Wüstenblume (gebundene Ausgabe) / Waris Dirie, Cathleen Miller Testbericht
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Erfahrungsbericht von Prisca
Hut ab vor einer starken Frau!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich hab´s euch ja versprochen, ich hab´im Urlaub ( der nun schon wieder zwei Wochen vorbei ist) NOCH ein Buch gelesen – und nachdem ich mich jetzt mal über einige anderen Sachen ausgelassen habe ( immer nur Bücher werden vielleicht doch etwas eintönig) jetzt also der passende Bericht dazu.
Es handelt sich um die wahre Geschichte des Models Waris Dirie.
WÜSTENBLUME
Kenn ich nicht, werde ihr jetzt vielleicht sagen. Na ja, ich kannte sie vorher auch nicht – sicher gehört Waris nicht zu den Starmodels wie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer, deren Namen allen bekannt sind. Ich habe das Buch auch nicht gelesen, um etwas über das Leben eines Models zu erfahren – dazu gibt es Klatsch- und Tratsch Zeitschriften.
Die Geschichte von Wüstenblume ist eigentlich auch eine ganz andere. Sie erzählt von dem Leben eines kleinen Mädchen, das in der Wüste von Somalia geboren wurde....
Waris ist eines von 12 Kindern aus einer Nomadenfamilie. Die Umstände, unter denen sie aufwächst, erscheinen uns Europäer einfach unvorstellbar. Ich möchte ihre Familie nicht arm nennen, obwohl sie das aus unserer Sicht wohl ist.
Aber sie besitzt Kamele – da sind 12 Kinder – das bedeutet Reichtum in einem Land wie Somalia. Waris lebt niemals lange an einem Ort. Ständig befindet sich ihre Familie auf der Suche nach Wasser – denn Wasser bedeutet Überleben für Tiere und Menschen. Und es ist niemals genug Wasser da für alle Menschen der Wüste. Wer zuerst kommt, malt zuerst, sagt ein Sprichwort. Das gibt auch hier. Der erste kann das Wasser nutzen und überleben – der andere muss weiterziehen und mit ansehen, wie seine Tiere elendig verdursten und/oder vor Schwäche Sterben. Der Tod der Tiere bedeutet aber auch Leid und Not unter der Familie, die nur durch diese Tiere überleben kann ( sie geben die lebensnotwendige Milch – und ab und zu auch mal etwas Fleisch).
Das Leben in der Wüste ist hart – auch für die Kinder. Hier wird jeder gefordert, selbst die kleinsten Kinder werden zur Wassersuche oder zum Tiere beaufsichtigen herangezogen. Freizeit ist ihnen unbekannt. Der Vater – als Herr der Familie – führt ein strenges ( wenn auch nicht ungerechtes) Regiment. Die Mutter muss ständig um das Leben ihrer Kinder kämpfen, denn jede Krankheit kann hier in der Wüste das Ende bedeuten. Wird jemand krank, gibt es keine Behandlung, keine Zeit für Krankenpflege – entweder schafft man es aus eigner Kraft, wieder gesund zu werden – oder man stirbt. Waris muss mit ansehen, wie mehrere ihrer Geschwister diesen Weg gehen.
Trotzdem ist Waris nicht unglücklich, sie wird auch in ihrem Buch immer wieder betonen, das sie ihre Kindheit mit niemandem eintauschen wollte...sie liebt die Freiheit der Wüste, sie liebt ihre Eltern und Geschwister....
.... aber eines Tages wird sie recht brutal aus ihrer Kindheit herausgerissen. Sie muss die Beschneidung ihrer älteren Schwester miterleben. Zum ersten Mal begreift sie, das dieses Ritual, das ihr immer als etwas Schönes geschildert wurde, das sie zur Frau machen würde, etwas Schlimmes sein muss.
Aber sie verdrängt es erfolgreich, bis sie selbst FÜNF Jahre alt ist und sich diesem Ritual unterziehen muss. Eine alte Zigeunerin nimmt die Beschneidung mitten in der Wüste nur mit Hilfe einer alten, rostigen Rasierklinge vor. Ihre eigene Mutter muss sie dabei festhalten.
Waris leidet unbeschreibliche Schmerzen, doch sie unterdrückt jeden Schmerzenslaut. Glaubt sie doch immer noch, das muss so sein und wiederfährt jeder Frau. Nach der Beschneidung wird sie mit zusammengebundenen Beinen allein in einer Hütte zurückgelassen.
Waris hat Glück im Unglück – sie überlebt. Sie verblutet nicht – die Wunde entzündet sich nicht. Doch fortan wird sie ihr Leben lang entsetzliche Qualen zu leiden haben. Denn um ihre Jungfräulichkeit zu schützen, werden die jungen Mädchen ( wenn man fünfjährige Kinder schon so nennen mag) nicht nur beschnitten – nach der Beschneidung werden sie mit Hilfe von Dornen zugenäht, so dass nur ein streichholzkopf großes Loch für Urin und Menstruationsblut bleibt. Das sich dabei Urin und Blut stauen, den Mädchen entsetzliche Qualen bereiten – das die jungen Frauen später in ihrer Hochzeitsnacht meist gewaltsam von ihrem Ehemann aufgerissen werden, wenn er zum ersten Mal in sie eindringt – das die Mütter später nur unter großen Schwierigkeiten ihre Kinder zur Welt bringen können, die Kinder häufig bei der Geburt sterben – niemanden kümmert es in der Welt, in der Waris lebt. Die Tradition verlangt es so – und ein Mädchen das sich nicht dieser „Behandlung“ unterzogen hat wird später auch keinen Mann abbekommen – eine Schande und außerdem ein finanzieller Verlust für die ganze Familie, denn für hübsche Mädchen wird auch ein hoher Brautpreis ( meist in Form von Kamelen) gezahlt.
Waris überwindet den Schock und lebt weiter ihr Leben. Bis zu ihrer Pubertät verläuft es in gewohnten Bahnen – ständig in der Wüste unterwegs, schwere Arbeit, aber auch die Geborgenheit ihrer Familie bestimmen jeden Tag. Jäh in die brutale Wirklichkeit wird sie erst mit Einsetzen ihrer Menstruation zurückgeholt – sie leidet entsetzliche Qualen, glaubt, das sie nun sterben muss. Ihre Mutter erklärt ihr, das das normal sei und sie nun jeden Monat 10 -14 Tage lang diese Qualen leiden wird. Waris verkriecht sich in der Wüste, begräbt sich selbst halb im kühlenden Wüstensand – nur um ihre Qualen ein wenig zu lindern.
Dann kommt der Tag, an dem ihr Vater erklärt, sie sei nun alt genug, um zu heiraten. Er hätte einen Mann gefunden, der ihm ZWEI Kamele zahlen würde. Er ist stolz auf seine schöne Tochter, die ihm diesen hohen Preis einbringt. Das der Mann viele Jahre älter ist als Waris, das Waris nach seinem Tod ihr Leben allein meistern muss – allein ihre bis dahin gezeugten Kinder aufziehen muss ( denn bei den Nomaden ist es nicht üblich, das eine Witwe noch einmal heiratet) – das ist nicht wichtig!
Waris beschließt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und wegzulaufen. Nach Mogadischu will sie, die große Stadt...irgendwo in der Ferne...sie weiß nicht, was sie dort erwartet, sie weiß nicht, wie sie dort hingelangt, sie kennt nicht einmal die Richtung, in die sie laufen muss. Sie weiß nur eins: Ich werde diesen Mann nicht heiraten!
Der Weg durch die Wüste ist hart. Von ihrem Vater verfolgt – von Löwen, Schlangen und anderen wilden Tieren bedroht, von Hunger und Durst geplagt läuft Waris tagelang. Endlich kommt sie an ein kleines Dorf. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie Straßen, feste Gebäude, Fahrzeuge... Es erscheint ihr wie ein Traum.
Ein Mann bietet ihr an, sie in seinem LKW ein Stück mitzunehmen. Waris ist naiv genug, an eine nette Geste zu glauben – zu spät erkennt sie, das er nur eines von ihr will – sie vergewaltigen. Sie wehrt sich, greift zu einem Stein, schlägt ihn damit auf dem Kopf, bis er blutend liegen bleibt. ( Bis heute weiß Waris nicht, was aus diesem Mann geworden ist. Hat sie einen Menschen getötet?)
Nach vielen Umwegen gelangt sie schließlich wirklich nach Mogadischu. Hier lebt sie einige Zeit bei ihrer Schwester, spürt aber, das sie eher unerwünscht ist ( ein zusätzlicher Esser, der keinen Nutzen bringt). Als sie von einem Mann erfährt, der als somalischer Botschafter nach London geht und eine Haushaltshilfe sucht, ergreift sie die Gelegenheit. Auf nach London.
London! Die Stadt ist ihr völlig unbekannt, die vielen (weißen) Menschen machen ihr Angst – wusste sie vorher doch noch nicht einmal, das es weiße Menschen gibt! Ihren Aufgaben als Hausmädchen ist sie zunächst kaum gewachsen ( Frühstück machen? Rührei? Pfannkuchen? Was ist das? Wie koche ich Kaffee?) Doch sie beißt sich durch.
Als der Botschafter nach drei Jahren wieder zurück nach Somalia geht, versteckt sie ihren Pass, um allein zurückbleiben zu können. Nein, zurück will sie nicht wieder! Noch nicht! Erst einmal muss sie Geld verdienen ... Genug Geld, um ihrer Mutter in Somali ein kleines Haus kaufen zu können....ihre Mutter, ihre Familie....Waris hat Heimweh, aber sie spürt, ihre Zukunft liegt hier, in Europa......
So, jetzt habe ich mich aber in Rage geschrieben. Mehr will ich euch mal nicht über Waris´Lebensweg verraten. Lest am besten Mal selbst.
Ich kann euch dieses Buch wirklich nur empfehlen. Es ist einfach toll geschrieben – es rüttelt wach, macht fassungslos und es zeigt einem, unter welchen Umständen manche Menschen HEUTE noch leben müssen.
Fassungslos bin ich gewesen, als ich gelesen habe, das Waris bei ihrer Beschneidung FÜNF!!! Jahre alt war – OK, man hört darüber, man liest was darüber – und man vergisst es wieder. Dieses Buch hat mir bewusst gemacht, WAS da eigentlich vor sich geht – WAS damit den Frauen eigentlich angetan wird...
Dieses Buch hat mir aber auch etwas anderes gezeigt: Diese unglaubliche Kraft, die in diesen Menschen steckt, die dort in der Wüste leben – unter Umständen, die uns Europäern einfach unvorstellbar scheinen. Der Wille zu überleben - dieser Mut, jeden Morgen aufzustehen und das Leben anzunehmen, wie auch immer es ist.
Waris ist in meinen Augen ein starker, mutiger Mensch, der mit beiden Beinen fest im Leben steht, der weiß, was er will und der bereit ist, für dieses Ziel alles zu geben. Die Wüste hat sie dazu gemacht! Unter diesen „erbärmlichen“ Umständen ist sie ein Mensch geworden, der zu kämpfen versteht.
Waris selbst bezeichnet ihre Kindheit als glücklich – abgesehen von dem schrecklichen Erlebnis ihrer Beschneidung – sie liebt ihre Mutter, ihren Vater, ihre Geschwister. Sie liebt ihre Heimat – auch wenn sie dort nicht mehr dauerhaft leben möchte. Trotzdem hat sie Kampf gegen die alten Traditionen in ihrem Land aufgenommen.
Heute ist sie UNO Sonderbotschafterin und kämpft gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt. Denn:“Wenn Gott die Teile meines Körpers, die mir heute fehlen, nicht gewollt hätte, warum sollte er sie dann erschaffen haben?“ Es ist ein schwerer Kampf. Ein Kampf gegen Traditionen ** ein Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen, die in ihrem Land keinerlei Mitspracherecht haben ( die Mütter können sich nicht gegen eine Beschneidung ihrer Töchter aussprechen, das widerspräche jeder Tradition und jedem Wunsch des Mannes) ** ein Kampf gegen die Verbohrtheit des Mannes, die in einer Frau nicht mehr sehen als ein brünstiges Tier und fürchten, die Frau würde sich jedem Mann hingeben, wenn man ihr die Gelegenheit ließe ( also muss sie beschnitten und zugenäht werden, um sie vor sich selbst zu schützen).
Zum Schluss noch ein paar allgemeine Fakten über das Buch: Ich habe eine Ausgabe des Weltbild Verlags vor mir liegen, die mir auch von der Aufmachung her sehr gut gefällt. Das Buch hat einen festen Einband ( allerdings nicht diese gewöhnlichen Leineneinbände, etwas dünner) und ist bedruckt mit einem Bild von Warie Dirie. ( ein eindrucksvolles Gesicht, wenn ihr mich fragt). Das besondere an dieser Ausgabe ist ein Lesezeichen, das an einem Bädchen fest mit dem Buch verbunden ist. Darauf nochmals zwei Bilder von Waris, ihre Unterschrift und ein kurzer Text.
Das Buch hat 350 Seiten – den Preis für meine Ausgabe kann ich euch leider nicht nennen, denn ich hab´s mal wieder ersteigert. Allerdings hab ich mich schlau gemacht: Bei Amazon kostet die TB-ausgabe 8,95 Euro, die gebundene Ausgabe 19,90 Euro. Es gibt auch noch ein Hörbuch zu 20,00 Euro!
Mein Fazit:
Ein Buch, das man gelesen haben sollte!
Es handelt sich um die wahre Geschichte des Models Waris Dirie.
WÜSTENBLUME
Kenn ich nicht, werde ihr jetzt vielleicht sagen. Na ja, ich kannte sie vorher auch nicht – sicher gehört Waris nicht zu den Starmodels wie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer, deren Namen allen bekannt sind. Ich habe das Buch auch nicht gelesen, um etwas über das Leben eines Models zu erfahren – dazu gibt es Klatsch- und Tratsch Zeitschriften.
Die Geschichte von Wüstenblume ist eigentlich auch eine ganz andere. Sie erzählt von dem Leben eines kleinen Mädchen, das in der Wüste von Somalia geboren wurde....
Waris ist eines von 12 Kindern aus einer Nomadenfamilie. Die Umstände, unter denen sie aufwächst, erscheinen uns Europäer einfach unvorstellbar. Ich möchte ihre Familie nicht arm nennen, obwohl sie das aus unserer Sicht wohl ist.
Aber sie besitzt Kamele – da sind 12 Kinder – das bedeutet Reichtum in einem Land wie Somalia. Waris lebt niemals lange an einem Ort. Ständig befindet sich ihre Familie auf der Suche nach Wasser – denn Wasser bedeutet Überleben für Tiere und Menschen. Und es ist niemals genug Wasser da für alle Menschen der Wüste. Wer zuerst kommt, malt zuerst, sagt ein Sprichwort. Das gibt auch hier. Der erste kann das Wasser nutzen und überleben – der andere muss weiterziehen und mit ansehen, wie seine Tiere elendig verdursten und/oder vor Schwäche Sterben. Der Tod der Tiere bedeutet aber auch Leid und Not unter der Familie, die nur durch diese Tiere überleben kann ( sie geben die lebensnotwendige Milch – und ab und zu auch mal etwas Fleisch).
Das Leben in der Wüste ist hart – auch für die Kinder. Hier wird jeder gefordert, selbst die kleinsten Kinder werden zur Wassersuche oder zum Tiere beaufsichtigen herangezogen. Freizeit ist ihnen unbekannt. Der Vater – als Herr der Familie – führt ein strenges ( wenn auch nicht ungerechtes) Regiment. Die Mutter muss ständig um das Leben ihrer Kinder kämpfen, denn jede Krankheit kann hier in der Wüste das Ende bedeuten. Wird jemand krank, gibt es keine Behandlung, keine Zeit für Krankenpflege – entweder schafft man es aus eigner Kraft, wieder gesund zu werden – oder man stirbt. Waris muss mit ansehen, wie mehrere ihrer Geschwister diesen Weg gehen.
Trotzdem ist Waris nicht unglücklich, sie wird auch in ihrem Buch immer wieder betonen, das sie ihre Kindheit mit niemandem eintauschen wollte...sie liebt die Freiheit der Wüste, sie liebt ihre Eltern und Geschwister....
.... aber eines Tages wird sie recht brutal aus ihrer Kindheit herausgerissen. Sie muss die Beschneidung ihrer älteren Schwester miterleben. Zum ersten Mal begreift sie, das dieses Ritual, das ihr immer als etwas Schönes geschildert wurde, das sie zur Frau machen würde, etwas Schlimmes sein muss.
Aber sie verdrängt es erfolgreich, bis sie selbst FÜNF Jahre alt ist und sich diesem Ritual unterziehen muss. Eine alte Zigeunerin nimmt die Beschneidung mitten in der Wüste nur mit Hilfe einer alten, rostigen Rasierklinge vor. Ihre eigene Mutter muss sie dabei festhalten.
Waris leidet unbeschreibliche Schmerzen, doch sie unterdrückt jeden Schmerzenslaut. Glaubt sie doch immer noch, das muss so sein und wiederfährt jeder Frau. Nach der Beschneidung wird sie mit zusammengebundenen Beinen allein in einer Hütte zurückgelassen.
Waris hat Glück im Unglück – sie überlebt. Sie verblutet nicht – die Wunde entzündet sich nicht. Doch fortan wird sie ihr Leben lang entsetzliche Qualen zu leiden haben. Denn um ihre Jungfräulichkeit zu schützen, werden die jungen Mädchen ( wenn man fünfjährige Kinder schon so nennen mag) nicht nur beschnitten – nach der Beschneidung werden sie mit Hilfe von Dornen zugenäht, so dass nur ein streichholzkopf großes Loch für Urin und Menstruationsblut bleibt. Das sich dabei Urin und Blut stauen, den Mädchen entsetzliche Qualen bereiten – das die jungen Frauen später in ihrer Hochzeitsnacht meist gewaltsam von ihrem Ehemann aufgerissen werden, wenn er zum ersten Mal in sie eindringt – das die Mütter später nur unter großen Schwierigkeiten ihre Kinder zur Welt bringen können, die Kinder häufig bei der Geburt sterben – niemanden kümmert es in der Welt, in der Waris lebt. Die Tradition verlangt es so – und ein Mädchen das sich nicht dieser „Behandlung“ unterzogen hat wird später auch keinen Mann abbekommen – eine Schande und außerdem ein finanzieller Verlust für die ganze Familie, denn für hübsche Mädchen wird auch ein hoher Brautpreis ( meist in Form von Kamelen) gezahlt.
Waris überwindet den Schock und lebt weiter ihr Leben. Bis zu ihrer Pubertät verläuft es in gewohnten Bahnen – ständig in der Wüste unterwegs, schwere Arbeit, aber auch die Geborgenheit ihrer Familie bestimmen jeden Tag. Jäh in die brutale Wirklichkeit wird sie erst mit Einsetzen ihrer Menstruation zurückgeholt – sie leidet entsetzliche Qualen, glaubt, das sie nun sterben muss. Ihre Mutter erklärt ihr, das das normal sei und sie nun jeden Monat 10 -14 Tage lang diese Qualen leiden wird. Waris verkriecht sich in der Wüste, begräbt sich selbst halb im kühlenden Wüstensand – nur um ihre Qualen ein wenig zu lindern.
Dann kommt der Tag, an dem ihr Vater erklärt, sie sei nun alt genug, um zu heiraten. Er hätte einen Mann gefunden, der ihm ZWEI Kamele zahlen würde. Er ist stolz auf seine schöne Tochter, die ihm diesen hohen Preis einbringt. Das der Mann viele Jahre älter ist als Waris, das Waris nach seinem Tod ihr Leben allein meistern muss – allein ihre bis dahin gezeugten Kinder aufziehen muss ( denn bei den Nomaden ist es nicht üblich, das eine Witwe noch einmal heiratet) – das ist nicht wichtig!
Waris beschließt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und wegzulaufen. Nach Mogadischu will sie, die große Stadt...irgendwo in der Ferne...sie weiß nicht, was sie dort erwartet, sie weiß nicht, wie sie dort hingelangt, sie kennt nicht einmal die Richtung, in die sie laufen muss. Sie weiß nur eins: Ich werde diesen Mann nicht heiraten!
Der Weg durch die Wüste ist hart. Von ihrem Vater verfolgt – von Löwen, Schlangen und anderen wilden Tieren bedroht, von Hunger und Durst geplagt läuft Waris tagelang. Endlich kommt sie an ein kleines Dorf. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie Straßen, feste Gebäude, Fahrzeuge... Es erscheint ihr wie ein Traum.
Ein Mann bietet ihr an, sie in seinem LKW ein Stück mitzunehmen. Waris ist naiv genug, an eine nette Geste zu glauben – zu spät erkennt sie, das er nur eines von ihr will – sie vergewaltigen. Sie wehrt sich, greift zu einem Stein, schlägt ihn damit auf dem Kopf, bis er blutend liegen bleibt. ( Bis heute weiß Waris nicht, was aus diesem Mann geworden ist. Hat sie einen Menschen getötet?)
Nach vielen Umwegen gelangt sie schließlich wirklich nach Mogadischu. Hier lebt sie einige Zeit bei ihrer Schwester, spürt aber, das sie eher unerwünscht ist ( ein zusätzlicher Esser, der keinen Nutzen bringt). Als sie von einem Mann erfährt, der als somalischer Botschafter nach London geht und eine Haushaltshilfe sucht, ergreift sie die Gelegenheit. Auf nach London.
London! Die Stadt ist ihr völlig unbekannt, die vielen (weißen) Menschen machen ihr Angst – wusste sie vorher doch noch nicht einmal, das es weiße Menschen gibt! Ihren Aufgaben als Hausmädchen ist sie zunächst kaum gewachsen ( Frühstück machen? Rührei? Pfannkuchen? Was ist das? Wie koche ich Kaffee?) Doch sie beißt sich durch.
Als der Botschafter nach drei Jahren wieder zurück nach Somalia geht, versteckt sie ihren Pass, um allein zurückbleiben zu können. Nein, zurück will sie nicht wieder! Noch nicht! Erst einmal muss sie Geld verdienen ... Genug Geld, um ihrer Mutter in Somali ein kleines Haus kaufen zu können....ihre Mutter, ihre Familie....Waris hat Heimweh, aber sie spürt, ihre Zukunft liegt hier, in Europa......
So, jetzt habe ich mich aber in Rage geschrieben. Mehr will ich euch mal nicht über Waris´Lebensweg verraten. Lest am besten Mal selbst.
Ich kann euch dieses Buch wirklich nur empfehlen. Es ist einfach toll geschrieben – es rüttelt wach, macht fassungslos und es zeigt einem, unter welchen Umständen manche Menschen HEUTE noch leben müssen.
Fassungslos bin ich gewesen, als ich gelesen habe, das Waris bei ihrer Beschneidung FÜNF!!! Jahre alt war – OK, man hört darüber, man liest was darüber – und man vergisst es wieder. Dieses Buch hat mir bewusst gemacht, WAS da eigentlich vor sich geht – WAS damit den Frauen eigentlich angetan wird...
Dieses Buch hat mir aber auch etwas anderes gezeigt: Diese unglaubliche Kraft, die in diesen Menschen steckt, die dort in der Wüste leben – unter Umständen, die uns Europäern einfach unvorstellbar scheinen. Der Wille zu überleben - dieser Mut, jeden Morgen aufzustehen und das Leben anzunehmen, wie auch immer es ist.
Waris ist in meinen Augen ein starker, mutiger Mensch, der mit beiden Beinen fest im Leben steht, der weiß, was er will und der bereit ist, für dieses Ziel alles zu geben. Die Wüste hat sie dazu gemacht! Unter diesen „erbärmlichen“ Umständen ist sie ein Mensch geworden, der zu kämpfen versteht.
Waris selbst bezeichnet ihre Kindheit als glücklich – abgesehen von dem schrecklichen Erlebnis ihrer Beschneidung – sie liebt ihre Mutter, ihren Vater, ihre Geschwister. Sie liebt ihre Heimat – auch wenn sie dort nicht mehr dauerhaft leben möchte. Trotzdem hat sie Kampf gegen die alten Traditionen in ihrem Land aufgenommen.
Heute ist sie UNO Sonderbotschafterin und kämpft gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt. Denn:“Wenn Gott die Teile meines Körpers, die mir heute fehlen, nicht gewollt hätte, warum sollte er sie dann erschaffen haben?“ Es ist ein schwerer Kampf. Ein Kampf gegen Traditionen ** ein Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen, die in ihrem Land keinerlei Mitspracherecht haben ( die Mütter können sich nicht gegen eine Beschneidung ihrer Töchter aussprechen, das widerspräche jeder Tradition und jedem Wunsch des Mannes) ** ein Kampf gegen die Verbohrtheit des Mannes, die in einer Frau nicht mehr sehen als ein brünstiges Tier und fürchten, die Frau würde sich jedem Mann hingeben, wenn man ihr die Gelegenheit ließe ( also muss sie beschnitten und zugenäht werden, um sie vor sich selbst zu schützen).
Zum Schluss noch ein paar allgemeine Fakten über das Buch: Ich habe eine Ausgabe des Weltbild Verlags vor mir liegen, die mir auch von der Aufmachung her sehr gut gefällt. Das Buch hat einen festen Einband ( allerdings nicht diese gewöhnlichen Leineneinbände, etwas dünner) und ist bedruckt mit einem Bild von Warie Dirie. ( ein eindrucksvolles Gesicht, wenn ihr mich fragt). Das besondere an dieser Ausgabe ist ein Lesezeichen, das an einem Bädchen fest mit dem Buch verbunden ist. Darauf nochmals zwei Bilder von Waris, ihre Unterschrift und ein kurzer Text.
Das Buch hat 350 Seiten – den Preis für meine Ausgabe kann ich euch leider nicht nennen, denn ich hab´s mal wieder ersteigert. Allerdings hab ich mich schlau gemacht: Bei Amazon kostet die TB-ausgabe 8,95 Euro, die gebundene Ausgabe 19,90 Euro. Es gibt auch noch ein Hörbuch zu 20,00 Euro!
Mein Fazit:
Ein Buch, das man gelesen haben sollte!
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