Erfahrungsbericht von Raphipuur
Als die Tannenwaldzwerge die Blätterwaldzwerge besuchten
Pro:
Das Schloss Chastlatsch gibt es wirklich, aber es sind nur noch die Fundamente zu sehen
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Hier eine kleine Geschichte, die ich im laufe meiner Primarschulzeit geschrieben habe...
Jonin und Chasperin, die beiden Zwerge aus dem tiefen Tannenwald haben eines Tages von einer der Schwalben, die vorbeizogen einen Brief erhalten, währenddem sie beschäftigt waren, die Pilze und Beeren im Tannenwald zu putzen, damit die schön glänzten um die Wanderer, die des Weges kamen zu erfreuen. Das Couvert enthielt eine Einladung von ihrem grossen Meister, dem Zauberer Mauslin zu einem Treffen anderer Zwerge in einem fernen Blätterwald. Da all jene Zwerge diesen sehr mochten, freuten sie sich ihn wiedereinmal zu treffen, denn das geschah nicht so oft. Sie hatten keine Ahnung wer so alles dabeisein würde.
Der Tag näherte sich immer schneller und schon bald mussten sie sich Gedanken darüber machen, was sie nun zu dieser Einladung mitnehmen wollten. Als sie eines morgens tief in Gedanken versunken auf einem grossen Fliegenpilz sassen, sahen sie die Hexe Mariella, welche auf Kräutersuche war, vorbeihuschen. Jonin pfiff was er konnte, bis Mariella die beiden erblickte. „Habt ihr zwei mich jetzt aber erschreckt! Was wollt ihr! Wenn ihr mich bloss ärgern wollt, verwandle ich euch zwei in Steine!“ schrie sie die beiden an. „Entschuldige Mariella, aber wir wollten eigentlich deinen Rat. Wir sind bald zu einem Fest eingeladen und wissen nicht, was mitbringen. Hättest du uns einen Vorschlag?“ entgegnete Chasperin ganz scheu.
Als Mariella bemerkte, dass die zwei sie nicht ärgern wollten, wurde sie nun auch ganz freundlich. „Wenn das so ist, dann will ich euch gerne helfen. Wollt ihr Blitz und Donner oder Hagelschlag oder zwölf dutzend weisser Mäuse? Ich kann euch alles ermöglichen.“ Chasperin und Jonin schauten sich an. „Nein, Mariella. Nichts von alledem möchten wir mitbringen. Es sollte etwas erfreuliches sein, wir wollen dem Meister etwas für sein Wohlergehen mitbringen, an dem er Freude haben soll.“ „Wenn das so ist, dann bitte ich euch, heute Abend nach Mitternacht zu mir nach Hause, ich habe euch da etwas Gutes.“
Pünktlich um Mitternacht erschienen die beiden vor Mariellas Hütte. Mariella hatte ihnen eine kleine Flasche Medizin bereitgemacht, die sie mitnehmen sollten und ihnen die Anwendung dafür erklärt.
Tags darauf machten sie sich ganz früh auf die Reise. Durch zehn Wälder, über sieben Berge und über schöne Blumenwiesen mussten sie marschieren bis sie am Ziel waren. Endlich angekommen erblickten sie in einem wunderschönen Birkenwald ein grosses Pilzhaus mit vielen schönen Fenstern. Sie schauten zu den Fenstern hinein und sahen, dass die Tische ganz schön gedeckt waren. Da waren wahrscheinlich fleissige Feen schon am Werk. Sie versteckten sich hinter einem Ast und warteten bis andere Zwerge ankamen. Kurz darauf herrschte ein reger Betrieb vor dem Pilzhaus, bekannte Gesichter und viele neue, die sie nun kennenlernen würden. Wie es bei Zwergen eben so ist, verstehen sie sich auf Anhieb. Sie hatten alle viel Freude aneinander. Es gab viel zu erzählen – sie assen, tranken, spielten, tanzten und sangen mit Begeisterung, dass es eine wahre Freude war. Sie hatten es sehr lustig. Einen ganzen Nachmittag mit Mauslin zu verbringen, das haben alle sehr genossen! Jonin und Chasperin blickten in die Blätter der Bäume, die sich im Wind bewegten und sogen die schöne Stimmung, die Freude und die ganz andere Waldluft ganz tief in ihr Herz hinein, damit es in ihrer Erinnerung bliebe.
Doch schon bald neigte sich das schöne Fest dem Ende zu und Chasperin un Jonin mussten ihren Heimweg antreten, damit sie sich nicht verlaufen. Beim Abschied waren sie ganz traurig, dass ein solch schöner Tag schon vorbei war, doch sie hatten die Freude und das Glück im Herzen und die Gewissheit, dass sie im Blätterwald viele neue Freunde gefunden hatten. Alle wissen, irgendwann sehen sie sich wieder.
Müde und glücklich sind sie im Tannenwald wieder angekommen. Vor dem Einschlafen fragt Jonin: „Meinst du dass Mauslin Freude an unserem Geschenk hatte?“ „Es war ein Geschenk, das von unseren Herzen gekommen ist, und darum ist das für mich ein sehr Wertvolles.“ Mit einem warmen Gefühl im Herzen und einem glücklichen Lächeln sind die beiden eingeschlafen.
Tags darauf überlegen sie sich: „es ist, als wäre es ein wunderschöner Traum gewesen, das wir gestern mit Mauslin und vielen anderen Zwergenfreunden zusammengefeiert haben. Einfach wie ein wunderbarer Traum.“ Mit diesen Gedanken putzen sie weiter an ihren Pilzen und Beeren, die an dem Tag noch mehr glänzten, als üblich und freuen sich an ihren Erinnerungen, die sie von nun an in ihren Herzen trugen.....
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:35:43 mit dem Titel Die drei Feen und die Zwerge von Palüd Chapè
Diese Geschichte stammt aus meiner Primarschulzeit und wurde in Rätoromanischer Sprache geschrieben:
Wer aufmerksam und ruhig durch den Wald streift, hat vielleicht schon einmal seltsame Wesen entdeckt, oder Geräusche, die an ein leises Flüstern erinnern. Oft hört man dies wenn ein Windhauch durch die Bäume zieht. Die Bäume rufen uns dann: „Sei ganz still, betrachte die Natur, geniesse den Augenblick und die Ruhe und vergiss all deine Sorgen!“ Wenn man sich dies zu Herzen nimmt und sich weg vom Alltag und den Sorgen löst, sich an einen Ort hinsetzt und auf die Stimme des Waldes hört bemerkt man ganz wundersame Dinge.
Hier eine schöne Blume, da Enziane, ein ganzes Meer von verschiedenen Blumen in allen Farben und zwischendrin immerwieder ein Schmetterling in wunderschönen Farben, der jeder Blume einen Besuch abstattet. Dazwischen zirpen Insekten, Ameisen arbeiten ununterbrochen und leise, quaken Frösche und die Vögel scheinen sich untereinander gut zu unterhalten. Wenn man auch noch etwas Glück hat, kann man sogar einem Reh beim äsen zuschauen.
Wer hat sich also nicht schon einmal gefragt, wer eigentlich um unser wohliges Gefühl im Wald verantwortlich ist?
Eines Tages als ich im Wald war hat mich ein lieber, kleiner Zwerg eingeladen, diesen wunderbaren Vorgängen beizuwohnen. So liess ich mich also in die Welt der Feen und Zwerge entführen.
Das Männlein, führte mich zu der kleinen Waldlichtung Palüd Chapè, ein irgendwie magischer Ort, mit besonderer Ausstrahlung. Von dort ging`s wenige Schritte links hinauf in den Wald. Bei einem grossen Baumstrunk heiss er mich absitzen und klopfte 3 mal darauf. In dem Moment öffnete sich neben dem Baumstrunk das Moos und hervor kam eine schwere Holztüre. Der Zwerg stiess sie auf und so konnten wir eine lange Treppe hinuntersteigen. Unten angekommen sah ich einen riesigen, hellen Raum. Er war sehr hell, aber weder die Sonne streckte ihre Strahlen hinein noch gab es irgendeine andere Lichtquelle. Eine wohlige Wärme erfasste mich.
Nach einiger Zeit, in der ich herumschauen konnte, stellte sich der Zwerg als Flurin vor. Er sei verantwortlich für Ordnung im gesamten Wald und bald werde ich auch die anderen Bewohner dieses wunderbaren Ortes kennenlernen. Nach einem Pfiff von Flurin öffneten sich alle Türen und eine Menge Zwerge kamen mir entgegen und streckten mir ihre Hände zur Begrüssung aus. Ich kam mir wirklich wie Schneewittchen vor! Jeder erklärte mir, für was er im Wald verantwortlich ist und was seine Arbeit ist. Da gibt es zum Beispiel jenen, der das Moos pflegt, damit es so schön weich ist und so gut riecht, dann einen der den Pilzen den Weg ans Licht zeigt, einer der morgens die Enziane öffnet und abends wieder schliesst, einer der die Heidelbeeren putzt, damit sie schön dunkelviolett glänzen, einer der Wasser in die Sümpfe leert, damit die Frösche nicht austrocknen und so weiter.
Demnach herrschte ständig emsiges Treiben im Wald und wir Menschen bemerken dies nicht einmal. Ich war begeistert und erfreut. Was für uns alles so selbstverständlich ist, für das wird mit viel Liebe gesorgt. Jeder sorgt für einen kleinen Teil des Waldes und alles in allem ist es das was wir als Ganzes empfinden, unser Wald. Dies sagte ich auch meinen neuen Freunden.
Nachdem ich mich an deren Geschichten, jede anders, erfreute, durfte ich eine lange Glastreppe hinaufsteigen, dort erwarte mich etwas Besonderes, sagte mir Flurin. Die Treppe schien kein Ende zu nehmen und je weiter ich hinaufstieg umso heller wurde es, obwohl die Sonne nicht hereinschien. Ich freute mich, auf das was kommen würde, auch wenn ich noch nicht wusste was mich erwartete, aber ich spürte es.
Endlich oben angekommen erblickte ich drei schöne Frauen mit langen hellblauen Kleidern. Sie schienen mich erwartet zu haben, denn sie kannten meinen Namen.
Auch sie stellten sich vor: die erste, Clelia war die Blumenfee, die zweite Dea, die Bergfee und die dritte Selva, die Waldfee.
Ihnen unterlagen die Zwerge und ihre Arbeit, ständig waren sie am arbeiten um ihre „Schützlinge“ zu pflegen, damit die Menschen sich an unserem Wald erfreuen können und dort die oft nötige Kraft holen können um dem Alltag zu meistern.
Die drei Feen begannen zu singen und zu tanzen, wie es eben nur Feen können. Ich schaute ihnen ganz verzaubert zu - und plötzlich waren alle drei weg, ich spürte nur noch einen kleinen Windhauch. Ohne es zu bemerken fand ich mich wieder über der Waldlichtung Palüd Chapè auf dem Baumstrunk. Ich fühle mich immer noch verzaubert. Habe ich am Ende nur geträumt? Nein, ich habe es wirklich erlebt, aber ich werde es niemandem erzählen.
Ich war sehr beeindruckt und erfreut, dass ich in diese Welt hineinschauen durfte, so werde ich noch lieber und aufmerksamer an diesen Ort gehen, die Enziane bewundern, das Moos riechen und Heidelbeeren pflücken. Wer weiss vielleicht höre ich die Zwerge arbeiten und wenn ich die Augen schliesse, spüre ich die Feen um mich herum tanzen und höre sie singen, wenn ich aufmerksam dem Wind in den Bäumen zuhöre.
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:42:52 mit dem Titel Die Fee vom Schloss Chastlatsch
Diese Geschichte geschah vor vielen, vielen Jahren, es hätte aber auch heute sein können.
Romina, ein sympathisches, grossgewachsenes junges Mädchen mit schönen langen, schwarzen Haaren, wohnte mit ihren Eltern und ihren zwei älteren Brüdern in einem hübschen kleinen, bescheidenen Häuschen an der Waldgrenze zum Stazerwald. Sie war der Augapfel der Familie. Die Brüder Chasper und Jon Martin waren sehr stolz auf ihre Schwester, die sie sehr liebten.
Als Kind in der Schule, gab sie sich grosse Mühe, konnte sich aber meistens nicht richtig konzentrieren und wenn die Lehrerin sie etwas fragte, erschrak sie oft und wusste nicht was sie gefragt worden war. Mit ihren Mitschülern verstand sie sich dafür umso besser. Alle mochten sie, weil sie so aufgeschlossen war. Wenn eine ihrer Freundinnen bedrückt war, konnte sie sie stets aufheitern und wusste immer um einen Ratschlag. Niemals schlug sie eine Bitte aus und alle vertrauten ihr.
Romina verbrachte ihre freie Zeit mit ausgedehnten Streifzügen durch den Wald. Zuerst besuchte sie immer die kleine Hütte, auf einer schönen Waldlichtung, wo die Sonne am längsten im Tal schien, bis sie unterging und sich verabschiedete.
Romina musste nie lange warten, schon kamen die ersten Tiere um nachzuschauen, ob Romina heute wieder Zeit für sie hatte. Es hatte sich schon lange herumgesprochen, dass das Mädchen immer ein offenes Ohr für deren Sorgen hatte und so waren es jedesmal ein oder zwei Tiere mehr. Rehe, Hirsche, Eichhörnchen, Eulen, Vögel, Füchse und gar ein Dachs scheuten den oftmals weiten Weg zur Hütte nicht.
Eigenartigerweise vertrugen sich alle Tiere, wenn sie auf der Waldlichtung bei Romina standen, keines drängte vor. Alles in allem herrschte ein sehr friedliches Treiben.
Romina schaute sich deren Verletzungen an, wusch die Wunden aus und legte ein Ringelblumen-Blatt auf. Ein paar Tage später war davon meistens nichts mehr zu sehen. Es geschah aber auch dass ein Tier nur Rominas Nähe suchte weil es einfach auch bedrückt war. Mit einem Lächeln und einigen aufmunternden Gesten gelang es ihr auch diese aufzumuntern. Oder sie sang mit ihrer wunderschönen klaren Stimme ein Lied. Dann konnte sie in glückliche, dankbare Augen schauen und wusste, dass sie richtig gehandelt hat. Ab und zu geschah aber, dass ein Tier Romina und die anderen Tieren bedrohte, oder sich nicht wie die anderen verhielt. Sofort spürte sie, dass es auch in Not war und konnte auch da mit den richtigen Gesten und Verständnis demjenigen auf den richtigen Weg helfen. Ihr Lohn für ihr Verhalten erhielt Romina indem die Tieren sie jeden Tag wieder besuchten und andere mitbrachten.
Nachdem sie sich auch dem letzten Tier gewidmet hatte trat sie den Heimweg an, oft war es schon dunkel. Die Eltern machten sich dann jedesmal grosse Sorgen, dass ihr Kind noch nicht zu Hause war, denn nachts im Wald geschahen oft unerklärliche Dinge. Sie wussten nicht, was Romina alles im Wald erlebte und es ihr zweites zuhause war. Einzig ihre Brüder hatte sie eingeweiht, mit der Bitte den Eltern nichts zu sagen. Sie hatte Angst, sie würden es ihr verbieten und hätte so ihre Freunde im Wald nicht mehr besuchen können. Weiter als zur Hütte durfte Romina ohnehin nicht gehen, das wusste sie, denn dahinter begann der dichte Tannenwald und da wohnten die bösen Gnome, die auch schon andere Leute vom Dorf zu sich verschleppt hatten. Niemand weiss jetzt, wo sie sind und ob sie je wieder nach Hause zurückkehren werden.
Eines Abends als sie sich vom letzten verabschiedet hatte und sich auf den Heimweg machte, begegnete sie einem kleinen, hässlichen Männlein. Er hatte eine lange, spitze Nase, grosse Ohren und nur drei Zähne. Auf dem Kopf trug er einen zerschlissenen grünen Hut mit einer zerzausten Rabenfeder. In der Hand trug er einen Korb mit Pilzen und Heidelbeeren. Romina sah ihn schon von Weitem auf dem ersten grossen Stein, links des Weges sitzen, wandte aber sofort den Blick weg. Nun bekam sie grosse Angst, denn sie glaubte einem bösen Gnom begegnet zu sein. Indem sie nicht hinschaute meinte sie, dass er sie nicht bemerken würde. Kurz bevor Romina aber auf seiner Höhe war, sprag der Zwerg mitten auf die Strasse. So blieb Romina nichts anders übrig, als anzuhalten. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und die Tiere hatten schon alle ihr Nachtlagerplatz aufgesucht, sie fühlte sich plötzlich so allein und zitterte vor Angst und Kälte. Der kleine Hässliche rief dann auch mit einer sehr hohen,spitzen Stimme: „Romina, Romina, Freundin der Menschen und Tiere, ich brauche deine Hilfe.“ Romina zögerte, was sollte sie jetzt machen? Nie war sie um einen Rat verlegen und wusste immer die richtigen Worte, aber dieser Kleine irritierte sie sehr. Sie versuchte ihn mit einigen Worten aufzumuntern, wusste aber nicht ob er ihr wirklich zuhörte. Plötzlich war er weg und Romina eilte nach Hause. Noch nie war sie so verwirrt.
Einige Male noch wiederholte sich dieses und war somit für Romina kein Grund zur Sorge, denn es war ihr bis anhin ja nichts geschehen. Eines Abends, es war schon spät, verschwand der Zwerg nicht mehr wie üblich und als Romina heimwollte zerrte er an ihrem Kleid. Plötzlich war die Angst wieder da, obschon sie ihn mittlerweile ganz gut mochte. Er schrie sie an: „Romina, Romina, Freundin der Menschen und Tiere, ich brauche deine Hilfe!“ und er schien wirklich sehr verzweifelt. So überwand sich Romina, setzte sich auf einen Stein und hörte was der Zwerg zu erzählen hatte.
„Ich bin verzweifelt. Morgen jährt sich zum 100. Mal, dass ich von den bösen Gnomen zu einem Zwerg verzaubert wurde, weil ich als neugieriger junger Mann zu weit in den dunklen Tannenwald gegangen bin. Ich muss ihnen nun täglich das Essen besorgen und ihnen Leute bringen, die die Grenze in den dunklen Tannenwald überschreiten. Ich bin müde und mag nicht mehr. Wenn ich meine tägliche Arbeit nicht verrichte, werde ich ins Gnomenschloss unter dem Stazersee eingesperrt. Dort befinden sich auch sämtliche Leute, die im Dorf als vermisst gelten, und denen geht es gar nicht gut. Wenn ich hier nur weg könnte, so dass sie mich nicht mehr finden würden. Würdest du mich bitte zu dir nach Hause nehmen?“ Romina überlegt lange, denn einerseites, wenn er dort eingesperrt wäre, bräuchte sie ihn nicht mehr anzuhören und anzusehen. Andererseits möchte sie auch ihm, wie allen Anderen helfen, denn auch er ist ein Geschöpf Gottes. So beschliesst sie, ihn mitzunehmen und abzuwarten, was sich machen liesse. „Aber nur heute, morgen müssen wir eine Lösung finden.“ Tags darauf hatte sie noch immer keine Lösung, aber sie brachte es nicht übers Herz ihn einfach vor die Türe zu stellen.
Wie üblich ging sie abends wieder zu ihrer Waldlichtung. Merkwürdigerweise war diesmal kein einziges Tier dort, als sie sich zum umkehren wandte, erschien vor ihr eine bildhübsche, zierliche Frau mit einer samtigen Stimme. „Romina, du Freundin der Menschen und Tiere, ich bin eine Fee und ich bin hier um dich für deine Liebe zu den Gottesgeschöpfen zu belohnen. Du brauchst keine Angst zu haben, vertrau mir und komm mit.“ Der Weg führte in den dunklen Tannenwald, aber Romina hatte keine Angst, sie wusste, dass diese Fee nur gute Absichten hatte, sie vertraute ihr. Nach einem kleinen Marsch sind sie an einem Hügel angekommen und als Romina an dem Hügel hinaufsah, traute sie ihren Augen nicht. Sie sah ein wunderschönes Schloss. „Das ist hoffentlich nicht das Schloss der Gnomen?“ überlegte sie sich und einen flüchtigen Augenblick lang wurde es ihr ganz mulmig. In dem Moment öffnete sich das Tor und sie wurde von der Fee hereingebeten. Alles glänzte in Gold und Marmor, aber es war weit und breit niemand zu sehen. Die Fee liess sie alleine und so konnte sich Romina in Ruhe umschauen. Es war ein riesiger Raum, an beiden Seiten hatte es je vier grosse schwere Türen. „Was verbirgt sich wohl dahinter?“ fragte sich Romina. Aber zu langem Überlegen kam sie nicht, denn die Fee kam schon wieder zurück. „Du wirst dich wundern, was hinter diesen Türen alles ist, nicht wahr? Aber zuerst muss ich dir die Geschichte dieses Schlosses erzählen und wieso ausgerechnet du hier bist. Vor einigen Hundert Jahren war hier nur ein einsamer Hügel mit ein paar Bäumen und Pflanzen drauf, aber mit einem wunderschönen Ausblick auf das ganze Tal. Dann sind meine Eltern, von sehr weit her, hier angekommen, sie waren müde und wollten sich ausruhen um tags darauf weiterzureisen. Doch am nächsten Tag, noch bevor die Sonne aufging, sprach der Baum neben dem sie ihr Lager aufgestellt hatten: „Dies ist euer Platz, baut hier euer Haus und ihr werdet immer glücklich sein, und euch wird nichts mangeln.“ Sie befolgten diesen Rat. Nachdem das Schloss gebaut wurde, wurde ich geboren. Meine Eltern umsorgten mich und behüteten mich sehr. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Der Baum half und beriet uns immer wenn wir Sorgen hatten oder in Nöten waren, er gehörte zu unserer Familie, wir mochten ihn sehr. Eines Tages aber, brach ein grosses Gewitter über unser Schloss aus, der Blitz schlug in unseren Baum ein. Als letztes sagte er mir: „Ich werde dir meine Kraft und mein Wissen überreichen, denn ich weiss, dass meine Kraft zu Ende ist. Du darfst es einfach nie missbrauchen. Aber du musst jemanden finden, der es wert ist Herr auf euer Schloss zu werden, denn auch deine Zeit ist nicht unbeschränkt.“ Nun habe ich sehr lange darauf gewartet und ich habe dich immer beobachtet wie du mit anderen Menschen und den Tieren umgehst und da wusste ich, dass es nur dich gibt, die ich damit belohnen kann.“ Mit diesen Worten öffnete sie die verschlossenen Türen, Romina traute ihren Augen nicht. Ein Zimmer schöner als das andere, Marmor, Gold, Edelsteine wohin ihr Auge reichte. „Du darfst hier mit deiner Familie leben, das gehört von nun an dir allein. Die einzige Bedingung allerdings ist, dass du Flurin, den Zwerg auch bei dir als deinen zukünftigen Mann aufnimmst.“
Das war Romina aber eindeutig zuwider, das konnte sie sich nun wirklich nicht vorstellen. Es gab doch soviele anständige Männer im Dorf, gerade sie, die nie jemandem etwas zu leide getan hat, im Gegenteil sie hat all ihre Liebe weitergegeben und nun sollte sie mit einem solch hässlichen Mann, dafür mit Gold und Marmor „belohnt“ werden? Das konnte Romina nicht recht begreifen. Die Fee versuchte sie mit sanfter Stimme dazu zu bewegen: „Wenn du es nicht annimmst, wirst du nicht wissen, was du verlierst, aber entscheiden musst du.“ Romina legte keinen Wert auf Materielles und helfen zu können war ihr viel wichtiger, da sagte die Fee: „Weißt du, auch ich möchte gerne meine Kraft und mein Wissen weiter geben und ich weiss, dass du die einzige Richtige bist. Du wirst sicher damit umzugehen wissen.“ Vor soviel Vertrauen war Romina sehr überrascht und war sich sicher, dass dies das Geschenk dafür sein wird, dass sie allen Geschöpfen der Erde ihre Güte entgegengebracht hat.
„Wenn du alles befolgst, wird meine Zeit hier gezählt sein und ich kann dir versprechen, dein Glück lässt nicht länger auf sich warten.“ In dem Moment klopfte es an der Türe und Gian, der Zwerg bat um Einlass. „Wie wusstest du dass ich hier bin?“ fragte Romina. „Das ist eine lange Geschichte. Die Fee vom Schloss Chastlatsch hat die einzige Kraft um die bösen Gnome zu beseitigen und alle eingesperrten Leute im Schloss der Gnome zu befreien, damit sie zu ihren Familien zurückkehren können, indem sie jemanden findet, der geeignet ist, ihre Kraft und ihr Wissen zu übernehmen und mich heiraten wird.“ Romina fühlte sich mit diesem Gedanken nicht wohl, deshalb fügte Flurin bei: „Ich kann dir versprechen, dass alles gut wird.“ Da Romina gewohnt ist, immer zu helfen, wenn zu helfen ist, ist sie nun auch da bereit. Die Fee ist glücklich, dass Romina eingewilligt hat. In dem Moment gibt es einen Knall, die Fee und der Zwerg Flurin sind verschwunden, einzig ein wunderschöner, grossgewachsener Mann mit einem strahlenden Lächeln steht im Raum. „Ich bin Flurin und ich danke dir von Herzen, dass du mich und alle andere von den Gnomen befreit hast.“ Beide waren überglücklich und mochten sich auf Anhieb sehr. In den nächsten Tagen wurde eine grossartige Hochzeit gefeiert. Es hatte sich herumgesprochen, denn die Tiere und Menschen von weit her besuchten Romina und Flurin und liessen sich von ihnen helfen. Alle waren glücklich und zufrieden. Vielleicht haben wir Romina auch schon getroffen....
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
Jonin und Chasperin, die beiden Zwerge aus dem tiefen Tannenwald haben eines Tages von einer der Schwalben, die vorbeizogen einen Brief erhalten, währenddem sie beschäftigt waren, die Pilze und Beeren im Tannenwald zu putzen, damit die schön glänzten um die Wanderer, die des Weges kamen zu erfreuen. Das Couvert enthielt eine Einladung von ihrem grossen Meister, dem Zauberer Mauslin zu einem Treffen anderer Zwerge in einem fernen Blätterwald. Da all jene Zwerge diesen sehr mochten, freuten sie sich ihn wiedereinmal zu treffen, denn das geschah nicht so oft. Sie hatten keine Ahnung wer so alles dabeisein würde.
Der Tag näherte sich immer schneller und schon bald mussten sie sich Gedanken darüber machen, was sie nun zu dieser Einladung mitnehmen wollten. Als sie eines morgens tief in Gedanken versunken auf einem grossen Fliegenpilz sassen, sahen sie die Hexe Mariella, welche auf Kräutersuche war, vorbeihuschen. Jonin pfiff was er konnte, bis Mariella die beiden erblickte. „Habt ihr zwei mich jetzt aber erschreckt! Was wollt ihr! Wenn ihr mich bloss ärgern wollt, verwandle ich euch zwei in Steine!“ schrie sie die beiden an. „Entschuldige Mariella, aber wir wollten eigentlich deinen Rat. Wir sind bald zu einem Fest eingeladen und wissen nicht, was mitbringen. Hättest du uns einen Vorschlag?“ entgegnete Chasperin ganz scheu.
Als Mariella bemerkte, dass die zwei sie nicht ärgern wollten, wurde sie nun auch ganz freundlich. „Wenn das so ist, dann will ich euch gerne helfen. Wollt ihr Blitz und Donner oder Hagelschlag oder zwölf dutzend weisser Mäuse? Ich kann euch alles ermöglichen.“ Chasperin und Jonin schauten sich an. „Nein, Mariella. Nichts von alledem möchten wir mitbringen. Es sollte etwas erfreuliches sein, wir wollen dem Meister etwas für sein Wohlergehen mitbringen, an dem er Freude haben soll.“ „Wenn das so ist, dann bitte ich euch, heute Abend nach Mitternacht zu mir nach Hause, ich habe euch da etwas Gutes.“
Pünktlich um Mitternacht erschienen die beiden vor Mariellas Hütte. Mariella hatte ihnen eine kleine Flasche Medizin bereitgemacht, die sie mitnehmen sollten und ihnen die Anwendung dafür erklärt.
Tags darauf machten sie sich ganz früh auf die Reise. Durch zehn Wälder, über sieben Berge und über schöne Blumenwiesen mussten sie marschieren bis sie am Ziel waren. Endlich angekommen erblickten sie in einem wunderschönen Birkenwald ein grosses Pilzhaus mit vielen schönen Fenstern. Sie schauten zu den Fenstern hinein und sahen, dass die Tische ganz schön gedeckt waren. Da waren wahrscheinlich fleissige Feen schon am Werk. Sie versteckten sich hinter einem Ast und warteten bis andere Zwerge ankamen. Kurz darauf herrschte ein reger Betrieb vor dem Pilzhaus, bekannte Gesichter und viele neue, die sie nun kennenlernen würden. Wie es bei Zwergen eben so ist, verstehen sie sich auf Anhieb. Sie hatten alle viel Freude aneinander. Es gab viel zu erzählen – sie assen, tranken, spielten, tanzten und sangen mit Begeisterung, dass es eine wahre Freude war. Sie hatten es sehr lustig. Einen ganzen Nachmittag mit Mauslin zu verbringen, das haben alle sehr genossen! Jonin und Chasperin blickten in die Blätter der Bäume, die sich im Wind bewegten und sogen die schöne Stimmung, die Freude und die ganz andere Waldluft ganz tief in ihr Herz hinein, damit es in ihrer Erinnerung bliebe.
Doch schon bald neigte sich das schöne Fest dem Ende zu und Chasperin un Jonin mussten ihren Heimweg antreten, damit sie sich nicht verlaufen. Beim Abschied waren sie ganz traurig, dass ein solch schöner Tag schon vorbei war, doch sie hatten die Freude und das Glück im Herzen und die Gewissheit, dass sie im Blätterwald viele neue Freunde gefunden hatten. Alle wissen, irgendwann sehen sie sich wieder.
Müde und glücklich sind sie im Tannenwald wieder angekommen. Vor dem Einschlafen fragt Jonin: „Meinst du dass Mauslin Freude an unserem Geschenk hatte?“ „Es war ein Geschenk, das von unseren Herzen gekommen ist, und darum ist das für mich ein sehr Wertvolles.“ Mit einem warmen Gefühl im Herzen und einem glücklichen Lächeln sind die beiden eingeschlafen.
Tags darauf überlegen sie sich: „es ist, als wäre es ein wunderschöner Traum gewesen, das wir gestern mit Mauslin und vielen anderen Zwergenfreunden zusammengefeiert haben. Einfach wie ein wunderbarer Traum.“ Mit diesen Gedanken putzen sie weiter an ihren Pilzen und Beeren, die an dem Tag noch mehr glänzten, als üblich und freuen sich an ihren Erinnerungen, die sie von nun an in ihren Herzen trugen.....
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:35:43 mit dem Titel Die drei Feen und die Zwerge von Palüd Chapè
Diese Geschichte stammt aus meiner Primarschulzeit und wurde in Rätoromanischer Sprache geschrieben:
Wer aufmerksam und ruhig durch den Wald streift, hat vielleicht schon einmal seltsame Wesen entdeckt, oder Geräusche, die an ein leises Flüstern erinnern. Oft hört man dies wenn ein Windhauch durch die Bäume zieht. Die Bäume rufen uns dann: „Sei ganz still, betrachte die Natur, geniesse den Augenblick und die Ruhe und vergiss all deine Sorgen!“ Wenn man sich dies zu Herzen nimmt und sich weg vom Alltag und den Sorgen löst, sich an einen Ort hinsetzt und auf die Stimme des Waldes hört bemerkt man ganz wundersame Dinge.
Hier eine schöne Blume, da Enziane, ein ganzes Meer von verschiedenen Blumen in allen Farben und zwischendrin immerwieder ein Schmetterling in wunderschönen Farben, der jeder Blume einen Besuch abstattet. Dazwischen zirpen Insekten, Ameisen arbeiten ununterbrochen und leise, quaken Frösche und die Vögel scheinen sich untereinander gut zu unterhalten. Wenn man auch noch etwas Glück hat, kann man sogar einem Reh beim äsen zuschauen.
Wer hat sich also nicht schon einmal gefragt, wer eigentlich um unser wohliges Gefühl im Wald verantwortlich ist?
Eines Tages als ich im Wald war hat mich ein lieber, kleiner Zwerg eingeladen, diesen wunderbaren Vorgängen beizuwohnen. So liess ich mich also in die Welt der Feen und Zwerge entführen.
Das Männlein, führte mich zu der kleinen Waldlichtung Palüd Chapè, ein irgendwie magischer Ort, mit besonderer Ausstrahlung. Von dort ging`s wenige Schritte links hinauf in den Wald. Bei einem grossen Baumstrunk heiss er mich absitzen und klopfte 3 mal darauf. In dem Moment öffnete sich neben dem Baumstrunk das Moos und hervor kam eine schwere Holztüre. Der Zwerg stiess sie auf und so konnten wir eine lange Treppe hinuntersteigen. Unten angekommen sah ich einen riesigen, hellen Raum. Er war sehr hell, aber weder die Sonne streckte ihre Strahlen hinein noch gab es irgendeine andere Lichtquelle. Eine wohlige Wärme erfasste mich.
Nach einiger Zeit, in der ich herumschauen konnte, stellte sich der Zwerg als Flurin vor. Er sei verantwortlich für Ordnung im gesamten Wald und bald werde ich auch die anderen Bewohner dieses wunderbaren Ortes kennenlernen. Nach einem Pfiff von Flurin öffneten sich alle Türen und eine Menge Zwerge kamen mir entgegen und streckten mir ihre Hände zur Begrüssung aus. Ich kam mir wirklich wie Schneewittchen vor! Jeder erklärte mir, für was er im Wald verantwortlich ist und was seine Arbeit ist. Da gibt es zum Beispiel jenen, der das Moos pflegt, damit es so schön weich ist und so gut riecht, dann einen der den Pilzen den Weg ans Licht zeigt, einer der morgens die Enziane öffnet und abends wieder schliesst, einer der die Heidelbeeren putzt, damit sie schön dunkelviolett glänzen, einer der Wasser in die Sümpfe leert, damit die Frösche nicht austrocknen und so weiter.
Demnach herrschte ständig emsiges Treiben im Wald und wir Menschen bemerken dies nicht einmal. Ich war begeistert und erfreut. Was für uns alles so selbstverständlich ist, für das wird mit viel Liebe gesorgt. Jeder sorgt für einen kleinen Teil des Waldes und alles in allem ist es das was wir als Ganzes empfinden, unser Wald. Dies sagte ich auch meinen neuen Freunden.
Nachdem ich mich an deren Geschichten, jede anders, erfreute, durfte ich eine lange Glastreppe hinaufsteigen, dort erwarte mich etwas Besonderes, sagte mir Flurin. Die Treppe schien kein Ende zu nehmen und je weiter ich hinaufstieg umso heller wurde es, obwohl die Sonne nicht hereinschien. Ich freute mich, auf das was kommen würde, auch wenn ich noch nicht wusste was mich erwartete, aber ich spürte es.
Endlich oben angekommen erblickte ich drei schöne Frauen mit langen hellblauen Kleidern. Sie schienen mich erwartet zu haben, denn sie kannten meinen Namen.
Auch sie stellten sich vor: die erste, Clelia war die Blumenfee, die zweite Dea, die Bergfee und die dritte Selva, die Waldfee.
Ihnen unterlagen die Zwerge und ihre Arbeit, ständig waren sie am arbeiten um ihre „Schützlinge“ zu pflegen, damit die Menschen sich an unserem Wald erfreuen können und dort die oft nötige Kraft holen können um dem Alltag zu meistern.
Die drei Feen begannen zu singen und zu tanzen, wie es eben nur Feen können. Ich schaute ihnen ganz verzaubert zu - und plötzlich waren alle drei weg, ich spürte nur noch einen kleinen Windhauch. Ohne es zu bemerken fand ich mich wieder über der Waldlichtung Palüd Chapè auf dem Baumstrunk. Ich fühle mich immer noch verzaubert. Habe ich am Ende nur geträumt? Nein, ich habe es wirklich erlebt, aber ich werde es niemandem erzählen.
Ich war sehr beeindruckt und erfreut, dass ich in diese Welt hineinschauen durfte, so werde ich noch lieber und aufmerksamer an diesen Ort gehen, die Enziane bewundern, das Moos riechen und Heidelbeeren pflücken. Wer weiss vielleicht höre ich die Zwerge arbeiten und wenn ich die Augen schliesse, spüre ich die Feen um mich herum tanzen und höre sie singen, wenn ich aufmerksam dem Wind in den Bäumen zuhöre.
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:42:52 mit dem Titel Die Fee vom Schloss Chastlatsch
Diese Geschichte geschah vor vielen, vielen Jahren, es hätte aber auch heute sein können.
Romina, ein sympathisches, grossgewachsenes junges Mädchen mit schönen langen, schwarzen Haaren, wohnte mit ihren Eltern und ihren zwei älteren Brüdern in einem hübschen kleinen, bescheidenen Häuschen an der Waldgrenze zum Stazerwald. Sie war der Augapfel der Familie. Die Brüder Chasper und Jon Martin waren sehr stolz auf ihre Schwester, die sie sehr liebten.
Als Kind in der Schule, gab sie sich grosse Mühe, konnte sich aber meistens nicht richtig konzentrieren und wenn die Lehrerin sie etwas fragte, erschrak sie oft und wusste nicht was sie gefragt worden war. Mit ihren Mitschülern verstand sie sich dafür umso besser. Alle mochten sie, weil sie so aufgeschlossen war. Wenn eine ihrer Freundinnen bedrückt war, konnte sie sie stets aufheitern und wusste immer um einen Ratschlag. Niemals schlug sie eine Bitte aus und alle vertrauten ihr.
Romina verbrachte ihre freie Zeit mit ausgedehnten Streifzügen durch den Wald. Zuerst besuchte sie immer die kleine Hütte, auf einer schönen Waldlichtung, wo die Sonne am längsten im Tal schien, bis sie unterging und sich verabschiedete.
Romina musste nie lange warten, schon kamen die ersten Tiere um nachzuschauen, ob Romina heute wieder Zeit für sie hatte. Es hatte sich schon lange herumgesprochen, dass das Mädchen immer ein offenes Ohr für deren Sorgen hatte und so waren es jedesmal ein oder zwei Tiere mehr. Rehe, Hirsche, Eichhörnchen, Eulen, Vögel, Füchse und gar ein Dachs scheuten den oftmals weiten Weg zur Hütte nicht.
Eigenartigerweise vertrugen sich alle Tiere, wenn sie auf der Waldlichtung bei Romina standen, keines drängte vor. Alles in allem herrschte ein sehr friedliches Treiben.
Romina schaute sich deren Verletzungen an, wusch die Wunden aus und legte ein Ringelblumen-Blatt auf. Ein paar Tage später war davon meistens nichts mehr zu sehen. Es geschah aber auch dass ein Tier nur Rominas Nähe suchte weil es einfach auch bedrückt war. Mit einem Lächeln und einigen aufmunternden Gesten gelang es ihr auch diese aufzumuntern. Oder sie sang mit ihrer wunderschönen klaren Stimme ein Lied. Dann konnte sie in glückliche, dankbare Augen schauen und wusste, dass sie richtig gehandelt hat. Ab und zu geschah aber, dass ein Tier Romina und die anderen Tieren bedrohte, oder sich nicht wie die anderen verhielt. Sofort spürte sie, dass es auch in Not war und konnte auch da mit den richtigen Gesten und Verständnis demjenigen auf den richtigen Weg helfen. Ihr Lohn für ihr Verhalten erhielt Romina indem die Tieren sie jeden Tag wieder besuchten und andere mitbrachten.
Nachdem sie sich auch dem letzten Tier gewidmet hatte trat sie den Heimweg an, oft war es schon dunkel. Die Eltern machten sich dann jedesmal grosse Sorgen, dass ihr Kind noch nicht zu Hause war, denn nachts im Wald geschahen oft unerklärliche Dinge. Sie wussten nicht, was Romina alles im Wald erlebte und es ihr zweites zuhause war. Einzig ihre Brüder hatte sie eingeweiht, mit der Bitte den Eltern nichts zu sagen. Sie hatte Angst, sie würden es ihr verbieten und hätte so ihre Freunde im Wald nicht mehr besuchen können. Weiter als zur Hütte durfte Romina ohnehin nicht gehen, das wusste sie, denn dahinter begann der dichte Tannenwald und da wohnten die bösen Gnome, die auch schon andere Leute vom Dorf zu sich verschleppt hatten. Niemand weiss jetzt, wo sie sind und ob sie je wieder nach Hause zurückkehren werden.
Eines Abends als sie sich vom letzten verabschiedet hatte und sich auf den Heimweg machte, begegnete sie einem kleinen, hässlichen Männlein. Er hatte eine lange, spitze Nase, grosse Ohren und nur drei Zähne. Auf dem Kopf trug er einen zerschlissenen grünen Hut mit einer zerzausten Rabenfeder. In der Hand trug er einen Korb mit Pilzen und Heidelbeeren. Romina sah ihn schon von Weitem auf dem ersten grossen Stein, links des Weges sitzen, wandte aber sofort den Blick weg. Nun bekam sie grosse Angst, denn sie glaubte einem bösen Gnom begegnet zu sein. Indem sie nicht hinschaute meinte sie, dass er sie nicht bemerken würde. Kurz bevor Romina aber auf seiner Höhe war, sprag der Zwerg mitten auf die Strasse. So blieb Romina nichts anders übrig, als anzuhalten. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und die Tiere hatten schon alle ihr Nachtlagerplatz aufgesucht, sie fühlte sich plötzlich so allein und zitterte vor Angst und Kälte. Der kleine Hässliche rief dann auch mit einer sehr hohen,spitzen Stimme: „Romina, Romina, Freundin der Menschen und Tiere, ich brauche deine Hilfe.“ Romina zögerte, was sollte sie jetzt machen? Nie war sie um einen Rat verlegen und wusste immer die richtigen Worte, aber dieser Kleine irritierte sie sehr. Sie versuchte ihn mit einigen Worten aufzumuntern, wusste aber nicht ob er ihr wirklich zuhörte. Plötzlich war er weg und Romina eilte nach Hause. Noch nie war sie so verwirrt.
Einige Male noch wiederholte sich dieses und war somit für Romina kein Grund zur Sorge, denn es war ihr bis anhin ja nichts geschehen. Eines Abends, es war schon spät, verschwand der Zwerg nicht mehr wie üblich und als Romina heimwollte zerrte er an ihrem Kleid. Plötzlich war die Angst wieder da, obschon sie ihn mittlerweile ganz gut mochte. Er schrie sie an: „Romina, Romina, Freundin der Menschen und Tiere, ich brauche deine Hilfe!“ und er schien wirklich sehr verzweifelt. So überwand sich Romina, setzte sich auf einen Stein und hörte was der Zwerg zu erzählen hatte.
„Ich bin verzweifelt. Morgen jährt sich zum 100. Mal, dass ich von den bösen Gnomen zu einem Zwerg verzaubert wurde, weil ich als neugieriger junger Mann zu weit in den dunklen Tannenwald gegangen bin. Ich muss ihnen nun täglich das Essen besorgen und ihnen Leute bringen, die die Grenze in den dunklen Tannenwald überschreiten. Ich bin müde und mag nicht mehr. Wenn ich meine tägliche Arbeit nicht verrichte, werde ich ins Gnomenschloss unter dem Stazersee eingesperrt. Dort befinden sich auch sämtliche Leute, die im Dorf als vermisst gelten, und denen geht es gar nicht gut. Wenn ich hier nur weg könnte, so dass sie mich nicht mehr finden würden. Würdest du mich bitte zu dir nach Hause nehmen?“ Romina überlegt lange, denn einerseites, wenn er dort eingesperrt wäre, bräuchte sie ihn nicht mehr anzuhören und anzusehen. Andererseits möchte sie auch ihm, wie allen Anderen helfen, denn auch er ist ein Geschöpf Gottes. So beschliesst sie, ihn mitzunehmen und abzuwarten, was sich machen liesse. „Aber nur heute, morgen müssen wir eine Lösung finden.“ Tags darauf hatte sie noch immer keine Lösung, aber sie brachte es nicht übers Herz ihn einfach vor die Türe zu stellen.
Wie üblich ging sie abends wieder zu ihrer Waldlichtung. Merkwürdigerweise war diesmal kein einziges Tier dort, als sie sich zum umkehren wandte, erschien vor ihr eine bildhübsche, zierliche Frau mit einer samtigen Stimme. „Romina, du Freundin der Menschen und Tiere, ich bin eine Fee und ich bin hier um dich für deine Liebe zu den Gottesgeschöpfen zu belohnen. Du brauchst keine Angst zu haben, vertrau mir und komm mit.“ Der Weg führte in den dunklen Tannenwald, aber Romina hatte keine Angst, sie wusste, dass diese Fee nur gute Absichten hatte, sie vertraute ihr. Nach einem kleinen Marsch sind sie an einem Hügel angekommen und als Romina an dem Hügel hinaufsah, traute sie ihren Augen nicht. Sie sah ein wunderschönes Schloss. „Das ist hoffentlich nicht das Schloss der Gnomen?“ überlegte sie sich und einen flüchtigen Augenblick lang wurde es ihr ganz mulmig. In dem Moment öffnete sich das Tor und sie wurde von der Fee hereingebeten. Alles glänzte in Gold und Marmor, aber es war weit und breit niemand zu sehen. Die Fee liess sie alleine und so konnte sich Romina in Ruhe umschauen. Es war ein riesiger Raum, an beiden Seiten hatte es je vier grosse schwere Türen. „Was verbirgt sich wohl dahinter?“ fragte sich Romina. Aber zu langem Überlegen kam sie nicht, denn die Fee kam schon wieder zurück. „Du wirst dich wundern, was hinter diesen Türen alles ist, nicht wahr? Aber zuerst muss ich dir die Geschichte dieses Schlosses erzählen und wieso ausgerechnet du hier bist. Vor einigen Hundert Jahren war hier nur ein einsamer Hügel mit ein paar Bäumen und Pflanzen drauf, aber mit einem wunderschönen Ausblick auf das ganze Tal. Dann sind meine Eltern, von sehr weit her, hier angekommen, sie waren müde und wollten sich ausruhen um tags darauf weiterzureisen. Doch am nächsten Tag, noch bevor die Sonne aufging, sprach der Baum neben dem sie ihr Lager aufgestellt hatten: „Dies ist euer Platz, baut hier euer Haus und ihr werdet immer glücklich sein, und euch wird nichts mangeln.“ Sie befolgten diesen Rat. Nachdem das Schloss gebaut wurde, wurde ich geboren. Meine Eltern umsorgten mich und behüteten mich sehr. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Der Baum half und beriet uns immer wenn wir Sorgen hatten oder in Nöten waren, er gehörte zu unserer Familie, wir mochten ihn sehr. Eines Tages aber, brach ein grosses Gewitter über unser Schloss aus, der Blitz schlug in unseren Baum ein. Als letztes sagte er mir: „Ich werde dir meine Kraft und mein Wissen überreichen, denn ich weiss, dass meine Kraft zu Ende ist. Du darfst es einfach nie missbrauchen. Aber du musst jemanden finden, der es wert ist Herr auf euer Schloss zu werden, denn auch deine Zeit ist nicht unbeschränkt.“ Nun habe ich sehr lange darauf gewartet und ich habe dich immer beobachtet wie du mit anderen Menschen und den Tieren umgehst und da wusste ich, dass es nur dich gibt, die ich damit belohnen kann.“ Mit diesen Worten öffnete sie die verschlossenen Türen, Romina traute ihren Augen nicht. Ein Zimmer schöner als das andere, Marmor, Gold, Edelsteine wohin ihr Auge reichte. „Du darfst hier mit deiner Familie leben, das gehört von nun an dir allein. Die einzige Bedingung allerdings ist, dass du Flurin, den Zwerg auch bei dir als deinen zukünftigen Mann aufnimmst.“
Das war Romina aber eindeutig zuwider, das konnte sie sich nun wirklich nicht vorstellen. Es gab doch soviele anständige Männer im Dorf, gerade sie, die nie jemandem etwas zu leide getan hat, im Gegenteil sie hat all ihre Liebe weitergegeben und nun sollte sie mit einem solch hässlichen Mann, dafür mit Gold und Marmor „belohnt“ werden? Das konnte Romina nicht recht begreifen. Die Fee versuchte sie mit sanfter Stimme dazu zu bewegen: „Wenn du es nicht annimmst, wirst du nicht wissen, was du verlierst, aber entscheiden musst du.“ Romina legte keinen Wert auf Materielles und helfen zu können war ihr viel wichtiger, da sagte die Fee: „Weißt du, auch ich möchte gerne meine Kraft und mein Wissen weiter geben und ich weiss, dass du die einzige Richtige bist. Du wirst sicher damit umzugehen wissen.“ Vor soviel Vertrauen war Romina sehr überrascht und war sich sicher, dass dies das Geschenk dafür sein wird, dass sie allen Geschöpfen der Erde ihre Güte entgegengebracht hat.
„Wenn du alles befolgst, wird meine Zeit hier gezählt sein und ich kann dir versprechen, dein Glück lässt nicht länger auf sich warten.“ In dem Moment klopfte es an der Türe und Gian, der Zwerg bat um Einlass. „Wie wusstest du dass ich hier bin?“ fragte Romina. „Das ist eine lange Geschichte. Die Fee vom Schloss Chastlatsch hat die einzige Kraft um die bösen Gnome zu beseitigen und alle eingesperrten Leute im Schloss der Gnome zu befreien, damit sie zu ihren Familien zurückkehren können, indem sie jemanden findet, der geeignet ist, ihre Kraft und ihr Wissen zu übernehmen und mich heiraten wird.“ Romina fühlte sich mit diesem Gedanken nicht wohl, deshalb fügte Flurin bei: „Ich kann dir versprechen, dass alles gut wird.“ Da Romina gewohnt ist, immer zu helfen, wenn zu helfen ist, ist sie nun auch da bereit. Die Fee ist glücklich, dass Romina eingewilligt hat. In dem Moment gibt es einen Knall, die Fee und der Zwerg Flurin sind verschwunden, einzig ein wunderschöner, grossgewachsener Mann mit einem strahlenden Lächeln steht im Raum. „Ich bin Flurin und ich danke dir von Herzen, dass du mich und alle andere von den Gnomen befreit hast.“ Beide waren überglücklich und mochten sich auf Anhieb sehr. In den nächsten Tagen wurde eine grossartige Hochzeit gefeiert. Es hatte sich herumgesprochen, denn die Tiere und Menschen von weit her besuchten Romina und Flurin und liessen sich von ihnen helfen. Alle waren glücklich und zufrieden. Vielleicht haben wir Romina auch schon getroffen....
(c) by Raphael Bauer, Juli 2002
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