Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von MissKultig

It´s just like she´s in another world

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Manchmal, oh glücklicher Augenblick, bist du so in sie vertieft, dass du in ihr versinkst - du bist gar nicht mehr da.

Du sitzt vor ihr, mit verstrubbelten Haaren. Du vergisst die ganze Welt um dich. Du merkst nicht, wie kalt es ist, wie hungrig du bist, wie die Sonne in dein Gesicht blinzelt.

Wenn sie deutlich vor dir liegt, verspannen sich deine Muskeln, dein Herz schlägt schneller, die Atmung wird unregelmäßig.
Du bist unkonzentriert, begreifst nichts mehr, kapierst nichts mehr, kannst nicht mehr denken. Dein Gehirn schaltet sich aus. Die Dummheit setzt ein.

Du hast dir geschworen es nie wieder zu tun, doch jetzt wo der entscheidene Moment da ist, der Moment um "nein" zu sagen, verlierst du dich in deiner Welt, bist ganz alleine. Keiner kann die die Entscheidung abnehmen, du musst sie treffen.
Du legst sie auf den Zeigefinger. Sie liegt da, wie ein fetter König auf seinem Thron. Du zweifelst. Aber die Sucht ist größer. Diue Sucht nach Entspannung.

Du legst sie auf die Zungenspitze und lässt sie in deinem Rachen verschwinden. Deine Muskeln entspannen sich. Dein Herz schlägt ruhiger, die Atmung wird regelmäßig.

Das Unwirkliche trifft ein. Die Welt um dich verschwimt. Farben verändern sich. Du fühlst dich glücklich, frei, entspannt.

Du kannst fliegen, über das Wasser laufen, kannst Tränen lachen und keinen Fuß mehr vor den anderen setzten.
Du versinkst in einer neuen Welt. In einer dir noch fremden. Kaum bekannte. In die glückliche Welt.

Du rennst gegen Mülltonnen und freust dich. Du fällst auf die Schnauze und freust dich. Du realisierst die Wirklichkeit nicht mehr.

Nach zwanzig Minuten Freiheit, was dir wie Stunden vorkam, wirst du in die bittere Wahrheit zurück gezerrt.
Du findest dich in einer fremden Umgebung wieder. Alles ist düster. Früher war es wunderbar.
Die Menschen sind fremd - früher waren es deine Freunde.

Du bekommst Schmerzen, die Scht wird immer stärker, nimmt dich immer mehr in ihren Besitz. Du willst öfter spüren, wie es ist, frei zu sein. Willst den Alltag vergessen.
Sie vermehren sich schnell und du bist blind. Alles zieht an dir vorbei und du wartest nur auf die Erlösung.

Irgendwann ist alles voll. Du zögerst nicht und lässt alles den Rachen runter gleiten und [sie] hast es geschafft. Du bist in deiner Welt gefangen und brauchst nie wieder zurück, zurück in die Wirklichkeit.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-07-12 15:11:34 mit dem Titel It´s just like she´s in another world - Part II

Sie sah mir lange in die Augen. Sie wartete auf eine Antwort. "Sie verstehen das nicht", sagte ich gleichgültig.
Es war schon unser drittes Gespräch, aber ich hielt Ina, wie ich sie nennen durfte, immer noch für unfähig. Aber sie brachte mich dazu zu reden. Das ist gut, sagte sie immer.

"Mit mir und Hannes ist das wie mit einer Tüte Gummibärchen." Sie schrieb alles mit - Gummibärchen. Als ob Gummibärchen ein Hinweis auf meine Ernährung wären. "Man öffnet sie, isst ein paar - bis man sie nicht mehr sehen kann und in den Schrank zurückstellt. Irgendwann hat man dann wieder Lust auf sie und erinnert sich, dass da noch eine Tüte im Schrank steht."
Sie notiert alles. Fortschritt. Ich hatte das Wort Essen im Zusammenhang mit Hannes erwähnt - wichtig. Natürlich dachte sie nicht so, aber in jenem Moment machte ich mich über Ina lustig, innerlich.

"Du hast dich nach ihm gesehnt?" "Nein, aber es hatte etwas mit Gewohnheit zu tun, mit dem Gefühl sich auf jemanden verlassen zu können. Sicherheit, vielleicht." "Aber du liebst doch die Unabhängigkeit, die Freiheit, das haben wir im letzten Gespräch herausgefunden." "Ich brauchte Hilfe, jemanden der mir Grenzen setzte."

"Was waren das für Grenzen?" Ich sah vor mir seine starke Hand, die mich packte und gegen den Schrank schleuderte, sah seine glühenden Augen, die Wunden an meinem Körper.
"Gewalt," antwortete ich. "Er machte mir Angst. Das war es nicht was ich wollte, aber ich brauchte JEMANDEN." "Keine besonders guten Grenzen. Aber du bliebst, weil du ihn geliebt hast?!"
"Es wird Tage geben an denen ich das behaupte, aber dann ist es eine Lüge. Sie haben nicht verstanden." Sie beugte sich nach vorn, ihre Augen zwinkerten in unregelmäßigen Takt. Ich sah zum Fenster.

"Es fällt mir schwer Zuneigung zu empfinden. Es gibt Menschen die ich mag, mehr nicht. Vielleicht eines Tages" Es war eine krasse Antwort und aufgrund der extremen Antwort eine Lüge.
"Er ist wie ich - und auch er braucht irgendjemanden. Sein Leben war hart, sein einziges Ventil verbotene Dinge zu tun. Gewalt. Drogen. Ich verstehe ihn. Ich will ihn nicht rechtfertigen, aber ich verstehe ihn. Wir sind beide kalt."

Auch ich hatte mein Ventil gefunden. Wie er war ich über viele verbotene Dinge dazu gekommen. Sie hätte gefragt, was mein Ventil ist, hätte sie es nicht schon gewusst. Noch bereute ich nicht, doch ich hoffte auf den Tag, an dem mir alles leid tat und ich Hannes dafür hassen konnte, dass er mich in sein trauriges Leben mit hineingezogen hatte, mit sich Probleme brachte, von denen ich sonst nie erfahren hätte und dafür das er selbst ein Problem - mein Problem - war.

"Kalt?" fragte sie und sah mich erschüttert an.
"Eiskalt," sagte ich.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • mami_online

    10.05.2005, 00:41 Uhr von mami_online
    Bewertung: sehr hilfreich

    gutes Buch werden. Mach weiter.