Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von marina71

Abnehmen macht glücklich

Pro:

?

Kontra:

?

Empfehlung:

Ja

Diese Kurzgeschichte habe ich selbst verfasst. Sie wird in Kürze über den autorenverlag artep in dem Buch \"Was ist Glück?\"
Von Menschen die sich aufmachten, etwas über das Glück zu schreiben veröffentlicht.
Schon jetzt kann man das Buch vorbestellen unter www.autorenverlag-artep.de Rubrik Buchvorstellungen Geschenkbuch

Taschenbuch, 84 Seiten

Euro 6,90

ISBN 3-936544-45-X

In diesem kleinen Geschenkbuch stellen sich 18 Autorinnen und Autoren der autorengemeinschaft artep mit diversen Kurzgeschichten und Gedichten vor.

Diverse Texte rund um das Thema Glück.

Ein Buch, das kleine Glücksmomente verspricht!

Hier nun die Geschichte: ABNEHMEN MACHT GLÜCKLICH!

Als Adam diese Welt betrat, machte er sich begeistert, beschwingt und voller Tatendrang auf seinen Weg.
Auf seinem Rücken trug er einen Beutel, ohne es zu bemerken.

Unterwegs begegneten ihm viele schöne Dinge, und er machte viele reiche Erfahrungen. Er nahm alles in seinen Beutel auf, ohne es zu bemerken.

Je weiter er ging, desto mehr ließen die angenehmen Ereignisse nach.
Es wurden ihm Steine in den Weg gelegt.
Steine des Misstrauens,
Steine des inneren Kritikers,
Steine der Schuld und der Scham,
Steine der Abhängigkeit.
Alle Steine lud er in seinen Beutel, ohne es zu bemerken.

Eines Tages begegnete er einer Frau, von der die Leute sagten, dass sie weise sei. Er fragte sie, ob er auf dem richtigen Weg sei.
Sie antwortete ihm: „Ja, das bist du. Aber du hast zuviel Gewicht!“
Ab diesem Zeitpunkt begann Adam krampfhaft, abzunehmen.
Er probierte es mit allem, was ihm die Leute so rieten: Diät und Bewegung.
Tatsächlich nahm er einige Kilos ab.

Freudestrahlend ging er wieder zu dem Ort zurück, an dem er die kluge Frau das letzte Mal getroffen hatte.
Sie sagte zu ihm: „Jetzt hast du noch mehr Gewicht!“
Enttäuscht wurde ihm nun klar, dass sie nicht sein Körpergewicht meinte und fragte:
„Was kann ich tun?“
Die weise Frau erwiderte: „Befreie dich von deiner Last!“

Traurig marschierte er weiter und überlegte, was seine Last sein könnte.
Er setzte sich in eine farbenprächtige Blumenwiese und ein bunter Schmetterling umtanzte ihn. Die Leichtigkeit seines Flügelschlags versetzte ihn ins Staunen.
Er nahm etwas von dem Gefühl der Leichtigkeit auf und legte es in seinen Beutel, ohne es zu bemerken.

Die Leichtigkeit zersetzte den Stein des inneren Kritikers.

Sein Weg führte ihn an eine Lichtung. Dort traf er unerwartet wieder auf die weise Frau. Sie reichte ihm die Hand und sagte:
„Glückwunsch. Du hast an Gewicht verloren.“
Adam freute sich. Alles, was ihm fortan begegnete, erschien ihm heller und freundlicher. Glücklich tanzte er umher und lachte, bis ihm die Tränen kamen. Er nahm etwas von der Freude mit und legte sie in seinen Beutel, ohne es zu bemerken.

Die Freude zersetzte den Stein des Misstrauens.

Nachdem er sich im Wald ausgetobt hatte, kam er wieder zu der Lichtung, an der er der Frau begegnet war. Sie stand noch immer dort.
Sie sagte zu ihm: „Glückspilz. Du hast verstanden, worum es geht.“
Er erwiderte: „Ich habe Fehler gemacht, aber ich akzeptiere sie jetzt, und ich habe aus ihnen gelernt.“

Mit dieser Erkenntnis schritt er voran und nahm sie in seinen Beutel auf, ohne es zu bemerken.

Die Erkenntnis zersetzte die Steine der Schuld und der Scham.

Frohen Mutes machte er sich auf die Suche nach der weisen Frau. Er wollte wissen, was sie jetzt über ihn dachte, ob er jetzt auf dem richtigen Weg sei.

Doch er begegnete ihr nicht mehr. Er ging an alle Orte zurück, an dem er sie getroffen hatte. Er fragte alle Leute auf seinem Weg nach ihr. Niemand hatte sie gesehen.

Nach langer erfolgloser Suche gab er auf, nahm Platz auf einen großen Stein und hielt inne. Da spürte er, dass er sich zu sehr abhängig gemacht hatte von der Meinung der weisen Frau. Er schloss die Augen, ließ die Sonne auf sich scheinen und sich von einer sanften Brise den Nacken kitzeln.

Als er wieder aufblickte, stand die weise Frau vor ihm. Sie sagte zu ihm:
„Nun hast du dich von deiner Last befreit! Wie hast du das geschafft?“
Adam lächelte: „Ich habe einfach losgelassen.“
Sie fragte: „Wie fühlt sich das an?“
Er antwortete: „Gut.“

Und er zog weiter mit dem leichten Beutel voll Glück.
Und er bemerkte es.





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-08-15 20:26:48 mit dem Titel Hochanständig

Hier mal wieder eine selbst verfasste, frei erfundene Kurzgeschichte. Fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren bin ich sehr dankbar.

Meine Nachbarn, die Sandhofers, sind auf den ersten Blick eine ganz alltägliche Familie. Adam Sandhofer arbeitet bei der Post, als Beamter wohlgemerkt. Seine Frau Mathilde ist einfach nur Hausfrau, aber dafür eine von den ganz eifrigen. Wenn sie fertig ist mit Putzen, Waschen und Aufräumen, fängt sie an, sich selbst herauszuputzen. Entweder frisiert sie sich ihr Haar zum dritten Mal, oder sie lackiert ihre Fingernägel neu, hier eine Creme und da ein Puder.
Ihr Sohn Georg besucht das Gymnasium und gilt als absoluter Streber. Den sieht man auch in seiner Freizeit nur vor seinen Schulbüchern hocken.
Keiner von ihnen scheint aus der Rolle zu fallen. Stinknormale Leute könnte man meinen.
Im Winter bekomme ich sie kaum zu Gesicht, doch den Sommer verbringen sie jeden Tag draußen auf ihrem ach so toll gepflegten Rasen. Dort stehen ihre drei Liegestühle so dicht beieinander, dass sich die Armlehnen berühren.
Jeder setzt sich immer auf den gleichen Stuhl.
Herr Sandhofer redet meist nur, seine Frau wälzt einen Berg Klatschblätter, und der Sohn ist natürlich immer in seinen Schulbüchern vertieft.
Jeden Abend punkt sechs Uhr, da kann man die Uhr nach stellen, stehen sie alle gleichzeitig auf und verschwinden bis zum nächsten Tag im Haus.
Von der Wäscheleine aus, die ich gemeinsam mit den Sandhofers benutze, kann ich sie gut beobachten und auch hören, und bis vor einer Woche liefen alle Tage mehr oder weniger gleich ab.
Vor einer Woche jedoch ging ich wie gewöhnlich meine Wäsche aufhängen und hörte Herrn Sandhofer sagen: „Diese Jugend heutzutage. Die ist so schrecklich. Die wissen gar nicht mehr, was Anstand und Respekt ist. Die machen nur noch, was sie wollen. Früher war noch alles besser, findest du nicht auch, Mathilde?“
„Ja, ja. Früher gab es wenigstens auch noch saubere Filme, da war noch nicht alles so unanständig.“
Während sie sich so unterhielten, kam von der Straße ein junges Mädchen auf Sandhofers Wiese vor dem Haus zugesteuert. Sie hatte knallrote Haare und trug zerrissene Jeans. Sie lachte fröhlich und setzte sich im Schneidersitz auf den Rasen. Als keiner was sagte, sang sie lauthals ein Lied vor sich hin.
Der Sohn der Sandhofers war sichtlich genervt und machte: „Psst!“
Doch das Mädchen ließ sich nicht stören.
„Ist das ein Lied von der komischen Band mit diesen langhaarigen Typen, in der du jetzt singst?“ fragte Herr Sandhofer. Das Mädchen nickte und sang weiter.
„Sei doch mal ruhig, Sabine, die Nachbarn..“, meldete sich Frau Sandhofer zu Wort. Ich schaute wieder schnell zu meiner Wäsche und hing ein weiteres Teil auf die Leine.
Sabine hörte auf zu singen und wandte sich Georg zu:
„Hey, du Langweiler, hast du Lust, heute abend mit mir in den Bunker zu gehen und unsere Band spielen zu hören?“
Georg blickte sich verstohlen um und sagte: „Musst du immer so laut reden, das hört ja jeder!“
„Gehst du nun mit oder nicht?“
„Nein“, antwortete seine Mutter für ihn, „er mag das Gedudel nicht, stimmt´s, Sohnemann?“
Das Muttersöhnchen nickte natürlich.
„Es wird Zeit, dass du ausziehst“, sagte Sabine.
Herr Sandhofer guckte ganz streng. Sabine seufzte, machte eine lässige Handbewegung, dann ging sie weg.
Meine Neugier war geweckt, und ich ging rüber zu den Sandhofers. Ich fragte sie, wer denn dieses Mädchen gewesen sei. Herr und Frau Sandhofer schauten sich an, der Junge senkte den Kopf. Ich dachte schon: Was ist denn jetzt los? Sie sahen aus, als wenn jemand gestorben wäre.
Herr Sandhofer antwortete mir nach ziemlich langem Schweigen: „Sie meinen das komische Mädchen von vorhin? Die hat sich in der Tür geirrt!“
Nur zwei Tage später beobachtete ich, wieder von der Wäscheleine aus, einen fein gekleideten Herrn, der die Sandhofers besuchte.
Er sagte, er käme von der staatlichen Lottogesellschaft und wolle sich erkundigen, ob bei ihnen eine Sabine wohne. Herr Sandhofer fragte „Warum?“ und schaute den Herrn erwartungsvoll an.
Dieser sagte: „Es geht um einen beträchtlichen Gewinn.“
Herr Sandhofer antwortete freudestrahlend: „Ja, ja, Sabine Sandhofer, das ist unsere Tochter, kommen Sie nur herein.“

39 Bewertungen, 7 Kommentare

  • paula2

    14.01.2009, 10:43 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • frankensteins

    04.01.2009, 20:47 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    super beschrieben, toll gemacht, Menschenliches aus dem täglichen Leben

  • glowhand

    30.11.2005, 07:50 Uhr von glowhand
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht

  • Cicila

    08.11.2005, 21:54 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich schreibe auch Geschichten, aber habe noch keine als Buch veröffentlicht. <br/>LG Cicila

  • Sang_il

    27.08.2005, 23:12 Uhr von Sang_il
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Geschichte ließt sich wirklich gut! Ich will dich ja nicht drängen, aber bitte schreib noch mehr! Viele Grüße Sang_il

  • Flute

    15.08.2005, 22:33 Uhr von Flute
    Bewertung: sehr hilfreich

    könnte mich auch auf die Wiese setzen und ein Lied über unseren Nachbarn singen, da würde mir der Text nie ausgehen, selbst bei Nacht nicht :-) LG.Dunja

  • campino

    15.08.2005, 22:30 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    bedarf dringend einer Fortsetzung! Frau will schließlich wissen was mit dem Geld geschieht...