Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von sugips

Josef K. wird gerettet?!

Pro:

Soll der Leser entscheiden

Kontra:

Soll der Leser entscheiden

Empfehlung:

Nein

Warum nicht einmal eine eigene Kurzgeschichte:

I. ich gehe durch eine Allee schwarzer Bäume, ringsherum weiße Häuser, ich gehe durch die Allee und fühle, daß etwas hier fremd ist, doch weit und breit alles schwarz, keine Augen leuchten auf und doch spüre ich einen Eindringling, fühle mich wie eine Auster mit einem Körndchen Sand in ihrer Mitte; Schweiß stömt plötzlich aus allen meinen Poren, ich versuche mich abzulenken, doch es gelingt mir nicht, ich versuche an etwas anderes zu denken, doch immer fällt mir nur die auster ein, habe keine Lust mehr weiterzugehen, will meine Perle fertig erzeugen, will das Schwarze in mir weiter verfolgen, und sehe keinen Sinn mehr darin, nach Hause zu gehen. Ich bin allein mit mir selbst und doch nicht allein, ich streite mit meinem Partikel, ich rechne mir den Preis einer Perle aus, denke an Austern, aber da ich noch nie Austern gesehen habe, kann ich mich nicht konzentrieren.

Morgen gehe ich wieder zu Gericht, sage ich mir, morgen, wenn die Perle fertig ist. Ich werde nicht die bank gehen, ich werde nicht nach Hause gehen, ich warte, bis es hell ist, warte, bis ich diese Dunkelheit ablegen kann, dann gehe ich zu Gericht. Ich Josef K. werde wieder den Saal betreten, werde wieder meine Meinung sagen, werde meine Verteidigung selbst in die Hand nehmen. Doch erst muß ich diese Perle produzieren, erst mich selbst finden, muß den Widerspruch in mir selbst überwinden, muß aus mir etwas schaffen, aus mir selbt, verhindern, daß es andere machen, daß andere mich gefangen nehmen, muß hierbleiben, in dieser schwarzen Allee und weiterforschen, muß finden, was ich jetzt 50 Jahre vergeblich gesucht habe, muß in mir das Rezept gegen die Richter finden.

Ich habe es immer gewußt, doch nie daran geglaubt, und ohne an diese Perle zu glauben, ohne nächtelang diese Schmerzen einer Auster ertragen zu haben, kann man sich nicht verteidigen, kann man sich nicht selbst finden. Jetzt scheint es zu klappen, ich spüre den Schmerz, fühle den Fremkörper in mir; vielleicht bin ich einer der Wenigen, bei denen es beim ersten Mal funktioniert, aber ich glaube es nicht, nicht jedes Sandkorn ist das richtige, man muß es öfters versuchen und dann, dann kommt das Schwerste, die Perle zu finden. Die Auster hat es leichter, sie wird aufgebrochen, aber ich - wer bricht mich auf. Ob man sich selbst aufbrechen kann? Habe ich überhaupt das recht, auf meine Perle zu warten, habe ich das Recht auf meinen Körper, bin ich Ich, oder bin ich nur zufällig Ich.

Es ist noch immer dunkel, die schwarzen Bäume stören mich, vielleicht wird es morgen hell, vielleicht ... irgendwann. Ich spüre den Schmerz, aber nicht die Lösung; der Schmerz macht mich glücklich und unglücklich, der Gedanke an die Auster peinigt mich; ich sehe die weißen Häuser und bin in völliger Dunkelheit, alles schwarz, alles außerhalb und doch in mir. Morgen gehe ich zu Gericht, morgen, mit meiner Perle, aufgebrochen, alles hell - aber es ist dunkel oder ... ich weiß nicht, ob es auch die richtige Perle ist, die, die mir hilft ich zu sein, die alles aufhellt; vielleicht ist es eine der vielen, die das Schlechteste bewirken, die Hoffnung, die alles viel schlimmer macht, die einen peinigt, die einen hindert; ich begreife die Leute nicht, die auf etwas hoffen. Ich meine, es ist doch absurd zu hoffen um enttäuscht zu werden, denn man enttäuscht sich selbst jede Minute, man hat nie Ruhe in sich, es ist immer totenstill, aber man hat keine Ruhe.

Morgen bei Gericht werde ich es wissen, ich werde ihnen die Perle hinwerfen und sagen: „Ich habe mich gefunden!“ Dann werde ich triumphierend den Saal verlassen. Morgen, morgen bei Gericht also – aber – etwas zögert und zaudert in mir, ich glaube, ich glaube nicht mehr ganz an meinen Partikel, wer gibt mir überhaupt das Recht, an meinen Artikel zu glauben? Der Schmerz verstärkt sich und stört meine Gedankengänge, es ist schlimm, gerade jetzt, dass ich mein Ich nicht mehr denken kann, jetzt, wo ich es ganz auf meine Perle konzentrieren müsste.

Vielleicht sollte ich weitergehen, meine Gewohnheiten nicht so abrupt ändern, das ist schlecht, glaube ich, die Auster bleibt ja auch ihrer Tätigkeit treu, aber ich fühle doch, dass ich hierbleiben muß, hier in dieser Allee; diese Allee wird mein Schicksal, denn ich weiß nicht, ob ich stark genug sein werde, mich noch einmal zu ertragen, aber dann ist es aus, aus mit mir, dann hat das Gericht gesiegt und ich kann wieder nur etwas von Scham flüstern, dies hier ist meine letzte Chance. Wenn ich sie nicht nütze, ist nicht nur mein Ich nicht mehr Ich, schämenswert, abscheulich, sondern auch meine äußere Persönlichkeit kaputt, gestört.

Wie leicht habe ich es mir vorgestellt, aus mir selbst zu leben. „Natürlich“, habe ich gesagt, als sie mich fragten, ob ich diesen Rettungsanker ergreifen wolle, „natürlich“. Aber jetzt, in dieser Stunde, merke ich, dass ich es nicht werde können dürfen, da ich nicht genug ich bin; es wird keine Perle geben, es wird nichts geben, ich werde wieder anfangen müssen meinen Narzissmus auszuprägen, bis ich wieder in eine Allee komme, wieder diesen Schmerz fühle und dann, dann, usw. Und sie werden lachen und werden sich die letzte, unwiederbringlich letzte Abschiedsszene schon in ihren Gehirnen vorstellen und festprägen lassen.

Wie leicht habe ich es mir vorgestellt und wie leicht habe ich es mir gemacht, habe geglaubt, ich könne so weiterleben wie bisher, meine Freunde treffen, mit ihnen plaudern, habe nicht für möglich gehalten, dass man sich absondern, sich in sich zurückziehen muß und nicht nur das, dass man jeden nicht nur statischen Kontakt mit der Außenwelt ablegen muß; habe geglaubt mich in Büchern wiederzufinden, in den Philosophen dieses und anderer Jahrhunderte, habe gesucht, habe mich gesucht, überall nur nicht in mir selbst, habe mich davor gefürchtet, und es ist auch fürchtenswert, habe mich zu säubern versucht mit großen Schmerzen und habe versagt, bin durch Alleen gegangen und habe nichts bemerkt, bis ich es eines Tages schaffte, mich zurückzog, zurückzog bis ich nur mehr mein war, und dann fand ich diese Allee und komme hier nicht weiter. Ich habe wahrscheinlich etwas falsch gemacht, habe nur meinen Schein gesucht und gefunden, wollte mich selbst betrügen und betrog mich selbst, hatte Angst vor mir selber, etwas was man nie haben darf, Angst vor anderen ja, aber man muß sich selbst immer wieder überlegen sein; ein Limesbegriff, ich weiß, aber mein ganzes Ich ist ein Limesbegriff und mein Zurückziehen erst recht; ohne diesen Begriff käme ich nie von der Stelle, wie der berühmte Pfeil, der nicht fliegen kann, der nie sein Ziel erreicht, aber ich will mein Ziel erreichen, ich muß, sonst – aber diese Geschichte kennen Sie ja schon.

Meine Kurzgeschichte hat 5 Kapitel. Ich bitte um Verständnis, dass ich für jede eine eigene Meinung eröffne. Das war das erste Kapitel. Fortsetzung folgt.


II. Gestern – ich kam gerade aus der Kirche, ich wollte sehen, ob der Priester hier sei – traf ich eine seltsame Erscheinung. Ein junger Mann, groß, schlank, ging mit sonderbar ruhigem und vielleicht sogar etwas starrem Gesichtsausdruck an mir vorbei. Ich erblickte keine wie immer geartete Bewegung in seinen Augen, auch schien die Pupille sonderbar klein. Ich wunderte mich darüber und begann bald, Nachforschungen anzustellen, aus irgendeinem Zwang heraus, ich weiß selbst nicht mehr warum, und erfuhr, dass er einmal auf rätselhafte Weise verschwunden gewesen war und dann, plötzlich aufgetaucht, diesen komischen Blick hatte und immer etwas von „befreit“ erzählte. Ich konnte mir damals keinen reim auf die Geschichte machen, aber jetzt, jetzt verstehe ich plötzlich; ihm ist es gelungen, er schaut nur mehr in sich hinein, er hat seine Scham abgelegt; ich habe Verlangen nach einem Spiegel, um meine Augen zu sehen, aber irgend etwas hindert mich, von der Stelle zu gehen. Ich habe Angst, Angst wieder in das alltägliche Leben zurückzukehren, Angst, Außenseiter zu werden ohne mich gefunden zu haben, ohne zu sein wie dieser junge Mann. Denn das ist das Schlimmste, verurteilt, mit sich allein zu sein ohne sich zu kennen.

Ich habe jedes Gefühl für Zeit verloren, selbst meine Uhr kann mir nicht mehr helfen, sie dreht sich und dreht sich und ich sehe keinen Sinn darin, eine Stunde, eine Sekunde, ein Tag , was bedeutet das in der Dunkelheit, was bedeutet Zeit überhaupt, wenn man ganz auf sich allein gestellt ist, ... nichts mehr, ich glaube, die Zeit ist nur für die anderen da, ein Kommunikationsmittel, eine Sicherung um jemanden zu treffen, denn man würde ihn, wenn man will, immer treffen, wenn man Lust dazu hätte, aber man hat nie Lust dazu, niemals, und darum führte man die Zeit ein, um seine Unlust zu verdecken, eine Schale der Anonymität aufbauen zu können. Ich habe das nicht notwendig, hoffe es nicht notwendig zu haben, will auch nicht mir selbst zeit sein, denn dann gäbe es wieder zeit für mich, will ohne Zeit in mir leben, ohne Zeit. Ich bemerke langsam, wie sich alle Dinge des Alltags auf mich auszurichten versuchen; doch ich glaube, der Schmerz lässt nach; ich spüre nichts mehr, es kann doch nicht vorbei sein, vorbei, vorbei, ich hänge davon ab, nicht irgendeiner, sondern ich, doch halt, das ist Egoismus, vielleicht bin ich dem Egoismus verfallen, es war der falsche Schmerz, der falsche schmerz, alles umsonst, vorbei...


III. Josef K. war ein anderer geworden. Im Büro, zu Hause überall war er wieder nett und freundlich, hilfsbereit und bescheiden, mit einem Wort er spielte auf der Tastatur der Dreigroschenromane: auch tat er seine Arbeit nun viel besser, empfing wieder Leute und war nicht mehr so verwirrt. Doch alles war von einem manchmal fast unmerklichen Zusammenzucken begleitet, das ihn erfasste, wenn er zuviel mit anderen, fremden leuten zusammen war; er wurde sehr sachlich und redete dabei immer weniger; nach einiger zeit gab sich dieser Effekt und er konnte dann in normaler Art weitersprechen. Da er keine Vorladungen zu Gericht bekam, lebte er endlich wieder ohne den Streß, der ihn so lange geplagt hatte. Alle Gedanken an sich lagen ihm fern, und doch rumorte es ununterbrochen in seinem Inneren; eine zweite perle bereitete sich vor, und er hätte nur Zusprachen benötigt, um in seiner Alle sein zu können, doch er verpasste oder wollte diese Gelegenheit verpassen, zu groß war die Angst vor einem Fehlschlag. Doch nach einer längeren Zeitspanne war es dann wieder soweit – er konnte seine Allee wieder betreten.


IV. Hier war ich nun wieder, fast schien es eine vertraute Umgebung zu sein, ein vertrautes Gefühl, und doch war etwas anders – bald merkte ich auch schon, was; die weißen Häuser begannen mich magisch anzuziehen, aber ich dachte, es wäre noch nicht die richtige Zeit für weiß, jetzt, wo ich mich hier befand, um das Schwarze zu erforschen, es mir eigen zu machen, um dann erst das weiße zu suchen, die Lösung, die Erlösung. Aber ich konnte, durfte mich nach einiger zeit der Anziehungskraft dieser Häuser nicht mehr entziehen. Als ich mich endlich dazu entschloß, sie wenigstens zu betrachten, bemerkte ich, dass sie weder die grellweiße Färbung des Südens noch die etwas schmutzigere unserer Tage hatten. Sie waren auf absonderliche weise weiß, in dem sie wie mit einem Schleier überzogen zu sein schienen. Ich dachte lange über dieses Problem nach und kam nach langem Hin und her zu der Erkenntnis, dass ich dieser Schleier war und nur ich ihn wegzeihen konnte. Wie aber zieht man einen Schleier weg, der man selber ist?

Noch wehrte ich mich gegen die Gefahr, eines dieser Häuser betreten zu müssen, es auch nur näher zu betrachten, doch ein gewisser Schmerz machte es mir dann klar, ich durfte mich dieser Anziehung nicht wiedersetzen; es war notwendig für mich, es war meine allerletzte Chance. Unter unsäglichen Schmerzen – zu denen, die mir mein Fremdkörper, meine Perle verursachte, kam noch der des Zwanges, aus sich heraus etwas tun zu müssen – näherte ich mich einem dieser Häuser. Bald unterschied ich genauere Strukturen, merkte, dass die Oberfläche nicht glatt war sondern von unzählbaren Furchen zerwühlt. Aber das störte mich nicht – im Gegenteil es beruhigte mich auf seltsame weise; ich beobachtete mich jetzt immer genauer und versuchte jeder Abschwächung des Schmerzes entgegenzuwirken, ich wollte keine zweite Enttäuschung erleben. Ich kam dem Eingangstor immer näher und plötzlich, ich konnte es kaum ertragen, strömte ein undurchsichtiges, ein inner-austerliches Schwarz auf mich ein, bald wusste ich, es kam von der Eingangstür und fühlte mich meines Sieges schon sicher. Du brauchst nur mehr einzutreten, und du siehst dich von innen, warum kommst du erst jetzt. Zugleich ließ mein Schmerz nach, und ich musste zurückweichen, um ihn verstärken zu können.

Ich spürte meinen Partikel noch genau, und es schien mir am Anfang nicht schwer, seine Grausamkeit noch zu verstärken, doch dann, als ich es fast schon wieder wagte, mich dem haus zu nähern, fiel ich wieder in die Lethargie meiner Außenwelt zurück, statt weiter in den Schmerz meiner Innenwelt vorzustoßen; Lethargie folgt gleich auf Hoffnung, etwas besser, da man in der Lethargie nicht einmal mehr hofft, in der Hoffnung aber zu oft lethargisch ist. Wie kann man sich dazu bringen, sich selbst in Bewegung zu setzen, sei es auch „nur“ geistig. Alle diese Gedanken befanden sich in meinem Kopf, schlichen durch alle Kapillare meiner kleinen grauen Zellen, fanden sich nicht, vereinigten sich nicht oder trennten sich bald wieder auf schmerzhafteste Weise. Das wäre nicht das Schlimmste gewesen, ich war diesen, meinen Schmerz schon gewöhnt, aber mein eigener klein-großer Partikel begann mit diesen Ideen langsam zu verschwinden und es erforderte eine immer größere Anstrengung ihn auf gleichem Niveau zu halten, ihn zu verstärken, fast übermenschliche – aber nicht überichliche Kräfte. Ich versuchte es mit all meiner Kraft und gelangte nach einiger zeit zu einem Punkt, der mir erlaubte, meine schwarze Allee zu verlassen und mich wieder meinem weißen Haus zu nähern.

V. Langsam setzte ich Fuß vor Fuß, langsam, auf alle Regungen meiner Nervenbahnen achtend und reagierend, näherte ich mich meinem weißen Haus, immer bemüht, Gedanken, die mich stören könnten, zu verhindern, auszuschalten, angestrengt meine Kapillare zu veröden, wie Krampfadern zu eliminieren, alle Vereinigungen meiner Gedanken zu verhindern, keine Scheinschmerzen zu erzeugen, die mich hindern würden, meinen eigenen Schmerz zu verfolgen. Wegen dieser Vorsichtsmaßnahmen kam ich fast nicht von der Stelle, fürchtete doch, dass es bald zu spät sein würde, dass ich mich beeilen müsste, wagte aber nicht von meinen Bemühungen abzugehen, da meine Angst, es überhaupt nicht zusammenzubringen, größer war als die, zu spät zu kommen. Ich weiß nicht, wie lange ich für die wenigen Schritte brauchte, ich weiß nur, dass ich überrascht war, schon da zu sein, schon die Möglichkeit zu haben, mich von dem Fluch meiner selbst zu befreien, dass ich froh war, glaubte ganz auf mich konzentriert zu sein, kein Außenleben mehr zu haben, es geschafft zu haben. Meine Angst war geschwunden, fast mutig suchte ich ein Mittel, falsch, eine Möglichkeit für mich, in dieses Haus einzutreten, die Türe zu öffnen, dieses Schmerzes, meiner selbst Herr zu werden.

Das Schwarz schon vor mir, mich schon vor mir ahnend suchte ich den eintritt. An einer Tür den Eintritt suchen, grauenhaft, abscheulich... Erst nach langer, allzu langer Zeit kam ich dahinter, dass der Schleier mir den Zugang versperrte, dass ich ihn hinwegziehen, dass ich mich fortbringen musste, aber ich war viel zu nervös, um jetzt eine Lösung zu suchen, um jetzt das konzentrierte Ich noch einmal zu konzentrieren, ein Extrakt-Ich zu erzeugen; ich befasste mich nur noch damit, ein Werkzeug in mir zufinden um das Tor aufzuschneiden, eine kleine Lücke zu erzeugen, um durchschlüpfen zu können, alle sich daraus ergebenden Schmerzen negierend, da ich natürlich die selben Schmerzen erleiden, da ich ja identisch mit dem lebenden Schleier war, da ich dieselben Wunden erleiden, dasselbe Loch spüren würde. Das alles war ich zu ertragen gewillt, doch noch fand ich nichts um diesen Schmerz zu vollbringen; ... ich musste mit meinen eigenen Gedanken mich und die Türe öffnen, rücksichtslos, sofort, die Zeit drängte, ich fühlte es, es war keine Zeit mehr da, aber sie drängte und hindert mich zugleich, und als ich es geschafft zu haben glaubte, als ich mich am Ziel meiner Wünsche sah, in den Sekundenbruchteilen, in denen das Schwarz auf mich strömen sollte, mich mir in einem winzigen Augenblick klar erscheinen lassen, und sich dann in das Weiß verwandeln, das mir Lösung, Erlösung und Erkenntnis sein sollte, spürte ich mich plötzlich nicht mehr, konnte mich nicht mehr denken und zugleich bemerkte ich kein Schwarz, dachte, es sei die Strafe, dachte, ich habe es nicht geschafft, ich habe den Rettungsanker nicht ergreifen können, muß von vorn anfangen, habe versagt, da – plötzlich kam ein lähmendes, ein abscheuliches – kein heilendes Schwarz über mich, das ich nicht abschütteln konnte, das mir Widerstand leistete, das mir schmerzhafte, keine ruhebringenden, wie mein Partikel, sondern schmerzhafte Schmerzen bereitete, das mich mir auslöschte, vertilgte, das mich in den Abgrund der Verdammnis meiner selbst zurückschleuderte.


VI. Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinander gelehnt, die Entscheidung beobachteten. „Wie ein Hund!“ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben. (F. Kafka: „Der Prozeß“)

„MAN MÜSZTE SICH SELBER ERBRECHEN KÖNNEN!“ ÖDÖN VON HORVATH

COPYRIGHT Michael Stadlinger (sugips)

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9 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Coppedia

    15.05.2002, 15:44 Uhr von Coppedia
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hammer... echt gut! Gruß Cop