Deutsche Bahn AG Testbericht

Deutsche-bahn-ag
ab 63,68
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Summe aller Bewertungen
  • Angebot:  durchschnittlich
  • Zustand der Einrichtung:  gut
  • Sauberkeit:  durchschnittlich
  • Preis-Leistungs-Verhältnis:  schlecht
  • Information & Kundenservice:  durchschnittlich
  • Familientauglichkeit:  hoch
  • Behindertenfreundlichkeit:  gut
  • Empfehlenswert:  nein

Erfahrungsbericht von FredOnly

EC 24 Budapest-Köln EC 25 Köln-Budapest \\

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

GUTER NAME! SCHLECHTER RUF?
Der schnittige \"Liszt-Ferenc-Express\", mit 15 Minuten Verspätung aus Köln zu einem 4-Minuten-Stop in Regensburg-Hbf. am Dienstag, 09.Juli 2002 einfahrend, ist ein langer Aal mit 14 Waggons.
Er garantiert Abenteuer pur und obendrein die Erfüllung eines Bubentraums: Man bestellt sich einfach eine Platzkarte für den Wagen Nr. 253, orientiert sich am Zugplan am Bahnsteig, wo man sich genau hinpostiert, um ohne langes Gerenne direkt vor diesem Waggon zu stehen, wenn der Express zum Stehen gekommen ist.

Was hat dieser Waggon so besonderes? Nun, es ist der allererste des schnellen Zuges, integriert darin ist die ´Piloten-Kanzel´, die nur durch eine Glaswand mit der meist offenstehenden Glastür vom restlichen Passagier-Abteil getrennt ist. Diese Fahrgast-Kabine ist wiederum unterteilt: In der ersten Hälfte, direkt anschliessend zum Cockpit wurden Fahrrad-Halterungen installiert, damit Cycle-Touristen ihre Räder stabil einhalftern können. Viel Raum, in dem auch noch klappbare Sitzmöglichkeiten für die Radler zum Gebrauch stehen, die ihr Sport-Vehikel nicht aus den Augen lassen wollen bis sie an ihrem Zielort zur Tour -einzeln oder mit der ganzen Familie- aufbrechen.

In der zweiten Hälfte des Wagens, wieder getrennt durch eine gläserne Wand mit Glastür, geht es dann zu, wie in einem normalen Grossraum-Abteil, sogar mit zwei Tischen und NoteBook-internet-Steckdosen. Besonders attraktiv ist, dass sich in Nr. 253 ein speziell grosser Freiraum befindet (wenn nicht belegt, bestens, um sich die Füsse zu vertreten), der normalerweise Reisenden zur Verfügung steht, die mit Rollstuhl eine Fahrt antreten. Dass nun der Speisewagen fast am anderen Ende des Zug-Wurms eingegliedert ist, stört wenig; dieser Scouting-Trip dorthin vergegenwärtigt einem immerhin, wie schön gemütlich man es doch im 253er-Abteil hat: Nicht-Raucher sowieso, frischere Luft durch weniger Fahrgäste, kein Passagier-Gedrängel mit Durchgangsverkehr (schliesslich sitzt man \"Führerhaus\" und da gehts dann ja nicht mehr weiter....). Obwohl gerade an diesem denkwürdigen heissen Dienstag ausgerechnet in diesem Wagen die Air-Condition ausgefallen war; man war der Versuchung ausgesetzt, in die kühlen hinteren Waggons zu wechseln. Wenn es an einem Wochenende gewesen wäre, wäre es allerdings aussichtslos gewesen dort einen Platz zu ergattern: Durch den ausserordentlich günstigen Wochenend-Tarif, den die Österreichische Bahn eingeführt hat, ist gerade dieser Zu proppen-voll.- Bis hierher (das mit der AirCondition-Panne kann ja mal vorkommen, da wollen wir mal nicht so sein...)alles angenehm und bestens. Ein richtiger Geheimtip dieser Wagen 253! Beste Noten gäb es für diesen Wagen!

Und jetzt wird´s spannend:
Ich bewegte mich viel: Die 7 Stunden und 10 Minuten vorgezeigte Bahnfahrt von Regensburg zum Budapester Süd-Bahnhof wollte ich mir so kurzweilig wie möglich gestalten. Von meinen Daheimgebliebenen wurde mir geraten: \"Halte Dich lange im Speisewagen oder an der Getränkebar (da gibts auch Cola, nicht nur Bier und dort kann man auch eine Zigaretten-Pause einlegen für die, die´s immer noch nicht sein lassen können..). Dort sitzt man freier und gerne länger und kommt sogar, wenn man will, leichter mit interessanten Gästen in einen Plausch-Kontakt.\"- Diesem Rat gefolgt, sass ich da an einem sehr ansprechend gedeckten Tisch und bildete mir ein ganz bestimmtes Fleisch-Pfannen-Gericht aus der Speisekarte ein. Bei der Bestellung wurde ich dann aber vom Kellner belehrt, dass ich genau von gebratenen Speisen heute Abstand nehmen sollte, weil irgendetwas mit dem Ofen nicht in Ordnung sei und keine Garantie für das einwandfrei Gelingen übernommen werden kann! (....und das bei den Preisen!!). Das kann ja mal vorkommen; so, wie bei der heutigen defekten AirCondition-Anlage im vordersten Wagen! Aber soll das vorkommen? Ich sah auch über diesen zweiten zufälligen Defekt grosszügig, weil immer noch gut gelaunt, hinweg.

Über Lautsprecher wurden mit sonorer Stimme, wie im Flugzeug von einen Steward, die jeweils folgenden Haltestellen und Anschlüsse durchgegeben, auch mit dem Hinweis, dass der Speisewagen auf uns wartet, um keinen Wunsch offen zu lassen... Das Charmante an diesen Ansagen war, dass von Regensburg nach Passau -also auf bayerischem Gebiet- ein entsprechender Dialekt nicht zu überhören war. Ab Passau dann, bis Wien wurden die Hinweise von einem ´österreichisch-sprechenden´ Service-Man durchgegeben.

Ich war in 253 sicher zurückgekehrt und verdaute auf meinem reservierten Sitz das Essen und das Erlebte. In Fahrtrichtung sitzend war ich vom Platz der Lok-Führer wie durch ein Magnet angezogen! Wie oft sass ich in meiner Kindheit an einem Bahnsteig und beobachtete die ein-, aus- und durchfahrenden Güter- und Personenzüge, die Lokomotiven ganz besonders.- Sollte ich heute endlich in den Genuss kommen, die Bahnfahrt nicht nur mit seitlich vorbeihuschenden Landschaften und Städten und Bahnhöfen zu erleben?

Ich musste einfach bis hin zur Spitze, und das auch noch von einer Art \"Orient-Express\"!

........und so stand ich da, verzaubert, mit offenen Augen, offendem Mund und vor der offenen Glastür, die mich zum Allerheiligsten nicht mehr trennte! Ich konnte die Instrumententafeln ablesen! Der Flitzer mit hunderten von Passagieren an Bord raste dahin mit 160 Stundenkilometer! Die Gleise, Gleisübergänge, Weichen, Ampeln, Bahnhöfe an denen durchgerauscht wurde, alles, alles auf mich zukommend! Ein Jungen-Traum war wahr geworden!

Eines hielt ich allerdings für unwahr! Und auch hier traute ich meinen Augen nicht: KEINE CREW! Bei so einem Wahnsinn von Zug, keine Crew! Kein Co-Pilot!
Ich wurde aus meinen einfältigen (Kinder?)Vorstellungen gerissen!--- Der Schaffner, der Billetl-Zwicker schaute mal von Zeit zu Zeit vorbei, und wechselte ein paar Worte mit dem Piloten! Den Co-Pilotensitz (der war wohl vorhanden)nahm die Aktentasche und einige persönliche Utensilien des Kapitäns an Bord in Beschlag! Dass die erwähnten Ansagen über die Waggonlautsprecher aus einem gespeicherten Tonband, dass ebenfalls vom einzigen Mann vor Ort zur gegebenen Zeit mit Knopfdruck aktiviert wurden, ist einleuchtend in unserer modernen Zeit; aber dass der wichtigste Mann im Zug mit seiner immensen Verantwortung auch noch durch u.a. solche für ihn Nebensächlichkeiten abegelenkt wird, liess mir die Haare zuBerge stehen.- Der Lok-Führer auf deutschem Gebiet war ein junger, cooler, ganz auf seine Sache sich konzentrierender junger Mann. Aber eben alleine!--- Ich gehe jede Wette ein, dass der Grossteil aller Fahrgäste sich nicht bewusst ist, dass der (nicht nur?)Franz-List-Express von einem einzigen Experten alleine dominiert wird! In das in allen schnellen Zügen so? Ich bin überfragt. Jedenfalls sah ich bisher in jedem ganz einfachen Güterzug eine Zwei-Mann-Besatzung. Soll mir keiner mit dem Argument kommen, in der Strassenbahn oder im Bus würde schliesslich auch nur ein Lenker das Fortbewegungsmittel beherrschen.

An der österreichischen Grenze stieg der zuständige Steuermann in die Kapsel. Ebenfalls mit Aktentasche, Wasserflasche und Pullover bewaffnet. Den Pullover hätte er ruhig zu Hause lassen können: Da fiel ja prompt die AirCondition aus.- In rasendem Tempo mit einer Arschbacke auf dem Sitz sich haltend, gleichzeitig mit einem Fuss sich abstemmend, die Knöpfe der Heizungsschalter überprüfen wollend, bei kurzen Bahnhofstops auch noch reparieren wollend, ging es weiter, immer weiter in Richtung Wien.------ ....und wenn dem Kapitän vor lauter Überstress und fast nicht auszuhaltender Hitze (oder aus sonstigen anderen Gründen) das Herz still steht? Was ist bei einem Schlaganfall? Oder er verschluckt sich, aus seiner Flasche trinkend? Oder er übersieht eine Stop-Ampel vor lauter Herum-Handteln an Knöpfen, Schaltern und Sicherungen, die ihn imgrunde garnichts angehen (dürfen)!? Und dass er (wie bekanntgeworden, so mancher Flug-Pilot) -aber das will ich ausdrücklich und tunlichst ausschliessen- ein oder zwei Gläser \"zuviel\" intuss haben würde? Für all diese und mehr Fälle: Muss da nicht mindestens ein ´Beifahrer´ her? Für alle Fälle?!

Ich war perplex. Ich stand bereits seit insgesamt gerechnet zwei Stunden unauffällig und unbeweglich dort. Ich fiel in ein schwarzes Loch! Ach was, in eins... in zwei Löcher! Vor der Ortschaft Pöchlarn passierte es nämlich: Plötzlich war es dunkel, nein, es war mir (und dem Lokführer) ganz schwarz vor den Augen: Der Zug raste in dieses schwarze Loch. Es war galaktisch. Wir befanden uns in einem langen Tunnel, in dem das Ende mit keinem kleinen weissen Punkt zu erkennen war. Erst im letzten Teil der ´Schwarzfahrt´ waren endlich Tunnelwandbeleuchtungen auszumachen.- Ein Albtraum, dessen Ende sicher aber nicht abzeichnete, weil sich von weitem bereits der zweite, wie sich für mich herausstellte, noch längere Tunnel vor uns aufbaute. Wie sicher weiter herausstellte, fielen wir in ein noch tieferes Loch: Da gabs dann überhaupt keine Beleuchtung und wir bewegten uns immer vorwärts, immer vorwärts wie im dunklen Weltall; Zeit, Raum und Geschwindigkeit nicht mehr fühlen könnend, nur noch vom Armaturenbrett ablesend. Von diesem seltsamen Gefühl wurden die Fahrgäste in den Waggons insofern bewahrt, weil sie ja alle nichts vom direkten \"Blind-Flug\" mitbekamen. Eine Horrorvision. Oder gibt es vielleicht allgemein in Zug-Tunnel keine Beleuchtung? Und wenn ausgerechnet in so einem Schacht etwas passiert? Wenn die Reisenden dort schleunigst aus dem Zug müssen? Die tappen allesamt in tiefschwarzer Nacht, im Dunkeln! Nicht auszudenken!

.... den ´Planeten´ Pöchlarn danach endlich ´streifend´, erging es mir so, als ob ich aufs neue ´das Licht der Welt´ erblickte!

In Wien-Westbahn endlich gelandet, ich hatte bestimmt ein paar graue Horror-Haare auf dem Kopf, wurde der einzige Lokführer, den es gab, ausgewechselt. Der stromlinienförmige Führerstand wurde verschlossen, die Instrumente abgeriegelt. Der ausgestiegene Lokführer -sichtlich mitgenommen- sass bereits auf der Bahnsteig-Bank, wartend. Auf seine Crew vielleicht? -

Wien-Westbahnhof ist ein Sack-Bahnhof. Dort kommen die Ungarn dran. Die koppeln ihre eigene, nicht integierte Lok ans andere Ende des Zuges und es blieb mir nur zu hoffen, dass die mit einer ordentlichen Zwei-Mann-Mannschaft den jetzt \"Liszt-Ferenc-Vonad\" alle Insassen heil zum Budapester Zielbahnhof bringen, wie es auch geschehen ist

Als NACHWORT noch diese Anekdote:
Am Samstag, den 06.Juli 2002, also bereits auf meiner Hinfahrt nach Regensburg und zum allerersten Mal im Waggon 253 hatte sich folgendes zugetragen. Auf der umgekehrten Route Budapest-Köln ist dieser 253er ab Österreich als letzter Wagen gekoppelt. Der Zug ist -wie gesagt- derart lang, dass ich beim Aussteigen am Regensburger Bahnhof nicht am Bahnsteig ´auf Land´ kam, sonder im Baugerüst unter der dortigen Brücke, die gerade erneuert wird. Noch Meter vom Bahnsteig entfernt. Nachdem dort die zu den Waggontüren gleich-ebene Asphalt-Bahnsteig-Plattform noch lange nicht begann, verdankte ich es nur meiner Agilität und wenig Reisegepäck, dass ich ohne Hals- und Beinbruch im wahrsten Sinne des Wortes abspringen konnte, ohne Fallschirm.

Die Gleisführung machte genau da obendrein eine Krümmung vor der normalen Bahnsteig-Geraden; vom Lok-Führer, 14 Waggons entfernt, den letzten Wagen uneinsehbar! Ich erreichte zwar "den Hof mit Müh und Not", nicht so ein Familienvater (der hätte einen Schleudersitz gebrauchen können), der sich verzweifelt und vergebens anschickte, genau an dieser Stelle sich, seine Frau mit Kind und Kegel samt Fahrräder aus dem Zug zu holen....

Bei 3-4 Minuten Aufenthalt blieb dem Verzweifelten dazu keine Zeit, der Zug setzte sich bereits wieder in Bewegung. Der Mann hielt als Erst-Reaktion seinen Fuss in die automatische Tür. Meine versuchte Hilfeleistung kam längst zu spät; so fuhr er an mir noch im Schritt-Tempo an mir vorbei und ich hörte nur "ich will raus hier, ich will raus"; sein Fuss hielt anscheinend nicht lange dem Druck der Tür stand.
Der Zug gewann an Geschwindigkeit und der Lokführer hatte keine Ahnung, welches Drama sich da ganz hinten abspielte.

Der Aufsichtsbeamte am Bahnsteig, der mit der roten Mütze, kam mir fragend entgegen, wo ich denn herkäme und was da hinten mit der Tür los war. Ausser mir war längst alle Ausgestiegenen vom Bahnsteig verschwunden... Ich erklärte die Situation und wir beide schauten noch eine Weile dem Zug nach. Wir sahen nur noch die letzten Waggons von weitem zwischen Gleis-Weichen entschwinden wollend.--- Plötzlich hielt der berühmte Franz-Liszt-Express auf der Strecke inne!! Die Radler mussten offensichtlich als letztes Mittel die Notbremse gezogen haben. Es gibt also keine Handy/Funk/Talk-Verbindung weder innerhalb des Zuges zwischen Schaffner und Lokführer noch zwischen dem Bahnsteigverantwortlichen und der Lok-Kanzel?!

Hoffentlich musste der Arme nicht auch noch Bussgeld hinlegen. Buss- und Schmerzensgeld bis hin zur Gefahren-Zulage sollte vielmehr die Bahn an uns Leidtragende in diesem Falle erwägen. Wer stimmt mir da nicht zu?

Wer auf meiner Seite wäre, ist Herr Liszt selbst, der sich wohl im Grabe umdrehen würde, wenn er mitbekommen würde, was mit dem Zug -nach ihm benannt- so alles passiert. Das ist nur einer von den "Züge mit Namen"! Wenn die gleichen Zustände in ähnlichen Zügen herrschen, dann ist es bald dahin mit dem guten Ruf dieser guten Namen.--- Ich denke mit Schaudern an den neu eingesetzten Zug-Düsen-Jäger von Köln nach Frankfurt und zurück, der ja mit 300 Stundenkilometer durch die Gegend jettet! ...auch nur mit einem Piloten?

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