Studiengebühren Testbericht

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Erfahrungsbericht von IggyMetal

Können Studiengebühren den Wirtschaftsstandort Deutschland sichern?

Pro:

wäre u. U. sinnvoll, wenn die Gelder den Universitäten zu gute käme

Kontra:

elitäre und monetäre Selektion an den Universitäten

Empfehlung:

Nein

Die Diskussion im nordrhein-westfälischen Landtag zukünftig Studiengebühren zu erheben hat in der letzten Zeit die Gemüter der Studenten erregt. An besonderer Brisanz hat das Thema durch die Ergebnisse der Pisa-Studie und das schlechte Abschneiden Deutschlands gewonnen.

Allerdings ist das schlechte Abschneiden Deutschlands in der Pisa-Studie und die Einführung von Studiengebühren voneinander zu trennen. Denn die Untersuchung der Pisa-Studie bezieht sich auf das Bildungsniveau an Schulen, während hingegen die Einführung von Studiengebühren keinen Aufschluss über das Bildungsniveau der Studenten gibt.

Faktum ist, dass die Qualität der Studiengänge durch die Streichung von Geldern für die Universitäten in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten hat. Ein weiterer Faktor, der die Qualität der Ausbildung an den Universitäten mindert, ist die Diskrepanz zwischen den Wissensanforderungen der Wirtschaft und dem Bildungsanspruch der Universitäten.

Die Ausbildung an Universitäten weicht in einigen Bereichen sehr stark von den Anforderungen ab, die von der Wirtschaft gefordert werden. Dieses wird unter anderem dadurch belegt, dass gerade im wissenschaftlichen Bereich eine Vielzahl von Stellen angeboten werden, die aber nicht besetzt werden können, weil die Ausbildung an der Universität oftmals an den Anforderungen der Wirtschaft vorbeizielt.

Die Ausbildung an den Universitäten bezieht sich hauptsächlich auf das Aneignen von Grundlagenwissen. Ebenfalls wird an Universitäten hauptsächlich Grundlagenforschung betrieben, ohne ein bestimmtes Ziel bei dieser Art der Forschung im Auge zu haben. Die Wirtschaft hingegen orientiert sich an den Anforderungen und Wünschen der Konsumenten, die bestimmte Erwartungen an die verschiedensten Produkte haben. Dementsprechend ist auch die Forschung in der Wirtschaft ausgerichtet.

Durch die Einführung von Studiengebühren wird diese Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Wirtschaft und dem Bildungsauftrag der Universitäten nicht behoben. An der Art und Weise der Ausbildung und der Forschung der Universitäten ändert sich somit nichts.

Erschwerend kommt hinzu, dass laut den Plänen der nordrhein-westfälischen Landesregierung nicht vorgesehen ist, die Studiengebühren den Universitäten zu gute kommen zu lassen, sondern den Zweck erfüllen soll, das Haushaltsdefizit des Landes NRW zu minimieren.

Somit stellt die Einführung von Studiengebühren eine Art Bildungssteuer dar. Fraglich ist hierbei allerdings, ob sich dieses nicht langfristig nachteilig auf den Wirtschaftsstandort Deutschland auswirkt. Den Innovations- und Bildungsvorsprung den Deutschland in den vergangen Jahrzehnten inne hatte, ist schon seit längerer Zeit verspielt. Und durch die Einführung von Studiengebühren werden hauptsächlich diejenigen getroffen, die nicht in der glücklichen Lage sind wohlhabende Eltern zu haben, die die Ausbildung der Kinder finanzieren.

Es wäre deshalb wesentlich sinnvoller, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst vielen Menschen eine gute Ausbildung geboten wird, anstatt eine elitäre und monetäre Auswahl der Studenten zu fördern.

Eine denkbare Lösung, die dazu beitragen könnte, auf der einen Seite die Ausbildung an Universitäten auch einkommensschwächeren Studenten zu ermöglichen und auf der anderen Seite die Diskrepanz zwischen universitärer Ausbildung und Anforderungen der Wirtschaft zu schliessen, wäre eine Art Bildungssponsoring seitens der Wirtschaft.
Die Wirtschaft könnte die Universitäten finanziell unterstützen und gleichzeitig auch Einfluß auf die Bildungsinhalte nehmen. So könnte langfristig die Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gesichert werden.

Die Qualität der Ausbildung und der Bildungsstand der Bevölkerung entscheidet letztendlich über den Wohlstand eines Landes. Das Deutschland seit einigen Jahren in diesem Bereich auf dem absteigenden Ast ist, zeigt sich auch an den Ergebnissen der Pisa-Studie.

Studiengebühren wären nur dann sinnvoll, wenn die Gelder auch den Universitäten zu gute kämen und dieses zu einer Verbesserung der Bildungsinhalte führt. Allerdings sollten einkommensschwächere Studenten von Studiengebühren zumindest für eine bestimmte Zeit befreit werden, um die Universitäten nicht zu einer elitären Bildungsanstalt verkommen zu lassen.

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Striker1981

    03.09.2008, 00:22 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER