Sexy Beast (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von T-Shirt

Ben Kingsley - sonst nix

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wie wird aus einem sanftmütigen Kämpfer für den gewaltfreien Widerstand ein cholerischer, zur Brutalität neigenden Psychopath? Ben Kingsley, der vor allem durch seine Rolle als Mahatma Ghandi bekannt wurde, durchlebt diese Entwicklung, indem er in ”Sexy Beast” zur Unterweltgröße Don Logan mutiert. Vor allem seine Auftritte sind es, die diesen ansonsten äußerst mäßigen Streifen über den Durchschnitt heben.

Don Logan ist von London aus auf dem Weg nach Spanien, wo der alternde Gauner Gal (Ray Winstone) gemeinsam mit seiner Frau Deedee (Amanda Redman) den Ruhestand genießt und sich auf einer kleinen Finca die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Don reist im Auftrag des Unterwelt-Königs Teddy, der einen großen Coup plant und seine Mannschaft unbedingt mit Gal verstärken will - aber dieser hat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und will das Angebot auf keinen Fall annehmen. Doch das Angebot ist kein Angebot, sondern eher ein Befehl: Don Logan akzeptiert kein Nein. Und so entwicklet sich unter der spanischen Sonne ein Zweikampf, den Don sowohl mit psychischem Druck als auch mit roher Gewalt zu gewinnen versucht ...

Was wie ein klassischer Krimi klingt, ist eher eine Krimikomödie geworden. Das liegt sicherlich auch an der etwas trottligen Figur des Unterwelt-Pensionärs Gal. Vor allem verdankt der Film seine komödiantischen Highlights aber der Art und Weise, wie Ben Kingsley seinen Don Logan zum Leben erweckt.

Auf der einen Seite wirkt die Figur ausgesprochen bedrohlich und diabolisch, aber auf der anderen Seite verleitet sie auch ständig zum Lachen, weil Ben Kingsley die Rolle so wunderbar übertrieben spielt und die Figur auch teilweise wie ihre eigene Parodie angelegt ist: Mit seinen zickig-kurzen Sätzen, seinem stets drohenden Unterton und der Art und Weise, wie er zeitweise jedem seiner Worte mit vollem Körpereinsatz Gewicht verleiht, walzt Don mit irrwitziger Angriffslust durch Gals ruhiges Rentner-Dasein, und es ist eine Wucht mit wieviel Spielfreude und mit welcher großer Präsenz Ben Kingsley in dieser Rolle brilliert.

Außer Ben Kingsley hat der Film aber leider nur wenig zu bieten. Die Geschichte ist ausgesprochen klassisch und hält kaum Überraschungen bereit. Zudem sind die übrigen Figuren dermaßen blass gezeichnet, dass man sich wenig bis gar nicht für ihr Schicksal interessiert. Was den Film trotz seiner unterdurchschnittlichen Handlung auf Durchschnittsniveau hebt, sind die Fähigkeiten, die sich Jonathan Glazer, der ”Sexy Beast” inszeniert hat, bei seiner Arbeit als Videoclip-Regisseur angeeignet hat. Mit einem guten Gespür für
Lichteffekte, ein paar aufregenden Kamerafahrten, und einigen ebenso rasanten wie originellen Schnitten bekommt der Film, der sich außerhalb der Kingsley-Auftritte eher lahm dahinschleppt, wenigstens
etwas Fahrt.

Grundsätzlich kann man dem Film daher durchaus noch die Note vier verleihen. Da Ben Kingsley den Streifen aber dermaßen stark prägt und für seine schauspielerische Leistung eine Eins plus verdient hat, kann man ”Sexy Beast” insgesamt doch noch guten Gewissens mit Note drei bewerten. Aber vorsicht: Wer Probleme mit Ben Kingsley hat, sollte von diesem Film auf jeden Fall seine Finger lassen.

12 Bewertungen