SVV - Selbstverletzendes Verhalten
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SVV - Selbstverletzendes Verhalten

Platz 48 in der Kategorie "Krankheiten / Krankheitsbilder". psychische Krankheit, die vielfältige Formen der Autoaggression umfasst ...mehr
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SVV - Selbstverletzendes Verhalten Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

-Videl-

Mein Leben mit dem SVV!

ein Testbericht von 2005-08-18 19:44:03 vom 18.08.2005
Empfehlung: nein
Vorteile: Keins...
Nachteile/Kritik: narben, wunden, kann zu schlimmeren führen...
1. Einleitung
2. Was genau ist SVV?
3. Wer ist Betroffen
4. Warum sprechen SVVler nicht über ihre Probleme?
5. Ein Betroffener hat sich mir anvertraut. Was jetzt?
6. Was man auf keinen Fall tun sollte...
7. Mein Leben mit dem SVV


1.Nach offiziellen Schätzungen leiden etwa 800.000, (wobei ich denke das die Dunkelziffer weitaus höher liegt) Menschen in Deutschland an SVV - Selbstverletzendes Verhalten.

Ich bin einer davon.

Mit diesem Bericht möchte Angehörigen von Betroffenen, sowie Menschen die nicht Betroffen sind, helfen, uns SVVler besser zu verstehen! Jedoch muss auch bei Seiten des Lesers der Wille des Verstehens vorhanden sein!


2.Zunächst einmal möchte ich die Frage klären:
"Was genau ist SVV?"

SVV steht (wie schon oben erwähnt) für Selbstverletzendes Verhalten. Die meisten Menschen denken ans Ritzen, wenn sie diese Begriffe hören. unbegründet. Das Ritzen ist die bekannteste Möglichkeit der Selbstverletzung. Zudem auch die häufigst benutzte. Jedoch gibt es auch noch andere Möglichkeiten, sich selbst zu verletzen:

- sich selbst ins Gesicht zu schlagen
- Den Kopf gegen die Wand zu hauen
- In den Augen rumbohren
- sich selbst zu verbrühen
- Sich mit Zigaretten oder Bügeleisen verbrennungen zufügen
- Abbeißen der Fingerkuppen

Dies sind natürlich nur ein paar aus vielen veschiedenen Möglichkeiten!

Zudem denken einige Menschen, dass SVVler sich nur aus der Menge herausheben und durch ihre Wunden/Narben auffallen wollen. Sicherlich gibt es Teenager die sich Ritzen um cool zu sein und Freunden zu imponieren. Jedoch sollte man SVV nicht als Kleinigkeit abtun.
Menschen, die an SVV leiden, verstecken ihre Wunden und Narben. Sie schämen sich dafür. Tragen im Sommer langärmlige Kleidung. Da gibt es also keinen dem sie damit imponieren könnten!


3.Wer ist betroffen?

Die offizielle Zahl von 800.000 ist auf Mädchen und (junge) Frauen bezogen. Zahlen der "männlichen Wesen" werden deutlich geringer geschätzt. Das Verhältnis ist etwa 5:1

SVVler fallen vom Verhalten eigentlich gar nicht auf. Sie sind weder auffällig scheu noch schüchtern. Trotzdessen fühlen sie sich in ihrer Umgebung immer als Außenseiter. Egal wo sie sind fühlen sie sich alleine.

Jedoch haben die meisten SVVler folgende (charakteristische) Eigenschaften:

- Sie können sich selbst nicht leiden, verneinen sich, können kein Lob annehmen,
- Reagieren sehr empfindlich auf Ablehnung
- sie sind Impulsiv und können dies nicht kontrollieren
- handeln nach ihrer momentanen Stimmungslage
- einen hohen Grad an aggressuver Gefühle besitzen, die sie unterdrücken oder nach innen lenken
- Sie unterdrücken ihre Angst
- Sie leben in den Tag hinein und planen nicht
- Sie sind leicht reizbar
- Finden sich selbst meistens nicht fähig mit Situationen und Emotionen umzugehen, zudem besitzen sie oft nicht die Möglichkeiten ihre Emotionen zu verarbeiten bzw. zu bewältigen.
- Sie versuchen, Problemen aus dem Weg zu gehen
- Besitzen kein Selbstvertrauen
- Sie könne sich emotional niemandem anvertrauen, sich auf niemanden verlassen können...

Jedoch muss dies nicht immer zutreffen!

SVVler sind meistens sehr sensible Menschen, die auch ein geringes Selbstwertgefühl haben. Über sich selbst haben sie eine schlechte Meinung. Zudem beziehen sie negative Ereignisse, Sprüche etc grundsätzlich auf sich selbst, obwohl es offensichtlich NICHT so war.

Jugendliche Betroffene sind oft seelischer weitaus reifer als ihre Altersgenossen, nicht selten auch wesentlich intelligenter.

Zudem hat SSV nichts mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten zu tun! Es gibt auch viele Prominente, die unter SVV leiden bzw. litten...

...Prinzessin Diana... Johnny Depp... Angelina Jolie... Fiona Apple... Drew Barrymore... Brody Dalle... Richey Edwards... Courtney Love... Colin Farrell... Shirley Manson... Christina Ricci...

Dies sind nur Namen von Prominenten, die zu ihren Selbstverletzungen stehen/gestanden haben.


4. Warum sprechen SVVler nicht über ihre Probleme?

Viele Betroffen (wie auch ich) vertrauen sich jahrelang niemandem an, aus Angst, auf Ablehnung zu stoßen oder als Psyschich Krank abgestempelt zu werden.

Ich selbst habe mich erst vor kurzem meinem Freund anvertraut. Jedoch habe ich seither das Gefühl, dass er sich von mir distanziert...

Viele Betroffenen wollen sich häufig selbst helfen, durch sogenannte "Skills" Dieser Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie "Eigenschaften"

Für uns Betroffenen sind Skills, Dinge, die uns ablenken. Die wir in den Momenten machen, wenn wir uns eigentlich ritzen würden.

Bei Ersatzhandlungen für SVV handelt es sich um Dinge, die ein unangenehmes Gefühl oder sogar Schmerz erzeugen, ohne dass sie unseren Körper schädigen... Zum Beispiel:
- Gummiband um Handgelenk legen und Schnalzen lassen
- Eiswürfel oder Coolpack (aber nur mit Handtuch!) auf die Hautdrücken bis die Kälte schmerzt.

Man kann sich auch ablenken, indem man sich etwas gutes tut, zum Beispiel indem man...
...sich etwas leckeres zu Essen gönnt
...ein heißes Bad mit gutriechendem Badeöl und danach eincremen mit Bodylotion
...sich eine DVD aus der Videothek ausleihen und dann anschaune (ob alleine oder zu zweit...)

Zudem tut es auch gut, sich körperlich auszupowern. Man ist dann danach so erschöpft, dass man gar nicht mehr daran denkt, sich selbst zu verletzen...
- Gegen einen Punchingball, Boxsack oder Kissen boxen
- einen alten Katalog oder ein altes Telefonbuch zu zerreißen
- intensives Weinen (kann auch sehr hart und anstrengend sein!)

Jedoch kann man seine Gedanken auch kreativ ausdrücken, indem man seine Gefühle zum Beispiel auf ein Blatt papier bringt...
... malen oder zeichnen
... Gedichte oder Kurzgeschichten schreiben
... Oder sich seinem Tagebuch anvertrauen

Oder sich mit
... lauter Musik wobei man sich auf den Text konzentriert
... Hausaufgaben
... Kuscheln mit dem Haustier
ablenken.

Wie man sieht gibt es viele Arten, Wege und Möglichkeiten für uns Betroffen sich abzulenken. Jedoch ist wirklich nichts sinnvoller, als eine Therapie!


5. Ein Betroffener hat sich mir anvertraut. Was jetzt?

Wichtig ist es, dass man sich klar macht, dass die Person immernoch dieselbe ist. Sie hat sich dadurch, dass wir von ihren Selbstverletzungen erfahren haben, nicht verändert.
So sollte man diese Person dann auch weiter behandeln.

Versuchen sie, mit dem Betroffenen zu reden. Geben sie ihm Rückhalt, zeigen sie ihm, dass sie für ihn da sind wenn er sie braucht.

Mit körperliche Nähe kann viel mehr ausgedrückt werden als mit Worten. Den Betroffenen einfach mal in den Arm nehmen und streicheln. Damit wird auch gezeigt, dass man keinen Ekel vor dem Körper des Betroffenen hat (wegen den Narben und Wunden) Jedoch wird diese Nähe häufig abgelehnt.

Zeigt, dass ihr euch für das Leben des Betroffenen interessiert, indem wir Fragen, wie das passiert ist und in welchen Situationen die betroffene Person das macht.

Verständnis für SVV zu signalisieren! (Auch wenn es schwer fällt) Es ist wenig sinnvoll, Messer, Rasierklingen und Scheren einzusammeln und wegzuwerfen. Betroffene können sich auch mit ihren eigenen Händen verletzen.
Die Bereitstellungen von Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel zur Versorgung von Wunden ist hier viel sinnvoller.


6. Was man auf keinen Fall tun sollte:

- SVVler unter Druck zu setzten, wie zum Beispiel "Wenn du nicht aufhörst, dann..." Dies setzt den Betroffenen nur noch mehr unter Druck, von dem er sich wieder mit Selbstverletzungen befreien würde!

- Standartsprüche wie "das ist nur eine Phase, das geht wieder vorbei" oder "Jeder Mensch hat Probleme" verletzten uns SVVlern und wir fühlen uns nicht Ernst genommen. SVV ist mehr als nur ein vorrübergehendes Stimmungstief.

- Dumme Bemerkungen oder Sprüche über SVV zu machen, auch wenn sie nicht bös gemeint sind. Viele SVVler lassen sich meistens gar nicht anmerken, wie sehr sie die Bermekung oder der Spruch verletzt hat.

- Es wird kaum etwas bringen, den SVVler unter Druck zu setzen, damit er seine Wunden oder Narben zeigt. Dies setzt den Betroffenen nur mehr unter Druck und eventuell auch in Angstzustände!


7. Mein Leben mit dem SVV

...2001 (ich war 13 und ziemlich pubertär^^) gab es eine sehr schwierige Phase in meinem Leben - wie es sie auch bei anderen Menschen gibt! Ich hatte das erste mal Liebeskummer... Jedoch war dies nicht der Auslöser. Der Stress, den ich mit meinen Eltern hatte, kam noch hinzu.

Mein Vater wurde (und wird heute noch!) sehr schnell Handgreiflich. An eine Situation kann ich mich noch ganz gut erinnern... Meine Mutter war damals einkaufen. Eigentlich wollte ich mitfahren, war enttäuscht und motze rum. Es kullerten auch einige Tränen.
Als mein Vater in mein Zimmer kam und mich weinen sah meinte er nur so "Was flennst du denn hier so rum?" Ich hab ihm dann gesagt das ich eigentlich mit Mama mitfahren wollte... Wie es dann genau zum Streit kam weiß ich nicht mehr. Zuerst packte mein Vater mich an meinem Handgelenk. Ich sagte ihm das es mir wehtut und er aufhören solle. Daraufhin klatschte er mir eine. Aber dies war natürlich noch nicht genug... Er packte mich im Nacken und schlug meinen Kopf gegen die Wand.
Als meine Mutter zurückkam habe ich es natürlich sofort erzählt. Aber sie glaubte mir nicht. Keiner glaubte mir! Ich war ja nur das pubertäre Drecksblag. Ich spinne ja nur blöde herum...!

Dies war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Ich fing an mir mit einer Schere in den linken Arm zu ritzen. Ich habe sogar an Selbstmord gedacht,... und es auch versucht. Ich habe unsere ganzen Medikamentenschrank ausgeräumt. Alle möglichen alten Tabletten genommen, von denen meine Eltern nicht merken würde das sie fehlten... Ich legte mich in mein Bett und weinte... Wartete weinen darauf das mich die Medikamente endlich erlösen würden. Auf einmal wurde mir abwechselnd heiß und kalt, es drehte sich alles wenn ich meine Augen schloss und mir wurde Speiübel. Ich stand auf und ging auf die Toilette. Auf dem Weg dorthin kam es mir immer wieder hoch und ich musste mich an die Wand lehnen, weil ich sonst wahrscheinlich umgekippt wäre. Als ich das Klo erreicht habe ließ ich mich auf meine Kniee fallen und erbrach. Den ganzen Scheiß den ich geschluckt habe kam wieder heraus. Nachdem ich "fertig" war, lehnte ich mich gegen den Wäschekorb der bei uns im Badezimmer steht und schlief ein.

Als ich wieder aufwachte, wusste ich zuerst gar nicht was passiert war, war nassgeschwitzt, hatte tierische Kopfschmerzen. Immernoch drehte sich alles bei mir wenn ich die Augen schloss...

Ich schrieb einer guten Freundin von mir damals davon, also von meinem Selbstmordversuch und von meinem SVV. Jedoch bekamen meine Eltern den Brief damals irgendwie zu lesen... Als ich vom Sport nach Hause kam schrie mein Vater mich an "Und, was nimmst du heute für Pillen?" Ich war total Perplex und wusste gar nicht, woher er das wusste... Doch dann wurde mir bewusst, dass ich den Brief den ich an meine Freundin geschrieben hatte auf meine Schreibtisch hatte liegen lassen.
Damals wussten meine Eltern auch davon, dass ich mich ritze. Aber sie meinen wohl das es nur eine pubertäre Phase wäre...

Nach dem Spruch meines Vaters hatte sich das also alles erledigt...
Für meine Eltern vielleicht. Aber nicht für mich - denn ich kam vom ritzen nicht mehr los!

Seitdem bin ich rapide in der Schule abgesunken. Habe jede Versetzung nur ganz knapp geschafft.
Mein Vater hat seine Aggressionen immer noch nicht unter Kontrolle, schlägt mich, schreit mich ohne Grund an. Meine Mutter schaut weg. Sie nimmt meinen Vater immer wieder in Schutz. Ich sei es ja alles selber Schuld. Aber ICH bin ja sowieso IMMER ALLES Schuld!
Wenn ich unter Druck stehe, traurig oder aggressiv bin, greife ich zur Schere oder Rasierklinge und ritze mich. Das Gefühl der Schmerzen und zu sehen, wie das Blut an meinem Arm herunterläuft, gibt mir ein befreiendes Gefühl.

Jedoch habe ich gemerkt, das ich ein Problem habe und es so wie es jetzt läuft nicht weiterlaufen kann. Den ersten Schritt den ich gemacht habe, um vom SVV loszukommen, ist mich jemandem anvertraut zu haben... Meinem Freund und einem bekannten, der als Angestellter in der Psychatrie arbeitet. Ich hoffe das ich möglichst bald einen Therapieplatz bekommen werde um davon loszukommen, um anders mit meinen Gefühlen und Emotionen umgehen zu können!

Allen anderen die vom SVV Betroffen sind möchte ich folgenden Spruch näher bringen...

"Alles, was man sich wünscht oder erträumt, kann man auch erreichen...
..Tue zuerst das Notwendigste...
... dann das Mögliche...
... und plötzlich schaffst du auch das unmögliche!"

Gebt euch nicht auf, kämpft weiter! Ich wünsche euch viel Mut und Kraft!


------- The End

Vielen Dank für das Lesen meines Erfahrungsberichtes! Ich hoffe er hat euch geholfen, uns SVVler besser zu verstehen.

Ich freue mich natürlich auch auf eure Kommentare!

Liebe Grüße

Anna
...
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Kommentare
Fernsteuerung
Fernsteuerung, 15.05.2011
Hello, 2005 hast Du den Bericht geschrieben. Weiss nicht, ob Du bei Yopi noch aktiv bist ... Wenn es Dich noch gibt, dann wäre es schön, zu hören, wie es Dir geht ... Bist Du zur Therapie, hat sie Dir geholfen die Therapie ... bist du vom Elternhaus losgekommen ... Susanna.
Sang_il
Sang_il, 18.08.2005
Hallo erstmal, naja um ehrlich zusein, ich wusste nicht viel daruumlber. Natuumlrlich hat man schon von Leuten gehoumlrt, die sich selbst ritzen, doch wirklich erstgenommen werden diese Menschen leider nicht.
Also, wie gesagt, du hast mich etwas meh
vincitrice
vincitrice, 06.10.2005
Ein wirklich sher gelungener Bericht!
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Produktbeschreibung SVV - Selbstverletzendes Verhalten

Technische Daten und Produkteigenschaften
psychische Krankheit, die vielfältige Formen der Autoaggression umfasst
Allgemeine Informationen SVV - Selbstverletzendes Verhalten
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