Musik Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von sugips

meine Musik: Für Kopf und Köpchen

Pro:

Regt zu Gedanken an ...

Kontra:

... aber wer weiß, welche Gedanken da kommen mögen?

Empfehlung:

Nein

Wer ist schuld? pantherhh. Sie hat angefangen, uns Lust auf einen eigenen CD-Mix zu machen. Ohne Vorbedingung. So viele Titel, wie du willst, schrieb sie mir noch ins Gästebuch. Und natürlich, was ich will.

Also habe ich mir zwölf vorgenommen. Für jede Gelegenheit einen Titel. Etwas ungewöhnlich, weil fast nur Klassik; ungewöhnlich auch, weil etwas lang. Es ist doch seltsam, dass trotz aller Technik auf die Scheiben auch nicht mehr passt als früher auf eine LP.

Also habe ich mich entschlossen, einfach meine CD zu kreieren, unabhängig von Länge und technischer Machbarkeit. Es sind einfach 12 meiner Lieblingsstücke. Mit persönlicher Begründung und wissenschaftlich-biografischen Anmerkungen versehen – zitiert bei Bedarf und verzeiht, der Bedarf war recht groß, ich bin kein Musikwissenschaftler.

1)
Johann Sebastian Bach: Goldbergvariationen
Glenn Gould (Klavier)
Sony 52594 (39 Min., aufgenommen 1955, mono)
Die Begründung ist einfach. Schon der Graf von Keyserling soll es bei Bach bestellt haben für seinen Hofcembalisten Goldberg, damit dieser ihn, den Schlaflosen, doch in Schlaf lullen könne. Was will man(n) und frau mehr.

Der Reigen von dreißig Variationen ist grausam schwer. Gould spielte das Stück zweimal ein, gleich am Anfang seiner Karriere (diese Aufnahme) und 1981 noch einmal. Diese Platte bleibt seine letzte, weil ein knappes Jahr später zwei Schlaganfälle seinem Leben ein Ende setzen. Bachs Variationen wie zwei Buchstützen um eine Pianistenkarriere:

Das Debüt ist keck, draufgängerisch, geradezu ungeduldig und übermütig - Variation 14 hat tatsächlich was von einer \"explodierenden Nähmaschine\", wie ein Kritiker schrieb. Aber schon die nächste \"Veränderung\" ist so klar und tief wie ein See im Gebirge, und die Nr. 25 reinste Poesie. Schon Goulds Debüt offeriert uns, wie nonkonformistisch auch immer, die Essenz von Bachs Klangsprache - strenges Konstrukt, aufgeladen mit Emotion. Goulds Methode, den Konzertflügel zu einer Art \"besserem\", weil klangfarblich variableren Cembalo zu machen, durchdringt die Strukturen ebenso gut wie die Affekte.

2)
GUSTAV MAHLER (1860-1911)
Symphony No. 5 In C-Sharp Minor
Dirigent: George Bernstein
Wiener Philharmoniker
Erschienen bei Sony

Part I
I. Trauermarsch. In Gemessenem Schritt. Streng. Wie Ein Kondukt
II. Stürmisch bewegt. Mit grösster Vehemenz
Part II
III. Scherzo. Kräftig, nicht zu schnell *
Part III
IV. Adagietto. Sehr Langsam
V. Rondo - Finale. Allegro


Die Kurzbegründung: meine jüdische Ader, viele bewegende Bilder in meinem Kopf. Zum weinen schön.

Manche mögen sich noch erinnern. Mitte der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts gab es eine Reihe von Musik-Komponisten-Filmen von Ken Russell. ‚Tschaikowsky- Genie und Wahnsinn’, ‚Lisztomania’ etwa oder eben auch ‚Mahler’. Meist in kleinen Off-Kinos mit neuester Soundtechnik. Nie werde ich vergessen, wie die Kinder Mahlers zum Trauermarsch der 5. Symphonie im Traunsee ertrinken.

Gustav Mahler, begann seine fünfte Symphonie im Jahre 1901 zu schreiben. Er war damals 41. Erste Erfolge als Direktor der Wiener Oper waren zu erwarten, auch als Komponist stand kurz vor seinem Durchbruch. Privat hatte er eine schwere gesundheitliche Krise und lernte Alma Schindler kennen, die er 1902 heiratete. Auch musikalisch werden Veränderungen in Mahlers Stil bemerkbar. Die 5. Symphonie ist im Gegensatz zu den vieren davor ein reines Instrumentalwerk gegenüber. Auch die intensive Beschäftigung mit Johann Sebastian Bach hinterließ ihre Spuren in dem Werk. Dass Mahler sich in einer Umbruchphase befand, belegt auch, dass er die Symphonie mehrfach uminstrumentierte, ‚...da ein ganz neuer Stil eine neue Technik verlangte’, wie er selbst schreibt. Den vierten Satz – Adagietto kennen vielleicht einige von euch auch als Filmmusik für die Verfilmung von Thomas Manns Novelle ‚Tod in Venedig’.

3)
Leonhard Bernstein:
Din Torah (Kaddish- Symphony No 3)
Deutsche Grammophone
Artist Bernstein, Leonard, Israel Philharmonic
Artist Wager, Michael, speaker
First line: With amen on my lips, I approach Your presence, Father

Und schon wieder zwei Lieblinge von mir. Zwei? Ja lenny bernstein und das Jüdische. Kaddish ist das jüdische Totengebet. Bernstein stellt dem aramäischen bzw. hebräischen liturgischen Text des Totengebets von ihm selbst verfasste, englische Texte entgegen. Die liturgischen Teile singen Solistin und Chor, die kritischen englischen Texte spricht ein(e) Sprecher(in). Im Vordergrund steht hier das Ringen mit dem Glauben an Gott angesichts der großen Katastrophen der Menschheit. Auch wenn Bernsteins Werk mit der triumphalen Erneuerung des Glaubens schließt, so haben doch die Abschnitte des offenen Zweifels immer wieder für Diskussionen gesorgt. Entsprechend seiner kontroversen Inhalte zeichnet sich der musikalische Charakter des Werks durch ein Mit- und Gegeneinander zahlreicher stilistischer Ebenen ab. Atonalität steht neben traditioneller Harmonik, neben Zwölftontechnik- und Jazz-Elementen.

4)
Modest Peter Mussorgsky:
Bilder einer Ausstellung Klavierfassung
Vladimir Ashkenazy, Klavier
(Tip: auch einmal in die Fassung von Emerson, lake & Palmer hineinhören)

Da ist für jeden etwas dabei. Ich bevorzuge die 1. Fassung nur für Klavier. Ich mag zwar Ravel sehr, aber seine – eine von einigen aber die meistgespielte – Orchestrierung ist mir zu lieblich für diese slawische Komposition. Und Ashkenazy spielt und interpretiert es für mich auch am authentischsten.
Im Jahr 1873 starb der Architekt Viktor Hartmann (1834-1873). Mussorgsky hatte Hartmann um 1870 durch Wladimir Stassow kennengelernt. Hartmann hatte in Petersburg studiert und trat zuerst mit Buchillustrationen hervor. Danach arbeitete er als Architekt und schuf unter anderem das 1862 in Nowgorod eingeweihte Denkmal zur Tausendjahrfeier Rußlands. Im Jahre 1864 ging er für vier Jahre ins Ausland. In dieser Zeit entstanden die meisten seiner Aquarelle und Genreskizzen. Beim letzten Zusammensein mit Mussorgsky erlitt Hartmann einen Schwächeanfall, während sich beide über einen neuen russischen Stil im Bauwesen unterhielten. Wenig später starb Hartmann. Mussorgsky schrieb einen kurzen Nachruf für die \"Petersburger Nachrichten\".
Als Stassow, der sich zur Zeit des Todes Hartmanns im Ausland aufhielt, wieder nach Petersburg zurückkehrte, veranstaltete er im Februar und März 1874 zum Gedenken an seinen Freund eine Ausstellung mit dessen Werken. Diese Ausstellung regte Mussorgsky an, dem verstorbenen Freund auch ein musikalisches Denkmal zu setzen. In einem enormen Schaffensrausch komponierte er seine Klaviersuite \"Bilder einer Ausstellung\", die er am 22. Juni 1874 vollendete.
In seiner Suite gestaltet Mussorgsky musikalisch zehn Bilder Hartmanns, gegliedert durch die viermal wiederkehrende \"Promenade\", die den Betrachter beim Gang durch die Ausstellung zeigt. Die \"Promenade\" steht auch am Anfang der \"Bilder einer Ausstellung\", bei den Wiederholungen weist sie jedesmal einen anderen Charakter auf, der sich aus der veränderten Stimmung durch die vorangehende Bildbetrachtung erklärt. Dem ersten Bild \"Gnomus\" liegt eine Zeichnung eines nußknackerartigen Weihnachtsschmucks zugrunde. Mussorgsky gestaltete daraus ein Porträt eines kleinen Zwergs, der linkisch auf mißgestalteten Beinen einhergeht. Im \"Alten Schloß\" stimmt ein mittelalterlicher Troubadour seine Romanze an, bis in den \"Tuilerien\" streitende Kinder im Garten der Tuilierien zusammen mit ihren Gouvernanten nachgezeichnet werden. Das kraftvolle nächste Bild läßt einen \"Bydlo\", einen polnischen Ochsenkarren, am Betrachter vorbei poltern und langsam wieder verschwinden. Für das Scherzino \"Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen\" ließ Mussorgsky sich von einem Kostümentwurf Hartmanns für das Ballett \"Trilby\" leiten. \"Samuel Goldenberg und Schmuyle - Zwei polnische Juden, der eine reich, der andere arm\" ist der Titel der Schilderung zweier Charaktere, die zuerst isoliert und am Ende aufeinandereinredend dargestellt werden. Noch einmal wird es laut und hektisch, wenn auf dem \"Marktplatz von Limoges\" französische Marktweiber schreien und zanken. Dann wird Hartmann selbst gezeigt, wie er die \"Katakomben\" von Paris beim Licht einer Laterne untersucht. Durch eine Variation des Promenadenmotivs stellt sich Mussorgsky als Betrachter selbst mit Hartmann dar, bevor er im nächsten Bild die russische Hexe Baba Jaga einen wilden Hexenritt vollführen läßt. Den Abschluß des Werkes bildet Hartmanns Zeichnung des \"Großen Tores von Kiew\", eines Architekturentwurf eines Tores im altrussischen Stil mit einer Kuppel in Form eines slawischen Helms. Die Basis dieses monumentalen Schlußgemäldes ist wieder die \"Promenade\", die nun aber mit zusätzlichem motivischen Material (Choral der russischen Liturgie, Glöckengeläut) angereichert wird und im letzten Bild der Suite die Größe eines Opernfinales verleiht. (Marc Mühlbach „Russische Musikgeschichte im Überblick“ zitiert nach www. russische-musikarchiv.de)


5)
Igor Strawinsky (1882-1971):
Sacré de printemps
Am besten im Dirigat des Komponisten. Und wenn es als Ballett, was es eigentlich ja ist, gegeben wird, hingehen, hingehen, hingehen.

Ein heidnisches Frühlingsopfer: archaiisch, wild, voller Lust und Emotionen. Wer da nicht wieder Lust bekommt, ist – fast selber schuld.

Strawinsky verließ sich beim Komponieren auch von seinem Gehör, seinem ureigenen musikalischen Empfinden leiten ließ. Angesichts des weit verbreiteten Konzepts einer primär vom Intellekt gesteuerten musikalischen Moderne muß diese Vorgehensweise ebenso wild und archaisch anmuten, wie die Musik des Sacre. Dennoch steht außer Frage, daß Strawinsky gerade mit Hilfe eines im Grunde äußerst artifiziellen und zahlreiche Kompositionstechniken kombinierenden musikalischen Idioms seine Vision einer großen heidnischen Feier zum Klingen brachte.

6)
Bela Bartok:
Der wunderbare Mandarin
Werben und Sterben aus Liebe. Wunderbare Musik, Ballett-Empfehlung siehe oben, und Musik für alle Sinne.

Das einsätzige Bühnenstück handelt von drei Schurken, die ein junges Mädchen nötigen, Männer zu verführen, um diese dann auszurauben. Doch das Mädchen angelt sich einen reichen Chinesen, den die Schurken vergebens zu töten versuchen. Er stirbt erst, nachdem das Mädchen sich seinem Liebesbegehren hingegeben hat. Die Musik ist expressiv bis ins Laszive, mit einem großen Orchester einschließlich Klavier und Chor. Die Klarinette repräsentiert das Mädchen. Da die Uraufführung des Mandarins einen Skandal hervorrief und weitere Aufführungen untersagt wurden, sah Bartók sich gezwungen, das Werk zu \"entschärfen\". Er strich einige Passagen aus dem Stück. Die Originalfassung ist nicht mehr bekannt, jedoch hat Péter Bartók, der jüngere Sohn des Komponisten die ursprüngliche Fassung rekonstruiert. Die Expressivität der stöhnenden Bläser, das unheimliche Summen der Streicher und das düstere Klappern der Schlaginstrumente machen der Thematik des Stückes alle Ehre.

7)
Arnold Schönberg:
Gurre Lieder
Was für Kopf und Herz.
Durch ein Preisausschreiben des Wiener Tonkünstler-Vereins wird Schönberg zur Komposition der Gurrelieder angeregt. Über die kompositorischen Eckdaten gibt er in einem Brief an Alban Berg Auskunft: »Im März-April 1900 habe ich den ersten und II. Theil komponiert. [...] März (also anfangs 1901) Rest vollendet!! Dann Instrumentation im August 1901 begonnen [...] Mitte 1902 fortgesetzt. [...]1903 zuletzt daran gearbeitet und fertig gestellt bis ca. Seite 118. Daraufhin liegengelassen und ganz aufgegeben! Wieder aufgenommen Juli 1910. Alles instrumentiert bis auf den Schlußchor. Den vollendet in Zehlendorf 1911.«

Die Komposition der Gurrelieder erstreckt sich über einen für Arnold Schönberg ungewöhnlich langen Zeitraum: zwischen 1900 und 1911 arbeitete Schönberg – immer wieder von längeren Pausen unterbrochen –an dem Werk. Die Zeit der intensivsten Auseinandersetzung war die Periode zwischen März 1900 und März 1901, in dieser Zeit hat Schönberg die Gurrelieder nach eingenen Angaben »vollendet« Zwischen 1901 und 1903 arbeitete er an der Instrumentation, 1903 unterbrach er die Arbeit für sieben Jahre. In dieser Zeit entfernte er sich stark vom Stil der Gurrelieder. Als er 1910/11 die Instrumentation vollendete, war ihm die Aussage des Werkes nicht mehr persönliches Anliegen, er stellte das Werk als Dokumentation eines Kompositionsstiles und einer Geisteshaltung fertig, die nicht mehr die seine war. »Dieses Werk ist der Schlüssel zu meiner ganzen Entwicklung. Es zeigt mich von Seiten, von denen ich mich später nicht mehr zeige oder doch von einer anderen Basis.Es erklärt, wie alles später so kommen mußte, und das ist für mein Werk enorm wichtig: daß man den Menschen und seine Entwicklung von hier aus verfolgen kann.«
Die Geschichte um König Waldemar und Tove und die Eifersucht der Königin, die Tove schließlich ermordet, läßt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen und gehört in ihren verschiedenen Versionen zum nationalen Sagengut Dänemarks. Der Stoff erfuhr im Lauf der Zeit mehrere Veränderungen, unter anderem Hinzufügungen von konkreten Ortsbezeichnungen und die Vorstellung vom ruhelos umherschweifenden König. In weiterer Folge wurden diese Ereignisse auf den 1375 auf Schloß Gurre verstorbenen König Waldemar IV. projiziert. Diese Fassung übernahm Jens Peter Jacobsen als Vorlage für seine 1868 entstandenen Gedichte. Jacobsens Gedichte übten eine starke Anziehungskraft in philosophpisch–religiöser Hinsicht auf Schönberg aus. 1898 konvertierte Schönberg zum Protestantismus. Eine ähnliche Auseinandersetzung mit religiösen Fragen zeigte auch Jacobsen, der sich vom Christentum dem Darwinismus zuwendete, was sich in den Gurreliedern insbesondere in den Konstellationen Natur – Gott, Liebe – Tod als zentrale Aussagen niederschlägt. Zudem sind Elemente von Richard Wagners Geschichtsbild unübersehbar. Seit Wagner verstanden Komponisten Musik zunehmend als Medium für die Vermittlung weltanschaulicher Ideen. Schönbergs Wahl des Sujets steht in der Tradition der Opernliteratur des (nachwagnerischen) 19. Jahrhunderts, beruhend auf mittelalterlicher Dichtung als Ausdruck wiederentdeckter Nationalkultur.
Unmittelbarer Anlaß für den Beginn der Komposition war die Auschreibung eines Kompositionswettbewerbs für einen Liederzyklus mit Klavierbegleitung des Wiener Tonkünstlervereins. Alexander Zemlinsky,Schönbergs Lehrer und Freund überliefert: »Schönberg, der sich um den Preis bewerben wollte, komponierte einige wenige Lieder nach Gedichten von Jakobsen. Ich spielte sie ihm vor (Schönberg spielte bekanntlich nicht Klavier.) Die Lieder waren wunderschön und wirklich neuartig, aber beide hatten wir den Eindruck, daß sie gerade deshalb wenig Aussicht für eine Preisbewerbung hätten.« Dementsprechend reichte Schönberg seine Komposition nicht ein, sondern entschloß sich zu einer Umarbeitung für Gesang und Orchester. Schönberg bedient sich eines kolossalen Klangapparates: fünf Solisten und Sprecher. drei vierstimmige Männerchöre, ein achtstimmiger gemischter Chor und riesiges Orchester.
Der erste Teil der Gurrelieder setzt sich aus einem Vorspiel, neun Liedern Waldemars und Toves einem längeren Orchesterzwischenspiel und dem Lied der Waldtaube zusammen. Anders als Gustav Mahler, der im Lied von der Erde eine Folge von sechs Orchesterliedern mit den zyklischen Prinzipien der Symphonik verschmilzt, hat Schönberg im ersten Teil der Gurrelieder kein Äquivalent zu den Satztypen der Symphonie geschaffen. Selbständige Einzellieder schließen sich durch thematische Beziehungen zu einer weit gespannten Form zusammen. Den inneren Zusammenhalt bedingt zum einen das Wiedererscheinen bestimmter thematischer Bildungen. Diese sind in den jeweiligen Kontext eng verwoben. Liedübergreifende Motive werden immer aus neuen, für das Einzelstück charakteristischen Gedanken gewonnen. Alban Berg spricht in seinem Gurrelieder–Führer von der »Wiedergeburt [...] eines Themas aus neuen Motiven« und von einem »typisch Schönbergischen Kunstmittel«. Ein weiteres Mittel zur Verknüpfung der in sich geschlossenen Einzellieder bilden die Überleitungen. Berg stellt in seiner Analyse von Toves Lied »O, wenn des Mondes Strahlen ruhig gleiten« dar, »wie ein Lied in das andere übergeht, wie sich aus Ausläufern, Motivbestandteilen ein Überleitungsmodell bildet, das wieder wichtige Bestandteile des neuen Liedes in sich birgt«. In diesen Techniken manifestiert sich das Prinzip der thematischen Entwicklung. Thematische Entwicklung spielt sich auf zwei Ebenen ab: Auf der Ebene des Einzelliedes, und auf der des gesamten Werkes. Die Folge der Orchesterlieder 1–9 bildet einen thematischen Prozeß, der es erlaubt, von einer symphonischen Konzeption zu sprechen. Innerhalb des symphonischen Prozesses ist die innere Geschlossenheit der Einzellieder gewahrt, weil sich die musikalischen Momente sich zwingend aus den charakteristischen Bestandteilen ableiten. Der symphonische Prozeß ist durch die Kategorien der Vorahnung und Erfüllung bestimmt. Die melodische Gestalt, in der er seinen Abschluß findet (»So laß uns die goldene Schale leeren«) ist die Steigerung eines unscheinbaren Gedankens aus Nun dämpft die Dämmrung jeden Ton. Für die Tove- und Waldemarlieder ist die Scheidung von Hauptstimme und Begleitung charakteristisch, wobei die Hauptstimme aber nicht immer im Gesang liegen muß. Der erste Teil des Gurreliederzyklus ist durchweg von Gesang geprägt. Die Themen und Motive, die im drittenTeil wiederkehren sind weniger ‚Orchestermotive‘ als vielmehr ‚Gesangsmotive‘. Sie bilden kein »Gewebe über das ganze Werk« (Richard Wagner), sie sind dem Vers verhaftet, aus dem sie entstanden sind. Das Orchester verwandelt die harmonische Grundlage in ein klanglich reich differenziertes Begleitsystem. Thematisch-motivische Arbeit geschieht vorallem in den Zwischenspielen, wo das Orchester die Lieder kommentiert. Hier liegt auch der Grund für die großangelegte Durchführung im ersten Teil. Das Orchester holt nach, was in den Liedern unmöglich ist. Aber auch hier wirkt die ursprüngliche Themenkonzeption durch, die Themen werden eher symphonisch verarbeitet als melodisch-dramatisch übereinandergestellt. Der Höhepunkt liegt bei Toves Worten »So laß uns die goldene Schale leeren« mit der Hauptstimme in der Singstimme, das gesamte Orchester begleitet in Arpeggien und Tremoli.
Die »Idee des Liedsingens«, wie sie sich in den Wechselgesängen Toves und Waldemars manifestiert, wird in der instrumentalen Überleitung zum Lied der Waldtaube (T. 944) zerstört. Der Tutti Schlag in Takt 950, und das anschließende Englischhornsolo geben wieder, was die Dichtung verschweigt: den Anschlag auf Tove und ihren Tod. Die Wende reflektiert Schönberg in den dichterisch–musikalischen Kategorien ‚Erinnerung‘ und ‚Antizipation‘. Vergangenes (das Beisammensein von Waldemar und Tove) wird von der Waldtaube, dem Sprecher und von Waldemar selbst vergegenwärtigt. Waldemars Verhaftetsein an die längst vergangene Zeit des Liebesglücks kommt im Lied des Klaus Narr zum Ausdruck. Gegenstück zu den Erinnerungen sind die in Teil I eingesprengten Antizipationen: während des Beisammenseins mit Tove nimmt Waldemar die Wirklichkeit von Teil III vorweg. Die Erinnerungen sind in Orchestermotive transformierte Liedmelodien aus dem ersten Teil. Der nicht–liedmäßige Satz spiegelt das verlorene Liebesglück. Es wird negiert, worin dieses sich äußert: im Lied–Singen. (Jens Peter Jacobsen in www. schoenberg.at)

8)
Alban Berg (1885-1935):
Lyrische Suite (1925/26)
Zwöftonmusik at her best. hineinhören nachdenken, mitfühlen und verstehen lernen.

Auf Anfrage des Kolisch-Quartetts, das die Lyrische Suite am 8. Dezember 1927 in Wien uraufführte, schrieb der Komponist eine kurze Analyse des Werkes: In ihr wies Berg darauf hin, daß die Sätze 1, 3 und 6 sowie die Trios des Sätze 3 und 5 streng zwölftönig komponiert seien, die übrigen hingegen frei atonal. Der Komponist machte auch darauf aufmerksam, daß dem gesamten Werk eine Reihe zugrunde liege, die sich \"durch Umstellung einiger Töne\" jedoch verändert. Außerdem betonte Berg, daß \"jeweils ein Bestandteil (1 Thema oder 1 Reihe, 1 Stück oder 1 Idee) in den folgenden Satz hinübergenommen wird und der letzte wiederum auf den 1. zurückgreift:\" Die zahlreichen Permutationen, welche die Grundreihe der Lyrischen Suite durch diese kompositorischen Maßnahmen erfährt, beschrieb Berg mit einer Formel, die zunächst dazu verleitet, auf die biographischen Hintergründe der Komposition bezogen zu werden, letzten Endes aber doch ziemlich pauschal anmutet: \"Schicksal erleidend.\" (Mark Schulze Steinen in www.musiktext.de)

9)
Kurt Weill:
Street Scene
Eine amerikanische Oper in zwei Akten von Kurt Weill
Nach dem gleichnamigen Stück von Elmer Rice
Buch von Elmer Rice, Gesangstexte von Langston Hughes
Deutsch von Lys Symonette

Jeder kennt die Dreigroschenoper, manche seine Magonnys etc. Es lebe Brecht, aber ich will eine Lanze für den unbekannteren und nicht nur auf die Texte Brechts angewiesenen Weill, den amerikanischen Weill, brechen.

Träume, Tratsch und Tragödien. Kurt Weills Broadway-Oper mit dem Titel \"Street Scene\" schildert einen heißen Tag im Leben der Bewohner eines New Yorker Mietshauses: Kleinere und größere Katastrophen, Klatsch, Streitereien, Liebe, Zuneigung, schließlich ein Doppelmord. Kurt Weill bemühte sich Zeit seines Lebens um volkstümliches Theater. \"Street Scene\" ist die gelungene Synthese aus europäischer Oper und amerikanischer Unterhaltungsmusik. Weills Ziel war es, \"eine Musik zu schreiben, die zugleich ernst und leicht ist, opernhaft und populär, emotional und intellektuell, orchestral und vokal.\" (jd in www.rwth-aachen.de)


10)
Debussy
Prelude a l’après-midi d’un Faune
Jeder mann ist ein Narziss und ein faun. Frauen jetzt nicht lachen. Und besser in Musik gefasst hat es keiner als Debussy.
Claude Debussy ließ sich zu seiner Tondichtung von einem Gedicht Stéphane Mallarmés inspirieren, in dem ein Faun geschildert wird, der bei nachmittäglicher Hitze in erotischer Ekstase Nymphen und Najaden beobachtet, bis er schließlich vom Schlaf übermannt wird. Oder sollen wir sagen \"übernympht\" ... (?) Mit klanglichem Raffinement wird eine antike Phantasielandschaft beschworen, aus der die Soloflöte als lockendes und sehnsüchtiges Instrument (Syrinx) hervortritt. (Walter Rösler in www. musiktext.de)

11)
Carl Orff:
Die Kluge
Eine einfache Handlung, eine ‚einfache’ Musik. Aber aufpassen und gut zuhören. Aus dem Einfachen lassen sich oft die tiefgründigsten Sachen erhören.

Inspiriert durch das Grimmsche Kinder und Hausmärchen “Die kluge Bauerntochter” schrieb Carl Orff seine beliebteste Volksoper “DIE KLUGE”. Die Geschichte von dem König und der klugen Frau. Uraufführung 1943.
Gegen den Rat seiner klugen Tochter, hat ein Bauer seinem König einen goldenen Mörser überlassen, den er in seinem Acker fand. Nun soll er solange im Kerker sitzen, bis er dem König auch den angeblich von ihm versteckten goldenen Stößer bringt. »O hätt‘ ich meiner Tochter nur geglaubt«, jammert der Bauer. Den König interessiert wer diese Tochter ist, und schickt nach ihr. Sie löst geschickt drei Rätsel, die Ihr der König aufgibt. Der König ist von der klugen Bauerntochter entzückt und nimmt sie zur Frau.
Als der König über einen Eseltreiber ein vorschnelles Urteil fällt, gibt die verkleidete Königin diesem einen Rat, seine Strafe zu mindern. Als dies der König merkt, verstößt er sie, erlaubt ihr aber in einer Truhe mitzunehmen, woran ihr Herz hängt. Sie lässt den schlafenden König hineinlegen. Schmunzelnd stellt der Bauer über seinen Tochter fest »Am End hat sie den Stößel doch gefunden«. (www.andechs.de)
In Orffs Märchenoper gehen Volkstümlichkeit und Intellektualität eine harmonische Beziehung ein, sowohl in musikalischer wie auch in dramaturgischer Sicht. Das kanonisierte Sprechen, rhythmischer Sprechgesang und melodisches Singen täuschen eine Einfachheit vor, deren Wirkung aber auf größter stimmlicher wie gestischer Präzision beruht. (Katharina Katz in www.olafbruehl.de)

12)
The Beatles/John Lennon:
Imagine
\"Imagine all the people living life in peace\". Braucht es mehr Begründung?

John Lennon produzierte nach der Trennung verschiedene Singles und LP\'s, unter anderem mit seiner Frau Yoko Ono. Eines seiner bekanntesten Lieder wurde \"Imagine\" (1971). In dem Stück forderte er auf, sich vorzustellen, es gäbe keinen Himmel, keine Länder, nichts zum Töten oder zum Dafür-Sterben und keine Religion:

Stellt euch mal vor es gäbe kein Paradies
Es ist einfach, wenn ihr es versucht
Kein Schutz über uns
Über uns ist nur Himmel.

Denkt doch mal an all die Leute, die heutzutage leben.

Stellt euch mal vor es gäbe keine Oberfläche
Es ist keine Arbeit für das nötig
Nichts wofür man morden oder sterben muss
Und auch keine Religion.

Denkt doch mal an all die Leute, die friedlich leben.

Ihr könnt sagen, dass ich ein Träumer bin
Aber ich bin nicht der Einzige
Ich hoffe, dass ihr eines Tages unserer Meinung sein werdet
Und die Welt würde Eins sein.

Denkt doch mal an all die Sitzungen
Oder fragt euch, wenn ihr es könnt
Kein Bedarf für Trauer oder Hunger
Oder brüderliches Beisammensein.

Denkt doch mal an all die Leute, Kinder auf der Welt.

Ihr könnt sagen, dass ich ein Träumer bin
Aber ich bin nicht der Einzige
Ich hoffe, dass ihr eines Tages unserer Meinung sein werdet
Und die Welt würde als Eins überleben.

(ww.wissen.de und www.golyr.de)

Viel Vergnügen und viele schöne Stunden.

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