Erfahrungsbericht von winterspiegel
Seelenverwandtschaft
Pro:
Bill Murray, die melancholische Atmosphäre, das pulsierende Tokio, der amüsante Humor
Kontra:
Handlung auf Sparflamme, DVD-Extras nicht gerade berauschend
Empfehlung:
Ja
Was ist denn schon so interessant daran, wenn sich ein etwas reiferer Herr und eine junge Frau fern der Heimat gemeinsam zu Tode langweilen -, sich langsam näher kommen, und sich dennoch keine sexuelle Beziehung anbahnt?
Ähnliches könnte einem durchaus durch den Kopf gehen, wenn man sich die Oscarprämierte Handlung von Sofia Coppola (Drehbuch) einmal vergegenwärtigt, die im Grunde ja nicht viel mehr als pure Eintönigkeit wiederzugeben scheint.
Oder ist an diesem Film möglicherweise dann doch mehr dran, als es eine oberflächliche Betrachtung zweifellos wiederzugeben scheint?
Handlung
Die alternde Actionfilmikone Bob Harris (Bill Murray) Kommt für ein paar Tage für Werbeaufnahmen nach Tokio. Vom Jetlag ausgezehrt kann er über die japanische Metropole nur staunen, die sich ihm grell und bunt und fremdartig präsentiert.
Nachdem er die Werbeaufnahmen hinter sich gebracht hat, die so ganz anders verlaufen, als dass er das von westlicher Arbeitsweise gewöhnt ist, langweilt er sich abends an der luxuriösen Bar seines Hotels. Von der Nachricht die ihn dann erreicht: er solle noch ein paar weitere Tage in Tokio verbringen, um Gast in einer bekannten Talkshow zu sein, ist Bob dann auch alles andere als begeistert.
Auch die knapp über 20-jährige Charlotte (Scarlett Johansson), die sich mit ihrem Mann im selben Hotel einquartiert hat, fühlt sich nicht gerade wohl in dieser fremdländischen Umgebung. Charlottes Gatte ist nämlich Fotograf, und auf Grund dessen ständig von einem Schooting zum nächsten unterwegs.
So freut sich die junge Frau, dass sie Bob an der Bar in ein Gespräch verwickeln kann, das ihr sehr schnell zeigt, dass sie trotz des Altersunterschieds auf derselben Wellenlänge liegen. Gemeinsam raufen sie sich zusammen, reden sich gegenseitig ihre Ängste und Sorgen von der Seele, und beginnen langsam dieser für sie so merkwürdigen Stadt und ihren nicht minder merkwürdigen Bewohnern, auch ihre guten Seiten abzugewinnen.
Kritik
Viel mehr gibt es an Inhalt eigentlich nicht zu vermelden. Was ist es also, das diesen Streifen ausmacht, dass ihn als selten gewordener Diamant am Firmament von schnell konsumierten, und dann auch schon wieder vergessenen Vertretern seiner Gattung heraushebt. Ist es die spielerisch leichte Art, unter deren Zuhilfenahme die Tochter von Filmmogul Francis Ford Coppola den Zuschauer in eine entfernte Kultur entführt. Sind es die größtenteils undokumentiert bleibenden, auf eine bestimmte Weise magischen Filmbilder, die der Zuschauer auf sich wirken lassen kann – sich in ihnen gar verliert. Sind es die beiden vorzüglichen Hauptdarsteller, bei denen vor allem Bill Murray, nachdem er zuletzt in eher kleineren Nebenrollen auftrat, wieder mal voll und ganz überzeugen kann. Oder ist es womöglich die auf den Punkt gebrachte Filmmusik, die alles zu einer stimmigen Gesamtkomposition vereint.
Vielleicht liegt es ja aber auch nur am gelungenen Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile, die sich passgerecht Stück für Stück zusammenfügen, obwohl die im Grunde eigentlich recht unvereinbar scheinen.
Der Film nimmt einen bei der Hand und zeigt eine fremdartige, beinahe trostlose Umgebung, die sich ebenso auf einem fernen Planeten befinden könnte. Der Humor ist begleitet von einer gewissen Ernsthaftigkeit und einer Melancholie, bei dem einem ein herzhaftes Lachen nicht so recht über die Lippen kommen will. Das zeigt sich z.B. gleich am Anfang, als Bob ziemlich desillusioniert mit dem für ihn viel zu niedrig eingestellten Duschbrausekopf hadert, oder mit den Verständigungsparadoxen – selbst mit Dolmetscher – ein ums andere Mal zu kämpfen hat. Gegen später ist ein zartes aufblühen und ein Ablegen dieser Gedrücktheit dann immer mehr spürbar, wenn der alte Filmhaudegen mit seiner neuen Freundin durch das bizarre Nachtleben von Tokio streift, und sie sich immer enger zueinander hingezogen fühlen – allerdings ohne jegliche sexuelle Komponente.
Es ist eher eine einfühlsame Vater-Tochter Beziehung, die – wenn am Schluss die unvermeidliche Trennung (mit einiger Interpretation) ansteht - den Gefühlen im besten Liebesschnulzensinne freien Lauf lässt, ohne allerdings nur einen Moment tatsächlich schnulzig oder gar profan zu wirken.
Der Streifen ist ein absoluter Glücksfall für Bill Murray -, oder - wenn man es denn will - auch andersherum. Das bleibt sich im Grunde gleich. Jedenfalls könnte ich mir in dieser Rolle kaum jemanden anderen, als den ehemaligen „Ghostbuster“ vorstellen, der mit seinem Charme, seinem unterkühlten Humor und seinem unterschwelligen Sarkasmus, eine so große Bandbreite an Emotionen auch ohne viel Worte offen legt. Aber auch wenn er seine unbestreitbaren Sagenskünste ins Karaokemikrofon krächzt, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft, kann er dem Film jederzeit seinen markanten Stempel aufdrücken.
Ebenfalls dem Jungtalent Scarlett Johansson muss eine gewisse schauspielerische Befähigung attestiert werden, auch wenn die die meiste Zeit vornehmlich traurig dreinzuschauen hat. Das macht sie dann allerdings auf – zugegeben - besonders süße Art und Weise.
Nichtsdestotrotz werden sich an diesem Film sicher die Geister scheiden. Manch einem, der sich nicht von dieser stimmungsvollen Atmosphäre inspirieren lassen will, wird diesem eher handlungsarmen Streifen wohl nicht sehr viel abgewinnen können. Lässt man sich aber erst mal auf ihn ein, zeigt er gewissermaßen mannigfaltige Fassetten des Lebens komprimiert in sich vereint. Die Traurigen, die Fröhlichen, die Schmerzvollen, die Hoffnungsvollen – eben zumindest eine weitreichende Palette des Daseins. Und er zeigt vielleicht auch, dass es immer jemanden auf dieser Welt gibt, egal wo wir sind, und egal wie einsam wir uns auch fühlen. Jemandem mit dem wir eine gewisse, eine unbegreifliche Seelenverwandtschaft teilen. Etwas das uns dann doch von Zeit zu Zeit neuen Mut und neues Vertrauen, auch in manch dunklen Momenten geben sollte.
Anmerkung zur DVD
Die Silberscheibe hat leider nur ein 1.85:1 Bildformat, das nicht so ganz überzeugen kann, als es ein Cinemascope-Format getan hätte. Ansonsten ist das Bild aber alles in allem in Ordnung. Der Ton ist eher zurückhaltend und dialoglastig, bringt aber die stimmungsvolle Musik noch sehr überzeugend rüber.
Die Extras sind auch nicht ganz optimal. Schon allein deswegen, da an einem Filmbegleitenden Kommentar bedauerlicherweise gespart wurde.
Die beste Zusatzausstattung auf der Scheibe ist zweifelsohne das Making of, das im Stil eines Produktionstagebuchs erstellt wurde. Hier kann man sehr anschaulich den Anlauf der Dreharbeiten mitverfolgen. Des Weiteren gibt es noch aufschlussreiche Interviews mit den Machern und den Darstellern; gelöschte Szenen (um die es tatsächlich nicht schade war); das Musik-Video „City Girl“, und die erweiterte Version der chaotischen Talk-Show „Matthews’ Best Hit TV“.
Alle Extras wurden mit deutschem Text unterlegt.
Fazit
Schwer ist es, dieses mehrfach ausgezeichnete cineastische Kleinod jemandem Außenstehenden nahe zu bringen. Faszinierende Momentaufnahmen einer verrückten Großstadt; ein brillant aufgelegter Bill Murray und ein Musicscore, der sich mit den Leinwandbildern auf geradezu magische Weise zu verschmelzen scheint, geben sich hier ein Stelldichein. Es ist in Grunde eine zarte Liebesromanze, bestehend aus reiner platonischer Zuneigung. Oder vielleicht noch besser: eine Vater-Tochter Beziehung ohne deren wirklichen Blutsbande, die einen vereinnahmt und sicherlich alles andere als kalt lässt. Oder aber einfach nur eine jener seltenen traurig-schönen Geschichten, die einen Träumen lassen - auch noch weit über das (offene) Ende hinaus.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
Ähnliches könnte einem durchaus durch den Kopf gehen, wenn man sich die Oscarprämierte Handlung von Sofia Coppola (Drehbuch) einmal vergegenwärtigt, die im Grunde ja nicht viel mehr als pure Eintönigkeit wiederzugeben scheint.
Oder ist an diesem Film möglicherweise dann doch mehr dran, als es eine oberflächliche Betrachtung zweifellos wiederzugeben scheint?
Handlung
Die alternde Actionfilmikone Bob Harris (Bill Murray) Kommt für ein paar Tage für Werbeaufnahmen nach Tokio. Vom Jetlag ausgezehrt kann er über die japanische Metropole nur staunen, die sich ihm grell und bunt und fremdartig präsentiert.
Nachdem er die Werbeaufnahmen hinter sich gebracht hat, die so ganz anders verlaufen, als dass er das von westlicher Arbeitsweise gewöhnt ist, langweilt er sich abends an der luxuriösen Bar seines Hotels. Von der Nachricht die ihn dann erreicht: er solle noch ein paar weitere Tage in Tokio verbringen, um Gast in einer bekannten Talkshow zu sein, ist Bob dann auch alles andere als begeistert.
Auch die knapp über 20-jährige Charlotte (Scarlett Johansson), die sich mit ihrem Mann im selben Hotel einquartiert hat, fühlt sich nicht gerade wohl in dieser fremdländischen Umgebung. Charlottes Gatte ist nämlich Fotograf, und auf Grund dessen ständig von einem Schooting zum nächsten unterwegs.
So freut sich die junge Frau, dass sie Bob an der Bar in ein Gespräch verwickeln kann, das ihr sehr schnell zeigt, dass sie trotz des Altersunterschieds auf derselben Wellenlänge liegen. Gemeinsam raufen sie sich zusammen, reden sich gegenseitig ihre Ängste und Sorgen von der Seele, und beginnen langsam dieser für sie so merkwürdigen Stadt und ihren nicht minder merkwürdigen Bewohnern, auch ihre guten Seiten abzugewinnen.
Kritik
Viel mehr gibt es an Inhalt eigentlich nicht zu vermelden. Was ist es also, das diesen Streifen ausmacht, dass ihn als selten gewordener Diamant am Firmament von schnell konsumierten, und dann auch schon wieder vergessenen Vertretern seiner Gattung heraushebt. Ist es die spielerisch leichte Art, unter deren Zuhilfenahme die Tochter von Filmmogul Francis Ford Coppola den Zuschauer in eine entfernte Kultur entführt. Sind es die größtenteils undokumentiert bleibenden, auf eine bestimmte Weise magischen Filmbilder, die der Zuschauer auf sich wirken lassen kann – sich in ihnen gar verliert. Sind es die beiden vorzüglichen Hauptdarsteller, bei denen vor allem Bill Murray, nachdem er zuletzt in eher kleineren Nebenrollen auftrat, wieder mal voll und ganz überzeugen kann. Oder ist es womöglich die auf den Punkt gebrachte Filmmusik, die alles zu einer stimmigen Gesamtkomposition vereint.
Vielleicht liegt es ja aber auch nur am gelungenen Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile, die sich passgerecht Stück für Stück zusammenfügen, obwohl die im Grunde eigentlich recht unvereinbar scheinen.
Der Film nimmt einen bei der Hand und zeigt eine fremdartige, beinahe trostlose Umgebung, die sich ebenso auf einem fernen Planeten befinden könnte. Der Humor ist begleitet von einer gewissen Ernsthaftigkeit und einer Melancholie, bei dem einem ein herzhaftes Lachen nicht so recht über die Lippen kommen will. Das zeigt sich z.B. gleich am Anfang, als Bob ziemlich desillusioniert mit dem für ihn viel zu niedrig eingestellten Duschbrausekopf hadert, oder mit den Verständigungsparadoxen – selbst mit Dolmetscher – ein ums andere Mal zu kämpfen hat. Gegen später ist ein zartes aufblühen und ein Ablegen dieser Gedrücktheit dann immer mehr spürbar, wenn der alte Filmhaudegen mit seiner neuen Freundin durch das bizarre Nachtleben von Tokio streift, und sie sich immer enger zueinander hingezogen fühlen – allerdings ohne jegliche sexuelle Komponente.
Es ist eher eine einfühlsame Vater-Tochter Beziehung, die – wenn am Schluss die unvermeidliche Trennung (mit einiger Interpretation) ansteht - den Gefühlen im besten Liebesschnulzensinne freien Lauf lässt, ohne allerdings nur einen Moment tatsächlich schnulzig oder gar profan zu wirken.
Der Streifen ist ein absoluter Glücksfall für Bill Murray -, oder - wenn man es denn will - auch andersherum. Das bleibt sich im Grunde gleich. Jedenfalls könnte ich mir in dieser Rolle kaum jemanden anderen, als den ehemaligen „Ghostbuster“ vorstellen, der mit seinem Charme, seinem unterkühlten Humor und seinem unterschwelligen Sarkasmus, eine so große Bandbreite an Emotionen auch ohne viel Worte offen legt. Aber auch wenn er seine unbestreitbaren Sagenskünste ins Karaokemikrofon krächzt, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft, kann er dem Film jederzeit seinen markanten Stempel aufdrücken.
Ebenfalls dem Jungtalent Scarlett Johansson muss eine gewisse schauspielerische Befähigung attestiert werden, auch wenn die die meiste Zeit vornehmlich traurig dreinzuschauen hat. Das macht sie dann allerdings auf – zugegeben - besonders süße Art und Weise.
Nichtsdestotrotz werden sich an diesem Film sicher die Geister scheiden. Manch einem, der sich nicht von dieser stimmungsvollen Atmosphäre inspirieren lassen will, wird diesem eher handlungsarmen Streifen wohl nicht sehr viel abgewinnen können. Lässt man sich aber erst mal auf ihn ein, zeigt er gewissermaßen mannigfaltige Fassetten des Lebens komprimiert in sich vereint. Die Traurigen, die Fröhlichen, die Schmerzvollen, die Hoffnungsvollen – eben zumindest eine weitreichende Palette des Daseins. Und er zeigt vielleicht auch, dass es immer jemanden auf dieser Welt gibt, egal wo wir sind, und egal wie einsam wir uns auch fühlen. Jemandem mit dem wir eine gewisse, eine unbegreifliche Seelenverwandtschaft teilen. Etwas das uns dann doch von Zeit zu Zeit neuen Mut und neues Vertrauen, auch in manch dunklen Momenten geben sollte.
Anmerkung zur DVD
Die Silberscheibe hat leider nur ein 1.85:1 Bildformat, das nicht so ganz überzeugen kann, als es ein Cinemascope-Format getan hätte. Ansonsten ist das Bild aber alles in allem in Ordnung. Der Ton ist eher zurückhaltend und dialoglastig, bringt aber die stimmungsvolle Musik noch sehr überzeugend rüber.
Die Extras sind auch nicht ganz optimal. Schon allein deswegen, da an einem Filmbegleitenden Kommentar bedauerlicherweise gespart wurde.
Die beste Zusatzausstattung auf der Scheibe ist zweifelsohne das Making of, das im Stil eines Produktionstagebuchs erstellt wurde. Hier kann man sehr anschaulich den Anlauf der Dreharbeiten mitverfolgen. Des Weiteren gibt es noch aufschlussreiche Interviews mit den Machern und den Darstellern; gelöschte Szenen (um die es tatsächlich nicht schade war); das Musik-Video „City Girl“, und die erweiterte Version der chaotischen Talk-Show „Matthews’ Best Hit TV“.
Alle Extras wurden mit deutschem Text unterlegt.
Fazit
Schwer ist es, dieses mehrfach ausgezeichnete cineastische Kleinod jemandem Außenstehenden nahe zu bringen. Faszinierende Momentaufnahmen einer verrückten Großstadt; ein brillant aufgelegter Bill Murray und ein Musicscore, der sich mit den Leinwandbildern auf geradezu magische Weise zu verschmelzen scheint, geben sich hier ein Stelldichein. Es ist in Grunde eine zarte Liebesromanze, bestehend aus reiner platonischer Zuneigung. Oder vielleicht noch besser: eine Vater-Tochter Beziehung ohne deren wirklichen Blutsbande, die einen vereinnahmt und sicherlich alles andere als kalt lässt. Oder aber einfach nur eine jener seltenen traurig-schönen Geschichten, die einen Träumen lassen - auch noch weit über das (offene) Ende hinaus.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
32 Bewertungen, 1 Kommentar
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12.11.2004, 17:37 Uhr von trampastheo
Bewertung: sehr hilfreichHilfe - der schlimmste Film des Jahres:)




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