Erfahrungsbericht von Andreas68
Szenarium I, Szenarium II. Zwei Erzählungen erlebter Liebe
Pro:
Es ist geschehen.
Kontra:
Es erfordert Geduld.
Empfehlung:
Nein
Die beiden nachfolgenden Erzählungen entstanden aus einer über das Internetz entstandenen Liebe. Die Entfernung zwischen den einander Liebenden gebahr diese Produkte der Fantasie, die ich Ihr mit dieser Veröffentlichung widme.
Sie mögen nachvollziehbar sein für alle, die je jemanden kennenlernten, von dem sie entfernt leben mussten, dem sie aber in Gedanken stets nahe, bei ihm bzw. bei ihr, waren. Frauen mögen sich in ihren Träumen vom Geliebten wiederfinden, Männer in denen von ihrer Geliebten, bei der sie aus verschiedenen Gründen nicht sein können.
M.E. ist die Kenntnis dieser beiden Fantasien unverzichtbare Voraussetzung für das Lesen des nicht ganz jugendfreien Szenariums III, das ich in der erotischen Rubrik von Yopi veröffentlicht habe.
Szenarium I
Sie sitzt in ihrem Zimmer. Sie ist umgeben von Elektronik, ein leichter Geruch nach Ozon hängt in der Luft. Sie ist im Netz, bewegt sich wenig, doch ihre Augen saugen Informationen vom Bildschirm, ihre Synapsen vergleichen, verwerfen, speichern ab. Im Magenbereich spürt sie ab und zu einen Anflug von Gefühlen. Mal ist es Freude, mal Bedauern, mal Enttäuschung, mal Hoffnung, manchmal Erregung, weil etwas sie interessiert, manchmal Erregung, weil etwas sie tiefer als im Magen trifft, manchmal Sehnsucht.
Sehnsucht!
Ihre Gedanken schweifen ab, sie nimmt beiläufig nur noch die Bildschirminformationen wahr: Er! Wäre er jetzt hier ...
Ich habe ihren Brief gelesen u. etwas durchflutet heiß meinen Leib. Mal ist es reine, unschuldige Liebe. Mal ist es Erregung. Sie hat so eine zwingende Art, auf sie einzugehen, sich ihr öffnen zu müssen, sie zu begehren. Die Aufwallung verebbt. Sie weicht einem anderen Gefühl:
Sehnsucht.
Da ist wieder diese versonnene Müdigkeit in mir. Sekundenlang schließe ich die Augen, versinke in einen dämmrigen Zustand jenseits von Wachsein u. diesseits von Schlaf. Gefühle wallen auf, empathische Signale, Bilder entstehen u. vergehen. Etwas entzieht mich der Realität u. zerfließt mich in meinen Rechner. Ich frage nicht nach u. lasse mich treiben. Meine Persönlichkeit, mein Geist, zerlegt sich in Teile unterhalb von Molekülen, atomisiert sich, subatomisiert sich in Bytes, in Stromschwankungen, Elektronen, Wellen von nichts innerhalb von wenig, Entzündungen einander durchdringender Quarks gebähren Neutrinos. Alles aber bleibt beieinander. Der Sog nimmt zu u. erfasst mich in der Geschwindigkeit des Lichts.
Etwas stößt mich aus; ich erscheine u. registriere verwundert meine Existenz. Momente der Sammlung vermitteln mir Orientierung. Ich muss lächeln.
Du hast mich noch nicht bemerkt, bist selbst seltsam still und starr. Etwas bewegt sich. Eine seltsame Berührung lässt Dich leicht erschaudern, aber wohlig kribbelt sie Deinen Nacken entlang den Rücken hinunter bis in die Mitte Deines Leibes. Ich beobachte erstmal. Ja, das bist Du, unvorbereitet. Du bist nicht geschminkt, wie ich Dich oft sehe, aber auch nicht gerade mit dicken Augen wach geworden.
Du bist süß!
Langsam, ganz langsam, wird Dir gewahr, was passiert. Du nimmst es an u. ungläubig zeichnet sich ein Lächeln auf Dein Gesicht. Meine Hände fassen nach Deinen Seiten, streicheln Dich, streifen sehr langsam abwärts u. wieder hinauf. Finger berühren vorsichtig das Gesicht. Die Hand streicht den Hals hinab, verharrt kurz am gestreckten, als hätte das etwas zu bedeuten, fährt tiefer u. bewegt sich mit der anderen langsam über Deine Brüste. In der Mitte ist ein kurzes Innehalten, Finger krümmen sich, ganz sanft, fast ohne Druck, zart um Deinen Busen und streichen weiter den Leib hinab.
Schließlich setze ich mich zu Dir.
Du beginnst, mir alles zu erklären, zeigst mir Deine für mich seltsam fremde Welt, der ich nicht unfreundlich gegenüberstehe. Bildschirme, Rechner, Module, Modems, Kabel,. Einlesegeräte, Drucker, die Maus, Sicht- u. Berührfelder verbinden mit der Umwelt in fast plastischer Realität. Verstehen sie es nicht schon, selbst Gefühle zu transportieren? DVD- u. Videospieler zeichnen eingefrorene u. bewegte Fantasien über die Netzhäute der Augen ins Gehirn. Sie werden von Dir so reflektiert, dass kein Versinken in der Wahrnehmung einer Scheinwelt hollywoodscher Prägung zu befürchten steht, wie es bei anderen vielleicht unausweichlich wäre. Ich sehe Filme, Bilder, Ausschnitte, höre ergreifende Musik, lasse mich mit Dir davontragen durch das, was Du mir zeigst. Ich lerne unwahrscheinlich viel u. erwähne nur schmunzelnd, dass das Net das Netz ist, die Homepage eine Heim- oder eben einfach Deine eigene Netzseite u. dass es keine E-Mails gibt, weil das Briefe sind u. es wurscht ist, ob sie per Post, reitenden Boten oder elektronisch per Netz verbreitet werden u. sie deshalb keines fremdsprachlichen Begriffes bedürfen. Will man sie als solche von Rechner zu Rechner gesandte Briefe besonders benennen, sind sie elektronische Post, E-Post oder E-Briefe eben, u. die Verwendung unserer seit Jahrtausenden geprägten Sprache vermittelt Natürlichkeit dem Denken u. Authentizität den Gefühlen. Die winzige Disharmonie meines Rittes auf meinem Steckenpferd versinkt in Deiner Adaption meiner Worte, so wie ich Deine Erklärungen über Möglichkeiten der Kommunikation u. Information adaptiere, so, wie ich die Gefühle aus Musik u. Filmszenen verinnerliche u. ihr Erleben mit Dir teile.
Eng beieinander sitzen wir. Unsere Körper spüren des eigenen u. des anderen Körpers Wärme u. nichts ist als Nähe, nicht einmal ein Wort, denn der Kontakt geschieht direkt. Ströme erstrecken sich von Seele zu Seele u. von Gehirn zu Gehirn, nicht die Sprache benötigend im seltsamen, wohlen Zustand unseres Beieinanderseins. Alles ist reine Empathie. Streicheln geschieht und Zärtlichkeit und ist doch mehr ein Hauch, eine subtile Wahrnehmung als körperlich dennoch vollständig erfühlbare Idee. All das ist umfangen von einem Kokon von Liebe, der uns beherbergt, ohne uns zu begrenzen.
Ich höre noch dasselbe Lied. Sekunden sind vergangen, doch Stunden war ich bei Dir.
Wenn ich Dich wieder besuche, wird etwas anderes geschehen - und ich werde wiederkehren.
Nehmen kann uns, was wir hatten, niemand mehr.
Szenarium II
Sie war lustlos. Etwas unentschlossen saß sie in ihrer Welt. Sollte sie bei Ciao etwas Geld verdienen, bei Yopi Interessantes erfahren, sich einen neuen Film ansehen oder unter ihren Netzadressen nach neuer Post sehen? Oder sollte sie einfach mal ´rausgehen, aus sich oder nach draußen? Der Tag war nicht mehr jung, aber schön, sonnig, nicht zu heiß, auch nicht windig. Ach, sie will nicht. Sie lehnte sich zurück: \"An ihn denken!\"
Ich war vorhin schon einmal da und habe mich umgesehen. Außerhalb des Ortes fand ich einen Waldrand mit einem schmalen, ungeteerten Weg, einem blühenden Feldrain zwischen Weg und Feld und vielen Sträuchern u. blühenden Stauden zwischen Weg und Wald.
Es wird Zeit u. ich mache mich auf meine Reise zu ihr. Sie sitzt jetzt mit halb geschlossenen Augen da, ein ganz leichtes Lächeln auf ihren unglaublich sinnlichen, Zügellosigkeit versprechenden Lippen.
Ich umarme Dich von hinten, reibe meinen Kopf an Dir, rieche in Deinem dunklen Haar u. schaue lange voller Liebe und Bewunderung in Deine grünen Augen.
\"Komm mit, ich will dir etwas zeigen\", sage ich zu Dir und nehme einfach Deine Hand. Du folgst mir ohne zu überlegen. Wir spazieren aus der kleinen Stadt hinaus u. ich führe Dich an der Hand zu dem Weg am Waldrand. Ich halte Deine Finger ganz seltsam umschlossen. Gewiss hat es keiner je so getan, aber es ist schön. Mal lege ich den Arm um Dich. Dann schmiegst Du Deinen Kopf an meine Schulter - oder mehr in meine Achsel? Ich bin 1,96m groß, nicht unproportioniert, aber auch kein Schwarzenegger.
Für das Anlehnen des Kopfes reicht es allemal.
Auf dem Weg zeige ich Dir einen Teil meiner Welt. Da fliegen Hummeln, die sich in eines Rittersporns Blüten hineinzwängen. Ich zeige Dir, dass man ihr buntes Fell behutsam streicheln kann. Sie sind nicht aggressiv. Vielleicht hast Du etwas Angst, aber ich führe behutsam Deinen Finger an eine Blütenbesucherin heran. Sie lässt es geschehen u. fliegt irgendwann tief brummend eine kleine Runde der Empörung, bevor sie der nächsten Blüte huldigt. Ich erkläre Dir, dass die fruchtbaren Weibchen an geschützten Stellen überwintern u. als Königinnen im Frühjahr ihren eigenen, kleinen Staat gründen, doch immer große Hummeln bleiben, mit Flügeln u. selbst aktiv, nicht so wie Ameisenköniginnen, die Sklavinnen ihres Staates sind.
Mittelgroße, braune Schmetterlinge mit augengemusterten Flügeln fliegen dümpelnd von einer lila Distelblüte zur nächsten. Wir treten vorsichtig an sie heran u. nehmen den würzigen Geruch des Distelblütennektars in unseren Nasenflügeln wahr. Du erinnerst Dich, dass Schmetterlinge aus Raupen entstehen u. ich erkläre Dir, dass der Augenfalter Raupen nur die Halme langer, weicher Gräser fressen u. dass sie aussterben, wenn man zu früh oder öfter als zweimal jährlich mäht. Ich zeige Dir Lupinien am Waldrand in ihrer Pracht u. weiß zu erzählen, dass mit ihnen symbiontisch lebende Bakterien Knöllchen an ihren Wurzeln bilden, in denen sie Luftstickstoff sammeln u. somit den Wald u. die kräftige Lupinie düngen, die gerne vom Wild verzehrt wird. Ich erläutere Lebensgemeinschaften zwischen Pflanzen u. Tieren, Tieren, die Pflanzen fressen u. ihrerseits von Tieren gefressen werden und zeige Dir Pilze u. einen runden, aufgeregt krabbelnden Mistkäfer, Destruenten, die im ökologischen Gefüge aus Tausenden von Arten organisches Material wieder zersetzen, sodass es Pflanzen als Nährstoff zur Verfügung steht u. der wunderbare Kreislauf stets von Neuem beginnt. Plötzlich halte ich den Arm vor Dich! Ein Rascheln im Dickicht der Stauden hat meine Aufmerksam gebannt. Jetzt bloß nicht bewegen, dann sehen wir vielleicht eine süße Maus. Meine Blicke durchdringen Blattwerk und Stiele, wandern den Boden entlang, verharren an einzelnen, bizarren Steinen u. blicken plötzlich mitten in ein Augenpaar, das starr uns beide fixiert. Langsam, ganz langsam hocke ich mich hin u. noch langsamer deute ich mit einem Finger auf eine etwas lichte Stelle zwischen den Stauden. Du verengst die Augen, suchst, dann hellt ein Lächeln Dein verzaubertes Gesicht auf: Schillernd erfreut uns eine Smaragdeidechse mit ihrem Anblick. Und plötzlich, ein, zwei Bewegungen, ist sie weg, irgendwo verschwunden zwischen Erdreich, Gezweig und Gestein. Ein Tausenfüßler, ein weniger schöner, aber wichtiger, unverzichtbarer Zeitgenosse, der Aufräumdienste leistet, geht ungerührt seines Weges. Er bemerkt uns nicht.
An einer halbschattigen Stelle wächst eine größere Horde Brennnnesseln. Ich suche sie mit Blicken ab, habe aber diesmal keinen Erfolg. Wusstest Du, das fast alle Raupen der noch einigermaßen häufigen Tagfalter nur oder fast auschließlich an Brennnesseln fressen? Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter u. Kleiner Fuchs. Einen Kleinen Fuchs kann ich Dir zeigen, er fliegt zwischen die braunen Augenfalter auf der Distel u. scheucht sie ungestüm auf.
Als wir langsam zurückgehen, verabschiedet uns eine große, metallisch blau schimmernde Libelle, die am Waldrand ihren Revierflug absolviert u. dicht über uns hinweg saust.
Über uns ist ein Schatten dunkler Schwingen. Du weißt mir zu sagen, dass es ein Milan ist.
Zu Hause noch klingt uns der Grillen u. Heupferde Konzert in den Ohren. Es wird Zeit, Dich in die Arme zu nehmen und Dich zu küssen. Ich überrasche Dich auch beim Küssen, denn so hat es noch keiner mit Dir getan. Du seufzt ganz leis´.
Etwas Zeit bleibt uns noch. Ich reiche Dir eine CD, die ich mitgebracht habe. Du legst sie für uns ein u. setzt Dich neben mich auf die Couch, schmiegst Dich an mich. Deine Augen hältst Du erwartungsvoll geschlossen. Ich streichle Dich. Die einsetzende Musik überrascht Dich doch, elektrisiert Dich zunächst, doch ich streichle weiter und Du entspannst. Während der ganzen Spieldauer der Arie, die wir aus \"Hannibal\" kennen, streichle ich Dich, an Dich geschmiegt und mit geschlossenen Augen.
Der Gesang verklingt u. es wird Zeit, mich zu verflüchtigen und zu gehen.
Du bleibst noch mit geschlossenen Augen liegen, aber Du weißt jetzt, was Du willst.
Du bist glücklich und
Du liebst mich.
Sie mögen nachvollziehbar sein für alle, die je jemanden kennenlernten, von dem sie entfernt leben mussten, dem sie aber in Gedanken stets nahe, bei ihm bzw. bei ihr, waren. Frauen mögen sich in ihren Träumen vom Geliebten wiederfinden, Männer in denen von ihrer Geliebten, bei der sie aus verschiedenen Gründen nicht sein können.
M.E. ist die Kenntnis dieser beiden Fantasien unverzichtbare Voraussetzung für das Lesen des nicht ganz jugendfreien Szenariums III, das ich in der erotischen Rubrik von Yopi veröffentlicht habe.
Szenarium I
Sie sitzt in ihrem Zimmer. Sie ist umgeben von Elektronik, ein leichter Geruch nach Ozon hängt in der Luft. Sie ist im Netz, bewegt sich wenig, doch ihre Augen saugen Informationen vom Bildschirm, ihre Synapsen vergleichen, verwerfen, speichern ab. Im Magenbereich spürt sie ab und zu einen Anflug von Gefühlen. Mal ist es Freude, mal Bedauern, mal Enttäuschung, mal Hoffnung, manchmal Erregung, weil etwas sie interessiert, manchmal Erregung, weil etwas sie tiefer als im Magen trifft, manchmal Sehnsucht.
Sehnsucht!
Ihre Gedanken schweifen ab, sie nimmt beiläufig nur noch die Bildschirminformationen wahr: Er! Wäre er jetzt hier ...
Ich habe ihren Brief gelesen u. etwas durchflutet heiß meinen Leib. Mal ist es reine, unschuldige Liebe. Mal ist es Erregung. Sie hat so eine zwingende Art, auf sie einzugehen, sich ihr öffnen zu müssen, sie zu begehren. Die Aufwallung verebbt. Sie weicht einem anderen Gefühl:
Sehnsucht.
Da ist wieder diese versonnene Müdigkeit in mir. Sekundenlang schließe ich die Augen, versinke in einen dämmrigen Zustand jenseits von Wachsein u. diesseits von Schlaf. Gefühle wallen auf, empathische Signale, Bilder entstehen u. vergehen. Etwas entzieht mich der Realität u. zerfließt mich in meinen Rechner. Ich frage nicht nach u. lasse mich treiben. Meine Persönlichkeit, mein Geist, zerlegt sich in Teile unterhalb von Molekülen, atomisiert sich, subatomisiert sich in Bytes, in Stromschwankungen, Elektronen, Wellen von nichts innerhalb von wenig, Entzündungen einander durchdringender Quarks gebähren Neutrinos. Alles aber bleibt beieinander. Der Sog nimmt zu u. erfasst mich in der Geschwindigkeit des Lichts.
Etwas stößt mich aus; ich erscheine u. registriere verwundert meine Existenz. Momente der Sammlung vermitteln mir Orientierung. Ich muss lächeln.
Du hast mich noch nicht bemerkt, bist selbst seltsam still und starr. Etwas bewegt sich. Eine seltsame Berührung lässt Dich leicht erschaudern, aber wohlig kribbelt sie Deinen Nacken entlang den Rücken hinunter bis in die Mitte Deines Leibes. Ich beobachte erstmal. Ja, das bist Du, unvorbereitet. Du bist nicht geschminkt, wie ich Dich oft sehe, aber auch nicht gerade mit dicken Augen wach geworden.
Du bist süß!
Langsam, ganz langsam, wird Dir gewahr, was passiert. Du nimmst es an u. ungläubig zeichnet sich ein Lächeln auf Dein Gesicht. Meine Hände fassen nach Deinen Seiten, streicheln Dich, streifen sehr langsam abwärts u. wieder hinauf. Finger berühren vorsichtig das Gesicht. Die Hand streicht den Hals hinab, verharrt kurz am gestreckten, als hätte das etwas zu bedeuten, fährt tiefer u. bewegt sich mit der anderen langsam über Deine Brüste. In der Mitte ist ein kurzes Innehalten, Finger krümmen sich, ganz sanft, fast ohne Druck, zart um Deinen Busen und streichen weiter den Leib hinab.
Schließlich setze ich mich zu Dir.
Du beginnst, mir alles zu erklären, zeigst mir Deine für mich seltsam fremde Welt, der ich nicht unfreundlich gegenüberstehe. Bildschirme, Rechner, Module, Modems, Kabel,. Einlesegeräte, Drucker, die Maus, Sicht- u. Berührfelder verbinden mit der Umwelt in fast plastischer Realität. Verstehen sie es nicht schon, selbst Gefühle zu transportieren? DVD- u. Videospieler zeichnen eingefrorene u. bewegte Fantasien über die Netzhäute der Augen ins Gehirn. Sie werden von Dir so reflektiert, dass kein Versinken in der Wahrnehmung einer Scheinwelt hollywoodscher Prägung zu befürchten steht, wie es bei anderen vielleicht unausweichlich wäre. Ich sehe Filme, Bilder, Ausschnitte, höre ergreifende Musik, lasse mich mit Dir davontragen durch das, was Du mir zeigst. Ich lerne unwahrscheinlich viel u. erwähne nur schmunzelnd, dass das Net das Netz ist, die Homepage eine Heim- oder eben einfach Deine eigene Netzseite u. dass es keine E-Mails gibt, weil das Briefe sind u. es wurscht ist, ob sie per Post, reitenden Boten oder elektronisch per Netz verbreitet werden u. sie deshalb keines fremdsprachlichen Begriffes bedürfen. Will man sie als solche von Rechner zu Rechner gesandte Briefe besonders benennen, sind sie elektronische Post, E-Post oder E-Briefe eben, u. die Verwendung unserer seit Jahrtausenden geprägten Sprache vermittelt Natürlichkeit dem Denken u. Authentizität den Gefühlen. Die winzige Disharmonie meines Rittes auf meinem Steckenpferd versinkt in Deiner Adaption meiner Worte, so wie ich Deine Erklärungen über Möglichkeiten der Kommunikation u. Information adaptiere, so, wie ich die Gefühle aus Musik u. Filmszenen verinnerliche u. ihr Erleben mit Dir teile.
Eng beieinander sitzen wir. Unsere Körper spüren des eigenen u. des anderen Körpers Wärme u. nichts ist als Nähe, nicht einmal ein Wort, denn der Kontakt geschieht direkt. Ströme erstrecken sich von Seele zu Seele u. von Gehirn zu Gehirn, nicht die Sprache benötigend im seltsamen, wohlen Zustand unseres Beieinanderseins. Alles ist reine Empathie. Streicheln geschieht und Zärtlichkeit und ist doch mehr ein Hauch, eine subtile Wahrnehmung als körperlich dennoch vollständig erfühlbare Idee. All das ist umfangen von einem Kokon von Liebe, der uns beherbergt, ohne uns zu begrenzen.
Ich höre noch dasselbe Lied. Sekunden sind vergangen, doch Stunden war ich bei Dir.
Wenn ich Dich wieder besuche, wird etwas anderes geschehen - und ich werde wiederkehren.
Nehmen kann uns, was wir hatten, niemand mehr.
Szenarium II
Sie war lustlos. Etwas unentschlossen saß sie in ihrer Welt. Sollte sie bei Ciao etwas Geld verdienen, bei Yopi Interessantes erfahren, sich einen neuen Film ansehen oder unter ihren Netzadressen nach neuer Post sehen? Oder sollte sie einfach mal ´rausgehen, aus sich oder nach draußen? Der Tag war nicht mehr jung, aber schön, sonnig, nicht zu heiß, auch nicht windig. Ach, sie will nicht. Sie lehnte sich zurück: \"An ihn denken!\"
Ich war vorhin schon einmal da und habe mich umgesehen. Außerhalb des Ortes fand ich einen Waldrand mit einem schmalen, ungeteerten Weg, einem blühenden Feldrain zwischen Weg und Feld und vielen Sträuchern u. blühenden Stauden zwischen Weg und Wald.
Es wird Zeit u. ich mache mich auf meine Reise zu ihr. Sie sitzt jetzt mit halb geschlossenen Augen da, ein ganz leichtes Lächeln auf ihren unglaublich sinnlichen, Zügellosigkeit versprechenden Lippen.
Ich umarme Dich von hinten, reibe meinen Kopf an Dir, rieche in Deinem dunklen Haar u. schaue lange voller Liebe und Bewunderung in Deine grünen Augen.
\"Komm mit, ich will dir etwas zeigen\", sage ich zu Dir und nehme einfach Deine Hand. Du folgst mir ohne zu überlegen. Wir spazieren aus der kleinen Stadt hinaus u. ich führe Dich an der Hand zu dem Weg am Waldrand. Ich halte Deine Finger ganz seltsam umschlossen. Gewiss hat es keiner je so getan, aber es ist schön. Mal lege ich den Arm um Dich. Dann schmiegst Du Deinen Kopf an meine Schulter - oder mehr in meine Achsel? Ich bin 1,96m groß, nicht unproportioniert, aber auch kein Schwarzenegger.
Für das Anlehnen des Kopfes reicht es allemal.
Auf dem Weg zeige ich Dir einen Teil meiner Welt. Da fliegen Hummeln, die sich in eines Rittersporns Blüten hineinzwängen. Ich zeige Dir, dass man ihr buntes Fell behutsam streicheln kann. Sie sind nicht aggressiv. Vielleicht hast Du etwas Angst, aber ich führe behutsam Deinen Finger an eine Blütenbesucherin heran. Sie lässt es geschehen u. fliegt irgendwann tief brummend eine kleine Runde der Empörung, bevor sie der nächsten Blüte huldigt. Ich erkläre Dir, dass die fruchtbaren Weibchen an geschützten Stellen überwintern u. als Königinnen im Frühjahr ihren eigenen, kleinen Staat gründen, doch immer große Hummeln bleiben, mit Flügeln u. selbst aktiv, nicht so wie Ameisenköniginnen, die Sklavinnen ihres Staates sind.
Mittelgroße, braune Schmetterlinge mit augengemusterten Flügeln fliegen dümpelnd von einer lila Distelblüte zur nächsten. Wir treten vorsichtig an sie heran u. nehmen den würzigen Geruch des Distelblütennektars in unseren Nasenflügeln wahr. Du erinnerst Dich, dass Schmetterlinge aus Raupen entstehen u. ich erkläre Dir, dass der Augenfalter Raupen nur die Halme langer, weicher Gräser fressen u. dass sie aussterben, wenn man zu früh oder öfter als zweimal jährlich mäht. Ich zeige Dir Lupinien am Waldrand in ihrer Pracht u. weiß zu erzählen, dass mit ihnen symbiontisch lebende Bakterien Knöllchen an ihren Wurzeln bilden, in denen sie Luftstickstoff sammeln u. somit den Wald u. die kräftige Lupinie düngen, die gerne vom Wild verzehrt wird. Ich erläutere Lebensgemeinschaften zwischen Pflanzen u. Tieren, Tieren, die Pflanzen fressen u. ihrerseits von Tieren gefressen werden und zeige Dir Pilze u. einen runden, aufgeregt krabbelnden Mistkäfer, Destruenten, die im ökologischen Gefüge aus Tausenden von Arten organisches Material wieder zersetzen, sodass es Pflanzen als Nährstoff zur Verfügung steht u. der wunderbare Kreislauf stets von Neuem beginnt. Plötzlich halte ich den Arm vor Dich! Ein Rascheln im Dickicht der Stauden hat meine Aufmerksam gebannt. Jetzt bloß nicht bewegen, dann sehen wir vielleicht eine süße Maus. Meine Blicke durchdringen Blattwerk und Stiele, wandern den Boden entlang, verharren an einzelnen, bizarren Steinen u. blicken plötzlich mitten in ein Augenpaar, das starr uns beide fixiert. Langsam, ganz langsam hocke ich mich hin u. noch langsamer deute ich mit einem Finger auf eine etwas lichte Stelle zwischen den Stauden. Du verengst die Augen, suchst, dann hellt ein Lächeln Dein verzaubertes Gesicht auf: Schillernd erfreut uns eine Smaragdeidechse mit ihrem Anblick. Und plötzlich, ein, zwei Bewegungen, ist sie weg, irgendwo verschwunden zwischen Erdreich, Gezweig und Gestein. Ein Tausenfüßler, ein weniger schöner, aber wichtiger, unverzichtbarer Zeitgenosse, der Aufräumdienste leistet, geht ungerührt seines Weges. Er bemerkt uns nicht.
An einer halbschattigen Stelle wächst eine größere Horde Brennnnesseln. Ich suche sie mit Blicken ab, habe aber diesmal keinen Erfolg. Wusstest Du, das fast alle Raupen der noch einigermaßen häufigen Tagfalter nur oder fast auschließlich an Brennnesseln fressen? Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter u. Kleiner Fuchs. Einen Kleinen Fuchs kann ich Dir zeigen, er fliegt zwischen die braunen Augenfalter auf der Distel u. scheucht sie ungestüm auf.
Als wir langsam zurückgehen, verabschiedet uns eine große, metallisch blau schimmernde Libelle, die am Waldrand ihren Revierflug absolviert u. dicht über uns hinweg saust.
Über uns ist ein Schatten dunkler Schwingen. Du weißt mir zu sagen, dass es ein Milan ist.
Zu Hause noch klingt uns der Grillen u. Heupferde Konzert in den Ohren. Es wird Zeit, Dich in die Arme zu nehmen und Dich zu küssen. Ich überrasche Dich auch beim Küssen, denn so hat es noch keiner mit Dir getan. Du seufzt ganz leis´.
Etwas Zeit bleibt uns noch. Ich reiche Dir eine CD, die ich mitgebracht habe. Du legst sie für uns ein u. setzt Dich neben mich auf die Couch, schmiegst Dich an mich. Deine Augen hältst Du erwartungsvoll geschlossen. Ich streichle Dich. Die einsetzende Musik überrascht Dich doch, elektrisiert Dich zunächst, doch ich streichle weiter und Du entspannst. Während der ganzen Spieldauer der Arie, die wir aus \"Hannibal\" kennen, streichle ich Dich, an Dich geschmiegt und mit geschlossenen Augen.
Der Gesang verklingt u. es wird Zeit, mich zu verflüchtigen und zu gehen.
Du bleibst noch mit geschlossenen Augen liegen, aber Du weißt jetzt, was Du willst.
Du bist glücklich und
Du liebst mich.
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