Erfahrungsbericht von hawasie
Wer ist hawasie ? - Teil 1
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Da ich der Meinung bin, das es manchmal sehr interessant sein kann,einiges über den User zu erfahren, dessen Berichte man liest,möchte ich hiermit beginnen, mich selber vorzustellen.
10.09.1962 gegen 15 Uhr : Im mecklenburgischen Kleinstädtchen Teterow haut ein erfahrener Arzt einem Neugeborenen so etwas auf den Po, dass es der Mutter fast dem Atem verschlägt - Hartmut erblickt das Licht des Welt und stellt anhand des Klapses gleich fest, dass es nicht nur Gutes geben wird.
Zu der Zeit war es noch üblich, den Jungen die Vornamen der beiden Opas sowie den Mädchen die der Omas zu verpassen.
Hartmut-Walter-Hans sollte später auf der Geburtsurkunde stehen, wobei Hartmut als alleiniger Rufname in die Geschichte einging. Einen Vorteil hatte die Geschichte, als ich später krampfhaft einen Nick suchte und alles vergeben schien entstand ganz einfach : ha - für Hartmut , wa - für Walter ,sie - für meinen Nachnamen = hawasie.
Im tiefen Mecklenburg, schon manchmal als Fischköppe verschrienen und in der DDR wuchs ich auf. Wie sagte man so schön im Lebenslauf : ich verbrachte eine glückliche Kindheit - war ja fast auch so.
Mein Vater arbeitete beim Rat des Kreises, meine Mutter war zuerst Hausfrau, weil sie musste sich ja um ihr einzigstes Kind kümmern.
Da ich weder Kinderkrippe noch Kindergarten besuchte, wuchs ich also völlig isoliert auf. Das erklärt auch meine Schüchternheit anderen gegenüber. Man merkt dies auch auf dieser Plattform - ich trau mir gar nicht, was zu sagen.
Der eigentliche Hintergrund warum ich in jungen Jahren nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte, war eine Krankheit, die eigentlich keine war. Ich hatte von Geburt an einen Herzfehler - ein Loch in der Herzscheidewand. Das haben übrigens, so die Ärzte viele, nur wächst das normalerweise zu.
Na schön : bei mir nicht !
Folglich stellte sich das Problem so dar : entweder Operation oder zwischen 14 und 16 Lebensjahren tot.
Hintergrund: durch das Loch in dieser Herzwand vermischen sich das sauerstoffreiche und das sauerstoffarme Blut. Beim erreichen einer bestimmten Körpergösse, reicht diese Mischung nicht aus, um leben zu können. Also wurde sich für eine OP entschieden.
Ich habe demzufolge viele Monate als Kind in der Berliner Charité verbracht. In bestimmten Abständen war ich dort immer zu Gast, die eigentliche Operation erfolgte erst im Frühjahr 1971. Trotz fast 80 Fehltagen in der Schule schaffte ich das Klassenziel der 1. Klasse noch, auch weil in Berlin etwas dafür getan wurde.
Ich lernte hier - wenn auch unbewusst einen kleinen Vorteil der DDR kennen - das einheitliche Schulsystem.
Egal wo man in der DDR wohnte, Lehrplan und Bücher waren überall gleich. Heute gesehen ist es für mich schon ein Unding, wenn selbst innerhalb einer Stadt die Schulen mit unterschiedlichen Lehrplänen und Büchern arbeiten.
Auf Grund meiner OP war ich zwar nicht behindert,hatte aber kaum Muskeln weil ich weder Sport treiben durfte und selbst körperliche Anstrengung wurde unterbunden.
Nun frage ich, wie will so´n Spack ein Mädel aufreissen ??
Also suchte ich mir andere Hobbys : angeln auf jeden Fall - ungestört die Natur geniessen und sein Abendbrot selbst erlegen - das war meine Welt. Musik hören gehörte und gehört auch dazu. Hier waren wir in der DDR doch eingeschränkt. Ohne Beziehungen ging so gut wie garnichts - ich hatte sie. Meine Tante arbeitete in der richtigen Abteilung. 1973 oder 74 hatte ich die erste Westplatte : Die Rubbetts von Amiga ( Ich hab sie übrigens immer noch ). Weite folgten.
An meine Schulzeit kann ( oder will**gg**) ich mich nicht so sehr erinnern. Ich war nicht gut und auch nicht schlecht. Ja er könnte wenn er wollte - ich war zu faul. Logisch war in dei den Jungen Pionieren - man waren wir stolz als wir in der 5. Klasse das rote Halstuch bekamen. Trugen wir doch davor nur ein Blaues. Jetzt waren wir die Grossen der Kleinen.
Mit Beginn der 5. Klasse war ich auch wieder voll funktionstüchtig. Konnte Sport und alles andere mitmachen - der Spack blieb aber.
In der 7. Klasse wurde die zweite Fremdsprache eingeführt ( Russisch gabs schon ab Klasse 5). Englisch oder Französisch war die Devise - aber ohne Hartmut. Wozu ? In Russisch schon nicht durchgeblickt und dann noch Angelzeit für eine 2. Fremdsprache verschwenden ? Nö !! Aber es kam anders : Hartmut hatte sich in ein Mädel verguckt und in der 8.Klasse stellte sich heraus, die will an die EOS ( Erweiterte Obschule = Gymnasium 12Klassen). Na aber Hallo, Hartmut wollte auch. Tja, aber ohne zweite Fremdsprache ging das nicht. Hartmut hatte die A... karte gezogen ! Ich durfte in der 8. Klasse den Stoff der 7. mit nachholen und das in Französich !! Mein Berufswunsch stand auch fest - Lehrer wollte ich werden.
Und da ich merke, je man man darüber nachdenkt, desto mehr fällt einem dazu ein würde ich sagen: Ich lass das mal so stehen und mache mir weiter Gedanken, wie es war - in der DDR
- Fortsetzung folgt -
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-18 18:56:27 mit dem Titel Naturkatastrophen - wer ist Hawasie Teil 2
An einige Dinge aus den 70-iger kann ich mich noch sehr gut erinnern.
Da war z.B. die Fussball WM in Deutschland 1974. Wir waren auf Klassenfahrt für ein paar Tage in Burg Stagard ( fast einem Vorort von Neubrandenburg ). Das legendäre 1 : 0 der DDR Mannschaft gegen die BRD durch Jürgen Sparwasser erlebten wir hier in der Jugendherberge. Im Clubraum, zusammen mit den Lehrern hüpften wir um die Tische und jubelten. Wir hatten den zukünftigen Welteister geschlagen.
Fussball war in dieser Zeit besonders angesagt - legendäre Spiele des 1. FC Magdeburg gegen Schalke 04 mit Traumtoren von Maxe Steinbach in beiden Spielen des Europapokals sehe ich immer noch vor mir. Magdeburg gewann damals auch diesen Wettbewerb. 1976 war dann der Höhepunkt des DDR-Fussballs - den Gewinn der olympischen Goldmedaille. Hartmut war schon wieder auf Reisen. Diesmal aber mit den Eltern an der Ostsee. Ein sogenannter FDGB-Ferienplatz ( FDGB = Freier Deutscher Gewerkschaftsbund ). Fereinplätze, bevorzugt für Familien mit Kind konnten nur hier zu vergleichsweise Spottpreisen gebucht werden.
Aus dem Urlaub zurückkommend, erfuhr ich das mein Uropa im Krankenhaus liegt. Er war während unserer Abwesenheit nachts aus dem Bett gefallen und hatte sich 2 Rippen angebrochen und sich eine Erkältung geholt, weil er nicht gleich gefunden wurde. Meine Mutter machte sich damals grosse Vorwürfe - aber wer konnte das schon im vorraus ahnen ? In Folge einer starken Lungenentzündung starb mein Uropa mit 92 Jahren noch im Krankenhaus.
Wenn ich ehrlich bin, richtig traurig war ich nicht, hatte er doch erst vor kurzem versucht, meinen Freund mit seinem Gehstock werfend zu treffen, als wir auf unserem Hof Fussball spielten. Der Wurf verfehlte meinen Freund nur knapp am Kopf. Der Stock prallte so stark an die Mauer, dass Putz abfiel. Nicht auszudenken, er hätte ihn getroffen.
Zwei grosse Naturereignisse aus dieser Zeit bleiben mir auch in Erinnerung, auch wenn ich die Jahreszahlen nicht mehr genau weiss. Da ich aber an der EOS war - muss es zwischen 1977 und 1981 gewesen sein.
Zum einem gab es einen starken Winter mit sehr viel Schnee. Einen sehr hilfreichen Kommentar zur Folge war das 1978/79.
Hartmut war mal wieder auf Reisen. FDGB-Platz zwischen Weihnachten und Neujahr in Potsdam im Interhotel. Da es ein Vier-Bett Zimmer war, durfte mein Freund auch mit. Wir haben stundenlang in der obersten Etage Tischtennis bis zur Erschöpfung gespielt. Unser Blick durch die Fenster zeigte uns aussergewöhnliches Schneetreiben. In den Nachrichten wurden schon Strassen-und Bahnsperrungen bekannt gegeben. Doch wir mussten zurück - hatten Glück - die Bahnstrecke nach Teterow war wieder frei. Kurz vor Teterow wurde es im Zug zappenduster. Der Schnee lag links und rechts vom Zug so hoch, dass kein Licht mehr durchdrang und dann : Vollbremsung ! Wir standen schon auf dem Gang und wurden durcheinandergewirbelt. Was war passiert ? Ein junges Mädchen ist beim Ballspielen auf die Gleise gekommen und konnte wegen des hohen Schnees nicht wieder raus. Sie wurde vom Zug erfasst und etliche Meter mitgeschleift. Meine Freund und ich haben sie dann gesehen, wie sie von Sanitätern auf eine Trage gelegt wurde. Einer, so schien es, trug ein Bein fast hinterher- überall Blut - wie mussten uns übergeben. Diesen Anblick habe ich bis heute nicht vergessen können - seitdem hasse ich alles, was damit zusammenhängt, Menschen irgendwie Leid zuzufügen - sei es einfache oder brutale Schläge, Terrorismus oder Krieg.
Nach diesem Naturereignis - ein bis zwei Jahre später. Hartmut ist nicht auf Reisen sondern mit einem Freund angeln auf dem Teterower See. Jeder hat sein eigenes Motorboot ( gut, ich das meines Vaters). Wir angeln hinter dem Burgwall. Es ist windstill. Ich sehe, dass auf drei Seiten
um den See herum , Gewitterfronten stehen. Mein Freund meint,1. da läuft der Aal und 2. die stossen sich ab.
Wir erleben Physikunterricht auf dem See - die Wurfangel ausgelegt - die Sehne fällt aber nicht in´s Wasser sondern bleibt im Bogen von der Rutenspitze bis zur Pose in der Luft ! So stark ist die Luft aufgeladen ! Während ich mir noch die Augen reibe und glaube ich spinne, bricht ein Sturm los, der uns völlig überrascht. Die Anker halten nicht, des regnet nicht, es giesst nicht , es ist viel schlimmer. Leinen los - Motor an und bloss weg. Nicht bei Gewitter auf See !!
Mein Motor - Marke Tümmler - springt sofort an, während mein Kumpel verzweifelt versucht, mit seiner Reissleine seinen Motor in Gang zu bringen - es funktioniert nicht. Ich werfe ihm eine Leine rüber und schleppe ihn ab - unser Ziel liegt in ca. 800 Meter- die Gaststätte auf dem Burgwall, denn zum Bootsschuppen sind es noch 4 - 5 km - nicht zu schaffen. Wir verbringen hier den ganzen Nachmittag, trinken ein Bier nach dem anderen - ich bin schon down.
Ab und zu runter zu den Booten, Wasser schöpfen. Die Boote waren schon so voll geregnet, dass die Bodenbretter schon fast rüber in den See schwimmen konnten. Die Angestellten flaxten schon mit uns - klar wir waren die einzigsten Gäste. Es gab auch ein eindeutiges Angebot von einer kleinen korpulenten Kellnerin, man könnte bei ihr hier heute übernachten. Das war´s - mit der schon gar nicht- bloss weg !
Der Regen hatte zwar nachgelassen, aber noch nicht aufgehört. Meinen Kumpel im Schlepp fuhren wir zum Boostshaus. Der Wasserstand vom See hatte sich inzwischen so erhöht, dass ich mich in´s Boot legen musste um überhaupt reinzukommen. Rein und raus, auf´s Fahrrad und nach Hause.
Teterow ist an diesem Tag abgesoffen, das Wasser stand teilweise knietief in den Strassen, die Gullideckel der Kanalisation flogen hoch - überall Wassser und Schäden. Mein Vater war schon nicht mehr zu Hause - Zivilverteidigung und Kampfgruppen hatten mobil gemacht - alles was Beine hatte raus ! Die Feuerwehr war ohnmmächtig - funkte die FFW in den benachbarten Dörfern an - die kamen aber nicht ! 5 km von Teterow entfernt fiel nicht ein Tropfen !! Man nahm den Hilferuf der Teterower nicht ernst !
Ich könnte dazu sicher noch mehr schreiben, aber ich glaube, dazu reicht es erstmal. Fazit : Kameradschaft, gegenseitige Hilfe, arbeiten in einer Notsituation bis zum Umfallen - das lernt man in solcher Situation und so etwas prägt auch- denke ich zumindestens. Deshalb gibt es für mich auch keine Frage, wenn es darum geht, zu helfen oder zu spenden. Die Bilder des Jahres 2002 sind uns sicher allen noch gegenwärtig.
Hartmut
10.09.1962 gegen 15 Uhr : Im mecklenburgischen Kleinstädtchen Teterow haut ein erfahrener Arzt einem Neugeborenen so etwas auf den Po, dass es der Mutter fast dem Atem verschlägt - Hartmut erblickt das Licht des Welt und stellt anhand des Klapses gleich fest, dass es nicht nur Gutes geben wird.
Zu der Zeit war es noch üblich, den Jungen die Vornamen der beiden Opas sowie den Mädchen die der Omas zu verpassen.
Hartmut-Walter-Hans sollte später auf der Geburtsurkunde stehen, wobei Hartmut als alleiniger Rufname in die Geschichte einging. Einen Vorteil hatte die Geschichte, als ich später krampfhaft einen Nick suchte und alles vergeben schien entstand ganz einfach : ha - für Hartmut , wa - für Walter ,sie - für meinen Nachnamen = hawasie.
Im tiefen Mecklenburg, schon manchmal als Fischköppe verschrienen und in der DDR wuchs ich auf. Wie sagte man so schön im Lebenslauf : ich verbrachte eine glückliche Kindheit - war ja fast auch so.
Mein Vater arbeitete beim Rat des Kreises, meine Mutter war zuerst Hausfrau, weil sie musste sich ja um ihr einzigstes Kind kümmern.
Da ich weder Kinderkrippe noch Kindergarten besuchte, wuchs ich also völlig isoliert auf. Das erklärt auch meine Schüchternheit anderen gegenüber. Man merkt dies auch auf dieser Plattform - ich trau mir gar nicht, was zu sagen.
Der eigentliche Hintergrund warum ich in jungen Jahren nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte, war eine Krankheit, die eigentlich keine war. Ich hatte von Geburt an einen Herzfehler - ein Loch in der Herzscheidewand. Das haben übrigens, so die Ärzte viele, nur wächst das normalerweise zu.
Na schön : bei mir nicht !
Folglich stellte sich das Problem so dar : entweder Operation oder zwischen 14 und 16 Lebensjahren tot.
Hintergrund: durch das Loch in dieser Herzwand vermischen sich das sauerstoffreiche und das sauerstoffarme Blut. Beim erreichen einer bestimmten Körpergösse, reicht diese Mischung nicht aus, um leben zu können. Also wurde sich für eine OP entschieden.
Ich habe demzufolge viele Monate als Kind in der Berliner Charité verbracht. In bestimmten Abständen war ich dort immer zu Gast, die eigentliche Operation erfolgte erst im Frühjahr 1971. Trotz fast 80 Fehltagen in der Schule schaffte ich das Klassenziel der 1. Klasse noch, auch weil in Berlin etwas dafür getan wurde.
Ich lernte hier - wenn auch unbewusst einen kleinen Vorteil der DDR kennen - das einheitliche Schulsystem.
Egal wo man in der DDR wohnte, Lehrplan und Bücher waren überall gleich. Heute gesehen ist es für mich schon ein Unding, wenn selbst innerhalb einer Stadt die Schulen mit unterschiedlichen Lehrplänen und Büchern arbeiten.
Auf Grund meiner OP war ich zwar nicht behindert,hatte aber kaum Muskeln weil ich weder Sport treiben durfte und selbst körperliche Anstrengung wurde unterbunden.
Nun frage ich, wie will so´n Spack ein Mädel aufreissen ??
Also suchte ich mir andere Hobbys : angeln auf jeden Fall - ungestört die Natur geniessen und sein Abendbrot selbst erlegen - das war meine Welt. Musik hören gehörte und gehört auch dazu. Hier waren wir in der DDR doch eingeschränkt. Ohne Beziehungen ging so gut wie garnichts - ich hatte sie. Meine Tante arbeitete in der richtigen Abteilung. 1973 oder 74 hatte ich die erste Westplatte : Die Rubbetts von Amiga ( Ich hab sie übrigens immer noch ). Weite folgten.
An meine Schulzeit kann ( oder will**gg**) ich mich nicht so sehr erinnern. Ich war nicht gut und auch nicht schlecht. Ja er könnte wenn er wollte - ich war zu faul. Logisch war in dei den Jungen Pionieren - man waren wir stolz als wir in der 5. Klasse das rote Halstuch bekamen. Trugen wir doch davor nur ein Blaues. Jetzt waren wir die Grossen der Kleinen.
Mit Beginn der 5. Klasse war ich auch wieder voll funktionstüchtig. Konnte Sport und alles andere mitmachen - der Spack blieb aber.
In der 7. Klasse wurde die zweite Fremdsprache eingeführt ( Russisch gabs schon ab Klasse 5). Englisch oder Französisch war die Devise - aber ohne Hartmut. Wozu ? In Russisch schon nicht durchgeblickt und dann noch Angelzeit für eine 2. Fremdsprache verschwenden ? Nö !! Aber es kam anders : Hartmut hatte sich in ein Mädel verguckt und in der 8.Klasse stellte sich heraus, die will an die EOS ( Erweiterte Obschule = Gymnasium 12Klassen). Na aber Hallo, Hartmut wollte auch. Tja, aber ohne zweite Fremdsprache ging das nicht. Hartmut hatte die A... karte gezogen ! Ich durfte in der 8. Klasse den Stoff der 7. mit nachholen und das in Französich !! Mein Berufswunsch stand auch fest - Lehrer wollte ich werden.
Und da ich merke, je man man darüber nachdenkt, desto mehr fällt einem dazu ein würde ich sagen: Ich lass das mal so stehen und mache mir weiter Gedanken, wie es war - in der DDR
- Fortsetzung folgt -
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-18 18:56:27 mit dem Titel Naturkatastrophen - wer ist Hawasie Teil 2
An einige Dinge aus den 70-iger kann ich mich noch sehr gut erinnern.
Da war z.B. die Fussball WM in Deutschland 1974. Wir waren auf Klassenfahrt für ein paar Tage in Burg Stagard ( fast einem Vorort von Neubrandenburg ). Das legendäre 1 : 0 der DDR Mannschaft gegen die BRD durch Jürgen Sparwasser erlebten wir hier in der Jugendherberge. Im Clubraum, zusammen mit den Lehrern hüpften wir um die Tische und jubelten. Wir hatten den zukünftigen Welteister geschlagen.
Fussball war in dieser Zeit besonders angesagt - legendäre Spiele des 1. FC Magdeburg gegen Schalke 04 mit Traumtoren von Maxe Steinbach in beiden Spielen des Europapokals sehe ich immer noch vor mir. Magdeburg gewann damals auch diesen Wettbewerb. 1976 war dann der Höhepunkt des DDR-Fussballs - den Gewinn der olympischen Goldmedaille. Hartmut war schon wieder auf Reisen. Diesmal aber mit den Eltern an der Ostsee. Ein sogenannter FDGB-Ferienplatz ( FDGB = Freier Deutscher Gewerkschaftsbund ). Fereinplätze, bevorzugt für Familien mit Kind konnten nur hier zu vergleichsweise Spottpreisen gebucht werden.
Aus dem Urlaub zurückkommend, erfuhr ich das mein Uropa im Krankenhaus liegt. Er war während unserer Abwesenheit nachts aus dem Bett gefallen und hatte sich 2 Rippen angebrochen und sich eine Erkältung geholt, weil er nicht gleich gefunden wurde. Meine Mutter machte sich damals grosse Vorwürfe - aber wer konnte das schon im vorraus ahnen ? In Folge einer starken Lungenentzündung starb mein Uropa mit 92 Jahren noch im Krankenhaus.
Wenn ich ehrlich bin, richtig traurig war ich nicht, hatte er doch erst vor kurzem versucht, meinen Freund mit seinem Gehstock werfend zu treffen, als wir auf unserem Hof Fussball spielten. Der Wurf verfehlte meinen Freund nur knapp am Kopf. Der Stock prallte so stark an die Mauer, dass Putz abfiel. Nicht auszudenken, er hätte ihn getroffen.
Zwei grosse Naturereignisse aus dieser Zeit bleiben mir auch in Erinnerung, auch wenn ich die Jahreszahlen nicht mehr genau weiss. Da ich aber an der EOS war - muss es zwischen 1977 und 1981 gewesen sein.
Zum einem gab es einen starken Winter mit sehr viel Schnee. Einen sehr hilfreichen Kommentar zur Folge war das 1978/79.
Hartmut war mal wieder auf Reisen. FDGB-Platz zwischen Weihnachten und Neujahr in Potsdam im Interhotel. Da es ein Vier-Bett Zimmer war, durfte mein Freund auch mit. Wir haben stundenlang in der obersten Etage Tischtennis bis zur Erschöpfung gespielt. Unser Blick durch die Fenster zeigte uns aussergewöhnliches Schneetreiben. In den Nachrichten wurden schon Strassen-und Bahnsperrungen bekannt gegeben. Doch wir mussten zurück - hatten Glück - die Bahnstrecke nach Teterow war wieder frei. Kurz vor Teterow wurde es im Zug zappenduster. Der Schnee lag links und rechts vom Zug so hoch, dass kein Licht mehr durchdrang und dann : Vollbremsung ! Wir standen schon auf dem Gang und wurden durcheinandergewirbelt. Was war passiert ? Ein junges Mädchen ist beim Ballspielen auf die Gleise gekommen und konnte wegen des hohen Schnees nicht wieder raus. Sie wurde vom Zug erfasst und etliche Meter mitgeschleift. Meine Freund und ich haben sie dann gesehen, wie sie von Sanitätern auf eine Trage gelegt wurde. Einer, so schien es, trug ein Bein fast hinterher- überall Blut - wie mussten uns übergeben. Diesen Anblick habe ich bis heute nicht vergessen können - seitdem hasse ich alles, was damit zusammenhängt, Menschen irgendwie Leid zuzufügen - sei es einfache oder brutale Schläge, Terrorismus oder Krieg.
Nach diesem Naturereignis - ein bis zwei Jahre später. Hartmut ist nicht auf Reisen sondern mit einem Freund angeln auf dem Teterower See. Jeder hat sein eigenes Motorboot ( gut, ich das meines Vaters). Wir angeln hinter dem Burgwall. Es ist windstill. Ich sehe, dass auf drei Seiten
um den See herum , Gewitterfronten stehen. Mein Freund meint,1. da läuft der Aal und 2. die stossen sich ab.
Wir erleben Physikunterricht auf dem See - die Wurfangel ausgelegt - die Sehne fällt aber nicht in´s Wasser sondern bleibt im Bogen von der Rutenspitze bis zur Pose in der Luft ! So stark ist die Luft aufgeladen ! Während ich mir noch die Augen reibe und glaube ich spinne, bricht ein Sturm los, der uns völlig überrascht. Die Anker halten nicht, des regnet nicht, es giesst nicht , es ist viel schlimmer. Leinen los - Motor an und bloss weg. Nicht bei Gewitter auf See !!
Mein Motor - Marke Tümmler - springt sofort an, während mein Kumpel verzweifelt versucht, mit seiner Reissleine seinen Motor in Gang zu bringen - es funktioniert nicht. Ich werfe ihm eine Leine rüber und schleppe ihn ab - unser Ziel liegt in ca. 800 Meter- die Gaststätte auf dem Burgwall, denn zum Bootsschuppen sind es noch 4 - 5 km - nicht zu schaffen. Wir verbringen hier den ganzen Nachmittag, trinken ein Bier nach dem anderen - ich bin schon down.
Ab und zu runter zu den Booten, Wasser schöpfen. Die Boote waren schon so voll geregnet, dass die Bodenbretter schon fast rüber in den See schwimmen konnten. Die Angestellten flaxten schon mit uns - klar wir waren die einzigsten Gäste. Es gab auch ein eindeutiges Angebot von einer kleinen korpulenten Kellnerin, man könnte bei ihr hier heute übernachten. Das war´s - mit der schon gar nicht- bloss weg !
Der Regen hatte zwar nachgelassen, aber noch nicht aufgehört. Meinen Kumpel im Schlepp fuhren wir zum Boostshaus. Der Wasserstand vom See hatte sich inzwischen so erhöht, dass ich mich in´s Boot legen musste um überhaupt reinzukommen. Rein und raus, auf´s Fahrrad und nach Hause.
Teterow ist an diesem Tag abgesoffen, das Wasser stand teilweise knietief in den Strassen, die Gullideckel der Kanalisation flogen hoch - überall Wassser und Schäden. Mein Vater war schon nicht mehr zu Hause - Zivilverteidigung und Kampfgruppen hatten mobil gemacht - alles was Beine hatte raus ! Die Feuerwehr war ohnmmächtig - funkte die FFW in den benachbarten Dörfern an - die kamen aber nicht ! 5 km von Teterow entfernt fiel nicht ein Tropfen !! Man nahm den Hilferuf der Teterower nicht ernst !
Ich könnte dazu sicher noch mehr schreiben, aber ich glaube, dazu reicht es erstmal. Fazit : Kameradschaft, gegenseitige Hilfe, arbeiten in einer Notsituation bis zum Umfallen - das lernt man in solcher Situation und so etwas prägt auch- denke ich zumindestens. Deshalb gibt es für mich auch keine Frage, wenn es darum geht, zu helfen oder zu spenden. Die Bilder des Jahres 2002 sind uns sicher allen noch gegenwärtig.
Hartmut

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