Die neun Pforten (DVD) Testbericht
Erfahrungsbericht von enno59
Teuflische Verfilmung
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„Ihr seht Pro7?“ Unser Heranwachsender war ehrlich empört. Hatte er doch oft genug von uns den Spruch zu hören bekommen: „Was guckst Du denn da? Ach so, Pro7...“ Ich wollte mir einen Film ansehen, der auf der künstlerischen Skala sicher weiter oben anzusiedeln als der Durchschnitt der Filme, die dieser Sender ausstrahlt, aber das wollte er einfach nicht akzeptieren. Daß der Name Roman Polanski durchaus für ein höheres Niveau steht (stehen kann), muß man in seinem Alter (noch) nicht wissen. Roman Polanski also führte in diesem Film „Die neun Pforten“ Regie, worüber noch zu reden sein wird.
Die literarische Vorlage zu diesem Film hatte ich gelesen, und deswegen wollte ich den Film auch sehen. „Der Club Dumas“ heißt das Buch und wurde von Arturo Perez-Reverte verfasst, einem spanischen Schriftsteller. Dessen Bücher schätze ich sehr, in erster Linie wegen der Komplexität und des Detailreichtums der Stories. Ob es um alte Seekarten geht, um alte Gemälde oder um alte Bücher – stets taucht der Leser in eine (normalerweise) völlig fremde Weilt ein, die dennoch nicht ausgedacht, ganz real ist. So auch dieses Buch, in dem es um (ur)alte Bücher geht, und um Mysterien drumherum.
Es gibt 2 Handlungsstränge: In dem einen geht es um Bücher von Alexandre Dumas, dem Autoren der Musketier-Erzählungen, in dem anderen um alte Bücher aus dem 17. Jahrhundert, deren Thema die Beschwörung des Teufels, von Luzifer ist. Der Inquisition waren solche Bücher natürlich ein Dorn im Auge, und deshalb ließ sie diese Bücher beschlagnahmen und verbrennen. Bei der Gelegenheit verbrannten sie den Buchdrucker (und Herausgeber) gleich mit. Nur 3 Exemplare entgingen dem Feuer.
Daß nun Polanski dieses Buch verfilmte, dem Regisseur solcher Filme wie „Rosemaries Baby“ oder „Tanz der Vampire“, liegt angesichts dieses Themas beinahe auf der Hand. Leider beschränkt sich Polanski auf den 2. Handlungsstrang – die Story um die Bücher von Dumas wird komplett ausgeklammert, vielleicht aber angesichts der Komplexität und des Umfang des Buches nicht anders möglich. Angekündigt war der Film übrigens als ein Fantasy-Film, was mich schon sehr wunderte, da das Buch derartige Tendenzen überhaupt nicht erkennen lässt.
Die Verfilmung dieses Buches durch Roman Polanski wirkt sich meines Erachtens nicht nur vorteilhaft aus. Zunächst, so finde ich, tut die Ausrichtung auf den amerikanischen Filmemarkt dem Thema nicht gut. Äußerliches Zeichen für die Ausrichtung ist schon der Namenswechsel: Die Hauptperson Lucas Corso heißt nunmehr Dean Corso – aus welchen Gründen auch immer.
Daran, dass ein Filmemacher aus dramaturgischen Gründen ein paar Szenen hinzuerfindet, gibt es nichts auszusetzen. Muß es aber gleich eine Beischlafszene vor einem brennenden Schloß sein – ohne Bedeutung für den Fortgang der Handlung, da kurz vor Ende des Filmes platziert? Als eventuelle Metapher (Sieg der Liebe über den Tod? Den Wahnsinn?) ist die Szene auch nicht zu gebrauchen, da ein solcher Gegensatz zuvor im Film nicht thematisiert worden war.
Auch der Schlussszene merkt man den Regisseur an, mit dem Buch hat sie nichts mehr zu tun, nicht mal mehr gedanklich. Und einzig dieses Schlussszenen sind es auch, die eine Kategorisierung als Fantasy-Film rechtfertigen würden, wenn nicht die Intention des Buches und auch über weite Strecken des Filmes keineswegs in diese Richtung gehen würde.
Bevor es zu diesen Schlussszenen kommt, ist der Film eine recht genaue Umsetzung des Handlungsstranges um die alten Teufelbeschwörungsbücher. Lukas Corso (gespielt von Johnny Depp) als Experte für und Händler von alten Büchern hat den Auftrag bekommen, die Echtheit von 2 alten Buchausgaben zu überprüfen. Leider befinden sich diese nicht im Besitz des Auftraggebers. Corso reist also quer durch Europa, und es gelingt ihm, sich die beiden Exemplare anzusehen und zu untersuchen. Schnell merkt er, dass die 9 Abbildungen dieser 3 Exemplare sich in je einem Detail voneinander unterscheiden. Merkwürdig genug... Genauso merkwürdig wie jenes Mädchen, das ihm bei seinen Reisen immer wieder begegnet und so etwas wie sein Schutzengel zu sein scheint. Und Schutz kann Corso gebrauchen. Sterben doch die Besitzer der beiden von Corso kurz zuvor untersuchten Exemplare – und das keineswegs eines natürlichen Todes. Und da ist auch noch jener Typ, der ihn offensichtlich beschattet...
An dieser Stelle will ich es bewenden lassen mit der Schilderung der Handlung. Erwähnen möchte ich nur noch, dass die Szene, in der das Buch die beiden Handlungsstränge verknüpft, im Film natürlich anders gestaltet ist. Und für mich entsteht genau an dieser Stelle ein Bruch. Bis dahin bietet das Buch, wie ich bereits erwähnte, eine Vorlage, die beinahe detailgetreu umgesetzt wird. Damit übernimmt der Film auch die Rätselhaftigkeit des Buches. Aber genau ab der Auflösung der Story verändert sich die Atmosphäre. Ging es bis dahin einfach nur um alte Bücher und deren Liebhaber, ist es nun, als ob diese Bücher plötzlich lebendig würden. Als ob die Beschwörung des Teufels nicht nur etwas ist, was in diesen uralten Büchern vor mehreren hundert Jahren gedruckt wurde, sondern als ob sie ein reales Element unseres Lebens wäre. Polanski lässt grüßen...
Da Corso in beinahe jeder Szene auftritt, steht natürlich Johnny Depp im Mittelpunkt des Filmes. Ich finde, dass er seinen Part sehr gut bewältigt. Wenn man ihn beispielsweise in „Don Juan DeMarco“ oder in „Benny & Joon“ gesehen hat, erkennt man seine Wandlungs- und Schauspielfähigkeit. Die anderen Darsteller wie Lena Olin, Frank Langella oder Emmanuelle Seigner (um nur die wichtigsten zu nennen) liefern eine solide Partie.
Da sich der Film in weiten Zügen an die Vorlage hält, kann ich Kritiken, dass der Film an frühere Filme Polanskis nicht heranreicht, nicht so richtig nachvollziehen. Es ist, als würde man einem Apfel vorwerfen, dass er nicht wie eine Birne schmeckt.
Gedreht wurde der Film 1999, in Deutschland kam er zum Jahresende 1999 in die Kinos. Inzwischen ist er auch als Video und CD zu haben. Für 9,99 € (Video) bzw. 22,99 € kann man ihn bei amazon erwerben.
Die literarische Vorlage zu diesem Film hatte ich gelesen, und deswegen wollte ich den Film auch sehen. „Der Club Dumas“ heißt das Buch und wurde von Arturo Perez-Reverte verfasst, einem spanischen Schriftsteller. Dessen Bücher schätze ich sehr, in erster Linie wegen der Komplexität und des Detailreichtums der Stories. Ob es um alte Seekarten geht, um alte Gemälde oder um alte Bücher – stets taucht der Leser in eine (normalerweise) völlig fremde Weilt ein, die dennoch nicht ausgedacht, ganz real ist. So auch dieses Buch, in dem es um (ur)alte Bücher geht, und um Mysterien drumherum.
Es gibt 2 Handlungsstränge: In dem einen geht es um Bücher von Alexandre Dumas, dem Autoren der Musketier-Erzählungen, in dem anderen um alte Bücher aus dem 17. Jahrhundert, deren Thema die Beschwörung des Teufels, von Luzifer ist. Der Inquisition waren solche Bücher natürlich ein Dorn im Auge, und deshalb ließ sie diese Bücher beschlagnahmen und verbrennen. Bei der Gelegenheit verbrannten sie den Buchdrucker (und Herausgeber) gleich mit. Nur 3 Exemplare entgingen dem Feuer.
Daß nun Polanski dieses Buch verfilmte, dem Regisseur solcher Filme wie „Rosemaries Baby“ oder „Tanz der Vampire“, liegt angesichts dieses Themas beinahe auf der Hand. Leider beschränkt sich Polanski auf den 2. Handlungsstrang – die Story um die Bücher von Dumas wird komplett ausgeklammert, vielleicht aber angesichts der Komplexität und des Umfang des Buches nicht anders möglich. Angekündigt war der Film übrigens als ein Fantasy-Film, was mich schon sehr wunderte, da das Buch derartige Tendenzen überhaupt nicht erkennen lässt.
Die Verfilmung dieses Buches durch Roman Polanski wirkt sich meines Erachtens nicht nur vorteilhaft aus. Zunächst, so finde ich, tut die Ausrichtung auf den amerikanischen Filmemarkt dem Thema nicht gut. Äußerliches Zeichen für die Ausrichtung ist schon der Namenswechsel: Die Hauptperson Lucas Corso heißt nunmehr Dean Corso – aus welchen Gründen auch immer.
Daran, dass ein Filmemacher aus dramaturgischen Gründen ein paar Szenen hinzuerfindet, gibt es nichts auszusetzen. Muß es aber gleich eine Beischlafszene vor einem brennenden Schloß sein – ohne Bedeutung für den Fortgang der Handlung, da kurz vor Ende des Filmes platziert? Als eventuelle Metapher (Sieg der Liebe über den Tod? Den Wahnsinn?) ist die Szene auch nicht zu gebrauchen, da ein solcher Gegensatz zuvor im Film nicht thematisiert worden war.
Auch der Schlussszene merkt man den Regisseur an, mit dem Buch hat sie nichts mehr zu tun, nicht mal mehr gedanklich. Und einzig dieses Schlussszenen sind es auch, die eine Kategorisierung als Fantasy-Film rechtfertigen würden, wenn nicht die Intention des Buches und auch über weite Strecken des Filmes keineswegs in diese Richtung gehen würde.
Bevor es zu diesen Schlussszenen kommt, ist der Film eine recht genaue Umsetzung des Handlungsstranges um die alten Teufelbeschwörungsbücher. Lukas Corso (gespielt von Johnny Depp) als Experte für und Händler von alten Büchern hat den Auftrag bekommen, die Echtheit von 2 alten Buchausgaben zu überprüfen. Leider befinden sich diese nicht im Besitz des Auftraggebers. Corso reist also quer durch Europa, und es gelingt ihm, sich die beiden Exemplare anzusehen und zu untersuchen. Schnell merkt er, dass die 9 Abbildungen dieser 3 Exemplare sich in je einem Detail voneinander unterscheiden. Merkwürdig genug... Genauso merkwürdig wie jenes Mädchen, das ihm bei seinen Reisen immer wieder begegnet und so etwas wie sein Schutzengel zu sein scheint. Und Schutz kann Corso gebrauchen. Sterben doch die Besitzer der beiden von Corso kurz zuvor untersuchten Exemplare – und das keineswegs eines natürlichen Todes. Und da ist auch noch jener Typ, der ihn offensichtlich beschattet...
An dieser Stelle will ich es bewenden lassen mit der Schilderung der Handlung. Erwähnen möchte ich nur noch, dass die Szene, in der das Buch die beiden Handlungsstränge verknüpft, im Film natürlich anders gestaltet ist. Und für mich entsteht genau an dieser Stelle ein Bruch. Bis dahin bietet das Buch, wie ich bereits erwähnte, eine Vorlage, die beinahe detailgetreu umgesetzt wird. Damit übernimmt der Film auch die Rätselhaftigkeit des Buches. Aber genau ab der Auflösung der Story verändert sich die Atmosphäre. Ging es bis dahin einfach nur um alte Bücher und deren Liebhaber, ist es nun, als ob diese Bücher plötzlich lebendig würden. Als ob die Beschwörung des Teufels nicht nur etwas ist, was in diesen uralten Büchern vor mehreren hundert Jahren gedruckt wurde, sondern als ob sie ein reales Element unseres Lebens wäre. Polanski lässt grüßen...
Da Corso in beinahe jeder Szene auftritt, steht natürlich Johnny Depp im Mittelpunkt des Filmes. Ich finde, dass er seinen Part sehr gut bewältigt. Wenn man ihn beispielsweise in „Don Juan DeMarco“ oder in „Benny & Joon“ gesehen hat, erkennt man seine Wandlungs- und Schauspielfähigkeit. Die anderen Darsteller wie Lena Olin, Frank Langella oder Emmanuelle Seigner (um nur die wichtigsten zu nennen) liefern eine solide Partie.
Da sich der Film in weiten Zügen an die Vorlage hält, kann ich Kritiken, dass der Film an frühere Filme Polanskis nicht heranreicht, nicht so richtig nachvollziehen. Es ist, als würde man einem Apfel vorwerfen, dass er nicht wie eine Birne schmeckt.
Gedreht wurde der Film 1999, in Deutschland kam er zum Jahresende 1999 in die Kinos. Inzwischen ist er auch als Video und CD zu haben. Für 9,99 € (Video) bzw. 22,99 € kann man ihn bei amazon erwerben.
Bewerten / Kommentar schreiben