Erfahrungsbericht von HighFidelity
Die 3 Phasen - Eine Ode an die Frauen
Pro:
Kleine Spielchen müssen sein
Kontra:
Kopf zerbrechen
Empfehlung:
Nein
Phase 1:
Wieder mal eine junge Frau kennengelernt. Erster Blickkontakt, Lächeln und dann irgendwann mal locker lässig Rüberschlendern. Locker lässig? Na, ich weiss nicht. Wenn ich so locker bin, warum schießen mir dann tausend Fragen durch den Kopf. Wie z.B.: \"Was sag ich jetzt?\" - \"Hätt ich vielleicht warten sollen bis sie rüberkommt?\" - \"Wirkt meine lockere Art vielleicht zu gespielt oder doch eher so überzeugend, dass ich gerade wie ein Abschlepper rüberkomme?\" etc. pp. Wünsche mich gerade in eine gewohnte Situation wie etwa \"den Müll rausbringen\". Da schlender ich echt locker daher. Natürlich, denn wer hat beim Müllrausbringen schon im Kopf die Mülltonne näher kennenlernen zu wollen?
Ich stehe vor ihr. Meine Handflächen werden feucht und ich lasse meinen Namen erstmal aus dem Spiel, denn ich sehe einige peinliche Situationen auf mich zukommen. Bevor ich mich versehen kann, gibt aber ein Wort das andere und wir schaffen es Floskeln auszulassen und uns gegenseitig zum Lachen zu bringen. Ehrlich gesagt lache ich nur, um interessiert zu wirken. Denn nun bin ich schon so eingenommen von mir, dass ich denke, dass nur ich hier lustig bin. Schon im nächsten Moment ist es mit der vermeindlichen Selbstsicherheit aber vorbei. Denn eine ganze Armada von Freundinnen rollt an, die gerade eben mal ihrer Freundin super total wichtige Sachen sagen müssen. Nun stehe ich also mit einem debilen Grinsen (irgendwo zwischen Arroganz und dem totalen Verlust meines Glaubens an mich selbst) vor einer Truppe Handtäschchen und tue so als ob es mich nicht im entferntesten Interessieren würde, dass sie gerade vermutlich nicht über die politischen Geschehnisse im fernen Osten diskutieren, sondern über mich. Der Typ der gerade versucht ihre Freundin anzugraben. Unterstützt wird meine unterbewußte Vermutung durch permanentes Köpfe zusammenstecken und 10 Blicken innerhalb einer Sekunde in meine Richtung von Seiten der H&M-Fraktion. Nach schlappen 5 Minuten, die mir vorkommen wie 5 Stunden an der Front bei Stalingrad ist es dann endlich vorbei. Alle wichtigen Eckdaten und Warnungen vor mir von Seiten der Freundinnen wurden gesagt und die Armada geht ihres Weges.
Kleiner Einschub:
In diesen \"5 Stunden\" hab ich mir unsere zukünftige Beziehung schonmal durch den Kopf gehen lassen: irgendwie (so genau habe ich das nicht durchdacht) werden wir zusammengekommen sein und innerhalb von ein paar Wochen kommt sie auf den Gedanken, dass ihre Freundinnen vielleicht doch recht gehabt haben könnten. Ein Freund, der meint zu den zarten Klängen von Montell Jordans \"Get it on tonite\" vor 600 Leuten die Hüllen bis auf den String fallen zu lassen, kann nichts für sie sein. Die Sache mit der Tochter des Lehrers mal dahin gestellt. Ausserdem weiss sie nicht so genau, ob er immer noch die Gefühle für eine ihrer Freundinnen hegt, wie Monate zuvor. Es folgen diverse Diskussionen aus denen ich mich mehr schlecht als recht rauswinden kann und am Ende sagt sie, dass ihr das alles viel zu schnell ginge, es nicht an mir läge und eine Freundschaft doch auch toll wäre.
Einschub Ende.
Entgegen aller Unkenrufe des kleinen Teufelchen auf meiner Schulter, wendet sie sich mir wieder zu und fragt, ob ich etwas trinken möchte. Das Teufelchen gibt mir einen Schlag mit seinem Dreizack und ich nehme das Angebot an. Wodka Redbull soll es sein, meint sie. Nachdem wir uns wie zwei alte Freunde den ersten Schluck unseres Getränks durch einhaken gönnen, guckt sie mich verständnislos an und merkt an, dass man sich danach eigentlich Küssen sollte. Moment, ungewohnte Situation. Sie macht den ersten Schritt. Wir kennen uns doch erst 10 Minuten. Teufelchen langt mir wieder eine mit seinem Dreizack. Wir küssen uns. Sie grinst mich an und gibt mir keine 2 Minuten später zu verstehen, dass ihre Freundinnen jetzt gehen wollen. Ich Blicke über meine Schulter und erspähe eine der Mango-Terroristinnen die hastig winkend meiner neuen Bekanntschaft das selbige zu verstehen geben will. Sie steckt mir ihre Nummer zu und sagt mir, dass ich sie anrufen solle. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und der Zauber ist vorbei.
Phase 2:
Diverse Freunde von mir stürmen auf mich zu, sagen mir in weniger als einer Minute wer sie ist, wo sie zur Schule geht, mit wem sie mal was hatte und dass ich vorsichtig sein soll, weil sie \"echt Psycho\" sei. Gut Freunde! Mehr davon. Blitzartig schießt mir nochmal der Einschub von vorhin druch den Kopf. Ich will nach hause.
Am nächsten Morgen nimmt das Trauerspiel, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird, seinen Lauf. Rufe ich jetzt an wirke ich aufdringlich. Das geht also nicht. Ich will aber schon ganz gerne. Wo ist das Problem? Zur Sicherheit rufe ich eine gute Freundin von mir an, die mir dann was von der 3 Tage-Regel erzählt, dass ich sie auf jeden Fall zappeln lassen sollte und dann würde ich schon sehen.
Einschub:
Die 3 Tage-Regel besagt, dass man sich erst am dritten Tag nach Kennenleren melden soll. Denn am ersten Tag wirkt man auf jeden Fall aufdringlich. Am zweiten Tag wird sich die andere Person schonmal den Kopf zerbrechen, warum man sich denn nicht meldet. Am dritten Tag dann, wenn die ersten Selbstzweifel einsetzen, macht man dann denn erlösenden Anruf. Quasi dann, wenn das Verlangen (durch die noch nicht erhaltene Selbstbestätigung) der anderen Person so gross ist, dass sie schon heiss gelaufen ist.
Einschub Ende.
Was aber, wenn sie sich garnicht den Kopf zerbricht und so ein ausgefülltes Leben hat, dass ich nur eine Randerscheinung war, die zwar nett, aber nicht nötig war?! Ist die 3 Tage-Regel dann nicht hinfällig?
Ich melde mich am zweiten Tag, weil ich es für einen guten Kompromiss zwischen reaktionären Regeln und meinem Verlangen nach ihr halte. Sie erinnert sich an mich, hat jetzt gerade aber \"echt keine Zeit\" und ruft später an. Zweifelhaftes 1:0 für mich also. Suche mir für den Rest des Tages Ablenkung, weil ich schon ahne, dass \"später\" nicht in den kommenden 20 Minuten sein wird. Recht habe ich und muss mich also bis in den späten Abend gedulden, als dann endlich das Sinnbild der Erlösung in Form ihrer Nummer auf meinem Display erscheint. Einmal durchgeatmet gehe ich ran. In den ersten paar Sätzen wende ich eine freundliche aber geschäftige Begrüßung an, die ihr zu verstehen geben soll, dass ich so viel zu tun hatte, dass ich ihren Anruf ja schon beinahe vergessen hätte, mich aber trotzdem freue von ihr zu hören. Ich vergesse die Zeit und wir hangeln uns geschlagene 3 Stunden von Thema zu Thema. Vom letzten Abend, über gemeinsame Freunde bis hin zu diversen Weltansichten. Mir fällt auf, dass ich länger zuhöre als ich eigentlich vorhatte. Schließlich wollt ich ja den Rat meiner guten Freundin befolgen und Madame durch vorgetäuschtes Desinteresse zappeln lassen. Nicht nötig, denn so gefällt\'s mir auch ganz gut. Eigentlich besser.
Irgendwann ist es dann zwei Uhr morgens und in jedem Satz müssen wir ein gähnen Unterdücken. Sie fragt mich, ob ich morgen was Vorhabe. Natürlich, dass weiss sie aber nicht, habe ich nichts wichtiges vor, erzähle aber trotzdem von Besuchen bei der Bank (will \'nen Kontoauszug ziehen), einem Treffen mit wichtigen Leuten (ein Freund will sein Auto wiederhaben) und einen Anruf den ich erwarte (meine Mutter sagt mir, dass ich zuhause mal Druchsaugen soll). Danach hätte ich aber Zeit. Die Verabredung für die Cocktailbar steht, Teufelchen und Engelchen geben mir noch mal eine für den Mundstuhl den ich gerade von mir gegeben habe und sie wünscht mir eine gute Nacht. Klick!
Ich lasse das Gespräch nochmal Revue passieren und frage mich, ob nur unsichere Ochsen wie ich so wichtige Geschäftstermine vortäuschen um unabhängig, geschäftig und interessant zu wirken. Nehme mir vor solche verbalen Ausgeburten meiner Unsicherheit in der Cocktailbar am Kleiderhaken hängen zu lassen.
Phase 3:
Natürlich bin ich zu spät, denn von dem bissschen Spielerei kann ich mich nicht lösen. Ich komme auf sie zu und fühle mich schon fast wieder wie am ersten Abend. Nicht dass ich Müll rausbringen wollte, aber wie Begrüsse ich sie denn jetzt? Keinen Körperkontakt und ein verschüchtertes heben der Hand (bei Bedarf mit einem gesenkten Kopf)? Handgeben, Wangenküschen oder Kuss auf den Mund? Oder alles zusammen?? Sie nimmt mir die Entscheidung ab und steuert zielstrebig meine beiden Wangen an. Sehr gut. Freundlich, unverbindlich und doch ein Hauch von Körperkontakt. Karte bitte.
Während wir die ersten Cocktails schlürfen setzen wir wieder da an, wo das letzte Gespräch geendet hat. Diesmal ist aber irgendwas anders. Ihre Mango-Gang fehlt und mein Berater-Team auch. Den Smalltalk haben wir hinter uns gelassen und ich sehe sie auch mal bei vernünftigen Licht. Hinreissend sieht sie aus. Folgefrage: wie sehe ich bei Licht aus? Typ 1: Wo geht\'s bitte zu seinem Schlafzimmer? Typ 2: Kann ich das Licht vom letzten Abend bitte nochmal haben? Typ 3: Wo ist bitte die Toilette?
Typ 3 scheidet wohl aus, da bereits die zweite Stunde anbricht, sie ihrem Handy noch keine weitere Beachtung geschenkt hat und noch nicht einmal auf Toilette war. Sie sitzt neben mir und wir suchen uns gemeinsam den nächsten Cocktail aus. Ich plädiere für dem Swimmingpool, da man sich den Preis da ja teilen kann. Billige Masche, ich weiss. Das scheint sie aber auch zu wissen, also ordern wir uns den Gemeinschaftscocktail. Der Körperkontakt, gespickt mit kleinen Zweideutigkeiten, steigt stetig. Ich fühle mich immer wohler und gelassener. Sie scheinbar auch, denn Ihre Hand weicht nun nicht mehr von meinem Unteram. Aus für Typ 2. Typ 1 ist am Zug. Rechnung bitte.
Ich frage sie, ob ich sie nachhause begleiten soll. Sei nimmt meine Hand. Ich darf. Vor ihrer Haustür kommen dann wieder die Fragen. Was ist jetzt legitim was nicht. Wäre es zu aufdringlich sie zu küssen, oder endet das hier noch in einer Knutschorgie vor Papis Haustür wie in jeder 80er-Jahre Teenie-Klamotte. Die 80er scheinen ihr auch gefallen zu haben und ich fühle mich wieder wie beim ersten Kuss meines Lebens. Verdammt gut.
Sie wird mich anrufen sagt sie. Nach dem 80er-Revival glaube ich ihr alles und mache mich auf den Weg nach hause.
Zuhause gucke ich in den Spiegel und glaube mein Testosteron noch etwas in die höhe pushen zu können, indem ich mir einrede, dass \"ich\" das mal wieder gut hinbekommen habe. In Wirklichkeit hat sie meine Hormone aber schon zum Limit getrieben, aber dass sage ich niemandem, denn wer nimmt einem Mann dieses romantische Gesäusel schon ab!?
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-01 03:22:44 mit dem Titel Die 3 Phasen - Eine Ode an die Frauen
Phase 1:
Wieder mal eine junge Frau kennengelernt. Erster Blickkontakt, Lächeln und dann irgendwann mal locker lässig Rüberschlendern. Locker lässig? Na, ich weiss nicht. Wenn ich so locker bin, warum schießen mir dann tausend Fragen durch den Kopf. Wie z.B.: \"Was sag ich jetzt?\" - \"Hätt ich vielleicht warten sollen bis sie rüberkommt?\" - \"Wirkt meine lockere Art vielleicht zu gespielt oder doch eher so überzeugend, dass ich gerade wie ein Abschlepper rüberkomme?\" etc. pp. Wünsche mich gerade in eine gewohnte Situation wie etwa \"den Müll rausbringen\". Da schlender ich echt locker daher. Natürlich, denn wer hat beim Müllrausbringen schon im Kopf die Mülltonne näher kennenlernen zu wollen?
Ich stehe vor ihr. Meine Handflächen werden feucht und ich lasse meinen Namen erstmal aus dem Spiel, denn ich sehe einige peinliche Situationen auf mich zukommen. Bevor ich mich versehen kann, gibt aber ein Wort das andere und wir schaffen es Floskeln auszulassen und uns gegenseitig zum Lachen zu bringen. Ehrlich gesagt lache ich nur, um interessiert zu wirken. Denn nun bin ich schon so eingenommen von mir, dass ich denke, dass nur ich hier lustig bin. Schon im nächsten Moment ist es mit der vermeindlichen Selbstsicherheit aber vorbei. Denn eine ganze Armada von Freundinnen rollt an, die gerade eben mal ihrer Freundin super total wichtige Sachen sagen müssen. Nun stehe ich also mit einem debilen Grinsen (irgendwo zwischen Arroganz und dem totalen Verlust meines Glaubens an mich selbst) vor einer Truppe Handtäschchen und tue so als ob es mich nicht im entferntesten Interessieren würde, dass sie gerade vermutlich nicht über die politischen Geschehnisse im fernen Osten diskutieren, sondern über mich. Der Typ der gerade versucht ihre Freundin anzugraben. Unterstützt wird meine unterbewußte Vermutung durch permanentes Köpfe zusammenstecken und 10 Blicken innerhalb einer Sekunde in meine Richtung von Seiten der H&M-Fraktion. Nach schlappen 5 Minuten, die mir vorkommen wie 5 Stunden an der Front bei Stalingrad ist es dann endlich vorbei. Alle wichtigen Eckdaten und Warnungen vor mir von Seiten der Freundinnen wurden gesagt und die Armada geht ihres Weges.
Kleiner Einschub:
In diesen \"5 Stunden\" hab ich mir unsere zukünftige Beziehung schonmal durch den Kopf gehen lassen: irgendwie (so genau habe ich das nicht durchdacht) werden wir zusammengekommen sein und innerhalb von ein paar Wochen kommt sie auf den Gedanken, dass ihre Freundinnen vielleicht doch recht gehabt haben könnten. Ein Freund, der meint zu den zarten Klängen von Montell Jordans \"Get it on tonite\" vor 600 Leuten die Hüllen bis auf den String fallen zu lassen, kann nichts für sie sein. Die Sache mit der Tochter des Lehrers mal dahin gestellt. Ausserdem weiss sie nicht so genau, ob er immer noch die Gefühle für eine ihrer Freundinnen hegt, wie Monate zuvor. Es folgen diverse Diskussionen aus denen ich mich mehr schlecht als recht rauswinden kann und am Ende sagt sie, dass ihr das alles viel zu schnell ginge, es nicht an mir läge und eine Freundschaft doch auch toll wäre.
Einschub Ende.
Entgegen aller Unkenrufe des kleinen Teufelchen auf meiner Schulter, wendet sie sich mir wieder zu und fragt, ob ich etwas trinken möchte. Das Teufelchen gibt mir einen Schlag mit seinem Dreizack und ich nehme das Angebot an. Wodka Redbull soll es sein, meint sie. Nachdem wir uns wie zwei alte Freunde den ersten Schluck unseres Getränks durch einhaken gönnen, guckt sie mich verständnislos an und merkt an, dass man sich danach eigentlich Küssen sollte. Moment, ungewohnte Situation. Sie macht den ersten Schritt. Wir kennen uns doch erst 10 Minuten. Teufelchen langt mir wieder eine mit seinem Dreizack. Wir küssen uns. Sie grinst mich an und gibt mir keine 2 Minuten später zu verstehen, dass ihre Freundinnen jetzt gehen wollen. Ich Blicke über meine Schulter und erspähe eine der Mango-Terroristinnen die hastig winkend meiner neuen Bekanntschaft das selbige zu verstehen geben will. Sie steckt mir ihre Nummer zu und sagt mir, dass ich sie anrufen solle. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und der Zauber ist vorbei.
Phase 2:
Diverse Freunde von mir stürmen auf mich zu, sagen mir in weniger als einer Minute wer sie ist, wo sie zur Schule geht, mit wem sie mal was hatte und dass ich vorsichtig sein soll, weil sie \"echt Psycho\" sei. Gut Freunde! Mehr davon. Blitzartig schießt mir nochmal der Einschub von vorhin druch den Kopf. Ich will nach hause.
Am nächsten Morgen nimmt das Trauerspiel, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird, seinen Lauf. Rufe ich jetzt an wirke ich aufdringlich. Das geht also nicht. Ich will aber schon ganz gerne. Wo ist das Problem? Zur Sicherheit rufe ich eine gute Freundin von mir an, die mir dann was von der 3 Tage-Regel erzählt, dass ich sie auf jeden Fall zappeln lassen sollte und dann würde ich schon sehen.
Einschub:
Die 3 Tage-Regel besagt, dass man sich erst am dritten Tag nach Kennenleren melden soll. Denn am ersten Tag wirkt man auf jeden Fall aufdringlich. Am zweiten Tag wird sich die andere Person schonmal den Kopf zerbrechen, warum man sich denn nicht meldet. Am dritten Tag dann, wenn die ersten Selbstzweifel einsetzen, macht man dann denn erlösenden Anruf. Quasi dann, wenn das Verlangen (durch die noch nicht erhaltene Selbstbestätigung) der anderen Person so gross ist, dass sie schon heiss gelaufen ist.
Einschub Ende.
Was aber, wenn sie sich garnicht den Kopf zerbricht und so ein ausgefülltes Leben hat, dass ich nur eine Randerscheinung war, die zwar nett, aber nicht nötig war?! Ist die 3 Tage-Regel dann nicht hinfällig?
Ich melde mich am zweiten Tag, weil ich es für einen guten Kompromiss zwischen reaktionären Regeln und meinem Verlangen nach ihr halte. Sie erinnert sich an mich, hat jetzt gerade aber \"echt keine Zeit\" und ruft später an. Zweifelhaftes 1:0 für mich also. Suche mir für den Rest des Tages Ablenkung, weil ich schon ahne, dass \"später\" nicht in den kommenden 20 Minuten sein wird. Recht habe ich und muss mich also bis in den späten Abend gedulden, als dann endlich das Sinnbild der Erlösung in Form ihrer Nummer auf meinem Display erscheint. Einmal durchgeatmet gehe ich ran. In den ersten paar Sätzen wende ich eine freundliche aber geschäftige Begrüßung an, die ihr zu verstehen geben soll, dass ich so viel zu tun hatte, dass ich ihren Anruf ja schon beinahe vergessen hätte, mich aber trotzdem freue von ihr zu hören. Ich vergesse die Zeit und wir hangeln uns geschlagene 3 Stunden von Thema zu Thema. Vom letzten Abend, über gemeinsame Freunde bis hin zu diversen Weltansichten. Mir fällt auf, dass ich länger zuhöre als ich eigentlich vorhatte. Schließlich wollt ich ja den Rat meiner guten Freundin befolgen und Madame durch vorgetäuschtes Desinteresse zappeln lassen. Nicht nötig, denn so gefällt\'s mir auch ganz gut. Eigentlich besser.
Irgendwann ist es dann zwei Uhr morgens und in jedem Satz müssen wir ein gähnen Unterdücken. Sie fragt mich, ob ich morgen was Vorhabe. Natürlich, dass weiss sie aber nicht, habe ich nichts wichtiges vor, erzähle aber trotzdem von Besuchen bei der Bank (will \'nen Kontoauszug ziehen), einem Treffen mit wichtigen Leuten (ein Freund will sein Auto wiederhaben) und einen Anruf den ich erwarte (meine Mutter sagt mir, dass ich zuhause mal Druchsaugen soll). Danach hätte ich aber Zeit. Die Verabredung für die Cocktailbar steht, Teufelchen und Engelchen geben mir noch mal eine für den Mundstuhl den ich gerade von mir gegeben habe und sie wünscht mir eine gute Nacht. Klick!
Ich lasse das Gespräch nochmal Revue passieren und frage mich, ob nur unsichere Ochsen wie ich so wichtige Geschäftstermine vortäuschen um unabhängig, geschäftig und interessant zu wirken. Nehme mir vor solche verbalen Ausgeburten meiner Unsicherheit in der Cocktailbar am Kleiderhaken hängen zu lassen.
Phase 3:
Natürlich bin ich zu spät, denn von dem bissschen Spielerei kann ich mich nicht lösen. Ich komme auf sie zu und fühle mich schon fast wieder wie am ersten Abend. Nicht dass ich Müll rausbringen wollte, aber wie Begrüsse ich sie denn jetzt? Keinen Körperkontakt und ein verschüchtertes heben der Hand (bei Bedarf mit einem gesenkten Kopf)? Handgeben, Wangenküschen oder Kuss auf den Mund? Oder alles zusammen?? Sie nimmt mir die Entscheidung ab und steuert zielstrebig meine beiden Wangen an. Sehr gut. Freundlich, unverbindlich und doch ein Hauch von Körperkontakt. Karte bitte.
Während wir die ersten Cocktails schlürfen setzen wir wieder da an, wo das letzte Gespräch geendet hat. Diesmal ist aber irgendwas anders. Ihre Mango-Gang fehlt und mein Berater-Team auch. Den Smalltalk haben wir hinter uns gelassen und ich sehe sie auch mal bei vernünftigen Licht. Hinreissend sieht sie aus. Folgefrage: wie sehe ich bei Licht aus? Typ 1: Wo geht\'s bitte zu seinem Schlafzimmer? Typ 2: Kann ich das Licht vom letzten Abend bitte nochmal haben? Typ 3: Wo ist bitte die Toilette?
Typ 3 scheidet wohl aus, da bereits die zweite Stunde anbricht, sie ihrem Handy noch keine weitere Beachtung geschenkt hat und noch nicht einmal auf Toilette war. Sie sitzt neben mir und wir suchen uns gemeinsam den nächsten Cocktail aus. Ich plädiere für dem Swimmingpool, da man sich den Preis da ja teilen kann. Billige Masche, ich weiss. Das scheint sie aber auch zu wissen, also ordern wir uns den Gemeinschaftscocktail. Der Körperkontakt, gespickt mit kleinen Zweideutigkeiten, steigt stetig. Ich fühle mich immer wohler und gelassener. Sie scheinbar auch, denn Ihre Hand weicht nun nicht mehr von meinem Unteram. Aus für Typ 2. Typ 1 ist am Zug. Rechnung bitte.
Ich frage sie, ob ich sie nachhause begleiten soll. Sei nimmt meine Hand. Ich darf. Vor ihrer Haustür kommen dann wieder die Fragen. Was ist jetzt legitim was nicht. Wäre es zu aufdringlich sie zu küssen, oder endet das hier noch in einer Knutschorgie vor Papis Haustür wie in jeder 80er-Jahre Teenie-Klamotte. Die 80er scheinen ihr auch gefallen zu haben und ich fühle mich wieder wie beim ersten Kuss meines Lebens. Verdammt gut.
Sie wird mich anrufen sagt sie. Nach dem 80er-Revival glaube ich ihr alles und mache mich auf den Weg nach hause.
Zuhause gucke ich in den Spiegel und glaube mein Testosteron noch etwas in die höhe pushen zu können, indem ich mir einrede, dass \"ich\" das mal wieder gut hinbekommen habe. In Wirklichkeit hat sie meine Hormone aber schon zum Limit getrieben, aber dass sage ich niemandem, denn wer nimmt einem Mann dieses romantische Gesäusel schon ab!?
Fazit:
Wieder mal den Kopf zerbrochen und doch alles gut gegangen. Habe ich diese Spielchen denn nun benötigt? Mich interessanter machen als ich vielleicht bin? Mir etwas von meinen Freunden über sie erzählen lassen? Desinteresse vortäuschen sollte ich. Wozu? Weiss ich auch nicht wirklich. Aber ohne diese Spielchen wäre es nur halb so gut gewesen.
Wieder mal eine junge Frau kennengelernt. Erster Blickkontakt, Lächeln und dann irgendwann mal locker lässig Rüberschlendern. Locker lässig? Na, ich weiss nicht. Wenn ich so locker bin, warum schießen mir dann tausend Fragen durch den Kopf. Wie z.B.: \"Was sag ich jetzt?\" - \"Hätt ich vielleicht warten sollen bis sie rüberkommt?\" - \"Wirkt meine lockere Art vielleicht zu gespielt oder doch eher so überzeugend, dass ich gerade wie ein Abschlepper rüberkomme?\" etc. pp. Wünsche mich gerade in eine gewohnte Situation wie etwa \"den Müll rausbringen\". Da schlender ich echt locker daher. Natürlich, denn wer hat beim Müllrausbringen schon im Kopf die Mülltonne näher kennenlernen zu wollen?
Ich stehe vor ihr. Meine Handflächen werden feucht und ich lasse meinen Namen erstmal aus dem Spiel, denn ich sehe einige peinliche Situationen auf mich zukommen. Bevor ich mich versehen kann, gibt aber ein Wort das andere und wir schaffen es Floskeln auszulassen und uns gegenseitig zum Lachen zu bringen. Ehrlich gesagt lache ich nur, um interessiert zu wirken. Denn nun bin ich schon so eingenommen von mir, dass ich denke, dass nur ich hier lustig bin. Schon im nächsten Moment ist es mit der vermeindlichen Selbstsicherheit aber vorbei. Denn eine ganze Armada von Freundinnen rollt an, die gerade eben mal ihrer Freundin super total wichtige Sachen sagen müssen. Nun stehe ich also mit einem debilen Grinsen (irgendwo zwischen Arroganz und dem totalen Verlust meines Glaubens an mich selbst) vor einer Truppe Handtäschchen und tue so als ob es mich nicht im entferntesten Interessieren würde, dass sie gerade vermutlich nicht über die politischen Geschehnisse im fernen Osten diskutieren, sondern über mich. Der Typ der gerade versucht ihre Freundin anzugraben. Unterstützt wird meine unterbewußte Vermutung durch permanentes Köpfe zusammenstecken und 10 Blicken innerhalb einer Sekunde in meine Richtung von Seiten der H&M-Fraktion. Nach schlappen 5 Minuten, die mir vorkommen wie 5 Stunden an der Front bei Stalingrad ist es dann endlich vorbei. Alle wichtigen Eckdaten und Warnungen vor mir von Seiten der Freundinnen wurden gesagt und die Armada geht ihres Weges.
Kleiner Einschub:
In diesen \"5 Stunden\" hab ich mir unsere zukünftige Beziehung schonmal durch den Kopf gehen lassen: irgendwie (so genau habe ich das nicht durchdacht) werden wir zusammengekommen sein und innerhalb von ein paar Wochen kommt sie auf den Gedanken, dass ihre Freundinnen vielleicht doch recht gehabt haben könnten. Ein Freund, der meint zu den zarten Klängen von Montell Jordans \"Get it on tonite\" vor 600 Leuten die Hüllen bis auf den String fallen zu lassen, kann nichts für sie sein. Die Sache mit der Tochter des Lehrers mal dahin gestellt. Ausserdem weiss sie nicht so genau, ob er immer noch die Gefühle für eine ihrer Freundinnen hegt, wie Monate zuvor. Es folgen diverse Diskussionen aus denen ich mich mehr schlecht als recht rauswinden kann und am Ende sagt sie, dass ihr das alles viel zu schnell ginge, es nicht an mir läge und eine Freundschaft doch auch toll wäre.
Einschub Ende.
Entgegen aller Unkenrufe des kleinen Teufelchen auf meiner Schulter, wendet sie sich mir wieder zu und fragt, ob ich etwas trinken möchte. Das Teufelchen gibt mir einen Schlag mit seinem Dreizack und ich nehme das Angebot an. Wodka Redbull soll es sein, meint sie. Nachdem wir uns wie zwei alte Freunde den ersten Schluck unseres Getränks durch einhaken gönnen, guckt sie mich verständnislos an und merkt an, dass man sich danach eigentlich Küssen sollte. Moment, ungewohnte Situation. Sie macht den ersten Schritt. Wir kennen uns doch erst 10 Minuten. Teufelchen langt mir wieder eine mit seinem Dreizack. Wir küssen uns. Sie grinst mich an und gibt mir keine 2 Minuten später zu verstehen, dass ihre Freundinnen jetzt gehen wollen. Ich Blicke über meine Schulter und erspähe eine der Mango-Terroristinnen die hastig winkend meiner neuen Bekanntschaft das selbige zu verstehen geben will. Sie steckt mir ihre Nummer zu und sagt mir, dass ich sie anrufen solle. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und der Zauber ist vorbei.
Phase 2:
Diverse Freunde von mir stürmen auf mich zu, sagen mir in weniger als einer Minute wer sie ist, wo sie zur Schule geht, mit wem sie mal was hatte und dass ich vorsichtig sein soll, weil sie \"echt Psycho\" sei. Gut Freunde! Mehr davon. Blitzartig schießt mir nochmal der Einschub von vorhin druch den Kopf. Ich will nach hause.
Am nächsten Morgen nimmt das Trauerspiel, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird, seinen Lauf. Rufe ich jetzt an wirke ich aufdringlich. Das geht also nicht. Ich will aber schon ganz gerne. Wo ist das Problem? Zur Sicherheit rufe ich eine gute Freundin von mir an, die mir dann was von der 3 Tage-Regel erzählt, dass ich sie auf jeden Fall zappeln lassen sollte und dann würde ich schon sehen.
Einschub:
Die 3 Tage-Regel besagt, dass man sich erst am dritten Tag nach Kennenleren melden soll. Denn am ersten Tag wirkt man auf jeden Fall aufdringlich. Am zweiten Tag wird sich die andere Person schonmal den Kopf zerbrechen, warum man sich denn nicht meldet. Am dritten Tag dann, wenn die ersten Selbstzweifel einsetzen, macht man dann denn erlösenden Anruf. Quasi dann, wenn das Verlangen (durch die noch nicht erhaltene Selbstbestätigung) der anderen Person so gross ist, dass sie schon heiss gelaufen ist.
Einschub Ende.
Was aber, wenn sie sich garnicht den Kopf zerbricht und so ein ausgefülltes Leben hat, dass ich nur eine Randerscheinung war, die zwar nett, aber nicht nötig war?! Ist die 3 Tage-Regel dann nicht hinfällig?
Ich melde mich am zweiten Tag, weil ich es für einen guten Kompromiss zwischen reaktionären Regeln und meinem Verlangen nach ihr halte. Sie erinnert sich an mich, hat jetzt gerade aber \"echt keine Zeit\" und ruft später an. Zweifelhaftes 1:0 für mich also. Suche mir für den Rest des Tages Ablenkung, weil ich schon ahne, dass \"später\" nicht in den kommenden 20 Minuten sein wird. Recht habe ich und muss mich also bis in den späten Abend gedulden, als dann endlich das Sinnbild der Erlösung in Form ihrer Nummer auf meinem Display erscheint. Einmal durchgeatmet gehe ich ran. In den ersten paar Sätzen wende ich eine freundliche aber geschäftige Begrüßung an, die ihr zu verstehen geben soll, dass ich so viel zu tun hatte, dass ich ihren Anruf ja schon beinahe vergessen hätte, mich aber trotzdem freue von ihr zu hören. Ich vergesse die Zeit und wir hangeln uns geschlagene 3 Stunden von Thema zu Thema. Vom letzten Abend, über gemeinsame Freunde bis hin zu diversen Weltansichten. Mir fällt auf, dass ich länger zuhöre als ich eigentlich vorhatte. Schließlich wollt ich ja den Rat meiner guten Freundin befolgen und Madame durch vorgetäuschtes Desinteresse zappeln lassen. Nicht nötig, denn so gefällt\'s mir auch ganz gut. Eigentlich besser.
Irgendwann ist es dann zwei Uhr morgens und in jedem Satz müssen wir ein gähnen Unterdücken. Sie fragt mich, ob ich morgen was Vorhabe. Natürlich, dass weiss sie aber nicht, habe ich nichts wichtiges vor, erzähle aber trotzdem von Besuchen bei der Bank (will \'nen Kontoauszug ziehen), einem Treffen mit wichtigen Leuten (ein Freund will sein Auto wiederhaben) und einen Anruf den ich erwarte (meine Mutter sagt mir, dass ich zuhause mal Druchsaugen soll). Danach hätte ich aber Zeit. Die Verabredung für die Cocktailbar steht, Teufelchen und Engelchen geben mir noch mal eine für den Mundstuhl den ich gerade von mir gegeben habe und sie wünscht mir eine gute Nacht. Klick!
Ich lasse das Gespräch nochmal Revue passieren und frage mich, ob nur unsichere Ochsen wie ich so wichtige Geschäftstermine vortäuschen um unabhängig, geschäftig und interessant zu wirken. Nehme mir vor solche verbalen Ausgeburten meiner Unsicherheit in der Cocktailbar am Kleiderhaken hängen zu lassen.
Phase 3:
Natürlich bin ich zu spät, denn von dem bissschen Spielerei kann ich mich nicht lösen. Ich komme auf sie zu und fühle mich schon fast wieder wie am ersten Abend. Nicht dass ich Müll rausbringen wollte, aber wie Begrüsse ich sie denn jetzt? Keinen Körperkontakt und ein verschüchtertes heben der Hand (bei Bedarf mit einem gesenkten Kopf)? Handgeben, Wangenküschen oder Kuss auf den Mund? Oder alles zusammen?? Sie nimmt mir die Entscheidung ab und steuert zielstrebig meine beiden Wangen an. Sehr gut. Freundlich, unverbindlich und doch ein Hauch von Körperkontakt. Karte bitte.
Während wir die ersten Cocktails schlürfen setzen wir wieder da an, wo das letzte Gespräch geendet hat. Diesmal ist aber irgendwas anders. Ihre Mango-Gang fehlt und mein Berater-Team auch. Den Smalltalk haben wir hinter uns gelassen und ich sehe sie auch mal bei vernünftigen Licht. Hinreissend sieht sie aus. Folgefrage: wie sehe ich bei Licht aus? Typ 1: Wo geht\'s bitte zu seinem Schlafzimmer? Typ 2: Kann ich das Licht vom letzten Abend bitte nochmal haben? Typ 3: Wo ist bitte die Toilette?
Typ 3 scheidet wohl aus, da bereits die zweite Stunde anbricht, sie ihrem Handy noch keine weitere Beachtung geschenkt hat und noch nicht einmal auf Toilette war. Sie sitzt neben mir und wir suchen uns gemeinsam den nächsten Cocktail aus. Ich plädiere für dem Swimmingpool, da man sich den Preis da ja teilen kann. Billige Masche, ich weiss. Das scheint sie aber auch zu wissen, also ordern wir uns den Gemeinschaftscocktail. Der Körperkontakt, gespickt mit kleinen Zweideutigkeiten, steigt stetig. Ich fühle mich immer wohler und gelassener. Sie scheinbar auch, denn Ihre Hand weicht nun nicht mehr von meinem Unteram. Aus für Typ 2. Typ 1 ist am Zug. Rechnung bitte.
Ich frage sie, ob ich sie nachhause begleiten soll. Sei nimmt meine Hand. Ich darf. Vor ihrer Haustür kommen dann wieder die Fragen. Was ist jetzt legitim was nicht. Wäre es zu aufdringlich sie zu küssen, oder endet das hier noch in einer Knutschorgie vor Papis Haustür wie in jeder 80er-Jahre Teenie-Klamotte. Die 80er scheinen ihr auch gefallen zu haben und ich fühle mich wieder wie beim ersten Kuss meines Lebens. Verdammt gut.
Sie wird mich anrufen sagt sie. Nach dem 80er-Revival glaube ich ihr alles und mache mich auf den Weg nach hause.
Zuhause gucke ich in den Spiegel und glaube mein Testosteron noch etwas in die höhe pushen zu können, indem ich mir einrede, dass \"ich\" das mal wieder gut hinbekommen habe. In Wirklichkeit hat sie meine Hormone aber schon zum Limit getrieben, aber dass sage ich niemandem, denn wer nimmt einem Mann dieses romantische Gesäusel schon ab!?
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-01 03:22:44 mit dem Titel Die 3 Phasen - Eine Ode an die Frauen
Phase 1:
Wieder mal eine junge Frau kennengelernt. Erster Blickkontakt, Lächeln und dann irgendwann mal locker lässig Rüberschlendern. Locker lässig? Na, ich weiss nicht. Wenn ich so locker bin, warum schießen mir dann tausend Fragen durch den Kopf. Wie z.B.: \"Was sag ich jetzt?\" - \"Hätt ich vielleicht warten sollen bis sie rüberkommt?\" - \"Wirkt meine lockere Art vielleicht zu gespielt oder doch eher so überzeugend, dass ich gerade wie ein Abschlepper rüberkomme?\" etc. pp. Wünsche mich gerade in eine gewohnte Situation wie etwa \"den Müll rausbringen\". Da schlender ich echt locker daher. Natürlich, denn wer hat beim Müllrausbringen schon im Kopf die Mülltonne näher kennenlernen zu wollen?
Ich stehe vor ihr. Meine Handflächen werden feucht und ich lasse meinen Namen erstmal aus dem Spiel, denn ich sehe einige peinliche Situationen auf mich zukommen. Bevor ich mich versehen kann, gibt aber ein Wort das andere und wir schaffen es Floskeln auszulassen und uns gegenseitig zum Lachen zu bringen. Ehrlich gesagt lache ich nur, um interessiert zu wirken. Denn nun bin ich schon so eingenommen von mir, dass ich denke, dass nur ich hier lustig bin. Schon im nächsten Moment ist es mit der vermeindlichen Selbstsicherheit aber vorbei. Denn eine ganze Armada von Freundinnen rollt an, die gerade eben mal ihrer Freundin super total wichtige Sachen sagen müssen. Nun stehe ich also mit einem debilen Grinsen (irgendwo zwischen Arroganz und dem totalen Verlust meines Glaubens an mich selbst) vor einer Truppe Handtäschchen und tue so als ob es mich nicht im entferntesten Interessieren würde, dass sie gerade vermutlich nicht über die politischen Geschehnisse im fernen Osten diskutieren, sondern über mich. Der Typ der gerade versucht ihre Freundin anzugraben. Unterstützt wird meine unterbewußte Vermutung durch permanentes Köpfe zusammenstecken und 10 Blicken innerhalb einer Sekunde in meine Richtung von Seiten der H&M-Fraktion. Nach schlappen 5 Minuten, die mir vorkommen wie 5 Stunden an der Front bei Stalingrad ist es dann endlich vorbei. Alle wichtigen Eckdaten und Warnungen vor mir von Seiten der Freundinnen wurden gesagt und die Armada geht ihres Weges.
Kleiner Einschub:
In diesen \"5 Stunden\" hab ich mir unsere zukünftige Beziehung schonmal durch den Kopf gehen lassen: irgendwie (so genau habe ich das nicht durchdacht) werden wir zusammengekommen sein und innerhalb von ein paar Wochen kommt sie auf den Gedanken, dass ihre Freundinnen vielleicht doch recht gehabt haben könnten. Ein Freund, der meint zu den zarten Klängen von Montell Jordans \"Get it on tonite\" vor 600 Leuten die Hüllen bis auf den String fallen zu lassen, kann nichts für sie sein. Die Sache mit der Tochter des Lehrers mal dahin gestellt. Ausserdem weiss sie nicht so genau, ob er immer noch die Gefühle für eine ihrer Freundinnen hegt, wie Monate zuvor. Es folgen diverse Diskussionen aus denen ich mich mehr schlecht als recht rauswinden kann und am Ende sagt sie, dass ihr das alles viel zu schnell ginge, es nicht an mir läge und eine Freundschaft doch auch toll wäre.
Einschub Ende.
Entgegen aller Unkenrufe des kleinen Teufelchen auf meiner Schulter, wendet sie sich mir wieder zu und fragt, ob ich etwas trinken möchte. Das Teufelchen gibt mir einen Schlag mit seinem Dreizack und ich nehme das Angebot an. Wodka Redbull soll es sein, meint sie. Nachdem wir uns wie zwei alte Freunde den ersten Schluck unseres Getränks durch einhaken gönnen, guckt sie mich verständnislos an und merkt an, dass man sich danach eigentlich Küssen sollte. Moment, ungewohnte Situation. Sie macht den ersten Schritt. Wir kennen uns doch erst 10 Minuten. Teufelchen langt mir wieder eine mit seinem Dreizack. Wir küssen uns. Sie grinst mich an und gibt mir keine 2 Minuten später zu verstehen, dass ihre Freundinnen jetzt gehen wollen. Ich Blicke über meine Schulter und erspähe eine der Mango-Terroristinnen die hastig winkend meiner neuen Bekanntschaft das selbige zu verstehen geben will. Sie steckt mir ihre Nummer zu und sagt mir, dass ich sie anrufen solle. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und der Zauber ist vorbei.
Phase 2:
Diverse Freunde von mir stürmen auf mich zu, sagen mir in weniger als einer Minute wer sie ist, wo sie zur Schule geht, mit wem sie mal was hatte und dass ich vorsichtig sein soll, weil sie \"echt Psycho\" sei. Gut Freunde! Mehr davon. Blitzartig schießt mir nochmal der Einschub von vorhin druch den Kopf. Ich will nach hause.
Am nächsten Morgen nimmt das Trauerspiel, was mich die nächsten Tage beschäftigen wird, seinen Lauf. Rufe ich jetzt an wirke ich aufdringlich. Das geht also nicht. Ich will aber schon ganz gerne. Wo ist das Problem? Zur Sicherheit rufe ich eine gute Freundin von mir an, die mir dann was von der 3 Tage-Regel erzählt, dass ich sie auf jeden Fall zappeln lassen sollte und dann würde ich schon sehen.
Einschub:
Die 3 Tage-Regel besagt, dass man sich erst am dritten Tag nach Kennenleren melden soll. Denn am ersten Tag wirkt man auf jeden Fall aufdringlich. Am zweiten Tag wird sich die andere Person schonmal den Kopf zerbrechen, warum man sich denn nicht meldet. Am dritten Tag dann, wenn die ersten Selbstzweifel einsetzen, macht man dann denn erlösenden Anruf. Quasi dann, wenn das Verlangen (durch die noch nicht erhaltene Selbstbestätigung) der anderen Person so gross ist, dass sie schon heiss gelaufen ist.
Einschub Ende.
Was aber, wenn sie sich garnicht den Kopf zerbricht und so ein ausgefülltes Leben hat, dass ich nur eine Randerscheinung war, die zwar nett, aber nicht nötig war?! Ist die 3 Tage-Regel dann nicht hinfällig?
Ich melde mich am zweiten Tag, weil ich es für einen guten Kompromiss zwischen reaktionären Regeln und meinem Verlangen nach ihr halte. Sie erinnert sich an mich, hat jetzt gerade aber \"echt keine Zeit\" und ruft später an. Zweifelhaftes 1:0 für mich also. Suche mir für den Rest des Tages Ablenkung, weil ich schon ahne, dass \"später\" nicht in den kommenden 20 Minuten sein wird. Recht habe ich und muss mich also bis in den späten Abend gedulden, als dann endlich das Sinnbild der Erlösung in Form ihrer Nummer auf meinem Display erscheint. Einmal durchgeatmet gehe ich ran. In den ersten paar Sätzen wende ich eine freundliche aber geschäftige Begrüßung an, die ihr zu verstehen geben soll, dass ich so viel zu tun hatte, dass ich ihren Anruf ja schon beinahe vergessen hätte, mich aber trotzdem freue von ihr zu hören. Ich vergesse die Zeit und wir hangeln uns geschlagene 3 Stunden von Thema zu Thema. Vom letzten Abend, über gemeinsame Freunde bis hin zu diversen Weltansichten. Mir fällt auf, dass ich länger zuhöre als ich eigentlich vorhatte. Schließlich wollt ich ja den Rat meiner guten Freundin befolgen und Madame durch vorgetäuschtes Desinteresse zappeln lassen. Nicht nötig, denn so gefällt\'s mir auch ganz gut. Eigentlich besser.
Irgendwann ist es dann zwei Uhr morgens und in jedem Satz müssen wir ein gähnen Unterdücken. Sie fragt mich, ob ich morgen was Vorhabe. Natürlich, dass weiss sie aber nicht, habe ich nichts wichtiges vor, erzähle aber trotzdem von Besuchen bei der Bank (will \'nen Kontoauszug ziehen), einem Treffen mit wichtigen Leuten (ein Freund will sein Auto wiederhaben) und einen Anruf den ich erwarte (meine Mutter sagt mir, dass ich zuhause mal Druchsaugen soll). Danach hätte ich aber Zeit. Die Verabredung für die Cocktailbar steht, Teufelchen und Engelchen geben mir noch mal eine für den Mundstuhl den ich gerade von mir gegeben habe und sie wünscht mir eine gute Nacht. Klick!
Ich lasse das Gespräch nochmal Revue passieren und frage mich, ob nur unsichere Ochsen wie ich so wichtige Geschäftstermine vortäuschen um unabhängig, geschäftig und interessant zu wirken. Nehme mir vor solche verbalen Ausgeburten meiner Unsicherheit in der Cocktailbar am Kleiderhaken hängen zu lassen.
Phase 3:
Natürlich bin ich zu spät, denn von dem bissschen Spielerei kann ich mich nicht lösen. Ich komme auf sie zu und fühle mich schon fast wieder wie am ersten Abend. Nicht dass ich Müll rausbringen wollte, aber wie Begrüsse ich sie denn jetzt? Keinen Körperkontakt und ein verschüchtertes heben der Hand (bei Bedarf mit einem gesenkten Kopf)? Handgeben, Wangenküschen oder Kuss auf den Mund? Oder alles zusammen?? Sie nimmt mir die Entscheidung ab und steuert zielstrebig meine beiden Wangen an. Sehr gut. Freundlich, unverbindlich und doch ein Hauch von Körperkontakt. Karte bitte.
Während wir die ersten Cocktails schlürfen setzen wir wieder da an, wo das letzte Gespräch geendet hat. Diesmal ist aber irgendwas anders. Ihre Mango-Gang fehlt und mein Berater-Team auch. Den Smalltalk haben wir hinter uns gelassen und ich sehe sie auch mal bei vernünftigen Licht. Hinreissend sieht sie aus. Folgefrage: wie sehe ich bei Licht aus? Typ 1: Wo geht\'s bitte zu seinem Schlafzimmer? Typ 2: Kann ich das Licht vom letzten Abend bitte nochmal haben? Typ 3: Wo ist bitte die Toilette?
Typ 3 scheidet wohl aus, da bereits die zweite Stunde anbricht, sie ihrem Handy noch keine weitere Beachtung geschenkt hat und noch nicht einmal auf Toilette war. Sie sitzt neben mir und wir suchen uns gemeinsam den nächsten Cocktail aus. Ich plädiere für dem Swimmingpool, da man sich den Preis da ja teilen kann. Billige Masche, ich weiss. Das scheint sie aber auch zu wissen, also ordern wir uns den Gemeinschaftscocktail. Der Körperkontakt, gespickt mit kleinen Zweideutigkeiten, steigt stetig. Ich fühle mich immer wohler und gelassener. Sie scheinbar auch, denn Ihre Hand weicht nun nicht mehr von meinem Unteram. Aus für Typ 2. Typ 1 ist am Zug. Rechnung bitte.
Ich frage sie, ob ich sie nachhause begleiten soll. Sei nimmt meine Hand. Ich darf. Vor ihrer Haustür kommen dann wieder die Fragen. Was ist jetzt legitim was nicht. Wäre es zu aufdringlich sie zu küssen, oder endet das hier noch in einer Knutschorgie vor Papis Haustür wie in jeder 80er-Jahre Teenie-Klamotte. Die 80er scheinen ihr auch gefallen zu haben und ich fühle mich wieder wie beim ersten Kuss meines Lebens. Verdammt gut.
Sie wird mich anrufen sagt sie. Nach dem 80er-Revival glaube ich ihr alles und mache mich auf den Weg nach hause.
Zuhause gucke ich in den Spiegel und glaube mein Testosteron noch etwas in die höhe pushen zu können, indem ich mir einrede, dass \"ich\" das mal wieder gut hinbekommen habe. In Wirklichkeit hat sie meine Hormone aber schon zum Limit getrieben, aber dass sage ich niemandem, denn wer nimmt einem Mann dieses romantische Gesäusel schon ab!?
Fazit:
Wieder mal den Kopf zerbrochen und doch alles gut gegangen. Habe ich diese Spielchen denn nun benötigt? Mich interessanter machen als ich vielleicht bin? Mir etwas von meinen Freunden über sie erzählen lassen? Desinteresse vortäuschen sollte ich. Wozu? Weiss ich auch nicht wirklich. Aber ohne diese Spielchen wäre es nur halb so gut gewesen.
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