Wüstenblume (gebundene Ausgabe) / Waris Dirie, Cathleen Miller Testbericht

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ab 9,12
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Erfahrungsbericht von lieblingsbabe

Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Autor(in)
Waris Dirie. Übersetzt bedeutet das Wüstenblume. Sie erzählt in ihrem ersten, gleichnamigen, Buch über ihre Kindheit in Somalia, über ihre Familie und die Hollenqualen die junge Mädchen dort erleiden müssen.
Sie wurde 1965 in Somalia geboren und ist seit 1994 Botschafterin der UNO. Mittlerweile ist Waris Dirie verheiratet und hat einen Sohn. Der Rest ihres Lebenslaufes spiegelt sich ja im Inhalt des Buches wieder und wäre deshalb unsinnig es hier aufzuführen.

Inhalt
Waris Dirie kennt keine anderes Leben als das ihres. Sie verbringt die Tage ihrer Kindheit damit mit ihren Brüder auf die Ziegen aufzupassen während ihre Mutter zu Hause kocht. Sie verbringt den Tag damit unter Bäumen zu sitzen und mit ihren Brüder fangen zu spielen. Das Leben mitten in der Wüste ist das einzige, was Waris von der Welt kennt. Sie kennt keine Toilette, keine Häuser, sie weiss nicht wie es aussieht wenn Wasser aus einem Wasserhahn läuft.
Oft muss sie mitten in der Nacht aufstehen um Wasser zu holen, und kehrt erst spät in der Nacht wieder auf. Das ist was sie kennt und was ihr normal erscheint.
Sei weiss, dass ihre ältere Schwester etwas erleben durfte, was sie auch bald erleben wird. Ihre Mutter sagt jeden Tag, dass es bald soweit sein wird, und von Tag zu tag steigt die Freunde und Aufregung in Waris. Sie weiss nicht worum es sich handelt, aber sie weiss, dass sie danach erwachsen sein wird. Im zarten Alter von 5 Jahren wird sie schließlich mitten in der Nacht von ihrer Mutter geweckt. Sie laufen weit hinaus in die Wüste, eine fremde Frau folgt ihnen. Mitten in der Wüste wird Waris von dieser Frau schließlich mit einer Glasscherbe beschnitten. Sie bekommt nur den Anfang davon mit, da sie von den Schmerzen schließlich ohnmächtig wird. Die Frau näht Waris schließlich ihre Vagina zu, weil das in Somalia so üblich ist. Man möchte nicht, dass junge Mädchen vor ihrer Ehe mit Männern schlafen und nur der spätere Ehemann darf die zusammengewachsene Haut aufschneiden.
Waris wacht erst 2 Tage später wieder auf. Man hat sie abseits ihrer Hütte gelegt, damit niemand sie schreien hört und keine ihrer jüngeren Schwestern sehen kann, dass das, was mit ihnen auch passieren wird, alles andere als schön ist. SIe liegt dort wochenlang, kann sie stehen. Dadurch, dass man ihre Vagina zugenäht hat ist es ihr fast unmöglich zu urinieren. Ihre Mutter glaubt schließlich nicht mehr daran, dass Waris überleben wird. Nach vielen Wochen jedoch ist ihre Wunde einigermaßen geheilt. Wenn sie auf die Toilette muss, erleidet sie dennoch jedesmal Höllenqualen.
Mit 14 Jahren möchte ihr Vater Waris mit einem alten Mann verheiraten. Waris weiss was ihr blüt und läuft schließlich von zu Hause weg. Sie läuft in die nächste größere Stadt, im Glauben dort auf ihren Onkel zu treffen, der sie beschützen wird.
Schließlich findet sie auch dessen Familie und darf dort einige Zeit als Dienstmädchen arbeiten, was hauptsächlich auf die Kinder aufpasst und kocht.

Eines Tages hört sie ein Telefongespräch von ihrem Onkel mit, der beschließt für eine Geschäftsreise nach London zu fliegen. Waris weiss weder wo London liegt, noch wie man dorthin kommt. Nachdem sie lange genug gebettelt hat, lässt ihr Onkel sie mitfliegen.
Von dem Moment an in dem Waris in das Flugzeug steigt ebginnt für sie ein völlig neues Leben. Zum ersten Mal sieht sie an Bord der Maschine richtige Toiletten, sie braucht fast 30 Minuten bis sie weiss wie man sie richtig benutzt. Als sie schließlich in London angekommen ist, verabschiedet sich ihr Onkel von ihr und lässt das Mädchen völlig alleine dort stehen.
Waris hat weder einen Ausweis noch beherrscht sie die Englische Sprache. Sie kann weder schreiben noch lesen und hat in ihrem ganzen Leben noch nie von einem Teller gegessen. Ihr Onkel hat sie zu einer Familie geschickt wo sie wieder als Dienstmädchen arbeiten kann. Als diese sie jedoch mehr als schlecht und eher wie einen Hund behandeln, ihr keinen Sprachunterricht geben möchte, geht sie wieder fort. Diesmal schlägt sie sich alleine durch, findet einne Job bei McDonalds und sogar eine Wohnung. Sie lernt eine Freundin kennen und beginnt lesen und schreiben zu lernen.
Eines Tages trifft sie auf einen Fotografen, der ihr sagt, dass sie das schönste Profil hätte was er jemals gesehen hat. Nachdem er ihr anbietet dass sie für ihn als Model arbeiten darf, beginnt für Waris das wahre Leben.
Sie reist durch die Welt, bekommt wahnsinnig viele Modelaufträge, steht neben Naomi Campbell auf dem Laufsteg.

Jahre später hat sie schließlich den Mut zum ersten Mal einen Frauenarzt aufzusuchen, der es schafft ihre entstellten geschlechtsorgane operativ so zu richten, dass sie mitterlweile keinerlei Probleme oder Schmerzen hat. Seitdem setzt sich Waris Diries für Frauen und Mädchen ein, die das gleiche Schicksal wie sie erleiden musste. Sie kämpft gegen die Beschneidung von Frauen in ihrem Land, und das sind täglich (!) 6.000 Stück weltweit.

Meine Meinung
Man merkt, dass Waris Dirie keine geelernt Schriftstellerin ist. Aber gerade das finde ich an diesem Buch so soll. Sie schreibt eben wie sie denkt, und dabei verzeiht man gerne, dass sie manche Dinge öfter Mal wiederholt. Die Sätze sind knapp, aber prägnant. Ich mag die einfache Sprache in diesem Buch, weil es sich dabei um eine Lebensgeschichte handelt und Lebensgeschichten muss niemand ausschmücken. Die sind so, wie sie nun einmal sind.
Man wünscht jedem Mädchen, die das selbe wie Waris erleiden mussten, dass sie den selben Mut habt. Dass sie dagegen amkämpfen was man ihnen angetan hat und dass sie die Kraft haben etwas dagegen zu tun. Leider sieht die Realität eben anders aus.
Waris bescshreibt sehr gut die Abgeschiedenheit, die Kinder dort erleben. Ein Mensch, der sein ganzes Leben lang nichts anderes kennt als das Leben in der Wüste, dessen 3 Schwestern auch beschnitten wurden und dessen Mutter sagt, dass es richtig so ist...So jemand kann ja nur glauben, dass es normal ist, dass man mit 5 Jahren beschnitten wird. Waris beschreibt die Schmerzen so, dass man sich als Frau durchaus vorstellen kann wie schmerzhaft das sein muss.
Schon alleine die Tatsache, dass sie erst mit 30 Jahren, nach der Operation, zum ersten Mal ihre Periode hatte und davor ihr ganzes Leben lang einmal im Monat tagelang die schlimmsten Magenkrämpfe, die man sich vorstellen kann, lässt mich nachempfinden was für Qualen Mädchen erleiden müssen, die Opfer einer solchen Beschneidung wurden.
Mutig ist, dass sie sich dafür einsetzt. Dass sie sich nicht dafür schämt was mit ihr passiert und ist und dass sie versucht anderen dieses Leid zu ersparen. Das Buch ist keinesfalls für zwischendurch geeignet, keine Urlaubslektüre, die man so nebenbei verschlingt. Ich musste zwischendrin öfter einmal Pause machen weil das Beschrieben einen wirklich mitnimmt. Weil man gar nicht glauben mag, wieso Eltern ihren Kindern so etwas zumuten. Weil man nicht versteht wieso es auf der Welt Völker gibt die Frauen die Vagina zunähen und weil man teilweise dann auch wieder so wütend wird, weil es heutzutage immer noch so viele Mädchen gibt, die das mitmachen müssen. Viele davon sterben schon bei der Beschneidung selbst, andere danach an den Entzündungen, die durch die dreckigen Glasscherben entstehen. Und die, die überleben, leiden ihr Leben lang.
Ich bin sehr froh mir dieses Buch gekauft zu haben und bewundere diese Frau für ihren Einsatz. Sie hat mittlerweile erreicht, dass das Beschneiden von Frauen in ihrem Heimatland Somalia verboten. Besonders verliebt hab ich mich in den letzten Satz des Buches, was für mich ausdrückt wie sehr Waris Dirie dafür kämpfen mag, dass anderen sowas erspart bleibt.
"Die Menschen sollen sagen:"Hast du schon gehört, die Genitalverstümmelung von Frauen ist in Somalia gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt worden?" und dasselbe auch im nächsten Land und im nächsten, und so weiter, bis die ganze Welt für Frauen sicher ist."

Fazit
Sicherlich keine leichte Kost. Aber für alle Menschen, die die Augen nicht verschließen möchte, ist dieses Buch ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mir hat es die Augen ein bisschen mehr geöffnet und ich habe gemerkt, dass unsere Welt alles andere als sicher, als gerechet ist. Nicht überall auf der Welt kennen Menschen Teller und Mineralwasserkästen und Telefone und nicht überall auf der Welt ist es für ein Mädchen das normalste der Welt, dass sie auf die Toilette gehen kann. Dass sie das tun kann ohne dabei vor Schmerzen zu weinen und dass sie das Recht hat selbst zu entscheiden mit wem sie Sex hat, dass sie das Recht hat mit 5 Jahren glücklich zu sein und sich keine Gedanken darüber machen zu müssen wieso man ihr ihre Vagina zugenäht hat. Keinem Kind auf der Welt wünscht man solche Schmerzen und solches Leid. Aber dieses Buch hat mir gezeigt, dass es sowas dennoch gibt.
6000 Mal am Tag.


ISBN:3-548-36591-4
280 Seiten


NACHTRAG:
Ich bitte den user drhotte einfach zu ignorieren. Dieser scheint an chronischer Langeweile zu leiden und sämtliche Beiträge mit einem FAKE-Stempel zu versehen. Ich schreibe meine Berichte selbst und hoffe, solche user werden in Zukunft gesperrt oder fangen an sich anderweitig zu beschäftigen.

37 Bewertungen, 3 Kommentare

  • schokohase29

    08.06.2005, 21:37 Uhr von schokohase29
    Bewertung: sehr hilfreich

    habe vor kurzem 2 schülerinnen zugehört die über das buch referiert haben! fand einige stellenb im buch sehr arg!

  • sunstar0210

    14.01.2005, 18:15 Uhr von sunstar0210
    Bewertung: sehr hilfreich

    den Roman habe ich letzte Woche mir nachts als Hörbuch angehört ..ich muss schon sagen, das geht echt unter die Haut ..LG Sunny

  • Fello

    29.06.2004, 18:57 Uhr von Fello
    Bewertung: sehr hilfreich

    den hab ich doch grad erst gelesen. LG André