Bowling for Columbine (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von andy77
From my cold, dead hands
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
\"Der Morgen des 20. April 1999 sieht nach einem ganz normalen Tag in Amerika aus. Farmer bestellen ihre Felder, Milchmänner liefern Milchflaschen aus, der Präsident lässt Bomben über einem Land abwerfen, dessen Namen wir nicht einmal aussprechen können\" (O-Ton) - und Dylan Klebold und Eric Harris, zwei Jungs in Littleton, Colorado, gehen zu ihrem Bowlingkurs. Was keiner ahnt: Die beiden bowlenden Jugendlichen werden wenige Stunden später das Columbine Highschool Massaker verüben, in dessen blutigem Verlauf 12 Schüler und ein Lehrer den Tod finden und viele Kinder und Jugendliche schwer verletzt werden. Wie eine ironische Spiegelung des Schicksals wirkt der Umstand, dass an diesem Tag die USA ihren stärksten Bombenangriff auf dem Kosovo fliegt.
Michael Moore ist ein begnadeter Entertainer, voller Zynismus, Witz und mit einem Talent ausgestattet, seine Gesprächspartner dumm aussehen zu lassen. Zuerst ist er ein Freund, der zuhört, einen zu verstehen meint. Aber wenn man erst einmal darauf hereingefallen ist und ihm vertraut, bläst er zum Angriff. Er trifft sein Gegenüber, wenn er die Deckung fallengelassen hat und versetzt ihm den letzten finalen Knockout. Diese gespielte Naivität auf der einen Seite, trifft auf eine aggressive, entlarvende Rhetorik Moores, die Programm ist und \"Bowling for Columbine\" den roten Faden gibt.
Moore stampft, unrasiert, unförmig, wie er nun mal ist durchs Bild und tritt auf, als Selbstdarsteller und Clown. Der öffentliche Unmut ist sein Gewissen und die Kamera seine Waffe. Der Ausgangspunkt dieser Dokumentation ist das Massaker in Littleton im Jahre 1999, bei dem 12 Schüler getötet wurden und dessen Amokläufer Bowlen waren, bevor sie bis an die Zähne bewaffnet ihre Highschool stürmten. Daher auch der Titel \"Bowling for Columbine\".
Der Dokumentarfilm versucht herauszufinden, weshalb die Amerikaner einem Waffenfetischismus verfallen sind und es möglich ist, dass sechsjährige mit einer Waffe gleichaltrige Mitschüler töten können, ohne dass sich die amerikanische Gesellschaft mit den Ursachen dieser Gewaltexzesse auseinandersetzt. Sein Tonfall ist dabei keineswegs moralisch, vordergründig jedenfalls nicht. Er schafft vielmehr Situationen, die oft den Charakter eines Happenings haben.
\"Bowling for Columbine\" ist also kein aufkläririscher Film und bietet weiß Gott keine soziologische Analyse, er ist eine politische Satire in Form von politischen Aktionen, inszeniert für seine Kamera. Seine Strategie beruht darauf, die sonst anonymen Gegner, also die Bosse der Großkonzerne und korrupten Politiker, die sich hinter ihren getönten Limousinenfenstern verbergen, vor die Kamera zu zerren und persönlich haftbar zu machen.
Als Hauptgegner dient dabei Charlton Heston, der als Präsident der National Rifle Organisation (NRA), kurze Zeit nach dem Massaker nach Denver reiste und für die Waffenlobby ein bekennendes Plädoyer für den uneingeschränkten Waffenbesitz abhielt. \"From my cold, dead hands.\" Leider ist die Konfrontation mit Heston zum Ende eine der wenigen Schwächen, die der Film besitzt, denn hier offenbart sich, dass der senile Heston nicht als das Hassobjekt dienen kann. Moore stellt der falschen Person die falschen Fragen.
Im Gegensatz dazu ist der Aktionismus, mit dem er es mit Hilfe von Opfern des Columbine Massakers schafft, dass eine Supermarktkette Munition aus ihrem Angebot nimmt, ein Höhepunkt. Dies ist ein Sieg gegen die großen Konzernbosse, aber vor allem auch ein Sieg für die Opfer des Massakers. Es zeigt wie wichtig gewaltloses, aber hartnäckiges Aufbegehren ist, und dass selbst die kleinste, aussichtsloseste Aktion zum Erfolg führen kann.
Michael Moore gelang mit \"Bowling for Columbine\" eine humorvolle Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft. Ein Film, der einen in der einen Szene herzhaft Lachen lässt, um in der nächsten Szene wiederum Bilder zu zeigen, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Dafür gab es im Kino Standing Ovations, vor allem vom jüngeren Kinopublikum.
Ein mehr als sehenswerter Film, der aufrüttelt, wütend macht, Angst verursacht, zur Zivilcourage aufruft und trotzdem, oder gerade deshalb zu unterhalten vermag.
Wertung: 9/10
www.michaelmoore.com
Moore, Michael, Stupid White Men. Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush, Piper Verlag 2002. 12 Euro
Michael Moore ist ein begnadeter Entertainer, voller Zynismus, Witz und mit einem Talent ausgestattet, seine Gesprächspartner dumm aussehen zu lassen. Zuerst ist er ein Freund, der zuhört, einen zu verstehen meint. Aber wenn man erst einmal darauf hereingefallen ist und ihm vertraut, bläst er zum Angriff. Er trifft sein Gegenüber, wenn er die Deckung fallengelassen hat und versetzt ihm den letzten finalen Knockout. Diese gespielte Naivität auf der einen Seite, trifft auf eine aggressive, entlarvende Rhetorik Moores, die Programm ist und \"Bowling for Columbine\" den roten Faden gibt.
Moore stampft, unrasiert, unförmig, wie er nun mal ist durchs Bild und tritt auf, als Selbstdarsteller und Clown. Der öffentliche Unmut ist sein Gewissen und die Kamera seine Waffe. Der Ausgangspunkt dieser Dokumentation ist das Massaker in Littleton im Jahre 1999, bei dem 12 Schüler getötet wurden und dessen Amokläufer Bowlen waren, bevor sie bis an die Zähne bewaffnet ihre Highschool stürmten. Daher auch der Titel \"Bowling for Columbine\".
Der Dokumentarfilm versucht herauszufinden, weshalb die Amerikaner einem Waffenfetischismus verfallen sind und es möglich ist, dass sechsjährige mit einer Waffe gleichaltrige Mitschüler töten können, ohne dass sich die amerikanische Gesellschaft mit den Ursachen dieser Gewaltexzesse auseinandersetzt. Sein Tonfall ist dabei keineswegs moralisch, vordergründig jedenfalls nicht. Er schafft vielmehr Situationen, die oft den Charakter eines Happenings haben.
\"Bowling for Columbine\" ist also kein aufkläririscher Film und bietet weiß Gott keine soziologische Analyse, er ist eine politische Satire in Form von politischen Aktionen, inszeniert für seine Kamera. Seine Strategie beruht darauf, die sonst anonymen Gegner, also die Bosse der Großkonzerne und korrupten Politiker, die sich hinter ihren getönten Limousinenfenstern verbergen, vor die Kamera zu zerren und persönlich haftbar zu machen.
Als Hauptgegner dient dabei Charlton Heston, der als Präsident der National Rifle Organisation (NRA), kurze Zeit nach dem Massaker nach Denver reiste und für die Waffenlobby ein bekennendes Plädoyer für den uneingeschränkten Waffenbesitz abhielt. \"From my cold, dead hands.\" Leider ist die Konfrontation mit Heston zum Ende eine der wenigen Schwächen, die der Film besitzt, denn hier offenbart sich, dass der senile Heston nicht als das Hassobjekt dienen kann. Moore stellt der falschen Person die falschen Fragen.
Im Gegensatz dazu ist der Aktionismus, mit dem er es mit Hilfe von Opfern des Columbine Massakers schafft, dass eine Supermarktkette Munition aus ihrem Angebot nimmt, ein Höhepunkt. Dies ist ein Sieg gegen die großen Konzernbosse, aber vor allem auch ein Sieg für die Opfer des Massakers. Es zeigt wie wichtig gewaltloses, aber hartnäckiges Aufbegehren ist, und dass selbst die kleinste, aussichtsloseste Aktion zum Erfolg führen kann.
Michael Moore gelang mit \"Bowling for Columbine\" eine humorvolle Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft. Ein Film, der einen in der einen Szene herzhaft Lachen lässt, um in der nächsten Szene wiederum Bilder zu zeigen, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Dafür gab es im Kino Standing Ovations, vor allem vom jüngeren Kinopublikum.
Ein mehr als sehenswerter Film, der aufrüttelt, wütend macht, Angst verursacht, zur Zivilcourage aufruft und trotzdem, oder gerade deshalb zu unterhalten vermag.
Wertung: 9/10
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Moore, Michael, Stupid White Men. Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush, Piper Verlag 2002. 12 Euro
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