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Owendo Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

LoMei

Seefahrt 4: In der Bucht von Owendo

ein Testbericht von 2002-03-16 16:31:30 vom 16.03.2002
Empfehlung: ja
Ich bin mit Wachegehen ins neue Jahr hineingerutscht. Am Neujahrstag 1955 gingen wir gegen 17:00 Uhr auf Reede von Libreville, der Hauptstadt von Gabun, vor Anker. Sie liegt am Eingang einer großen Bucht. Hier wurden die Ladepapiere klargemacht. Vom Schiff aus machte die Stadt einen freundlichen Eindruck. An Land kam niemand. Während der Nacht fuhren wir in südöstlicher Richtung weiter in die Bucht hinein bis zu unserem Liegeplatz. In einiger Entfernung lagen größere und auch kleinere grün bewaldete Inseln. Rundherum Wald. Es war eine wirklich sehr schöne Gegend.


INHALT

1. Ladebetrieb auf Reede von Owendo
2. Landgang in Owendo
3. Am Badestrand von Owendo
4. Beginn der Heimreise
5. Fazit


1. LADEBETRIEB AUF REEDE VON OWENDO

Unsere Kru-Boys waren mit dem Beladen des Schiffes beschäftigt. An Steuerbordseite lagen vorn und achtern riesige Flöße aus dicken Baumstämmen. In die Stämme war jeweils in der Mitte ein krampenähnliches Eisen mit einer Öffnung hineingeschlagen. Durch die Öffnung war ein Stahlseil gezogen. Die Stämme waren auf diese Art wie die Perlen an einer Kette aufgereiht. Auf den Stämmen standen die water-boys. Sie legten die vom über ihnen stehenden seitwärts festgezurrten Ladebaum herabgelassenen Seile wie eine Schlaufe um die Stämme und zogen sie fest. Dann schlugen sie mit einem großen Hammer die Eisen mit dem Loch heraus und gaben ein Zeichen, dass der betreffende Stamm von den Ladewinden über Ladebaum herauf gehievt wurde. Oben stand der tally-man. Er notierte die auf dem Stamm befindliche Nummer in sein tally-boock. Ein anderer Ladebaum war so gestellt, dass er direkt über der Lukenöffnung stand. In der Luft wurde durch geschicktes Manövrieren die Last von diesem Ladebaum übernommen und vom Mann an der Ladewinde langsam nach unter gefiert (herabgelassen). In den Laderäumen wurden die Stämme ebenfalls mit Stahlseilen über Blöcke (Flaschenzüge) in die richtige Position gezogen. Mit viel Geschrei und Getue waren die Kru-Boys an der Arbeit. Aber sie schafften gut.
Es war warm in Afrika. Auf dem Tisch vor mir summte ein Lüfter. Wenn der nicht gewesen wäre, hätte man nachts noch schlechter schlafen können.


2. LANDGANG IN OWENDO

Am 11. Januar 1955 gegen 18:00 Uhr fuhr das Boot zum Anlegesteg. Wir wanderten in einer Gruppe von etwa 10 Mann einen Berg hinauf. Es war bereits dunkel. An beiden Seiten der beachtlich guten Strasse standen hohe schlanke Palmen. Durch deren Kronen leuchtete der volle Mond. Es war richtig romantisch. Im Grase und im Gebüsch zirpte es in allen Tönen und Lautstärken.
Vor uns tauchten an beiden Seiten des Weges Hütten auf. In den Hütten oder davor saßen ganze Familien um ein Feuer herum. Wir grüßten oder wurden gegrüßt mit „Bon sior!“ Achim, unser Schmierer machte den Redeführer. Wir gingen an eine Hütte heran und begrüßten die Anwesenden. Wir kamen in ein holpriges Gespräch. Nach einer Weile holte jemand eine Harfe und ein anderer eine Trommel. Beide entlockten sie ihren Instrumenten eine eintönige sich immer wiederholende Melodie. Nach deren Takt tanzten einige Frauen mit stampfenden Schritten um ein kleines Feuer herum. Sie wiegten sich dabei so merkwürdig in den Hüften und sahen aus wie watschelnde Enten. Achim schloss sich ihnen an. Wir anderen wurden durch Gesten aufgefordert, auch mitzutanzen. Wir gingen also alle im Takt der schleppenden Melodie mit komischen sehr linkischen Körperbewegungen um das Feuer herum. Die fröhlichen Bewohner haben sich dabei köstlich über uns amüsiert.
In einer anderen Hütte baten wir etwa später um einen Trunk Wasser. Die Wände der Räume waren mit Titelseiten von Illustrierten geschmückt. An einer Wand hing ein großes Christusbild. Mitten im Dorf hatten wir eine aus Steinen erbaute Kirche gesehen. Die Leute waren alle sehr sympathisch und freundlich. Nachdem wir die Gastfreundschaft eine Weile genossen hatten, gingen wir durch die herrliche Tropennacht zur Anlegestelle zurück. Dort machten wir ein Feuer, damit die Kameraden an Bord sehen konnten, dass wir abgeholt werden wollten. Um 23:00 Uhr waren wir wieder an Bord.


3. AM BADESTRAND VON OWENDO

Nach einem Zwischenaufenthalt in Rio Muni fuhren wir am 14. Januar wir zurück nach Owendo. Am Sonntag, den 16, Januar hatte jeder Assi einen halben freien Tag. Nach dem Mittagessen machten wir uns fertig zum Landgang. Der Messesteward, 3 Matrosen, unser Koch und ich gingen zum Baden. Das Wasser war ganz prima. Ich bedauerte, keinen Fotoapparat zu besitzen. Der weiße Strand, das blaue Wasser, die sich leicht wiegenden Palmen, ein herrliches Bild. Die Eingeborenen hatten dort Einbäume von etwa 6 m Länge. Die waren mit einem riesigen Segel ausgerüstet und kippten erstaunlicherweise nicht um. Zwischen alten Baumstämmen fanden wir im Sand einen alten ausgemusterten Einbaum, der sofort seeklar gemacht wurde. Da er nur für eine Person gedacht war, paddelten wir umschichtig.
Am nächsten Abend fuhren wir wieder an Land. Es war schon dunkel. Wir wanderten ein Stück den Strand entlang, und dann ging es hinein in die kühle Flut. Die kühle Flut hatte 29°C. Wir badeten gewissermaßen mit Unterwasserbeleuchtung. Der Grund war Meeresleuchten. Bei jeder Bewegung leuchtete es im Wasser um uns herum auf. Das war ganz eigenartig und sehr schön.
Nach dem Baden gingen wir noch einmal zum Dorf hinüber. Dort machten drei etwa 18-20 jährige junge Männer auf drei verschiedenen Trommeln flotte Musik und einige Frauen tanzten. Es würde zu weit führen, die Einzelheiten näher zu beschreiben, aber wir hatten das Gefühl, Afrika erlebt zu haben.
Als wir an Bord waren, begann ab Mitternacht meine Wache. Der Tag war so ausgefüllt gewesen, dass mir irgendwann auf der Bank am Fahrstand die Augen zufielen. So erwischte mich der II. Ingenieur. Er hielt mir eine Predigt und trug mir eine Spezialarbeit auf.


4. BEGINN DER HEIMREISE

Am 19. Januar war das Schiff beladen. Nachdem die Hafen- und Ladepapiere in Libreville in Ordnung gebracht waren, wurde der Anker zum letzten Mal gelichtet, und wir traten die Heimreise an.
Am 20. Januar sahen wir gegen Abend Steuerbord achteraus eine Wasserhose. Das sieht aus, als stände auf dem Wasser eine riesige schlanke Säule, die sich nach oben, ähnlich einer Palme trichterförmig erweitert und zu rauchen scheint.


5. FAZIT

Wenn ich heute nach fast 50 Jahren an Owendo denke, sehe ich immer noch die abendliche Straße durch den Ort und höre ganz deutlich dieses vielstimmige intensive Zirpen der Grillen. Ich war später noch einige Male dort und auch im nicht weit entfernten Port Gentil und öfter auch für längre Zeit in anderen Gegenden Westafrikas, aber nirgends war es wie in Owendo.
Ich weiß leider nicht aus eigener Erfahrung, wie gut das Land heute erschlossen ist. In Port Gentil wurde damals Öl gefunden und eine Sperrplattenfabrik gebaut. Das hat Gabun sicher verändert.
Ich hatte mich damals beim Reederei-Agenten erkundigt, ob die Möglichkeit besteht nach Lambarene zu fahren, um einen Kurzbesuch bei dem damals noch lebenden Albert Schweitzer zu machen, aber der Bordalltag ließ das nicht zu.
Gabun ist ein schönes Land und eine Reise wert.
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Informationen zu Owendo

 
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