Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von Charley

Die Parkbank, noch eine Sicht

Pro:

alles hat eben mehrere Seiten

Kontra:

fällt mir gerade nichts ein

Empfehlung:

Nein

Ich konnte mich an diese Geschichte garnicht mehr erinnern, bis ich auf die Versionen von Indigo und Anachronistin wieder darauf gestoßen wurde.

Vor vielen Jahren, ich weiß gar nicht mehr wie lange es eigentlich her ist, mußte ein alter Schulfreund von mir immer mit seinen Eltern einen Spaziergang machen. Ziel war eine alte Bank im Park, die offensichtlich sehr selten genutzt wurde und daher für meinen Freund immer frei war. Sie stand an einer abgelegenen Stelle im Park und hatte eine wunderschöne Aussicht auf den kleinen See, auf dem sich die Enten tummelten.

Manchmal, wenn ich durch den Park ging, habe ich ihn dort sitzen sehen.

Vielleicht 20 Jahre später habe ich meinen Freund wieder gesehen. Wir unterhielten uns über die Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben. Dabei kamen wir auch auf die Parkbank zu sprechen. Er erzählte mir, dass er sie damals manchmal gehasst hat, weil er dort außer seinen Eltern niemand um sich hatte. Und das war oft stink langweilig. Heute hat er dazu eine andere Meinung. Er sagte, dass er die Bank mal wieder aufsuchen wolle, um gedanklich auszuspannen. Erst jetzt kann er abschätzen, was es bedeutet, nur das Rauschen der Blätter im Wind und das Zwitschern der Vögel zu hören und dabei seinen Träumen nachzuhängen.

Als ich ihn kurz darauf noch einmal traf hat er mir erzählt, dass es die Bank noch immer gibt. Es ist nicht mehr die alte Holzbank, die ist wahrscheinlich längst verrottet. Aber an der gleichen Stelle steht eine Bank mit Kunststofflatten. Auch diese haben im Laufe der Zeit schon ihre Farbe verloren und sehen blass graugrün aus. Aber ihren Scharm hat die Bank behalten.

Er erzählte von einem Erlebnis, das sein Leben nachhaltig verändert hat. Als er eines Tages mit einer Zeitung bewaffnet sich auf der Bank niedergelassen hatte, bemerkte er eine Gestalt, die sich langsam seiner Bank näherte. (Er bezeichnete die Bank als seine, weil sie eigentlich nie besetzt war, wenn er dort war.) Als die Gestalt näher kam bemerkte er, dass es sich um eine junge Frau handelte. Sie hielt einen Zweig in ihrer Hand und fragte ob dort noch Platz sei. Sie saßen einige Zeit stumm nebeneinander bis mein Freund sich entschloss, fortzugehen. Als er sich etwa zehn Schritte von der Bank entfernt hatte, sagte die junge Frau: „sie haben ihre Zeitung vergessen“. Er ging zurück und nun kamen die beiden ins Gespräch.

Inzwischen sind wieder einige Jahre vergangen und wir hatten uns wieder aus den Augen verloren. Da ging ich eines Tages durch den Park und sah, dass die Bank noch immer an der gleichen Stelle stand. Es war inzwischen wieder eine Holzbank, aus witterungsbeständigen tropischen Hölzern. Auf der Bank saß ein Paar und daneben spielte ein kleines Mädchen mit ihrem Puppenwagen. Ich erkannte meinen alten Schulfreund wieder. Allerdings hat er mich nicht bemerkt und ich wollte auch das offensichtliche Familienidyll nicht stören.

Ich ging also unbemerkt weiter und denke darüber nach, was so eine abgelegene Bank im Park an einem kleinen Ententeich so alles erzählen könnte.

Ich glaube, das ließe sich auch als unendliche Geschichte fortsetzen.

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