Erfahrungsbericht von razors
Ein Abend in der Bar...
Pro:
Hat Spaß gemacht
Kontra:
Bin ich nun verrückt?!
Empfehlung:
Ja
20:10 – Ich verlasse hektisch meinen Arbeitsplatz um zu mir nach Hause zu fahren, mein gekauftest Toastbrot weg zu bringen und mich dann zu einer Bar bei mir um die zu begeben um das Länderspiel Deutschland – Schottland anzusehen.
Ich wohne noch nicht lange hier in Hamburg und kenne daher noch keine guten Bars in meiner Nähe. Wie ich aber herausgefunden habe, wird in genau dieser Bar dieses Länderspiel übertragen.
Ein Blick auf die Uhr, es ist 20:12 Uhr und ich stehe an der U-Bahn. Das Spiel beginnt um 20:45 Uhr. Das heißt also, dass ich 8 Minuten auf die Bahn warten darf, 11 Minuten mit ihr fahre, 10 Minuten zu mir und zur Bar brauche. Das wären bummelig 20 Minuten. Na gut, ist zu schaffen. Nach 5 Minuten fahrt, legte die U-Bahn aber einen kleinen Stop hin um auf irgendeinen verdammten anderen Zug zu warten.
Im Enddefekt war ich dann um 20:40 Uhr an der U-Bahn Station, die ich erreichen wollte. Also anlegen zum Sprint und zur Bar. Das Toastbrot kann warten.
Pünktlich zum Anpfiff war ich nun in der Bar. Etwa 6 Leute saßen gespannt vor dem Fernseher und warteten auf den Start. Neben mir saß ein älteres Ehepaar, die mich als erstes nach meinem Namen und dem Tipp für das Spiel fragten.
„Bist du neu hier?“, fragte Henning
„Ja, bin gerade erst vor einem Monat hier her gezogen“, antwortete ich spontan.
„Wie heißt du?“
„Finn“
„Ja, ich bin Henning und das ist meine Frau Hilde. Wie ist denn dein Tipp für diesen Abend?“
„2:1 für Deutschland“, sagte ich selbstsicher.
„Hey Mike! Hast du gehört? 2:1 für Deutschland sagt er“, rief Henning durch den Raum.
Nun, dazu ist zu sagen, dass ich keine Ahnung vom Fußball habe. 2:1 hört sich immer gut an und ist ein gutes Ergebnis wie ich fand.
Nach 25 Minuten viel dann das 1:0 für Deutschland. Strike! Zumindest schon einmal das erste. Ich bestellte mir das zweite Bier und das dritte folgte kurz vor der Halbzeit.
In der Halbzeit kam Mike auf mich zu:
„Haben oder nicht haben?“, fragte er mich.
Ich muss wohl in etwa geguckt haben, wie ein VW-Bus, was Mike wohl merkte.
„Na, haben oder nicht haben?“, fragte er mich wieder
„Was haben?“ (mir viel nichts anderes ein)
So ging es weiter. Irgendwie kannte Mike wohl nur diese vier Wörter oder er hat nur diese in seinem doch schon ziemlich angetrunkenen Kopf zusammenbekommen. Das Niveau dieses Gespräches blieb etwas auf der Strecke und Mike ging langsam wieder zu seinem Tisch um weiter zu schlafen und ab und zu mal einen Schluck aus seinem Bierglas zu nehmen.
„Wie alt bist du?“, fragte Henning kurz nach dem erneuten Anpfiff.
„Wie alt schätzt du mich?“
„Hm... 26!“
Autsch, das hatte gesessen. 26... da steht man normalerweise kurz vor der Rente.
„Ähm... ne, nicht ganz. 18 ½“, antwortete ich.
„Oh, das machen wohl die kurzen Haare.“
Kurz darauf fiel das 2:0 und Henning war sich sicher, dass er mit seinen 3:0 doch recht gut liegt. Nach dem vierten Bier fiel dann das 2:1. Ich lag nun also doch recht gut mit meiner Annahme, aber Henning holte mich schnell von meiner Wolke runter und meinte, dass das Spiel noch lange nicht gelaufen sei. Wo er recht hat, hat er recht.
Die beiden Personen, die hinter mir saßen bestellten etwas zu essen.
„Wie viel kostet das?“, fragte ich die Bedienung
„4,60€, leider haben wir aber keine Wurst mehr, die kommt erst morgen wieder.“
Morgen war mir etwas zu spät. Bis dahin schaffe ich es glaube ich nicht mehr meinen Hunger zu unterdrücken und würde jämmerlich verhungern. Das verstand sie wohl.
„Wenn du willst, dann probier doch mal bei mir“, sagte der Mann hinter mir.
„Ja, wenn es dir nichts aus macht gerne.“
„Ist mein Lieblingsgericht.“, erzählte er mir stolz.
Ich nahm einen Bissen.
„Mmmmmm, interessanter Geschmack“, keuchte ich und konnte mich gerade noch daran hindern, meinem ursprünglichen Drang nachzugeben, das ganze wieder auszuspucken.
„Interessant“. Bei Einladungen zum Essen war es das beste Wort für Gerichte, die ich nicht mochte.
„Interessanter Geschmack... Interessantes Gericht.“ Interessant, dass es Ihnen gelungen ist so ein widerliches, schrecklich schmeckendes Gericht zusammenzupanschen.
Im Enddefekt hat Deutschland 2:1 gewonnen und ich bekam mein Bier bezahlt und noch dazu luden mich zwei der Gäste zu zwei „Abschiedsbieren“ ein.
„Komm, trinken wir noch eins“, sagte Hilde.
„Ne, danke, ich muss gleich los“
„Du gehst nicht, bevor du noch ein Bier mit mir getrunken hast“
OK, ich ließ mich breitschlagen. So einem Angebot kann man nun mal nicht nachgeben. Im weiteren Abendverlauf stellte sich heraus, dass Hildes Sohn ein Produzent war und ich ihm wohl sehr ähneln würde. Also beschlossen Hilde und Henning, dass ich der zweite Sohn von ihnen wäre. OK, auch dazu ließ ich mich breitschlagen.
Rechnen wir den Abend mal durch. Ich kam mit 40€, hatte nun 43€ in der Tasche (woher die anderen 3€ kamen, ist mir bis heute ein Rätsel), ich war betrunken und hatte nichts bezahlt.
Fazit:
Netter Abend. Irgendwie habe ich durch nichts tun bei den Gästen Eindruck geschunden. Im Enddefekt werde ich wohl DIESE Bar mal wieder aufsuchen :)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-11-04 01:18:36 mit dem Titel Klappe die 2te
Wir läuten das Jahr 2002, Monat Mai, Tag 26 ein. Es war gegen 16 Uhr, als ich auf die Uhr guckte, in den Himmel schaute und mich dazu entschloss mal wieder eine kleine Wanderung zu unternehmen. Einmal um den Großen Plöner See, rund 43 km Fußmarsch.
Um 17 Uhr war mein Rucksack auf dem Rücken, meine Füße in den Wanderstiefeln und ich bereit zum losgehen. Irgendwie kam ich mir doch etwas behämmert vor. Mit großem Rucksack, bei warmem Wetter und zu Fuß an den ganzen Touristen vorbei zu gehen. Aber OK, was sein muss, muss eben sein. Es sollte schließlich das Training für die Alpentour werden.
Die ersten KM passierte nichts, bis schließlich mitten auf der B76 ein Auto Schrittgeschwindigkeit fuhr um kurz darauf wieder Gas zu geben. Etwa 200 M weiter, erfuhr ich den Grund dafür. Es war ein jüngeres Pärchen, dass den armen Wanderer mit großem Rucksack und bei heißem Wetter nicht so alleine dort durch die Gegend wandern sehen wollten.
„Wir fahren bis Malente, möchtest du mit?“, fragte mich der Typ hinterm Lenkrad.
„Ne, deshalb bin ich ja zu Fuß unterwegs, um nicht fahren zu müssen.“, antwortete ich
„Wieso?“
„Ganz einfach, ich trainiere“
„Wofür“?
„Damit ich schneller zu Fuß bin.“
Irgendwie schauten mich beide an, als hätten sie ein UFO gesehen. Ich bemerkte, dass ich ihnen nun eine Erklärung schuldig war, denn ich mag es nicht, wenn Menschen dumm sterben.
„Nun, es ist so...“, fing ich an „...in einem Monat gehe ich in die Alpen zum Wandern und dafür muss ich eben trainieren, damit ich da nicht irgendwann abknicke:“
„Bist du verrückt oder so?“
„Vielleicht ein bisschen, ja.“
Verrückt... OK, ich sage mal so, wer von beiden fuhr auf einer Straße, auf der normalerweise 80 KM/H gefahren wird, Schrittgeschwindigkeit, um danach wieder Vollgas zu geben und einen Fremden Menschen um Mitnahme zu fragen, he?
Ich ging weiter und stieß nach etwa 5 KM an einem See auf einen ehemaligen Klassenkameraden von mir.
„Was machst du da?“, fragte er mich mit einem Blick, der denen des Pärchens glich.
„Wonach sieht es denn aus?“
„Ähm... Umzug? Flucht? Wandern?“
Letzteres stimmte, mit den beiden Anderen konnte ich mich jedoch auch anfreunden, tat es im Enddefekt aber dann doch nicht.
„Willst du ein Bier?“, wurde ich gefragt
„Ne, danke, ich muss noch wandern.“
„Komm, ohne Bier gehst du nicht weiter!“, bekam ich zu hören.
Nun ja, man lässt sich ja vieles gefallen. Scheiß Gruppenzwang... Ich trank das Bier und kurze Zeit später wurde die Kornflasche ausgepackt.
„Ne, die machen wir jetzt nicht auf!!“
„Nö, die ist für heute Abend. In 3 Stunden startet hier eine Party, bist du mit dabei?“
„Sorry, aber dafür bin ich eigentlich nicht her gewandert um mich zu betrinken, aber danke für die Einladung!“, antwortete ich.
Nach kurzem hin und her ging es dann weiter. Der Himmel war Wolkenfrei und der Launenschieber befand sich ganz oben. Level 100.
Der Levelschieber sackte gegen Abend jedoch ziemlich ab, als ich feststellen durfte, dass sich der Himmel doch nicht mehr in einem strahlendem Blau präsentierte, sondern in einem etwas gräulicherem Ton, der am Horizont in tiefes Schwarz wechselte. Na super, dachte ich, das wird ein schöner Abend so ganz ohne Zelt...
Gegen 21 Uhr hatte ich mich ein Stück weit von dem See entfernt, wusste jedoch, dass er auf der Linken Seite lag. Es ging nun ein Stück in den Wald rein. Ein Stück? OK, ein Stück länger. Nach rund 15 KM Landstraße folgten nun etwa 10 KM Wald. Im Dunkeln, bei Regen, ohne Regenkleidung und mit großem Rucksack auf dem Rücken. Ich beschloss mich nach einer kurzen Pause und einem Blick auf die Uhr aufs Ohr zu legen und die Tour morgen weiter fortzusetzen. Pustekuchen! Nach 1 ½ Stunden war ich wach und konnte auch nicht mehr einschlafen. Es war nun schon 1 Uhr nachts und eine Besserung des Wetters war auch nicht in Sicht. Nun ja, dann geht es eben weiter.
Nach gut einer Stunde gehen, traf ich auf zwei Jugendliche, die mich lallend fragten
„Was machst du denn hier?“
„Öhm... wandern...“
„Um diese Uhrzeit?“
„Wann denn sonst? Andere Frage, was macht ihr denn hier?“
Es stellte sich heraus, dass Michael und Markus zwei Touristen aus Hessen waren und hier ihren Urlaub genossen, indem sie sich auf diesem verdammten Ort eine Stammkneipe gesucht haben und sich jeden Abend etwas mehr zukippten. Mallorca like also, nur hier oben im Norden. Auch nicht schlecht.
Gegen 3 Uhr traf ich auf ein Ehepaar. Schätzungsweise Mitte 60, die gerade ihre Fahrräder von ihrer Einfahrt schoben.
„Oh, müssen sie Strafdienst machen?“, fragte mich die Frau
„Ich? Ne, ich bin nicht von der Bundeswehr.“
„Ach so, dann sind sie wohl verrückt oder?“
Irgendwie kam mir das bekannt vor. So langsam kam ich mir doch verrückt vor, aber da Verrückte nicht wissen, dass sie verrückt sind, strich ich das wieder aus meinem Kopf.
„Ich bin nur am Wandern um den Großen Plöner See.“
„So... mitten in der Nacht?“
„Wann sonst???“
„Also sind sie doch verrückt!“
Hm... dann mal wieder das alte Spiel. Wer fährt um 3 Uhr nachts mit dem Fahrrad durch den Regen, wenn doch das warme Bett und das Haus mit Heizung hinter ihnen stand? OK, ich gehe 43 KM mitten in der Nacht, aber was sagt das schon... Ich finde das Ehepaar war schon etwas verrückter als ich es war. Aber na gut, jedem wie er es mag.
Nach weiteren 5 KM machte ich mir dann doch etwas Gedanken darüber, ob ich nicht vielleicht gleich am nächsten Morgen einen Psychiater aufzusuchen sollte. Da hatte doch etwas gegrunzt. Rechts von mir im Knick. Ein paar Meter weiter, leuchteten mir dann zwei Augen im Schein meiner Kopfstirnlampe entgegen und es war KEINE Einbildung.
Um 5 Uhr morgens war ich dann wieder zuhause. Meine Knie taten mir vom Straßelaufen weh, ich war tot müde und Hunger hatte ich auch noch dazu. Was macht man da am Besten? Richtig! Ab ins warme Bett und erst einmal 12 Stunden Schlaf. Den hatte ich mir auch verdient.
Ich wohne noch nicht lange hier in Hamburg und kenne daher noch keine guten Bars in meiner Nähe. Wie ich aber herausgefunden habe, wird in genau dieser Bar dieses Länderspiel übertragen.
Ein Blick auf die Uhr, es ist 20:12 Uhr und ich stehe an der U-Bahn. Das Spiel beginnt um 20:45 Uhr. Das heißt also, dass ich 8 Minuten auf die Bahn warten darf, 11 Minuten mit ihr fahre, 10 Minuten zu mir und zur Bar brauche. Das wären bummelig 20 Minuten. Na gut, ist zu schaffen. Nach 5 Minuten fahrt, legte die U-Bahn aber einen kleinen Stop hin um auf irgendeinen verdammten anderen Zug zu warten.
Im Enddefekt war ich dann um 20:40 Uhr an der U-Bahn Station, die ich erreichen wollte. Also anlegen zum Sprint und zur Bar. Das Toastbrot kann warten.
Pünktlich zum Anpfiff war ich nun in der Bar. Etwa 6 Leute saßen gespannt vor dem Fernseher und warteten auf den Start. Neben mir saß ein älteres Ehepaar, die mich als erstes nach meinem Namen und dem Tipp für das Spiel fragten.
„Bist du neu hier?“, fragte Henning
„Ja, bin gerade erst vor einem Monat hier her gezogen“, antwortete ich spontan.
„Wie heißt du?“
„Finn“
„Ja, ich bin Henning und das ist meine Frau Hilde. Wie ist denn dein Tipp für diesen Abend?“
„2:1 für Deutschland“, sagte ich selbstsicher.
„Hey Mike! Hast du gehört? 2:1 für Deutschland sagt er“, rief Henning durch den Raum.
Nun, dazu ist zu sagen, dass ich keine Ahnung vom Fußball habe. 2:1 hört sich immer gut an und ist ein gutes Ergebnis wie ich fand.
Nach 25 Minuten viel dann das 1:0 für Deutschland. Strike! Zumindest schon einmal das erste. Ich bestellte mir das zweite Bier und das dritte folgte kurz vor der Halbzeit.
In der Halbzeit kam Mike auf mich zu:
„Haben oder nicht haben?“, fragte er mich.
Ich muss wohl in etwa geguckt haben, wie ein VW-Bus, was Mike wohl merkte.
„Na, haben oder nicht haben?“, fragte er mich wieder
„Was haben?“ (mir viel nichts anderes ein)
So ging es weiter. Irgendwie kannte Mike wohl nur diese vier Wörter oder er hat nur diese in seinem doch schon ziemlich angetrunkenen Kopf zusammenbekommen. Das Niveau dieses Gespräches blieb etwas auf der Strecke und Mike ging langsam wieder zu seinem Tisch um weiter zu schlafen und ab und zu mal einen Schluck aus seinem Bierglas zu nehmen.
„Wie alt bist du?“, fragte Henning kurz nach dem erneuten Anpfiff.
„Wie alt schätzt du mich?“
„Hm... 26!“
Autsch, das hatte gesessen. 26... da steht man normalerweise kurz vor der Rente.
„Ähm... ne, nicht ganz. 18 ½“, antwortete ich.
„Oh, das machen wohl die kurzen Haare.“
Kurz darauf fiel das 2:0 und Henning war sich sicher, dass er mit seinen 3:0 doch recht gut liegt. Nach dem vierten Bier fiel dann das 2:1. Ich lag nun also doch recht gut mit meiner Annahme, aber Henning holte mich schnell von meiner Wolke runter und meinte, dass das Spiel noch lange nicht gelaufen sei. Wo er recht hat, hat er recht.
Die beiden Personen, die hinter mir saßen bestellten etwas zu essen.
„Wie viel kostet das?“, fragte ich die Bedienung
„4,60€, leider haben wir aber keine Wurst mehr, die kommt erst morgen wieder.“
Morgen war mir etwas zu spät. Bis dahin schaffe ich es glaube ich nicht mehr meinen Hunger zu unterdrücken und würde jämmerlich verhungern. Das verstand sie wohl.
„Wenn du willst, dann probier doch mal bei mir“, sagte der Mann hinter mir.
„Ja, wenn es dir nichts aus macht gerne.“
„Ist mein Lieblingsgericht.“, erzählte er mir stolz.
Ich nahm einen Bissen.
„Mmmmmm, interessanter Geschmack“, keuchte ich und konnte mich gerade noch daran hindern, meinem ursprünglichen Drang nachzugeben, das ganze wieder auszuspucken.
„Interessant“. Bei Einladungen zum Essen war es das beste Wort für Gerichte, die ich nicht mochte.
„Interessanter Geschmack... Interessantes Gericht.“ Interessant, dass es Ihnen gelungen ist so ein widerliches, schrecklich schmeckendes Gericht zusammenzupanschen.
Im Enddefekt hat Deutschland 2:1 gewonnen und ich bekam mein Bier bezahlt und noch dazu luden mich zwei der Gäste zu zwei „Abschiedsbieren“ ein.
„Komm, trinken wir noch eins“, sagte Hilde.
„Ne, danke, ich muss gleich los“
„Du gehst nicht, bevor du noch ein Bier mit mir getrunken hast“
OK, ich ließ mich breitschlagen. So einem Angebot kann man nun mal nicht nachgeben. Im weiteren Abendverlauf stellte sich heraus, dass Hildes Sohn ein Produzent war und ich ihm wohl sehr ähneln würde. Also beschlossen Hilde und Henning, dass ich der zweite Sohn von ihnen wäre. OK, auch dazu ließ ich mich breitschlagen.
Rechnen wir den Abend mal durch. Ich kam mit 40€, hatte nun 43€ in der Tasche (woher die anderen 3€ kamen, ist mir bis heute ein Rätsel), ich war betrunken und hatte nichts bezahlt.
Fazit:
Netter Abend. Irgendwie habe ich durch nichts tun bei den Gästen Eindruck geschunden. Im Enddefekt werde ich wohl DIESE Bar mal wieder aufsuchen :)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-11-04 01:18:36 mit dem Titel Klappe die 2te
Wir läuten das Jahr 2002, Monat Mai, Tag 26 ein. Es war gegen 16 Uhr, als ich auf die Uhr guckte, in den Himmel schaute und mich dazu entschloss mal wieder eine kleine Wanderung zu unternehmen. Einmal um den Großen Plöner See, rund 43 km Fußmarsch.
Um 17 Uhr war mein Rucksack auf dem Rücken, meine Füße in den Wanderstiefeln und ich bereit zum losgehen. Irgendwie kam ich mir doch etwas behämmert vor. Mit großem Rucksack, bei warmem Wetter und zu Fuß an den ganzen Touristen vorbei zu gehen. Aber OK, was sein muss, muss eben sein. Es sollte schließlich das Training für die Alpentour werden.
Die ersten KM passierte nichts, bis schließlich mitten auf der B76 ein Auto Schrittgeschwindigkeit fuhr um kurz darauf wieder Gas zu geben. Etwa 200 M weiter, erfuhr ich den Grund dafür. Es war ein jüngeres Pärchen, dass den armen Wanderer mit großem Rucksack und bei heißem Wetter nicht so alleine dort durch die Gegend wandern sehen wollten.
„Wir fahren bis Malente, möchtest du mit?“, fragte mich der Typ hinterm Lenkrad.
„Ne, deshalb bin ich ja zu Fuß unterwegs, um nicht fahren zu müssen.“, antwortete ich
„Wieso?“
„Ganz einfach, ich trainiere“
„Wofür“?
„Damit ich schneller zu Fuß bin.“
Irgendwie schauten mich beide an, als hätten sie ein UFO gesehen. Ich bemerkte, dass ich ihnen nun eine Erklärung schuldig war, denn ich mag es nicht, wenn Menschen dumm sterben.
„Nun, es ist so...“, fing ich an „...in einem Monat gehe ich in die Alpen zum Wandern und dafür muss ich eben trainieren, damit ich da nicht irgendwann abknicke:“
„Bist du verrückt oder so?“
„Vielleicht ein bisschen, ja.“
Verrückt... OK, ich sage mal so, wer von beiden fuhr auf einer Straße, auf der normalerweise 80 KM/H gefahren wird, Schrittgeschwindigkeit, um danach wieder Vollgas zu geben und einen Fremden Menschen um Mitnahme zu fragen, he?
Ich ging weiter und stieß nach etwa 5 KM an einem See auf einen ehemaligen Klassenkameraden von mir.
„Was machst du da?“, fragte er mich mit einem Blick, der denen des Pärchens glich.
„Wonach sieht es denn aus?“
„Ähm... Umzug? Flucht? Wandern?“
Letzteres stimmte, mit den beiden Anderen konnte ich mich jedoch auch anfreunden, tat es im Enddefekt aber dann doch nicht.
„Willst du ein Bier?“, wurde ich gefragt
„Ne, danke, ich muss noch wandern.“
„Komm, ohne Bier gehst du nicht weiter!“, bekam ich zu hören.
Nun ja, man lässt sich ja vieles gefallen. Scheiß Gruppenzwang... Ich trank das Bier und kurze Zeit später wurde die Kornflasche ausgepackt.
„Ne, die machen wir jetzt nicht auf!!“
„Nö, die ist für heute Abend. In 3 Stunden startet hier eine Party, bist du mit dabei?“
„Sorry, aber dafür bin ich eigentlich nicht her gewandert um mich zu betrinken, aber danke für die Einladung!“, antwortete ich.
Nach kurzem hin und her ging es dann weiter. Der Himmel war Wolkenfrei und der Launenschieber befand sich ganz oben. Level 100.
Der Levelschieber sackte gegen Abend jedoch ziemlich ab, als ich feststellen durfte, dass sich der Himmel doch nicht mehr in einem strahlendem Blau präsentierte, sondern in einem etwas gräulicherem Ton, der am Horizont in tiefes Schwarz wechselte. Na super, dachte ich, das wird ein schöner Abend so ganz ohne Zelt...
Gegen 21 Uhr hatte ich mich ein Stück weit von dem See entfernt, wusste jedoch, dass er auf der Linken Seite lag. Es ging nun ein Stück in den Wald rein. Ein Stück? OK, ein Stück länger. Nach rund 15 KM Landstraße folgten nun etwa 10 KM Wald. Im Dunkeln, bei Regen, ohne Regenkleidung und mit großem Rucksack auf dem Rücken. Ich beschloss mich nach einer kurzen Pause und einem Blick auf die Uhr aufs Ohr zu legen und die Tour morgen weiter fortzusetzen. Pustekuchen! Nach 1 ½ Stunden war ich wach und konnte auch nicht mehr einschlafen. Es war nun schon 1 Uhr nachts und eine Besserung des Wetters war auch nicht in Sicht. Nun ja, dann geht es eben weiter.
Nach gut einer Stunde gehen, traf ich auf zwei Jugendliche, die mich lallend fragten
„Was machst du denn hier?“
„Öhm... wandern...“
„Um diese Uhrzeit?“
„Wann denn sonst? Andere Frage, was macht ihr denn hier?“
Es stellte sich heraus, dass Michael und Markus zwei Touristen aus Hessen waren und hier ihren Urlaub genossen, indem sie sich auf diesem verdammten Ort eine Stammkneipe gesucht haben und sich jeden Abend etwas mehr zukippten. Mallorca like also, nur hier oben im Norden. Auch nicht schlecht.
Gegen 3 Uhr traf ich auf ein Ehepaar. Schätzungsweise Mitte 60, die gerade ihre Fahrräder von ihrer Einfahrt schoben.
„Oh, müssen sie Strafdienst machen?“, fragte mich die Frau
„Ich? Ne, ich bin nicht von der Bundeswehr.“
„Ach so, dann sind sie wohl verrückt oder?“
Irgendwie kam mir das bekannt vor. So langsam kam ich mir doch verrückt vor, aber da Verrückte nicht wissen, dass sie verrückt sind, strich ich das wieder aus meinem Kopf.
„Ich bin nur am Wandern um den Großen Plöner See.“
„So... mitten in der Nacht?“
„Wann sonst???“
„Also sind sie doch verrückt!“
Hm... dann mal wieder das alte Spiel. Wer fährt um 3 Uhr nachts mit dem Fahrrad durch den Regen, wenn doch das warme Bett und das Haus mit Heizung hinter ihnen stand? OK, ich gehe 43 KM mitten in der Nacht, aber was sagt das schon... Ich finde das Ehepaar war schon etwas verrückter als ich es war. Aber na gut, jedem wie er es mag.
Nach weiteren 5 KM machte ich mir dann doch etwas Gedanken darüber, ob ich nicht vielleicht gleich am nächsten Morgen einen Psychiater aufzusuchen sollte. Da hatte doch etwas gegrunzt. Rechts von mir im Knick. Ein paar Meter weiter, leuchteten mir dann zwei Augen im Schein meiner Kopfstirnlampe entgegen und es war KEINE Einbildung.
Um 5 Uhr morgens war ich dann wieder zuhause. Meine Knie taten mir vom Straßelaufen weh, ich war tot müde und Hunger hatte ich auch noch dazu. Was macht man da am Besten? Richtig! Ab ins warme Bett und erst einmal 12 Stunden Schlaf. Den hatte ich mir auch verdient.

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