Jagd auf einen Unsichtbaren (1991)
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Produktbeschreibung
Jagd auf einen Unsichtbaren (1991)
- gelistet seit 11/2003
Film / Kino-Daten
- Filme von A-Z J
- Genre Thriller; Krimi
Pro & Kontra
Vorteile
- Witzige Effekte
- witzig, nette Effekte, altes Thema
Nachteile / Kritik
- Etwas unentschiedener Film, stellenweise wenig spannend
- eigentlich nichts
Tests und Erfahrungsberichte
-
Nur im äußersten Notfall ansehen !
31.03.2004, 09:35 Uhr von
wildheart
"Moderne Ökonomiebegriffe: Kostensteigernde Kranke, Lohnintensive Arbeitnehmer, Unproduktive Rent...- Action: durchschnittlich
- Romantik: durchschnittlich
- Humor: durchschnittlich
- Spannung: langweilig
- Altersgruppe: ab 16 Jahren
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Man stelle sich vor: Da wird einer aus seinem bisherigen verwöhnten Leben als erfolgreicher Geschäftsmann und Frauenheld herausgerissen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war – auf der Toilette in einem Forschungszentrum der Regierung nämlich. Ein Experiment der Forscher geht schief. Eine Tasse kippt um, der Kaffee dringt in eineTastatur ein, die Computer spielen „verrückt” und die molekulare Stabilität des Hauses wird erschüttert. Alles flieht und schreit, während es um das Gebäude herum blitzt. Staunend stehen die Leute davor und sehen, dass sie immer weniger sehen. Das Gebäude wird langsam aber sicher unsichtbar. Der arme Tropf auf der Toilette hat noch keine Ahnung, was sich da draußen ereignet. Aber bald muss er feststellen, dass sich da draußen gar nichts ereignet, sondern in ihm selbst. Auch er wird unsichtbar. Und dabei hatte er am Vortag eine Frau über seinen Freund George (Michael McKean) und dessen Freundin Ellen (Patricia Heaton) kennen gelernt, die ihn derart faszinierte, dass man sich flugs zum Essen verabredete – die blonde Schönheit Alice Monroe (Daryl Hannah). Jetzt aber sieht alles ganz anders aus, vor allem weil der korrupte und skrupellose CIA-Agent David Jenkins (Sam Neill) die Situation, sprich unseren Helden Nick Halloway (Chevy Chase), gnadenlos für sich ausnutzen will. So ein unsichtbarer Mann könnte auf dem internationalen Markt der Geheimdienste unschätzbaren Wert haben.
Was um alles in der Welt könnte man aus einer solchen Geschichte alles machen, ja zaubern! Und Regisseure wie Billy Wilder oder Howard Hawks hätten garantiert etwas daraus gemacht. Unsichtbarer flieht vor dem Zugriff des Geheimdienstes und muss sich gleichzeitig im Alltag ganz anders zurechtfinden als bisher. Zudem will er seine Angebetete wiedersehen, die ihn aber nicht sehen kann. Ein Stoff für eine rasante Komödie, Slapstick-Situationen, eine Chance, aus ansonsten gewöhnlichen Alltagssituation etwas Besonderes zu kreieren. Aber John Carpenter („Halloween”, 1978; „The Fog”, 1980; „Die Fürsten der Dunkelheit”, 1988; „Sie leben!”, 1990) und der Comedy-Star der 80er Jahre Chevy Chase („Caddyshack”, 1980; „Fast wie in alten Zeiten”, 1980; „Die schrillen Vier auf Achse”, 1983; „Fletch”, 1985; „Spione wie wir”, 1986) nutzten ihre Chance nicht, um aus einer solchen Idee ein flottes, spannendes und komisches Abenteuer zu gestalten.
Die wenigen wirklich guten Slapstick-Szenen (etwa wenn Chase einem Dieb die Handtasche kurzerhand wieder entreißt und sie seiner Besitzerin in die Hände drückt) sind eher episodenhaft montierte Einsprengsel in einen Film, der mühsam und schleppend vor sich hin dümpelt und sich nicht entscheiden kann, ob er nun Komödie oder Thriller sein will. Sicher ist es nett anzuschauen, wenn Chase eine Zigarette raucht und seine Lunge sichtbar wird, oder wenn er isst und seinen Magen arbeiten sieht, woraufhin er sich übergeben muss. Nur seine Kleider, die er während des Unfalls getragen hat, sind unsichtbar. Wenn er also sichtbar sein will, etwa als er Alice von seinem Unglück berichten will, muss er sich in andere Kleider einhüllen. Schön auch eine Szene, in der Alice Nick das gesamte Gesicht schminkt, die Zähne weiß anmalt, damit beide in einem Restaurant essen gehen können. Als Nick trinkt, geht ein Teil der Schminke verloren, und er sieht aus wie ein Ungeheuer.
Aber solche Szenen sind nicht nur selten; sie wirken zudem eher wie Fremdkörper in einer Handlung, die ansonsten in langweiligem Einerlei auf eine Agenten-Verfolgungsgeschichte zugeschnitten ist, deren Ausgang man sowieso schon kennt. Auch der Liebesgeschichte zwischen Alice und Nick mangelt es an Phantasie. Wie viele Fragen stellen sich doch in einem Fall: Mann sieht Frau, aber Frau Mann nicht. Was hätten beide wirklich miteinander zu reden? Wie wäre das mit den beiden beim Sex? Was, wenn beide miteinander kochen wollten? Welche komischen Situationen ergäben sich aus der Verfolgungsjagd? Wie könnte der Unsichtbare seine Verfolger übers Ohr hauen und welche komischen Situationen könnten sich daraus ergeben? Statt dessen beschränkt sich der Film darauf zu zeigen, wie Nick ein ums andere Mal seinen Verfolgern entflieht, ohne dass diese Sequenzen irgend etwas an Suspense hätten. Dazu trägt bei, dass Sam Neill, ein nun wirklicher begnadeter Schauspieler, als ernsthafter Charakter angelegt ist. So treibt es den Film immer wieder zurück in eine mäßige und einfallslose Agenten-verfolgen-unschuldig-unsichtbar-gewordenen-Mann-Geschichte, die bald nervt.
Auch andere Chancen wurden nicht genutzt. Als sich Nick im Sommerhaus seines Freundes George versteckt und der mit Ellen, Alice und Richard (Gregory Paul Martin) dort erscheint, fällt Carpenter und Collector überhaupt nichts mehr ein. Richard, der hinter Alice her ist, kommt auf ihr Zimmer, in dem sich auch Nick befindet. Einziger Einfall: Als Richard, den seine Frau verlassen hat, auf Alice losgeht, reißt ihn der unsichtbare Nick zurück, und Richard denkt, Alice habe ungeheure Kräfte. Ho Ho Ho! Glücklicher Billy Wilder, dass er das nicht mehr mit ansehen musste!
Summa summarum: Nur im äußersten Notfall ansehen.
Wertung: 3 von 10 Punkten.
Jagd auf einen Unsichtbaren
(Memoirs of an Invisible Man)
USA 1992, 99 Minuten
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Robert Collector, nach einem Roman von H. F. Saint
Musik: Shirley Walker
Director of Photography: William A. Fraker
Schnitt: Marion Rothman
Produktionsdesign: Lawrence G. Paull
Darsteller: Chevy Chase (Nick Halloway), Daryl Hannah (Alice Monroe), Sam Neill (David Jenkins), Michael McKean (George Talbot), Stephen Tobolowsky (Warren Singleton), Jim Norton (Dr. Bernhard Wachs), Pat Skipper (Morrissey), Gregory Paul Martin (Richard), Patricia Heaton (Ellen), Barry Kivel (betrunkener Geschäftsmann), Donald Li (Taxifahrer)
Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0104850
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (2,5 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1992/02/743441.html
© Ulrich Behrens 2004 weiterlesenschließenKommentare & Bewertungen
-
XXLALF, 18.11.2011, 09:18 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
na ja, vom hocker reißen würde mich dieser film ganz bestimmt nicht, wobei ich deinen bericht sehr amüsant zum lesen fand. bw und ganz liebe grüße
-
Er war schon unsichtbar, bevor er unsichtbar wurde!
29.03.2004, 20:37 Uhr von
catmother
Danke an alle, die regelmäßig bei mir lesen.- Action: durchschnittlich
- Anspruch: wenig anspruchsvoll
- Romantik: hoch
- Humor: sehr humorvoll
- Spannung: durchschnittlich
- Altersgruppe: ab 16 Jahren
Pro:
witzig, nette Effekte, altes Thema
Kontra:
eigentlich nichts
Empfehlung:
Ja
Wer wünscht sich nicht manchmal, absolut unsichtbar zu sein? Wenn man unsichtbar ist, kann man tun und lassen was man will, sich nehmen, was man will? Weit gefehlt, denn keiner kann sich wirklich vorstellen, was das bedeutet.
Da hat sich Carpenter, der bekannte Horrorfilm-Regisseur, wohl seine eigenen Gedanken gemacht und ein vergnügliches Resümee gezogen.
** Die Geschichte **
Nick Halloway (Chevy Chase) ist Börsenmakler, Charmeur und Lebemann. Von Arbeit hält er nicht viel, er hat keine Verwandten, keine Freunde und nur gelegentlich eine Beziehung.
Eines Abends trifft er in seinem Klub George Talbot (Michael McKean), einen Freund, und in dessen Begleitung Alice Monroe (Daryl Hannah) kennen. Zwar will er gleich mit der jungen Frau ins Bett, die lehnt aber eine flüchtige Affäre ab. Also geht Nick zurück in die Bar und läßt sich voll laufen. Dementsprechend ist er am nächsten Tag nicht auf der Höhe, als er zu einem Vortrag in der Firma seines Kunden Magnescopics geht, der an Magnetfeldern und Molekularveränderungen arbeitet. Er legt sich in den Saunaruheraum der Firma und bekommt so die gewaltige Implosion im Computerraum nicht mit, bei der Teile des Gebäudes einfach verschwinden. Na ja, nicht einfach verschwinden, sondern geradezu unsichtbar werden.
David Jenkins (Sam Neil), Sektionsleiter beim FBI mit dem sinnigen Decknamen Skorpion, ist immer dort anzutreffen, wo Menschen verschwinden oder zu Tode stürzen. Er soll sich der Sache mit dem unsichtbaren Gebäude annehmen. Dabei entdecken sie in der Ruine etwas, das sich bewegt. Es ist Nick, der aus seinem Tiefschlaf erwacht ist und nun nicht weiß, was los ist.
Natürlich ist das FBI stark dran interessiert, den unsichtbaren Mann in die Hände zu bekommen. Denn was könnte man alles mit so einem Mann anstellen, wen könnte man alles umlegen, ohne erkannt zu werden?
Doch Nick gelingt es gerade noch, den Typen zu entkommen und irrt ziellos durch die Stadt. Doch wie lebt man, wenn man unsichtbar ist? Wie bestellt man ein Taxi? Wie ißt man, wenn alle Speisen im unsichtbaren Darmtrakt sichtbar werden und man die eigenen Hände zum Essen nicht sehen kann? Hast du schon mal einen Magen voller Speisen gesehen, in dem es geradezu brennt? Oder zieh mal Klamotten an, die unsichtbar sind. Gar nicht so einfach.
Natürlich ist der macht- und karrierebesessene Jenkins nicht auf den Kopf gefallen und sucht ihn genau an den Stellen, wo Nick sich aufhalten würde. Er will ihn unbedingt in die Hände bekommen und so gegenüber seinen Vorgesetzten die Oberhand behalten, weil es die absolute Macht bedeutet, einen solchen Mann zu besitzen.
Doch wem kann der Unsichtbare nun vertrauen, an wen kann er sich wenden? Das FBI hat ja genügend Methoden, um jemanden ausfindig zu machen.
Also verzieht er sich in das Sommerhaus seines Freundes George. Doch einige Tage später kommt der Hausherr selbst an, mit Frau und einem Freund. Und auch Alice ist dabei. Alle spekulieren, was mit Nick passiert sein könnte, denn die Zeichen sind unübersehbar, daß jemand im Haus war.
Also Richard sich an Alice ranmacht, geht Nick dazwischen und offenbart sich ihr. Damit hat er endlich eine Verbündete.
Doch auch hier stöbern ihn Jenkins und seine Männer auf.
** Darsteller
Chevy Chase war für mich eigentlich noch nie mein Fall. In zu vielen sinnlosen, verbissen komischen Filmen hat er mitgespielt. Hier allerdings finde ich ihn richtig gut. Mit viel Witz, coolen Sprüchen und einer großen Portion Abgebrühtheit meistert er seine Sache, die ihm zudem eine Menge Spaß zu machen scheint. Eigentlich schade, daß er danach nur in flachen Komödien verheizt wurde.
Sein Gegenspieler hat mich ein wenig überrascht. Sam Neill (Der Pferdeflüsterer) kenne ich sonst eher in ruhigen, gediegenen Rollen. Hier jedoch ist er so richtig böse und fies, scheut vor keiner Schandtat, ja nicht einmal vor kaltblütigem Mord zurück. Auf jeden Fall war das eine ungewöhnliche Rolle für ihn, die er aber absolut glaubhaft ausfüllt.
Daryl Hannah ist hier das schmückende Element zwischen zwei guten und entschlossenen Gegnern. Erst im letzten Drittel kommt sie so richtig zum Zug, was ihr immerhin gelingt, aber Chevy Chase stiehlt ihr mehr oder weniger die Schau.
** Filmkritik **
Wer denkt, hier handelt es sich um eine schnöde Komödie, der irrt. Klar, eine Komödie ist das schon, aber auf jeden Fall eine mit einer Botschaft. Wie oben schon mal gesagt, hat sich der Regisseur scheinbar seine ureigensten Gedanken um einen sehr alten Traum des Menschen gemacht: unsichtbar sein und diese Fähigkeit zu allerlei Spielchen zu nutzen.
Da haben wir zunächst eine nicht gerade sympathische Hauptfigur, ein kleiner Schmarotzer und Schwerenöter. Doch was ihm passiert, ist nicht fair. Denn wer möchte schon völlig überraschend damit konfrontiert werden, daß er sich nicht mehr im Spiegel sieht?
Zunächst denkt man wahrscheinlich als Zuschauer: toll, was könnte man dann alles anstellen. So wie eben die meisten Menschen spontan jubeln würden. Doch erst im Laufe des Films wird man nachdenklicher. Nicht nur, daß man vermutlich tatsächlich zum begehrten Studienobjekt wird, gewogen, gespritzt, durchleuchtet bis zum Erbrechen, später würden diejenigen sich einschalten, die diese Eigenschaft ausschlachten oder vermarkten wollen. Das halte ich nicht für abwegig und nicht nur für ein Land wie die USA denkbar. Das ist ein durchaus reelles Szenario.
Was bringt es wirklich mit sich, unsichtbar zu sein? Wen man darüber spekuliert, denkt man natürlich zuerst an die offensichtlichen Dinge, niemals an so etwas alltägliches wie essen, trinken, Stuhlgang, schlafen oder kommunizieren. Doch genau das macht einen großen Teil des Lebens aus und der wird dadurch nahezu unmöglich.
An einer Stelle des Films sagt der Hauptdarsteller: „Ich wusste bisher nicht, wie wichtig es ist, erkannt zu werden“. Da ist sehr viel Wahres dran.
Aber genug mit Philosophie über einen Zustand, der doch nur theoretisch und in Wunschvorstellungen existiert.
Der Film hat alles, was man zu einer guten Komödie braucht: einen freakigen Hauptdarsteller, Verfolgungsjadgen, die wirklich witzig sind, denn wie verfolgt man einen Unsichtbaren, ein wenig Liebe und eine Verschwörung.
Vor allem der Wortwitz der Dialoge und der gut dosierte Sarkasmus des Helden macht das Ganze zu einem Angriff auf die Lachmuskeln, der viel Spaß macht.
Hervorzuheben sind natürlich noch die für 1992 schon spektakulären und grandiosen Effekte, für die die Firma Industrial Light and Magic, eine Tochter der LucasArts Entertainment, verantwortlich zeichnet.
** Meine Meinung **
Fast schon ein Klassiker des Genres und eine gute Mischung aus Agentenfilm und Science-Fiction-Komödie. Der Hauptdarsteller liefert eine grandiose One-Man-Show, die temporeich und humorvoll ist und einige durchaus nachdenkenswerte Anstöße zu einem alten Menschheitstraum liefert.
Empfehlenswert.
** Daten **
USA 1992
Regie: John Carpenter
Musik Shirley Walker
Drehbuch: H. F. Saint
FSK 6 weiterlesenschließen -
The yuppie vanishes
08.12.2003, 22:30 Uhr von
Kool_Kat
Als Filmliebhaber gehe ich häufig ins Kino und nutze hier das reichhaltige Angebot Berlins nach m...- Action: durchschnittlich
- Anspruch: durchschnittlich
- Romantik: durchschnittlich
- Humor: humorvoll
- Spannung: durchschnittlich
- Altersgruppe: ab 12 Jahren
- Meinung bezieht sich auf: Video-Version
Pro:
Witzige Effekte
Kontra:
Etwas unentschiedener Film, stellenweise wenig spannend
Empfehlung:
Ja
Chevy Chase und John Carpenter - wer, wie der Autor dieser Zeilen, in den Achtzigerjahren filmsozialisiert wurde, muss bei diesen beiden Namen einfach strahlende Augen bekommen. Beide sind, trotz recht unterschiedlichen Schaffens, mit dieser Dekade so untrennbar verschweißt wie C64, Helmut Kohl und Raider. Folgerichtig wurde es in den Jahren darauf etwas ruhiger um die beiden: Chase moderierte nicht mehr die Oskarverleihung, auch seine Filme erreichten nicht mehr so recht nennenswerten Bekanntheitsgrad. Carpenters Filmografie, die den Geruch des B-Cinemas eigentlich eh nie so recht abstreifen konnte, stagnierte gefährlich und wurde eigentlich nur noch durch schlechte Karrikaturen seiner Filme aus den Achtzigern bereichert. Es mag, retrospektiv betrachtet, symptomatisch sein, dass man in den frühen Neunzigern zusammen einen Film realisierte, der, gewissermaßen, die folgende Durststrecke einläuten sollte. Vielleicht ist JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN auch einfach nur ein Abgesang, wer weiß.
Erzählt wird die Geschichte von Nick Halloway (Chase), der, erfolgreich in Beruf und beim anderen Geschlecht, auf der Sonnenseite des Lebens steht. Als er sich unsterblich in Alice Monroe (Daryl Hannah) - diese Namenskonstruktion kommt gewiss nicht von ungefähr - verliebt, scheint der Lebemann die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Ein Glück, das nicht lang währt: Infolge eines Unfalls in einem Wissenschaftszentrum, in dem sich Halloway dummerweise gerade befindet, wird er einer Strahlung ausgesetzt, die seine Molekularstruktur modifiziert und ihn somit unsichtbar macht. Das ist nicht nur deswegen unangenehm, weil er so ein Date mit Alice sausen lassen muss, nein, der skrupellose CIA-Agent Jenkins (Sam Neill) wittert das ultimative Werkzeug für die us-amerikanische Spionage und versucht den Unsichtbaren, koste es, was es wolle, sicherzustellen. Eine Jagd quer durchs Land beginnt und Halloway muss erkennen, dass der Traum jedes Kindes - einmal im Leben unsichtbar sein können! - nicht nur Vorteile mit sich bringt ...
Nicht nur der Originaltitel - Memoirs of an invisible Man - deutet an, dass man sich in dieser weiteren Adaption eines ganz klassischen Stoffs des phantastischen Films auch an die Traditionen des Film Noir angelehnt wissen will. So beginnt der Film, was typisch für diese Filmgattung ist, bereits zum Zeitpunkt kurz vor dem Ende der Erzählung in einer Ruhesituation, in der Halloway seine ganz Geschichte darbieten kann. Es folgt die Rückblende, stets unterlegt mit dem Kommentar aus dem Off - ebenfalls ein typisches Charakteristikum des Film Noir. Dieser Beginn mit einem Zeitsprung dient auch einem ganz anderen Zweck: Film gerät, als in erster Linie visuelles Medium, immer dann an seine Grenzen, wenn es das Unsichtbare abbilden soll. Das kann Film nicht, deswegen muss er ein Beziehungsgeflecht zwischen dem Physischen und dem Unsichtbaren entwickeln, um sich glaubhaft zu legitimieren: Halloway ist dank dieses Bruchs der zeitlichen Erzählkontinuität bereits zu Beginn unsichtbar und spricht in eine entliehene TV-Kamera, um der ganzen Nation - warum, das erfahren wir später - seine Tragödie zu schildern. Zum Beweis, dass die Zuschauer auch wirklich einem Unsichtbaren zuhören und nicht nur einen auditiv unterlegten Stuhl betrachten, beginnt er einen Kaugummi zu kauen: Wir sehen ihn im Mund und wie Halloway eine Blase macht - ein verwirrendes Bild. Die Zuschauer zuhause können sich nun beruhigt zurücklehnen und dem Unsichtbaren zuhören, wir selbst wissen jetzt - quasi als bei Laune haltendes Leckerli verabreicht -, mit was wir rechnen können: Zahlreiche, verwirrende Situationen, in denen der \"durchsichtige Mensch\" - ein in den Neunzigerjahren noch zusätzlich aufgeladenes Schlagwort der öffentlichen Diskussion - sein notwendig gestörtes Verhältnis zur undurchsichtigen Welt bestimmen muss. Ein in seiner Beschaulichkeit äußerst trickreicher Beginn.
Was folgt, ist leider weniger trickreich als es die ersten Minuten noch in Aussicht stellen. Im wesentlichen ist JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN eine Nummernrevue, die zwischen Slapstick-Sequenzen, wenn das außer Kontrolle geratene Verhältnis des Helden mit seiner Umwelt in lustvoll langen, narrativ wenig vorantreibenden Sequenzen ausgereizt wird, und Verfolgungsjagden, in denen Halloway seine Situation mal mehr, mal weniger zu seinem Vorteil ausspielen kann, abwechselt. Dazwischen tritt der Film oft auf der Stelle. Das ist an sich nichts Schlechtes, so funktionieren Filme schon seit Anbeginn der Filmgeschichte. Das Problem jedoch, mit dem der Film schwer zu kämpfen hat, ist, dass er sich nicht so recht zwischen seinen beiden Machern entscheiden kann: Ist das nun ein typischer Slapstick-Film mit/von Chevy Chase oder aber ein typischer Paranoia-Film von John Carpenter, in dem einzelne Regierungsapparate ungeahnte Dynamiken entwickeln? Zwischen diesen beiden Polen flattert der Film etwas ungelenk hin und her und kann sich selbst nicht so recht entscheiden - ein unausgegorenes, im Gesamten oft wenig befriedigendes Ergebnis. Da sich obendrein ein Star wie Chevy Chase nur ungern komplett vom Trick ersetzen lässt, wird auch das Motiv des Unsichtbaren nur wenig entwickelt: Über weite Strecken ist Chase, was gewiss nun auch ökonomischen Fragen der Filmproduktion geschuldet ist, für uns sichtbar im Raum zu sehen, wohingegen sein Umfeld alle Hände voll zu tun hat, ihn in seiner eigentlichen Präsenz zu ignorieren. Ein gelungener Spagat wird vollzogen, wenn Alice Monroe, der sich Halloway offenbart und die fortan auf seiner Seite kämpft, auf die Idee kommt, dem Unsichtbaren mit übertriebenem Make-Up quasi wieder ein Gesicht zu verleihen: Chase\' im Computer eingescannte Physiognomie erscheint unter Zuhilfenahme großzügig aufgetragenen Rouge als animierte Maske seiner Selbst.
Überhaupt die Computereffekte: Im Jahr 1992 waren diese, vor allem für einen Film diesen Budgets, nur pointiert einsetzbar. Nahezu einen gesamten Film im Computer entstehen zu lassen und nur noch spärlich mit gefilmten Material zu versehen, wie dies heute im Blockbuster-Bereich des Filmspektrums schon beinahe Usus zu werden droht, war seinerzeit noch reine Utopie. Dennoch überzeugen die Effekte weitgehend und sorgen für viele witzige und auf visueller Ebene auch lustvoll verwirrende Momente: Etwa wenn Halloway Nahrung zu sich nimmt und somit seine verdauenden Tätigkeiten entblößt oder aber wenn er einen tiefen Lungenzug aus der Zigarette nimmt. Zwar sieht man\'s den Effekten durchaus an, dass sie bereits ein paar Generationen der Entwicklung auf dem Buckel haben, doch macht diese \"Archäologie des Effekts\", vor allem aus heutiger Perspektive, Spaß.
Unterm Strich ist JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN nette Unterhaltung, wie sie für den Film der Achtzigerjahre eigentlich recht typisch war. In den Neunzigern mag dieser nicht mehr so recht funktionieren, was ihn heutzutage gleich doppelt altmodisch erscheinen lässt. Wie eingangs erwähnt, ist es eigentlich Ironie des Schicksals, dass in diesem Film, der ohne weiteres eine gewisse Januskopffunktion in den Filmografien der beiden Beteiligten darstellt, gleich zwei Urgesteine des Achtziger-Kinos aufeinander trafen. Es mag zum Vorteil gereichen oder auch zum Nachteil. Ich tendiere eher zu letzterem, unter diesem Spannungsverhältnis Chase-Carpenter hat der fertige Film eher gelitten. Eine andere Alternative scheint indes auch nicht denkbar. Belassen wir\'s dabei: Die Neunziger waren für beide einfach nicht das beste Jahrzehnt.
Thomas Groh, 2003
Jagd auf einen Unsichtbaren
(Memoirs of an Invisible Man, USA 1992)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Robert Collector, Dana Olsen, William Goldmann nach der literarischen Vorlage von H.F. Saint
Kamera: William A. Fraker
Schnitt: Marion Rothman
Musik: Shirley Walker
Darsteller: Chevy Chase, Daryl Hannah, Sam Neill, Michael McKean, u.a.
Internet Moviedatabase
http://imdb.com/title/tt0104850/combined
Kritiken zum Film bei mrqe.com
http://www.mrqe.com/lookup?isindex=memoirs+of+an+invisible+man
John Carpenter@Prisma-Online (inkl. aktueller TV-Termine)
http://www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=john_carpenter
Chevy Chase@Prisma-Online (inkl. aktueller TV-Termine)
http://www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=chevy_chase weiterlesenschließen
Jagd auf einen Unsichtbaren (1991) im Vergleich
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Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Humor: humorvoll
Nachteile
- Action: durchschnittlich
- Anspruch: wenig anspruchsvoll
- Romantik: hoch
- Spannung: durchschnittlich
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519. Jagd auf einen Unsichtbaren (1991)(dieses Produkt) -
520. Cut
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