, erdig warmen und schweren Geruch ihres Parfums in mich auf. Es roch irgendwie modrig, ähnlich dem Tot. Patschuli,- dachte ich mit einem Lächeln auf den dunklen Lippen und lief langsam weiter. Mein schwarzes, Boden langes Samtgewand wehte dazu leicht im seichten Sommerwind. Je weiter ich ging, umso näher komme ich den Klängen. Dudelsäcke erklangen und unzählige Menschen sangen im Chor. Laute Paukenschläge waren zu hören, aber auch der unverwechselbare Klang von Gitarren und anderen modernen Instrumenten. Erneut musste ich lächeln und dachte bei mir: Das ist der Klang von Freiheit. Zwei Tage unbeschwert sein und an nichts denken.
Der erste Tag des Festival der schwarzen Szene neigte sich nun dem Ende entgegen.
Anfänglich war ich nur wegen ihm gekommen, dem Alptraum aller Eltern, Lehrer, Christen oder auch selbst ernannter Moralapostel, US-Schockrocker Marilyn Manson, doch nun war ich wie verzaubert, aufgrund der familiären Atmosphäre.
Irgendwo hier auf diesem Gelände, auf diesem alten Flugplatz, musste er sein, nur wo? Vielleicht war er schon an mir vorüber gelaufen, ohne das ich es bemerkte.
Er und seine gleichnamige Band waren Headliner des Wochenende und würde am morgigen Abend das Festival mit viel Aufsehen bis in das nächste Jahr ausklingen lassen.
Endlich am Ort der Musik angekommen, war soeben Ruhe eingekehrt, denn nun wurde für den letzten Act des Abends, den Headliner des Samstag Abends, erneut umgebaut.
Im Gras, neben einer weiteren Gruppe aufwendig gestylter Besucher, nahm ich platz und begann zu träumen. Unzählige Gedanken tanzten mir im Kopf umher. Ich dachte über diese Kultur und deren Philosophie nach. War fasziniert von all dem, was ich hier erleben durfte. Diese Freundlichkeit und Herzlichkeit unter den Gästen. Keine lästernden Blicke, kein Getuschel und Geklatsche. Man wurde in Ruhe gelassen und durfte so ein, wie man nun einmal war. Irgendwann ertappte ich mich dabei, wie er plötzlich vor meinem geistigen Auge auf taucht.
Sein schlanker, fast schon magerer Körper, welcher übersät ist von tiefen, langen Narben und zum Teil Furcht erregenden bunten Tätowierungen, steckte in einer Montur aus Coursagen und orthopädischen Stützstrümpfen. Das Gesicht war leichenblass und Augen und Lippen schwarz verschmiert. Sein pechschwarzes Haar fiel in dünnen Strähnen über die knochigen Schultern seines geschunden Körpers. Seine Auftritte waren wahrlich ein Trip in die tiefen und bösen Abgründe der menschlichen Seele.
Plötzlich zuckte ich zusammen, denn von der Bühne her erreichten mich grell bunte Lichteffekte, während eine sanfte aber laute Melodie dazu erklang. Ich stand auf und begab mich in die Massen. Fast ohne Probleme kämpfte ich mich in die sechste Reihe vor, während nun auch die beiden Musiker die große Bühne betraten. Ohne auch nur einmal nach den Fans zu sehen, liefen sie zu ihren Plätzen, wobei einer unmittelbar vor mir stehen blieb. Eine recht unscheinbare Persönlichkeit war er. Nicht besonders groß und auch nicht aufwendig gestylt. Schwarze Jeans und schwarzes Hemd über einem weißen T-Shirt, dass war sein Outfit. Nach dem er hinter dem Mikrofon Position bezogen und sein Buch mit den Texten der Lieder auf den Notenständer abgelegt hatte, fuhr er sich nervös mit der rechten Hand durch das braune Nacken lange Haar und sah über seine linke Schulter in Richtung seines Kollegen. Auch dieser bestach nicht durch herausragende stylische Künste. Auch er gehörte zu den schlichter gekleideten, Jeans und Hemd tragenden Menschen. Ihrer Blicke trafen sich und nach dem der junge Mann mit dem kurz geschnittenen dunkelbraunem Haar, hinter seinem Notebook und Keyboard, kurz genickt hat, trat erstere wieder an das Mikrofon. Langsam legte er die rechte Hand darum, hob den Kopf und sah gerade aus, wobei ihm folgende Worte über die schmalen, zarten Lippen kamen: "Hallo, wir sind Wolfsheim."
Plötzlich begann ein ohrenbetäubender Lärm, denn die Menschenmassen schrien und jubelten vor Begeisterung.
Oh mein Gott, diese Stimme, diese unverwechselbare Stimme! - schoss es mir plötzlich durch den Kopf und ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm lösen.
Unbeirrt trat er jedoch einen Schritt zurück, verschränkte die schlanken Arme hinter seinem Rücken, senkte dabei den Kopf, sah zu Boden und lies seinen Kollegen die melodische Einführung beenden. Erneut bewegte sich der schüchtern, irgendwie scheu wirkende Mann, welcher offensichtlich Mitte Dreißig war, erneut an das Mikrofon und kündigte anschließend kurz und knapp den ersten Song an, bevor er begann diesen zu singen.
Nun stand ich hier, umringt von tausenden von Menschen und schien doch allein zu sein. Ich starrte nach vorn, begann mich wie in Trance zu der ruhigen, einfühlsamen und von Melancholie angehauchten Musik zu bewegen. Ich kannte alle Texte und sang diese leise mit. Meine Augen sahen nur noch eine Person, meine Ohren hörten nur noch seine Stimme und mein Herz begann plötzlich laut zu schlagen. Was war nur mit mir geschehen? Wegen wem war ich gleich noch mal angereist? Ich hatte ihn vergessen, denn nun waren andere Dinge wichtig.
Diese Stimme, seine Stimme, sie war einfach so atemberaubend schön. Sie berührt mich mich noch heute tief im Herzen und weckt längst vergessene Sehnsüchte. Ich fühlte mich augenblicklich geborgen und irgendwie verstanden. Diese Wärme die seine Stimme ausstrahlt, sie tut gut. Ich kann mich fallen lassen, treiben lassen und habe das Gefühl aufgefangen zu werden.
In diesem Moment in der Dunkelheit der Nacht, sprang euer Funke auf mich über und der Mond war mein Zeuge.
Obwohl ich euch beide, sowie eure Musik und Texte schon ewig kannte, konnte ich mir wahrlich nicht einmal ansatzweise vorstellen, welch ein Zauber tatsächlich von euch aus ging. Doch ich durfte es erleben und werde es wohl nie vergessen. Nach dem atemberaubendem Konzert verließ ich den Platz und schlenderte langsam und nachdenklich, in mich zurück gezogen und verträumt zurück zu meinem Zelt, wo ich schließlich diese Zeilen zu Papier brachte....
Ich danke euch für diesen magischen Moment.

Ich danke euch für euer Interesse.
...
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Kommentare
swissflyer
swissflyer, 02.10.2006
Sehr gut geschrieben! Wirklich klasse und gefühlvoll! Klar ein SH!
campimo
campimo, 27.10.2006
Beeindruckend beschrieben, echt super und auf jeden Fall ein SH!
Estha
Estha, 27.08.2006
978897889788 ... lg susi ... 978897889788
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crycorner

Kontaktanzeigen - Von Klarissa und anderen Rückschlägen

ein Testbericht von 2006-08-16 13:17:38 vom 16.08.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Is´ von mir! :-)))...
Nachteile/Kritik: Das kommt dann von Euch ... vielleicht
„Ich mache es!“ sagte ich entschlossen zu meinem Kumpel Hartmut. Dieser erwiderte ein vielsagendes „hrmpf!“ oder so ähnlich und schickte direkt noch eine überflüssige Ermahnung hinterher: “Das mit diesen Kontaktanzeigen ist doch Bullshit“ belehrte er mich mit der ihm angeborenen Eloquenz. „Heiner, Da zahlst Du Unmengen von Geld um ein paar verzweifelte, verkorkste Tussen ins Café zu führen“.
„Ach wo, Hartmut, es kostet halt ein bißchen was und wenn zwei oder drei nette Abende dabei herausspringen ist das doch prima“ antwortete ich beschwichtigend und unnachgiebig zugleich. Damit war das Gespräch für mich beendet.

Also machte ich mich daran, einen Anzeigentext zu formulieren, welcher wie folgt in der nächsten Samstagsausgabe der hiesigen Tageszeitung zu lesen war:

„m, 27, 185, 75, schl., sportl., treu, sucht w bis 25, 170, 60. Zuschr. u. Chiffre 12345678“

Klar, die Anzeige klang mehr wie eine verschlüsselte Geheimbotschaft russischer Agenten, aber sie hat in 3 Zeilen gepaßt und nur fünf Euro gekostet.

In den folgenden sieben Tagen fuhr ich ungefähr dreiundfünfzig Mal bei der Tageszeitung vorbei und erkundigte mich nach eventuellen Antwortschreiben. Es war frustrierend. Nicht eine Antwort! Und das in Berlin. Die nette Dame an der Chiffre-Ausgabe tröstete mich, bot mir das Du an und gab mir den Tipp, daß es wohl irgendwie am Anzeigentext liegen müsse.

Mit neuer Motivation und etwas investitionsfreudiger machte ich mich zuhause daran, einen neuen Text zu formulieren:

„Mann, 27 Jahre, 185cm, schlank, sportlich, treu, sucht Frau bis 25 Jahre und 60 Kilo leicht für alles, was nur zu zweit Spaß macht“ Fünf Zeilen, acht Euro fuffzig.

Isabel von der Chiffre-Ausgabe erschrak sich, als ich sie besuchte, und wendete sich hektisch vom Shredder ab. Ihre braunen Augen waren vor Angst weit geöffnet, dann schaute sie weg, strich über ihr braunes Haar, richtete ihr braunes Kostüm und lächelte mich professionell an. Dann gab sie mir Kuchen-Rezepte, ein kostenloses Exemplar der Zeitung und den Tipp, doch mal ein paar Anzeigen von Männern zu lesen, nur so zum Vergleich. Und sie gab mir einen Antwortbrief. Ich war unsäglich nervös und machte mich noch im Auto über den Brief her.

Was ich fand, war eine verblaßte Kopie eines mit Schreibmaschine geschriebenen Briefes. Selbst die Unterschrift war nicht original. Nun gut, dachte ich, die Dame – Klarissa, Konfektionsgröße 36, Studentin der Germanistik, sehr sportlich – sucht halt schon eine Weile und ist bereits etwas frustriert. Das und der sympathische kleine Fehler ihrer Schreibmaschine, das „m“ immer ein bißchen zu hoch zu setzen, weckte den Ritter in mir. Also warf ich meine schimmernde Rüstung über und nahm zwanzig Mal das Handy in die Hand, ehe ich mich entschloß, den Drachen zu wecken und die Prinzessin zu retten. Es nahm jemand ab und die rauchige, unfreundliche Stimme ließ mich zunächst vermuten, daß die Prinzessin zu Tisch sei und der Drache Telefondienst schiebe. Wie sich im Laufe der nächsten drei Sätze herausstellte, sprach ich tatsächlich mit Klarissa. Sie bestimmte einen präzisen Termin für ein erstes Treffen und informierte mich darüber, daß sie Unpünktlichkeit nicht ausstehen könne. Meinen hilflosen Versuch, Smalltalk zu betreiben, vernichtete sie mit dem Satz: ‚Über Details könne man sich ja später unterhalten’. Dann legte sie einfach auf.

Hartmut riet mir von dem Treffen ab und verwendete abermals das Wort ‚Bullshit’. Und abermals ignorierte ich seinen Rat.

Klarissa hatte in ihrem Brief nicht gelogen, sie trug Konfektionsgröße 36. Jedoch wäre Größe 42 passender gewesen. Das enge, schwarze Top, welches über dem Bauchnabel endete, drängte alle überschüssige Haut nach unten, wo sie kurz vor der rosafarbenen Leinenhose einen stabilen Rettungsring bildete. Zumindest war ihr Damenbart gepflegt. Ein schwacher Trost. Wir setzten uns und Klarissa, welche das Germanistik-Studium schon vor Jahren aufgegeben hatte, zog aus ihrer riesigen Handtasche einen abgegriffenen DinA4-Zettel heraus, auf dem stichpunktartig einige, hm, vermutlich Fragen notiert waren. Zugleich irritiert aber doch gespannt auf die Dinge, die da kommen, nahm ich erst mal einen Schluck Tee, als Klarissa unvermittelt loslegte: „Hast oder hattest Du, oder jemand aus Deiner Familie, Geschlechtskrankheiten?“ Der Tee schaute kurz in meine Luftröhre, und entschied sich dann, aus meiner Nase herauszuschießen. Ich entschuldigte mich und nahm die Serviette, um das Malheur zu beseitigen und war insgeheim sogar froh über die Bedenkzeit. Doch Klarissa legte nach: „Das ist ja ekelig! Sag´ mal, passiert Dir das öfter?“
„Nein, Deine Frage hat mich etwas überrascht, entschuldige.“
„Wieso, das ist doch eine ganz normale Frage. Wir sind erwachsene Menschen, da kann man doch über so was reden, oder nicht? Finde ich ganz schön merkwürdig, wie Du Dich hier aufführst“, erwiderte sie, offensichtlich bereits erheblich gereizt und kurz davor das Date schon nach 5 Minuten abzubrechen. Ein undefinierbares Schuldgefühl und zugleich der Ehrgeiz, es ihr recht zu machen, brachten mich dazu, sie daran zu hindern. Und so unterhielten wir uns bei zwei weiteren Tassen Tee meinerseits und zwei Flaschen Wein ihrerseits über verwachsene Zehnägel, ihren letzten Frauenarzt-Besuch, meiner theoretischen Zeugungsfähigkeit und ihren großen Kinderwunsch. Nach drei Stunden täuschte ich Müdigkeit vor und verabschiedete mich von ihr mit dem Satz: „Vielen Dank für den Abend, ich rufe Dich an“ und war froh zu wissen, daß sie meine Telefonnummer nicht besaß.

Tags darauf rief ich Isabels Tipp in mein Gedächtnis zurück und begann, alle fünfzig Seiten der Rubrik „Er sucht Sie“ zu lesen, um mir Anregungen zu holen und festzustellen, warum meine Anzeige nicht den erhofften Erfolg hatte. Das machte ich zehn Wochen lang. Isabel war so freundlich, mir jedes Mal die Top Ten Anzeigentexte der Woche zu nennen. Es gab tatsächlich Anzeigen, auf die sich mehr als zehn Frauen gemeldet haben.

Also, originell sollte sie sein, und nicht zu kurz. Der Anzeige darf man nicht ansehen, daß sie dem Verfasser eigentlich zu teuer war. Außerdem mußte man ein bißchen auf den Putz hauen. Sich - sagen wir mal - in ein besseres Licht rücken und finanzielle Sicherheit ausstrahlen:

„Nektar sucht flotte Biene, die an ihm kleben bleibt und mit ihm ein honigsüßes Leben verbringen möchte – 27-jähriger Akademiker aus gutem Hause sucht auf diesem Wege seine Traumfrau. Bist du wie ich attraktiv, intelligent, sportlich, einfühlsam, treu und vor Allem mutig, dann schreibe mir unter Chiffre 112233445 und ich lege Dir die Welt zu Füßen“.

Isabel empfing mich mit den Worten: „Heiner, stimmt das mit dem Akademiker eigentlich?“
„Naja“, antwortete ich „ich war mal in der Schulzeit als Gasthörer in einer Vorlesung der Sportwissenschaften. Meinst Du, das reicht?“ Isabel schüttelte grinsend den Kopf und zog einen Bündel Briefe hervor: „Eigentlich nicht, aber erfolgreich war´s trotzdem. Fünf Antworten.“
„Das ist ja auch das Mindeste“, sagte ich „bei Siebenundzwanzig Euro für den Anzeigentext“. Das Ergebnis war ernüchternd: Neben der altbekannten Kopie von Klarissa haben sich noch drei Partnervermittlungsinstitute und ein Mann gemeldet, der so freundlich war, mir ein Foto seiner Genitalien beizufügen.

Also gut, dachte ich. Da habe ich bereits über Vierzig Euro, zwei Tee und zwei Flaschen Wein bezahlt. Wenn ich jetzt aufhöre, war alles umsonst. Ich glaube, Spielsüchtigen geht es ähnlich. Also setzte ich alles auf eine Karte. Ich verkaufte mein Auto und schaltete für den Erlös einen ganzseitigen, farbigen Anzeigetext mit Foto, und Rahmen. Eingebettet in zwei Gedichte von Eugen Roth konnte die geneigte Leserin den eigentlichen Anzeigentext finden, den ich von einem jungen Marketing- Unternehmen entwerfen ließ:

„Hast Du die Nase voll von den Kontaktanzeigen, in denen Danny de Vito behauptet, er wäre Brad Pitt?
Hast Du keine Lust mehr auf mißglückte Treffen mit schizophrenen Muttersöhnchen und notgeilen Böcken, die sich mit dreißig Euro teuren, verlogenen Anzeigetexten tarnen?
Oder ist es genau die Angst davor, die Dich bisher davor bewahrt hat, auf eine Anzeige zu antworten?
Du verlangst nach Ehrlichkeit? Gut! Ich habe mein Auto verkauft, um diese maßlos übertriebene Anzeige zu schalten, nur um endlich mal bemerkt zu werden. Ich verdiene 1.400 EURO netto pro Monat, und habe KEINE Geschlechtskrankheiten!
Wenn Du also die Konfektionsgröße trägst, die Dir auch paßt, einigermaßen normal bist und einfach nur einen netten Mann suchst, dann würde ich mich sehr über Deine Zuschrift freuen.
Antworten von Partnervermittlungsunternehmen, Klarissa oder Männern, die Fotos ihrer Genitalien beifügen, werden rituell verbrannt.“

Isabel war begeistert und sagte mir, daß sie noch nie so viele Zuschriften für eine Kontaktanzeige erhalten hätte. Auch der Korb mit dem geshredderten Papier war voll wie nie, was mir aber erst im Nachhinein auffiel. Ich nahm den Korb mit den siebenundachtzig Antworten mit nach Hause, rief Hartmut an und wir lasen die Briefe zusammen.

7 Briefe waren von älteren Damen, die mit „i.A. Pfleger Mischa“ oder so ähnlich unterschrieben waren.
23 Briefe von Männern, die meine Anzeige außerordentlich mutig und toll fanden und dies einfach mal zum Ausdruck bringen mochten.
5 Briefe von Anwälten, die die Männer vertraten, welche sich mit den „schizophrenen Muttersöhnchen“ angesprochen und aufs schlimmste beleidigt fühlten.
2 Briefe von dubios wirkenden Männern, die mir versprachen, mir gegen ein geringes Taschengeld meine Traumfrau zu beschaffen.
48 Briefe von Partnervermittlungsagenturen aus ganz Deutschland.
1 kopierter Brief einer alten Bekannten.
Und, ich staunte nicht schlecht: 1 Brief von Isabel.

„Daß ich da nicht früher darauf gekommen bin“ sagte ich zu Hartmut und klatschte mir demonstrativ mit meiner flachen Hand auf die Stirn, was ein bißchen weh tat. Erwartungsfroh riß ich den Brief auf und las: „Lieber Hartmut, unsere Redaktion war ganz begeistert von Deiner Anzeige und sendet Dir die besten Wünsche, sowie einen Gutschein über 10 Euro, einlösbar beim nächsten Inserat. Liebe Grüße, Isabel.“

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube der Abend klang aus, indem Hartmut und ich die Briefe auf dem Wohnzimmerparkett verbrannten und dabei nackt, jodelnd und mit einer Flasche Bier bewaffnet darum herum tanzten.

Und in der Zwischenzeit vernichtete Isabel vermutlich die ernstgemeinten Zuschriften des Tages.
...
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Kommentare
campimo
campimo, 23.08.2006
Die KG ist Hammer, aber wirklich. Habe erst mal laut über den Hof gebrüllt gelacht. Hier, lies mal das: http:www.kulturindustrie.comstruebelundpassig20020103.html
snoopy202
snoopy202, 23.08.2006
Hey. Das ist ein supergeiler Bericht. Witzig, spritzig, und angeenehm zu lesen. Danke dir dafür. sh und lg Udo
Vicky
Vicky, 16.08.2006
Sehr hilfreich - Vic
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Ayeli

Melvin, das Schaf

ein Testbericht von 2006-06-27 16:44:54 vom 27.06.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Tolle Moral ;)...
Nachteile/Kritik: Kinderbuch???
Zur kleinen Einleitung:
Dieser Text sollte ursprünglich mal ein Kinderbuch werden. Die ersten 5,5 Strophen ging dann auch noch alles gut, bis eine Freundin beschloss, mir zu helfen. Von diesem Moment an gab ich es auf, dass daraus jemals ein Kinderbuch entstehen könnte. Auch der Kellner in unserem Stammlokal, den wir um eine tolle Moral baten, meinte nur: "Mädels, wenn ihr das und das und das und das und das und ... <stunden später> rauslasst, könnte es eventuell noch ein Kinderbuch werden, aber so..."
Nun denn, hiermit gaben wir es auf, haben aber meiner Meinung nach doch noch einen tollen süßen Text hinbekommen. Also, viel Spaß beim Lesen ;)


** MELVIN, DAS SCHAF **

Es war einmal ein junges Schaf,
Das ziemlich klein war und stets brav.
Jeden Tag tollte Melvin um den Schäfer herum
Und sprang dabei die anderen Schafe um.

Eins der Schafe schimpfte und fluchte,
Was so ein hässliches Schaf hier suche.
Traurig schaute der Kleine die Anderen an,
Bis eine Träne über sein kleines Gesicht rann.

Dann drehte er sich etwas tollpatschig um
Und stolzierte um die Hecke herum.
Er überlegte warum er so langweilig sei
Und wünschte sich einen anderen Körper herbei.

So hüpfte er in die nächste Stadt
Und bewunderte auf dem Weg ein buntes Blatt.
So bunt wie das Blatt wollte er sein,
Nicht mehr trist und so schrecklich klein.

Dann traf er ein Reh, groß und graziös,
Das stand dort im Wald und fraß glamourös.
Melvin staunte: "Wie groß das ist!
Vielleicht ist's so groß, weil es so viel frisst!"

In der Stadt dann angekommen
War seine Traurigkeit schnell verronnen.
Am Eck sah er 'nen Mäcki stehn
Und begann gleich darauf zuzugehn.

Das Ziel erreicht trat er ein
Und stopfte sich viel Fastfood rein.
Fertig, er blickte an sich nieder,
Und erkannte sich nicht wieder!

Den neuen Bauch, den fand er toll,
Doch er pflegt den alten Groll.
Nun war er groß und kugelrund,
Nur sein Problem: Er war nicht bunt!

Er suchte einen coolen Laden,
Er wollte bunte Kleidung tragen.
Den H&M, den fand er schnell,
Die Leuchtreklame war sehr hell.

Er lief hinein, fand einen Hut,
Ach mein Gott, der stand ihm gut!
Nun brauchte er noch Kringelsocken,
Mit diesen wollte er schließlich rocken.

Er kaufte noch ein passend Jackett,
Damit wäre sein Look komplett.
Er verließ den laden als buntes Schaf,
Doch war er leider noch zu brav!

Er dachte ein Piercing braucht er noch,
Es gilt als unbrav, wer gelocht.
Der Piercer half ihm eins zu finden,
Um Melvins Angst zu unterbinden.

Er wollte noch ein modernes Tattoo,
Das gab es schließlich gratis dazu.
Er fing an mit dem Piercer zu reden,
Der wollte ihm eine Chance geben.

Er suchte ein Mitglied für seine Band
Mit dem Namen "Devil's Hand".
Das erste Konzert war ein Erfolg,
Das hatte Melvin immer gewollt.

Doch die Band, die war nicht cool,
Denn der Sänger, der war schwul!
Der wollte Melvins Herz gewinnen,
Melvin jedoch war von Sinnen.

Und so schmiedete er ganz leise,
Auf seine eigne Art und Weise,
Einen ganz besondren Plan,
Um zu entfliehen diesem Wahn.

Beim nächsten Konzert sprang er in die Menge,
Hörte noch die letzten Klänge
Seiner alten Musicband
Mit dem Namen "Devil's Hand".

Er vermisste seine Herde
Und reiste um die halbe Erde.
Als er in die Ferne spähte,
Hörte er wie die Herde mähte.

Zum Frühstück betrat er dann die Wiese,
Als Erstes sah ihn dort die Liese.
War das der Melvin, den sie kannten?
Schnell alle Schafe zu ihm rannten.

Melvin unser Modeschaf
War weder langweilig noch brav,
Sondern gepierct und tattoowiert
Und in die Herde etabliert.

Den Schäfer traf alsbald der Schlag,
Als er die Wiese nun betrat.
Die Herde nun in Kringelsocken,
Alle Schafe zu "Slipknot" rockten.

Melvin, der war schwer frustriert,
Alle Schafe war'n tattoowiert!
Melvin schnell den Spaß verlor,
Alles war nun wie zuvor.

Für diesen langen Schafschoral
Bedarf es einer multiplen Moral:

Das Schaf, das ist ein dummes Tier,
Zum Laufen braucht es alle Vier,
Im Gegensatz zum Menschenwesen,
Das kann sogar schon Chorale lesen.

Drum hör gut zu, was ich versuch zu sagen,
Und stell am besten keine Fragen,
Denn die Moral von der Geschicht,
Es tut mir leid, die gibt es nicht!



Achja, WICHTIG: Dieser Text untersteht natürlich meinem und Dodo's persöhnlichem Copyright, also wehe ihr kopiert ihn!! ;)
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Kommentare
topfmops
topfmops, 27.06.2006
AHA !! . . . . . und ich sage und schreibe immer AHA, wenn ich mal wieder was Neues gelernt hab. Und bei diesem Bericht habe ich viel für mich Neues erfahren.
phobee
phobee, 28.06.2006
Das ist ja genial!!! Vielleicht solltest du es doch nochmal mit dem Kinderbuch probieren.... :- LG, Pia
Estha
Estha, 28.06.2006
978897889788 ... lg susi ... 978897889788
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Amokforever

Ist die Realität nur eine Flucht aus dem Traum?

ein Testbericht von 2006-05-11 12:30:20 vom 11.05.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Amokforever...
Nachteile/Kritik: Meine Produkte sprechen nicht und lassen sich auch nicht anlabern!
...Träume, die zumeist nächtliche Flucht aus unserer Realität genießt in unserer organisierten Gesellschaft leider nur ein bedeutungsloses Schattendasein. Zu vage sind häufig die Erinnerungen an den letzen Traum und zu chaotisch die Zusammenhänge. Dabei überbrücken gerade die Träume unsere anerzogenen Vorstellungen von Raum und Zeit in Nullkommanichts. Wir können dort Tote wieder auferstehen lassen, in den Weltraum fliegen, Held sein, dreimal hintereinander einen Sechser im Lotto haben, ohne einen Schein dafür abzugeben und selbst nach einem Sprung von der Golden Gate Bridge können wir unverletzt im Wasser landen.
....nur steuern können wir das Ganze leider nicht!

Aber wie deuten wir nun unseren nächtlichen Amoklauf unseres Kleinhirnes, schließlich könnten unsere Träume schnell Realität werden, sofern wir es nur bewältigen könnten ein Leben lang rund um die Uhr zu schlafen. Während selbsternannte Traumpsychologen noch von der Entschlüsselung des Träumens träumen, indem Sie versuchen Ihn wie einen Gencode zu knacken, zeige ich Ihnen schonungslos die tiefverzweigten Abgründe des Träumens an Hand zweier Gedichte aus meinem Traumhandbuch:


Ich schaute fern und nickte ein
Und träumte ein Fernseher zu sein
Ich strahlte meine Bilder aus
Und fühlte mich ganz wie zu Haus

Doch auf einmal, ich wollte es kaum glauben
Begann sich vor mir eine Gestalt empor zu schrauben
Ich dachte noch ich muss hier raus
Sonst knipst der mich tatsächlich aus

Doch plötzlich, was war denn bloß geschehen
Musst` ich als Mensch jetzt wieder auferstehen?
Ach nein, das war ja alles nur geträumt
Allerdings den Spielfilm hatt` ich jetzt versäumt

Doch beruhigte mich, als ich erkannte
Das mein Fernseher noch brannte!


Dieses so banal anmutende Gedicht verdeutlicht einen typischen Traum des klassischen Couchschläfers. Der Träumer ist vorzugsweise Single, oder aber die Ehefrau hat durch geschicktes Taktieren die Schlafzimmerhoheit für sich gewonnen. Wie dem auch sei, der Traum beinhaltet den latenten Wunsch es allen zeigen zu wollen. Zusätzlich zu diesem Selbstbestätigungsdefizit gesellt sich ein perfekt vollzogener Rollentausch zwischen Gütern (in diesem Fall der Fernseher) und Menschen. Die Entfremdung des Individuums zu seinen erworbenen Gütern manifestiert sich hier in einer dramatischen ja geradezu beängstigenden Szene dieser übergroßen Gestalt.

Der Traum wirkt hier wie eine Therapie, denn wie soll sonst in unserem Zeitalter der Massenproduktion und Konsumflut der Respekt vor unseren Konsumgütern gewahrt werden, wenn Schutzbestimmungen wie Dosenpfand und gesetzliche Gewährleistungspflicht immer weniger Beachtung beim Menschen finden. Die Sensibilisierung unser in der Realität so leblos erscheinenden Güterwelt sucht sich ihr Ventil in unseren Träumen. Geplagt und missachtet in einer gnadenlosen Wegwerfgesellschaft ist es ein Hilfeschrei unserer schutzlosen Produkte dieser skrupellosen „Gütertrennung“ Einhalt zu gebieten! Der Fernseher ist hierbei ein Musterbeispiel an Missachtung des Menschen, denn man darf nicht tagtäglich Ausknipsen, was einen doch stundenlang relativ radioaktivfrei angestrahlt hat.

Das zweite Gedicht, zeigt noch anschaulicher und gnadenloser unsere gefürchtetste Variante des Träumens auf, den Albtraum, aber lesen Sie erst mal selbst:


Müde bin ich, geh zur Ruh`
Schließ rasch noch meine Äuglein zu
Fang an zu Träumen fest und munter
Die Traumwelt wird allmählich bunter

Doch auf einmal, was ist denn das?
Ein böser Albtraum, oh wie ich das hass`!

Ich kämpfe nun mit Spinnen und Stieren
Und danach mit noch viel schrecklicheren Tieren

Und wie das in so Träumen meist ist
Musst Du am Ende krepieren, trotz aller Kampfeslist

Als ich noch bete, dass der Traum bald zu Ende
Kommt ein Mann auf mich zu, igitt ohne Augen und Hände

Er spricht dann zu mir was mich ein wenig verwirrt
Das ist kein Albtraum, Du hast dich geirrt!
So kommt zum Frust nun auch die Panik
Wär ich ein Schiff, wär ich die Titanic

Und nach unendlichen Stunden
Und vielen geflüchteten Runden
Und unzähligen Wunden
Von Ihm und vielen Kampfhunden

...werd ich doch wach und wieder putzmunter?
Die Realität wird rosig und noch viel bunter??
Was war geschehen???
Der Mann hatte gelogen, der blöde Hund der!!!!


Das fatale an diesem Beispiel ist, dass der Mann mit der leichten Behinderung lügt. Statistisch gesehen wird im Traum sogar häufiger gelogen als in der Realität, welches aber auch damit zusammenhängt, dass im Traum selbst für schwerste Vergehen quasi keine Strafverfolgung zu befürchten ist.

Sollten Sie selber mal in einer ähnlichen Situation sein und Ihr Gegenüber nicht nur gruselig Aussehen, sondern auch noch den Kopf unter dem Arm tragen, dann checken Sie erst mal ab ob Halloween ist, oder Sie sich auf einer Zauberveranstaltung befinden. Sollte dieses nicht der Fall sein, kalkulieren Sie lieber sicherheitshalber ein, dass Ihr Gegenüber die Wahrheit sagt und er eine reale Figur ist.

Gutgemeinter Tipp hier, schlagen Sie Ihm ein Schnippchen, indem Sie ihrem Freddy-Krüger-Verschnitt auch in der Realität zeigen, dass Sie ihren Körper besser demontieren können als er und nehmen Sie ihre Beine in die Hand!

Sollten Sie nach einiger Zeit panikartigen Davonlaufens merken, dass Sie nicht von der Stelle kommen, dann werden Sie nicht so kopflos wie ihr Verfolger, denn dann handelt es sich zu 80% um einen miesen Streich ihres Kleinhirns und Sie wachen gleich schweißgebadet in ihrem Bett auf. Sollte die Mumie Sie allerdings einholen und anfangen zu sezieren, dann besteht die Möglichkeit, dass ihre Untrainiertheit Sie recht bald das Leben kosten wird....
...
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Brita2905
Brita2905, 28.05.2006
Wow... was für feine Gedichte aber auch, und ich weiß, wo ich noch viel mehr finden kann... Aber ich hab eigentlich viel zu wenig Zeit, und ich sitz auch nun ganz unplanmäßig hier, am fremden PC und blockier die Telefonleitung: gut, dass keiner petzt... o
Sowan
Sowan, 11.05.2006
Grins, habe sehr geschmunzelt über Deinen Artikel und empfehle das Erlernen luziden Träumens, macht vieles einfacher - lieber Gruß Sowan
topfmops
topfmops, 23.05.2006
Eine kleine Leserunde ohne die dummen Sprüche.
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