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Erfahrungsbericht von store_troll

Jedermanns Recht - auch deines

Pro:

großartige Möglichkeit in der Natur zu \"leben\"

Kontra:

Mißbrauch zerstört

Empfehlung:

Ja

- Vorwort::
***********
Der Begriff „Jedermannsrecht“ ist vielen Skandinavien-Touristen ein Begriff, leider jedoch wissen sie oft all zu wenig, welche Pflichten, neben den Rechten , damit verbunden sind.
Dieser Bericht soll ein bisschen Aufschluss darüber geben und vielleicht dazu beitragen, Missverständnisse in diesem Zusammenhang abzubauen. Mir ist bewusst, dass ich mit manchen Äußerungen bei Einigen vielleicht Missfallen erregen werde. Trotzdem möchte ich es wagen, da mir in langjähriger Erfahrung im Wildniswandern in Skandinavien so manches aufgefallen ist und ich das einmal los werden muss.


- Gliederung::
***************

- Grundlagen und Ursprung des Jedermannsrechts
- Rechte , Einschränkungen
- Pflichten oder „Warum es notwendig ist sich daran zu halten“
- Ein paar Grundregeln


- Grundlagen und Ursprung
==========================

In den skandinavischen Staaten (Norwegen, Schweden und Finnland), die ja bekanntlich für ihre noch weitgehend unberührte Natur berühmt sind, gibt es das Jedermannsrecht (allemansretten). Ich beziehe mich bei meinen Darlegungen auf die norwegischen Verhältnisse und meine Erfahrungen dort, die sich aber nur unwesentlich von den schwedischen bzw. finnischen unterscheiden.
Das „allemannsrett“ ist ein Ausdruck für den starken Freiheits- und Unabhängigkeitsdrang, den die Menschen des Nordens in sich tragen und ein Zugeständnis des Staates eben an diese seine Bürger. Wer einmal längere Zeit in Norwegen verbracht hat weiß, dass die Norweger es lieben, sich in der Natur aufzuhalten, sei es auf der eigenen „hytta“ oder bei ausgiebigen Wanderungen mit Übernachtungen in öffentlichen Hütten von Wander- und Touristenvereinigungen oder im eigenen Zelt.
Von daher hatte dieses uralte Recht schon immer eine wichtige Bedeutung. Es besagt eben auch, dass Grund und Boden, Wasser und Luft für alle da sind und allen zur Benutzung zur Verfügung stehen.


- Rechte, Einschränkungen
==========================

Das Jedermannsrecht gilt für Einzelpersonen, nicht aber für Gruppen und ebenso wenig für Autofahrer oder Wohnmobilisten (von den letztgenannten Gruppen oft mißverstanden).

Es regelt den Aufenthalt und die Fortbewegung in der freien Natur.
Konkret heißt dies:
Es ist zulässig sich in der Natur frei zu bewegen, sein Zelt aufzuschlagen, Wasser zu entnehmen und Früchte zum Verzehr zu sammeln. Dies gilt zunächst für Privatgrund in gleicher Weise wie für staatseigene Flächen. Gedacht war dies ursprünglich für den müden Wanderer, der sich für eine Nacht oder einen Tag niederlassen möchte.
Hat man die Absicht, an einer Stelle länger zu verweilen, so sollte man sich erkundigen, wem dieses Gelände gehört. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass bei höflicher Nachfrage kaum mit einer Absage zu rechnen ist. Auf diese Weise habe ich schon manch wunderbare Woche mit vielen neuen Kontakten verbracht.
Ferner sind einige wichtigen Punkte einzuhalten: Von bewohnten Gebäuden ist Abstand zu halten, ebenso von Gewässern ein Mindestabstand von 150 m.
Eine allgemein formulierte Regel könne lauten: Menschen, Tiere und Pflanzen dürfen nicht beeinträchtigt werden.
Allerdings gibt es noch einige weitere Einschränkungen. So ist das Pflücken von Moltebeeren in Nordnorwegen nicht gestattet, ebenso wenig wie das Angeln in Flüssen und Seen ohne die nötige Angelkarte (fiskekort). Dies hängt damit zusammen, dass das Sammeln der Moltebeeren und der Fischfang ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für diese Gegenden darstellt und manchmal ein wesentlicher Beitrag zum Broterwerb für die Einheimischen ist.
Einschränkungen gibt es selbstverständlich auch im Bereich von Naturreservaten, Vogelschutzgebieten oder militärischen Sperrgebieten.

Das Jedermannsrecht wird immer noch sehr großzügig gehandhabt. Allerdings sind in jüngster Zeit in einigen Distrikten in Norwegen Diskussionen im Gang das Jedermannsrecht einzuschränken oder abzuschaffen. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass dieses Recht, vor allem von Touristen, häufig arg strapaziert und falsch ausgelegt wird. Dies hat in Gemeinden mit hoher „Touristendichte“ zu Umweltstörungen und Müllproblemen geführt.


- Pflichten und warum sie notwendig sind
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Die oberste Pflicht, die ich als Nutzer und „Genießer“ der Natur habe ist, sie zu respektieren und mich verantwortungsbewusst ihr gegenüber zu verhalten. Was vielen nicht bewusst ist, sind die Konsequenzen, welche die Aktivitäten der Menschen in der Natur für die Natur haben. Und diese Konsequenzen stellen ein wachsendes Problem dar, obwohl, wenn man sich in der Natur bewegt, man leicht den Eindruck bekommt, dass die Natur unendlich weit und „unkaputtbar“ ist, aber dies ist leider nicht so.
Die nordische Natur entspricht oder ähnelt in vielen Punkten unserer Hochgebirgsnatur und ist sehr empfindlich. Ist die Pflanzendecke erst einmal zerstört, so kommt es danach sehr rasch zu Erosionen.
Wegen der extrem kurzen Vegetationsperiode (Wachstumszeitspanne der Pflanzen) – in manchen Teilen Norwegens nur acht Wochen - kann es Jahrzehnte dauern, bis die Natur einen Schaden, der in wenigen Stunden entstanden ist, selbst wieder repariert, wie dies - zum Teil - in unserer Breiten durchaus möglich ist. Selbst organischer Abfall sollte eigentlich immer mitgenommen werden, weil die Verrottung im kalten nordischen Klima und erst recht im Hochgebirge sehr langsam geschieht. Vor allem langsam verrottende organische Stoffe ( z.B. Apfelsinenschale oder ähnliches) sind noch lange Zeit danach ein schändlicher Anblick für die folgenden Besucher.

- ein paar Grundregeln
======================

Mit ein wenig Rücksicht und einigen guten Faustregeln lassen sich die schädlichen Einflüsse auf die Natur minimalisieren. Einige dieser Regeln – die mir sehr am Herzen liegen - möchte ich hier nennen:

>> Vor allem mit größeren Gruppen ist es sinnvoll Pfade zu benutzen und nicht quer- feldein zu gehen. Möchte man dies trotzdem tun, so kann man den Schaden verringern, indem man seine nächsten Schritte bewusst plant und auf Steine tritt, statt auf Blumen oder Moos.
>> Rücksichtsvolles Verhalten gegenüber der Tierwelt ist wichtig. Das Erschrecken von Vögeln beim Brutgeschäft oder das Unterschreiten von Fluchtdistanzen bei Tieren bringt diese unnötig in Stresssituationen. Dies kann für den Nachwuchs oder das Überleben der Tiere verhängnisvoll sein.
>> Abfall sollte immer mit zurück genommen werden, da es gesetzlich verboten ist, Müll in der Natur zu hinterlassen. Auch aus Verantwortungsbewusstsein der Natur und den Mitmenschen gegenüber sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein.
Ein Appell an die Raucher: Zigarettenkippen sollten unbedingt mitgenommen und nicht achtlos weggeworfen werden. Die meisten Waldbrände entstehen auf diese Weise.

>> Toilettengänge sollten mindesten 100 m vom nächsten Weg oder Gewässer entfernt verrichtet werden, damit der natürliche Abbau im Boden stattfinden kann und nicht eine Verunreinigung der Gewässer entsteht. Auch ist es sinnvoll die „Hinterlassenschaften“ unter Steinen zu verstecken oder (im Wald) zu vergraben, so dass niemand hinein tritt.

>> Zum Zelten sei gesagt, dass es im Bereich von Berghütten einen Mindestabstand gibt, den man einhalten sollte oder man sollte sich beim Hüttenwirt melden. Es ist sinnvoll Stellen, an denen früher schon Zelte aufgestellt waren, zu vermeiden, damit sich die Natur hier wieder erholen kann. Auch sollte das Zelt nicht zu viele Tage am gleichen Platz stehen, da sonst irreversible Schäden an der Vegetation entstehen könnten. Selbstverständlich sollte sein, dass beim Verlassen des Platzes möglichst keine Spuren ( Müll, abgerissenes Buschwerk usw.) zurückgelassen werden sollten.


Ich hoffe sehr, dass dieser Bericht nicht zu gesetzesmäßig, einschränkend oder abschreckend auf euch wirkt. Das soll er ganz bestimmt nicht.
Aber nur ein schonender und verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur wird diese wunderbare, urwüchsige Landschaft erhalten und noch vielen Menschen die Möglichkeit geben, hier in einsamer Wildnis sich und ihre Möglichkeiten zu entdecken. Nur ein solches Verhalten kann verhindern, dass die norwegischen Behörden das Jedermannsrecht einschränken.

Helft mit, den Missbrauch der Natur zu verhindern und ermuntert zu verantwortungsvollem Umgang mit der Natur – nicht nur in Norwegen.


Trollige Grüße

store troll

35 Bewertungen, 10 Kommentare

  • LiFo

    21.03.2009, 11:31 Uhr von LiFo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! Liebe Grüße, Lifo

  • Striker1981

    26.09.2008, 15:50 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • marti22

    05.04.2006, 15:55 Uhr von marti22
    Bewertung: sehr hilfreich

    <b>Lieben Gruß Tina</b>

  • ShortBrini

    06.02.2006, 21:14 Uhr von ShortBrini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht, besonders weil wir im nächsten jahr auch nach schweden wollen und dann mal in der freien natur schlafen wollen....Brini

  • manu63

    15.11.2005, 09:31 Uhr von manu63
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh lg manu63

  • anonym

    25.03.2003, 17:05 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Leider vermisse ich das Jedermannsrecht in unseren Breitengraden.

  • razors

    26.10.2002, 02:17 Uhr von razors
    Bewertung: sehr hilfreich

    ok, sind zwar nicht bei ciao, aber trotzdem ein "SN"

  • Qualle

    06.03.2002, 10:48 Uhr von Qualle
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner informativer Bericht

  • VFR750

    27.02.2002, 00:27 Uhr von VFR750
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr informativ für mich, gruss dirk

  • DrDuke

    26.02.2002, 23:06 Uhr von DrDuke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön Ausführlicher Bericht echt klasse.