Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von hamse

Der Stern

Pro:

Hoffnung

Kontra:

Hoffnung

Empfehlung:

Nein

Einsam und alleine steht er am Himmel. Die anderen Sterne haben ihn schon längst verlassen im Kampf gegen die Wolken. Nur noch er kämpft gegen die graublauen Nachtwolken an. Aber er weiß, auch er wird von ihnen geschluckt werden, so wie alle anderen vor ihm.

Er sieht wie ihm eine junge Frau bei seinem Kampf zusieht, und sieht auch, dass sie ihm Kraft wünscht, alle Kraft, die er brauchen wird. Dabei braucht sie doch die Kraft, sieht sie denn nicht, dass er schon lange erloschen ist? Er ist mittlerweile unwichtig, andere haben seinen Platz schon längst eingenommen, aber das kann sie noch nicht wissen.

Sie schaut zu ihm auf, er ist weg. Jetzt ist sie ganz alleine mit ihren Gedanken, die sie jede Nacht um den Schlaf bringen. Die Gedanken beginnen zu rasen, zu rotieren, werden immer schlimmer, das Herz schnürt sich ihr zu, bis am Ende nur noch eine große Frage im leeren, nur von den Straßenlaternen erleuchteten Raum steht:

WARUM???

Warum ist sie nicht glücklich? Es gibt unzählige Menschen, die sie lieben und die sie liebt. Sie ist gesund, hat eigentlich alles was man sich nur wünscht, na gut, fast alles, aber andere sind auch ohne glücklich. Warum also sie nicht?

Sie denkt an ihren kleinen Sonnenschein, der wahrscheinlich gerade seine Eltern um den Schlaf bringt. Da, da ist er wieder, der Stern, nur ganz kurz, die nächste Wolke fällt schon wieder über ihn her.

So wie über sie wieder die Frage nach dem Warum herfällt. Sie fühlt sich dem allem nicht mehr gewachsen, wie es wirklich in ihr aussieht, weiß eigentlich keiner. Dass sie jede Nacht mit dem Gedanken einschläft nicht mehr aufwachen zu wollen, nur um am nächsten Morgen, doch wieder vom Wecker aus dem Schlaf geklingelt zu werden. Verdammt! Warum kann sie nicht einfach weiterschlafen, weiterschlafen, bis alles vorbei ist, so wie Schneewittchen. Das wäre doch nicht schlecht, einfach nur schlafen, und irgendwann von nem Prinzen wachgeküsst zu werden.

Warum kann das Leben gleichzeitig so grausam und so liebevoll sein? Der Stern sieht ihr wieder zu, zwar wolkenverschleiert, aber er schaut ihr zu, sieht wie sie eine Szene aus ihrem Lieblingsfilm nachflüstert: „wissen sie was das ist? Das ist mein Herz. Es ist gebrochen. Können sie es fühlen?“

Er fühlt es, würde ihr gerne sein ganzes Licht schenken, sie ist doch gar nicht alleine. Er ist doch bei ihr! Er sieht wie sie sich mit Tränen in den Augen herumwälzt und endlich versucht Schlaf zu finden. Er weiß, sie wird es nicht, sie wird noch lange wachliegen und über ihr Glück im Unglück nachdenken.

Schlägt sie den richtigen Weg ein? Tut sie das Richtige? Er sieht ihr die Qualen an, aber sie muss ihren Weg alleine finden, dabei kann er ihr nicht helfen, dazu fehlt ihm die Kraft. Aber er weiß sie hat die Kraft dazu und wird das alles überstehen, sie wird wieder aufstehen, und sie wird den richtigen Weg finden. Egal wie, egal wann und egal wo!

Sie denkt an ihn, und überlegt sich, dass sie eigentlich beide den gleichen Kampf kämpfen, den ums Überleben. Da meldet sich bei ihr wieder das schlechte Gewissen, sie kämpft ihn nicht, den Kampf ums Überleben, den kämpft gerade eine andere, ihr sehr liebe Person. Und es ist nahezu vorprogrammiert, dass sie ihn verlieren wird. Heilungschancen gleich Null.

Sie sagt ihm, dass er seine Kraft nicht an sie schicken soll, sondern an jene die sie wirklich brauchen. Sie kommt auch ohne seine Kraft klar. Aber er hat sie schon seit längerem beobachtet, weiß ganz genau, dass wenn er sie jetzt verlässt, sie sich wieder unendlich alleine in der Welt fühlen wird. Deshalb bleibt er bei ihr, wenn auch nur ganz schwach zu sehen.

Sie steht auf, sucht den Mond, mit dem hat sie schon oft geredet, ihm ihre Wünsche offenbart, mit ihm geschimpft wenn was nicht so geklappt hat, wie es klappen sollte. Sie ist ein kleines Mondmädchen. Aber heute nacht, heute nacht ist sie sein Sternenmädchen, denkt er sich.

Er flüstert ihr zu, dass der Mond heute nicht hier ist, dass sie ihren Kampf heute nur mit ihm kämpfen kann. Aber er wird ihr treu zur Seite stehen, so wie viele andere auch.

Sie schickt einen Fluch zu ihm hoch. Was bringen ihr die vielen, wenn sie den Einen, den sie gerne hätte nicht haben kann??? Ja, verdammt, sie wird geliebt, sie wird auch bewundert, aber welche große Schwester wird das nicht von der Kleinen? Klar, ihre Familie liebt sie, aber ist das nicht selbstverständlich? Das war doch schon immer so, und das wird doch auch immer so sein! Oder etwa nicht?

Es tut ihr leid, er weiß es, und er ist ihr auch nicht böse. Wie gerne würde er sie jetzt in den Arm nehmen, und ihr so Kraft geben. Er weiß wie sehr sie das braucht, aber es sind so verflixt viele Lichtjahre zwischen den beiden.

Er sagt ihr, dass sie versuchen soll, jetzt zu schlafen, morgen würde ein anstrengender Tag werden, und im Schlaf muss sie an nichts denken. Er würde auf sie aufpassen, und auch wenn sie ihn nicht sähe, er wäre immer bei ihr. Aber er sieht, wie sie Tränen in den Augen stehen hat, weiß, das sie vor 4 Uhr wohl nicht an Schlaf zu denken braucht. Aber er kann ihr nicht mehr helfen.

Ihr war nicht mehr zu helfen.

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