Filmkritiken Testbericht

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Erfahrungsbericht von dabutsch

Viel nakte Haut um nichts \

Pro:

Schöne Landschaftsaufnahmen

Kontra:

Ziemlich verkopfte Story.

Empfehlung:

Nein

Bei einer Sneak-Preview wurde mir der Film \"Lucia und der Sex\" gezeigt. Hier meine Kritik:

DIE HANDLUNG

Zwei junge Menschen -Mann und Frau, wie könnte es auch anders sein- tauchen engumschlungen aus den mondbeschienenen Wellen des Mittelmeers auf, schauen sich tief in die Augen, und sind sich einig: Das war „der beste Fick“ ihres Lebens.
Verzeihen Sie die vulgäre Ausdrucksweise, aber daran wird sich schnell gewöhnen müssen, wer sich einen Film anschaut, von dem der Regisseur selber sagt, dass „Sex in einer Zwischenform von Porno und Werbung vorkommt“. Ich würde ja sagen ersteres dominiert klar... ....doch beleiben wir vorerst bei der Story.
Elena (Naiwa Nimri) und Lorenzo (Tristán Ulloa) tausche nur noch schnell ihre Namen und Heimatorte aus, dann beschließen sie ihre Beziehung auf diesen One-Night Stand zu beschränken und ihre Wege trennen sich.
Lorenzo, so erfährt der Zuschauer, hat es als Schriftstelle mit seinem Erstlingswerk zu bescheidenem Ruhm gebracht, und wartet nun auf eine Muse, die ihm die Eingebung für einen weiteren Roman gibt, den der Verleger lieber heute als morgen auf dem Schreibtisch liegen hätte. Just zu diesem Zeitpunkt lernt er Lucia (Paz Vega) kennen. Sehr schnell werden die beiden ein Paar und das es bei den beiden auch im Bett bestens klappt belegen Aufnahmen, die sich nur mit Mühe an der Zensur vorbei gemogelt haben dürften. Und ausgerechnet Lucia ist es, die ihn ermutigt die Geschichte diese besagten Nacht auf der Insel als Basis für sein neues Buch zu verwenden.
Elena sehen wir neun Monate später wieder. In Grossaufnahme sehen wir, wie sich ihre und natürlich Lorenzos Tochter ans Licht der Welt vorkämpft. Sie macht sich auf die Suche nach Lorenzo, vorerst erfolglos.
Nicht so Lorenzo. Eher zufällig lernt er seine Tochter kennen. Doch er gibt erzählt ihr nicht, dass er ihr Vater ist. Ein folgeschwerer Fehler, den er mit Selbstzweifeln, und tiefer Depression bezahlt.
So verwirren sich die Lebensläufe der Figuren geradezu dramatisch, ohne dass es einer von ihnen wirklich durchschaut.

DIE UMSETZUNG

Leider ist die Story wirklich so holprig, wie meine Kurzfassung, und wirkt dadurch bisweilen doch sehr konstruiert. Durch viele Rückblenden und die sich ziemlich gleichenden Charaktere der weiblichen Figuren fällt es schwer der Story intuitiv zu folgen. Viele Szenen spielen sich auf der Eingangs erwähnten Insel ab, was dem Film immer wieder wunderschöne Landschaftsaufnahmen beschert. Nur leider ist die Handlung hoffnungslos überfrachtet. Eine Nebenhandlung überrennt die nächste, so das einen das Gefühl beschleicht, der Regisseur hätte sich am Schneidetisch nicht von einer seiner Aufnahen trennen wollen.
So wird der Film zunehmend zäher, und der Abspann wirkt geradezu wie eine Rettung vor weiteren plötzlichen Stimmungswandeln der Figuren.

DIE SCHAUSPIELER

Ich masse es mir als Schauspielerischem Laien nur ungern an, über Profis zu urteilen. Belassen wir es dabei, dass es den Hauptdarstellern, insbesondere einem absolut überzeugenden Tristán Ulloa (als Lorenzo), zu verdanken ist, dass ich den Film nicht frühzeitig verlassne habe.
Phasenweise unglaubwürdig fand ich Paz Vega (als Lucia) was man ihr bei der konfusen Rolle die sie zu spielen hatte schwerlich übel nehmen kann. Naiwa Nimri (als Elena) wirk in ihrem einsamen Ferienhaus auf einer noch einsameren Insel eher deplaziert.
Geradezu leid getan in seiner absolut konstruierten Rolle hat mir Javier Cámara (in einer Nebenrolle als Pepe) den ich noch von „Sprich mit ihr“ (ebenfalls aktuell im Kino) als brillanten Charakter-Schauspieler in Erinnerung habe.

FAZIT

Wer sich „Lucia und der Sex“ anschaut muss sich auf einen Film gefasst machen, der mit jedem Bild versucht Anspruchsvoll zu sein. Unter diesen Bemühungen geht das Cineastische Ein mal Eins, nämlich eine schlüssige Story glaubwürdig rüberzubringen leider viel zu oft verloren. Es fällt mir herzlich schwer einen anspruchsvollen Film zu „zerreißen“ –gibt es davon doch viel zu wenige in deutschen Kinos- doch bin ich der Meinung, doch macht es einen Film noch nicht anspruchsvoll, wenn lediglich die Handlung kompliziert erzählt wird und die Figuren allesamt zu Psychosen neigen. Was ich bei „Lucia und der Sex“ vermisst habe sind die tiefgehende Gedanken und Denkanstösse, von denen der Film immer wieder suggeriert er habe sie, mit denen er aber nie wirklich rausrückt.
Über die immer wieder schlagartig auftauchenden Szenen tabuloser Sexualität muss jeder für sich selber urteilen. Ich finde sie deshalb unpassend, weil sie wirken, als seien sie gedreht worden um den Filmtitel zu rechtfertigen. Den Film selber bringen sie kein bisschen weiter.
Bleibt noch das enttäuschendste an dem Film, -in Spanien übrigens ein echter Kassenschlager- der Schluss.
Nachdem man als Zuschauer schon mindestens drei mal mit dem Abspann gerechnet hat quält uns Julio Medem noch mit einen kitschigen Schluss den man wahrlich eher in einer Produktion jenseits des Atlantiks erwartet hätte.
So habe ich es nach diesem Kinobesuch zum ersten mal erlebt, dass am Ende des Filmes Applaudiert wurde. Leider nicht des Film wegen, sondern einfach nur, weil er nach 128 Minuten endlich fertig war!
Lassen Sie sich von der Vorschau nicht blenden, und gehen Sie, sollte es sie nach einem anspruchsvollen Spanischen Film zumute sein, lieber in „Sprich mit ihr“.

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