Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von ak2002rk

Die beste Kurzgeschichte aller Zeiten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Einladung zum Hähnchenschenkel – Essen

Kurzer Hinweis, bevor ihr die Geschichte lest. Das Lesen ist auf eigene Gefahr und ich werde für keine Verletzungen, die während des Lesens passieren, aufkommen. Also, seid vorsichtig und denkt daran: ES LAUERT ÜBERALL! - -haha, ich lach mich tot--

Auf geht´s!
Und da stehe ich nun. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sich Frauen auf die Anzeige melden. Aber das Gegenteil trifft zu. Wer weiß schon, was mich hinter dieser Tür erwartet!?!
„Da melden sich bestimmt nur Typen, die ´ne geile Schnecke für einsame Nächte haben wollen!“, hatte Isa gesagt. Hätte ich nur auf sie gehört und geschrieben: „Weibliches Wesen sucht Weiber – WG.“ Das wäre eindeutig gewesen – aber irgendwie auch männerfeindlich.
Was erwartet mich denn nun? Ich traue mich nicht recht zu klingeln, nehme stattdessen meiner Gesundheit jeder Chance zur Entfaltung und gebe dafür meiner Haut die vorzeitige Möglichkeit, Falten zu produzieren. Man könnte auch sagen: Ich rauche eine wohltuende, beruhigende Zigarette.
In seinem kurzen Brief beschrieb er nur seine Wohnung, aber leider nicht sich selbst. Nur, dass er männlich sei, stand da, nicht mal sein Name. Nur seine Adresse und ein „Bei Müller klingeln“ Was ist, wenn jetzt so ein Typ vor mir steht, den man eigentlich nur in seinen schlimmsten Träumen wieder findet! Bierbauch, fettiges Haar, Hosenträger, Büchsenbier in der Hand und ´nen dicken fetten Joint in der Fresse.
Jetzt dramatisiere ich alles. Nach seiner Beschreibung muss die Wohnung himmlisch aussehen, und ich finde schon das Treppenhaus gewaltig: Marmortreppen und, wenn mich nicht alles täuscht, Mahagonigeländer. Die Eingangstür ist so breit wie hoch und voller Verzierungen. Wenn du dich durch diese Eingangstür getraut hast, stehst du in einer Art Halle. Dann kommt eine Schwingtür. Der man hat Stil. Sollte ich wirklich bei ihm einziehen und irgendwann mal den Bundeskanzler heiraten, müsste ich mich zumindest für den Hausflur nicht schämen.
Und die Wohnung? Auf jeden Fall kann ich mir die Chance nicht entgegen lassen. Und bei allem Schiss vor einer Enttäuschung: Ich will den Typ nur einmal sehen.
Die Zigarette ist aufgeraucht, aber das ist noch lange kein Grund, wie ein wild gewordener Besen auf die Klingel zu stürzen. Ich habe Zeit. Viel Zeit. Kann mich noch ein wenig drücken. „In der Ruhe steckt die Kraft“, rede ich mich vor mir selbst raus. Und vielleicht bin ich in einer halben Stunde ruhiger. Man weiß ja nie. Ich glaube, ich habe ein kleines Café gesehen, direkt gegenüber von diesem Prachthaus.
Ich hatte Recht, da ist ein Café. Und schon sitze ich an einem kleinen Tisch in der Nähe des Fensters.
So habe ich einen prima Blick auf das Haus. Bei jedem männlichen Wesen, das herauskommt oder sich hineintraut, versuche ich mir vorzustellen, dass das der Unbekannte ist. WOW! Ich muss die Wohnung bekommen. Geht gar nicht anders. Der Kellner kommt und verstärkt meinen Wunsch, nach Hamburg zu ziehen. Gepierct und tätowiert ohne Ende und die blausten Augen, die ich je gesehen habe. Hamburg ist so schön ...
Aber jetzt muss ich doch kurz überlegen, warum ich immer herziehen wollte, bevor dieser Kellner in mein Leben trat. Nein, erst müsste ich mal was bestellen, sonst guckt mich dieser Engel weiter so an, wie ´ne Kuh wenn´s donnert. Ich genehmige mir einen Eiskaffee und fange an, in Erinnerungen zu schwelgen. Es gibt eigentlich nur einen Grund, warum ich hierher ziehen wollte: Paul, meine erste große Liebe.
Wir hatten eine stürmische Beziehung – es war bis jetzt meine schönste Zeit in meinen Leben. Drei Jahre ist das her. Ich hatte täglich neue blaue Flecken, und die, die nicht wussten, woher die stammten, dachten sicher, ich werde täglich verprügelt. Dafür habe ich ihn blutig gekratzt. Einmal war es dann doch zu heftig, und meine Nase hat wilde Geräusche von sich gegeben. Sie war angebrochen und eine Woche auf die Größe eines Tennisballs angeschwollen. Dafür musste er mich dann gesund pflegen. Wir haben uns nie gestritten, wir haben uns nur leidenschaftlich gerne gegenseitig verstümmelt. Eigentlich eine ganz normale Beziehung. Bis auf unsere nächtlichen Hähnchenschenkel – Wettfressen.
Die waren schon ziemlich abnormal.
Er wollte unbedingt DJ werden, hatte kein Bock auf ein normales Leben. Pauls größtes Vorbild war Westbam. Ich hatte auch große Pläne und wollte Künstlerin werden. Wir träumten davon, nach Hamburg zu ziehen, weil ich doch Doktor Renz von den Fetten Broten heiraten musste, neben etlichen anderen Bekanntheiten. Bis heute habe ich zwar keinen von den kennen gelernt, aber das wird schon noch. Kommt Zeit, kommt Rat!
Paul hat mir auch Heiratsanträge gemacht, aber wenn man täglich gefragt wird, macht es irgendwann keinen Spaß mehr. Wir wollten außerdem elf Kinder, und wenn die alt genug gewesen wären, hätten sie uns bedient. Das stand schon mal fest. Wir waren die Wiedergeburt von Bonnie und Clyde, so sah ich das zumindest. Uns konnte keiner auseinander würgen, wir hielten zusammen, auch wenn es noch so stressig wurde. Er musste dann aber wegen seiner Ausbildung zweihundert Kilometer weit wegziehen, und nach viermonatiger Quälerei haben wir beide gesagt, dass es nicht mehr geht. Es war schlimm, er gehörte zu meinem Leben. Kurz nachdem Sense war mit uns beiden, zog ich mich mit meiner Familie nach Berlin, und dort gab es zum Glück genug Ablenkung. Dazu mache ich noch mein Abitur. Wenn dann doch wieder mal so ein kleiner Anflug von Missmut in meine Richtung steuerte, vergrub ich mich in meinen Büchern. Durch gemeinsame Freunde erfuhr ich, dass er wirklich nach Hamburg gezogen war. Und dass er ab und zu in verschiedenen Clubs auflegen soll. Ich würde es ihm gönnen.
Die Simpsons – Melodie reißt mich aus meinen Gedanken. Am Handy ist Laura. Die Einzige, die noch regelmäßigen Kontakt zu Paul hat. Seit drei Jahren erzählt sie mir, dass er nicht von mir loskommt, alle Weiber mit mir vergleicht und immer noch leidet.
„Luca! Paul hat irgendetwas vor. Ich habe gerade mit ihm telefoniert, und er klang ziemlich zappelig. Heute ist ein bedeutender Tag für ihn, hat er gesagt. Mehr war nicht aus ihm herauszukriegen. Weißt du was?“ Dämliche Frage – ich habe seit drei Jahren kein Wort mit ihm gewechselt. „Keine Ahnung,
Herzchen, du kennst ihn, er übertreibt manchmal ein bisschen“, antworte ich gelangweilt. Paul ist zu allem fähig. Vielleicht will er die Weltherrschaft an sich reißen, das wäre genau sein Ding.
„Ist doch aber komisch. Gerade jetzt, wo du in Hamburg bist ...“ Schluss jetzt. Soll sie sich alleine den Kopf zerbrechen. Ich lege auf. Schon bekomme ich eine SMS. Bestimmt Laura, die mich mal wieder zum Teufel wünscht. Nee, `ne ganz andere Nummer, die ich nicht kenne:

LUCA, WO BLEIBST DU? DU BIST NOCH DIESELBE WIE VOR
DREI JAHREN: UNPÜNKTLICH UND OHNE PLAN FÜR DIE
ZUKUNFT!
BEWEG DEINEN SÜSSEN HINTERN, ABER DALLI!!!

Paul. So kann mich nur Paul niedermachen!!!
Ich bezahle meinen Eiskaffee, und der Kellner hat einen riesigen Pickel auf der Stirn. Ist mir vorhin gar nicht aufgefallen. Ich renne über die Straße, werde fast überfahren, steige die Treppen hoch und nehme gleich drei Stufen auf einmal. Ich bin immer noch nicht ruhiger und trotzdem drücke ich auf den Klingelknopf. Die Tür geht langsam auf.
„Willkommen zu Hause, Luca. Wurde auch langsam mal Zeit. Drei Jahre sind ganz schön lang, um nach Hamburg zu fahren. Komm rein, die Hähnchenschenkel werden kalt.“
Er hat zwar nicht die Weltherrschaft an sich gerissen, dafür mich. Ich glaube das reicht erst mal, den Rest erledigen wir später.