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Erfahrungsbericht von comix1975

Eigeninitative zu gering????

Pro:

---

Kontra:

Eigeninitative wird doch eh nicht honeriert!!

Empfehlung:

Nein

Ich möchte mich heute mal zu einem Thema äußern, denn heute jeden betreffen kann:
Eigeninitative bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und Zahlung von Arbeitslosengeldern bei Jugendlichen unter 30 Jahren.

Um was es mir geht, sollte ich vielleicht einmal anfangen bei der Vorgeschichte die mich bewegt hat diesen Beitrag zu schreiben:
Am Anfang des Monats, genauer am 4. Februar äußert sich der Präsident der Deutschen Industrie und Handelskammer Ludwig Georg Braun auf einer Veranstaltung der Wirtschaft zum Thema Jugendarbeitslosigkeit geäußert. Er meinte um unseren Standort Deutschland wettbewerbsfähig zu halten müsse man die Struktur und Wirtschaftlichkeit des Standort Deutschland verbessern.
Diese mache vor allem eine Reform der Arbeitsmarktpolitik notwendig.
Er sagte auch in seiner Rede daß es nötig wäre die Arbeitslosenzahlung an Jugendliche die jünger als 30 Jahre sind, stark zu kürzen von 12 Monaten auf 6 Wochen. Desweiteren forderte er dass Jugendliche jegliche zumutbare Arbeit annehmen sollen im Zuge der Reform.

Diese Aussage bewegte mich so stark, daß ich mich umgehend daran setzte eine Brief aufzusetzen an den werten Herr Braun. Denn es würde mich in naher Zukunft auch betreffen, denn ich absolviere zur Zeit eine Ausbildung als Mediengestalter für Digital- und Printmedien.
Ich befinde mich zur Zeit im 3.Lehrjahr und bin kurz vor der Abschlußprüfung. Da ich in den neuen Bundesländern, genauer in Sachsen wohne, sehe ich meine Zukunft nicht gerade als rosig an. Denn auch in meinem Berufsstand sieht es zur Zeit nicht gerade rosig aus.

In meinem Brief forderte ich den DIHK-Präsidenten um eine Stellungnahme zu seinen Ansichten und Inhalten seiner Rede.

Hier möchte ich euch die wichtigste Passage liefern, die als Antwort gestern in meinem Postfach sich befand. Geantwortet hatte mir ein Mitarbeiter des Hauses, der Leiter des Referates Arbeitsmarktes. Anschließend an diesen Auszug werde ich meine Kommentare dazu abgeben:

"Hinsichtlich des Reformbedarfs am Arbeitsmarkt ist der DIHK der Ansicht, daß die Zumutbarkeitskriterien bei der Aufnahme von Arbeit verschärft werden müssen. Das gilt insbesondere für jüngere Arbeitslose, bei denen eine höhere Mobilität als bislang selbstverständlich werden muß. Schon nach wenigen Wochen müßten jüngere Arbeitslose jede angebotene Beschäftigung oder Qualifizierungsmaßnahme annehmen. Wer ein solches Angebot ausschlägt, dessen Anspruch auf Transferleistungen sollte zunächst gekürzt werden. Bei wiederholten Ablehnungen müßten die Ansprüche ganz entfallen. Niedrigere Einkommen sollten aber gleichzeitig mit Transferleistungen aufgestockt werden........Wem keine Tätigkeit offen steht, der soll weiterhin Anspruch auf Arbeitslosengeld behalten. Insgesamt aber müssen die
Zumutbarkeits- und Sperrzeitenregeln im Sinne des "Förderns und Forderns" konsequenter formuliert und angewandt werden. .....Arbeitslose müssen selbst den Nachweis erbringen, dass sie mit Nachdruck und Eigeninitiative eine Beschäftigung suchen. "

Ich frage mich wie sich der Herr Braun eine höhere Mobilität vorstellt, denn ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen eine Arbeit anzunehmen in einer weiter entfernten Stadt. Womit ich nicht sagen will dass ich mir nicht vorstellen könnte nach meiner Lehre aus meiner Heimatstadt wegzugehen. Mobilität ist ja heute schon gefragt.
Aber so einfach ist das ja nun auch nicht. Denn als erstes hab ich hier eine Wohnung, die möchte ja auch erst einmal aufgelöst werden und außerdem braucht man dazu erst einmal Geld um sich eine Umzug leisten zu können. es gibt zwar vom Arbeitsamt eine finanziellen Vorschuß, sogenannte Umzugskostenhilfe, diese ist aber zurück zu zahlen. Dieses ist aber meines Erachtens noch nicht daß Hauptproblem, sondern dann auch noch das zeitliche Problem. Denn wie soll ich mich bitte schön um eine Unterkunft kümmern, wenn ich ein Jobangebot habe, aber keine Wohnung. Denn dieses müßte ja auch geklärt sein bevor man in eine "fremde" Stadt zieht. Denn man müßte ja dann in diese Stadt fahren und sich in mehreren Wohnung umsehen, möglichst an einem Tag und dann sich sehr fix entscheiden.
Desweiteren muß man erst einmal einen Arbeitgeber davon überzeugen können, einen Arbeitnehmer von weit herzuholen, wenn der nächste Arbeitnehmer schon um die Ecke wohnt. Denn viele Arbeitgeber schreckt es ab den Arbeitnehmer aus einem anderen Bundesland anzustellen, wenn dieser nicht sofort eine Wohnmöglichkeit hat, da diese Arbeitskraft in der Anfangszeit ganz andere Probleme hat, als sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Desweiteren stört mich an der Äußerung des Herrn Braun die Aussage, daß doch die jüngeren Arbeitnehmer zu jeder zumutbaren Beschäftigung "gezwungenen" werden sollen. Daß finde ich ein wenig hart, denn warum hab ich dann einen Beruf gelernt, wenn mich dann die Bundesanstalt für Arbeit in jede Arbeit "zwängen" kann. Soll ich mir bitte schön dann jeden Tag auf der Straße die Beine wund laufen soll und Papier aufsammeln. Nein Danke!!!...ich hab ja nichts gegen solche Arbeit aber dazu habe ich mir nicht Jahrelang den A... aufgerissen um dann eine Arbeit zu machen, wo zu nicht viel gehört. Nicht daß das jetzt falsch rüber kommt, ich habe Respekt vor diesen Leuten die diesen Job ausführen, aber einigermaßen zumutbar muß es schon sein. Denn aus Verzweiflung der Mitarbeiter des A-Amtes die nicht wohin mit meiner Arbeitskraft stecken die mich dann in dies Arbeit...NEIN Danke!!! Desweiteren besteht mir ja auf Grund der baldigen Beendigung meiner Lehre ja wahrscheinlich auch die Arbeitslosigkeit bevor, denn mein Bildungsträger kann mir keine Weiterbeschäftigung anbieten.

Viel Vertrauen in die Arbeit des Arbeitsamtes hab ich in der letzten Zeit nicht mehr, oder besser hab ich noch nie gehabt. Denn dort ist scheinbar die Kaffeetasse und die Mittagspause wichtiger als die Klienten. Hab da auf der Suche nach einer Lehrstelle bzw. während meiner Arbeitslosigkeit ganz schlechte Erfahrungen gemacht.

Zu dem Thema Eigeninitiative und Arbeitslosengeldsperre möchte ich mal ein Beispiel aus meinem Leben erzählen.
Meine Freundin hat im letzten August eine Stelle als Chefsekretärin in einer privaten Eigenheimverwaltung angenommen und nach 3 Tagen dort sich Krankschreiben lassen müssen. Denn dieser Arbeitgeber hatte nicht eine Sekretärin gesucht sondern eine billige Sklavin. Als erstes hatten diese Stelle innerhalb eines Jahres ca. 5-10 Leute, die zumeist selbst gekündigt haben oder diese Stelle gar nicht erst angetreten hatten. Denn der Chef hatte den Angestellten zwar eine Arbeitszeit von 9-18 Uhr in den Arbeitsvertrag geschrieben, doch auf Grund der anfallenden Arbeit zog sich diese meist bis spät in den Abend rein. Vor um 9 bzw. 10 war meine Freundin in den Tagen nicht zu Hause. Desweiteren bekam sie keine Einarbeitung in das Sekretariat, denn die Person die daß machen sollte hatte mehr mit privaten Dingen zu tun. Das schlimmste an der Stelle war aber der Chef, denn er stellte meine Freundin teilweise als doof hin, und hatte eine ganz miese Art drauf.
Ich muß sagen meine Freundin ist nicht schlecht in ihrem Job, denn sie hat vorher in einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet, wobei sie immer in einer Firma die Höchstzeit war und dann nur diese Firma verlassen mußte, weil dass Zeitarbeitsgesetz es so vorschreibt. Nach dieser "Aussetz"-Zeit von einem viertel Jahr wurde sie immer wieder angefordert.
Meine Freundin wurde daraufhin von ihrer Ärztin auf Grund psychischer Problem im Job krank geschrieben und nach weiteren zwei Wochen wurde auf Anraten von mir und auf ihren Wunsch der Arbeitsvertrag aufgelöst.
Nun begann der Spaß mit dem Arbeitsamt. Denn nach nur drei Tagen in der Arbeitslosigkeit wurde sie in eine Trainingsmassnahme gesteckt, die den ganzen Tag den Inhalt hatte sich mit Kommunikation und dem Bewerben zu beschäftigen. Man sollte in einem Raum unter Aufsicht in einem Bildungszentrum sitzen und im Internet surfen und Arbeitsangeboten suchen, Bewerbungen schreiben, usw. Doch nicht 20 Stunden die Woche, denn meine Freundin hatte vorher schon einiges an Bewerbungen geschrieben, und so viele Arbeitsangebote kommen an einem Tag nicht in die Job-Suchmaschinen dass man sich da 5 Stunden die Zeit "vertreiben" kann. Desweiteren sperrte sie daß Arbeitsamt für 12 Wochen vom Arbeitslosengeld, weil sie ja ihren Arbeitsvertrag aufgelöst hatte. Wir waren in der Zeit nicht untätig, denn wir hatten ca. 20 Zeitarbeitsfirmen sofort angeschrieben. Doch man bekommt ja nicht von heute auf morgen einen Job auch bei diesen Firmen, denn sie brauchen auch ihre Zeit um einen geeigneten Job zu finden. Doch dieses Initiative wird seitens des Arbeitsamtes auch nicht sonderlich beachtet. Wir mussten lange kämpfen ehe sie ihr Geld gezahlt bekam, und meine Freundin hat ohne dieses Beamtenamt eine neue Stelle gefunden, bei Randstad. Und sie ist voll zufrieden.

Als Fazit möchte ich sagen, dass sich die Bundesregierung nicht über die fehlende Initiative beschweren sollte, sondern mal schon anfangen sollte in ihrer eigenen Behörde aufzuräumen. Ein Anfang ist ja heute gemacht wurden, in dem der Chef des Arbeitsamtes Jagoda bald seines Amtes enthoben wird. Und dass die Zahlung der Arbeitslosengelder zu kürzen wenn man als junger Mensch nicht jede Arbeit annimmt, den somit wird man in einen Billigjob gezwungen, und die Firmen können immer mehr Profit machen.
Außerdem wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben als meine Heimatstadt zu verlassen, aber eins weiß ich: Nach Bayern geh ich nicht und bitte den Herr Steuber als Bundeskanzler brauchen wir auch nicht. Denn ich denke daß er nicht mehr reißt als der jetzige Bundeskanzler Schröder.

Ich hoffe ihr seit jetzt nicht zu sehr überfordert vom Lesen und könnt noch eine Meinung hinterlassen...

© Comix1975, 2002

21 Bewertungen, 2 Kommentare

  • smo2001

    23.02.2002, 20:20 Uhr von smo2001
    Bewertung: sehr hilfreich

    cool !! man liest sich!!

  • Nordrabe

    23.02.2002, 18:26 Uhr von Nordrabe
    Bewertung: sehr hilfreich

    das ist ja fies. von wegen "freie berufswahl". da siehts man mal wieder. die politiker scheissen auf das Grundgesetz und machen uns dafür verantwortlich...