Wahlen Testbericht

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Erfahrungsbericht von Libraia

Leute geht wählen! - und wählt richtig ...

Pro:

demokratisches Recht, das wir wahrnehmen sollten

Kontra:

gegen das Wählen kann ich kein Argument finden

Empfehlung:

Nein

Wahlaufruf!

Wahrscheinlich völlig unnötig, mein heutiger Bericht, aber wer weiß…
Sicher haben sich die meisten von Euch schon ihre Meinung gebildet und warten nicht unbedingt auf einen Wahlaufruf von \"Libraia\" dennoch: immerhin ist yopi ja nicht nur ein Produkt- sondern auch ein Meinungsforum und als ein solches möchte ich es heute mal nutzen.

1. Warum überhaupt wählen?
Die Rede ist immerzu von Politikverdrossenheit, Politikmüdigkeit und allgemeinem Desinteresse. Ob das wirklich die vorherrschende Stimmung in Deutschland ist, wage ich zwar zu bezweifeln, nicht zu bezweifeln ist allerdings die Tatsache, dass sehr viele wahlmündige Bürger das Gefühl haben, ihre Stimme ändere ja sowieso nichts, warum also solle man sich die Mühe machen zu wählen. Auch denken nicht wenige, dass \"die Politiker\" ja sowieso alle gleich seien und außerdem korrupt und überhaupt von den Problemen der Menschen hier meilenweit entfernt.

All das ist nicht wirklich falsch, nicht umsonst gibt es den schönen Spruch \"Wenn Wahlen wirklich etwas verändern würden, wären sie bald nicht mehr erlaubt\", aber in einem gewissen Rahmen hat es natürlich einen Einfluss auf unser Leben, wer gerade an der Regierung ist. Es macht nun mal einen Unterschied, ob eine konservative Regierung an der Macht ist oder eine eher fortschrittliche. Mir ist selbstverständlich klar, dass jede Regierung eingebunden ist in internationale Verträge, in den enger werdenden europäischen Rahmen, dass sie nicht losgelöst von der Weltwirtschaft agieren kann und dass überhaupt die Wirtschaft einen wesentlich größeren Einfluss auf uns hat als die Politik; dennoch: es gibt einen Spielrahmen, innerhalb dessen Politik gestaltet werden kann. Es macht für Frauen nun mal einen Unterschied, ob sie in einem Land leben - wie etwa in Frankreich - wo es selbstverständlich gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Berufstätige gibt oder in einem anderen Land - wie Bayern beispielsweise - in dem es immer noch als moralisches Manko angesehen wird, wenn Mütter arbeiten gehen.
Ein anderes wichtiges Argument dafür, sich an der Wahl zu beteiligen ist für mich auch die Tatsache, dass viele unserer demokratischen VorkämpferInnen für unser heutiges Wahlrecht mit Mühen und vielen Widerständen gestritten haben; dieses Recht ist unseren Vorfahren wahrlich nicht in den Schoß gefallen. Wie viele Länder in der Welt können heute noch nur davon träumen, ähnliche demokratische Einflussmöglichkeiten auf die Politik zu haben wie wir? Wie lange mussten beispielsweise die Schwarzen in Südafrika mit dem Slogan \"one man, one vote\" für ein paritätisches Wahlrecht kämpfen, bis es endlich geklappt hat? Und wie kurze Zeit ist es erst her, dass hier in Deutschland das Frauenwahlrecht durchgesetzt wurde? Ganz zu schweigen von der Zeit vor 50 Jahren, als die Menschen nicht nur nicht wählen durften, sondern gar nicht mehr ihren Mund aufmachen? Auch die Länder, in denen bis vor einer Dekade zwar gewählt werden durfte, es aber keine Alternativen gab (außer ein paar \"Blockflöten\") möchte ich nicht unerwähnt lassen.
Wir sollten dieses hohe Gut des Wahlrechts (o.k., hier werde ich etwas pathetisch, aber ich empfinde das Wahlrecht tatsächlich als ein hohes Gut) nicht mit einem \"ach, ich kann ja doch nichts ändern\" abtun.
Also, Leute, nehmt Euch Euer gutes Recht und beteiligt Euch an der morgigen Bundestagswahl!

2. Was denn wählen?
Keiner wird von mir erwarten, dass ich hier etwas \"objektives\" schreibe, außer vielleicht \"wählt bitte nur eine demokratische Partei\", aber das ist wahrscheinlich - abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen (gibt es hier Anhänger der NPD, DVU oder der Schillpartei??).
Meine Empfehlung:
Wählt \"Rot -Grün\"!!!
Ich denke, es gibt eine ganze Menge zu meckern an unserer derzeitigen Regierung, wenn ich mal anfangen würde, könnte ich so schnell nicht wieder aufhören, aber ich hoffe, die Jahre vorher unter Kohl sind auch noch nicht vergessen, und die Tatsache, wie viel es da erst zu meckern gab.
Für mich gibt es einige wenige, aber sehr wichtige Gründe, warum ich diese Regierung noch eine Zeitlang weiter haben möchte:

- der Ausstieg aus dem Atomprogramm (viel zu langsam und inkonsequent, aber immerhin, es ist ein Ausstieg aus einem der größten Fehler, der in der jüngeren Geschichte überhaupt je gemacht wurde)
- die Ökosteuer (ich weiß, sie wird immerzu kritisiert und auch sie ist inkonsequent begonnen worden, aber der Grundgedanke ist einfach richtig. Wenn ich an dieser Steuer etwas bemangele, dann nicht dass es sie gibt, sondern dass die Gelder nicht durchwegs für ökologische Zwecke verwendet werden, aber auch die Verwendung für Steuern ist immer noch besser, als sie wieder ganz abzuschaffen)
- die Wende in der Landwirtschaft -und Verbraucherpolitik (das wurde höchste Zeit, dass dieser chemieorientierten Bayernlobby mal etwas entgegengesetzt wird)
- die größere Wichtigkeit, die Umweltproblemen eingeräumt wird
- die fortschrittlichere Definition von Familie ( Familie ist da, wo Kinder sind…)
- die Einführung der \"Homoehe\", ein Beginn hin in Richtung auf mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft
- das neue Staatsbürgerschaftsrecht, das trotz seiner vielen Mängel immerhin mit dem Grundprinzip des Blutrechts aufgeräumt hat
- das Einwanderungsgesetz, das ebenfalls schrecklich viele Mängel hat, aber dennoch in eine richtige Richtung geht, nämlich in die einer Gesellschaft, in der nicht mehr so getan wird, als ob Deutschland kein Einwanderungsland sei.
- Frauen: da muss ich besonders die Grünen loben, denn bei ihnen wird Frauen ein (fast) gleichberechtigter Platz in der Politik zugewiesen (den sie zwar immer mal wieder kämpferisch behaupten müssen, das aber auch schaffen). Ein Fall wie der der jungen CDU Frau, die erst heiraten muss, bevor sie kandidieren darf (ihr Name ist mir entfallen, aber ihr habt das sicher in der Zeitung gelesen) käme weder bei SPD noch den Grünen vor.
- Als letzter und überzeugendster \"g\" Grund: Stoiber und die CDU\"!
- Wer allen Ernstes glaubt, dass Stoiber irgendwie mehr zur Mitte (wo immer die auch sei) gerutscht ist, dem kann ich nur sagen: dieser Mann hat so viel Kreide gefressen, dass er seine eigene Stimme nicht mehr erkennt\" (diesen schönen Satz hab ich zwar im Radio gehört, aber er gefällt mir so, dass ich ihn mir einfach aneigne)…
Die CSU /CDUist immer noch die Partei, die Lager für Aidskranke gefordert hat (Gauweiler), die Partei, die Ausländer am liebsten nur im Urlaub in deren Heimatland sieht, die Partei, die Frauen bei den 3 K\'s (Kinder, Kirche, Küche) halten möchte, die Partei, die der Wirtschaft in den A… kriecht, die Partei, die nichts von Kündigungsschutz und Tarifrechten hält, die Partei, die weiterhin auf Atomstrom setzt, die \"freie Fahrt für freie Bürger\" statt billigen öffentlichen Verkehr fördert und die Partei, die, wenn\'s drauf ankommt, immer lieber an sozialen Ausgaben spart, als den wirtschaftlich Mächtigen mal weh zu tun.
Wieso Stoiber eigentlich denkt, er könne die Arbeitslosigkeit abschaffen, ist mir (und ihm wohl auch nicht) leider gar nicht klar, ist er ein Zauberer?

Nun, vielleicht polarisiere ich hier, aber wie gesagt, \"objektiv\" kann und soll das gar nicht sein. Es ist ja gerade interessant, was und wie die einzelnen Leute hier so denken.

Ein Wort noch zu FDP und PDS (den anderen möglichen \"dritten\" Parteien)
FDP: ich sag nur: Möllemann muss weg ! (auch sonst halte ich wenig bis nichts von dieser profillosen Reiche-Leute -Partei, aber Möllemann führt die FDP zurück in eine rechtsliberale Richtung, die sie schon mal hatte; das muss nicht sein)
PDS: auch wenn mir ihre Slogans (und einige ihrer Kandidaten) ziemlich gut gefallen, ist diese Partei immer noch durchsetzt mit alten Genossen, die noch nicht wirklich in der parlamentarischen Demokratie angekommen sind. Das mag sich mit der Zeit ändern, noch sehe ich sie aber eher als eine Ost-Protest-Partei gegen den Westen denn als ernstzunehmende linke Kraft

Deshalb mein Wahltipp:
Erststimme : Rot
Zweitstimme: Grün

In der Hoffnung, es mir nicht mit allen verdorben zu haben …

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