Weiterbildung Testbericht

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Erfahrungsbericht von danih14

Abi neben der Arbeit. Geht das ?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich würde sagen, ja!

Von 1999 bis 2001 bin ich 4mal die Woche nach der Arbeit 5 bis 6 Stunden in die Volkshochschule gegangen, um mein Abitur nachzuholen.

Das Abitur an der Volkshochschule wird überall mit unterschiedlichen Abläufen angeboten.
In diesem Text berichte ich von dem Abitur an der Volkshochschule Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen.

Es wurden zwei Arten von Abitur angeboten. Entweder ein allgemeines Fachabitur und ein "richtiges" Abitur. Das Fachabitur hatte man nach zwei Jahren in der Tasche und das „richtige“ Abitur, wie üblich, nach drei Jahren.
Ich persönlich habe mich für das Fachabitur entschieden. Da es sich bei dem Fachabitur um kein berufsbezogenes Abitur handelt, ist es damit möglich jede Fachchochschule Berlins und Brandenburgs zu besuchen.
Und da es meine Absicht war, die Fachhochschule in Wildau (Brandenburg) zu besuchen, wollte ich keine Zeit verlieren und verliess die VHS nach zwei Jahren mit einem Fachabitur in der Tasche.

Der Unterricht an der VHS war folgendermaßen aufgebaut.
Im ersten Jahr hatten wir von Montag bis Donnerstag zwischen 17 Uhr und 21.15 Uhr unterricht. An einem Tag hatten wir zwei Fächer in Blöcken. Der erste Block war von 17 Uhr bis 18.30 Uhr. Und der zweite Block ging von 18.45 bis 21.15 Uhr. Innerhalb der Blöcke gab es auch immer noch eine kleine Raucherpause.
Im zweiten Jahr gestaltete sich die Stundenverteilung ein wenig anders. Zweimal die Woche hatten wir von 16.15 Uhr bis 21.15 Uhr und zweimal von 17 Uhr bis 21.15 Uhr Schule. Das lag daran, dass zwei Fächer als Leistungskurse belegt werden mussten, in denen mehr Stunden gelehrt werden müssen.

Der Unterricht setzte sich aus Pflicht- und Wahlfächern zusammen. Pflichtfächer waren Deutsch, Mathe und Englisch. Als Wahlfächer wurden Geschichte oder Politik, Erdkunde oder Französisch, Physik oder Biologie angeboten.
Ich hatte mich für die Wahlfächer Geschichte, Erdkunde und Physik entschieden.
Im ersten Jahr hatten wir diese 5 Fächer jeweils 3 Stunden in der Woche.

Im zweiten Jahr musste man zwei Fächer als Leistungskurse wählen. Das wichtige war, dass ein Naturwissenschaftliches Fach und ein Sprachen-Fach als Leistungskurs gewählt werden musste. Die Leistungskurse wurden dann mit jeweils 5 Stunden die Woche gelehrt.
Da die Anzahl der Lehrer begrenzt war, hatten wir die Wahl zwischen Deutsch, Englisch, Biologie und Physik als Leistungskurse. Da Englisch mein bestes Fach war, fiel mir die Wahl des Sprachen-Fachs nicht schwer. Als zweites Fach blieb leider nur noch Physik übrig. Ich hatte ja kein Biologie gewählt. Der zweite Leistungskurs war für mich nicht sehr vorteilhaft, da Physik mit Abstand mein schlechtetes Fach war. Aber es ging ja nicht anders.

Um nach zwei Jahren das Fachabitur zu erhalten, war es nicht notwendig Abschlussprüfungen zu schreiben. Es wurden lediglich die Noten des 3. und 4.Semsters zusammengezogen. Und da bis 4 bestanden ist, hat eigentlich jeder von uns das Fachabitur geschafft.
Man hatte aber auch die Möglichkeit das dritte Jahr zu machen, um das Abitur zu erreichen. In diesem Fall war es erforderlich, wie an Tagesschulen notwendig, Abschlussprüfungen abzulegen.

Als letztes will ich noch über die Klassenstärke berichten.
Als ich 1999 die Abendschule begann, waren über 30 Schüler in einer Klasse. Aber fast wöchentlich verringerte sich diese Zahl. Am schlimmmsten war es immer nach Ferien.
Das Fachabitur, nach zwei Jahren, haben von den ursprünglichen 30 Mann ca.10 Mann erhalten.
Ins „richtige“ Abi sind nur 5 Leute gegangen. Aber diese 5 Mann haben die Abendschule bis zum bitteren Ende durchgehalten. Leider kann ich noch nicht sagen, ob diese 5 Mann ihr Abi bestanden haben, da die Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststehen.
Der Altersdurchschnitt der Schüler lag bei etwa 25 Jahren.

Meine persönliche Meinung zu dieser zweijährigen Erfahrung ist gespalten.
Einerseits ist es sehr Vorteilhaft das Abitur neben dem Beruf zu erlangen.
Andererseits ist es ein hartes Stück Arbeit.
Es war nicht selten der Fall, dass ich im Unterricht eingeschlafen bin. Ich hatte ja schliesslich bereits eine 8-Stunden-Schicht hinter mir. Jedoch haben unsere Lehrer darauf viel Rücksicht genommen. Wir wurden alle wie Erwachsene behandelt, die einen harten Tag hinter sich hatten.
Trotzdem konnte man nicht sagen, dass man dieses Abi einfach so geschenkt bekommt.
Ohne lernen geht es natürlich nicht. Und es wird viel Ausdauer abverlangt.
Aber im nachhinein kann man stolz sein, so etwas nebenbei erreicht zu haben und noch ein bisschen seinen Bildungsstand aufgebessert zu haben. Und das ohne großen finanziellen Aufwand. Den das Abitur ist zweiter Bildungsweg. Und der ist staatlich gefördert und muss nicht bezahlt werden.

Empfehlen kann ich diese Art von Abitur jedoch nur Menschen, die weitermachen wollen, d. h. studieren wollen.
Wer es sich einfach nur noch einmal beweisen will, der sollte einen gewöhnlichen VHS-Abendschulkurs besuchen und nicht den Abikurs.

Ich kann nur hoffen, durch meine geschilderten Erfahrungen, einige von euch angespornt zu haben, auch diesen Weg einzuschlagen.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Knolle5

    26.11.2002, 21:57 Uhr von Knolle5
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super, dass du es trotzdem durchgehalten hast. Ich hab gehört, dass (Fach-)Abi auf diesem Weg schwerer sein soll, als über normalen Weg, sprich Gymnasium. Liegt wohl auch daran, dass man vorher 8 Stunden gearbeitet hat.