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Platz 11 in der Kategorie "Thema Kinder: Diverse Diskussionen".
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Das war Thailand einmal zuviel mein Herz...

erstellt am: 30.05.2006, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Empfehlung:ja
Pro:Du super, toller, fröhlicher Mensch
Kontra:wieso bist Du weg?
Damals rief mich dieser Prediger an, weißt Du, der Mann, der eine Predigt abhält, für Menschen, die nicht mehr Mitglied in der Kirchengemeinde sind, so wie Du! Ich habe nie verstanden, wieso er gerade mich anrief und nicht meinen Papa, oder Deine Schwester. Nein, er rief mich an. Doch was sollte ich ihm erzählen. Kannte ich Dich wirklich so gut? Klar, ich habe immer mit Dir zusammen gearbeitet, eigentlich kannte ich Dich in und auswendig mein Herz! Du warst ein toller Hecht, ich weiß. Du warst ein Lebemann, wie er im Buche stand. Du sahst mal super gut aus, als Du noch jünger warst. Na ja, klar, im Alter bekommt man graue Haare, Falten, einen dicken Bauch, ich weiß. Du hast immer gut gelebt. Du hast es verstanden, gut zu leben. Du hattest immer die schönsten Frauen. Jeder mochte Dich, jeder liebte Dich, ich auch! Und manchmal habe ich Dich auch gehaßt mein Herz!

Ich vermisse Dich! Jetzt immer noch, nach sooo langer Zeit. Vor fast 10 Jahren bist Du gestorben.Was soll ich sagen? Du warst einmal zuviel zum Ficken in Thailand? Diese Krankheit hat Dich dahin gerafft. Tuberkulose! Wie uninteressant. Tja, wir alle durften nach Deinem Tod zum Gesundheitsamt und uns röntgen lassen, ob wir uns vielleicht nicht doch angesteckt haben könnten. Haben wir nicht, zum Glück. Und ich vermisse Dich trozdem, egal was war, egal was Du für ein Mensch warst. Ein kleiner Gauner? Ein kleiner Betrüger? Oh ja, Du warst nicht immer astrein! Wieviele Sachen von uns hast Du ins Leihhaus geschleppt? Wie oft haben wir Uhren oder Schmuck vermißt? Papa hat sich immer aufgeregt. Und hinterher haben wir ja sooo gelacht. Später, als Du tot warst, später, als Papa tot war, später, ja später! Da wird einem so manches klar. Da hat man dann Zeit nachzudenken.

Du warst nie treu. All Deine Frauen hast Du betrogen. Du hast sie um den Finger gewickelt, sogar die Dame vom Sozialamt, als Du dann schon so krank warst und nicht mehr arbeiten konntest. Deine Stimme war so warm und weich wie Samt. Wenn man mit Dir telefonierte, geriet man ins schwärmen. Du warst ein toller Typ mein Herz! Und nachts hörte ich Dein elendes Husten, deine Qual, Deinen Schmerz, Dein Ende! Aber es kam so plötzlich, so unerwartet. Du warst immer fröhlich, trotz Deiner Krankheit, hast Du immer gelacht, warst immer zu Scherzen aufgelegt, nie traurig, nie frustriert und so krank.

Dann wurdest Du wieder ins Krankenhaus gebracht. Es war kalt draussen, es war Mai. Dein Sohn war bei Dir. Einer Deiner Söhne, den Zweiten habe ich damals verleugnet. Sie holten Dich mit einer Bahre ab. Du quältest Dich darauf und warst immer am lachen. Du wußtest, Du würdest nie wieder kommen. Du wußtest, dies war das letzte mal, dass Du uns zu Gesicht bekommen würdest. Dein Sohn war bei Dir als Du starbst. Ja, Dein Sohn! Der, der immer nur zum ersten jeden Monats zu Dir kam, wenn Du Dein Sozialgeld auf dem Konto hattest. Wie absurd! Wir haben Deinen Sohn nach der Beerdigung nie wieder gesehen.

"Wie war Ihr Onkel denn so?" wollte der Prediger wissen. "Erzählen Sie doch mal was von ihm. Was hat er in seinem Leben so getan? Was für Hobbys hatte er?"
"Och ja", antwortete ich ihm. "Zum Vögeln ist er immer nach Thailand gefahren. Er hat es sich gut gehen lassen. Er war immer gut drauf. Und er war ein Pflegefall in unserer Familie."
Er lebte auf einer Intensivstation im eigenen Heim, bei uns. Die Freundin meiner Tante bekochte ihn jeden Tag. Die Schwester meiner Mutter ging jeden Tag für ihn einkaufen. Ich saß jeden Abend bei ihm und er erzählte mir seine Geschichten, die so interessant klangen, so lebhaft und schön. Er hatte viel erlebt in seinem Leben. "Was ist mit seinen Kindern", wollte der Prediger wissen. "Tja, seine Söhne? Zwei hatte er. Der eine, ein Schmarotzer, der andere im Knast. Und er liebte sie beide."

Die Predigt hob Dich hoch in den Himmel. In den höchsten Tönen lobte Dich der Prediger mein Herz. Und wir saßen da, in kleinstem Kreise, und konnten uns ein Lachen kaum verkneifen. Sicher verdrehte der Prediger einige Dinge, erzählte sie anders, als ich sie ihm gesagt hatte, doch es war eine liebenswerte Ansprache, so liebenswert wie Du es warst. Du bist mit einem lachenden Auge gestorben, das weiß ich. Du hast Dein erfülltes Leben vor Dir gesehen, als Du Deine Augen geschlossen hast, das weiß ich. Leider bist Du auch viel zu jung gestorben. Du hast ein Loch in unsere Mitte gerissen. Ein Loch, dass niemand mehr ausfüllen kann. Du warst eine Persönlichkeit mit Deiner Lebenserfahrung, mit Deinem Mut, mit Deinem Frohsinn. Und wenn Du mal Geld hattest, hast Du uns immer davon gegeben(ich möchte nicht wissen, woher manchmal das Geld so kam). Du hast uns aber so viel mehr gegeben. Wenn du da warst, verschwand die Traurigkeit, Du hattest die Begabung, die Welt mit anderen Augen zu sehen, immer positiv, immer heiter.

Wir denken immer an Dich mein Herz und wir werden Dich auch niemals vergessen. Oft und gerne erzähle ich von Dir. Mach´s gut mein Herz und auf in ein anderes Leben, in Liebe Tina
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anne66
anne66, 31.05.2006

Grüßchen Anne
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