Deutschland sucht den Superstar (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von rider-of-apocalypse

Ruhm für ein paar Monate

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Nach den USA, England, Polen und anderen Ländern kam nun auch ein deutscher Fernsehsender auf die brillante Idee, der Fernsehnation zu zeigen, wie man einen „Superstar“ schaffen kann und produzierte die Sendung DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR, von der nun auch bereits mehrere Folgen ausgestrahlt wurden.



WORUM GEHT ES ?
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Da das Prinzip von DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR wohl nahezu jedem bekannt sein dürfte, sei an dieser Stelle nur das Grundprinzip kurz dargestellt.
In unterschiedlichen deutschen Städten konnten Teenies und Twens (das Höchstalter lag meines Wissens bei 28 Jahren) vor einer prominent besetzen Jury singen.
Die Jury entschied nun, wer gut genug war, um eine nächste Runde zu erreichen aus der durch Publikumsentscheid die 10 fähigsten Sänger/Sängerinnen ausgewählt wurden.
Zur Zeit befindet sich DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR in der Phase, in der aus diesen 10 Kandidaten wöchentlich je ein Kandidat durch das Publikum abgewählt wird, bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind, die dann das Finale bestreiten.
Der Gewinner wird von RTL mit seiner Medienmacht zum „Superstar“ (zu dieser Wortwahl später mehr) gepusht und wird einige Monate des Ruhms genießen können.
So verspricht die Show also durchaus eine gewisse Spannung und kurzweilige Unterhaltung.
Dadurch, dass bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der einzelnen Ausscheidungen darauf verzichtet wird, Zahlen oder Prozentwerte zu nennen und nur die jeweils zwei schlechtesten genannt werden, bieten sich hier durchaus Anhaltspunkte zum Zweifel an der Redlichkeit der Ergebnisse.
Die „Schwesternsendung“ in Polen hat übrigens auch gezeigt, wie man ein Mädchen, dass kaum älter aussieht als 13, so zurecht machen kann, dass auch ein 18jähriger noch feuchte Träume bekommt.



DIE JURY
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Die Jury, die in der ersten Runde zu entscheiden hatte, wer die nächste Runde erreicht, wirkt durchaus kompetent besetzt und besteht neben einem älteren Herren namens Stein noch aus einer Musikjournalistin, einem Radiomoderator und Dieter Bohlen.
War die Aufgabe der Jury in der ersten Runde noch durchaus wichtig, so hat diese meines Erachtens nun ihre Daseinsberechtigung im Grunde verloren, da (angeblich) nun ausschließlich das Publikum entscheidet.
Da das Publikum aber zu weiten Teilen unwissend und dumm ist, sah sich RTL scheinbar gezwungen, die Jury beizubehalten um das Publikum in die gewünschte Richtung hin zu beeinflussen und so sprechen die Jurymitglieder nach jedem Auftritt eines Kandidaten auch weiterhin ihr Urteil.
Faszinierend an den Urteilssprüchen der Jury ist dabei der Umstand, dass diese häufig etwas seltsam erscheinen, so dass auch der nicht ganz so aufmerksame Beobachter eigentlich erkennen müßte, dass diese der Versuch sind, dass Publikum dazu zu bewegen, die unscheinbarsten Kandidaten abzuwählen um so dem vom Sender gewünschten Kandidaten möglichst weit zu helfen – anders kann ich mir die gelegentlich etwas seltsamen Urteile nicht erklären.
Andererseits verdeutlicht dies aber auch, worum es in der Sendung hauptsächlich geht, nämlich um Geld für RTL und das „Klonen“ eines chartskompatiblen Stars mit allen Konsequenzen - schließlich hätte auch niemand B. Spears je eine Bühne betreten lassen, wäre sie 50 kg schwerer.



WAS BISHER GESCHAH
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Erinnert man sich an die Werbespots für DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR, so fällt auf, dass hier vor der Ausstrahlung überwiegend ausschnitte gezeigt wurden, in denen Dieter Bohlen ein vernichtendes Urteil über einen Kandidaten sprach.
RTL dachte sich also scheinbar, dass die Fernsehnation mit großer Masse daran interessiert ist, zu sehen, wie absolut talentfreie Gestalten, denen offenbar nichts peinlich ist, von der Jury verbal vernichtet werden.
Die Realität sah dagegen etwas anders aus, denn im Grunde war insbesondere Dieter Bohlen meistens recht nett und in seinen Äußerungen eher harmlos. So erfuhr man auch, dass es gar nicht so wichtig sei, jeden Ton zu treffen.
Zu sehen gab es dann aber dennoch ein breites Spektrum von „Möchtegern-Stars“ deren Gesang von Körperverletzung bis überwältigend reichte. Interessante Charaktere blieben dagegen deutlich in der Unterzahl.
Bemerkenswert war übrigens auch der Umstand, dass nicht ein einziger Kandidat die erste Runde überlebte, der allgemein als optisch wenig ansprechend gelten könnte.
In der zweiten Runde verlor DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR dagegen schon ein wenig an Reiz, da tatsächlich nur noch weitestgehend talentierte Kandidaten übrig blieben und die derzeitige Phase der Sendung lebt in erster Linie von dem Wunsch des Zuschauers, die Reaktionen des Ausscheidenden zu beobachten, wobei hier sicher Tränen und Beschimpfungen als am wünschenswertesten erachtet werden.
Die Moderation durch die optisch sehr ansprechende Blondine mit niedlichem Dialekt und ihrem routinierten Kollegen ist eigentlich völlig überflüssig und so verzichte ich hierzu auch auf weitere Ausführungen.



EINIGE KANDIDATEN
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Ich habe weder Lust, noch halte ich es für wichtig, auf alle verbliebenen Kandidaten einzugehen und so schreibe ich hier auch nur einige wenige Worte zu den verbliebenen Kandidaten.
Den wohl größten Bekanntheitsgrad dürfte in der Zwischenzeit wohl Daniel mit seiner etwas freakigen Art erreicht haben, der nicht nur eine erfreuliche Abwechslung bietet, sondern durchaus auch sehr gut singen kann. Mich persönlich stört dabei allerdings die meines Erachtens etwas quäkige Stimme. Auch die Jury scheint Daniel zu mögen, denn sie hat (meines Erachtens unverständlicherweise) auch an seiner Interpretation eines Titels von PHIL COLLINS keinerlei Grund für Beanstandungen gesehen.
Ein weiterer Kandidat mit dem Namen Daniel ist Daniel Lopez, der meines Erachtens in bisher jeder Sendung nach der ersten Runde zu den schlechtesten Sängern zählte, aber der scheinbar als für die Zielgruppe (also überwiegend Teenies) als gutaussehend erachtet und daher von der Jury gepusht wird.
Gesanglich ein Highlight ist dagegen Nektarius, der für mein Empfinden zu den größten Talenten der Sendung zählt, doch leider scheint er nicht die optischen Voraussetzungen zu erfüllen und so sucht die Jury bei ihm meist irgendwelche Gründe zur Kritik, wobei sie aufgrund der unbestrittenen gesanglichen Fähigkeiten meist das Outfit kritisiert.
Daneben ist noch ein weiterer männlicher Kandidat vorhanden, der aber weder positiv noch negativ irgendwie auffällt – einfach ein bedeutungsloses Jüngelchen.
Die weiblichen Kandidaten scheinen mir insgesamt etwas talentierter, aber auch nicht unbedingt wirklich interessant. Mit Judith ist allerdings eine Kandidatin vertreten, deren Stimme sogar mich überzeugt, sollte sie allerdings gewinnen (was ich allerdings nicht glaube, da sie die Zielgruppe optisch (mir gefällt sie allerdings) nicht genug ansprechen wird), wäre es Verschwendung ihrer Stimme, müßte sie dem Diktat der Macher der Sendung folgen.
Ein Härtefall ist eine Kandidatin, die es immerhin schon in die Bildzeitung geschafft hat, wobei es hier aber auch nicht ihr Talent war, was das Interesse der Presse geweckt hat. Mit ihrem Auftreten als minderjähriges „Schnuckelchen“ könnte sie allerdings durchaus recht weit kommen, auch wenn ich persönlich es einfach nur peinlich finde.
Eine weitere Kandidatin, der ich durchaus Siegchancen einräume, trägt kurze blonde Haare und ein meist unmögliches Outfit, wirkt aber immer professionell (und hat schöne Beine). Kein Wunder, wirkt sie doch seit längerem in einem Musical mit. In wie weit es fair ist, auch semiprofessionelle Kandidaten zuzulassen, sollte jeder für sich selbst entscheiden, wie bereits mehrfach aufgeführt scheint mir dies für die Sendung ohnehin unerheblich und so ist es mir auch völlig egal.
Eine weitere Kandidatin kann zwar meines Erachtens singen, ist aber bei der Jury nicht sonderlich beliebt – hier offenbart sich meines Erachtens wieder die zweifelhafte Urteilsfindung der Jury.
Die sollte als Anmerkungen zu einigen Kandidaten ausreichen und so lasse ich es bei diesen Worten.



WAS SOLL DAS GANZE ?
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Zwangsläufig stellte sich mir die Frage, nach Sinn und Zweck einer Sendung wie DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR und so betrachtete ich zunächst den Aspekt der Musik.
Versteht man Musik – so wie ich – als Kunst und somit als Ausdrucksform eines Künstlers, so muss man zu dem Ergebnis kommen, dass es hier nicht um Musik geht, denn dass der Gewinner der Show maßgeblichen Einfluß auf die Geräusche hat, die er hinterher veröffentlichen wird, kann niemand wirklich glauben und kann etwas, was von anderen geschrieben und komponiert wurde wirklich als Ausdruck des Interpreten bezeichnet werden ? Ich denke nicht.
Auch den Titel der Sendung wage ich in Frage zu stellen, denn ich glaube kaum, dass aus dem Gewinner ein tatsächlicher Superstar werden wird. Ein Superstar ist für mein Verständnis jemand, der über Jahre hinweg Erfolge erzielen kann, die auch über das Heimatland hinaus reichen oder die nachhaltigen Einfluß auf nachfolgende Musik ausübt und so bezeichne ich auch nur wenige Musiker als Superstars in diesem Sinne. Hierbei denke ich an Bands wie die ROLLING STONES, THE BEATLES, DEEP PURPLE und KRAFTWERK, DEPECHE MODE, ... um nur einige zu nennen.
In diesem Zusammenhang kann ich mir nicht vorstellen, dass der Gewinner dieser Show auch nur annähernd die Größe der genannten Musiker erreichen kann und ich gehe im Grunde von einem schnellen Verschwinden aus, sobald RTL die Unterstützung einstellt.
Was bleibt ist aber dennoch nicht nur Fernsehunterhaltung, sondern in erster Linie ein gutes Geschäft für RTL.
RTL hat mit dieser Show über Monate hinweg eine Sendung im Programm, die nicht nur zur besten Sendezeit läuft und für die man sonst hätte Filme teuer einkaufen müssen sondern profitiert auch in anderen Bereichen deutlich. So haben die Kandidaten bereits eine Single veröffentlicht, an der RTL stark mitverdient und ich gehe davon aus, dass RTL auch an späteren Veröffentlichungen des Gewinners (und vermutlich auch der übrigen Kandidaten) spürbar beteiligt sein wird und wer weiß, ob nicht auch bald „Daniel-Puppen“ von RTL in den Geschäften stehen.
Das cleverste daran ist aber, daß RTL den Erfolg des Gewinners aufgrund der guten Marktanteile durch hohe Fernsehpräsenz auch fast nach belieben (also so lange RTL daran verdient) steuern kann (ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass auch fast ausschließlich noch RTL permanent über ihr eigenes Produkt, die NO ANGELS, berichtet ?).
Während die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten also die Fernsehgebühren zu einem großen Teil für einen riesigen Verwaltungsapparat und die Gage von Thomas Gottschalk ausgeben, schafft RTL mit DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR kurzweilige Fernsehunterhaltung, an der der Sender auch noch Geld verdient.
Wer von den Kandidaten nun die Show gewinnt und von RTL zum Erfolg gepusht wird ist eigentlich zweitrangig, denn die Jury hat es bereits geschafft, die völlig medienuntauglichen Kandidaten ungeachtet des Talents auszusieben.
So bleibt mir hier eigentlich nur festzuhalten, dass DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR lediglich solide Fernsehunterhaltung bietet, die ebenso schnell an Reiz verliert wie einst BIG BROTHER und deren Produkte langfristig wohl wieder da verschwinden werden, wo sie herkamen.



SCHLUSSWORTE
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Insgesamt fällt es mir schwer, ein abschließendes Urteil über DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR zu fällen, denn ich halte die Sendung an sich für künstlerisch wertlos und bin überzeugt, dass aus der Sendung keine Bereicherung für die Musik entstehen wird.
Andererseits muss ich aber das Konzept bewundern, dass es RTL ermöglicht, sehr preiswert ein abendfüllendes Programm für viele Tage zu schaffen und darüber hinaus auch auf anderem Wege Profite aus einer Show zu erzielen. Ebenfalls als positiv erachte ich den Umstand, dass DEUTSCHLAND ZEIGT DEM SUPERSTAR deutlich aufzeigt, wie einfach es ist, einzig durch Medienpräsenz einen Star zu „klonen“ und wie wenig dies noch mit Kunst zu tun hat.
So bleibt mir nur der Verzicht auf eine Empfehlung, der allerdings mit dem letztlich nicht ganz schlechten Urteil MITTEL verbunden ist.

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