Erfahrungsbericht von MichiK
K - Kolpinghaus
Pro:
eigentlich nix...
Kontra:
dreckig, kaputt, schlechte sanitäre Anlagen, kaum Personal
Empfehlung:
Nein
Ich war letzte Woche von Montag bis Samstag in München auf Klassenfahrt, unser Lehrer hat sich eine Unterkunft namens \"Kolpinghaus\" in der Hanebergstraße ausgesucht. Gut und schön, das Haus war sogar im Stadtplan und auch in einer Broschüre über die Stadt verzeichnet. Details gab es allerdings nicht zu hören.
Wir kamen Montag gegen 21 Uhr dort an und uns erwartete ein grau-gelber, 8stöckiger Klotz aus den 60er Jahren mit religiösem Text an der Wand im Treppenhaus. Es waren nur zwei Bedienstete im Haus und diese gaben uns die Schlüssel, je einen fürs Zimmer und einen für das jeweilige Stockwerk, der auch für den Haupteingang passt.
Dann der erste Schock, unsere Zimmer (zweimal vier und einmal zwei Betten) sind im vierten Stock (einige hatten Glück und bekamen welche im Dritten) und der Aufzug ist kaputt (am nächsten Tag stellte sich heraus, dass er einwandfrei funktioniert, doch dazu später mehr). Also das Gepäck in den vierten Stock geschleppt und ins Zimmer geguckt...
Dort dann wieder ein Schock. Die Betten sahen benutzt aus und rochen auch so. Der Fußboden ist voll mit Brandflecken (ausgetretene Zigaretten), Flecken unterschiedlichster Art und hartnäckigem Dreck. Das Fenster hat im Rahmen ein Loch mit ca. 3 cm Durchmesser und lässt sich zwar schließen aber nicht verriegeln. Von unseren insgesamt sieben Glühbirnen funktionieren fünf. Dann sind die Schränke dran, einer nach dem anderen wird geöffnet. Einige lassen sich nur trickreich wieder schließen, da die Türen schief hängen. Eine Schranktür fällt mir beim Öffnen entgegen, ich kann grade noch zur Seite springen. Sie lässt sich nicht wieder einbauen und wird an den Rand gestellt. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn die Tür mich z.B. am Kopf getroffen hätte! Auch von innen sind die Schränke nicht optimal, so fällt ein Regalbrett beim bloßen Berühren schon runter und reißt ein Weiteres mit in die Tiefe. In einem Schrank liegt eine vergammelte Rolle Toilettenpapier.
Später erfahren wir, dass wir noch eines der besseren Zimmer erwischt haben, gegenüber funktioniert nicht eine einzige Lampe (wir geben ihnen eine ab, damit sie wenigstens etwas Licht haben). Außerdem fällt das Waschbecken fast von der Wand und ein Bett sieht nicht grade vertrauenserweckend aus (nach einigen Tagen bricht es zusammen, als sich jemand ganz normal reinlegt und lässt sich nicht wieder reparieren). Die Tür lässt sich zwar abschließen, mit einem Ruck aber dennoch wieder öffnen. Nach einigen Tagen zerlegen sich Teile des Türrahmens in handliche Holzscheite. In anderen Zimmer herrschen ähnliche Zustände, in einem gibt es sogar Blut(!)-Flecken an den Wänden. Auf dem Flur vor unserem Zimmer befinden sich klebrige und übel riechende Bierflecken.
Die Toiletten sind am Ende des Flurs, sie sind dreckig und machen einen nicht grade hygienischen Eindruck. Das Licht funktioniert nicht - somit wird ein nächtlicher Toilettengang zum Abenteuer. Die Duschen befinden sich im Keller, es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsdusche für zehn Personen, ziemlich klein und dreckig. Und abends um 11 wird das Wasser auf Kalt umgestellt. Gnädigerweise stellt uns unser Lehrer die Lehrerdusche zur Verfügung, ein im Vergleich zu den für uns vorgesehenen Einrichtungen luxoriöses kleines Badezimmer, sauber und alles ist heile.
Zum Aufzug: Uns wurde gesagt, er wäre defekt, es stellt sich heraus, dass er dies nicht ist, er hat sogar einen Vorteil: Man kann damit in sämtliche anderen Etagen fahren (z.B. zu unseren Mädchen im dritten Stock ;-)) ohne deren Etagenschlüssel zu besitzen.
Das Frühstück, welches im Preis inbegriffen ist, ist auch nicht der Hit, aber wenigstens essbar. Am \"Frühstücksbüfett\" ist der Teil, wo das Esssen und die Getränke liegen, kleiner als der, wo Geschirr, Gläser und Besteck sind. Als besondere Ironie hängen im Flur im Erdgeschoss an den Wänden Bilder von langen Tischen mit den erlesensten Speisen, die gut in ein Sterne-Hotel passen würden. Auch der dort abgebildete Speisesaal ist um ein Vielfaches besser als unserer.
Es ist außerdem nicht möglich, irgendwo im gesamten Gebäude etwas heißes Wasser für eine Fünf-Minuten-Terrine zu bekommen, denn Mittagessen wird nicht angeboten.
Als wir Samstag wieder abreisen, finde ich das nicht schade, schön was es zwar in München, aber nicht in dem Haus! Am besten passt hier jetzt ein Spruch, den jemand in unserem Zimmer auf eine Holzlatte unter einem Etagenbett geschrieben hat: \"Wir waren hier... und nie wieder!\"
Man bezahlt übrigens pro Nacht 19 € und erhält dafür ein dreckiges, kaputtes Zimmer. Was ich besonders schlimm finde, ist, dass nicht durch das Personal, nachdem man das Zimmer wieder verlassen hat, kontrolliert wird, ob noch alles heil und sauber ist und dann eine Reinigung/Reparatur veranlasst wird. Auf unsere Reklamation hin kam nur ein \"Hier wird eh nächstes Jahr renoviert\" und die Frage, ob man in dermaßen dreckige und kaputte Zimmer noch jemanden gegen Bezahlung einquartieren wolle, wurde mit \"ja\" beantwortet.
Ich werde dort jedenfalls nichtmehr hingehen, in eine andere Jugendherrberge vielleicht, aber in nichts mehr, was \"Kolpinghaus\" heißt. Und ich werde mir vorher das Zimmer angucken und wenn etwas nicht stimmt, ziehe ich da nicht ein - auch, wenn ich nicht alleine bin!
21 Bewertungen, 3 Kommentare
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13.06.2002, 20:28 Uhr von blokk
Bewertung: sehr hilfreichBei einer Klassenfahrt wirst du wohl nicht in die Verlegenheit kommen, dir dein "Hotel" aussuchen zu können.
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13.06.2002, 13:20 Uhr von Wurzelchen2
Bewertung: sehr hilfreichEin Grund mehr in diesem Haus nicht zu übernachten. Danke für die passende Beschreibung. Mir hat es schon beim Lesen geekelt. Mein Bruder plant mit seiner Klasse auch einen Ausflug nach München. Auch dieses Haus ist als Übernachtungsm&
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12.06.2002, 23:13 Uhr von Indigo
Bewertung: weniger hilfreichDas, was Du beschreibst, hat nichts mit den gängigen Standards von Kolpinghäusern in Deutschland zu tun. Eigentlich solltest Du mal Deinen Lehrer fragen, was ein Kolpinghaus ist. - jedenfalls kein Hotel und keine Jugendherberge




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