Filmkritiken Testbericht

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Erfahrungsbericht von Raileigh

Asterix und Obelix - Mission Kleopatra

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

In Amerika wird der Name eines Regisseurs eines Filmes, von dem sich tatsächliche Regisseur distanzieren will mit Alan Smithee angegeben. Das Alan Chabat Wert darauf legte, seinen tatsächlichen Namen anzugeben, ihn ausserdem noch als Produzent zu verraten und die Rolle des Caesars zu spielen, zeigt, wie überzeugt er von sich ist. Das ist das los, derjenigen, die keine Distanz zu ihrem Werk halten können und Distanz sollte er halten. Weite Distanz. Vielleicht sollte er sogar Distanz vom Filmemachen halten, denn was er mit Asterix und Obelix Mission Kleopatra angerichtet hat, dass ist etwas, was sich nur schwer in Worte fassen lässt. Unmut ist nur die geringste Beschreibung.

Baumeister Numerobis soll in drei Monaten einen Palast für Caesar in Ägypten bauen. So lautet verkürzt die Wette, die Kleopatra mit Caesar schließt.
Drei Monate ist zu knapp, selbst im Bauwesen, da müssen Zauberkräfte her. Die können nur von Miraculix aus dem fernen Gallien kommen und der reist prompt nach Ägypten, natürlich nicht ohne Asterix und Obelix als Begleitschutz. Das gibt natürlich Ärger und jede Menge Kloppe für die Römer.
Den Comic kennt beinahe jeder und auch den Trickfilm haben sicher die meisten gesehen, übrigens einer der köstlichsten Asterixtrickfilme die es je gab.

Nun also die Version computergestützes Teuerkino. Chabat, überzeugt davon witzig zu sein, setzt diesen Film komplett in den arabischeh Sand. Sobald er einen Witz im Comic findet richtet er ihn hin, meist durch penetrantes Auswalzen und Wiederholen. Er bedient sich zitatenreich in den Kinowerken der letzten Jahre, immer wieder wird Star Wars zitiert, Matrix,Tiger and Dragon und musikalisch bei Lawrence von Arabien, doch leider nicht kurz und spritzig, so das Kenner einen kurzen Moment die Filmkenntnis aufblitzen sehen und dann wieder im Film versinken, sondern langatmig und aufdringlich. Depardieu agiert lustlos, Monica Bellucci zeigt Haut, wann immer sie kann und Idefix ist zum Einschläfern hündisch. Alan Chabat ist als Caesar nur eine lächerliche blasse Gestalt, kein Vergleich zum charismatischen Gottfried John in der ersten Asterixverfilmung.

Wann immer einer Freundin mit einer kurzen Filmbewertung kommt, die da lautet, der Film ist schlecht, werde ich griesgrämig und bitte um Differenzierung. Es handelt sich immerhin um die Arbeit anderer Leute. Da will ich genaueres wissen. Bei dieser Verfilmung, kann ich gar nicht anders, als ihr recht geben. Dieser Film ist schlecht, weil er unmotiviert abgedreht, einfallslos zusammengeschnitten und trotz einer großartigen klassischen Comicvorlage einfach keinen Moment von wirklicher Komik vorweisen kann. Dieser Film besitzt keinerlei Tempo, trotz einiger Actionsequenzen, aber selbst diese sorgen für lang anhaltendes Gähnen.
Überhaupt hat der Regisseur offenbar im Film keinerlei Vorstellung von pointiertem Zeitmaß besessen. Dialoge liefen Zusammhangslos aneinander vorbei und standen nur selten in einem dramaturgisch vertretbaren Zusammenhang zur GesamthandlungDialoge liefen aneinander vorbei und standen nur selten in einem dramaturgisch vertretbaren Zusammenhang zur Gesamthandlung.
Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, hier freue sich jemand, die Tradition von Bud Spencer und Terence Hill-Filmen wieder aufleben zu lassen.

Von strafbarer Unkenntnis ist der Bereich der musikalischen Untermalung geprägt. Die Auswahl der Musik ließ mich bedauern, dass es in deutschen Kinos keine Kultur des Tomatenwerfens mehr gibt. Die Choreografie der peinlichen Tanzszene auf dem Bau entsprach dem Gehampel einer Gymnastikgruppe, die sich das erstemal trifft. Styroporbauten waren als solche erkennbar und Computeranimationen nicht gerade gut getarnt.

Grauenvolles Kinounvermögen, welches Alan Chabat dort zur Schau stellt.

Wer sich einen Gefallen tun will, der geht dort nicht hinein, sondern schaut sich noch einmal die Trickfilmvariante von Asterix und Cleopatra an.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-19 16:01:38 mit dem Titel Drei Mönche die der Versuchung widerstehen

Am nächsten ist man Gott im Gesang.
Dies ist die Lehre des Cantorianer-Ordens und es ist eine schöne Lehre.
Leider ist sie nicht sonderlich wirtschaftlich, um einen Orden am Leben zu erhalten, auch wenn der deutsche Ableger des Ordens nur aus vier Personen besteht.
Schon gar nicht in der Bundesrepublik.

Als der Abt stirbt, gibt er den restlichen drei Mönchen den Auftrag, das Buch mit den Ordensregeln in das einzige, noch existierende Cantorianer-Kloster nach Italien zu bringen.
Die Mönche haben eh nichts anderes vor, denn der Abt hatte bereits die Bibliothek verpfändet und nun werden sie ohnehin aus dem alten verfallenen Kloster gejagt.
Die drei ungleichen Figuren, die der Gesang eint wandern los.
Benno der erfahrene Bibliothekar, Tassilo der gewichtige Koch mit dem schlichten Gemüt und Arbo der junge Mann, der seit seiner Kindheit im Orden lebt.

Schon bald treffen sie auf die junge Fotografin Chiara. Sie fährt ihren Wagen in einen Graben, als sie erschrocken einem der Mönche ausweichen muss, der auf der Straße steht. Nach anfänglicher Skepsis fahren sie zusammen weiter, erwehren sich einiger illegaler Müllentsorger und kaufen zum ersten Mal in einer Tankstelle Benzin. Ein schönes Bild, wenn zwei Mönche mit dem blauen Aralkanister die Straße entlang wandern.
Auf dem Weg nach Süden gelangen sie in das Dorf, in dem Tassilo aufgewachsen ist. Seine Mutter lebt noch und sie besuchen sie. Das ist die Versuchung für den gemütlichen Tassilo. Er möchte am liebsten da bleiben und Bauer sein. Nach einem Streit ziehen die beiden Mönche und die Frau weiter. Tassilo bleibt auf dem Gehöft.
Auch auf Benno lauert der Versucher. Im Jesutiten-Colleg, das von einem früheren Studienfreund Bennos geleitet wird, bekommt er das verlockende Angebot, die Musikbibliothek zu ordnen und zu archivieren. Schätze der Kirchenmusik warten dort auf ihn. Er darf sich am Computer einweisen lassen und all die Schätze orten.
Sein früherer Freund hat dabei nur eins im Sinn. Er will das Buch des Ordens, denn es enthält Schmähungen über den Jesuiten-Ordensgründer. Außerdem ist der Orden der Cantorianer vor Jahrhunderten von der katholischen Kirche exkommuniziert worden.

Benno verfällt der Pracht der Amtskirche und bemerkt nicht all die Heuchelei. Der junge Arbo schon. Heimlich holt er sich das Buch und will allein weiter. Allerdings hat er sich auch in Chara verliebt und bittet sie telefonisch (köstlich, wie der Mönch mit dem Handy spielt) ihn auf dem Karlsruher Hauptbahnhof zu treffen. Natürlich gerät er prompt in die Fänge einer Gruppe Party-People, die nichts origineller finden, als einen Mönchen besoffen zu machen.
Um es kurz zu machen: Chiara liest Arbo auf, ruft Tassilo an, der sich mittlerweile seines Gelübdes besonnen hat. Sie rennen in den Gottesdienst, bekehren mittels ihres vorzüglichen Gesangs Benno und fliehen mit dem Buch vor den Häschern der katholischen Amtskirche in Richtung Italien.
So haben sie alle drei ihren Versuchungen widerstanden, wäre da nicht Chiara, die der junge Mönch nicht vergessen will.

Dieses ungewöhnliche Roadmovie "Vaya con dios" stammt aus Deutschland. Es ist wunderbares Erzählkino, eine Geschichte über den Zusammenstoß völlig unterschiedlicher Lebensweisen und die Konflikte, die sich daraus ergeben. Es ist zugleich eine Geschichte über den Wert, den man Dingen beimisst.
Und es ist ein vorzüglicher Film, der Spaß macht. Er hat Witz, er hat ein gemächliches, manchmal rasantes Tempo. Die Figuren sind liebenswert, schrullig und alles andere als Witzfiguren. Ich konnte im Kino lachen und mir eine Träne zerdrücken, denn der Film besitzt ein hohes Maß an Menschlichkeit, was angesichts des alltäglichen Kinoeintopfs selten geworden ist.

Ein hervorragendes Darstellerkollektiv bietet dieser Film auf. Michael Gwisdek als Mönch Benno - ein brillanter Charaktermime, dessen Darstellungskunst, die Maximales mit Minimalismus ausdrückt, mir schon seit Jahren angenehm auffällt.
Der schlichte Tassilo, ein an sich gemütlicher Knuddelbär, in dem ein Kind steckt, dass nicht erwachsen werden will, ist mit Matthias Brenner ebenfalls bestens besetzt und der strenge, zurückhaltende Junge, der den durch die Liebe durcheinander gebrachten Mönch spielt, besitzt mehr Charakter, als so mancher Schönling, der sich für ein Star hält. Der junge Schauspieler heißt Daniel Brühl und wurde für diese Leistung mit dem bayrischen Filmpreis ausgezeichnet.
An Chiara Schoras, die sich für den Film nicht einmal einen anderen Namen zulegen wollte, gefällt mir, dass sie nicht den flippigen Junge-Mädchen-Typ darstellt, den deutsche Film und Fernsehproduktionen gerne herauskehren. Sie spielt eine aufgeweckte und selbstbewusste junge Frau.

Interessant an dem Film ist, dass die katholische Amtskirche, also die Institution, die einem den ganzen Spaß an Glauben und Christentum so gründlich verdorben hat, in diesem Film einiges an Dresche einstecken muss. Ein verbiesterter Ordensleiter in einer starren, protzigen Kirche, die Andersdenkende heute genauso wenig duldet, wie zur Zeit der Inquisition, eine Papst- und Marienverehrung, die an Götzendienst erinnert und eine Heuchelei, die mit dem Urbild des den Nächsten Liebenden nichts mehr gemein hat - dass ist sicher ein Bild, welches den immer noch einflussreichen katholischen Filmdienst in der Bundesrepublik nicht gefallen dürfte.

Überraschenderweise hat der Film trotzdem vier bayrische Filmpreise erhalten.

Die Themenwahl und die Art der Darstellung, der Schnitt, der für die Videogeneration zu behäbig sein dürfte und die gelungene Dialogführung, wird nicht jedermanns Geschmack sein. Doch ich empfehle den Film trotzdem, weil er Freude macht und intelligent ist.
Das ist doch ein gutes Beispiel für den deutschen Film.

10 Bewertungen, 1 Kommentar

  • MisterBomber

    29.12.2002, 15:14 Uhr von MisterBomber
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht und gut gegliedert. Hoffe man ließt sich.