Glossen Testbericht

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Erfahrungsbericht von Indigo

Sind Sozialarbeiter nur Polizisten ohne Uniform ?

Pro:

alle Jahre wieder

Kontra:

und immer wieder schön

Empfehlung:

Nein

Sind Sozialarbeiter nur Polizisten ohne Uniform ?

Wir kennen es alle: Die Polizei, Dein Freund und Helfer. Und wir wissen auch, dass soziale Arbeit mit ihren Berufsangehörigen für sich in Anspruch nimmt, anderen Menschen zu helfen. Besteht der kleine, aber feine Unterschied vielleicht darin, dass Sozialarbeiter seit den siebziger Jahren keine Uniform mehr tragen.

Da hatten Sie, abgesehen von der Mütze, die Latzhose und die Birkenstocksandale für ihre Identität gewonnen. Sozialarbeiter haben Macht, üben Kontrolle aus und setzen Rechtsnormen gegenüber ihrer Klientel durch. Im Klientenkontakt formulieren Sozialarbeiter oft einen Vorbehalt gegenüber der Polizei. Sie suggerieren ihren Klienten, dass Polizei ein Synonym für Staat sei und Staat ist kritisch zu beurteilen.

Die Polizisten haben es ähnlich schwer. Wer denkt schon an den Freund und Helfer, wenn er von der Polizei angehalten wird und den freundlichen Hinweis bekommt, dass eine Rückleuchte nicht funktioniert. Ich habe die Polizei bislang in meinem Leben nur einmal als Freund und Helfer interpretiert. Da war ich im Gelsenkirchener Parkstadion auf der Toilette mit meinem Borussia-Dortmund-Schal und zwanzig angetrunkene Schalkefans kamen rein. Als ich da die zwei Polizisten sah, dachte ich an meinen Freund und Helfer.

Aber unsere lieben Polizisten wollen vielleicht wirklich helfen. Ich erinnere mich an einen Kreuzberger Kontaktbereichsbeamten – die Sozialarbeiter nennen das Streetworker – der einem Anwohner erklären wollte, dass man nicht auf dem Gehweg parkt. Der Anwohner fragte, was es im Bußgeldkatalog koste, wenn er jetzt „Du Arschloch“ sagen würde. Der Polizist sagte irgendeine Summe, da hat es der Anwohner dann gelassen.

Sozialarbeiter und Polizisten haben noch mehr gemeinsam. Beide machen gern Hausbesuche. Ich habe Polizisten erlebt, die am helllichten Tag mit Taschenlampe Spuren gesucht haben. Ein mir bekannter Allergiker musste einen Schäferhund durch seine Wohnung wüten lassen. Der Hund sollte Haschisch finden. Doch nur mein Bekannter wusste, wo was zu finden ist. – In seiner Wohnung jedenfalls nicht. Selbst aus der Zahncremetube wurde eine Probe mitgenommen. Sozialarbeiter nennen das Anamnese. Sie nehmen keine Spuren auf, sie wollen Erkenntnisse gewinnen. Die halten sie dann in Akten fest.

Womit wir bei den schriftlichen Anteilen der beruflichen Tätigkeit sind. Ich kenne die tollsten Protokolle und Einsatzberichte, da stehen Sachen drin, die auf die dringende Belegung eines Deutschkurses an der Volkshochschule hinweisen. Es scheint etwas dran zu sein, dass beide Berufsgruppen gemeinsam haben, aktiv handeln und wenig schreiben. – Aber alles festhalten! Die Sozialarbeiter machen das mit ihrem hervorragenden Gedächtnis, die Polizisten haben Handschellen. Dies wiederum würden die Sozialarbeiter Helfersyndrom nennen.

Beide Berufsgruppen sind auch bei Jugendlichen sehr beliebt. Sie sprechen halt gern die gleiche Sprache. Polizisten und Sozialarbeiter wollen halt gern modern sein. Zum Beispiel am 1. Mai in Berlin. Da verkaufen die vielen Sozialarbeiter an Marktständen selbstgebastelte Freundschaftsbändchen für einen gemeinnützigen Zweck und die Polizisten bringen die ganze Festgesellschaft zum Weinen. Selbst auf dem Kinderspielplatz am Mariannenplatz wurde Tränengas geworfen. Sogar die kleinen Kinder haben geweint. Die Sozialarbeiter fanden das nicht schön. Zunächst wollten sie mit allen darüber reden, dann haben sie die gesellschaftlichen Ursachen und das Schweinesystem diskutiert.

In meinem Freundeskreis sind mehrere Polizisten und viele Sozialarbeiter. Sie sind sich zum Verwechseln ähnlich. Ein Unterschied ist jedoch „noch“ berufskonstituierend:

Sozialarbeit ist ein traditioneller Frauenberuf. Die Polizei ist ein traditioneller Männerberuf. Auch hier ist eindrucksvoll zu beobachten, wie beide Berufsgruppen aufeinander zu gehen. Schon melden sich die ersten Sozialarbeiter, die grün-weiße Dienstwagen haben wollen und die ersten Polizisten beantragen eine Versetzung in Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen.

Um die Jahrhundertwende haben gutbürgerliche Frauen um Alice Salomon ihr mütterliches und fürsorgliches Engagement zum Berufsbild erhoben. So entstand in Berlin die erste Frauenschule für soziale Berufe. In den siebziger Jahren hieß die weitverbreitete Parole: „Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform!“ – Oder war es andersrum? Auf den Fluren der sozialen Frauenschule stand: "Zwischen Bullenhelm und Nasenbein passt immer noch ein Pflasterstein!"

So weit so gut.

Indigo 2005









----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-02-02 08:13:33 mit dem Titel YOPI, BIG BROTHER UND DIE SUCHT

YOPI, BIG BROTHER UND DIE SUCHT

Wahrscheinlich ist es vielen von Euch so gegangen, eine Freundin, ein Freund oder auch nur ein ,Bekannter hat Euch von Yopi erzählt, Ihr seid wie ich neugierig geworden, habt Interesse gezeigt, Euch dann angemeldet und den ersten eigenen Beitrag verfasst.

Unglaublich: schon nach Sekunden habt Ihr die erste Resonanz der Yopinauten erhalten.

Wenn Ihr Glück hattet, waren es einige "sehr nützlich". Nun wollten wir doch alle wissen, wer war das, oder? Und schon geht es weiter im Forum.

Die ersten Beiträge werden gelesen und selbst bewertet. Vielfach finden wir das Bewertungsschema komisch und handeln dennoch freundlich, aber nach Interessen und Gefühlen.

Wem spricht man zunächst das vertrauen aus? Natürlich demjenigen, der einem das Ganze erklärt hat. So nach und nach wird klar, worum es geht: es geht überhaupt nicht um Geld. Anscheinend befinden wir uns in einer Solidargemeinschaft.

Big Brother lässt grüßen.

Doch mit zunehmender Dauer erhöht sich die Frequenz, mit der wir einen Blick auf die Yopi-Points werfen, die Dynamik erhöht sich, neue Beiträge werden verfasst, die Festplatte wird nach alten Ergüssen durchsucht und wir erlernen das Aktualisieren unserer Beiträge.

Inzwischen ist es uns auch gelungen, Menschen zu identifizieren, die interessante Themen aufgreifen, Menschen die interessante Berichte schreiben und Menschen, die beides können.

Als äußerste Suchtgefahr erweist sich die Tatsache, dass uns selbst gleiches widerfährt. Da finden wir nette Leute, welche die Rückseiten diverser Knorr-Fix-Tüten zu seitenlangen Berichten verdichten und diejenigen, die achtzig Worte zu einem Gedicht verknüpfen. Aktuell sind nach meiner Beobachtung Balea-Gesichtsreinigungstücher schwer im Kommen.

Wir lernen jetzt bald, dass man am Besten niemanden mit "geht so" oder "nicht nützlich" bewertet, der gleiches kurz zuvor mit uns getan hat. Sofort werden diese Bewertungen als Rachebewertungen geoutet. Das ist ganz schön peinlich.

Gut funktioniert es ,wenn man nur "sehr nützlich" wertet, dann ist die Resonanz meistens positiv und das eigene Konto wächst geschwind. Die grundsätzliche Schwierigkeit besteht meines Erachtens in der Anonymität der Yopiisten. Wenn doch wenigstens das Alter angegeben wäre.

Um Missverständnissen vorzubeugen, auch mir sind Datenschutz und Freiheit heilig, aber diese vermeidbaren Fauxpas sind einfach zu ärgerlich. Es ist doch ein Unterschied, ob ich den Beitrag einer zwölfjährigen Schülerin aus Oberbayern über die Todesstrafe bewerte oder den gleichen Beitrag eines vierundvierzigjährigen Beamten mit fundierter Lebenserfahrung kritisiere. Das muss man doch wissen, oder?!

Selbst eingestellte Fotos helfen da manchmal wenig, kann man sich doch mit der Alterseingrenzung sehr verschätzen.. Mir ist es schon passiert, dass ich dachte, die ist doch höchstens 26, dabei stellte sich hinterher heraus, sie war fast doppelt so alt.

Kommen wir zu den Vertrauensausbrüchen bei Yopi. Erst heute habe ich in der Community gelesen, dass eine Voraussetzung für das ausgesprochene Vertrauen die regelmäßige Veröffentlichung sei. Auch eine gute Idee!

Ich habe letzte Woche ausprobiert, was passiert, wenn ich jemandem mein Vertrauen ausspreche, den ich noch nie bewertet habe. Interessant, interessant. Was bedeutet denn nun Vertrauen bei Yopi? Ich finde, wenn jemand ausschließlich nur über Kochrezepte, Reinigungsmilch und Fertiggerichte schreibt, so kann man diesem Mensch in diesem Umfang durchaus vertrauen.

Aber kann man beispielsweise Frauen trauen, die über Verhütungsmittel schreiben? Ich weiß nicht.

Ich vertraue ab jetzt jedem, der meine Berichte bewertet; das können ja nicht so viele sein.

Außerdem kann ja jeder beobachten, wem ich vertraue und gleichzeitig sehen, wer mir vertraut. Das ist mir manchmal ganz doll peinlich. Ich komme mir da vor wie im Container. Big Brother lässt wieder grüßen. Eine liebe Freundin behandele ich durchweg sehr kritisch, ich glaube ich bin da etwas ungerecht. Aber das Bild ist so undeutlich und das Alter fehlt leider. Ich kann da nur mutmaßen. Aber ich vertraue ihr, aus tiefstem Herzen. Denn sie ist sehr beliebt und gerecht


Was hab ich eigentlich davon, wenn ich mir eine Liste anlege, mit Namen, denen ich nicht vertraue? Wozu muss ich das wissen? Wer soll diese lange Liste ständig überwachen? Oder soll man da nur Intimfeindschaften protokollieren? Weiß man denn die nicht so. Das macht doch nur richtig Spaß, wenn der andere da auch reinschauen kann, oder? Bei Big Brother wurde dem Rest doch auch immer gezeigt, was die anderen von ihnen halten.

Kommen wir abschließend zur Sucht. Nicht der Yopigenuss ist gefährlich. Der Entzug ist das Problem. Ob mich schon wieder einer bewertet hat? Ich muss mal wieder schauen, wer online ist. Ein neuer Beitrag wäre auch nicht schlecht. Die hall of fame zur Fußballweltmeisterschaft, ein erstrebenswertes Ziel. Die Jungs in Südkorea und ich hier zuhause. Wir schaffen das.

Schon dreimal habe ich eine Entziehungskur versucht. Das erste Mal bei 15 Euro, aber da war ich noch zu kurz Mitglied. Keine Auszahlung möglich unter vier Wochen, lächelt Yopi süffisant.

Da mache ich doch weiter, bis zum Urlaub. Ob ich meinen Laptop mitnehme, weiß ich noch nicht.

Inzwischen ist der Urlaub vorüber, nach vier Wochen kann ich feststellen, dass nicht viel passiert, wenn man nicht selbst online ist.

jezt Anfang Februar sind nahezu alle Schulferien zuende. sehnsüchtig warte ich auf die Aktivitäten meiner Vertrauten. Es geht weiter und inzwischen habe ich auch noch TalkON, Griasdi, Ciao, My opinion und dooyou entdeckt. Ich brauche wohl ein Erziehungsjahr oder eine Suspendierung bei Lohnfortzahlung. ansonsten drohen Entzugserscheinungen.






----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-02-14 10:28:09 mit dem Titel Lebensabschnittsgefährdungen durch Lebensabschnittsbegleitung

Lebensabschnittsgefährdungen durch Lebensabschnittsbegleitung

Was soll ich sagen, der Mensch ist ein soziales Wesen, er ist womöglich beziehungsbedürftig und glaubt - zumindest in unseren Breitengraden - diese Bedürftigkeit durch eine Partnerschaft zu befriedigen.

Sehr häufig begegnen mir Menschen in sogenannten festen Partnerschaften, die ihren Neid bezüglich ihnen bekannter Singles offen formulieren, andersrum signalisieren viele Singles diese tiefe Sehnsucht nach einer festen Partnerschaft.

Vielleicht sollten zwischenmenschliche Beziehungen, die in festen Partnerschaften etabliert werden, zeitlich befristet werden.

Man stelle sich vor, eine Ehe wäre für fünf oder zehn Jahre abgeschlossen und beide Partner müssten dann noch einmal neu heiraten, wenn sie dies dann wollten.

Denken wir einmal frei in den Raum, diese Verlängerung sei nur zweimal möglich. Wer dreimal dabei gewesen ist, darf nicht wieder gewählt werden. Wir hätten den Begriff der Lebensabschnittsbegleitung mit Leben gefüllt.

Aber während dieser fünf oder zehn Jahre würde doch der liebende Partner regelmäßig daran denken, dass er wiedergewählt werden will und umgekehrt wäre es vielleicht genauso. Ist das nicht schön?

Ich glaube, die Scheidungsrate würde nahezu auf null sinken, wenn die Perspektive so oder so befristet wäre.

Was passiert mit den Kindern, die aus Partnerschaften entstehen. Heute leben unzählige Kinder in unvollständigen Beziehungen und empfinden dies zumeist auch als unvollständig.

Nehmen wir einmal an, wenn Kinder in einer Partnerschaft entstehen, dürften beide Partner bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres des jeweiligen Kindes verlängern – aber nur wenn das Kind (ab 10 Jahre) zustimmt.

Wenn wir all die Menschen fragen würden, die sich vor mehr als fünf Jahren haben scheiden lassen, würden sie ihre damalige Ehe als Lebensabschnittsgefährdung durch die Lebensabschnittsbegleitung beschreiben?

Wenn wir an sonstige gesetzliche Regelungen denken, wie zum Beispiel die Steuergesetze, so setzen sich per Inkraftsetzung in der Regel Juristen nur deshalb an ihren Schreibtisch, um die Lücke im Gesetz zu finden. Wir kaufen uns dann die klugen Steuerberater ein, die um so erfolgreicher sind, je geringer die abgeführten Steuern ihrer Kunden ausfallen.

Für unser vorgenanntes Beispiel bleibt zu hoffen, dass viele Paare die gesetzte Frist umgehen wollen, dass heimlich Namensänderungen vorgenommen werden, um noch einmal heiraten zu dürfen, dass Reisebüros neben Pauschalreisen auch Hochzeitsarrangements in neutralen Ländern anbieten und Kinder mit 10 Jahren mehrheitlich den Wunsch haben, die Eltern, die sie sich nicht ausgesucht haben, trotzdem zu behalten.

Wie sagte einer meiner Lehrer immer: "Man kann in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein"


Indigo wünscht eine schöne Woche





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-18 13:25:39 mit dem Titel Hochwasserhilfe für Bayern – Stoibers große Chance

Hochwasserhilfe für Bayern – Stoibers große Chance

Gestern Abend sah ich die Heute-Nachrichten im ZDF mit den Katastrophenmeldungen aus Bayern. Traunstein unter Wasser und Passau in Not, unglaubliche Bilder und weinende Menschen. Schon heute morgen im Frühstücksfernsehen saß der Moderator mit Gummistiefeln im Wasser, als er die Wettervorhersage präsentierte.

Da fällt mir doch spontan das legendäre Oder-Hochwasser in Brandenburg ein. Hier wurden bundesweit dreistellige Millionenbeträge an Spenden gesammelt. Ganz Deutschland zeigte sich solidarisch mit den Brandenburgern. Die Wohlfahrtsverbände (lassen wir sie hier mal ungenannt) erhielten viele Millionen, die zweckgebunden für die Oder-Hochwasser-Hilfe gespendet wurden. Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und Polizei arbeiteten Tag und Nacht. Alle Fernsehsender waren vor Ort und die Politiker hatten alle neue Gummistiefel in den Kofferräumen ihrer Limousinen.

Damals avancierte Matthias Platzeck als Brandenburgs Umweltminister zum legendären Deichgraf, später wurde er leicht Parteivorsitzender, Oberbürgermeister von Potsdam und schließlich Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Warum, weiß so richtig eigentlich niemand, aber der Deichgraf war plötzlich populärer als Regine Hildebrand.

Das wäre doch, so denke ich gerade, Stoibers große Chance. Bislang erhöht sich die Siegchance der CDU bei der anstehenden Bundestagswahl doch nur dadurch, dass die SPD in den Umfragen Verluste verbucht. Ganz Deutschland weiß inzwischen, was Schröder will und was Stoiber nicht will. Aber was Stoiber will, weiß niemand und bislang fragt auch keiner. Bei Platzeck war das nach dem Oder-Hochwasser egal. Der Deichgraf hatte die Wassermassen im Zaum gehalten, ergo war er der Retter des Landes, folglich war er der Gewinner. Es wird doch wohl möglich sein, den Stoiber mit Gummistiefeln in Passau auf den Marktplatz zu stellen, um als Landesvater seine Betroffenheit zu dokumentieren. Das könnte er schaffen, bevor der Schröder wieder auf die Idee kommt, oder seine Frau.

Damals in Brandenburg mussten die Millionenspenden so verteilt werden, dass sie hinterher weg waren. Unsere Gemeinde hatte 100.000,- DM für eine kommunale Pflichtaufgabe einer betroffenen Kommune bereit gestellt. Ein Jahr nach dem Hochwasser war immer noch keine einzige Kommune in der Lage, die Mittel abzurufen. Sie waren mit ihrer Verwaltungskraft nicht mehr in der Lage, die Gelder auszugeben. Die Wohlfahrtsverbände haben im Oderbruch an alle Haushalte Lebensmittelpakete verteilt, obwohl doch niemand Hunger litt. Grundstücke mit Bauernhöfen, deren Scheunen seit vierzig Jahren jedes Jahr unter Wasser standen, bekamen hypermoderne neue Scheunen, Brandenburger Firmen verkauften im Oderbruch gefüllte Sandsäcke zu Kaffeepreisen, um ihre Solidarität zu bekunden, Wolldecken wurden gekauft, mit LKW`s rangekarrt und in Massen verteilt und die Wohlfahrtsverbände mussten hochwasserbedingte Personalstellen einrichten, die sie auf Jahre bezahlen konnten. Das war noch Solidarität und die Nachwuchspolitiker der zweiten Reihe hatten alle hochmoderne Klarsichthüllen für ihre noch nicht wap-fähigen Handys und wurden von den Fernsehteams gebeten, sich mit Gummistiefeln doch bitte vom Deich wegzubewegen und ins Wasser zu stellen. Im Fernsehen machten sie dann sogar noch ein betroffenes Gesicht.

Das waren noch Zeiten, das war noch echte Solidarität. Und was ist jetzt. Bei dem letzten Hochwasserkatastrophen in Polen gab es in Brandenburg einen Spendenaufruf in den Medien. Wenn ich mich richtig erinnere, kamen keine 50.000,- DM zusammen. Aber jetzt ist es nicht Polen, jetzt ist es Bayern. Ich sehe da eine wirkliche Chance. Wenn wir jetzt nichts falsch machen und wenn der Stoiber jetzt zur richtigen Zeit, an der richtigen Stelle das Richtige tut, dann schaffen wir das. Dann wählt dieses Land womöglich wirklich einen Bayern zum Bundeskanzler, trotz Weißwurstäquator und Sprachbarrieren.

Und wenn ich in Berlin die Wahlplakate richtig gelesen habe, dann stehen da der Stoiber und die Merkel mit dem Spruch „Aufschwung beginnt an den Köpfen“ – oder so ähnlich. Der Stoiber könnte doch die Merkel in Passau auf dem Marktplatz kurz – nur ganz kurz – mal unter Wasser tauchen. Dann hätte die Merkel mal eine Frisur und die Wahlchancen würden noch höher steigen. Mit der anderen Hand, der sogenannten merkelfreien Hand könnte er im trüben Wasser fischen und mit etwas Glück den Gysi wieder auftauchen lassen. Was wohl passiert, wenn wegen Gysis Abtauchen die PDS gar nicht mehr in den Bundestag einzieht? Im Moment ist das unwichtig, noch kämpft jeder für sich, auch der Westerwelle. Ob der wirklich Kanzler werden will? Dann sollte auch er nach Passau fahren, das ist wesentlich werbewirksamer als eine Nacht im Big Brother Container.

Man muss sich das mal vorstellen. Damals in Brandenburg beim Oder Hochwasser gingen die Bilder um die Welt und die breite Öffentlichkeit zeigte eine unglaubliche Betroffenheit. Im Vergleich zu der aktuellen Katastrophe war das Hochwasser harmlos. Es ging darum, ob die Deiche halten, die schließlich ja gehalten haben, dank Deichgraf. Die Bilder dieser Tage zeigen wirklich herbe Schicksale, immense Schäden und sogar Todesfälle. Ein unvergleichliches Ausmaß. Das ist nun wirklich eine Katastrophe, die unser aller Mitgefühl verdient.

Und so was spürt der Stoiber, oder? Er war auch der erste in Passau und führte laut Politbarometer klar, dann kam der schröder mit seinem Hilfsprogramm und glich aus. Platzeck und Schöhnbohm reisen jetzt gemeinsam durch brandenburg und Gysi will die Bundestagswahl verschieben, ihm schwimmen die Wahlbenachrichtigungen an die ewig Gestrigen weg. Die PDS liegt jetzt schon unter 5 Prozent.

Wo bleibt eigentlich Westerwelle?


Bei T-online lief in der Vorwoche noch eine Umfrage zur zweiten Stufe der Ökosteuer. 18.000 Teilnehmer waren zu 80 Prozent dagegen. Mit dem Hochwasser sank diese Quote schneller als der Wasserpegel stieg. Schauen wir mal, was passiert, wenn die Pegel wieder sinken.

Indigo



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-02-22 08:28:27 mit dem Titel Der Generationenkonflikt, meine Mutter und die EC-Karte

Der Generationenkonflikt, meine Mutter und die EC-Karte


Angeregt durch die Glosse zu Muttermilch und Buttermilch von Reverend und durch ein nachwirkendes Erlebnis dieser Tage, sehe ich mich nahezu gezwungen, auch meine Mutter ins Spiel zu bringen.

Vorgeschichte

Ich bin nunmehr 42 Jahre alt und meine Mutter ist 78. Sie lebte bis zum Frühjahr 2002 im paderbornierten Paderborn, ist dort wie ich aufgewachsen und hat ihr ganzes Leben dort verbracht. In meiner Kindheit bewohnten wir ein dreihundert Jahre altes Fachwerkhaus an der Pader, das Erbstück meiner Großeltern väterlicherseits. Dieses Haus wurde Anfang der achtziger Jahre verkauft, gegen ein nagelneues modernes Reihenhaus getauscht. Warum, wird sich so mancher fragen. - Weil meine Eltern die Instandhaltung nicht mehr tragen konnten, weil es ein Sanierungsgebiet gab und weil mich selbst mit zwanzig Jahren nix davon interessiert hat. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Dumm gelaufen! Ich ging dann 1985 nach Berlin, studierte dort und blieb bis zur Wende. Mein Vater starb und meine Mutter lebte von nun an allein in ihrem Reihenhaus. Es folgten diverse Erkrankungen, so dass meine Mutter mit zunehmenden Jahren immer größere Schwierigkeiten hatte, allein in diesem Haus zu leben. Ende 2001 hat sie dann das Haus verkauft und ist zu mir nach Woltersdorf gezogen. Sie bewohnt nun eine altersgerechte, barrierefreie Wohnung im Ort, wo sie viele Dinge wieder selbständig erledigen kann. Aber: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht!“

Der Generationenkonflikt

In der Schule wurde mir immer etwas vom Generationenvertrag erzählt. Der sollte in materieller Sicht darin bestehen, dass die junge Generation mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen die Renten der Alten finanziert und sichert. Inzwischen bin ich diesbezüglich sehr wohl desillusioniert, denn dieser Zusammenhang funktioniert schon seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Wenn heute jemand sagt, die Renten seien sicher, dann sagt er das nicht, weil die Rentenversicherungsbeiträge der Berufstätigen dies garantieren, sondern weil es politisch opportun ist.

Der Generationenkonflikt in der modernen Gesellschaft besteht ganz allgemein gesagt wohl vordergründig darin, dass die Jungen die Alten nicht verstehen und umgekehrt. Als Mensch hat man ja grundsätzlich das Problem, dass man solange Eltern leben, immer Kind bleibt. Meine Mutter betrachtet mich in erster Linie als Sohn. Egal, was ich tue, was ich studiert habe, was ich beruflich professionell beherrsche, ich bin Sohn und sie ist Mutter. Dieser Rollenkonflikt mündet regelmäßig in einen Generationenkonflikt. Hat Mutter eine Frage, so ist jede Antwort glaubwürdiger als die meine. Versteht Mutter etwas nicht, so ist meine Erklärung oder Erläuterung stets zu relativieren. Jeder Dritte ist da glaubwürdiger als ich. Selbst dann, wenn ich einen konkreten Sachverhalt seit 10 Jahren täglich zehnfach bearbeite, zeigt meine Mutter deutlich Vorbehalte und fragt, ob ich das denn auch richtig mache. Regelmäßig werde ich gefragt, ob ich denn Hunger habe, ob ich etwas zu waschen habe oder wer denn meine Fenster putzt. Umgekehrt nimmt das Gespräch dann dramatische Formen an.

Nun ist meine Mutter also mit 75 Jahren aus dem idyllischen Paderborn in ein kleines Dorf im Osten, am Rande von Berlin gezogen: neue Waschmaschine mit Trockner, neuer Elektroherd, das erste Ceranfeld, eine neue Spülmaschine und das erste Telefon ohne Schnur.

Wenn ich zu Produktbeschreibungen neigen würde, so müsste als neues Bewertungskriterium die Seniorentauglichkeit eingeführt werden. So kann z.B. kein Mensch das Flusensieb beim Waschtrockner von Quelle reinigen, wenn er sich nicht nahezu flach auf die Erde legt und regelmäßig Krafttraining macht. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich kein Krafttraining mache.

Ich möchte höflich anfügen, dass meine Mutter sich selbst als technisch unbegabt bezeichnet und jedes neue Haushaltsgerät in den letzten 10 Jahren zunächst als natürlicher Feind gesehen wurde. So hüte ich mich auch strikt davor, ein neues gerät zu loben oder auch nur anzudeuten, dass es den Haushalt doch wesentlich erleichtert. Als ich letzte Woche einmal aus Spaß eine SMS auf Mutters Festnetztelefon schickte, musste ich mir schon die Erklärung verkneifen, dass dort keine junge Dame mit merkwürdigem Akzent einen Text vorliest, sondern ein Computer. Der Tag hätte eine dramatische Wendung nehmen können.

Die EC-Karte

Neben diesen Veränderungen wurde meine Mutter nun auch noch mit einer EC-Karte konfrontiert – die erste in ihrem Leben. Nachdem sie nun mehrmals die Öffnungszeiten der Sparkasse verfehlt hatte, da sie ja seit über 50 Jahren ausschließlich Bargeld am Schalter abholt, und in den letzten Wochen mehrfach ihre Geheimzahl an der Supermarktkasse wieder vergessen hatte, wurden mein familiäres Helfersyndrom wieder aktiviert.

Zunächst unternahm ich den Versuch, den Sinn und das Praktische an einer EC-Karte zu referieren. Das hätte ich mir schenken können. Dann habe ich versucht, die PIN-Nummer anhand einer Eselsbrücke didaktisch zu vermitteln. Die Idee war gar nicht schlecht. Seitdem hat meine Mutter einen kleinen Zettel in der Geldbörse, auf dem steht. „Als erste Zahl die Anzahl meiner Brüder, als zweite und dritte Zahl das Alter von Tante Christel und als vierte Zahl die Anzahl meiner Schwestern.“ – Gut, dass Tante Christel schon verstorben ist!

Eine Stunde später habe ich dann noch den waghalsigen Vorschlag gemacht, einfach zur Sparkasse zu gehen, Kontoauszüge am Automaten zu holen und Bargeld abzuheben. Ich hatte schon erwähnt, dass wahrscheinlich jeder Andere besser geeignet gewesen wäre, aber nur ich, der Sohn, darf die Geheimzahl wissen. Also sind wir zur Sparkasse gegangen.

Auf dem kurzen Fußweg habe ich noch erklären wollen, dass die Eingangstür der Sparkasse ebenfalls mit der Karte zu öffnen ist. Die Verwirrung wäre komplett gewesen, die Tür war gottseidank schon auf. Im Eingangsbereich klebte ein großes Poster der Kriminalpolizei, das den Missbrauch durch Trickdiebe gerade bei älteren Menschen präventiv anmahnte. – Ich hoffte inständig, dass dies ohne Brille nicht zu lesen war.

Es begann nun „Learning by doing“ am Kontoausdruckautomaten. Als geschulter Pädagoge habe ich auf Fragen nach bestem Wissen geantwortet: „Wenn die Karte falsch eingeführt wird, steht im Display, dass sie falsch eingeführt wurde. Wenn im Display Kontoauszug steht, so ist der Knopf Kontoauszug zu drücken. Steht im Display jedoch Karte entnehmen, so sollte man dies auch tun und nicht wieder versuchen, dass Poster der Kriminalpolizei zu lesen. Der Zettel, der dann oben aus der Kiste ragt, dass ist der Kontoauszug.“

Der zweite Teil unserer familialen Lernwerkstatt fand nun am Geldautomaten statt. Das gleiche Spielchen mit der Karte. Ist sie richtig drin? – Ja!!! Jetzt muss ich eingeben, was ich überhaupt will. „Was heißt denn „Geldkarte aufladen?“ – Ich verweise auf spätere Wiederholungen, halt auf ein anderes Mal. Es folgte die Geschichte mit Tante Christel, den Brüdern und Schwestern und die spannende Frage, warum die Bestätigungstaste grün ist. Die Geldsumme wurde ausgewählt, nachdem ich gesagt hatte, dass das ja heute ziemlich egal sei, und der Automat fing an zu rattern.

Mir blieb kaum Zeit, dies zu erläutern, da die Karte schon wieder raus kam. Die Karte war schon fast in Vergessenheit geraten, da sich der Vorgang nahezu ausschließlich auf die Euros konzentrierte. Während aber nun die EC-Karte wieder in die Geldbörse, in das vorgesehene Fach gesteckt werden sollte, der Kontoauszug ebenfalls seinen Platz finden wollte, lugte das Eurobündel schon fröhlich aus dem Schlitz. Ich glaube schon, dass ich mit einem leichten, scharfen und dennoch bestimmten Ton rief: „Da ist Dein Geld!“ Wo? Wo denn? – Ich konnte das Risiko nicht abschätzen und griff die Euroscheine.

Ich hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen, aber ich habe meiner Mutter erklärt, dass die Geldscheine wieder verschwinden, wenn man sie nicht zügig nimmt.

Somit war genügend Gesprächsstoff für den Heimweg gesichert. Meine Mutter war sich im Nachhinein keineswegs sicher, ob sie diese komplizierte Geschichte, ohne meine Hilfe allein wiederholen kann.

Das habe ich nicht gewollt, wirklich nicht!

Abschließend bitte ich alle Yopi-Mitglieder, die mich und meine Mutter kennen, nicht beim nächsten Besuch so zwischen Kaffee und Kuchen auf die Anzahl ihrer Brüder und Schwestern anzuspielen. Die Frage nach Tante Christel würde mich ins Bodenlose stürzen.

Was mich persönlich angeht, ich musste nach dem Sparkassenbesuch erst einmal duschen.

2005

Indigo









----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-02-07 16:26:57 mit dem Titel Als die Männer erfuhren, dass sie Väter sind

Als die Männer erfuhren, dass sie Väter sind

Angeregt durch die Veröffentlichung von Dietrich Schwanitz: Männer - Eine Spezies wird besichtigt, Eichborn-Verlag 2001 hat sich mir die Frage aufgedrängt, wie die Männer überhaupt erfahren haben, dass sie Väter sind. Diese zentrale Frage blendet Schwanitz aus, ich werde sie im Folgenden beantworten.

Denken wir zurück in archaische Gesellschaftsformen, in die Zeit der Jäger und Sammler. Wir wissen, dass diese Gesellschaftsformationen zumeist matriarchalisch strukturiert waren. Frauen waren wichtig, Frauen organisierten das Überleben des Stammes, Frauen hatten Macht. Es gab zu dieser Zeit keine monogamen Zweierbeziehungen. Für den Erhalt einer Stammeskultur benötigte man viele Frauen, jedoch theoretisch nur einen Mann. Es gab also einen deutlichen Männerüberschuss.

Viele der männlichen Leser denken dabei an paradiesische Zeiten, schließlich gab es genug Frauen und keine Monogamie. Aber wir waren es, die auf die Jagd geschickt wurden. Natürlich wurden auch damals Verluste betrauert, wenn einer der Jäger mal nicht zurück kam und vom Tiger gefressen wurde. Aber die mangelnde Beute gefährdete noch nicht das Überleben der dörflichen Gemeinschaft. – Ich will nicht kommentieren, was viele der weiblichen Leserinnen denken!

Dörflich ist vielleicht auch der falsche Begriff, denn zur Zeit der Jäger und Sammler waren die Menschen ja noch nicht sesshaft. Die Jäger und Sammler zogen kontinuierlich durch den Urwald. Die Beute wurde geteilt, Überschüsse nahezu sofort verzehrt, und dann ging es wieder auf die Jagd. Ethnologen haben herausgefunden, dass schon in dieser frühen Entwicklungsstufe die ersten Erfahrungen existierten, wie man die erlegte Beute über einen gewissen Zeitraum konservieren kann. – Aber dann ging es wieder auf die Jagd und es betraf alle Männer, die nicht alt und gebrechlich waren. So lernten die Jungen das Beutemachen von den Erwachsenen.

Manchmal kamen die Männer von der Jagd zurück und konnten feststellen, dass die Frauen Nachwuchs geboren hatten. Ein monokausaler Zusammenhang war damals aus männlicher Sicht nicht zu erahnen.

Vielleicht war es ganz ähnlich wie heute. Die Frauen wissen ziemlich genau Bescheid und immer mehr Männer machen einen Vaterschaftstest, wenn sie mit einer potentiellen Vaterschaft konfrontiert werden.

Nur gab es zur Zeit der Jäger und Sammler noch keinen Vaterschaftstest. Die Männer kannten den Umgang mit ihrem Sexualtrieb sehr wohl, aber die Zeit der Schwangerschaft war mit neun Monaten einfach zu lang. War für die Männer die Schwangerschaft einer Frau sichtbar, war keineswegs geklärt, wodurch dies bewirkt wurde. Als positiver Aspekt aus heutiger Sicht kann festgehalten werden, dass die Unkenntnis bezüglich der Befruchtung wahrscheinlich für die meisten Männer in sexueller Hinsicht den Durchbruch bedeuten würde. Aber sie wussten es nicht. Und weil sie es nicht wussten, konnten sie es auch nicht einem bestimmten Mann zuordnen. Einmal abgesehen von unterhaltsrechtlichen Fragen der heutigen Zeit, paradiesische Zeiten für Männer, die sich auch heute noch als Jäger und Sammler verstehen. Genau diese Männer schwanken doch durch die Entbindungsstationen bundesdeutscher Frauenkliniken und würden nie und nimmer erkennen, welches denn wohl ihr Sprössling ist. Deswegen, und nur deswegen sind die Brutkästen und Kinderbetten doch deutlich beschriftet.

Natürlich basieren alle bisherigen Ausführungen auf streng wissenschaftlichen Erkenntnissen und sind nicht widerlegbar, weil sie wahr sind. – Fragen können wir leider auch niemanden mehr, da niemand bis heute überlebt hat und die Überlieferungen eben nicht in Büchern, auf CD-Roms und Festplatten festgehalten worden sind.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum wir Männer heute wissen, was Männer damals nicht wissen konnten. Spannend ist zudem die Frage, seit wann die Männer schlauer sind.

Es kann nur eine Antwort geben. Wie wir alle aus der Schule wissen, endete irgendwann die Zeit der Jäger und Sammler und die Menschen wurden sesshaft. Dem interessierten Leser sei angemerkt, dass es in der Menschheitsgeschichte vor der Sesshaftigkeit niemals Kriege gab. Kriege entstanden im Kampf um Land. Traf ein Jäger oder ein Sammler einen anderen Jäger oder Sammler im Wald, dann wurde freundlich gegrüßt oder der eine bekam eine Keule über den Kopf. Aber es entstand kein Krieg.

Dieser zunächst einmal positive Aspekt wurde um den Umstand ergänzt, dass die Menschen nun mehr fischten, jagten und erbeuteten als sie unmittelbar benötigten. Ganz praktisch ist der Lernprozess nachzuvollziehen, dass tierische Nahrung länger frisch bleibt, wenn sie lebt. Die Jäger töteten nicht mehr jede Beute, sondern bauten Fallen. War der Fallensteller ins Dorf zurückgekehrt, musste die Beute aus der Falle, um die Falle wieder zu verwenden. Die Jäger hoben gruben aus, aus denen die Beute nicht entweichen konnte.

Und nun ist auch klar, wie die Männer erfuhren, dass sie potentielle Väter sind. Selbst dem letzten Depp wird klar, was da passiert. Er muss nur lange genug vor der Grube mit den Wildkaninchen sitzen bleiben, galante Ausreden finden, dass er nicht schon wieder auf Jagd gehen will und das kleine Einmaleins beherrschen. Trifft Letzteres nicht zu, wird er trotzdem sehen, dass es mit der Zeit mehr Wildkaninchen werden.

Eine repräsentative Minderheit nahezu unbekannter Sozialwissenschaftler stützt die Hypothese, dass dies der Wendepunkt vom Matriarchat zum Patriarchat war. Ich bin mir da nicht ganz so sicher.

Sollten nun junge, aufgeklärte und fortschrittliche Eltern, die in irgendeinem konservativen Erzbistum Deutschlands leben, Probleme mit der Aufklärung ihrer Sprösslinge haben, dann können sie ja die Geschichte erzählen, wie die Männer erfuhren, dass sie Väter waren. Manche Kinderzimmer schmückt aber auch ein kleines Gehege mit zwei Zwergkaninchen.



Indigo 2005









----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-03-19 17:27:26 mit dem Titel Meine Freundin kann nicht Stricken

Meine Freundin kann nicht Stricken, dafür kann sie aber prima Knöpfe annähen.

Wir müssen da zunächst zwischen Knöpfen mit zwei Löchern und vier Löchern differenzieren. Dachte ich bislang, dass Stricken und Häkeln eine besondere Technik und Geschicklichkeit erfordern, so habe ich dazu lernen müssen, dass das Annähen von Knöpfen eine ebenso diffizile Angelegenheit ist.

Vor mir visualisiert sich die Erinnerung an meine Großmutter mit Fingerhut und verkniffenem Gesicht, die mit einer nicht enden wollenden Ruhe und Akribie die Strumpflöcher meines Großvaters stopfte, der es wieder einmal versäumt hatte, seine Fußnägel zu schneiden.

Damals dachte ich immer, dass eigentlich jeder Mensch, solange er nicht armamputiert ist, dazu in der Lage ist, einen Knopf anzunähen. Nur habe ich bislang noch niemals einen Mann gesehen, der das gemacht hat. In meiner ersten Berliner Wohngemeinschaft lebte ein Chemiedoktorant, der an langen Winterabenden stets einen Schal oder Pullover strickte. Es hat mich nicht zur Nachahmung animiert, aber ich war schon froh, dass er eine Freundin hatte. Ob er Knöpfe annähen konnte, weiß ich nicht zu berichten.

In meiner Sozialisation habe ich früh gelernt, dass man sich nur ungeschickt anstellen muss, um lästige Haushaltstätigkeiten zu umgehen. So habe ich beim Abtrocknen mal eine Tasse fallen lassen, zur Kochwäsche meine blauweißen Schalke-Fußballsocken gesteckt, die Eier zu weich gekocht und die Wäsche im Garten so locker aufgehängt, dass wenigstens ein Bettbezug im Gemüsebeet lag. War an einem Hemd ein Knopf abgerissen, so entzieht es sich meiner Erinnerung wie dies Hemd wieder vervollständigt wurde. Ich versichere an Eides statt, dass es nicht mein Vater war.

Als männliches emanzipiertes Wesen suche ich bei abgefallenen Knöpfen stets eine Stelle, an der diese deponiert werden. So habe ich im Auto eine kleine Ablage mit zwei Knöpfen von verschiedenen Kleidungsstücken. Die Herkunft kann ich leider nicht erinnern. Im Bücherregal steht ein kleines Schälchen, worin mindestens vier Knöpfe liegen. Vielleicht könnten diese Knöpfe eine Geschichte erzählen, wie sie dort hingekommen sind und was sie aus ihrem gewohnten Umfeld entrissen hat. Ich selbst wäre sehr gespannt.

Die modernen Hemden von Tom Tailor, Seidensticker, Cavori, Camel oder Esprit haben in weiser Voraussicht am unteren Ende in der Regel zwei Ersatzknöpfe angenäht. Bleibt vorerst unklar, wie die von dort unten an die Verluststelle geraten sollen. Aber sie verleihen ein Sicherheitsgefühl und verringern die Überlastung kleinerer Verstecke im Auto oder Bücherregal. Die Marktforschung wollte erheben, wie dieser kleine Service die Kaufentscheidung beeinflusst. Das Ergebnis war leider nicht repräsentativ, da zuwenig Männer ihre Oberhemden selbst kaufen. Bei Unterwäsche ist dieses Phänomen noch prägnanter zu beobachten.

Neuerdings sind ja schon Herrensocken im Handel, die zur 30 Grad Feinwäsche zusammengeknöpft werden, damit Mann nicht die Orientierung verliert. Der sogenannte Druckknopf ist an der Innenseite des dicken Onkels angebracht und stört überhaupt nicht, nur beim Laufen.

Grundsätzlich ist es Männern - an den meisten Stellen - nicht so peinlich mit einem fehlenden Knopf herumzulaufen wie eine Frau zu fragen, ob sie den Ersatzknopf wohl annähen könnte. Theoretisch könnten sie den Knopf - jederzeit - selbst annähen. Aber praktisch ist dies kaum möglich. Erstens fehlt die Zeit, zweitens ist die Situation peinlich, drittens soll der Knopf ja auch halten.

Die anlässlich des Hochwassers vom Deutschen Roten Kreuz angeschobenen Sammlungen belegen schon jetzt, dass an den meisten Spenden der Herrenoberbekleidung Knöpfe fehlen. Ein untrügerisches Indiz für das marktwirtschaftliche Denken der Männer: sie fördern die Wirtschaft der Textilindustrie und sie beschäftigen arbeitslose Frauen.

Letztlich kann ich froh sein, dass meine Freundin weder stricken noch häkeln kann. Sie behauptet weiterhin, dass sie das Annähen vom Knöpfen nahezu blind beherrscht. Ich werde diese Behauptung weiterhin in Frage stellen.

Mann weiß ja nie.



Indigo 2005



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-10 20:15:18 mit dem Titel WEIHNACHTEN, NEIN DANKE!!!

Weihnachten ? Ist mir doch egal !!!

Jetzt geht es schon mit den ersten Weihnachtsberichten los. Nun zeigen viele User ihr wahres Gesicht. Mal schauen, wer sich hier sonst noch als Weihnachtsfanatiker outet.

Also, mal ehrlich! Weihnachten, dass ist doch etwas für kleine Kinder und alte Omas. Dieses ganze Drumherum mit Geschenke einkaufen, Weihnachtsbaum absägen, womöglich noch Weihnachtlieder singen oder Plätzchen backen ist doch out. Den ganzen Stress kann man sich doch schenken. Einfach alles ignorieren und ganz cool bleiben. Dann gehe ich eben an den vier Wochenenden im Advent nicht mehr Klamotten einkaufen, meine Jeans und den Pullover kriege ich auch noch im Januar, vielleicht sogar preiswerter. Weihnachten ? Ist mir doch egal!

Wenn ich nur daran denke, wie sie jetzt alle wieder ihre blinkenden Ghetto-Leuchten in Fenster hängen. Was soll das eigentlich? Brauchen die alle irgendwie Hilfe? Unglaublich, das grenzt doch schon an Belästigung. Allein die Fußgängerzonen hier in Berlin. Da kann man nur hoffen, dass die Ökosteuer auch die Einzelhändler betrifft, bei dieser Stromverschwendung. Oder gibt es jetzt etwa schon Lichterketten mit Energiesparlampen? Auch das wäre diesen Kommerzheinis noch zuzutrauen. Und wie das aussieht, total kitschig. Und überall riecht es jetzt schon nach Lebkuchen, Marzipan und Glühwein. Ich glaube, ich sollte mal wieder einen Allergietest machen. Ich brauche dringend eine Hypersensibilisierung!

Überall muss man jetzt diese Weihnachtmusik hören, von den bekloppten Kellys, über die peinliche Michelle bis hin zu eigentlich ernst zu nehmenden Künstlern. Ich fasse es nicht, sind die denn alle verrückt geworden? „Oh Du fröhliche, oh Du selige ...“ Ich weiß noch wie ich meiner Mutter vor mehr als 15 Jahren mal eine Roger Whittaker Kassette zu Weihnachten geschenkt habe. Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum mit amerikanischen Akzent. Das ist mir ja heute noch peinlich, wenn ich an die Situation im Plattenladen denke. Vielleicht geht es heute pubertierenden Teenagern ähnlich, wenn sie bei Schlecker Kondome kaufen. Weihnachtsgeschenke sollte man abschaffen, grundsätzlich. Weihnachten ist ansonsten doch nur noch ein geschenkpflichtiger Feiertag! Ich persönlich erwarte da nichts und natürlich schenke ich auch niemandem etwas zu Weihnachten, da wäre ja noch schöner.

Wahre Zuneigung und echte Geschenke sind doch das ganze Jahr möglich. Wenn ich meine Mutter liebe, dann doch auch nicht nur zu Muttertag, oder? Entweder denkt der Beschenkte, ich hätte ein schlechtes Gewissen, oder er denkt, er bekommt nur etwas, weil Weihnachten ist. Da mache ich nicht mehr mit. Weihnachten – Nein danke!

War das nicht so, dass Weihnachten ein christliches Fest ist? Wieso feiern dann trotzdem alle Weihnachten, auch die, die nicht an Gott glauben? Gerade lese ich, dass die Nachfrage nach okkulten und magischen Ideen immer dann ansteigt, wenn die wirtschaftliche Lage in Deutschland schlecht ist; ich lese, dass jede fünfte Frau an böse Geister glaubt und heidnische Rituale auf dem Vormarsch sind. Na, dann frohe Weihnachten! Oder feiern all die Atheisten, Esoteriker, Spiritisten das Weihnachtsfest als pervertiertes Ritual? Womöglich pendeln unterm Weihnachtsbaum und autogenes Schweißen in der Gruppe. Halloween ist noch nicht überstanden, da droht uns schon die kollektive Weihnachtsdepression.

Selbst wenn ich konsequent bin und Weihnachten flüchten will, um Heiligabend unter der Palme zu verbringen, werde ich am Ende doppelt bestraft. Erstens zahle ich Top-Zuschläge und Hauptsaisonpreise, zweitens begrüßt mich dann auf Teneriffa in Los Christianos der Weihnachtsbaum im Hotelfoyer. Very welcome and merry christmas.

Wo soll ich denn hin? Kann man denn vor diesem ganzen Chaos flüchten oder ist die gesamte bewohnte Welt infiziert?

Weihnachten in Berlin ist ja schon hammerhart. Da hängen die Ghetto-Leuchten bis in den 14. Stock. Ich habe jetzt schon mein halbes Telefonverzeichnis durchgeschaut, keiner will oder kann mit mir verreisen. Alle, aber wirklich alle, verbringen die Feiertage im Kreise der Familie mit Gänsebraten und Bescherung. Niemand will sich mit mir verabreden. Und dann sind auch noch drei Tage hintereinander frei. Noch nicht einmal ins Büro kann man gehen.

Gut, dass ich meinen PC zuhause habe.

Ob denn Weihnachten all die Leute online sind, die sonst auch immer im Meinungsforum präsent sind? Oder ob die auch alle im Familienkreis fromme Lieder singen?

Ich sehe schon die Kommentare auf diesen Beitrag: Tut mir leid, hab keine Zeit. Bin bei meiner Schwester, die hat keinen Internetanschluss, ich fahre auf die Kanaren, in die Berge oder ans Meer.

Und das zu Weihnachten! Sind die alle verrückt? Was soll ich denn da machen? Allein zuhause, das halte ich aber nicht aus. Fernseher an: Wir warten aufs Christkind. Ob sie im ZDF wieder den kleinen Lord zeigen? Dann kann ich ja gleich den Berliner Krisendienst anrufen. Weihnachten, Heiligabend allein zuhause – das halte ich nicht aus. Da brauche ich drei Flaschen Rotwein – mindestens!

Weihnachten? Ist mir wohl doch nicht so ganz egal!

Gut, dann wird es wohl wieder wie all die Jahre. Heiligabend mit Bescherung, Weihnachten im Familienkreis, die Gans mit Rotkohl ist ja eigentlich saulecker. Die Geschenke bekomme ich auch noch zusammen, habe ja noch Zeit – ganz ohne Stress. War ja immer schön, das Weihnachtfest. Ob wir dieses Jahr wohl in die Kirche gehen, um Mitternacht? Vor 30 Jahren habe ich noch im Domchor in der Christmette gesungen. Komische Erinnerungen, die ich da habe. Ob Mutter wieder die leckeren Rinderrouladen macht? Und wen man da alles wiedersehen kann. Da trifft ich am 2. Feiertag die gesamte Verwandtschaft zum gemütlichen Kaffeetrinken. Da sehe ich Cousinen und Cousins, die ich nur einmal pro Jahr sehe: Weihnachten!

Was ich mir wünsche? Ich wünsche mir wie jedes Jahr Gesundheit, Zukunft und Zuversicht, Liebe und Zuwendung. Und eine rauchfreie Weihnacht! Schließlich sind es dann schon neun Wochen ohne Zigaretten.

Weihnachten ist schon ein schönes, besinnliches Fest. Wie bin ich da jetzt nur drauf gekommen? Ach, ist ja egal.


Indigo wünscht einen schönen Advent und vorab schon mal frohe Weihnachten.

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