Praktikum Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Beikilein

6 Wochen Auslandspraktikum in Dänemark

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich mache zur Zeit eine Ausbildung zur Erzieherin an der BBS VII für Sozialwesen in Braunschweig. Wer Interesse hat hier ist die Homepage Adresse: http://www.bs.ni.schule.de/~bbs7/.

Die ErzieherInnen Ausbildung dauert bei uns insgesamt 4 Jahre. Die ersten zwei Jahre erfolgt die Ausbildung zur SozialassistentIn und dann folgen noch mal zwei Jahre Ausbildung zur ErzieherIn. Ohne die Ausbildung zur SozialassistentIn ist die Ausbildung zur ErzieherIn nicht möglich. Ich werde hier nun aber nicht über die Ausbildung zur ErzieherIn sondern mein Auslandspraktikum berichten. Wer Interesse an Informationen über die Ausbildung hat, dem empfehle ich den folgenden link: http://www.kettlaro.de/htm/ausbildung_zur_erzieherin.htm .

In der ErzieherInnen Ausbildung gibt es vier verschiedene Profile in denen während der 2 Jahre schwerpunktmäßig gearbeitet wird. Am Ende der SozialassistentIn Ausbildung muss man sich eines dieser Profile aussuchen. Die Profile sind:

1. Interkulturelles Lernen
2. Technische Früherziehung
3. Psyochsoziale Netzwerkarbeit
4. Kinder – und Jugendkultur

Eine Erläuterung, was hinter diesen Überschriften steht findet ihr auch auf der Homepage der BBS VII (siehe oben). Ich bin in dem ersten Profil, Interkulturelles Lernen und dieses Profil beinhaltet im 2. Ausbildungsjahr zur ErzieherIn ein 6-wöchiges Auslandspraktikum (im europäischen Ausland), das von dem Leonardo Projekt (http://www-ecd.let.uu.nl/leonardo/) gefördert wird.

Da ich erst im ersten Ausbildungsjahr zur ErzieherIn bin, war meine Klasse mit dem Auslandspraktikum eigentlich noch gar nicht dran, allerdings ist 2 Wochen bevor das Auslandspraktikum für die EO (ErzieherInnen Oberstufe) starten sollte, ein Mädchen das einen Praktikumsplatz in einem Kindergarten in Dänemark hatte, krank geworden. Da die entsprechenden Lehrkräfte den Praktikumsplatz aber nicht verfallen lassen wollten, haben sie in unserer Klasse gefragt ob jemand spontan Lust hätte einzuspringen. Außer mir haben sich noch 6 andere gemeldet, aber ich hatte das große Glück ausgewählt zu werden.

Das hieß Hektik und Stress pur für die nächsten 2 Wochen. Im Prinzip hatte ich nämlich nur 1 ½ Wochen zum vorbereiten, da ich schon für eine Woche Urlaub gebucht hatte, was sich auch nicht mehr absagen ließ da das Haus schon gemietet war. Am 13.10.02 hieß es dann Startschuss für 6 Wochen Praktikum in einem dänischen Kindergarten. Und das wo ich kein Wort Dänisch konnte.

Morgens brachte mich meine Ma und meine beste Freundin zum Bahnhof und ich fuhr los nach Dänemark. Nach einer ca. 8-stündigen Reise wurde ich von meiner Gastfamilie (die Familie meiner Lehrerin) am Bahnhof in Hoeje Taastrup abgeholt. Die Familie wohnte auf dem Land in einem kleinen Dorf genannt Gershoej. (Ca. 50km von Kopenhagen entfernt). Dort angekommen wurde ich dann auch ganz herzlich von den beiden Töchtern Sissel (13j.) und Bolette(15j.) in empfang genommen. Sie waren sogar extra für die 6 Wochen zusammen in ein Zimmer gezogen, damit ich das andere haben konnte.

Am nächsten morgen brauchte ich dann auch erst um 11.00h im Kindergarten (Bornehavn) zu sein, denn zu der Zeit sollte dann auch Bjarke, der gut Deutsch sprach da sein. So war es auch. Er führte mich erst einmal überall herum und stellte mich jedem vor. Da zu der Zeit in Dänemark noch Ferien waren, waren auch nur sehr wenig Kinder da und die 3 Gruppen zu einer zusammengewürfelt wurden. Ich verbrachte also meine erste Woche drinnen mit den paar Kindern die da waren. Da ich ja kein Wort Dänisch sprach, war es ein bisschen schwierig einen guten Kontakt zu den Kindern zu knüpfen. Es gelang mir aber mit den Kindern wenigstens ein bisschen mit Händen und Füssen zu kommunizieren. Außerdem machte ich mit den Kindern in der ersten Woche mit einer Pädagogin als Übersetzer folgendes Fingerspiel:

All’ die vielen kleinen Zwerge
Von dem hohem Tannenberge
Wollen heut’ spazieren gehen
Denn die Sonne scheint so schön

All die Picks und Pucks und Pitze
Wackeln mit der Zipfelmütze
Zwicken sich und zwacken sich
Haschen sich und fangen sich

Doch da kommt oh weh so dann
Eine dicke Wolke an
Viele kleine Regentröpfchen
Fallen auf die Zwergenköpfchen

Zwerglein laufen schnell nach Haus’
Reißen vor der Wolke aus
In ihr sicheres Versteck
Husch da sind sie alle weg

Das brach dann endgültig das Eis und die Kinder akzeptierten mich von da an fast genauso gut wie die anderen Erzieher bzw. Pädagogen.

Als nach der ersten Woche dann allerdings die Ferien vorbei und alle Kinder wieder da waren, wurden sie wieder in ihre drei Gruppen aufgeteilt. Es gab die Solstuiben (Sonnengruppe), die Stjernestuiben (Sternengruppe) und die Naturgruppe in der ich eingesetzt war. In der Sol- und der Stjernestuiben sind jeweils 15-20 Kinder im Alter von 3-4 Jahren mit 1-2 Erziehern/Pädagogen und einem sogenannten Vikar. Das sind unausgebildete Helfer. In der Naturgruppe sind 18 Kinder im Vorschulalter (5-6 Jahre). Die Naturgruppe heißt Naturgruppe, weil die Kinder sich um 9.00h warm anziehen und dann raus in das riesige Außengelände gingen und dort auch den ganzen restlichen Tag bleiben. Sie haben da draußen eine Feuerstelle, viele aus Naturmaterialien hergestellten Hütten und Höhlen, einen Platz wo sie sägen, hämmern und mit einer kleinen Axt Holz hacken können. Außerdem haben sie einen ausgebauten Bauwagen in den sie sich zurückziehen können, wenn das Wetter allzu ungemütlich ist, oder sie einen Rückzugsort brauchen. Weiterhin haben sie einen Hügel mit einer Rutsche und ein Klettergerüst.

Als ich das alles das erste mal sah kam ich kaum aus dem Staunen wieder heraus. Und auch die Kinder genießen es in der Naturgruppe zu sein. Außer sich frei bewegen und spielen zu können, gibt es dort jede Menge für sie zu erforschen und zu tun. Als ich da war, haben sie sich zum Beispiel ein Messer (bzw. den Griff) selbst geschliffen, sich aus Stöckern Pfeil und Bogen oder Speere geschnitzt, Feuer gemacht und dies’ am brennen gehalten, Holz mit der Axt zerkleinert, gesägt und und und...

Rund um die Feuerstelle wurde auch aus den mitgebrachten Lunchboxen Mittag gegessen und selbst gekocht. Auch beim Essen zubereiten waren die meisten Kinder immer “Feuer und Flamme“. Jeder wollte helfen die Möhren zu zerkleinern oder was es sonst noch so zu tun gab. Da die Naturgruppe dann auch mal was „typisch deutsches“ probieren wollte, habe ich an einem Tag mit den Kindern Sauerkraut und Würstchen am Feuer zubereitet.

Mindestens einmal in der Woche macht die Naturgruppe dann auch noch trips in den Wald oder die umgelegenen Felder und dann wird dort auch unterwegs aus den Lunchboxen zu Mittag gegessen. Ebenso einmal in der Woche hat die Naturgruppe den sogenannten „surprise Day“ da kann jedes Kind etwas das es in der Natur gefunden hat mitbringen und den anderen Kindern zeigen und sie raten lassen, was es ist.

Was ich noch sehr erstaunlich fand, war dass die Kinder der Naturgruppe alle sehr ruhig und ausgeglichen waren. Es gab wenig streit. Meistens haben die Kinder toll zusammen gespielt. Und wenn mal einer schreien wollte konnte er dies’ tun, den da draußen hat das den Lärmpegel ja kaum beeinflusst.

In Gesprächen mit der Kindergartenleitung habe ich dann auch in Erfahrung gebracht, das das erst die zweite Naturgruppe ist, die der Kindergarten hat. Und das die Kinder aus der letzten Naturgruppe, die nun in der Schule sind, sich viel besser konzentrieren können, als die Kinder die nicht in der Naturgruppe waren. Es scheint den Kindern also nicht bloß Spaß zu machen, sondern ihnen auch den Einstieg in Schulleben zu erleichtern.

In meiner 5. Woche in Dänemark, hat mich dann auch meine Lehrerin besucht und war genauso begeistert von der Naturgruppe wie ich. Hier in Deutschland gibt es zwar auch Naturkindergärten, aber diese Naturgruppe ist noch einmal etwas ganz anderes.

Ich habe natürlich auch versucht herauszufinden, nach welchem Konzept der Kindergarten arbeitet, habe dabei aber festgestellt, das man das nicht so einfach festlegen kann. Der Kindergarten arbeitet zwar viel nach dem Konzept von Reggio Emilia aber zieht auch viele andere pädagogische Konzepte mit ein, hat also nicht ein festgelegtes Konzept. Das Kind wird dort als eigenständige Persönlichkeit gesehen und behandelt. Es wird viel mit vertrauen schenken und Selbstständigkeitserziehung gearbeitet, was mir sehr gut gefallen hat.

Mit der Zeit konnte ich mich dann auch immer besser mit den Kindern verständigen und als ich mich am 22.11.02 dann wieder verabschieden musste war das ganz schön traurig. So sehr ich mich auch wieder auf zuhause gefreut hatte viel mir der Abschied richtig schwer. Aber ich bin mit tausend neuen Eindrücken wieder nach Hause gekommen, die ich nun erst einmal alle verarbeiten muss.

Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wenn meine Klasse mit dem Auslandspraktikum dran ist, auch noch einmal fahren kann. Dann aber in ein Land wo das mit der Verständigung ein bisschen besser klappt. Ich hoffe Euch hat mein Bericht gefallen. Wenn ihr noch fragen habt, schießt los. Ich wollte den Bericht bloß nicht allzu lang herausziehen.

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