Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von WaldelfeBerlin

Der Kuß des Engels

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Da saß sie nun. Einsam, verlassen und ganz alleine. Sie sah aus dem Fenster mit einem Gefühl unendlicher Leere. Von Schmerz erfüllt über die Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Sie war leer, betäubt, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Sie war doch erst acht Jahre alt. Wie sollte sie das alles verstehen können?!
Sie wurde grausam aus der Wärme und Geborgenheit ihrer Familie herausgerissen. Ein Kinderherz kann das nicht begreifen. Es ist jung, schwach und nun unendlich leer. Sie konnte es nicht verstehen. Wer kann es verstehen?!
Sie schloß die Augen von der Hoffnung erfüllt, sie öffnen zu können und alles ist wie früher. Ihre Mama würde auf sie zukommen, sie umarmen und nie wieder loslassen.
Sie lächelte bei diesem Gedanken, so sehr war sie in dieser Vision gefangen.

Was war das für ein Geräusch? Sie schreckte hoch! Sie sah sich um. Es war dunkel in ihrem Zimmer. Hier im Heim mußte das Licht um neun gelöscht werden und es war nun schon nach Mitternacht. Sie sah nichts, nur der Mond leuchtete freundlich in ihr Zimmer.
Da war es wieder. Ein Kratzen, ein Schaben am Fenster. Sie öffnete es leise um zu prüfen, ob das Geräusch von draussen kam.
Ein zarter Wind, wie ein Atemhauch, streifte ihr Gesicht. Ganz leicht, unendlich sanft.
Etwas leuchtete kurz auf. Was war das? Sie zuckte unmerklich zusammen. Ihr war als hätte sie das Bildnis ihrer Mutter gesehen. Wie konnte das sein? Sie war tot, tot seit einer Woche.
Etwas berührte sie an der Hand. „Komm mit, ich zeige Dir die Dinge, die Dich Deinen Schmerz vergessen lassen. Dinge, die so schön, so zauberhaft sind, daß sie alles andere unwichtig erscheinen lassen!“
Joanna sagte nichts. Sie schaffte es kaum, zu nicken. So gebannt genoß sie das Gefühl von Wärme an ihrer Hand, die ihren ganzen Körper anfing, zu erfüllen.
Sie schloß die Augen erneut. Sie hörte ein Rauschen und dann – Stille.
Ein Geruch entfaltete sich. Sie konnte ihn nicht zuordnen, doch war es so angenehm, daß sie zögernd die Augen öffnete. Was sie sah ließ sie ihren Atem stocken. Sie stand inmitten eines riesigen Feldes. Weit und breit nichts als Sonnenblumen! Bis zum Horizont. Doch mehr als der Anblick überwältigte sie der Duft.
Ein Duft so angenehm und erfüllend, wie nur der Duft eines geliebten Menschen mit einer reinen Seele sein kann.
Sie konnte kaum genug bekommen. Im nächsten Moment hörte sie wieder ein Rauschen. Stille.
Sie öffnete die Augen. Sie fand sich auf einer Bergplattform wieder. Um sich herum sah sie grünbewaldete Hügel. Bis zum Horizont. Sie glaubte kaum, was sie sah. Der Anblick der Ferne, die unendliche Weite.
So weit und so schön, wie nur die reine Seele eines geliebten Menschen sein kann.
In den nächsten Sekunden geschah gar nichts. Doch dann wieder das Rauschen, welches ihr mittlerweile vertraut war. Sie machte wieder ihre Augen zu, gespannt, was sie als nächstes erwartete. Stille.
Sie hörte etwas, noch ganz leise, aber es wurde intensiver. Als sie ihr Augen öffnete, erkannte sie den Ursprung der Geräusche.
Sie stand unter einer uralten Eiche. Riesig, und wunderschön. Sie sah tausende Vögel, die auf dem Baum saßen und sangen. Es war ihr, als sangen sie nur für sie.
Sie genoß den Gesang, ein Geräusch, wie nur die Stimme eines geliebten Menschen mit einer reinen Seele sein kann.
Als sie von diesem Geräusch total erfüllt war, schloß sie die Augen.
Wieder Rauschen, dann Stille.
Ein Geschmack entfaltete sich in ihrem Mund, süß und fruchtig. Sie stand in einem Erdbeerbeet inmitten eines wunderschönen Gartens. Der Geschmack war so intensiv, aber dennoch nicht aufdringlich.
Ein Geschmack, so süß und tief, wie nur der Kuß eines geliebten Menschen mit einer reinen Seele sein kann.
Wieder Rauschen, wieder Stille.
Etwas berührte ihre Haut. Erst im Gesicht, dann am ganzen Körper. Unendlich weich. Sie lag auf einer weißen Wolke, eingehüllt, beschützt in den Armen des Himmels. „Wie schön“, dachte sie.
So wunderschön, wie nur die Berührung eines geliebten Mensch mit einer reinen Seele sein kann.
Dann wieder die Wärme, die Stimme, das Licht ihrer Mutter.
„Du weißt nun, was wirklich wichtig ist- Deine Sinne, die alles wahrnehmen können. Du weißt nun, wie sich wahre Liebe anfühlt. Die reine, unschuldige Liebe zu einem Menschen, zu einer reinen Seele. Ich hatte im Leben nicht die Chance, Dir beizubringen, zu fühlen. Deine ganzen Sinne einzusetzen. Die Wahrheit zu erkennen. Wir sind klein und schwach in Bezug auf das Universum, doch die Liebe, die reinen Seelen sind größer und stärker. Größer und stärker als die Vergänglichkeit, die Endlichkeit und die Zeit.“
Joanna schloß die Augen. Sie war ausgefüllt von Gefühlen, von Liebe. Ihre Seele war befriedigt, daß spürte sie.
Mit einem Lächeln schlief sie ein.

Am nächsten Morgen las man in der Tageszeitung der Stadt:

„Tragisches Familienschicksal

Heute nacht starb die junge Joanna D. im zarten Alter von acht Jahren. Erst eine Woche zuvor verunglückten ihre Eltern bei einem Autounfall tödlich. Eine Erzieherin des Heimes fand sie heute morgen leblos in ihrem Bett auf. Jegliche Wiederbelebungsversuche scheiterten. Auf ihrer Stirn schimmerte ein kleines Herz mit einem Totenkreuz in der Mitte. Die Herkunft dieses Zeichens ist unklar. Die Todesursache ist noch nicht ermittelt. Man vermutet, daß die Trauer über den Tod ihrer Eltern, die kleine Joanna umgebracht hat.
Und wieder einmal fragt man sich, warum Gott diese Ungerechtigkeit zuläßt. Wir beten für Joanna und ihre Familie, auf das sie im Tode vereint sind!“


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-17 17:30:06 mit dem Titel Ein Mensch

Diese Geschichte habe ich vor zwei Jahren geschrieben. Wir hatten im Deutschunterricht die Aufgabe, eine Art Metapher als Geschichte ausgebaut zu schreiben.

Geschrieben aus der Perspektive einer Tochter eines Gastwirtes im 15.Jahrhundert

Ein Mensch, so reinen Herzens und von so vollendeter Schönheit, lebt. Lebt schon seit Jahrtausenden. Arm und doch reich. Einsam, aber nicht allein. Denn er steht in Verbindung mit allen Menschen.
Jener dieser Mensch, in Gestalt eines Mannes, kam eines abends in unsere Gaststube. Er ist mir sofort aufgefallen, denn bei jedem Schritt, den er machte, hatte ich das Gefühl als erhellte sich das Zimmer.
Zurückhaltend und höflich fragte er meinen Vater, ob er vielleicht etwas zu arbeiten für ihn hätte. Doch mein Vater machte ein zorniges Gesicht und schrie ihn an, was er hier wolle und daß sie ihn nicht brauchen würden.
Mit hängendem Gesicht verließ dieser unser Haus und als er einen Schritt über unsere Schwelle tat, erloschen unsere Kerzen.
Meine Mutter flüsterte meinem Vater etwas zu, genau verstand ich es nicht, aber es klang wie, `den hat der Teufel geschickt`.
Ein paar Tage später, ich schlenderte gerade auf den Marktplatz, um ein paar Besorgungen zu tätigen, hörte ich, wie sich zwei Frauen lauthals unterhielten, so laut, daß weg hören schier zwecklos war.
Die eine fragte die andere, ob sie schon den Mann gesehen habe, der scheinbar neu, in unserem Dorf lebt. Darauf die andere, „ Ja, der ist mir aber unheimlich, wie aus dem Nichts ist er hier aufgetaucht.“. So ging es ein Weilchen hin und her, doch verloren sie nicht ein gutes Wort über ihn.
Ich lief also weiter, noch völlig in Gedanken des eben Erlebten, da sah ich plötzlich jenen Mann.
Er wurde gerade in diesem Augenblick vom Bäckermeister unserer Stadt mit einem Stock aus dem Laden geprügelt. Wüste Beschimpfungen folgten.
Schon begannen einige, sich auf ihn zu stürzen und schlugen auf ihn ein. Ich spürte, er wollte uns etwas sagen.
Doch seine Worte gingen in dem Gekreische und Geschrei unter. Ich kämpfte mich durch die Massen, die sich mittlerweile um ihn versammelt hatten und irgendwann schaffte ich es auch. Ich stand vor ihm.
Doch, wie sah er aus?!
Sein Gesicht war eingefallen und seine Kleidung schmutzig, auch blutete er am Kopf. Ich ging runter auf die Knie, trotz der Warnungen einiger Dorfbewohner.
Ich nahm seine Hand in die meine und fragte ihn ganz leise, was er uns mitteilen wolle.
Ganz zögernd öffnete er seine Augen. Sie waren so unglaublich blau. Er begann Worte mit seinen Lippen zu formen.
Alles verstand ich nicht, sowohl akustisch nicht, als auch vom Sinn seiner Worte.
Sie waren: „Warum tut ihr Menschen mir das an? Merkt ihr denn nicht, daß ihr mich braucht! Ich bin ein Teil von euch, doch ihr schlagt mich, prügelt mich und vertreibt mich! Warum tut ihr das?! Ohne mich müßt ihr sterben!
Doch irgendwann da komme ich wieder, nicht jetzt und auch nicht nächstes Jahr! Auch komme ich nicht in dieser Gestalt, sondern vielleicht in Gestalt dieses jungen Mädchens!“
Dabei sah er mir ganz tief und fest in die Augen, und fügte hinzu: „Ich bin davon überzeugt!“.
Das waren seine letzten Worte.
Ich mußte nicht mal weinen, ich war auch eigentlich gar nicht traurig, denn ich wußte, er würde weiterleben, wenigstens in mir, und irgendwann würde er wiederkommen.
So ist der Lauf der Zeit, so war es, so ist es und so wird es sein.
Aber er wird nie gewinnen können!!!

Bei dem \"Menschen\" handelt es sich nciht um eine natürliche Person, sondern um den Frieden, in dieser Geschichte personifiziert.

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