Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von tobias_horst

Schöne Geschichte... - Der Sternenbaum

Pro:

Schöne Geschichte mit Sinn...

Kontra:

Fällt mir nichts ein...

Empfehlung:

Nein

Hi ihr!
So, und jetzt stell ich eine Kurzgeschichte online. Viel Spaß!

Der Sternenbaum

Zunächst hielten die Gräser ihn für ihrengleichen; als sie den Irrtum bemerkten, war es zu spät. Sie konnten den kleinen Baum nicht mehr ersticken. So versuchten sie auf andere Weise ihn loszuwerden.
\"Dieser Hügel gehört uns,\" sagten sie. \"Du bist ein Fremdling. Wir wollen dich nicht in unserer MItte haben. Du störst uns.\" Tag und Nacht redeten sie so auf den kleinen Baum ein. Die Einsamkeit und unser Haß werden ihn krank machen, und schließlich wird er sterben, dachten sie, und sie freuten sich, wenn Käfer und Raupen an dem kleinen Baum nagten; wenn der Regen ihn zu Boden drückte und der Wind ihn zauste.
Einmal zog ein Sturm über den Hügel. Der kleine Baum bog sich stöhnend hin und her, und seine Wurzeln klammerten sich an die aufgeweichte Erde. Als der Sturm vorüber war, stand der kleine Baum schief da, halb aus der Erde gerissen, die Blätter zerfetzt. Die grauen Wolken verszogen sich, die SOnne kam hervor, irgendwo rief zaghaft ein Vogel.
Die Gräser trockneten schnell, richteten sich auf und betrachteten den kleinen Baum.
\"Nun ist es um ihn geschehen,\" tuschelten sie. \"Seht nur seine Wunden.\"
Ich werde es euch zeigen, dachte der kleine Baum, der die Gräser schon ein gutes Stück überragte.
Er dachte es, obwohl er sich sehr müde und schwach fühlte. Am liebsten hätte er sich fallen lassen. Es kostete ihn all seine Kraft, diesem Wunsch nicht nachzugeben, und er war froh, als die Dunkelheit kam und ihn vor den Gräsern verbarg.
Warum hassen sie mich? dachte der kleine Baum. Fürchten sie, dass ich ihnen sie Sonne wegnehme? Dass sie nicht mehr genügend zur Geltung kommen? Wenn ich einmal groß und stark sein werde?
So wird es wohl sein, dachte der kleine Baum; aber er dachte auch, dass er das gleiche Recht hätte, auf dem Hügel zu stehn, wie die Gräser. Schlimm ist nur die Einsamkeit, dachte der kleine Baum weiter. Dass ich nichts habe, woran ich mich aufrichten kann. Er blickte zum Himmel hinauf, und entdeckte gerade über sich einen kleinen Stern.
Der kleine Baum fand, dass dieser Stern anders aussah als alle übrigen, und je länger er ihn betrachtete, desto besser gefiel ihm der Stern. Er vergaß seine Schmerzen und seine Müdigkeit und die neidischen Gräser.
Du bist schön, Stern, wagte der kleine Baum endlich zu sagen.
Der Stern gab keine Antwort.
Du bist sehr schön, sagte der kleine Baum ein wenig lauter.
Der Stern antwortete auch diesmal nicht.
Er kann mich wohl nicht hören, dachte der kleine Baum. Er ist zu weit entfernt. Wenn ich größer wäre...
Unwillkürlich reckte sich der kleine Baum. Die Sehnsucht nach dem Stern gab ihm Kraft. Er richtete sich auf, seine Wurzeln senkten sich tiefer in die Erde.
In kann wachsen, Stern, flüsterte der kleine Baum. Warte nur, ich werde dir jeden Tag ein Stückchen näher kommen.
Hat man je soetwas gehört? zischelten die Gräser.
Er will hinauf zu den Sternen. Welche Überheblichkeit. Zur Strafe wird der nächste Sturm ihn zerschmettern.
Der kleine Baum kümmerte sich nicht weiter um das Gerede der Gräser. Er blickte seinen Stern an und war glücklich.
Ich liebe dich, Stern, sagte er so leise, dass die mißgünstigen Gräser es nicht hören konnten. Du kannst nicht zu mir herabsteigen, aber ich kann zu dir heraufwachsen. Eines Tages werden wir uns treffen, und es wird wundervol sein. Wenn du reden willst, werde ich dir zuhören. Wenn du schweigen willst, werde ich meinen eigenen Gedanken nachhängen.
Wenn du Hilfe brauchst, werde ich da sein. Und irgendwann wirst du mich auch lieben.
Die ganze Nacht betrachtete der kleine Baum seinen Stern, und er konnte erst schlafen, als der Stern im Tageslicht verschwunden war.
Der kleine Baum wachte nun immer in der Nacht, und schlief am Tage, denn sonst hätte er ja seinen Stern nicht sehen können. Und wenn einmal Wolken über den Himmel zogen und den Stern verborgen, war der kleine Baum traurig.
Die Liebe zu dem Stern, gab dem kleinen Baum Mut und Kraft.
Er wuchs, breitete seine Äste aus, wurde stark und groß.
So vergingen viele Jahre.
Die Stürme konnten ihm nichts mehr anhaben, ja, der Baum liebte sie nun sogar. Es tat ihm gut, wenn ab und zu ein Sturm über die Hügel brauste und ihn von morschen Ästen und welken Blättern befreite.
Der Baum liebte auch den Regen. Ganz besonders liebte er den Schnee. Denn in jeder Schneeflocke erkannte er seinen Stern. Doch eines Tages begriff der Baum, dass er nicht weiterwachsen konnte. Und er begriff, dass der Stern für ihn unerreichbar war. Da überkam den Baum eine große Schwermut. Seine Wurzeln stellten die Arbeit ein, die Blätter vertrockneten, die Äste brachen ab.
Bald stand der Baum gespenstisch - kahl auf dem Hügel. Nun stirbt er endlich! frohlockten die Gräser. Der nächste Sturm wird ihn entwurzeln.
Der nächste Sturm kam mit Donner und Blitzen.
Aufeinmal wußte der Baum, was er tun mußte, um seinen Stern zu erreichen.
Er sammelte die ihm nich verbliebenden Kräfte, zog einen Blitz auf sich und im Nu brannte er lichterloh.
Zahllose kleine Sterne wirbelten hoch. Der Sturmwind trug sie hinauf, immer höher und höher, bis sie ihr Ziel erreicht hatten.


So das wars! Ich denke mal, dass jeder den Sinn dieser Geschichte verstanden hat, oder?
Euer Toby