Erfahrungsbericht von northstar
Mullholland Drive - Lynch at his best...
Pro:
gute Schauspieler, tolle Kameraführung und Atmospäre; der Film bezieht den Zuschaer extrem mit ein...
Kontra:
Bruchstücke einer Story müssen selbstständig vom zuschauer ergänzt werden; wer\\\'s nicht mag...
Empfehlung:
Nein
Intro
Heute möchte ich mich einer Filmbesprechung widmen. Oder besser: ich probiere mich in einer. Ob das gelingt, seht selbst...
Warum so zurückhaltend, so unsicher? Nun, ich will einen David Lynch Film besprechen, nämlich Mullholland Drive, welchen ich mir gestern Abend zu später Stunde an sah. Und wer Lynch Filme kennt weiß, eine Auseinandersetzung mit dem Film, gar eine Nacherzählung seines Inhaltes ist nicht sondelrich einfach. Dennoch probiere ich das nun...
Inhalt
Eine dunkle Landstraße, hoch über L.A. Der Mullholland Drive. In einer schwarzen Limosine fährt eine elegant gekleidete Frau. Die Fahrer halten an, sie ist überrascht, der eine zückt eine Pistole, zwingt sie zum aussteigen. Da kommt dem geparkten Wagen ein Auto entgegen. Ausweichen ist unmöglich, ein lauter Knall, beide Fahrzeuge verkeilen sich ineinander, keiner überlebt den Unfall. Außer jene dunkelhaarige Schönheit, die eine leichte Platzwunde am Kopf davon trägt und hinab zu den Lichtern der Stadt taumelt, leider ohne jegliche Erinnerung wer sie ist und was sie hier tat....
Am nächsten Morgen kommt Betty in LA an. Sie ist Schauspielerin, genau wie ihre Tante, in deren Wohnung sie einzieht. Dort angekommen findet sie die Frau ohne Gedächnis vor. Sie nennt sich fortan Rita, nach einem Namen den sie auf einem Filmplakatt entdeckt. Beide Frauen beschliessen Rita’s Vergangenheit, ihr Leben und was passiert ist auf zu spüren.
Währenddessen unterhalten sich 2 Männer in einem Imbiss. Der eine erzählt von seinem Traum. Darin sind sie beide eben in genau diesem Imbiss. Sie haben beide Angst. Vor einem Mann, einem Wesen, welches man selbst durch die Wände des Hauses sehen kann. Es lauert hinter dem Imbiss. Im Traum? Oder auch in der Wirklichkeit? Man geht hinter das Haus und tatsächlich, dort ist es, ein Wesen, schwarz, unheimlich, grausig. Der eine Mann bricht zusammen; ist er tot?
Woanders. Jemand erschiesst seinen Bruder. Nimmt ihm Ed’s Notizbuch ab. Das bekommt eine Frau mit, die dann auch sterben muss, ebenso der Hausmeister. Lief alles nicht ganz glatt. Dann verschwindet der Unbekannte.
Wieder woanders. Ein Regisseur wird gezwungen Camilla Rhodes für seinen nächsten Film in der Hauptrolle zu besetzen. Zunächst weigert er sich. Dann, nach einem nächtlichen Treffen mit einem Cowboy irgendwo im Nirgendwo, stimmt er doch zu. „Sie ist es“ sagt er beim nächsten Casting und schon scheinen seine Probleme auf zu hören, oder beginnen sie erst?
Rita und Betty finden derweil einen blauen Schlüssel, eine tote Frau, Männer, die sie verfolgen, ein Theater der Stille und sie finden – sich.
Betty und Rita verbringen eine Nacht zusammen, Betty verliebt sich in Rita. Im Theater der Stille, wo sich zeigt das Ton und Bild oftmals eben nur Illusion sind, das Gezeigte selten das Gemeinte ist, finden sie einen blauen Würfel.
Diesen öffnet Rita mit dem Schlüssel und verschwindet, ebenso Betty. Und die Geschichte fügt sich zusammen, die Realitäten kommen zusammen...
Betty wacht im Zimmer der toten Frau auf, die sie in Rita zuvor fanden. Aber sie ist nun diese Frau, Diana. Und Rita ist Camilla. Bei stehen sich wie zuvor sher nahe, aber Camilla ist eher Adam, dem Regisseur verfallen. Diana ist eifersüchtig...
Und so nimmt der Film seinen Lauf, werden Paare getrennt, neue zusammen geführt, mysteriöse Figuren tretten auf und ab und der blaue Kasten hat alles geändert...
Ich verate an dieser Stelle das Ende nicht. Obgleich es fast egal wäre, denn Mullholland Drive sollte man mit eigenen Augen sehen und ihn so versuchen zu verstehen.
Meine Meinung
Verstörend ist das erste Wort was mir zum Film einfällt. Wirr (so wie wohl letztlich meine Beschreibung oben zum Inahlt des Films) war das erste Wort, welches mir gestern Abend noch in den Sinn kam. Und als ich so im Bett lag und noch 2 Stunden über das gerade gesehene nach dachte, da wußte ich, der Film ist nicht etwa schlecht, nein, der Film ist sehr, sehr gut. Er regt zum Nachdenken, zum Mitdenken, zum Weiterdenken an. Was ist passiert? Man muss seine eigene Lösung dazu finden. Was war die Handlung des Films? Das muss selbst zusammen gesetzt werden. Bruchstücke gibt es. Diese zu verbinden, das Puzzle lösen, ein (ganzes?) Bild zu bekommen, das liegt am Zuschauer selbst.
Nun gut, mag sein das dass nicht jedem liegt. Wer einen Film mit klarer Struktur mag, der sollte Mullholland Drive fern bleiben. Zeitsprünge, Sprünge der Personen, in deren Köpfen, in unseren Köpfen, all das findet in den 146 Minuten Film statt. Ähnlich wie auch in Lynch’s Lost Highway oder in Ansätzen in seiner Serie Twin Peaks. Wer sich drauf einlassen kann und will, dem kann der Film gefallen. Mir hat er gefallen, auch wenn ich nicht alles verstanden habe, naja, eher gar nichts. Oder vielleicht doch...?
Wenn doch, dann hier meine eigene, zugegeben wirre und bestimmt falsche, Interpretation des Gesehnen (wow, das man nun schon Filme interpretieren muss, wer hätte das gedacht....); nicht lesen wenn man den Film noch nicht kennt, ok?
Betty kommt nach Hollywood, trifft dort eben Rita. Betty sieht aber Hollywood wie sie\'s sehen möchte: mysteriös, geheimnisvoll, hinter jeder Ecke eine Überraschung, wie im Fernsehen eben. Und sie denkt auch dennoch: hier kann ich mein Glück machen, hier bekomme ich Rollen, hier werde ich ein Star. Wird sie aber nicht. Und Rita, die sie haben will, bekommt sie auch nicht. Die bekommt Adam. Betty wird dadurch leicht gestört, man möchte sagen wirr im Kopf & tötet sich am Ende selbst. Das tolle, nette Hollywood hat sie auf dem Gewissen.....
Ob das nun so stimmt. Wer weiß? Vielleicht sollte man David Lynch einmal fragen. Wenn der denn jemals mit der Sprache zu seinen Filmen raus rücken würde und sie eben nicht bewußt offen für Interpretationen liesse....
Filmisch ist Mullholland Drive briliant. Genial gespielt. Perfekt gefilmt. Bilder, die schön und verstörend zugleich sind. Wie üblich bei Lynch. Der eben hinter Fassaden blickt in seinen Werken. Und von Lynch erwarte ich eben nichts anderes und war so auch von Mullholland Drive begeistert.
----------------- by Northstar `02 ----------------
Tipp:
Die DVD zum Film erscheint in Deutschland am 2. Oktober 2002. Deutsche und US-Kinotrailer sind enthalten, sowie vier weitere Trailer, ebenso Produktionsnotizen, Informationen zu Darstellern und Filmteam und DVD-ROM Features.
Linktipps:
www.davidlynch.com - Offizielle Seite David Lynchs.
www.davidlynch.de - Deutsche Seite zum David Lynach. Mehr als nur einen Besuch wert.
Cast:
Adam Kesher – Justin Theroux
Betty Elms – Naomi Watts
Rita Laura – Elena Harring
Coco Lenoix – Ann Miller
Vincenzo Castigliane – Dan Hedaya
Joe – Mark Pellegrino
Studio Singer – Brian Beacock
Det. Harry McKnight – Robert Forster
Crew:
David Lynch – Regie & Buch
Peter Deming – Kamera
Aneglo Badalamenti – Musik
Filmographie David Lynchs:
1967 – Six Figures Getting Sick
1968 – The Alphabet
1970 – The Grandmother
1977 – Eraserhead
1980 – The Elephant Man
1984 – Dune
1986 – Blue Velvet
1990 – Wild At Heart
1990 – Twin Peaks (TV-Serie)
1992 – Twin Peaks: Fire Walk With Me
1996 – Lost Highway
1999 – The Straight Story
2001 – Mullholland Drive
Heute möchte ich mich einer Filmbesprechung widmen. Oder besser: ich probiere mich in einer. Ob das gelingt, seht selbst...
Warum so zurückhaltend, so unsicher? Nun, ich will einen David Lynch Film besprechen, nämlich Mullholland Drive, welchen ich mir gestern Abend zu später Stunde an sah. Und wer Lynch Filme kennt weiß, eine Auseinandersetzung mit dem Film, gar eine Nacherzählung seines Inhaltes ist nicht sondelrich einfach. Dennoch probiere ich das nun...
Inhalt
Eine dunkle Landstraße, hoch über L.A. Der Mullholland Drive. In einer schwarzen Limosine fährt eine elegant gekleidete Frau. Die Fahrer halten an, sie ist überrascht, der eine zückt eine Pistole, zwingt sie zum aussteigen. Da kommt dem geparkten Wagen ein Auto entgegen. Ausweichen ist unmöglich, ein lauter Knall, beide Fahrzeuge verkeilen sich ineinander, keiner überlebt den Unfall. Außer jene dunkelhaarige Schönheit, die eine leichte Platzwunde am Kopf davon trägt und hinab zu den Lichtern der Stadt taumelt, leider ohne jegliche Erinnerung wer sie ist und was sie hier tat....
Am nächsten Morgen kommt Betty in LA an. Sie ist Schauspielerin, genau wie ihre Tante, in deren Wohnung sie einzieht. Dort angekommen findet sie die Frau ohne Gedächnis vor. Sie nennt sich fortan Rita, nach einem Namen den sie auf einem Filmplakatt entdeckt. Beide Frauen beschliessen Rita’s Vergangenheit, ihr Leben und was passiert ist auf zu spüren.
Währenddessen unterhalten sich 2 Männer in einem Imbiss. Der eine erzählt von seinem Traum. Darin sind sie beide eben in genau diesem Imbiss. Sie haben beide Angst. Vor einem Mann, einem Wesen, welches man selbst durch die Wände des Hauses sehen kann. Es lauert hinter dem Imbiss. Im Traum? Oder auch in der Wirklichkeit? Man geht hinter das Haus und tatsächlich, dort ist es, ein Wesen, schwarz, unheimlich, grausig. Der eine Mann bricht zusammen; ist er tot?
Woanders. Jemand erschiesst seinen Bruder. Nimmt ihm Ed’s Notizbuch ab. Das bekommt eine Frau mit, die dann auch sterben muss, ebenso der Hausmeister. Lief alles nicht ganz glatt. Dann verschwindet der Unbekannte.
Wieder woanders. Ein Regisseur wird gezwungen Camilla Rhodes für seinen nächsten Film in der Hauptrolle zu besetzen. Zunächst weigert er sich. Dann, nach einem nächtlichen Treffen mit einem Cowboy irgendwo im Nirgendwo, stimmt er doch zu. „Sie ist es“ sagt er beim nächsten Casting und schon scheinen seine Probleme auf zu hören, oder beginnen sie erst?
Rita und Betty finden derweil einen blauen Schlüssel, eine tote Frau, Männer, die sie verfolgen, ein Theater der Stille und sie finden – sich.
Betty und Rita verbringen eine Nacht zusammen, Betty verliebt sich in Rita. Im Theater der Stille, wo sich zeigt das Ton und Bild oftmals eben nur Illusion sind, das Gezeigte selten das Gemeinte ist, finden sie einen blauen Würfel.
Diesen öffnet Rita mit dem Schlüssel und verschwindet, ebenso Betty. Und die Geschichte fügt sich zusammen, die Realitäten kommen zusammen...
Betty wacht im Zimmer der toten Frau auf, die sie in Rita zuvor fanden. Aber sie ist nun diese Frau, Diana. Und Rita ist Camilla. Bei stehen sich wie zuvor sher nahe, aber Camilla ist eher Adam, dem Regisseur verfallen. Diana ist eifersüchtig...
Und so nimmt der Film seinen Lauf, werden Paare getrennt, neue zusammen geführt, mysteriöse Figuren tretten auf und ab und der blaue Kasten hat alles geändert...
Ich verate an dieser Stelle das Ende nicht. Obgleich es fast egal wäre, denn Mullholland Drive sollte man mit eigenen Augen sehen und ihn so versuchen zu verstehen.
Meine Meinung
Verstörend ist das erste Wort was mir zum Film einfällt. Wirr (so wie wohl letztlich meine Beschreibung oben zum Inahlt des Films) war das erste Wort, welches mir gestern Abend noch in den Sinn kam. Und als ich so im Bett lag und noch 2 Stunden über das gerade gesehene nach dachte, da wußte ich, der Film ist nicht etwa schlecht, nein, der Film ist sehr, sehr gut. Er regt zum Nachdenken, zum Mitdenken, zum Weiterdenken an. Was ist passiert? Man muss seine eigene Lösung dazu finden. Was war die Handlung des Films? Das muss selbst zusammen gesetzt werden. Bruchstücke gibt es. Diese zu verbinden, das Puzzle lösen, ein (ganzes?) Bild zu bekommen, das liegt am Zuschauer selbst.
Nun gut, mag sein das dass nicht jedem liegt. Wer einen Film mit klarer Struktur mag, der sollte Mullholland Drive fern bleiben. Zeitsprünge, Sprünge der Personen, in deren Köpfen, in unseren Köpfen, all das findet in den 146 Minuten Film statt. Ähnlich wie auch in Lynch’s Lost Highway oder in Ansätzen in seiner Serie Twin Peaks. Wer sich drauf einlassen kann und will, dem kann der Film gefallen. Mir hat er gefallen, auch wenn ich nicht alles verstanden habe, naja, eher gar nichts. Oder vielleicht doch...?
Wenn doch, dann hier meine eigene, zugegeben wirre und bestimmt falsche, Interpretation des Gesehnen (wow, das man nun schon Filme interpretieren muss, wer hätte das gedacht....); nicht lesen wenn man den Film noch nicht kennt, ok?
Betty kommt nach Hollywood, trifft dort eben Rita. Betty sieht aber Hollywood wie sie\'s sehen möchte: mysteriös, geheimnisvoll, hinter jeder Ecke eine Überraschung, wie im Fernsehen eben. Und sie denkt auch dennoch: hier kann ich mein Glück machen, hier bekomme ich Rollen, hier werde ich ein Star. Wird sie aber nicht. Und Rita, die sie haben will, bekommt sie auch nicht. Die bekommt Adam. Betty wird dadurch leicht gestört, man möchte sagen wirr im Kopf & tötet sich am Ende selbst. Das tolle, nette Hollywood hat sie auf dem Gewissen.....
Ob das nun so stimmt. Wer weiß? Vielleicht sollte man David Lynch einmal fragen. Wenn der denn jemals mit der Sprache zu seinen Filmen raus rücken würde und sie eben nicht bewußt offen für Interpretationen liesse....
Filmisch ist Mullholland Drive briliant. Genial gespielt. Perfekt gefilmt. Bilder, die schön und verstörend zugleich sind. Wie üblich bei Lynch. Der eben hinter Fassaden blickt in seinen Werken. Und von Lynch erwarte ich eben nichts anderes und war so auch von Mullholland Drive begeistert.
----------------- by Northstar `02 ----------------
Tipp:
Die DVD zum Film erscheint in Deutschland am 2. Oktober 2002. Deutsche und US-Kinotrailer sind enthalten, sowie vier weitere Trailer, ebenso Produktionsnotizen, Informationen zu Darstellern und Filmteam und DVD-ROM Features.
Linktipps:
www.davidlynch.com - Offizielle Seite David Lynchs.
www.davidlynch.de - Deutsche Seite zum David Lynach. Mehr als nur einen Besuch wert.
Cast:
Adam Kesher – Justin Theroux
Betty Elms – Naomi Watts
Rita Laura – Elena Harring
Coco Lenoix – Ann Miller
Vincenzo Castigliane – Dan Hedaya
Joe – Mark Pellegrino
Studio Singer – Brian Beacock
Det. Harry McKnight – Robert Forster
Crew:
David Lynch – Regie & Buch
Peter Deming – Kamera
Aneglo Badalamenti – Musik
Filmographie David Lynchs:
1967 – Six Figures Getting Sick
1968 – The Alphabet
1970 – The Grandmother
1977 – Eraserhead
1980 – The Elephant Man
1984 – Dune
1986 – Blue Velvet
1990 – Wild At Heart
1990 – Twin Peaks (TV-Serie)
1992 – Twin Peaks: Fire Walk With Me
1996 – Lost Highway
1999 – The Straight Story
2001 – Mullholland Drive




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