Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von s.maki

Die Dunkelheit

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Hier eine Kurzgeschichte, die auf unsere Sinneswahrnehmung abstellt.

... Sie war doch wach und bei Bewusstsein, doch alles um sie herum war so dunkel. War es denn schon so spät? Sonst konnte sie doch in der Dunkelheit trotzdem schwache Umrisse erkennen.
Warum jetzt nicht?
Sie konnte die Augen nicht geschlossen haben, sie spürte doch, wie sich ihre Augenlieder bewegten, sie nahm doch das sanfte Kneifen Ihrer Lieder war.
Diese Dunkelheit.
Es war still, sehr, richtig unheimlich still.
Diese Ruhe, hatte sie sich nicht schon lange mal danach gesehnt? Doch jetzt war diese Ruhe, diese nichtssagende Stille nur noch beängstigend. Sie spürte, wie ein kalter Schauer ihr den Rücken herunter huschte. Wie sie dieses Gefühl hasste. Und so machtlos, nichts vermochte es diesen Schauer auf dem Weg vom Nacken runter bis zu den Lenden zu stoppen. Immer wenn etwas nicht stimmte und sie ihr Gefühl vor etwas warnen wollte, verspürte sie diesen Schauer. Diesen Schauer der die Haut unkontrolliert zum vibrieren brachte.
Was war geschehen, wo war sie denn nur?
Sie lag, das spürte sie, auf einem weichen und nach Frühling duftendem Untergrund, der leicht nachgab, wenn sie sich bewegte. Doch so ist es, dachte sie sich, es ließ nur den einen Schluss zu, es müsste ein Bett sein. Doch ganz sicher ein Bett. Oder? Doch keine Zweifel, dies war ein Bett, doch nicht ihr Bett, viel zu weich, ihres war viel härter. Doch was für ein Bett?
Okay ein Bett, doch wo stand dieses Bett, alles war so still. Sie fing an Ihre Umgebung zu ertasten, ganz vorsichtig und nur langsam steifend.
Diese Dunkelheit ließ sie nicht ruhig tastend suchend fühlen, Unbehagen begleitete sie bei jedem Millimeter, den sie sich mit ihren Händen vor wagte. Doch es hielt sie nicht ab, weiter zu forschen.
Sie fühlte in ihrer rechten Hand etwas weiches, Flauschiges, was man gern auf der Haut fühlt, was beim Zusammendrücken der Hand weich und sanft in die Fingerzwischenräume drückte.
Sie war sich sicher, es war eine decke, die ihr ein warmes und sicheres Gefühl in dieser Schwärze gab. Doch konnte sie sich denn überhaupt sicher sein?
Sie konnte sich eine keine Zeit in ihrem Leben erinnern, in der Sie so Hilflos gewesen ist.
Sie horchte auf, auf einmal schien die Ruhe, diese Stille nicht mehr so ruhig, sie hörte, nein vorerst meinte sie unruhige, hektische Stimmen, doch nur Phrasen, keine Sätze zu verstehen. Immer deutlich vernahm sie einen Geräuschspegel, der ihr von Sekunde zu Sekunde lauter vorkam. Stimmen, doch nur Phrasen, keine ganzen Sätze, ja es fiel ihr sogar schwer, ganze Wörter aus dem Lärm, ja inzwischen war es fast wie Lärm, herauszufiltern.
Sie versuchte zu lauschen, ihre Ohren zu spitzen, was für ein dämlicher Spruch schoss ihr durch den Kopf, sie versuchte zu erkennen, was sie hörte. Was war das? Ein Röhren, ein Rauschen, ja sie hörte Motorengeräusche. Sie schreckte auf, ein Hupen riss sie aus ihrer angespannten Konzentration. Ja genau, sie erkannte dieses Geräuschemischmasch, ja genau sie hörte Autos fahren, richtig sie lauschte dem Straßenverkehr. Doch warum war er ihr vorerst so fremd?
Oft war sie schon, doch doch sie erinnerte sich, schon auf einer in gleicher Form belebten, von Hektik geprägten Straße zu Fuß voller innerlichem Drang, ja fast Zwang gelaufen.
Doch jetzt erst, in diesem so hilflosen Moment, wo sie nichts außer ihrer Neugier drängelte oder gar hetzte, bemerkte sie diese lauten, schrillen, aufeinander, durcheinander und unharmonisch folgenden Töne.
Plötzlich sah sie vor sich wieder diese Hektik, die vielen Menschen, in diesem Moment verstand sie endlich was ein inneres Auge ist. Die Bilder verschwanden jedoch so schnell wie sie gekommen waren.
Die Geräusche waren für einen Moment, für einen kaum fassbaren Augenblick zu Bildern geworden.
Jetzt merkte sie erst, dass ihr die Dunkelheit fast entgangen wäre, dass sie diese ja fast vergessen hatte. Es fiel ihr schwer sich vom Straßenlärm fern zu halten, doch je länger sie sich auf das Lauschen konzentrierte, je länger sie sich an Ihren einzigen momentan vorhandenen Freund in dieser Dunkelheit klammerte, desto feiner und eindeutiger wurde, was sie hörte. Wie einen Freund, den man von mal zu mal besser kennerlernt.
Doch woher kam dieser doch noch fremder Freund, woher vermochte Freund sie rufen? Kam er von rechts, von links? Sie wusste es nicht. Wo war denn hier kurzfristiger Freund, warum gibt er ihr keine Hilfe.
In der Dunkelheit verlor sie die Orientierung.
„Da“, ihr stockte fast der Atem, sie wollte das soeben Gehörte nicht übertönen, oder gar verschrecken. Es sollte doch wiedergehren. Es erklang wieder, ja fast rhythmisch. Klack_____, klack____, klack____,... Zwar sehr gedämpft, doch es war definitiv viel näher als der Straßenlärm, da war sie sich sicher, oder? Doch, doch, keine Zweifel. Was vernahm ihr Sinn, oder spielte die Dunkelheit ihr bereits ein Streich? Nein kein Zweifel, da war es wieder nur viel schneller, klack, klack, klack,..... und wieder wird es stiller nur der Straßenlärm pulsiert in ja fast doch schon harmonischer Weise. Da wieder, ja genau, ihr wurde bewusst, ja es war der Rhythmus von Schritten, mal schnell, mal langsam, aber es waren Schritten, ganz sicher, sie musste sich sicher sein. Doch so stumpf, so gedämpft, wie hinter einer unsichtbaren Wand, doch war hier durch die Finsternis nicht alles unsichtbar?
Sie lauschte, krampfhaft die Schritte vom Straßenlärm herausfilternd versuchte sie genau zu verfolgen was die Schritte taten. Immer deutlicher wurden sie, mal schnell und klirrend, manchmal auch langsam und schlürfend.
Die Schritte gehörten nicht zu einer Person, da war sie sich ganz sicher, es mussten zwei oder mehrere Personen sein. Doch je sicherer sie in der Wahrnehmung wurde, desto größer wurde ihre innerliche Unruhe, die Finsternis umhüllte sie ja noch immer.
Nicht desto trotz packte sie die Neugier, wer war da draußen, da der glirrente Schritt, der viel öfters erklang als die anderen, so meinte sie zumindest. Wem mag er gehören, wer mag sich dahinter verbergen?
Sie wusste nicht warum, doch unweigerlich stellte sie sich eine zierliche Frau auf hochhackigen Schuhen vor, jung, vielleicht Mitte Zwanzig, noch in der Blühte ihres Lebens, mit langen blonden Haaren zu einem Zopf geflochten und einem strengen Blick, der jedoch ihr weiches und zartes Inneres nicht verbergen konnte. Plötzlich stockte sie, den wen sie vor sich sah, war ihr eigenes vergessenes Angesicht. wer da wirklich war, dies vermochte ihr die Dunkelheit nicht verraten. wer da wirklich lief, blieb ihr verborgen.
„Pzzt“ sich selber innerlich denkend sagend, obwohl ihr im selben Augenblick bewusst wurde, wie absurd dieses in Ihre Kindheit zurück versetzende Verhalten war. Doch lausch doch lieber, ihr Gedanken schweiget doch, da war doch was. Wo? Doch sie vernahm richtig, eine Stimme, aus der selben Richtung wie die Schritte. Da war jemand, nun stand fest, ja unumstößlich klammerte sie sich an den Gedanken, dass da jemand ist. „Schrei doch, schrei!“
„Nein lieber nicht, erst noch lauschen....“
Krampfhaft versuchend jeden noch so leisen Laut ja nicht zu verpassen, verweilte sie in völliger Starre.
Doch alles klang so stumpf, die Hektik der Straße drängte sich unweigerlich wieder auf. Nein, sie wollte sich auf die Stimmen konzentrieren, diese Stimmen irgendwo da draußen in der Finsternis.
Sie zuckte zusammen, fast herzschlagartig verfiel sie in Panik. Ein lautes Klopfen, schallend und derb, dreimal, ein leichtes Klirren, ein Ring der auf Holz schlug?
„Guten Morgen!“ so freundlich sanft und doch so grausam laut.

Diese Stemme so furchtbar laut, so stechend hoch, doch nicht böswillig, diese Stimme, die sie aus der Konzentration, doch nicht aus der Dunkelheit riss.
........




Danke fürs Lesen, bewerten und kommentieren.
Mit lieben Grüßen
Sebastian

Zur Bewertung, was soll man da nur geben?

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-04 16:50:18 mit dem Titel Zwiespalt (2.Teil der Kurzgeschichte)

Hier die Fortsetzung (bzw. Ergänzung) zu meiner ersten Kurzgeschichte:

......
Er kam gerade aus der Schule. Ein eigentlich ganz normaler Tag.
Gerade war er eingeschult wurden und nun saß er also jeden Tag in der Schule. Nicht das es ihn stören würde, schließlich war es ja sehr spannend. Täglich lernte er neue Buchstaben kennen und fing gerade an kleine Setzte zu lesen.
Es machte ihn stolz, wenn ihn die Lehrerin lobte und er einen Satz richtig vorgelesen hatte. Mathe mochte er nicht so gern, wollte sich jetzt auch darüber keine Gedanken machen.

Der kurze Weg von der Schule bis nach Hause war schnell überwunden und er stand vor seinem Haus, wo er und seine Mom wohnten.
Seit Papa ausgezogen ist, kommt ihm das Haus so unendlich groß vor. Doch daran wollte er nicht nachdenken, Papa ist eben nur noch am Wochenende da.

Erst mal rein, was trinken und dann schnell die Hausaufgaben machen, den vorher dürfte er sich ja nicht mit seinen Freunden treffen. Also beeilen, damit Mama nichts dagegen hat.

Er freute sich schon darauf Mama zu erzählen, was er heute alles gelernt hatte. Sie war stets zu Hause, wenn er aus der Schule kam. Meistens gab es auch direkt Mittag, nur manchmal, wenn sie viel im Büro zutun hatte, kam sie was später nach Hause und somit musste er aufs Mittagessen noch etwas warten. Na ja war nicht schlimm für ihn, er war ja schon groß und ging schließlich auch schon zur Schule, so dass er auch ein paar Minuten aufs Essen warten konnte.

Er klingelte, gleich würde ihm seine Mom die Tür aufmachen.
Mmh, scheint als sei sie beschäftigt, er klingelte noch mal. Wartete....
Jetzt musste er doch seinen Schlüssel herauskramen. Mama hatte den Schlüssel ihm zur Sicherheit gegeben, falls sie doch mal später aus dem Büro kommen sollte.
Doch bisher war dies noch nie der Fall.
Er schloss auf, ging hinein und versicherte sich, dass er die Tür auch hinter sich ordentlich geschlossen hatte. Alles in Ordnung.
Na dann setze ich mich direkt an die Hausaufgaben, „dann bin ich vielleicht schon fertig wenn Mama kommt“. Lieber zuerst Deutsch, da musste er nur ein Bild beschreiben, hier könnte er die neuen Worte einbauen, die er heute gelernt hatte.
Aber da war ja noch Mathe, damit wartete er lieber auf seine Mama, die konnte alles, vor allem Mathe erklären.

Nach dem er mit seiner Deutschhausaufgabe fertig war, wunderte er sich schon, dass seine Mama doch nicht zurück war.
Er überlegte, grübelte, was er noch mal machen sollte, was hat Mama noch mal gesagt, was er tun soll, wenn sie doch mal später kommen sollte?
Ach ja, erst mal im Büro anrufen. Er ging zu seinem Merkbrettchen in der Küche. Mama hatte es eigens für ihn in die Küche gehangen, auch tief genug, dass er dran kam. Ach da war ja die Nummer von Mamas Büro. Er ging zum Telefon und nahm es. Er tippte eifrig die Nummern, es läutete, und läutete.
Es läutete noch immer und keiner ging ran, eigentlich wollte er auflegen, doch was dann?

Er war noch nie in der Situation, dass Mama nicht zu Hause war und auch im Büro nicht zu erreichen. Was sollte er den dann machen, wenn er Mama nicht erreicht?

In diesem Moment erhalte eine Stimme im Telefon. „Marketingabteilung, was kann ich für sie tun?“
„Mir meine Mutter geben, was sonst“, dachte er. „Mmmh, ich hätte gern Frau Laweltel gesprochen“, wie komisch sich das für ihn anhörte seine Mama mit Namen anzusprechen.
„Nein, die ist schon weg.“

Wie schon weg? Nicht im Büro? Nicht zu Hause?
Was den jetzt?

„Danke“, verwirrt legte er auf, stand nachdenklich da und suchte nach Erklärung.

Was sollte er den jetzt machen?
Sein Tagesablauf war bisher doch so sicher strukturiert. Er kam nach Hause, entweder nahm er das Mittag zu sich, was Mama ihm gekocht hatte oder machte erst die Aufgaben aus der Schule, wenn Mama noch nicht so weit war.

Doch nun?

Sollte er selber kochen?
Nein, wie denn auch. Er wusste doch nicht was und vor allem nicht wie.
Er könnte den Tisch fertig machen?
Ja genau, Mama wird gleich kommen, dann freut sie sich.
Also los, hatte er ja schon manchmal gemacht.

Zufrieden stand er vor seinem vollendeten Werk, doch Mama war noch immer nicht zurück.
Gleich wird sie sicher kommen.
Was könnte sie den aufgehalten haben?
Mama hätte ruhig Bescheid sagen können. Ach ja der Anrufbeantworter, warum hat er daran nicht sofort gedacht?
Moment, wie war das noch mal?
Ja hier drücken, ja genau mit dieser Taste kann er die eingegangenen Anrufe hören.
Doch nichts... Kein Anruf eingegangen.

Jetzt nicht nervös werden, Du bist schon groß.
Aber verdammt noch mal wo bleibt Mama. Sie sollte ja schnell kommen.

Wie konnte sie ihn so lange warten lassen. Er konnte sich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem er jemals auf seine Mutter so lange warten musste.

Sollte er mal bei seiner Tante anrufen?
Vielleicht ist sie ja bei ihr schnell vorbei gefahren und hat sich mit Ihr verquatscht. Dies konnten die beiden nämlich gut.
Doch wo war noch mal die Nummer?
Ach in der Schublade des Telefonschränkchens.
Aber was sag´ ich den?
Hört sich ja blöd an, wenn er anruft, bloß weil er mal allein ist.
Nee, er ist doch schon groß. Warte lieber noch was.
Doch eigentlich ist sie ja schon lange weg.
Unsicherheit machte sich bei ihm breit, die ihm das Gefühl der Hilflosigkeit vermittelte.
Die Gedanken verwirrten sich und alles wurde geistig so unübersichtlich....

Aus seinen Gedanken riss ihn die Klingel der Tür.
Mama? Warum klingelt sie den?
Sie hat doch einen Schlüssel?
Er stand auf und ging zur Tür. Auf halben Weg machte er jedoch Halt.
Nein, Mama konnte es nicht sein, sie klingelt doch nicht, oder doch?
Erst mal schauen, ob es Mama ist.
Bedrückt von Unsicherheit wollte er lieber doch vorher schauen, wer da klingelt. Er ging zum Küchenfenster und wagte einen Blick auf den Türbereich, den er von hier aus sehr gut einsehen konnte.
Sehr behutsam schlich er sich auf leisen Sollen zum Fenster. Kurz vor ihm machte er halt, ging in die gebückte Haltung, die er, wie er meinte vom vielem Indianerspielen mit seinen Freunden, schon perfekt drauf hatte.
Am Fenster angekommen, versuchte er behutsam sich zu heben, um ja nur ganz knapp über dem unterem Fensterbrett hervorzusehen.
Da klingelte es noch mal, er schreckte so dermaßen zurück, dass er sich nicht mehr sicher sein konnte, unentdeckt am Küchenfenster zu sein. Doch er musste es weiter versuchen, einen Einblick zu erhaschen.
Völlig losgelöst von Sinn und Zweck der ganzen Aktion, sah er jetzt nur noch seine „Missionen“ vor Augen: Unerkannt den bisher Unerkannten zu erkennen!
Was er sah er nun?
Ernüchterung machte sich breit, als er das Ergebnis seiner Mission erblickte.
Ein Mann in normaler Kleidung, stand vor der Tür. Er wartete...
Sah aus wie sein Onkel, hatte zumindest den gleichen rundlichen Bauch wie er. Außerdem trug er die gleichen, spießigen Klamotten wie sein Onkel.
Als er nochmals schellte, kamen ihm Zweifel auf.
Was den nun?
Sollte er ihm öffnen?
Doch Mama sagte immer, dass er fremden Leuten nicht die Tür öffnen sollte, doch was nun?
Sollte er weiterhin warten bis Mama sich endlich melden würde?
Mal hören, was der Fremde wollte, schließlich gibt es ja die Türsprechanlage.....



(kleiner Hinweis:
Diese Kurzgeschichte steht im Zusammenhang mit meiner ersten Kurzgeschichte, zu viel will ich aber auch nicht verraten, nur soviel: Perspektivendifferenz)



Hoffe Euch gefällt dieser Teil
(Mal sehen wie es „weitergeht“).


Mit lieben Grüßen
Euer Sebastian (s.maki)


Andere Teile
(bisher veröffentlich:)

- die Dunkelheit (Teil 1)
- Verzweiflung (Teil 3)
- ...


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-04 16:51:38 mit dem Titel Verzweiflung (3.Teil der Kurzgeschichten von mir)

Hier der dritte Teil, bzw. die dritte Perspektive meiner Kurzgeschichte:


...
Er saß noch immer auf seinem Sitz, oder besser wieder.
Dieser Sitz, der ihm zuvor immer so sicher vor kam.
Dieser Sitz, der ihm wie ein treuer Thron war. Herrscher, ja so fühlte er sich manchmal auf ihm. Er war der Meinung alles kontrollieren zu können, die Macht der Fehlerfreiheit 100 %ig inne zu haben. Sicherheit war sein steter Begleiter.
Doch was war nun?
Was war passiert?
Er versuchte alles zu rekapitulieren, doch er versagte kläglich.
Alles an der er denken konnte war diese Frau, wie sie da lag. Ständig dieses Bild vor Augen. Sie wirkte so unberührt, so zart.
Und er, was hatte er getan? Wie konnte das passieren?
War er nicht immer diesbezüglich ein Vorbild? Nichts hatte er sich zuvor zu Schulden kommen lassen. War er den jetzt so unverantwortlich, war er inzwischen schon zu alt.
Mein Gott, eine Brille, aber sonst war er doch fit?
Was konnte er nur tun? Er war schuldig! Er hatte es vermasselt!
Und plötzlich war es ihm klar, er ist diesmal einer derjenigen gewesen, über die er sich selbst immer so aufregte, wenn er mal wieder von solch ähnlichen Ereignissen in der Zeitung las, im Radio davon hörte oder es gar im Fernsehen sah.
Er war so ein Idiot! Wie konnte er die Kontrolle verlieren, wie konnte ihm die im sichergeglaubte Macht entrissen werden? Wie?, Gott verdammt noch mal wie?
Tränen liefen ihm übers Gesicht, verzweifelt, innerlich schreiend, nach Luft haschend versuchte er sich zu beruhigen. Es gelang ihm nicht.
Er versagte kläglich, ständig das Bild vor Augen, diese paar Sekunden, diese Sekunden, in dem er so viel zerstörte.
So langsam begriff er was er angerichtet hatte, es ging alles so schnell. Verdammt schnell.
Doch wie, was hatte er falsch gemacht?
Alles denken half ihm nicht weiter, ständig das Bild in seinem Kopf. Dieses Bild, wie sie da so lag. Verdammt er war Schuld.
Nur mal einmal nicht aufgepasst, er war schuld.
Ihm, der doch so sicher war, dem nie ein Fehler unterlief, zwanzig Jahre schon nicht. Und jetzt hatte er mit dieser grausamen Folge versagt.
Sie versuchten ihr noch zu helfen, luden sie rasch ein und fuhren weg. Nur er blieb zurück.

Da waren noch die. Die, die ihm so sehr das Gefühl gaben, dass er schuld war. Aber sie hatten ja recht, er war ja auch schuld.
Die ganzen Fragen, die er ihnen beantworten musste. Nur eine fiel ihm jetzt noch ein, obwohl er sie erst gerade beantwortet hatte. Nur ein Frage fiel ihm ein noch ein: „Wie ist es passiert“
Verdammt noch mal, wenn er dies nur selber wüsste.
Sie versuchten ihn zu beruhigen. Ihn zu beruhigen, „dies gelang ihnen sehr gut“.
Natürlich am besten, in dem sie ihm Fragen stellten, auf die er selbst keine Antworten kannte.

Was ist mit ihr?
Gott, bitte helft ihr. Was ist wenn sie es nicht schafft?
Wieder dieses Bild, was sich in seinem Kopf einbrande. Ihm schien, als würde es alles andere aus seinem Geist löschen. Er schloss die Augen und wieder sah er es vor sich.

„Wir haben ihre Frau informieren lassen, sie kommt und holt sie ab.“

Was, wie?
Seine Frau, ja gut. Irgendwie musste er ja nach Haus kommen. Bloß weg von hier.
Hier wollte er auf keinen Fall bleiben. Er hatte das Gefühl, je länger er sich hier aufhielt, desto schwere wurde dieses Gefühl. Es schien ihn innerlich schon fast zu erdrücken.
Ja er wollte weg, weg von diesem Ort.
Wie ein kleines Kind hoffte er dadurch dem geschaffenem Unheil dadurch zu entkommen. Doch er wusste, dass was geschehen war konnte er nicht wieder gut machen.

Im grausamen Rhythmus wiederholen sich die quälenden Gedanken, dieses Bild, die Wut auf sich selbst, die Hilflosigkeit. Dieses Gefühl die Sicherheit und Macht verloren zu haben. Oder hat er sie den überhaupt je besessen?

Eine Hand berührte seine Schulter, er blickte auf.
Tränen zwangen sich ihm auf. Der Schmerz, die Wut, die Verzweiflung, die Ohnmacht, alles floss in vielen kleinen Tränen aus ihm. Doch es war als würde ein Fluss durch eine Nadelöse fließen wollen.

Seine Frau, nahm die Hand von seiner Schulter und legte sie ihm auf sein lichte werdendes Haar.

Er fühlte sich vor ihr noch nie so schwach, so hilflos und ohnmächtig.

War er nicht stets sicher und kontrolliert?
Alles schien in diesem Moment so weit weg, fast als wäre es nie da gewesen.


Wieder dieses Bild vom Geschehenen......





So ich hoffe Ihr bekommt die Kombination zu den anderen Geschichten (Teil 1 und 2) so langsam hin.
Wenn nicht geduldet Euch noch was, der vierte Teil wird sicherlich folgen............



(Versprochen)


Mit lieben Grüßen
Euer Sebastian

P.S.: Freue mich natürlich über all´ diejenigen, die mir etwas hinterlassen.

Die Übersicht:
(bisher veröffentlicht:)

- die Dunkelheit (Teil 1)
- Zwiespalt (Teil 2)
- Verzweiflung (dieser Teil)
- ...

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