Viele von Euch werden jetzt denken: "Was für eine einfallslose Überschrift." Aber - weit gefehlt! Einfach cool ist quasi die beste und treffendste Beschreibung für das von mir im folgenden vorgestellte Produkt:
Vor zwei Wochen hatten wir Richtfest. Logischerweise befindet sich in diesem Bauzustand noch kein Kühlschrank im Haus. Wie also kriegen wir unser Bier kalt? Kästen fielen also schon mal aus. Bekanntermaßen kostet bei Faßbier der Liter fast doppelt so viel wie bei Flaschenbier, dazu kommt dann noch die Miete für die Zapfanlage. Ganz schön teures Vergnügen. Aber unser Getränkehändler hatte DEN ULTIMATIVEN Tip für uns: Das Tucher CoolKeg: das erste selbstkühlende Bierfaß der Welt. Eine wirklich geniale Erfindung.
Das Produkt:
Es handelt sich um ein 20Liter-Mehrweg-Faß gefüllt mit Tucher-Pilsener. Nach Gebrauch wird das Faß receycled (es wird lt. Prospekt thermisch regeneriert?!) Das Faß sieht zwar eher aus wie ein 50Liter-Faß, aber das liegt an der Konstruktion drumherum. Zum Faß gehört logischerweise ein Zapfhahn, damit hat man schon alles, was man zu einer gelungenen Party braucht (zumindest getränkemäßig).
Es gibt übrigens nur die 20Liter-Variante, die gibt es allerdings auch als Weizenbier.
Die Kühlfunktion:
Ich habe hier einen Prospekt vor mir liegen, in dem der Querschnitt des Fäßchens dargestellt ist. Ich werde nun mein bestes tun, um Euch das in Worten wiederzugeben (zumindest so, wie ich das verstehe, diese Angabe ist natürlich völlig ohne Gewähr...):
Das Bier befindet sich in einem Metallbehälter, welcher sich wiederrum in einer "Hülle" aus Zeolith befindet (Die Definition von Zeolith habe ich auf der Seite wissen.de kopiert und unten eingefügt). Auf der Oberseite des Fasses befindet sich die Vorrichtung zur Betätigung eines Ventils, das sich oberhalb des sogenannten Verdampfers befindet. Dieser Verdampfer ist etwa halb so hoch wie das innere Faß und schätzungsweise 3cm dick und umläuft das innere Fäßchen. Zwischen dem Metallfaß und dem Zeolith herrscht nach meinem Verständnis ein Vakuum. Öffnet man das Ventil, so entströmt aus dem Verdampfer Wasserdampf, der von dem Zeolith adsorbiert wird. Das übrige Wasser gefriert zu Eis und kühlt so das Bier. Das Faß wird von außen richtig warm, was daran liegt, daß im Zeolith Wärme entsteht, die nach außen abgegeben wird (klar, innen können wir die ja auch nicht brauchen "g"). An dieser Stelle sei gesagt, ich war nie besonders gut in Physik und hab nur versucht, das wiederzugeben, was im Prospekt abgebildet ist. Ob das wirklich komplett so stimmt, kann ich nicht beurteilen...
Vorbereitung:
Etwa 30-45 Minuten vor dem Anstich legt man das Ventil an der Oberseite um, das ist schon alles. Man sollte dann ein Zischen hören, dann weiß man, daß es funktioniert hat. Nach ein paar Minuten spürt man, wie das Faß von außen warm wird. Also läuft im Inneren alles so wie es soll.
Unten am Faß befindet sich ein Loch mit einer Folie drüber. Diese muß man entfernen und anschließend den Zapfhahn mit der Hand reindrücken. Das geht wirklich recht problemlos. Und dann kann man loslegen!
Der Tucher-Geschmack:
Tucher ist sicher kein Bier, das man überall in Deutschland kennt. Ich würde den Geschmack in Richtung Bitburger einstufen, allerdings nicht ganz so herb. Auf jeden
Fall hat es mir sehr gut geschmeckt und unsere Gäste waren von dem Geschmack auch sehr angetan.
Mein Eindruck:
Zunächst einmal muß ich sagen, daß wir ein bißchen Pech hatten: wir hatten zwei Fässer geholt, und als wir das Ventil des ersten Fasses umgelegt hatten, kam nichts - kein Zischen. Also nochmal probiert und nochmal, genauer hingehört, aber nichts. Es war anscheinend kaputt. Wir haben dann das zweite Faß ausprobiert und beim Umlegen des Ventils war wirklich ein ganz deutliches Zischen zu hören und das Faß wurde auch innerhalb von ein paar Minuten wirklich warm. Gott-sei-Dank hatten wir wenig Biertrinker da, weil die meisten mit dem Auto gekommen waren. So kamen wir mit dem einen Faß aus. Aber in Zukunft würde ich mir immer ein Reservefaß holen. Unser Getränkehändler hatte das vorher noch nicht erlebt (und uns ohne Probleme das Geld zurückgegeben), von daher vermute ich, daß das nicht oft vorkommt, aber wenn doch, dann ist man natürlich gearscht.
Ansonsten war ich mit dem Teil eigentlich sehr zufrieden, das Bier schmeckt mir, wie bereits erwähnt, sehr gut; die Temperatur (lt. Prospekt 7-9°) war wirklich perfekt für ein Bier und auch der richtige Kohlensäuregehalt war nach ein paar gezapften Glas erreicht. Die ersten Gläser schmeckten ein wenig lasch, aber das gab sich wirklich schnell.
Was mir ein bißchen Probleme machte, war der Zapfhahn, oder besser gesagt, das Bedienteil, da es sich doch recht schwer drehen ließ und man dadurch nicht so genau zapfen konnte. Mal lief es zu schnell, dann wieder zu langsam. Das könnte ruhig ein bißchen leichtläufiger sein. Aber wenn sich jeder sein Bier selber zapft, wird das Handgelenk ja nicht so sehr strapaziert (kommt natürlich auf die Menge der Biere an...).
Alles in allem war ich bis auf das nicht funktionierend Faß (aber ich denke, so etwas kann immer mal passieren) von diesem Produkt recht angetan, weil es immer und überall einsetzbar ist und kinderleicht zu bedienen ist, mal abgesehen von diesem Zapfhebel. Wenn Tucher diesen noch etwas verbessert, ist das Teil perfekt.
Und was kostet der Spaß nun?
Wir haben für das Faß selber 39€ bezahlt, das entspricht also einem Literpreis von 1,95€. Etwa so teuer wie andere Fässer, aber man braucht halt nicht noch die Zapfanlage zu mieten und es ist einfach bequemer, weil man ja dadurch nichts weiter zu transportieren und aufzubauen hat. Dazu kommt noch ein Pfand von 50€. Aber so ein Faß geht ja nicht so leicht verloren, so daß man ja keine Angst haben muß, das Geld nicht wiederzubekommen. Und kaputt machen kann man es eigentlich auch nicht, es sei denn, man hat auf dem Weg zum Getränkehändler einen Unfall ;-).
Ich vergebe wegen des Hahns aber trotzdem nur eine 2.
PROST!
Auszug aus wissen.de: Zeolithe sind eine Gruppe von wasserhaltigen Alkali- bzw. Erdalkali-Aluminium-Silicaten mit wechselndem Wassergehalt. Beim Erhitzen können die Zeolithe ohne Störung des Kristallgitterbaus das gebundene Wasser abgeben und dafür andere Verbindungen oder Ionen aufnehmen. Nach den Kristallgittern teilt man die Zeolithe in Faserzeolithe (z. B. Sodalith, Natrolith, Mordenit, Thomsonit), Blätterzeolithe (Heulandit, Stilbit, Harmoton) und Würfelzeolithe (Faujasit, Gmelinit) ein. Verwendung u. a. als Molekularsiebe und Ionenaustauscher (Wasserenthärtung), zur Meerwasserentsalzung und Trocknung von Gasen und Flüssigkeiten.
Update am 11.9.2002: Ich habe mich seinerzeit auch über Vocatus.de an Tucher gewandt wg. des defekten Fäßchens. Nach einigen Rückfragen erhielt ich nun von Tucher einschreiben, in dem man mir mitteilte, daß diverse Tests gemacht wurden und der Defekt wohl auf einen Fehler beim Hersteller der Fässer zurückzuführen ist. Für den verursachten Ärger schickte man mir sogar noch ein kleines Präsent. Darüber hab ich natürlich sehr gefreut, aber ich fand es auch ganz toll, daß man die Beschwerde umgehend bearbeitete und mich quasi auf dem laufenden hielt. Das wollte ich Euch noch mitteilen.
...